Leigh Bardugo: Das Gold der Krähen [Rezension]

Wenn verratene Krähen sich rächen.

bookcoverSie könnten unterschiedlicher kaum sein: Kaz, Jesper, Wylan, Matthias, Inej und Nina. Die sechsköpfige Truppe, der es im ersten Band der Glory or Grave‹-Dilogie, ›Das Lied der Krähen‹, gelang, in das Eistribunal einzubrechen und eine Grisha zu befreien. Zugegeben: Sie haben nicht genau die Person befreit, die ihr Auftrag vorgesehen hat, aber deswegen ist sie kaum weniger wert.

Das Gold der Krähen‹ schließt relativ nahtlos an die Ereignisse des ersten Bandes an und treibt die Geschichte in großen, spannungsgeladenen Schritten dem Finale entgegen.

Für Kaz’ Truppe geht es mittlerweile um mehr als einen Auftrag mitsamt seiner Belohnung: Es geht um ihr Leben und das ihrer Nächsten; um die Hoffnung, ihre Zukunft frei wählen zu dürfen, und um Rache.

»Seine ganze Aufmerksamkeit galt dem Mann, der an der östlichen Mauer stand und zu den bunten Glasfenstern hinaufblickte, einen zerknitterten Hut in den Händen. Gewissensbisse durchzuckten Jesper, als er merkte, dass sein Vater seinen besten Anzug trug und sich das rote Haar der Kaelisch sorgsam aus der Stirn gekämmt hatte. Es war von grauen Strähnen durchzogen, die noch nicht da gewesen waren, als Jesper sein Zuhause verlassen hatte.«

Es ist unglaublich fesselnd zu sehen, wie sich aus den sechs unterschiedlichen Mitgliedern des Einbruch-Trupps Freundschaften entwickeln. In all ihrer Unterschiedlichkeit, obwohl sie die Lebensweise des Barrels verinnerlicht haben und obwohl jeder Einzelne an seine Grenzen getrieben wird. Dabei bleibt Bardugo ihren Charakteren treu. Die Ganoven des Barrel entwickeln sich nicht plötzlich zu heldenhaften Saubermännern, die nur von dem Drang, Gutes zu tun, angetrieben werden.

Sie bleiben gerissen, verschlagen und ihre Spielchen treibend, bis zuletzt. Doch Bardugos Charaktere wären nicht so wahnsinnig spannend, wenn sie nur das wären. Unter all den Überlebensinstinkten haben Kaz und seine Truppe Ziele, die sie antreiben. Sie geben sich Chancen und geben sich bis zuletzt gegenseitig nicht auf. Ein tolles Team!

»Lieber schreckliche Wahrheiten als freundliche Lügen. Kaz hatte ihr niemals Glück angeboten, und sie traute den Männern nicht, die es ihr jetzt auftischten. Ihr Leiden war nicht umsonst gewesen.«

Obwohl ›Das Gold der Krähen‹ nicht ins vertraute Ravka zurückkehrt, fehlen bekannte Gesichter in diesem Band nicht. Immerhin war Nina früher einmal ein Mitglied der Zweiten Armee, bevor sie von den Drüskelle gefangen genommen wurde.

Spannend, voller Überraschungen und Teamgeist. So schreibt Bardugo ein weiteres Stück der Geschichte der Grischa, in einem Land, indem sie keinen Schutz genießen. Ich hoffe sehr, dass auch nach der Dilogie noch von Kaz und seiner Truppe zu lesen sein wird.

Leigh Bardugo:
Das Gold der Krähen

Glory or Grave
Band 2
Übersetzt von: Michelle Gyo
Knaur HC, München 2018
592 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Roman, Paperback
ISBN 978-3-426-44380-4


Bewertung: 4.5 von 5.

2 Kommentare zu „Leigh Bardugo: Das Gold der Krähen [Rezension]

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