Leigh Bardugo: Goldene Flammen [Rezension]

Von Wünschen, Freundschaft und Entscheidungen.

bookcoverVon klein auf haben die Waisenkinder Alina und Mal einen Wunsch: beieinander zu sein. Sie leben in einer Welt, in der Krieg und Magie herrschen und die zum Teil durch eine riesige Schattenflur überzogen ist. Und die Freundschaft der beiden wird auf die Probe gestellt.

Waise, Kartenzeichnerin und meistens fehl am Platz: Alina Starkov fühlt sich selten wohl in ihrer Haut. Auch unter Menschen scheint sie selten dazuzugehören – nur bei ihrem besten Freund Mal kennt sie dieses Gefühl.

Doch als die beiden älter werden und Mal sich zu einem attraktiven jungen Mann entwickelt, hat er nur Augen für andere Frauen. Alina, auch »Besenstiel« genannt, kann dabei nur zusehen.

»Die Diener nannten sie Malenchki, Geisterchen, denn die Kleinsten und Jüngsten suchten das Haus des Herzogs heim wie kichernde Phantome, rannten durch die Zimmer, versteckten sich in Schränken, um zu lauschen, und stahlen die letzten Pfirsiche des Sommers aus der Küche.«

Als die beiden Kindheitsfreude im Zuge ihrer Ausbildungen zur Kartenzeichnerin und zum Fährtenleser die von Volkra bewohnte Schattenflur durchqueren müssen, verändern sich die Leben der beiden grundlegend: Alina schützt ihren Freund Mal durch Kräfte, die sie bislang nicht einmal erahnt hat. Sie verlassen die Schattenflur wieder und Alina Starkov wird einem Mann übergeben, der sich »Der Dunkle« nennt. Er ist der Anführer der Grisha und zählt zu den mächtigsten Männern im Reich.

»Die Volkra waren blind, weil sie seit Generationen auf der Schattenflur lebten und jagten, aber sie konnten Menschenblut angeblich schon aus weiter Ferne wittern.«

bookcoverUnd ausgerechnet die als mager und hässlich verlachte Alina, mit ihren dunklen Augenringen und den hageren Ärmchen soll Kräfte besitzen, für die sich ein solcher Mann interessiert? Nicht, wenn man Alinas Einschätzung ihrer selbst glauben darf.

Doch der Dunkle macht sich ein eigenes Bild von ihr und wird zu ihrem Mentor. Sie reisen zum Hof des Zaren und Alina wird in die Reihen der Grisha aufgenommen: wunderschöne Frauen und Männer, die der Magie mächtig sind. Ein Blick in den Spiegel genügt für sie, um das Gefühl zu haben, dass sie wieder nicht hineinpasst. Bis zu dem Tag, als ihre Kräfte wieder aus ihr hervorbrechen.

»Dieser Dunkle hatte die Grisha schon vor meiner Geburt befehligt, und trotzdem wirkte der Mann, der vor mir auf dem Podest thronte, nicht viel älter als ich. Sein Gesicht war schön und markant, er hatte volles schwarzes Haar und klare graue, wie Quarz glänzende Augen. Es hieß, die mächtigsten Grisha lebten sehr lange, und der Dunkle war der mächtigste von allen.«

Mit ›Goldene Flammen‹ schafft Leigh Bardugo den Auftakt zu einer Fantasy-Reihe um die ›Legenden der Grisha‹, der von der ersten Seite an mitreißt und den Figuren Leben einhaucht. Dabei ist die phantastische Welt, die sie schafft, erfrischend klischeefrei. Was zu Beginn schwarz und weiß scheint, verliert bald an Klarheit. Die Ziele und Pläne der Figuren überschneiden und verwischen sich.

Bardugo macht es ihren Figuren nicht leicht, sie treibt sie wiederholt zum Äußersten und lässt nicht für einen Moment Langweile aufkommen. Und doch überschlagen sich die Ereignisse mitunter so schnell, dass auch der Leser herumgewirbelt wird, bis nur noch Eines klar ist: Die nächsten Bände ›Eisige Wellen‹ und ›Lodernde Schwingen‹ müssen so schnell wie möglich erscheinen.

Leigh Bardugo:
Goldene Flammen

Legenden der Grisha, Band 1
Roman
Übersetzt von: Henning Ahrens
Knaur TB Verlag, München 2020
352 S., EUR (D) 12,99 inkl. MwSt.
Taschenbuch
ISBN 978-3-426-52444-2

Rezension erstmals erschienen auf: LizzyNet


Bewertung: 5 von 5.

6 Kommentare zu „Leigh Bardugo: Goldene Flammen [Rezension]

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