Ragnar Jónasson: Insel [Rezension]

Die Last eines zehn Jahre alten Geheimnisses.

bookcoverSie erzählt ger­ne Geschich­ten. Sie schmückt sie aus und füllt die Lücken, bis sie sicher ist, sie auf die span­nends­te Wei­se erzäh­len zu kön­nen. Immer wenn sie das abge­le­ge­ne Som­mer­haus ihrer Fami­lie besucht, erzählt sie eine bestimm­te Geschich­te.

Einst soll einer ihrer Vor­fah­ren in der Nähe gelebt haben, der vor vie­len Jah­ren als Hexer au dem Schei­ter­hau­fen ver­brannt wur­de. Und manch­mal, wenn man nachts wach­liegt und nicht schla­fen kann, soll man ihn noch hören kön­nen.

Nie­mals wür­de sie eine Nacht allein im Som­mer­haus ver­brin­gen. Auch die­ses Mal ist sie nicht allein dort­hin gefah­ren. Nie­mand weiß, dass sie dort sind. Es soll ihr Geheim­nis sein; doch die­ses Geheim­nis for­dert sei­nen Preis.

»Sie durch­quer­ten die Hoch­moo­re, eine baum­lo­se Land­schaft, die sich karg und unheil­voll leer in der Däm­me­rung vor ihnen erstreck­te, und fuh­ren ent­lang des größ­ten Fjords, des Ísaf­jarðard­júp, zur Küs­te hin­un­ter.«

Dagur muss mit anse­hen, wie sein Vater noch im Schlaf­an­zug aus dem Haus geführt und ver­haf­tet wird. Er will es ver­hin­dert, wehrt sich, doch er kann es nicht ver­hin­dern. Er weiß, dass in die­sem Moment sei­ne Fami­lie kaputt­geht.

»Der Frie­den war gestört wor­den, in der Nach­bar­schaft und in sei­ner Fami­lie. Nie­mand, der es mit ange­se­hen hat­te, wür­de jemals den Anblick ver­ges­sen, wie Vetur­liði in der Däm­me­rung nur mit einem Schlaf­an­zug beklei­det, von der Poli­zei aus sei­nem Haus gezerrt wor­den war, wäh­rend sein Sohn Zeter und Mor­dio geschrien hat­te.«

Dem zwei­ten Teil der ›Hul­da‹-Tri­lo­gie gelingt es mühe­los, an die Qua­li­tät des ers­ten Ban­des, ›Dun­kel‹, anzu­knüp­fen. Zwar baut er nicht auf den Gescheh­nis­sen des ers­ten Ban­des auf, da die Bän­de achro­no­lo­gisch ange­ord­net sind, doch zeigt er für man­ches dar­in einen Teil der Vor­ge­schich­te. Im zwei­ten Band ist Hul­da jün­ger, der Ruhe­stand noch in der Fer­ne und ihr Wunsch nach einem Kar­rie­re­sprung groß.

bookcoverRag­nar Jónas­son ist ein Meis­ter der lei­sen und unauf­dring­li­chen Span­nung. Die Atmo­sphä­re ist dicht, die Stim­mung düs­ter und geheim­nis­um­wo­ben.

Insel‹ braucht kei­nen mög­lichst bes­tia­li­schen oder blu­ti­gen Mord – viel­mehr leben die Fäl­le von Geheim­nis­sen, mensch­li­chen Bin­dun­gen und Nöten. Vie­le schei­nen etwas zu ver­heim­li­chen zu haben, alte Pro­ble­me schwe­len noch unter der Ober­flä­che.

Nach­dem ›Dun­kel‹ und ›Insel‹ bereits über­zeu­gen konn­ten, bleibt nur noch, auf den drit­ten Band der Tri­lo­gie – ›Nebel‹ – zu war­ten. Eins ist auch hier sicher: Es wird span­nend wer­den.

Buchinfo

Rag­nar Jónas­son:
Insel

Die HUL­DA-Tri­lo­gie, Band 2
Thril­ler
Über­setzt von: Kris­ti­an Lut­ze
btb, Mün­chen 2020
384 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Paper­back
ISBN 978–3‑442–75861‑6

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abwei­chen.


Bewer­tung: 4.5 von 5.

Bewer­te die­sen Post 🎔

2 Kommentare zu „Ragnar Jónasson: Insel [Rezension]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.