Von alten Flüchen und bösen Königen

Marra ist eine Prinzessin des Hafenkönigreichs. Doch einen Prinzen zu heiraten, steht definitiv nicht auf ihrer Wunschliste. Und auch ihre älteren Schwestern würde sie gerne vor diesem Schicksal bewahren, die nacheinander an den grausamen Prinzen Vorling verheiratet werden.
Denn Vorling will nur eines: einen Erben. Und Gnade der Frau, die ihm nicht schnell genug einen Nachfolger gebiert. Marra will keinen Prinzen heiraten. Sie will ihn töten.
Und dafür ist sie bereit, jeden Weg zu gehen. Ganz gleich, ob er sie ins eitrige Land führt, um unlösbare Aufgaben zu lösen, sie mit ihren Zähnen oder Jahren ihres Lebens zahlen muss und wie weit sie dafür reisen muss.
»Als junges Mädchen hätte sie das wohl nicht verstanden, doch Marra war nicht mehr das Mädchen von früher. Sie war dreißig Jahre alt, und alles, was von jenem Mädchen übrig geblieben war, waren die Knochen.«
Bei kaum einem Buch war ich in letzter Zeit so zwiegespalten wie bei ›Wie man einen Prinzen tötet‹. Dieses Buch macht so viel richtig. Es ist voller wunderbarer Ideen, originell und fantasievoll. Es hat eine unglaubliche Atmosphäre und Figuren voller Ecken und Kanten. ›Wie man einen Prinzen tötet‹ ist bildgewaltig und voll des Zaubers alter Märchen.
Marra ist keine typische Heldin. Sie wird nicht über ihre Schönheit definiert, nicht über ihre Jugend oder ein besonderes Talent, das nur sie besitzt. Marra ist wir alle. Besonders, mutig, stark und schwach zugleich. Und das ist wunderbar erfrischend. Ihre frühesten Verbündeten sind ein Hund aus Knochen und eine alte, mürrische Frau, die mit den Toten sprechen kann.
»[Marras Mutter] und Marra sahen sich sehr ähnlich, rundlich und breitgesichtig, nicht zu unterscheiden von irgendeinem der Bauern, die auf den Feldern vor dem Schloss arbeiteten.«

Gleichzeitig entwickelt ›Wie man einen Prinzen tötet‹ einfach nicht diesen Sog, den ich an Romanen oft so liebe. Es dauerte lange, bis ich wirklich in der Handlung angekommen war und der Geschichte weiter folgen wollte und nicht mehr nur von einer atmosphärischen Idee zur Nächsten gewechselt bin.
Auch stört es mich, dass ›Wie man einen Prinzen tötet‹ erst so viel richtig macht in Bezug auf Marra, um dann doch einen Mann in die Geschichte einzuführen, der sie retten und plötzlich ständig stützen muss. Irgendwie scheint sich in meinen Augen plötzlich ein Teil dessen zu verändern, wie sie als Charakter geschrieben ist. Es passt nicht so richtig. Als hätte die Autorin sich mittendrin entschieden, Marra eine andere Entwicklung zu geben. Nicht, dass sie keinen Mann an ihrer Seite haben darf. Aber warum muss sie plötzlich gefühlt ständig gestützt werden?
»Marra war ein mürrisches Kind gewesen – die Art von Kind, das immer genau an der falschen Stelle steht, sodass es die Erwachsenen auffordern müssen, aus dem Weg zu gehen.«
Fazit zu ›Wie man einen Prinzen tötet‹
›Wie man einen Prinzen tötet‹ lässt mich sehr zerrissen zurück. Auf der einen Seite mag ich dieses Buch sehr. Die Stimmung, die wunderbaren Ideen, all die Elemente dieser Welt. Gleichzeitig liest es sich lange wie eine Ideensammlung über das Magiesystem einer Welt. Mehr wie eine Skizze zum Worldbuilding, in das am Rande eine Handlung eingeflochten ist. In meinen Augen hätte dieses Buch einfach noch so viel mehr sein können und es ist so voller unausgeschöpftem Potenzial. Ich werde also auf jeden Fall gespannt auf T. Kingfishers nächstes Buch warten.
Buchinfo

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