Nell Frizzell: Panic Years [Rezension]

Und wann ist es bei dir endlich soweit?

bookcover»Und wann ist es bei dir soweit?« Ich weiß nicht, wie oft ich diese Frage schon gehört habe. Ganz gleich in welchem Alter. Wann bist du mit der Schule fertig? Willst du wirklich noch so lange studieren? Klingeln bei dir nicht auch bald mal die Hochzeitsglocken? Und wann ist bei dir Nachwuchs geplant?

Für fast jeden Lebensabschnitt gibt es irgendeinen Meilenstein, den man doch langsam mal erreicht haben könnte. Wenn ältere Generationen dann nachrechnen, kommen sie mitunter schnell darauf, dass sie in dem Alter ja schon soweit waren.

Gut, studieren kann man auch noch im Alter. Manche Meilensteine lassen sich aber nicht in die späten Lebensjahrzehnte auslagern – leider hat da die berühmte biologische Uhr noch ein Wörtchen mitzureden.

»Am Morgen meines achtundzwanzigsten Geburtstags wachte ich allein in einem Einzelbett im Gästezimmer meiner Mutter auf und erinnerte mich daran, dass mein Freund der letzten sechs Jahre nicht mehr mein Freund war. Während ich vom Gewicht meines eigenen Herzens auf die Matratze gedrückt wurde, kam mir der Gedanke, dass ich mich zum ersten Mal seit langer Zeit allein fühlte, fremd, unsicher und ungebunden.«

Familienplanung ist ein schönes Wort. Es klingt solide, vertrauensvoll und erwachsen. Wie etwas, das einige ehemalige Klassenkameraden und Klassenkameradinnen zur Perfektion gebracht haben. Das Ende der 20er und der Anfang der 30er ist dieses seltsame Alter, in dem die einen schon Kinder und Doppelhaushälfte haben und die anderen sich gebunden fühlen, wenn sie sich die neue Playstation kaufen.

Wenn also die Generationen zuvor und auch die eigene Generation nicht unbedingt ein guter Vergleich zu einem selbst ist – wie geht man dann mit den großen Fragen dieser Jahre um?

»Trotzdem hat diese Periode keinen Namen. Im Gegensatz zu Kindheit, Jugend, Menopause oder Midlife-Crisis haben wir keinen allgemeingültigen Begriff für den Tumult aus Zeit, Hormonen, gesellschaftlichem Druck und Sehnen nach einem Kind, der über viele Frauen mit Ende zwanzig, Anfang dreißig hereinbricht.«

Wunderbar erfrischend und ehrlich wendet sich Frizzell in ›Panic Years‹ genau dieser Zeit zu. Eine Zeit, die ohnehin vom mal mehr und mal weniger unterschwelligen Druck der Kinderfrage getragen wird. Denn sich hinterher falsch entschieden zu haben, will man auch nicht von sich sagen müssen.

Frizzells Buch erzählt wunderbar nah und zwanglos von dieser Zeit und wendet sich Themen rund um Kinderwunsch, Elternschaft und was damit einhergeht zu.

»Diese Jahre sind geprägt durch die ewige Frage: Soll ich ein Baby bekommen, und wenn ja, wann, wie, warum und mit wem? Diese Frage sickert im Laufe der Zeit in jeden Bereich unseres Lebens.«

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Fazit zu ›Panic Years‹

Panic Years‹ hat mich sofort angesprochen und genau zur richtigen Zeit abgeholt. Es ist schön, neben all dem ›Du solltest aber langsam mal‹, das man sonst in dieser Zeit vielleicht hört, über einen doch etwas anderen Umgang mit dem Thema zu lesen.

Buchinfo

Nell Frizzell:
Panic Years

Dates, Zweifel und die eine große Frage im Leben
Übersetzt von Yasemin Dincer
Hoffmann & Campe, Hamburg 2022
368 S., EUR (D) 23,- inkl. MwSt.
ISBN 978-3-455-01396-2

Das hier dargestellte Cover und die angegebene Ausgabe können von den derzeit erhältlichen Ausgaben abweichen.


Bewertung: 4 von 5.


2 Kommentare zu „Nell Frizzell: Panic Years [Rezension]

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