Lea Blumenthal: Mach’s wie die Möwe, scheiß drauf! [Rezension]

Von Fluch und Segen der Harmonie.

bookcoverHarmonie, eine entspannte Atmosphäre, gemeinsames Wohlgefühl. Für viele klingt dies wie ein Traum. Zugegeben, wie ein Alptraum klingt es nicht gerade. Doch wie weit würde man dafür gehen, welchen Preis dafür bezahlen?

Sich wöchentlich zu einer Joggingrunde mit einer Freundin zwingen, auch wenn man so gar keine Lust darauf hat? Ständig zu Sachen ›Ja‹ sagen, zu denen man eigentlich lieber ›Nein‹ gesagt hätte? Die eigenen Bedürfnisse und Wünsche zurückdrängen oder verschweigen, um bloß nicht anzuecken?

»›Das Bedürfnis nach Harmonie ist uns in die Wiege gelegt‹, erklärt Tina, als wir zehn Minuten später nebeneinanderher joggen. Sie ist Psychologin, was manchmal gut und manchmal blöd ist, je nachdem, ob ich gerade Lust habe, mich mit mir und meinem Leben auseinanderzusetzen.«

Niemals mit einem Mitmenschen aneinanderzugeraten, kann ein ganz schöner Kraftakt sein. Vor allem, wenn einem die lieben Mitmenschen einen Strich durch die Rechnung machen. Herrlich leicht und mit viel Humor erzählt Blumenthal von den vielen kleinen und großen Herausforderungen in einem Leben mit ›Harmoniesucht‹, dem nicht nur die Nachbarin Steine in den Weg legt.

In ›Mach’s wie die Möwe, scheiß drauf!‹ geht Blumenthal den Mechanismen bei der ›Sucht‹ nach Harmonie auf den Grund. Warum haben so viele Menschen ein so ausgeprägtes Bedürfnis nach Harmonie und andere scheuen keinen Konflikt? Welche Vor- und welche Nachteile hat das Streben nach Harmonie und wann fängt es an, sich zu einem Problem zu entwickeln? Mit einem kleinen Selbsttest, ob man selbst zu den Harmoniesüchtigen gehört.

»Ich kann mich an keine Zeit in meinem Leben erinnern, in der ich gern an einem Konflikt teilgenommen hätte. Weder als Kind noch als Jugendliche noch als Erwachsene. Ganz im Gegenteil, wenn es irgendwo Knatsch, Ärger oder Streit gab, machte ich mich sofort aus dem Staub.«

Und gibt es Wege, das eigene Streben nach Harmonie in ein gesünderes Verhältnis zu bringen? ›Mach’s wie die Möwe, scheiß drauf!‹ ist voller herrlicher Anekdoten und Alltagsgeschichten, die zum Schmunzeln bringen und dennoch keinen Zweifel daran lassen, dass zuviel Harmonie auch seine Probleme mit sich bringen kann.

Besonders, wenn die eigenen Mitmenschen anders ticken.

»Boris ist der einzige Mensch auf der Welt, der dazu befähigt ist, ein Personenkraftfahrzeug anständig zu bewegen. Findet er. Die zwei, drei Mal, bei denen er mein Beifahrer war, endeten immer in einer Beziehungskrise.«

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Fazit zu ›Mach’s wie die Möwe, scheiß drauf!‹

Mach’s wie die Möwe, scheiß drauf!‹ ist eine Leseempfehlung für alle, die gerne mal häufiger ›Nein‹ sagen würden oder die ahnen, dass ihnen ein wenig mehr Konfliktfähigkeit gut tun könnte. Unterhaltsam geschrieben, liest es sich fast von selbst und lädt zum Verleihen und Verschenken an all jene ein, in deren Leben Harmonie eine zu große Rolle spielen könnte.

Buchinfo

Lea Blumenthal:
Mach’s wie die Möwe, scheiß drauf!

Wie ich (fast) aufhörte nett zu sein
Gräfe und Unzer, München 2022
192 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Softcover
ISBN 978-3-8338-8321-7

Das hier dargestellte Cover und die angegebene Ausgabe können von den derzeit erhältlichen Ausgaben abweichen.


Bewertung: 4.5 von 5.


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