Holly Black: Elfenkrone [Rezension]

Von einem Mädchen, das sich nicht unterkriegen lässt.

bookcoverZwei Schwestern, die sich aufs Haar gleichen, und doch unterschiedlicher nicht sein könnten. Nachdem sie mitansehen müssen, wie ihre Eltern getötet werden, ändert sich ihr ganzes Leben. Nicht nur in einer anderen Familie müssen sie aufwachsen, sondern in einer anderen Welt. Bei eben dem Mann, der ihre Eltern tötete, als wäre das Töten mühelos.

Doch ist, bei dem Mörder ihrer Eltern aufzuwachsen, nicht das Einzige, womit die beiden Zwillingen und ihre Schwester Vivi zurechtkommen müssen. Kaum eine Elfe scheint ihnen freundlich gesinnt. Vor allem nicht jene, die zum Adel gehören, und zusammen mit ihnen unterrichtet werden. Denn der Mörder ihrer Eltern ist nicht irgendjemand, sondern ein General des Königs.

Elfen können nicht lügen, doch Menschen verfluchen und mit Zaubern belegen. Sie haben eine Schwäche für Rätsel und für ihresgleichen. Und vor allem der Elfenprinz Cardan scheint nichts unversucht zu lassen, Jude, die wehrhaftere der beiden Zwillinge, zu demütigen.

»Doch eins verstehen sie nicht: Ja, sie machen mir Angst, aber ich kenne es nicht anders, denn so war es von Anfang an. Der Mann, der meine Eltern ermordet hat, zieht mich hier groß, in einem Land voller Ungeheuer.«

Als wären sie Spielzeug, nur dafür gemacht, dass das Elfenvolk sich an ihnen belustigen kann. Ganz gleich, ob durch Erniedrigung oder Schmerz.

Doch auch wenn sie die Zwillinge nicht täglich daran erinnern würden, wie stark sich die beiden Völker voneinander unterscheiden, könnten sie es nicht vergessen. Es ist nicht nur die Form ihrer Ohren, die sie trennt: Auch die Körper sind anders, voller Kurven und Rundungen, die den schönen Elfen fehlen.

»Die ganze Nacht hat Prinz Cardan mich nicht aus den Augen gelassen, wie ein Hai, der rastlos im Kreis schwimmt und auf den richtigen Zeitpunkt wartet, um zuzubeißen. Ich sehe seine rabenschwarzen Augen immer noch vor mir. Und wenn ich, um ihn zu ärgern, immer noch lauter lachte, strahlender lächelte und Locke länger küsste, ist das eine Tücke, die nicht einmal das kleine Volk verurteilt.«

Auch, dass sie die Ziehtöchter eines Generals sind, kann sie immer weniger schützen. Jude ist es genug. Sie will sich nicht mehr klein machen und wie Dreck behandelt werden. Sie will sich wehren. Und wird dadurch Teil eines Spiels, von dem sie noch nicht wusste, dass es gespielt wird.

bookcoverDoch dafür muss Jude Entscheidungen treffen. Obwohl sie weiß, dass danach nichts mehr so sein kann, wie es war.

Mit ›Elfenkrone‹ ist Holly Black ein fantastischer Einstieg in eine Trilogie gelungen, die sicherlich noch viele Überraschungen bereithalten wird. Obwohl es anfangs etwas dauerte, in der Welt wirklich anzukommen, war danach kein Halten mehr. Zu facettenreich sind die Charaktere, zu verwickelt ihre Vergangenheit und ihre Entscheidungen. Diese Welt, in der Jude gezwungen ist aufzuwachsen, ist blutig und geheimnisvoll.

Man wünscht den Mädchen eine Verschnaufpause und Wärme, doch mit jeder weiteren Entscheidung wird deutlich, dass es das nicht so leicht geben wird. Und so bleibt es spannend mitzuerleben, ob Jude das Elfenreich zu einem Ort machen kann, an dem auch Menschen respektiert werden. Ich werde auf jeden Fall weiterlesen.

Holly Black:
Elfenkrone

Die Elfenkrone-Reihe, Band 1
Ab 14 Jahren
Übersetzt von: Anne Brauner
cbj HC, München 2020
448 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Roman, Taschenbuch
ISBN 978-3-570-31358-9


Bewertung: 4 von 5.

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