Silke Heimes: Ich schreibe mich gesund [Rezension]

bookcoverAls zumindest studierte Psychologin und Literaturwissenschaftlerin, finde ich vieles, was die beiden Bereiche miteinander verbindet, unglaublich spannend. Das Schreiben zu nutzen, um zu mehr Ausgeglichenheit und Gesundheit zu finden oder um den eigenen Beschwerden Ausdruck zu verleihen, hat lange Tradition.

Dabei stellt Heimes natürlich nicht den Anspruch, durch ich schreibe mich gesund professionelle Beratung und Hilfe ersetzen zu wollen.

Vielmehr will sie durch das Schreiben über Beschwerden, den Lesern und Leserinnen ein Werkzeug in die Hand geben, über dessen Voraussetzungen sie bereits selbst verfügen. Dabei geht es nicht darum, besonders ›gut‹ oder ›tiefsinnig‹ zu schreiben.

»Die wenigsten Menschen brauchen Konsum, Erfolg oder Selbstdarstellung, um gesund und glücklich zu sein. Vielmehr sind es die kleinen Dinge und stillen Momente, die zählen. Deswegen können nur Sie selbst herausfinden, was Ihre persönliche Gesundheits- und Glücksformel ist.«

Durch ich schreibe mich gesund lädt Heimes zu einem Kennenlernen mit sich selbst ein. Vor allem ein Kennenlernen all jener Teile von sich, die sonst im Alltag kaum Platz finden können. Die ersten rund 60 der 240 Seiten des Buches widmet Heimes den theoretischen Grundlagen und Überlegungen, die dem ›Gesundheitstagebuch‹ zugrunde liegen sollen.

Der Großteils der anderen Seiten des Buches ist jedoch für das ›Gesundheitstagebuch‹ reserviert. Dieses ist in drei Etappen gegliedert, die jeweils vier Wochen des Schreibprojektes umspannen. Jede der Etappen und jede Woche verfügt wiederum über eine kurze Einleitung, um sich mit dem jeweiligen Schwerpunkt vertraut zu machen. Ob über den »Umgang mit schwierigen Gefühlen«, das Kennenlernen der »wahren Bedürfnisse« oder die Einleitung zum Perspektivwechsel: Diese Themen und weitere finden in ich schreibe mich gesund ihren Platz.

Zusätzlich verfügt jede Woche über eine Wochenreflexion, jede Etappe über eine Etappenreflexion und das Buch an sich über eine Abschlussreflexion. Somit hat der Leser – und Schreiber – mehrmals die Möglichkeit, sich mit den unterschiedlichen Schwerpunkten kritisch auseinanderzusetzen.

»Und obwohl wir innerlich dauernd von etwas bewegt sind und unser Körper ebenfalls ständig in Bewegung ist, ist die Frage, wie es uns geht und was uns bewegt, nicht immer leicht zu beantworten, weil wir im Alltag oft darüber hinweggehen. Zudem handelt es sich bei dem, was uns bewegt, meist um eine Mischung aus Gefühlen und Gedanken, die manchmal nur schwer auseinanderzuhalten sind.«

Auch in der Angabe ihrer Quellen will Heimes transparent sein, so verfügt der Anhang über eine Seite mit Buchtipps, einen Anmerkungsapparat und Zitatnachweise. In der verwendeten Literatur ist Heimes um Aktualität bemüht: nur eine verschwindend geringe Anzahl der verwendeten Quellen sind noch aus den 80er- oder 90er-Jahren. Die überwiegende Mehrheit hingegen ist nach 2000 publiziert worden, aus den letzten fünf Jahren ist jedoch nur sehr wenig Forschung in den Anmerkungsapparat aufgenommen worden.

So kann Heimes Buch ich schreibe mich gesund natürlich keine Alternative zu professioneller Hilfe sein, aber will die Möglichkeit geben, sich selbst und die eigenen Beschwerden besser kennenzulernen. Auch bei einer Verschlechterung der Beschwerden sollte das 12-Wochen-Programm natürlich nicht stoisch bis zum Ende ertragen werden. Das Wohlbefinden soll im Zentrum stehen und zugleich ein Sich-Zeit-Nehmen um über das nachzudenken, was einen bewegt.

Silke Heimes:
Ich schreibe mich gesund

Mit dem 12-Wochen-Programm zu Gesundheit und Ausgeglichenheit
dtv Ratgeber, München 2020
240 S., EUR (D) 18,- inkl. MwSt.
Hardcover
ISBN 978-3-423-28222-2


Eine Haftung der Rezensentin für Personen-, Sach- oder Vermögensschäden ist ausgeschlossen.

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