John Strelecky: Auszeit im Café am Rande der Welt (2019)

Von Unwettern und anderen nützlichen Begebenheiten.

Ein stürmischer Tag, zwei geplatzte Reifen und eine Unterführung genügen, um die Wege zweier Menschen einander kreuzen zu lassen. So begegnet der Ich-Erzähler John nach der Beerdigung seines Patenonkels der jungen Hannah.
Der Sturm treibt die beiden in die gleiche Unterführung – er mit einem geplatzten Autoreifen und auf der Suche nach Schrauben, sie mit einem platten Fahrradreifen. Die junge Hannah ist misstrauisch gegenüber dem Fremden, der ihr anbietet, sie nach dem Reifenwechsel nach Hause zu fahren.

Der Sturm treibt die beiden in die gleiche Unterführung – er mit einem geplatzten Autoreifen und auf der Suche nach Schrauben, sie mit einem platten Fahrradreifen. Die junge Hannah ist misstrauisch gegenüber dem Fremden, der ihr anbietet, sie nach dem Reifenwechsel nach Hause zu fahren.

Das Mädchen zögerte. Offenbar versuchte es zu beurteilen, ob es sicher war oder nicht.

Als sie sich schlussendlich doch darauf einlässt, suchen sie gemeinsam in der Dunkelheit des Sturmes nach einer vertrauten Straße oder Ecke und finden stattdessen etwas, das in John Erinnerungen weckt: das „Café der Fragen“. Doch während während er sich darüber freuen kann – das letzte Mal hat er das Café vor über zehn Jahren auf Hawaii betreten –, wird Hannahs Misstrauen – durch seine plötzliche Vertrautheit mit dem Ort und den Personen darin – wieder wach.

So plötzlich sich Hannah und John über den Weg gelaufen waren, so schnell sind sie auch wieder voneinander getrennt. Hannah verlässt das Café, bleibt draußen stehen und hadert mit sich, ob sie wieder in das warme Innere gehen oder verschwinden soll. John hingegen trifft sowohl bekannte als auch neue Gesichter im Innern des Cafés und macht sich bereit auf eine Auseinandersetzung mit sich selbst.

Während John vertraut ist mit den Eigenheiten des Cafés und den Fragen sowie Antworten, die dort gefunden werden können, weiß Hannah nicht, ob sie sich auf den Ort und seine Besucher einlassen soll. Ähnlich geht es dem Leser bisweilen mit Auszeit im Café am Rande der Welt. Man muss sich einlassen auf die Fragen, die John Streleckys Buch aufwirft, auf die Wege, zu Antworten zu kommen, die angeboten werden.

Obwohl dieser Besuch im Café der Fragen an manchen Stellen konstruiert wirkt, vor allem in Bezug auf ein paar wenige Figuren – ein Effekt der durch die Mischung aus Unwirklichkeit und Wirklichkeit auch gewollt sein kann –, und bereits der Umschlag kaum eine Chance auslässt, den Leser darauf hinzuweisen, dass es sich um einen erneuten Besuch im Café handelt, können sich auch Strelecky-Neuleser an diesen Band wagen.

Denn die Geschichten, die darin erzählt werden, lassen auch den im Café noch Unerfahrenen an sich teilhaben, sodass der Leser Seite um Seite mit Gedanken vertraut wird, die noch über das Buch hinaus zum Nachdenken anregen.
Wer also seinen inneren Skeptiker bei offen zu Gedanken anregenden Texten im Zaum halten kann, dem kann ich John Streleckys Auszeit im Café am Rande der Welt mit gutem Gewissen empfehlen.

Ich war wieder da. Aber warum?

Wer darüber hinaus durch ein Buch nicht nur von sich selbst abgelenkt werden will, sondern während des Lesens sich selbst zugewandt sein will, der wird an dieser „Auszeit“ Gefallen finden. Und ganz nebenbei erfahren, was ein Stück Isolierband mit dem eigenen Leben zu tun hat.

John Streleckys: Auszeit im Café am Rande der Welt
Eine Wiederbegegnung mit dem eigenen Selbst
dtv, München 2019.
160 S., Softcover, EUR 9,90
ISBN 978-3-423-34964-2
Rezension zuerst erschienen auf: LizzyNet


Bewertung: 4 von 6.

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