Mary Shelley: Frankenstein [Rezension]

Mary Shelley: Frankenstein oder der moderne Prometheus [Rezension]

Von einem Monster ohne Namen und einem Mann. 

shelley frankensteinAls Mary Woll­stone­craft Shel­ley ihren Roman ›Fran­ken­stein oder Der moder­ne Pro­me­theus‹ schrieb, war sie kaum 20 Jah­re alt. 

200 Jah­re sind ver­gan­gen, doch Fran­ken­stein scheint nicht in Ver­ges­sen­heit gera­ten zu sein. 

Mary Shel­leys Debüt­ro­man erzählt die Geschich­te des jun­gen Wis­sen­schaft­lers Vik­tor Fran­ken­stein und sei­nes Mons­ters. Aus den Lei­chen­tei­len ver­schie­de­ner Ver­stor­be­ner sucht sich Fran­ken­stein die Tei­le für den Men­schen zusam­men, den er erschaf­fen will, wie Pro­me­theus der Sage nach einst den Men­schen erschuf.

Doch Vik­tor ver­wen­det für die Erschaf­fung sei­nes Men­schen kei­ne durch­schnitt­li­chen Leichenteile. 

»Da die Fein­heit der ein­zel­nen Tei­le lan­ge Zeit zu ihrer Nach­bil­dung erfor­dert hät­te, beschloß ich, ent­ge­gen mei­ner ursprüng­li­chen Absicht, dem Wesen eine gigan­ti­sche Sta­tur zu geben.«

Und mit die­ser Ent­schei­dung nimmt der Roman den Ver­lauf hin zu jener Schre­ckens­fi­gur, die auch heu­te noch aus zahl­rei­chen Gru­sel­fil­men bekannt ist. Vik­tor woll­te einen Men­schen erschaf­fen, doch erschuf er etwas, des­sen Aus­se­hen Grau­en und Abscheu in den Men­schen hervorrief.

frankenstein.1831.inside cover e1570813120610Vik­tors Vor­ha­ben glückt. Doch er kann sei­nen Erfolg nicht genie­ßen. Ihm graut vor dem, was er geschaf­fen hat.

»Und da – da stand im blei­chen, gelb­li­chen Lich­te des Mon­des, das durch die Fens­ter­vor­hän­ge drang, das Unge­heu­er, das ich geschaf­fen hatte.«

Vik­tor flieht, als sein Mons­ter zum Leben erwacht. Und ab die­sem Moment erin­nert nur noch wenig im Roman an die zum Kli­schee ver­kom­me­ne Fran­ken­steins Mons­ter-Gestalt vie­ler Filme.

Vik­tors Leben wird sich von die­sem Moment an ver­än­dern, Tote beglei­ten von nun an sei­nen Weg. Doch sind die Tref­fen von Fran­ken­stein und sei­nem Mons­ter im Roman hin­ge­gen zumeist von Gesprä­chen beglei­tet, deren Sub­stanz sowohl über das jun­ge Alter der Autorin als auch über das Innen­le­ben des Mons­ters stau­nen lässt.

Denn bevor Vik­tors Unge­heu­er in die Fuß­stap­fen des Mons­ters tritt, und sich dem nähern wird, was Vik­tor Fran­ken­stein und sei­ne Zeit­ge­nos­sen bereits von Geburt an in ihm sehen, ist er eine Krea­tur, die sich ein Leben zu gestal­ten sucht. Doch da Vik­tor noch vor einem ers­ten Gespräch vor ihm flieht, muss das Mons­ter sich allein in der Welt zurecht­fin­den, es muss ler­nen, wie die Men­schen sind und wie sie sprechen. 

»Alle Men­schen ver­fol­gen mich mit ihrem Haß. Und war­um muß ich gera­de so geh­aßt wer­den, der ich doch selbst so über alle Maßen elend bin?«

Doch da das Mons­ter bei den Men­schen kei­nen Platz fin­den kann, die es wegen sei­ner mons­trö­sen Gestalt ableh­nen, wünscht er sich von Vik­tor Fran­ken­stein, dass er ihm eine Frau erschaf­fen soll: Das Mons­ter will nicht allein sein. Doch Vik­tor lehnt ab.

Und da Vik­tor nicht bereit ist, sei­nem Mons­ter ein Leben in Zwei­sam­keit und mit poten­zi­el­len Nach­kom­men zu gewäh­ren, lässt das Mons­ter ein sol­ches Leben auch für Vik­tor Fran­ken­stein nicht mehr zu. Die bei­den Geschöp­fe wer­den ein­an­der ähn­lich in ihrem Los, auf sich allein gestellt zu sein und wäh­rend sie sich anein­an­der annä­hern, ist auch Fran­ken­steins Name im heu­ti­gen Aus­tausch auf das namen­lo­se Mons­ter übergegangen.

Fazit zu ›Frankenstein

shelleyLan­ge hat ein Buch mei­ne Erwar­tun­gen und Vor­stel­lun­gen nicht mehr so stark über­stie­gen wie Mary Shel­leys ›Fran­ken­stein‹. Statt einen schau­ri­gen Gru­sel­ro­man, der über die Ebe­ne des guten Dok­tors gegen ein böses Mons­ter nicht hin­aus­kommt, stieß ich auf einen Roman, der sich mit dem Mensch­li­chen in sei­ner Ursprüng­lich­keit befasste.

Auch heu­te lohnt es sich noch, die­sen über 200 Jah­re alten Roman zu lesen und Fran­ken­steins Mons­ter auf eine ganz neue Art kennenzulernen.

Buchinfo

shelley frankenstein

Mary Shel­ley:
Fran­ken­stein oder Der moder­ne Pro­me­theus (1818)
Roman
Fischer Taschen­buch Ver­lag, Frank­furt a. M. 2009
224 S., EUR (D) 12,- inkl. MwSt.
Taschen­buch
ISBN 978−3−596−90187−6

Lust bekom­men?

genialokal microbutton amazon banner 1

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 6 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

2 Kommentare zu „Mary Shelley: Frankenstein [Rezension]

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.