Walter Moers: Ensel und Krete [Rezension]

Von Hexen, Birken und dem Unheimlichen. 

Ich kann nicht genau sagen, war­um, aber bei den Büchern von Wal­ter Moers habe ich auf den ers­ten ca. 100 Sei­ten oft das Gefühl, dass die­ses Buch dies­mal nichts für mich ist. So ging es mir bei ›Ensel und Kre­te‹, aber auch bei den gro­ßen ›Zamo­nien‹-Roma­nen. Zwar mag ich in die­sen Momen­ten die beson­de­re Welt und die Figu­ren, die er erschaf­fen hat, aber irgend­wie kön­nen mich sei­ne Bücher auf den ers­ten Sei­ten nicht für sich gewinnen. 

Und dann lese ich wei­ter, anfangs wegen Emp­feh­lun­gen, mitt­ler­wei­le weil ich die Erfah­rung schon ken­ne, und bin super froh dar­über. In Wal­ter Moers Roma­nen gibt es für mich immer die­sen einen Punkt, bei dem plötz­lich alles inein­an­der greift: die Beschrei­bun­gen nicht mehr für sich ste­hen, die Figu­ren Eigen­le­ben ent­wi­ckeln und das Kon­zept der Geschich­te auf­geht. Und dann hat Moers mich kom­plett in sei­nem Bann. 

Bei ›Ensel und Kre­te‹ wur­de mein anfäng­li­cher Ein­druck, dass die­ses Buch von Moers die­ses Mal nichts für mich sei, durch die Beson­der­hei­ten des Tex­tes, wie erklä­ren­de Fuß­no­ten und Ein­schü­be einer Autor­fik­ti­on, noch ver­stärkt. Doch auch die­ses Mal füg­te sich für mich alles wie­der zu einer tol­len und ein­zig­ar­ti­gen Geschich­te, Fuß­no­ten und Ein­schü­be inbegriffen.

»Wenn man in Zamo­nien das Bedürf­nis nach voll­kom­me­ner Har­mo­nie hat­te, dann mach­te man Feri­en im Gro­ßen Wald.«

Ein Geschwis­ter­paar ent­schei­det sich bei ihrem Urlaub in Bau­ming, einer lie­be­voll beschrie­be­nen Lebens­welt der Bunt­bä­ren, von den zuge­las­se­nen Wegen abzu­ge­hen und fin­det den Weg nicht mehr zurück. Was bekannt klingt, formt Moers zu einem völ­lig neu­en Abenteuer.

»Der Natur sind die Tra­gö­di­en, die sich in ihr abspie­len, egal. Noch kein Gal­gen­baum hat sich dar­über auf­ge­regt, daß Unschul­di­ge an ihm auf­ge­knüpft wur­den. Kein Gras­halm eines Schlacht­fel­des trau­ert den Gefal­le­nen nach.«

Und somit ist ›Ensel und Kre­te‹ nicht nur ein span­nen­des Spiel mit bekann­ten und neu ange­wand­ten Mär­chen­ele­men­ten – was durch den Buch­ti­tel sicher­lich nicht über­rascht –, son­dern eines mit Inter­tex­tua­li­tät und Autor­fik­ti­on. Denn der ›Autor‹ Hil­de­gunst von Mythen­metz unter­bricht den Text nicht nur mit für das unmit­tel­ba­re Ver­ständ­nis wich­ti­gen Ein­schü­ben, son­dern auch mit Sei­ten­hie­ben auf sei­ne zamo­ni­schen Kritiker.

Fazit zu ›Ensel und Krete

Ensel und Kre­te‹ hat mich dar­an erin­nert, wie wich­tig es oft ist, der Geschich­te eines Buches sei­ne Zeit zu geben, um sich zu ent­fal­ten. Denn die Geduld ist in die­sem Fall defi­ni­tiv belohnt worden.

Buchinfo

Wal­ter Moers:
Ensel und Kre­te

Ein Mär­chen aus Zamo­nien
Gold­mann, Mün­chen 2002
256 S., EUR (D) 9,95 inkl. MwSt.
Taschen­buch
ISBN 978−3−442−45017−6

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