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Heiko Kienbaum: Was Paare glücklich macht [Rezension]

Zum Nachdenken, Ausprobieren und Weiterempfehlen. 

Wie oft liest man einen guten Tipp in der Zei­tung, in einem Buch oder im Inter­net, hält ihn für plau­si­bel und hat ihn im nächs­ten Moment schon wie­der ver­ges­sen? ›Was Paa­re glück­lich macht‹ will die­ses Pro­blem umgehen.

Denn wie vie­le Ideen und Vor­ha­ben blei­ben in der Theo­rie ste­cken, weil sie nicht in die Pra­xis umge­setzt wer­den, obwohl man weiß, dass es gut wäre? 

Hei­ko Kien­baum möch­te, dass genau das mit ›Was Paa­re glück­lich macht‹ nicht pas­siert. Denn sei­ne Geheim­nis­se und Tipps für eine glück­li­che­re Bezie­hung müs­sen vor allem eins: gelebt werden. 

Damit dies gelingt, sind für jedes der zehn Geheim­nis­se in ›Was Paa­re glück­lich macht‹ unter­schied­li­che Übun­gen beschrie­ben, die dabei hel­fen, sie zu ver­in­ner­li­chen. Dabei greift der Autor auf sei­ne Erfah­rung zurück, die er zum einen dabei gesam­melt hat, Paa­re auf die Ehe vor­zu­be­rei­ten. Zum ande­ren hat Kien­baum selbst Höhen und Tie­fen erlebt – er war Ver­mö­gens­mil­lio­när, bis er alles ver­lor –, und dabei ler­nen müs­sen, was wirk­lich im Leben zählt. 

»Jede groß­ar­ti­ge Bezie­hung, die du bei Men­schen in dei­nem Umfeld siehst oder bei Pro­mi­nen­ten im Fern­se­hen, hat irgend­wo klein ange­fan­gen. Aber davor ver­schlie­ßen wir gern die Augen. Wir haben kei­nen Respekt mehr vor den klei­nen Anfän­gen, sie erschei­nen uns nicht so interessant.«

Sein Schreib­stil ist klar, direkt und ein­la­dend. Sei­ne Bei­spie­le sind aus dem Leben gegrif­fen, die Übun­gen gut ver­ständ­lich und pas­send für den All­tag. Kien­baum ver­spricht sei­nen Lesern nicht das Blaue vom Him­mel, er behaup­tet nicht, dass es immer leicht sein wird, in eine glück­li­che Bezie­hung zu inves­tie­ren. Nur, dass es sich lohnt.

Was Paa­re glück­lich macht‹ fühlt sich eher wie ein Gespräch an als wie ein Buch. Sei­te für Sei­te regt Kien­baum zum Nach­den­ken an, nicht nur über die Bezie­hung, son­dern vor allem auch über sich selbst. Vie­le Din­ge, die im All­tag auto­ma­ti­siert sind und selbst­ver­ständ­lich erschei­nen, nimmt er in den Fokus und rückt sie in ein ande­res Licht, zumeist in ein wärmeres.

»Wenn wir im Leben und in der Part­ner­schaft wie­der zufrie­den sein wol­len, geht es nur über Ermu­ti­gung. Und Ermu­ti­gung ist Liebe.«

Fazit zu ›Was Paare glücklich macht

Um von ›Was Paa­re glück­lich macht‹ zu pro­fi­tie­ren, muss man weder beson­ders lang noch beson­ders frisch in einer Bezie­hung sein. Im Prin­zip muss man nicht ein­mal in einer Paar­be­zie­hung sein, denn die Prin­zi­pi­en sei­ner Tipps und Geheim­nis­se fin­den sich auch in vie­len ande­ren Bezie­hun­gen wie­der, aus denen der mensch­li­che All­tag besteht: die Bezie­hung zur Fami­lie, zu Freun­den, Kol­le­gen oder sich selbst. Auf jeden Fall sehr lesenswert.

Buchinfo

Hei­ko Kien­baum:
Was Paa­re glück­lich macht

Die 10 Geheim­nis­se der Lie­be vom Pastor2Go
In Zusam­men­ar­beit mit Lars Chris­ti­an­sen
Gold­mann, Mün­chen 2020
304 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Taschen­buch, Bro­schur
ISBN 978−3−442−17840−7

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Genki Kawamura: Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden [Rezension]

Katzen, der Teufel und die Erinnerung. 

Ein Mann, der sich eigent­lich noch viel zu jung glaubt, um sich mit sol­chen The­men zu beschäf­ti­gen, erfährt in ›Wenn alle Kat­zen von der Welt ver­schwän­den‹, dass er ster­ben muss. In weni­gen Tagen. Doch noch ehe er dazu kommt, dar­an zu ver­zwei­feln, erscheint ihm der Teu­fel. Und macht ihm ein Ange­bot, das er kaum abschla­gen kann. 

Für jede Sache, die er bereit ist, von der Welt ver­schwin­den zu las­sen, darf er einen Tag län­ger leben. Doch unter die­sen Sachen stellt sich der Teu­fel kei­nes­wegs Din­ge vor wie ein­zel­ne Socken, Papier­müll oder aus­ge­lei­er­te Haar­gum­mis. Son­dern um Sachen wie bei­spiels­wei­se Scho­ko­la­de, Tele­fo­ne, Fil­me oder Uhren.

Doch mit jeder Sache, die der Icher­zäh­ler in ›Wenn alle Kat­zen von der Welt ver­schwän­den‹ bereit ist, von die­ser Welt ver­schwin­den zu las­sen, muss die­ser sich nicht nur damit aus­ein­an­der­set­zen, wie die Welt ohne die­se Sache aus­sä­he. Son­dern, wel­che Bedeu­tung sie in sei­nem Leben bis­her gehabt hat. An die Per­so­nen, die er damit verbindet.

»[…] den­noch hat­te ich das Gefühl, dass mir noch eini­ges zu tun blieb. Auf­ga­ben, die nur ich auf die­ser Welt erfül­len konn­te. Die muss­te es doch geben.«

Ob der Teu­fel im Hawaii­hemd dem Icher­zäh­ler in ›Wenn alle Kat­zen von der Welt ver­schwän­den‹ nun wirk­lich begeg­net oder eine Aus­ge­burt sei­ner fort­schrei­ten­den Erkran­kung ist, bleibt unbe­dacht. Denn die Din­ge, die der bald Ster­ben­de an sei­nen erkauf­ten Tagen tun will, sind nicht die, die er schon immer mal tun woll­te. Kei­ne Extre­me wie Sprün­ge aus einem Flug­zeug oder den Mount Ever­est bestei­gen. Es sind jede, die er schon längst hät­te tun wol­len oder sollen.

Mit einer bedrü­cken­den Leich­tig­keit, die an vie­len Stel­len weh­tun kann, führt Kawa­mu­ra in ›Wenn alle Kat­zen von der Welt ver­schwän­den‹ durch die letz­ten Tage des Icher­zäh­lers. In ein Gedan­ken­cha­os, in dem sich täg­lich die Fra­ge stellt, was man bereit wäre, auf­zu­ge­ben, um noch etwas län­ger an sich selbst fest­hal­ten zu können. 

»War­um erwar­ten wir immer von ande­ren, was wir selbst nicht kön­nen? War­um ver­lang­te ich das von ihr? War­um woll­te ich, dass sie erschrak und weinte?«

Gen­ki Kawa­mu­ra gelingt es, in sei­nem Roman ›Wenn alle Kat­zen von der Welt ver­schwän­den‹ die Schwe­re des eige­nen Todes und jener, die man liebt, mit The­men zu ver­we­ben, die im All­tag als selbst­ver­ständ­lich erschei­nen. Wie wäre es, wenn all­täg­li­che Din­ge, wie Tele­fo­ne, Uhren oder Kat­zen nicht mehr da wären? Wie wäre das eige­ne Leben dann ver­lau­fen? Was für Momen­te wur­den dadurch ermög­licht, die das Leben ausmachen? 

Fazit zu ›Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden

Beglei­tet von der Fra­ge, wo die Gren­ze liegt. Wann wäre man bereit, Din­ge, die auf den ers­ten Blick viel­leicht neben­säch­lich erschei­nen, nicht mehr gegen das eige­ne Wei­ter­le­ben ein­zu­tau­schen? Eine Rei­se in die letz­ten Lebens­ta­ge eines Ster­ben­den, die trotz oder viel­leicht auch wegen ihrer All­tags­mo­ti­vik berührt. Ein Buch zum Nachdenken.

Buchinfo

Gen­ki Kawa­mu­ra:
Wenn alle Kat­zen von der Welt ver­schwän­den

Roman
Über­setzt von: Ursu­la Grä­fe
C. Ber­tels­mann, Mün­chen 2018
192 S., EUR (D) 18,50 inkl. MwSt.
Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−570−10335−7

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Benjamin Maack: Wenn das noch geht kann es nicht so schlimm sein [Rezension]

Die Stimme des Nicht-Sagbarem. 

Wie schreibt man über ein The­ma, über das oft selbst das Reden oder Erzäh­len schwer­fällt? Wie fin­det man Wor­te für etwas, das Ben­ja­min Maack immer wie­der als Lee­re und als Nichts beschreibt? 

Bereits zu Beginn sei­ner Arbeit an ›Wenn das noch geht kann es nicht so schlimm sein‹ ist Maack eines wich­tig: Abklä­ren, ob ein Text über Depres­sio­nen und Selbst­mord­ge­dan­ken Men­schen dazu ver­lei­ten könn­te, sich umzubringen.

»›Im Gegen­teil‹, sag­te [der Sui­zid­o­lo­ge], es wäre gut und rich­tig, dass dar­über geschrie­ben und gespro­chen wür­de. Wich­tig sei, dass man dabei nichts beschö­ni­ge oder heroisiere.«

Bereits nach den ers­ten Sei­ten von ›Wenn das noch geht kann es nicht so schlimm sein‹ ist klar, dass die­ses Buch nicht vor­hat, zu heroisieren.

Am leich­tes­ten fäll­te es viel­leicht, sich Ben­ja­min Maacks Buch ›Wenn das noch geht kann es nicht so schlimm sein‹ über das zu nähern, was es ›nicht‹ ist. Es ist weder ein Rat­ge­ber für Betrof­fe­ne noch einer für Ange­hö­ri­ge. Es schaut nicht von außen auf die Depres­si­on, ver­sucht nicht sie in geord­ne­te Kate­go­rien zu ordnen.

»Wenn Sie Tipps und Tricks für den Umgang mit Depres­sio­nen suchen, legen Sie die­ses Buch auch weg. Und mel­den Sie sich, wenn Sie etwas gefun­den haben, das wirkt.«

Maacks Buch ›Wenn das noch geht kann es nicht so schlimm sein‹ lässt nicht sprach­lich auf­ge­ar­bei­tet von außen auf die Depres­si­on schau­en. Er lässt in sie schau­en. Dabei bleibt er oft frag­men­ta­risch. In ande­ren Momen­ten scheint er mit und um Spra­che zu rin­gen, um die Momen­te der Depres­si­on aus­drü­cken zu kön­nen. Dabei schaf­fen sei­ne Wor­te oft kei­ne Ord­nung mehr, kei­ne Seman­tik, sie hin­ter­las­sen Weiß­räu­me und Satzfetzen.

Durch Maacks Buch ›Wenn das noch geht kann es nicht so schlimm sein‹ zieht sich der Wunsch, funk­tio­nie­ren zu wol­len. Das hin- und her­schwan­ken zwi­schen der Angst, zu krank für das ›nor­ma­le‹ Leben zu sein und zugleich viel­leicht nicht krank genug für das psych­ia­tri­sche Leben; die Fra­ge, wie es einem geht. Der rüh­ren­de Ver­such, den All­tag zu bewäl­ti­gen, irgend­wie an der Ober­flä­che zu blei­ben, der Ehe und den Kin­dern gerecht zu wer­den. Das Auf und Ab durch neue Medi­ka­men­te, die ihrer­seits Befürch­tun­gen mit sich brin­gen. Pfle­ger und Ärz­te, die den Kli­nik­all­tag beglei­ten. Eben­so wie Freun­de und Mit­pa­ti­en­ten, der Auf­ent­halt in einer Psych­ia­trie, beglei­tet von ›Cobra 11‹. Die Sei­ten des Buches brau­chen ihre Weiß­räu­me, um der Schwe­re des Geschrie­be­nen Raum zu geben, an weni­gen Stel­len gewährt Maack auch Momen­te des Aufatmens.

»Ein paar Mona­te spä­ter geht es mir wie­der gut. Ich bin wie­der drau­ßen, noch ein paar Mona­te spä­ter arbei­te ich wie­der, bin wie­der für die Fami­lie da, tref­fe wie­der Freunde.«

An das Ende von ›Wenn das noch geht kann es nicht so schlimm sein‹ ist Maacks Rede bei einer Preis­ver­lei­hung in Karls­ru­he ange­hängt, bei der er für sein Werk ›Mons­ter‹ aus­ge­zeich­net wur­de. Bei die­ser ging Maack bereits auf sei­ne Depres­sio­nen ein, die er damals über­wun­den glaub­te. Weder die Zuhö­rer noch Maack selbst wuss­ten, dass sie wie­der­kom­men wür­de. Doch besteht das, was die­se Rede aus­zeich­net, nicht vor­ran­gig dar­aus, dass die Depres­si­on besiegt wer­den konn­te. Es besteht dar­aus, dass dar­über gespro­chen wurde.

Maacks Schil­de­run­gen in ›Wenn das noch geht kann es nicht so schlimm sein‹ las­sen kei­nen Zwei­fel dar­an, dass im Ver­lauf der Depres­si­on Gefüh­le der Wert­lo­sig­keit, des Ver­sa­gens und der Schuld vor­herr­schen. Doch Maack ent­schei­det sich nicht, nach­dem die depres­si­ve Epi­so­de über­wun­den ist, die­se Gefüh­le zu ver­schwei­gen oder weg­zu­drän­gen; er teilt sie. 

»…, dass mein Leben nach und nach abge­stor­ben ist, weil es nicht mehr von Gefüh­len durch­blu­tet wur­de. Dass mein Kopf, dem es schwe­rer- und schwe­r­erge­fal­len ist, zu füh­len, die Emo­tio­nen unbe­merkt immer här­ter ratio­niert hat, bis das Füh­len in gro­ßen Tei­len mei­nes Lebens ver­trock­net und ver­schwun­den ist.«

Fazit zu ›Wenn das noch geht kann es nicht so schlimm sein

Depres­sio­nen haben vie­le Gestal­ten. ›Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein‹ bezeugt den Wunsch, zu funk­tio­nie­ren, und fin­det zugleich Wor­te für einen Zustand, in dem man oft nicht mehr funk­tio­nie­ren kann. Es ist eine Stär­ke die­ses Buches, dass es aus­hält, zuge­ben zu kön­nen, dass es Zei­ten gibt, in denen Funk­tio­nie­ren anders gewor­den ist. Es ist ein Ver­such, die Depres­si­on greif­ba­rer zu machen. Damit dar­über gespro­chen wer­den kann, in der Hoff­nung, dass so Betrof­fe­ne nicht allein damit sein müssen.

»Ich bin krank, den­ke ich und bin beru­higt, weil jemand mich von dem Leben erlöst, das aus mei­nem Leben gewor­den ist. Weil jemand sagt, das ist nicht nor­mal, es gibt da ein Leben, das du nur ver­ges­sen hast.«

Buchinfo

Ben­ja­min Maack:
Wenn das noch geht, kann es
nicht so schlimm sein

Suhr­kamp Nova, Ber­lin 2020
333 S., EUR (D) 18,- inkl. MwSt.
gebun­den
ISBN 978−3−518−47073−2

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Diana Wynne Jones: Das wandelnde Schloss [Rezension]

Von einem Mädchen, das an sein Unglück glaubte. 

Als Dia­na Wyn­ne Jones (1934–2011) im Jah­re 1986 den ers­ten Band der ›Howl-Saga‹ ›Das wan­deln­de Schloss‹ ver­öf­fent­lich­te, war sie im Lite­ra­tur­be­trieb längst kei­ne Unbe­kann­te mehr. Neben eigen­stän­di­gen Wer­ken der Kinder‑, Jugend- und Erwach­se­nen­li­te­ra­tur hat­te sie bereits die ers­ten Bän­de ihrer ›Chres­to­man­ci‹- und ihrer ›Dale­mark‹-Serie ver­öf­fent­licht.

Das wan­deln­de Schloss‹ erzählt die Geschich­te der jun­gen Sophie Hat­ter, die in einem Hut­la­den arbei­tet und beson­de­re Hüte schnei­dert, bis sie eines Tages von einem bösen Fluch in eine alte Frau ver­wan­delt wird. Sophie, die über­zeugt davon ist, das nur das Unglück auf sie war­te, weil sie die ältes­te von drei Schwes­tern ist, kann sich nie­man­dem in ihrem Hei­mat­ort anvertrauen. 

Sie geht fort und ent­schließt sich, als ihr die Stra­pa­zen ihres neu­en Alters bewusst wer­den, zum Schloss des Zau­be­rers Howl zu gehen, von dem behaup­tet wird, dass er jun­ge Mäd­chen ent­füh­re und auffresse. 

Doch statt auf einen men­schen­fres­sen­den Zau­be­rer zu tref­fen, wird sie Teil der selt­sams­ten und lie­bens­wür­digs­ten Wohn­ge­mein­schaft, die man sich vor­stel­len kann. 

»Was mich her­ge­führt hat, jun­ger Mann?«, frag­te sie. Das lag doch auf der Hand, jetzt, wo sie das Schloss gese­hen hat­te. »Ich bin her­ge­kom­men, weil ich dei­ne neue Putz­frau bin, ist doch klar.«

Mit einer wohl plat­zier­ten und dosier­ten Por­ti­on Humor räumt Sophie Hat­ter in vie­ler­lei Hin­sicht in die­ser neu­en Welt der Zau­be­rei auf. Umge­ben von dem sich stets bekla­gen­den Ofen­feu­er, dem ver­lieb­ten Lehr­ling des Zau­be­rers, ver­folgt von einer flot­ten Vogel­scheu­che und stets bereit, eine neue Sei­te an Howl ken­nen­zu­ler­nen, fin­det sie weit mehr als das Unglück, das sie in ihrem Leben erwar­tet hatte. 

Klas­si­sche Ele­men­te der Fan­tas­tik wie die Sie­ben­mei­len­stie­fel, ver­zau­ber­te Gegen­stän­de und Tie­re, wer­den gemischt mit ori­gi­nel­len Figu­ren und einer zau­ber­haf­ten Schreib­wei­se und machen so ›Das wan­deln­de Schloss‹ zu einem gro­ßen Ver­gnü­gen – und dies nicht nur für jene, die bereits den gleich­na­mi­gen Film von ›Stu­dio Ghi­b­li‹ mochten. 

»Die­ser Mann und die­ses rie­si­ge, wich­ti­ge Ding, sein König­tum eben, kamen ihr in ihrem ver­wirr­ten Zustand vor wie zwei unter­schied­li­che Wesen, die nur durch Zufall den­sel­ben Ses­sel besetz­ten. Und ihr ging auf, dass sie jedes Wort der von Howl sorg­sam aus­ge­tüf­tel­ten Rede ver­ges­sen hatte.«

Der ers­te Band der ›Howl-Saga‹ lebt von dem Unaus­ge­spro­che­nem. Die Per­so­nen haben Geheim­nis­se vor­ein­an­der, nicht alles ist leicht aus­zu­spre­chen, ob durch Angst oder einen Fluch. Und obwohl die Kapi­tel­über­schrif­ten bereits einen Vor­aus­blick zulas­sen, um zu wis­sen, was das Kapi­tel brin­gen wird, trägt das Unaus­ge­spro­che­ne als Grund­span­nung über den Roman hinweg. 

Fazit zu ›Das wandelnde Schloss

Das wan­deln­de Schloss‹ ist eine Lie­bes­er­klä­rung an die Fan­tas­tik, an lie­be­voll ent­wor­fe­ne Figu­ren mit Kan­ten und an klei­ne Hel­den und Hel­din­nen, die zusam­men Gro­ßes bewir­ken kön­nen. Ich freue mich auf ein Wie­der­se­hen mit Howl und Sophie in ›Der Palast im Him­mel‹.

Buchinfo

Dia­na Wyn­ne Jones:
Das wan­deln­de Schloss

Die Howl-Saga, Band 1
Über­setzt von Dr. Gabrie­le Haefs
Droemer Knaur, Mün­chen 2019
304 S., EUR (D) 12,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−52538−8

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Jonathan Safran Foer: Wir sind das Klima! [Rezension]

Erfrischend authentisch, nah und nicht zuletzt selbstkritisch. 

›Wir sind das Kli­ma!‹ ist eines jener Bücher, das man am liebs­ten allen Men­schen, die man kennt und nicht kennt, emp­feh­len will. Zugleich ist es aber auch eines jener Bücher, von denen man weiß, dass eine sol­che Emp­feh­lung sehr gemisch­te Reak­tio­nen her­vor­ru­fen wird. 

Jona­than Safran Foers neu­es Buch ›Wir sind das Kli­ma!‹ beschäf­tigt sich mit einem The­ma, das der­zeit in aller Mun­de ist. Doch obwohl viel über den Kli­ma­wan­del, sei­ne Fol­gen und sei­ne Ursa­chen gespro­chen wird, setzt er sich auf eine Art und Wei­se mit die­sem The­ma aus­ein­an­der, die erfri­schend authen­tisch, nah und nicht zuletzt selbst­kri­tisch ist. 

Denn das, was Foer in die­sem Buch tut, geht über das Sam­meln von Fak­ten hin­aus: Obwohl die­se das Grund­ge­rüst für das Reden über das Kli­ma bil­den, genü­gen sie laut Foer dem Anschein nach nicht allein, um indi­vi­du­el­le und kol­lek­ti­ve Ver­än­de­run­gen loszutreten.

Und dann frag­te Foer nach dem ›War­um‹.

Er fragt, wie es sein kann, dass wir zwar auf der Fak­ten­ebe­ne oft wis­sen, dass der Kli­ma­wan­del ver­her­ren­de Fol­gen für die Welt hat und haben wird, doch sich die­ses Wis­sen oft nicht in Hand­lung nie­der­schlägt. Es bleibt abs­trakt. Viel abs­trak­ter in jedem Fall, als die ver­trau­ten gemein­sa­men Mahl­zei­ten, oder die prak­ti­schen Fahr­ten zum Super­markt um die Ecke.

Es ist eine der bedeu­tends­ten Stär­ken von Jona­than Safran Foer, das er genau hin­se­hen will. Und, dass er in der Lage ist, das, was er sieht, unter dut­zen­den Zwie­bel­schich­ten von Emo­tio­nen frei­zu­schä­len. Foer liebt das Essen und die Tra­di­tio­nen sei­ner Fami­lie. Sie sind nicht abs­trakt, sie sind fest ver­an­kert. Doch Foer weiß, dass er sie auf gelie­he­ner Zeit genießt.

»Wir kön­nen nicht unse­re ver­trau­ten Mahl­zei­ten und zugleich unse­ren ver­trau­ten Pla­ne­ten behalten.«

Doch ›Wir sind das Kli­ma!‹ ist kein tro­cke­nes Sam­mel­su­ri­um an Wis­sen. Foer ver­bin­det die abs­trak­ten, rie­si­gen Zah­len der For­schung mit einer Geschich­te über das Mensch­sein in sei­nen schwa­chen und star­ken Momen­ten. Denn obwohl vie­le Fol­gen zeit­lich und räum­lich weit weg erschei­nen, sodass der Ein­zel­ne sie schwer fas­sen kann, kämpft sich Foer zu einem ande­ren Ansatz durch: Sei­ne Bereit­schaft, etwas zu ver­än­dern, damit es die­sem Pla­ne­ten viel­leicht ein wenig bes­ser gehen kann, kommt nicht daher, dass er es emo­tio­nal begrei­fen kann, son­dern, dass es getan wer­den muss. Foer kehrt die Rei­hen­fol­ge um: Nicht emo­tio­na­les Erfas­sen sorgt für sei­ne Ent­schei­dung, son­dern sei­ne Ent­schei­dung ist der Startpunkt.

»Ist radi­ka­ler Wan­del gefragt, behaup­ten vie­le, man kön­ne ihn als Ein­zel­ner ja sowie­so nicht her­bei­füh­ren, brau­che es also gar nicht erst zu ver­su­chen. Das genaue Gegen­teil trifft zu: Die Ohn­macht des Ein­zel­nen ist der Grund, aus dem alle es ver­su­chen müssen.«

Fazit zu ›Wir sind das Klima!

Jona­than Safran Foers Buch ›Wir sind das Kli­ma!‹ gehört bereits jetzt zu den Büchern, die man gele­sen haben muss. Und je mehr etwas sich dage­gen wehrt, des­to mehr soll­te man es tun. Sein Schreib­stil ist leben­dig, sei­ne Ideen und Anek­do­ten ori­gi­nell und inspi­rie­rend, sodass das Buch trotz aller Inten­si­tät schnell gele­sen ist. ›Wir sind das Kli­ma!‹ kann den Leser nur schwer kalt­las­sen, wenn sich die­ser dar­auf ein­lässt, den Buch­de­ckel aufzuschlagen.

Buchinfo

Jona­than Safran Foer:
Wir sind das Kli­ma!
Wie wir unse­ren Pla­ne­ten schon beim Früh­stück ret­ten kön­nen
Kiepenheuer&Witsch, Köln 2019
336 S., EUR (D) 22,- inkl. MwSt.
gebun­den mit SU
ISBN 978−3−462−05321−0

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


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