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Diana Wynne Jones: Die Howl-Saga, Band 2: Der Palast im Himmel [Rezension]

Diana Wynne Jones: Der Palast im Himmel [Rezension]

Von einem Jungen, der eine Enttäuschung war. 

Nur weni­ge Jah­re nach dem ers­ten Band der ›Howl-Saga‹, ›Das wan­deln­de Schloss‹, erschien bereits der zwei­te Band der Rei­he: ›Der Palast im Him­mel‹.

Auf den ers­ten Blick schei­nen die bei­den Roma­ne die Geschich­ten von voll­kom­men unter­schied­li­chen Per­so­nen zu erzäh­len. Abdul­lah ist ein Tag­träu­mer. Wäh­rend er sich durch den Ver­kauf wert­vol­ler und nicht so wert­vol­ler Tep­pi­che über Was­ser hält, ver­bringt er all sei­ne Frei­zeit damit, sich sein Leben so aus­zu­ma­len, wie es sein könn­te. Was wäre, wenn Abdul­lah in Wahr­heit ein Prinz wäre, der noch als Baby ent­führt wor­den ist? 

So ver­bringt der jun­ge, attrak­ti­ve Mann sei­ne Tage, bis plötz­lich ein Frem­der in sei­nem Laden steht. Er will ihm in höchs­ter Not, wie er sagt, einen magi­schen, flie­gen­den Tep­pich ver­kau­fen. Und so neh­men die selt­sa­men Bege­ben­hei­ten ihren Anfang, die Abdul­lah dem Palast im Him­mel immer näher brin­gen sollen. 

»Unglück­li­cher­wei­se – und auch dar­in waren sich alle einig – hat­te Abdul­lah den Cha­rak­ter von sei­ner Mut­ter geerbt, der zwei­ten Frau sei­nes Vaters. Sie war eine träu­me­ri­sche und ängst­li­che Frau gewe­sen und für alle eine gro­ße Enttäuschung.«

Beim Lesen stellt sich lan­ge die Fra­ge, war­um die­ser Band als Teil 2 der ›Howl-Saga‹ bezeich­net wird. Bekann­te Namen und Gesich­ter las­sen lan­ge auf sich war­ten –, zumin­dest auf den ers­ten Blick. Denn wer ›Das wan­deln­de Schloss‹ gele­sen hat, weiß Jones’ Fähig­kei­ten, das Gesuch­te oder Ver­miss­te direkt vor der eige­nen Nase zu ver­ste­cken, zu schätzen. 

»Der Tep­pich gehorch­te, indem er sich wie eine Schlan­ge über die hohen Mau­ern wand. Danach glitt er über die Haus­dä­cher wie eine Flun­der über den Mee­res­bo­den. Abdul­lah, der Sol­dat und auch die Kat­zen blick­ten stau­nend nach unten.«

Der Palast im Him­mel‹ lebt von Fan­ta­sie und Magie. Lie­bens­wer­te, leicht schrä­ge und in jedem Fall beson­de­re Cha­rak­te­re stel­len sich einem Aben­teu­er, das aus Träu­men gebaut sein könn­te. Ein flie­gen­der Tep­pich mit einer Schwä­che für Schmei­che­lei­en, ein Sol­dat mit einer Vor­lie­be für Kat­zen und ein Dschinn, der bereit ist, alles zu tun, um sein Leben zurückzuerlangen. 

Fazit zu ›Der Palast im Himmel

Der zwei­te Band, ›Der Palast im Him­mel‹, kommt zwar nicht ganz an den ers­ten Teil her­an, ist jedoch eines der Bücher, das man auf jeden Fall zwei­mal lesen soll­te. Das ers­te Mal, um das Aben­teu­er Abdul­lahs zu erle­ben, das zwei­te Mal, um das Wie­der­se­hen mit den Cha­rak­te­ren aus ›Das wan­deln­de Schloss‹ in vol­len Zügen genie­ßen zu können.

Buchinfo

Dia­na Wyn­ne Jones:
Der Palast im Him­mel

Die Howl-Saga, Band 2
Über­setzt von Doro­thee Haent­jes-Hol­län­der
Droemer Knaur, Mün­chen 2020
272 S., EUR (D) 12,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−52539−5

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


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James Gould-Bourn: Pandatage [Rezension]

Wie eine Stangentänzerin und ›Dirty Dancing‹ das Leben verändern können. 

Dass ein Unglück sel­ten allein kommt, weiß Dan­ny in ›Pan­da­ta­ge‹ ver­mut­lich bes­ser als die meis­ten. Seit sei­ne Frau Liz vor einem Jahr plötz­lich bei einem Auto­un­fall ver­starb, ist das Leben der klei­nen Fami­lie nicht mehr das gleiche. 

Sein Sohn Will spricht nicht mehr – weder mit ihm, noch mit ande­ren. War das Geld vor­her schon knapp, reicht es nun nicht ein­mal mehr für das Nötigs­te: Unbe­zahl­te Rech­nun­gen häu­fen sich und sein Ver­mie­ter gehört nicht zur gedul­di­gen Sor­te, dem Gewalt als Lösung fern läge. Als Dan­ny dann noch sei­nen Job als Bau­ar­bei­ter ver­liert, bringt ihn nur der Gedan­ke an sei­nen Sohn noch dazu, mor­gens das Haus zu verlassen. 

»›Ist eine lan­ge Geschich­te‹, sag­te er und schau­te auf sei­nen unbe­ring­ten Ring­fin­ger. Als Liz noch am Leben gewe­sen war, hat­te er sich nie Sor­gen um sei­nen Ehe­ring gemacht, aber nach ihrem Tod hat­te er mit einem Mal schreck­li­che Angst bekom­men, er kön­ne ihn ver­lie­ren, also hat­te er ihn in Wat­te gehüllt, in eine Streich­holz­schach­tel gesteckt und in der Schub­la­de sei­nes Nacht­tischs verborgen.«

Doch ganz gleich, wie sehr er sich auch bemüht, eine Anstel­lung ist für den unge­lern­ten Mann nicht zu fin­den. Hat man ihm bereits sein Leben lang gesagt, dass er zu nichts zu gebrau­chen sei, scheint es sich jetzt zu bewahrheiten. 

Aber Dan­ny wäre nicht Dan­ny, wenn er ein­fach auf­ge­ben wür­de. Das Pan­da­kos­tüm, das er in einem her­un­ter­ge­kom­me­nen Laden bekommt, ist weder schön noch sau­ber. Aber es ist güns­tig und erfüllt somit Dan­nys Haupt­vor­aus­set­zung. Doch schon bald muss Dan­ny fest­stel­len, dass es nicht genügt, sich mit einem Kos­tüm in einen Park zu stel­len. Um genug Geld zu bekom­men, um sei­ne Mie­te zu zah­len, muss er den Leu­ten etwas bieten. 

Dan­ny kann nicht tan­zen. Aber da er all die ande­ren Sachen, für die Leu­te einem Mann im Pan­da­kos­tüm Geld zah­len wür­den, noch schlech­ter kann, bleibt ihm nichts ande­res übrig. 

»Wäh­rend sei­ne ver­stor­be­ne Frau auf der Tanz­flä­che eine Art Natur­ta­lent gewe­sen war, war Dan­ny eher eine Natur­ka­ta­stro­phe. Sein Pro­blem war ganz ein­fach. Er hat­te kei­nen Rhythmus.«

Pan­da­ta­ge‹ ist ein Roman, der trotz sei­ner tra­gi­schen The­ma­tik immer wie­der zum Lachen bringt. Die trau­ri­gen Momen­te sind weder kit­schig noch pathe­tisch. Gould-Bourn gelingt es, auf eine sub­ti­le Art stark mit Dan­ny und Will mit­füh­len zu las­sen. Die lus­ti­gen Momen­te las­sen den Leser oder die Lese­rin laut auf­la­chen. An man­chen Stel­len kann die Komik zwar etwas zu auf­ge­setzt und kon­stru­iert wir­ken und dadurch dar­an erin­nern, was ›Pan­da­ta­ge‹ ist: ein Roman. Ein Roman, der die Kraft zeigt, über die man ver­fügt, wenn man sich nicht unter­krie­gen lässt. Und Freun­de hat, die einen unterstützen. 

Fazit zu ›Pandatage

Pan­da­ta­ge‹ ist kein Roman, der zeigt, dass alles wie­der gut wird, viel­leicht kann es das auch gar nicht. Und doch führt er vor Augen, dass es wie­der gut wird, dass es wei­ter­ge­hen kann, auch wenn es weh­tut und sicher­lich nicht leicht fällt. ›Pan­da­ta­ge‹ ist vol­ler Figu­ren, die man fast schon mögen muss, ob Dan­ny und Will, oder die Stan­gen­tän­ze­rin Krys­tal und den Ukrai­ner Ivan. Gould-Bourns Debüt ist defi­ni­tiv ein Lesevergnügen.

Buchinfo

James Gould-Bourn:
Pan­da­ta­ge

Roman
Über­setzt von: Ste­phan Klei­ner
Kiepenheuer&Witsch, Köln 2020
384 S., EUR (D) 20,- inkl. MwSt.
Gebun­de­ne Aus­ga­be
ISBN 978−3−462−05364−7

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J. K. Rowling: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind. Das Originaldrehbuch [Rezension]

Von der Liebe zu Tierwesen. 

Wie vie­le, vie­le ande­re in mei­ner Genera­ti­on (und nicht nur die­ser) bin ich schon vor ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen und wo sie zu fin­den sind. Das Ori­gi­nal­dreh­buch‹ ein rie­si­ger Fan von ›Har­ry Pot­ter‹ und alles, was J. K. Row­ling zum ›Har­ry Pot­ter‹-Uni­ver­sum schreibt, lan­det frü­her oder spä­ter auf mei­nem Lesestapel. 

Ihre Geschich­ten um den jun­gen Har­ry Pot­ter und sei­ne Freun­de haben mei­ne Welt ein gro­ßes Stück magi­scher und wär­mer gemacht. 

Es über­rascht somit nicht, dass ich auch ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen und wo sie zu fin­den sind. Das Ori­gi­nal­dreh­buch‹ gele­sen habe. Was mich hin­ge­gen über­rascht hat, war, dass ich es erst die­ses Jahr getan habe. Als der Film Ende 2016 in die deut­schen Kinos kam, muss­te ich unbe­dingt rein. Nor­ma­ler­wei­se hät­te ich zuerst das Buch gele­sen, aber irgend­wie hat­te es sich in die­sem Jahr anders ergeben.

»Mr Gra­ves, Sir, das ist Mr Sca­man­der.
Er hat ein när­ri­sches Geschöpf in
sei­nem Kof­fer, das in einer Bank
ent­flo­hen war und für Auf­re­gung
gesorgt hat.«

Ich weiß nicht, was ich von dem Film erwar­tet habe, aber es war von Anfang an klar, dass er nur schwer wür­de an mei­ne Lie­be zu den ›Har­ry Pot­ter‹-Büchern anknüp­fen kön­nen. An sich gese­hen ist der Film schön: Die Tier­we­sen sind lie­be­voll aus­ge­ar­bei­tet auf die Lein­wand gezau­bert wor­den, eini­ge der Schau­spie­ler wie Eddie Red­may­ne gehör­ten bereits vor dem Film zu mei­nen Lieblingen.

Bild: Die Autorin J. K. Row­ling (Quel­le: Carl­sen)
© Debra Hur­ford Brown

Trotz­dem konn­te der Film mich nicht ganz über­zeu­gen. Ver­mut­lich, weil die ›Har­ry Pot­ter‹-Bücher mit jedem wei­te­ren Band an unglaub­li­cher Inten­si­tät zuge­nom­men hat­ten und mit ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen und wo sie zu fin­den sind. Das Ori­gi­nal­dreh­buch‹ erst wie­der etwas Neu­es begin­nen muss­te, das Zeit brau­chen wür­de, eine ähn­li­che Inten­si­tät zu ent­wi­ckeln. Als ich 2019 dann tat­säch­lich das Ori­gi­nal­dreh­buch zum Film las, hat sich die­ses Gefühl bestä­tigt. Der alt­ein­ge­ses­se­ne Fan in mir muss­te erst ler­nen, dass sie zwar ein Stück weit zusam­men­ge­hör­ten, ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen‹ jedoch erst ein­mal sei­ne eige­ne Geschich­te erzäh­len musste. 

Die Geschich­te des Tier­we­sen­lieb­ha­bers Newt Sca­man­der, der Auro­rin Tina und ihren Freun­den und Ver­bün­de­ten. Doch sind bereits in ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen und wo sie zu fin­den sind. Das Ori­gi­nal­dreh­buch‹ eini­ge Hin­wei­se ver­steckt, die die Ver­bun­den­heit zu den ›Har­ry Pot­ter‹-Bän­den, die chro­no­lo­gisch nach ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen und wo sie zu fin­den sind. Das Ori­gi­nal­dreh­buch‹ ange­sie­delt sind, erah­nen lassen.

Fazit zu ›Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind. Das Originaldrehbuch

Zum Ende hin ver­dich­tet sich die Geschich­te um Newt und Tina und macht gro­ße Lust, den nächs­ten Band von ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­senGrin­del­walds Ver­bre­chen‹ – in die Hän­de zu bekom­men. Die deutsch­spra­chi­ge Aus­ga­be, die bei Carl­sen erschie­nen ist, macht das Buch auf jeden Fall auch zu einem opti­schen Hin­gu­cker, dem ver­mut­lich kein Niff­ler wider­ste­hen könnte.

»Es gesche­hen selt­sa­me Din­ge über­all
in der Stadt. Dahin­ter ste­cken Leu­te,
die nicht so sind wie wir. Das ist
Hexe­rei, siehst du das nicht?«

Buchinfo

J. K. Row­ling:
Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen
und wo sie zu fin­den sind

Das Ori­gi­nal­dreh­buch
Aus dem Eng­li­schen von Anja Han­sen-Schmidt
Carl­sen Ver­lag, Ham­burg 2017
304 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Hard­co­ver, gebun­den mit Schutz­um­schlag
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−55694−3

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Bewer­tung: 3.5 von 5.


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