Archiv der Kategorie: Titel: M

Katherine Arden: Das Mädchen und der Winterkönig [Rezension]

Eine Reisende im Land des Schnees. 

Was­ja sieht Wesen, die für ande­re in ›Das Mäd­chen und der Win­ter­kö­nig‹ nur noch in alten Geschich­ten exis­tie­ren. Mär­chen- und Sagen­ge­stal­ten, die ihr Leben zahl­rei­cher bevöl­kern als Men­schen. Nur weni­ge ver­ir­ren sich in ihren Hei­mat­ort in Rus und nicht alle mei­nen es gut. 

Die Ereig­nis­se des ers­ten Ban­des der Win­ter­nacht-Tri­lo­gie von Kathe­ri­ne Arden – ›Der Bär und die Nach­ti­gall‹ – haben Was­ja viel gekos­tet. Doch wem kann sie von einer Gefahr erzäh­len, die für die meis­ten nicht sicht­bar ist? Und wenn sie nicht auf die Hil­fe ihrer Liebs­ten hof­fen kann, kann sie dann dem Win­ter­kö­nig trauen?

Das Fina­le des ers­ten Ban­des der Tri­lo­gie hat Was­jas Leben für immer ver­än­dert. Die Welt, die sie kann­te, exis­tiert nicht mehr. Doch ist sie mutig genug, in den Win­ter hin­aus­zu­zie­hen, um eine neue Welt kennenzulernen?

»›Sie sah Din­ge, die nicht da waren‹, flüs­ter­te er. ›Sie ging in den Wald und kann­te kei­ne Angst. Über­all im Dorf spra­chen die Leu­te davon. Die freund­li­chen sag­ten, sie sei ver­rückt. Aber die ande­ren spra­chen von Hexerei.‹«

Was­jas Geschwis­ter, die im ers­ten Band zum Teil in die Welt hin­aus­ge­zo­gen sind, fin­den nun wie­der Platz in ihrer Geschich­te. Doch nicht nur freund­li­che Gesich­ter kreu­zen Was­jas Weg wie­der. Auch ein Mann, der ihr bereits im ers­ten Band Schwie­rig­kei­ten berei­te­te, ist in ›Das Mäd­chen und der Win­ter­kö­nig‹ wie­der mit von der Partie.

Zahl­rei­cher als die Mythen- und Sagen­ge­stal­ten in der Win­ter­nacht-Tri­lo­gie sind nur die Gefah­ren. Der unnach­gie­bi­ge, ewi­ge Schnee. Der Groll vie­ler Men­schen. Die Ent­füh­rung vie­ler jun­ger Mäd­chen. Und Was­jas will sich die­ser Welt stel­len, allein, und ohne je von zu Hau­se fort gewe­sen zu sein. 

»›Mei­ne Klei­ne ist kei­ne Schön­heit, aber sie zieht den Blick auf sich. Genau wie ihre Groß­mutter.‹ Die alte Frau bekreu­zig­te sich jedes Mal, wenn sie das sag­te, denn Was­jas Groß­mutter war nicht glück­lich gewe­sen, als sie starb.«

Mit Was­ja ist Kathe­ri­ne Arden eine Prot­ago­nis­tin gelun­gen, die über­zeu­gen kann. Was­ja ist stark, ent­schlos­sen und warm­her­zig. Regeln und Enge bekom­men ihr nicht. Auch in vie­len Wün­schen und Träu­men ihrer Zeit­ge­nos­sen kann sie sich nicht erkennen. 

»Der Haus­herr sah aus wie ein Mensch, doch sei­ne Augen ver­rie­ten ihn. Als er erst­mals in die­sen Wäl­dern gese­hen wor­den war, hat­ten die Mäd­chen noch in einer ande­ren Spra­che zu ihm gesprochen.«

Fazit zu ›Das Mädchen und der Winterkönig

Das Mäd­chen und der Win­ter­kö­nig‹ kann mit dem ers­ten Band der Tri­lo­gie zwar nicht mit­hal­ten, doch bleibt die Geschich­te um Was­ja und den geheim­nis­vol­len Win­ter­kö­nig span­nend. Und so, wie sie die Ereig­nis­se im zwei­ten Band ent­wi­ckelt haben, bleibt nur gespannt auf den drit­ten und letz­ten Band der Rei­he zu warten.

Buchinfo

Kathe­ri­ne Arden:
Das Mäd­chen und der Win­ter­kö­nig

Win­ter­nacht-Tri­lo­gie, Band 2
Über­setzt von Micha­el Pfingstl
Roman
Hey­ne, Mün­chen 2020
480 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Paper­back
ISBN 978−3−453−32083−3

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


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Rupi Kaur: milch und honig [Rezension]

Intensiv, klar und aufwühlend. 

Wer nach klas­si­schen Vers­ma­ßen, fes­ten Reim­sche­ma­ta, Jam­ben, Tro­chä­en oder Alex­an­dri­nern sucht, wird in ›milch und honig‹ kein Glück haben. Doch das ist es auch nicht, was die vie­len, vie­len über­zeug­ten Leser und Lese­rin­nen an Rupi Kaurs Gedich­ten schät­zen. Es sind zumeist kur­ze Gedich­te in kla­rer Spra­che über das, was schmerzt. Über Lie­be, Hei­len, Zerbrechen. 

Kaur fin­det Wor­te für Gefüh­le und Erfah­run­gen, für die es sonst nur schwer Wor­te gibt. Sie erzeu­gen kei­ne Distanz zwi­schen der Autorin und ihren Lesern und Lese­rin­nen, son­dern über­brü­cken die­se. Jedes Gedicht zeugt von Mut, Refle­xi­on, Ver­letz­lich­keit und Stärke. 

»wenn ich wüss­te wor­an sich
gebor­gen­heit erken­nen lässt
wäre ich nicht schon so oft
in armen gelan­det
in denen ich sie nicht fand«

rupi kaur
Gedicht aus der Lese­pro­be der Münch­ner Ver­lags­grup­pe entnommen 

In Kaurs Gedich­ten geht es nicht dar­um, kom­pli­zier­te ver­bor­ge­ne Bedeu­tun­gen im Gedicht zu fin­den. Was mit den Gedich­ten aus­ge­drückt wer­den soll, ver­steckt sich nicht. Es ist deut­lich, für jeden sicht­bar, sub­jek­tiv erfahr­bar. Durch die­se Klar­heit des Aus­drucks und dem Ver­zicht auf unnö­ti­ge Schnör­kel besit­zen Kaurs Gedich­te eine spür­ba­re Inten­si­tät. Und trotz die­ser Klar­heit haben ihre Tex­te Klang. 

Die Emo­tio­nen, die Rupi Kaur in ihren Gedich­ten ver­ar­bei­tet, lösen Beklem­mung aus. Bereits mit weni­gen Wor­ten trifft sie wun­de Punk­te, berührt und über­zeugt. Und der Erfolg der Autorin zeigt, dass sie damit bei einer brei­ten Leser­schaft ins Schwar­ze trifft. 

Fazit zu ›milch und honig

Rupi Kaur schreibt Lyrik in einer Zeit, in der die bevor­zug­te Gat­tung der Roman ist. Neben all den Best­sel­lern der Roman- und Sach­buch­welt behaup­tet sich ›milch und honig‹. Nicht nur ein­ge­fleisch­ten Lyrik­fans sind Kaurs Gedich­te zu emp­feh­len. So bleibt zu wün­schen, dass in der Zukunft noch wei­te­re tol­le Gedicht­bän­de der Autorin zu lesen sein werden.

Buchinfo

Rupi Kaur:
milk and honey | milch und honig
Lago, Mün­chen 2017
208 S., EUR (D) 14,99 inkl. MwSt.
Hard­co­ver
Zur Lese­pro­be
ISBN 978−3−95761−173−4

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Laini Taylor: Muse of Nightmares 2 (Strange the Dreamer 4) [Rezension]

Was von den Göttern übrig blieb. 

Die Göt­ter haben mit den Figu­ren von ›Muse of Night­ma­res 2‹ gespielt. Mit den Frau­en von Weep, die sie hol­ten. Mit ihren Män­nern, die sie meis­tens zurück­lie­ßen. Eril-Fane hat­ten die Göt­ter nicht in der Stadt zurück­ge­las­sen, um wie alle ande­ren dar­auf zu war­ten und zu hof­fen, dass die Ent­führ­ten wie­der zurück­ge­bracht wer­den würden. 

Ska­this, der Gott der Bes­ti­en, nahm ihn mit und schenk­te ihn der Göt­tin der Ver­zweif­lung als Spiel­zeug. Eril-Fanes jun­ge Frau war es, die in Weep zurück­blieb und war­ten muss­te. Die Jah­re ver­gin­gen, doch ihr Mann kehr­te nicht zurück. Bis Ska­this auch vor ihrer Tür auf­tauch­te, um sie zur Zita­del­le mit­zu­neh­men. Und die jun­ge Frau war bereit –, glaub­te sie zumindest. 

Inzwi­schen sind in ›Muse of Night­ma­res 2‹ die grau­sa­men Göt­ter längst fort. Doch ihre Spu­ren haben sie nicht nur an den Gebäu­den und Orten, son­dern auch an und in den Men­schen hin­ter­las­sen. In der schwe­ben­den Zita­del­le ver­su­chen die letz­ten der Göt­ter­brut – Kin­der gezeugt von Göt­tern und Men­schen – am Leben zu blei­ben. Und mit dem Grau­en des Tages zu leben, als ein Mensch im Säug­lings­trakt all die ande­ren Kin­der der Göt­ter abschlach­te­te, um die Men­schen von den Göt­tern zu befrei­en. Doch auch im Schat­ten der Zita­del­le leben noch immer Men­schen, die die Schre­cken der Göt­ter nicht ver­ges­sen kön­nen, die zu lan­ge ihr Leben bestimmt haben. 

»Die Frau­en von Weep teil­ten ein selt­sa­mes Gefühl mit­ein­an­der, gegen das sie ihr gan­zes Leben lang zu kämp­fen hat­ten, näm­lich, dass sie nur halb exis­tie­ren. Sie waren Rest­stü­cke, übrig geblie­be­ne Kru­men vom Fest­schmaus der Götter.«

Wie lebt man mit einer Ver­gan­gen­heit, die so vol­ler Grau­en und Ver­zweif­lung ist? Wie lebt man damit, die Schuld auf sich gela­den zu haben, die Göt­ter und ihre Babys zu töten? Wie lebt man mit der Erin­ne­rung, als Klein­kind nur in der Lage gewe­sen zu sein, vier der Babys zu ret­ten, weil man nicht mehr tra­gen konnte?

»Doch Sarai wuss­te, was nur sie allein wis­sen konn­te, näm­lich dass Eril-Fane jeden Tag die größ­te Mut­pro­be ableg­te, die sie je gese­hen hat­te: Um ande­ren zu hel­fen, leb­te er wei­ter, obwohl es viel ein­fa­cher gewe­sen wäre, ein­fach damit aufzuhören.«

Stran­ge the Drea­mer‹, Band 1 und Band 2, sowie ›Muse of Night­ma­res 1‹ und Band 2, von Lai­ni Tay­lor stel­len die­se Fra­gen. Die Fan­ta­sy-Roma­ne zei­gen das Leben jener, die übrig geblie­ben sind: Ihre Ver­su­che, einen Weg hin­aus aus Hass, Wut und Ver­zweif­lung zu fin­den, die nicht immer gelin­gen können. 

Doch obwohl das Grund­the­ma der Bän­de düs­ter und kom­plex ist, gelingt es Tay­lor, eine Roman­welt zu erschaf­fen, die von der Suche nach Hoff­nung, Lie­be und Ver­ge­bung erfüllt sind. Vie­le der Über­le­ben­den in ›Muse of Night­ma­res 2‹ sind Kin­der, die nichts für die Ver­bre­chen ihrer Eltern kön­nen, sich nicht ein­mal an sie erin­nern, doch deren blo­ße Exis­tenz genügt, um an die­se zu erin­nern. Dabei ist Tay­lors Spra­che ein­fach, klar und zugleich poetisch. 

Fazit zu ›Muse of Nightmares 2

Ein biss­chen scha­de ist es, dass meh­re­re Auf­lö­sun­gen von Rät­seln und Geheim­nis­sen in ›Muse of Night­ma­res 2‹ über geraff­te Erzäh­ler­mo­no­lo­ge gesche­hen und nicht wie bis­her an das Erle­ben und Erin­nern der Figu­ren gebun­den sind. Auch die Lie­bes­ge­schich­te zwi­schen Lazlo und Sarai hat mich nie ganz über­zeu­gen kön­nen, doch im Ver­gleich zu der unglaub­lich tie­fen und geheim­nis­vol­len Geschich­te, die Tay­lors Roman­welt zu bie­ten hat, ver­liert sie dadurch nur wenig.

Wer die Bän­de ›Stran­ge the Drea­mer‹ und ›Muse of Night­ma­res 1‹ noch nicht kennt, aber eine Schwä­che für Geheim­nis­se, Trau­ma­ta und Göt­ter hat, dem sind sie wärms­tens zu empfehlen.

Buchinfo

Lai­ni Tay­lor:
Muse of Night­ma­res

Das Erwa­chen der Träu­me­rin
Band 2 (Stran­ge the Drea­mer Band 4)
Roman
Über­setzt von: Ulri­ke Rai­mer-Nol­te
One, Köln 2020
368 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
ISBN 978−3−8466−0101−3

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Laini Taylor: Muse of Nightmares 1 (Strange the Dreamer 3) [Rezension]

Was von den Göttern geblieben ist. 

Und dann war ein Mäd­chen in ›Muse of Night­ma­res 1‹ vom Him­mel gefal­len. Blau und wun­der­schön. Nur in ein Nacht­hemd aus Sei­de gehüllt, das Genick gebrochen. 

Das ers­te Mal, dass Lazlo Stran­ge die Frau, die er liebt, in sei­ne Arme neh­men kann, ist sie bereits tot. Doch die Bewoh­ner von Weep, der Stadt, in der sie stirbt, sind in ›Muse of Night­ma­res 1‹ nicht wegen ihres Todes von Grau­en erfüllt. Son­dern wegen ihrer blau­en Haut. 

Die Schre­cken, die die blau­häu­ti­gen Mes­art­him über die Bewoh­ner von Weep brach­ten, lie­gen nicht lan­ge zurück. Vie­le erin­nern sich noch an die Zeit, in der Mäd­chen und Jun­gen fürch­ten muss­ten, von ihnen geholt zu wer­den. Vie­le waren selbst dar­un­ter und ein Jahr spä­ter ohne Erin­ne­rung zurück­ge­bracht worden. 

Doch nicht nur die Bewoh­ner von Weep lei­den unter den Schre­cken der Ver­gan­gen­heit, von denen sie sich nur befrei­en konn­ten, da Eril-Fane alle Mes­art­him erschlug. Vier Babys und Klein­kin­der über­leb­ten den Tag, an dem sich Weep von den Göt­tern befrei­te. Vier von drei­ßig. Die ande­ren Babys wur­den an jenem Tag wie die ande­ren Mes­art­him ersto­chen. Zu groß war die Furcht davor, wozu sie her­an­wach­sen und wel­che Gaben in ihnen schlum­mern könnten. 

»In sei­nen Her­zen hat­te [Lazlo] Krieg statt Frie­den gewählt, Krieg gegen die­ses erbar­mungs­lo­se, dunk­le Kind. Aber Lazlo war nicht für den Kampf geschaf­fen, und sei­ne Her­zen besa­ßen wenig Talent zum Has­sen. Wäh­rend er Minya gehen sah, so schmäch­tig und allein, über­kam ihn ein erschüt­tern­der Moment der Klarheit.«

Vie­le Fra­gen sind in ›Muse of Night­ma­res 1‹ unge­klärt. Was geschah mit den Kin­dern, die die Göt­ter mit den ent­führ­ten Men­schen zeug­ten? Wer hat­te die Mes­art­him gesandt und waren mit ihnen die letz­ten erwach­se­nen Mes­art­him aus­ge­stor­ben, die sich noch an eine ande­re Welt erinnerten?

Der Schmerz und die Angst sit­zen tief in ›Muse of Night­ma­res 1‹ in den Bewoh­nern von Weep und den letz­ten Über­le­ben­den der Göt­ter. Schicht für Schicht haben die ers­ten bei­den Bän­de der Rei­he ›Stran­ge the Drea­mer 1 und 2‹ die Geschich­te um Weep und die Mes­art­him auf­ge­baut. Sie haben die Trau­ma­ta sicht­bar gemacht, die noch immer nicht enden wol­len. Eril-Fane, der jun­ge Mann, der die Göt­ter und ihre Kin­der erschlug, nach­dem er meh­re­re Jah­re als Skla­ve bei den Mes­art­him leben muss­te und zuvor bereits die Angst und Schre­cken mit den Bewoh­nern von Weep geteilt hat­te. Minya, das blau­häu­ti­ge Mäd­chen, das sich als ein­zi­ge an die Schre­cken auf dem Säug­lings­trakt erin­nert, als Eril-Fane kam, und die noch immer nicht ver­ges­sen kann, dass sie damals nur drei der drei­ßig Babys ret­ten konn­te. Mehr hat­te sie nicht tra­gen können.

»Oh, Minya kann­te den Tod. Schließ­lich hat­te er sie zu dem gemacht, was sie war: ein ewi­ges Kind, das nie­mals erwach­sen wur­de, nie­mals ver­gaß und nie­mals vergab.«

Was für eine Hoff­nung gibt es in ›Muse of Night­ma­res 1‹ für Eril-Fane und Minya, für die Kin­der der Göt­ter und die Bewoh­ner von Weep? Kön­nen ein so tief sit­zen­der Schmerz und eine so lan­ge andau­ern­de Qual ertrag­bar werden?

Fazit zu ›Muse of Nightmares 1

Mit ›Muse of Night­ma­res 1‹ ist Tay­lor eine Fort­set­zung gelun­gen, die eben­so span­nend wei­ter­geht, wie ›Stran­ge the Drea­mer‹ geen­det hat­te. Stück für Stück ent­fal­ten sich die Per­spek­ti­ven wei­ter, zei­gen sich mehr der Schre­cken und Ängs­te von Weep und den Kin­dern der Göt­ter. Vie­le der Cha­rak­te­re ste­hen zwi­schen gut und böse. Sie sind von den Gedan­ken geprägt, wie es hät­te sein kön­nen und wie es nie mehr sein wird. Ein fan­tas­ti­scher Roman über die tiefs­ten Schre­cken und den Ver­such, mit ihnen zu leben. Noch eini­ge letz­te Geheim­nis­se las­sen gespannt auf das Fina­le in ›Muse of Night­ma­res 2‹ warten.

Buchinfo

Lai­ni Tay­lor:
Muse of Night­ma­res

Das Geheim­nis des Träu­mers
Buch 1 (Stran­ge the Drea­mer 3)
Roman
Über­setzt von: Ulri­ke Rai­mer-Nol­te
One, Köln 2020
351 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
Erzäh­len­des für jun­ge Erwach­se­ne
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−8466−0100−6

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Benjamin Maack: Monster [Rezension]

Etwas, dessen Name nicht genannt werden kann.

Mons­ter sind all­ge­gen­wär­tig. Weder das Mons­ter unter dem Bett noch das Krü­mel­mons­ter sind aus unse­rer Erzähl­welt weg­zu­den­ken. Bereits im Deut­schen Wör­ter­buch, an dem Jacob und Wil­helm Grimm 1838 zu arbei­ten began­nen, ist es eng mit der Bedeu­tung des ›Unge­heu­ers‹ ver­wo­ben: das, was dem Men­schen nicht geheu­er ist. 

Über 170 Jah­re spä­ter wird das Mons­ter namens­ge­bend für Ben­ja­min Maacks mehr­fach aus­ge­zeich­ne­tes Werk. In die­sem kom­bi­niert er Erzäh­lun­gen über die Abwe­ge des Mensch­seins mit kür­ze­ren, ein­ge­scho­be­nen Passagen. 

»Es ist plötz­lich da«

So beginnt der ers­te der 19 kapi­tel­ar­ti­gen Abschnit­te des Buchs, die zwi­schen einer Län­ge von weni­gen Sät­zen bis hin zu über 70 Sei­ten schwan­ken. Mons­ter spielt mit dem Auf­lö­sen von For­men, sodass eine Gen­re­zu­schrei­bung erschwert wird.  Bei ›Es‹ han­delt es sich um eine Eule, die den Weg von der Stra­ße in Ben­ja­mins Kof­fer­raum fin­det und ihn fort­an beglei­tet. Die Abschnit­te wir­ken auf den ers­ten Blick von­ein­an­der unab­hän­gig. Ledig­lich der Name ›Ben­ja­min‹ zieht sich durch alle Geschich­ten, in denen der Prot­ago­nist benannt wird. Zwei der Abschnit­te bestehen gänz­lich aus einer sei­ten­lan­gen Anein­an­der­rei­hung des Buch­sta­bens X oder der Zahl 0. 

»Ich glau­be nicht an ande­re Men­schen. Ich mei­ne, ich glau­be nicht, dass es ande­re Men­schen gibt«,

lau­tet eine jener zehn Pas­sa­gen, die Maack zwi­schen die ein­zel­nen Abschnit­te streut. Doch das, was zusam­men­hangs­los wirkt, ergibt am Ende des Buches ein facet­ten­rei­ches Bild: Maack webt sie­ben län­ge­re Geschich­ten mit­hil­fe die­ser Pas­sa­gen anein­an­der. In ihnen wen­det sich der Icher­zäh­ler unmit­tel­bar an den Leser. Die Pas­sa­gen rah­men die Erzäh­lun­gen nicht, son­dern hal­ten sie wie Kleb­stoff aus dem Inne­ren zusammen. 

Im Kon­trast zu den wirr-anmu­ten­den Sei­ten vol­ler Nul­len und X‑en erge­ben die in sich geschlos­se­nen Kurz­ge­schich­ten über­ra­schend viel Sinn. So erzählt Maack in ›Viel schlim­mer als die dunk­len Räu­me sind die spie­geln­den Fens­ter‹ die Geschich­te von Ben­ja­min und sei­ner Jugend­lie­be Kath­rin. Ben­ja­min fährt sie und ihren Mann in ihrem abge­le­ge­nen Haus besu­chen. Spür­bar liegt die Schwe­re der Erin­ne­rung auf Kath­rin und Ben­ja­min, doch die Lebens­wirk­lich­keit knüpf­te sie an ihren Mann und das, lan­ge bevor die­ser an den Roll­stuhl gebun­den war. Ledig­lich die Eule, der sym­bo­li­sche Unglücks­bo­te, beglei­tet Ben­ja­min zurück in sei­ne eige­ne Wohnung. 

In der Erzäh­lung ›Wie sehr hat Las Casas geweint?‹ ver­webt Maack die vom Kör­per­li­chen domi­nier­te Lie­bes­ge­schich­te von Ben­ja­min und Nina mit der Geschich­te ihres Groß­va­ters. Die­ser erzählt Ben­ja­min »wie ein kaput­tes Spiel­zeug« Geschich­ten von Kolum­bus und den Spa­ni­ern. Bis der Groß­va­ter stirbt. 

© Ben­ne Ochs / mairisch.de

Maacks Geschich­ten beglei­ten die Prot­ago­nis­ten in ihrem Umher­ir­ren und sind durch all­täg­li­che Beob­ach­tun­gen und Erzähl­si­tua­tio­nen in der Wirk­lich­keit ver­an­kert. Den­noch spielt der Icher­zäh­ler in den zwi­schen­ge­schal­te­ten Pas­sa­gen mit sei­ner eige­nen Glaub­wür­dig­keit. So gesteht er gegen Ende, dass eine der Figu­ren des Anfangs zum Zeit­punkt der Erzäh­lung längst ver­stor­ben ist. Und negiert damit eine der Grund­an­nah­men der anfäng­li­chen Erzäh­lung des Buches.

Der Leser wird der bedrü­cken­den Här­te der Geschich­ten bis zuletzt aus­ge­setzt. Kein Hap­py End eilt zur Erlö­sung her­bei, sodass die Stim­mung nach Abschluss des Buches anhält. Vie­le Fra­gen blei­ben unbe­ant­wor­tet: wie, ob sich die ›Ben­ja­mins‹ der Geschich­ten auf ein und die­sel­be Per­son bezie­hen, oder wo genau sich das Mons­ter in Maacks Erzäh­lun­gen ver­steckt hält. Die­ses nimmt kei­ne kon­kre­te Gestalt an, wäh­rend das Figu­ren­per­so­nal durch­aus in Situa­tio­nen gerät, in denen mons­trö­se Züge ihres Wesens zum Vor­schein kom­men. Sowohl in sexu­ell expli­zi­ter als auch in psy­cho­lo­gisch abgrün­di­ger oder gewalt­tä­ti­ger Hinsicht.

Doch das Düs­te­re und Unheil­vol­le erschöpft sei­ne Wir­kung mit dem Fort­gang des Buches. Die ver­schie­de­nen Gesich­ter des Mons­ters sind gezeigt, ihre Geschich­ten in Dru­cker­schwär­ze gebannt.

Zurück bleibt das Schei­tern des Prot­ago­nis­ten, das sich als Boden­satz durch die Geschich­ten zieht.

Bei der Preis­ver­lei­hung des Her­mann Hes­se För­der­prei­ses, den  Maack für ›Mons­ter‹ erhielt, berich­tet er von der Ent­ste­hungs­zeit des Buches: 

»Frü­her hab ich jedes Mal mit schreck­li­chen Ängs­ten gekämpft, wenn ich mich zum Schrei­ben hinsetzte.«

Eine scho­nungs­lo­se Authen­ti­zi­tät, die sich im gesam­ten Werk widerspiegelt.

Buchinfo

Ben­ja­min Maack:
Mons­ter (Cover­ab­bil­dung oben)
Mai­risch Ver­lag, Ham­burg 2012
192 S., EUR (D) 16,90 inkl. MwSt.
Erzäh­lun­gen
ISBN 978−3−938539−21−7

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Ben­ja­min Maack:
Mons­ter
btb Ver­lag, Mün­chen 2015
189 S., EUR (D) 8,99 inkl. MwSt.
Taschen­buch
ISBN 978−3−442−74811−2

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


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