Archiv der Kategorie: Titel: K

Margaret Owen: Krähenzauber [Rezension]

Von alten Sünden und vergangenen Königen. 

Der jun­gen Flü­gel­her­rin Stur ist im ers­ten Band der ›Die zwölf Kas­ten von Sabor‹-Dilo­gie ›Kno­chen­die­bin‹ etwas gelun­gen, das viel­leicht noch kei­ner Krä­he vor ihr geglückt ist. Einen Habicht und einen Phö­nix für den Schutz der Krä­hen-Kas­te zu gewinnen.

Doch dabei han­delt es sich nicht um irgend­ei­nen Habicht und irgend­ei­nen Phö­nix, son­dern um den Thron­fol­ger Jasi­mir und des­sen Leib­wäch­ter Tavin, die natür­lich auch in ›Krä­hen­zau­ber‹ zen­tral sind. Da Jasi­mir nur mit Mühe meh­re­re Gift­an­schlä­ge durch die neue Frau sei­nes Vaters über­lebt hat, täuscht er sei­nen eige­nen Tod durch die Sün­den­seu­che vor, um aus dem Palast zu ent­kom­men. Ein aus der Not gebo­re­ner Bahn, der die bei­den hoch­ge­bo­re­nen jun­gen Män­ner für eine Zeit auf den Wegen der Krä­hen wan­deln lässt und sie denn Hass und die Ver­zweif­lung am eige­nen Leib spü­ren lässt, denen die Krä­hen jeden Tag aus­ge­setzt sind.

Ein Eid zwi­schen ihrem Pah und dem Thron­fol­ger besie­gelt das Schick­sal der Krä­hen: Wenn Pah und Stur Jasi­mir hel­fen, wer­den die Krä­hen zukünf­tig unter dem Schutz der Habich­te ste­hen. Doch die Vor­ur­tei­le gegen die Krä­hen sit­zen tief, noch immer beherrscht die Sün­den­seu­che das Land. Und der Eid wäre wohl unter einem schlech­te­ren Stern gestan­den, wenn es Stur nicht gelun­gen wäre, an Phö­ni­x­zäh­ne zu gelan­gen. Ein Werk­zeug, das ihr die Macht über das Feu­er ver­leiht. Und zugleich ein Werk­zeug, das sie brau­chen wird, um ihre Rot­te gegen Hautghu­le, Haut­he­xen und Ole­an­der-Jun­ker zu beschüt­zen und den Eid zu wahren.

»Dann blick­te sie Stur in die Augen, plötz­lich bit­ter­ernst. ›Ich kann dir dei­ne Geschich­te nicht erzäh­len, klei­ne Göt­tin. Ein Leben ums ande­re hast du ver­sagt, und es war stets am schlimms­ten, wenn ich dir gesagt habe, wonach du suchen sollst.‹«

Doch auch als Stur im ers­ten Band das Unmög­li­che gelun­gen scheint, sind die Krä­hen noch nicht geret­tet. Denn nach­dem Stur ihren Teil der Ver­ein­ba­rung ein­ge­hal­ten hat, kann sie in ›Krä­hen­zau­ber‹ nur hof­fen, dass Jasi­mir und Tavin sich auch an ihren Teil der Abma­chung hal­ten. Doch der eng­li­sche Ori­gi­nal­ti­tel des zwei­ten Ban­des – ›The Faith­less Hawk‹ – lässt bereits erah­nen, dass dies nicht so leicht wer­den wird.

Sabor ist ein Reich, in dem eine Gesell­schaft herrscht, die so lan­ge davon gelebt haben, die Krä­hen zu unter­drü­cken und zu ver­ach­ten, dass es Teil ihrer Grund­fes­ten gewor­den ist. Und nur weni­ge Nicht-Krä­hen wol­len, dass sich dar­an etwas ändert. Doch auch von Sturs wirk­li­chen Ver­bün­de­ten, kön­nen man­che nicht an ihrer Sei­te bleiben.

»Die Hai­ne erkann­ten Pah, sogar in die­sem Leben. Und sie hie­ßen ihn will­kom­men.
Dies war sein Zuhau­se, und schreck­li­cher­wei­se nur seins.«

Ein Ver­rat lässt die unheil­vol­len Gescheh­nis­se in ›Krä­hen­zau­ber‹ ihren Lauf neh­men. Nur knapp ent­kommt Stur mit ihrem Leben, da sie Rhu­sa­na mehr als nur ein Dorn im Auge ist. 

Zugleich kämp­fen bald uner­war­te­te Ver­bün­de­te an Sturs Sei­te, die zum Teil aus dem ers­ten Band noch gut bekannt sind. Mit ihrer Hil­fe gelingt es Stur zwar in den Königs­pa­last zu kom­men, doch ist dies sicher­lich nicht der sichers­te Ort für eine ein­zel­ne Krä­he – vor allem einer, die sich bei der Köni­gin bereits unbe­liebt gemacht hat. 

Doch nicht nur für Stur und ihre Rot­te bre­chen dunk­le Zei­ten an. Auch Sabor ver­sinkt mehr und mehr in der Sün­den­seu­che. Städ­te und Dör­fer wol­len die Krä­hen nicht mehr hin­ein­las­sen, um sich um die Infi­zier­ten zu küm­mern. Unge­bremst brei­tet sich die Seu­che somit wei­ter aus und ver­schlingt bald gan­ze Orte, bis kei­ne Mög­lich­keit mehr bleibt, als den gan­zen Ort niederzubrennen. 

Foto: pri­vat.

»›Ich hät­te vor­aus­den­ken kön­nen, ich hät­te mich opfern kön­nen, um [dei­ne Mut­ter] zu ret­ten, aber es waren die Ole­an­der-Jun­ker, die beschlos­sen haben, Jagd auf uns zu machen. Mei­ne Sün­den waren die eines neu­en Flü­gel­herrn. Also war­um kannst du mir ver­ge­ben und dir selbst nicht?‹«

Fazit zu ›Krähenzauber

Krä­hen­zau­ber‹ nimmt schnell an Fahrt auf und geht genau­so span­nend wei­ter, wie ›Kno­chen­die­bin‹ geen­det hat. Mit Stur ist Mar­ga­ret Owen eine wun­der­ba­re, star­ke und klu­ge Prot­ago­nis­tin gelun­gen. Auch Sturs Rot­te wächst von Sei­te zu Sei­te mehr ans Herz. 

Die Atmo­sphä­re ist geheim­nis­voll-düs­ter, der Schreib­stil dicht und packend. Wäh­rend Owen mit Stur, Pah, Tavin und Jasi­mir wun­der­bar facet­ten­rei­che Cha­rak­te­re gelin­gen, bleibt die Gegen­sei­te lei­der etwas blass, deren Han­deln vor allem durch einen Wunsch nach Macht moti­viert scheint. ›Krä­hen­zau­ber‹ ist span­nend und schlüs­sig, doch kann er lei­der nicht ganz mit dem ers­ten Band mit­hal­ten. Den­noch ist die Dilo­gie ›Die zwölf Kas­ten von Sabor‹ defi­ni­tiv mehr als lesenswert!

Buchinfo

Mar­ga­ret Owen:
Krä­hen­zau­ber

Die zwölf Kas­ten von Sabor, Band 2
Über­setzt von: Bir­git Maria Pfaf­fin­ger & Ulri­ke Brauns
Carl­sen, Ham­burg 2020
416 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−58406−9

Rezen­si­on erst­mals erschie­nen auf Liz­zy­Net

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Julia Engelmann: Keine Ahnung was für immer ist [Rezension]

Schwerelos, verträumt und voller Energie. 

Lie­ber wach sein als zu schla­fen, um nichts zu ver­pas­sen, das Gefühl noch ein biss­chen län­ger zu genie­ßen. Allein tan­zen, lan­ge reden, ein­fach nur im Hier und Jetzt sein. Zwei­feln, und trotz­dem weitermachen. 

Engel­manns Gedich­te sind voll der Leich­tig­keit und Schwe­re eines nie enden wol­len­den Seins. Ihre Gedich­te in ›Kei­ne Ahnung was für immer ist‹ tra­gen kei­ne Kämp­fe der Ver­gan­gen­heit aus, sie wid­men sich der Gegen­wart mit ihren fast end­lo­sen Mög­lich­kei­ten. Vol­ler Bil­der und Momen­te, die das Leben brin­gen kann, wenn man jung ist oder bleibt, frei leben möch­te, alles in vol­len Zügen erfahren. 

»Und wenn ich mei­ne Arme hebe,
komm ich fast an bei­de Wän­de.
Drei Bett­kan­ten berühr­ten fast den Rand.
Manch­mal weht ein biss­chen Staub wie Laub
her­ab in mei­ne Hän­de.
Mit Fan­ta­sie wird jeder Raum ein Land.«

Julia Engel­mann
Aus ihrem Gedicht ›Mein Para­dies‹ in ›Kei­ne Ahnung was für immer ist

Ihre Gedich­te sind ver­spielt und den­noch unkom­pli­ziert. Die Poe­sie ihrer Spra­che braucht kei­ne hoch­tra­ben­den Wör­ter oder kom­ple­xe Ver­schach­te­lun­gen, um zu berüh­ren. Manch­mal, schei­nen ihre Gedich­te in ›Kei­ne Ahnung was für immer ist‹ Flü­gel zu haben, so schwe­re­los muten sie an.

Ob das Gefühl, in der Men­ge allein zu sein; unter vie­len die oder der zu sein, die nicht dazu pas­sen oder die Lie­be. Engel­manns Gedich­te lei­ten zum Wei­ter­ma­chen an, auch wenn Zwei­fel und Hür­den zu über­win­den sind. Lie­be­voll illus­triert von der Autorin selbst sind ihre Gedich­te, die auch jenen zu emp­feh­len sind, die bis­lang kaum Erfah­run­gen mit Gedich­ten haben. 

Fazit zu ›Keine Ahnung was für immer ist

Julia Engel­manns Gedicht­band ›Kei­ne Ahnung was für immer ist‹ ist eine Lie­bes­er­klä­rung an die Gegen­wart und das Unge­wis­se in der Zukunft. Schwe­re­los, ver­träumt und vol­ler Energie. 

Buchinfo

Julia Engel­mann:
Kei­ne Ahnung was für immer ist
Gold­mann, Mün­chen 2020
128 S., EUR (D) 9,- inkl. MwSt.
Taschen­buch, Klap­pen­bro­schur
ISBN 978−3−442−49133−9

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4.5 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Leigh Bardugo: King of Scars [Rezension]

Geheimnisse, älter als die Schattenflur. 

Kaum drei Jah­re sind ver­gan­gen, seit der Kampf auf der Schat­ten­flur Rav­ka ver­än­dert hat. Doch wäh­rend eine Bedro­hung abge­wehrt scheint, tre­ten die Pro­ble­me, die der Dunk­le been­den woll­te, in ›King of Scars‹ wie­der deut­lich hervor. 

Rav­ka befin­det sich schon viel zu lan­ge im Krieg. Von allen Sei­ten ist das Land von Fein­den umge­ben, doch auch im Innern wol­len die Unru­hen nicht enden. Vor allem für den König des Lan­des, in des­sen Innern noch immer etwas schlum­mert, das sich nicht kon­trol­lie­ren lässt.

Niko­lai Lant­sov hat vie­le Namen gehabt und eben­so vie­le Leben gelebt. In der Infan­te­rie und auf dem Meer gefürch­tet und geehrt, im eige­nen Land hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand als Bas­tard oder Wel­pe beschimpft. Doch wer glaubt, das hät­te Niko­lai zu einem mür­ri­schen und grau­sa­men Mann her­an­wach­sen las­sen, der irrt.

Wer die ›Gri­sha-Tri­lo­gie‹ (›Gol­de­ne Flam­men‹, ›Eisi­ge Wel­len‹ und ›Lodern­de Schwin­gen‹) bereits gele­sen hat, was drin­gend vor dem Lesen von ›King of Scars‹ emp­foh­len sein will, wird sich sicher­lich an den gut aus­se­hen­den, ein­falls­rei­chen und char­man­ten Prin­zen erin­nern, der nie um eine Ant­wort ver­le­gen ist.

Wäh­rend die Wun­den des letz­ten Kamp­fes kaum ver­heilt sind, ver­än­dert sich Rav­ka. Wun­der­sa­me Ereig­nis­se gesche­hen über­all im Land, die alle­samt in eine Rich­tung zu wei­sen schei­nen: zur Schat­ten­flur. Und mit ihnen wird das Mons­ter in Niko­lais Innern stär­ker: die Dun­kel­heit, die in der schein­bar unbe­küm­mer­tes­ten Figur lauert.

»Der Dämon war damit nicht ein­ver­stan­den. Der Dämon hat­te kein Inter­es­se am Lösen von Pro­ble­men oder an der Staats­kunst oder der Zukunft. Ihn trieb nur der Hun­ger, die Gier des Augen­blicks, Töten und Verschlingen.«

Doch nicht nur in Rav­ka herr­schen Unru­hen und Pro­ble­me. Auch in Fje­r­da sind die Geg­ner der Gri­sha nicht taten­los. Wäh­rend somit die Pro­ble­me noch da sind, die der Schaf­fer der Schat­ten­flur mit ihr lösen woll­te, haben Niko­lai und sei­ne Freun­de und Fein­de alle Hän­de voll zu tun: Ein Mons­ter will besiegt wer­den, eine Hoch­zeit geplant und ein altes Geheim­nis gelöst.

King of Scars‹ ver­eint neue Erzähl­per­spek­ti­ven mit der ver­trau­ten Magie der Gri­sha und lässt neben neu­en Schre­cken, vie­len alten Bekann­ten aus dem Gris­ha­ver­se begegnen.

»Einen Moment stand Nina allein mit dem Tod auf den Docks, zwei müde Rei­sen­de, lang­jäh­ri­ge Gefähr­ten. Aber jetzt sah sie die Art, wie die ande­ren sie beob­ach­te­ten – die Gri­sha-Flücht­lin­ge, Adrik und Leo­ni, sogar der Kapi­tän des Schiffs und sei­ne Mann­schaft, die sich über die Reling beugten.«

Fazit zu ›King of Scars

Bar­d­u­go gelingt es mit ›King of Scars‹ erneut, zu begeis­tern: Sie ver­webt eine fan­tas­ti­sche Geschich­te, mit span­nen­den Cha­rak­te­ren, alten Rät­seln und einer ordent­li­chen Por­ti­on Dun­kel­heit und Humor. Es bleibt span­nend, wohin die Autorin ihre Leser im zwei­ten Band von ›Thron aus Gold und Asche‹ noch füh­ren wird. 

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
King of Scars

Thron aus Gold und Asche
Band 1
Über­setzt von: Michel­le Gyo
Knaur HC, Mün­chen 2019
512 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−22700−8

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4.5 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Margaret Owen: Knochendiebin [Rezension]

Die Krähen und ihre toten Götter. 

Namen wie ›Scheu­sal‹, ›Gal­gen­strick‹ oder ›Stur‹ sind es, die die Ange­hö­ri­gen der Krä­hen-Kas­te in ›Kno­chen­die­bin‹ tra­gen. Der ein­zi­gen, der zwölf Kas­ten von Sabor, der kein Geburts­recht zusteht. Sie sind Geäch­te­te und Vogel­freie, denen man jedes erdenk­li­che Leid zufü­gen kann, ohne sich dafür ver­ant­wor­ten zu müssen. 

Doch zugleich sind sie in die­sem Land, in dem seit Genera­tio­nen eine Seu­che wütet, die ein­zi­gen, die sich um die Bestat­tung der von die­ser Befal­le­nen küm­mern kön­nen. Fast jede Krä­he in Sabor hat durch die ande­ren Kas­ten Ange­hö­ri­ge oder Freun­de ver­lo­ren, nur weni­ge Krä­hen wer­den alt.

Doch wäh­rend die Aus­gren­zung der Krä­hen in ›Kno­chen­die­bin‹ eben­so fest zu Sabors Gesell­schaft gehö­ren wie die Sün­den­seu­che selbst, für die vie­le die Krä­hen ver­ant­wort­lich machen, hal­ten die Krä­hen fest zusam­men. ›Beschüt­ze die Dei­nen!‹ ist die Regel, nach der sie leben.

»Stur hat­te wäh­rend ihrer sech­zehn Lebens­jah­re vie­le Lek­tio­nen gelernt, meist auf die har­te Art: immer die Men­ge im Blick behal­ten; immer einen Flucht­weg parat haben; kei­ne Stadt allein betre­ten.
Und in den Näch­ten, in denen sie Sün­der ver­brann­ten, in den San­da­len schlafen.«

Die jun­ge Hexe und zukünf­ti­ge Flü­gel­her­rin Stur ist alles ande­re, als auf den Mund gefal­len. Weder wenn es dar­um geht, um Zäh­ne zu feil­schen, noch in Bezug auf die Män­ner ihrer Rot­te. Doch plötz­lich mit einem Phö­nix-Prin­zen und sei­nem Habicht-Leib­wäch­ter durch das Land zu rei­sen, um den Prin­zen zu schüt­zen, ist selbst für die auf­ge­weck­te Stur Neuland.

Denn wäh­rend sie sich in ›Kno­chen­die­bin‹ mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen muss, ob sie Mit­glie­dern der Phö­nix- oder der Habicht-Kas­te trau­en kann, die sie und die ihren stets wie Dreck behan­delt haben, müs­sen Prinz und Leib­wäch­ter eben­falls neue Erfah­run­gen machen. In das Gewand der Krä­hen gehüllt, spü­ren sie zum ers­ten Mal die Aus­gren­zung und den Hass der ande­ren. Müs­sen mit der Angst leben, die dies erzeugt, und der Ungerechtigkeit.

»Sie konn­te nicht spre­chen, nick­te aber. Habich­te baten nicht. Stur wuss­te nicht, wie sie mit einem umge­hen soll­te, der es trotz­dem tat.«

Wäh­rend es für den Prin­zen Jasi­mir und sei­nen Leib­wäch­ter Tavin ums Über­le­ben geht, steht für Stur die Zukunft ihrer Kas­te auf dem Spiel. Wenn es ihnen gelingt, den Prin­zen lebend zu sei­nen Ver­bün­de­ten zu brin­gen, müs­sen die Habich­te zukünf­tig die Krä­hen schützen. 

Doch die­se Abma­chung ist alles ande­re als ein­fach zu erfül­len. Schie­nen die Krä­hen doch bis­lang vom Glück und den tau­send toten Göt­tern ver­las­sen zu sein.

»Eine Krä­he hät­te gewusst, wie man sich ver­hielt. Man ließ die Leu­te höh­nen. Man ließ die Leu­te flu­chen und pöbeln und ging wei­ter, denn wenn man sich wehr­te, muss­ten auch ande­re dafür büßen.«

Mar­ga­ret Owen gelingt es, in ihrem Debüt ›Kno­chen­die­bin‹ eine Welt zu erschaf­fen, die von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te zwingt, den Atem anzu­hal­ten. Das Leben, das die Krä­hen füh­ren müs­sen, ist düs­ter und vol­ler Not. Und doch gelingt es den Krä­hen durch ihren Zusam­men­halt unter­ein­an­der inner­halb die­ser Düs­ter­nis ein Leben zu füh­ren, das mit­reißt. Owens Schreib­stil ist ein­dring­lich und lässt nicht nur beim Mam­mon-Tanz die Nacken­haa­re zu Ber­ge stehen.

Foto: pri­vat.

Die Sün­den­seu­che ist ein für die Krä­hen all­ge­gen­wär­ti­ges Grau­en in Sabor und es bleibt span­nend, im zwei­ten Band der Rei­he ›Die zwölf Kas­ten von Sabor‹ hof­fent­lich zu erfah­ren, wie die­se einst ihren Anfang nahm.

Fazit zu ›Knochendiebin

Kno­chen­die­bin‹ gehört zu jenen Büchern, die nicht nur für Jugend­li­che geschrie­ben sind, son­dern auch Erwach­se­ne fes­seln kön­nen. Eine star­ke, berüh­ren­de Prot­ago­nis­tin, wit­zi­ge und klu­ge Dia­lo­ge und eine düs­te­re Welt vol­ler Geheim­nis­se machen Owens Debüt ›Kno­chen­die­bin‹ mehr als lesens­wert. Gespannt darf auch nach dem zwei­ten Band der Dilo­gie – ›Krä­hen­zau­ber‹ – gegrif­fen werden.

Buchinfo

Mar­ga­ret Owen:
Kno­chen­die­bin

Roman
Die zwölf Kas­ten von Sabor, Band 1
Über­setzt von: Hen­ning Ahrens
Carl­sen, Ham­burg 2019
416 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−58405−2

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 5 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Catana Chetwynd: Die kleinen Momente der Liebe [Rezension]

Der Alltag und seine Besonderheiten. 

Einen Dra­chen töten, eine sel­te­ne Blu­me am Fuße eines dunst­ver­han­ge­nen Ber­ges fin­den oder ein König­reich erobern? Die gro­ßen Momen­te der Lie­be fin­den sich in der Lite­ra­tur aller Zei­ten und Län­der. Hei­ra­ten, und dann den lie­ben lan­gen Tag damit zubrin­gen, ihn sich gegen­sei­tig zur Höl­le zu machen? Auch dafür kennt die Welt­li­te­ra­tur vie­ler­lei Beispiele. 

Blind ver­ste­hen, dass eine Piz­za gera­de das Bes­te auf der Welt wäre, kuscheln manch­mal die gan­ze Welt ein wenig bes­ser macht und man auch unge­schminkt und gam­me­lig abso­lut lie­bens­wert ist, zeich­net hin­ge­gen das Bild aus, das Chet­wynds lie­be­vol­le Comics von der Lie­be ent­wer­fen. Und das auf über 150 Sei­ten vol­ler Comic­zeich­nun­gen der bereits aus dem Inter­net bekann­ten Zeich­ne­rin Cata­na Chet­wynd, deren Stil auf dem Cover zuse­hen ist. Wer ger­ne eine kla­re­re Vor­stel­lung der Zeich­nun­gen bekom­men möch­te, wird auf der Web­site von Cata­na Comics oder der Ver­lags­home­page von dtv sicher­lich fündig.

Chet­wynds Comics in ›Die klei­nen Momen­te der Lie­be‹ sind schlicht, zei­gen oft­mals nicht mehr als die bei­den Figu­ren Cata­na und John in ihrem All­tag und sind damit auf das Wesent­li­che redu­ziert: Die klei­nen Momen­te der Lie­be sicht­bar zu machen. 

Die­se schö­ne Aus­ga­be von bold und dtv lädt dazu ein, allein oder mit dem Part­ner die Sei­ten zu durch­stö­bern und bekann­te Erfah­run­gen in vie­len der Comics zu fin­den: ob gemein­sa­me Aben­de daheim, zusam­men Aus­ge­hen oder Stun­den allein.

Es ist schwer, anders zu kön­nen, als die bei­den Comic­fi­gu­ren Cata­na und John in ›Die klei­nen Momen­te der Lie­be‹ zu mögen und sich in ihnen wie­der­zu­fin­den. Ähn­lich ist es mit dem Bild von Lie­be das Chet­wynd hier – im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes – zeich­net. Lie­be fern­ab der gro­ßen, hel­den­haf­ten Momen­te, für die der All­tag oft kaum Zeit lässt, und dafür spür­bar in der eige­nen Lebenswirklichkeit. 

© pri­vat, Stand: August 2019
Fazit zu ›Die kleinen Momente der Liebe

Die Lie­be in den schein­bar klei­nen, oft über­se­he­nen Din­gen ist es, die Chet­wynd in ihren Zeich­nun­gen ein­zu­fan­gen ver­steht: amü­sant und hin­rei­ßend ehrlich.

Buchinfo

Cata­na Chet­wynd:
Die klei­nen Momen­te der Lie­be

Aus dem Ame­ri­ka­ni­schen von
Knut Krü­ger
dtv, Mün­chen 2020
160 S., EUR (D) 12,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
ISBN 978−3−423−23013−1

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 5 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Meik Wiking: Die Kunst der Guten Erinnerung [Rezension]

Vom Erzählen und vom Erinnern. 

Sich die Geschich­ten aus dem letz­ten Som­mer­ur­laub erzäh­len, gemein­sam Fotos aus dem letz­ten Jahr anse­hen oder noch ein­mal lus­ti­ge Momen­te des gest­ri­gen Abends nach­er­zäh­len: Wer dem Erzäh­len schö­ner Momen­te in sei­nem All­tag Platz ein­räumt, tut laut ›Die Kunst der guten Erin­ne­rung‹ bereits eini­ges für dau­er­haft gute Erin­ne­run­gen und das eige­ne Glück. 

Obwohl Meik Wikings neu­es Buch ›Die Kunst der guten Erin­ne­rung‹ aus der moder­nen Gedächt­nis- und Glücks­for­schung schöpft, gelingt es ihm, die Leser und Lese­rin­nen in ihrem All­tags­er­le­ben abzu­ho­len. Dafür rei­chert er die Essenz wis­sen­schaft­li­cher Theo­rien mit eige­nen Erfah­run­gen an und schil­dert sie auf eine authen­ti­sche, leich­te und inspi­rie­ren­de Weise.

Somit hat Wikings neu­es Buch ›Die Kunst der guten Erin­ne­rung‹ zugleich Feel-Good-Ele­men­te und wis­sen­schaft­lich Hand und Fuß. Man lernt nicht nur eini­ges über das eige­ne Gedächt­nis und sei­ne Fehl­bar­keit, son­dern auch, wie die­se genutzt wer­den kön­nen, um glück­li­che Erin­ne­run­gen zu festigen.

»Es ist ein Miss­ver­ständ­nis, wenn wir glau­ben, dass unser Gedächt­nis funk­tio­niert wie eine Kame­ra oder ein Aktenschrank.«

Wiking greift die ver­schie­de­nen Zuta­ten auf, die es braucht, um Erin­ne­run­gen zu fes­ti­gen, und zeigt somit das Wesen der guten Erin­ne­rung. Von Auf­merk­sam­keit, über die Erfas­sung eines Momen­tes mit allen Sin­nen, bis hin zum Erzäh­len von Geschich­ten. Wer gute Erin­ne­run­gen und Glück schaf­fen will, wen­det sich sei­ner Welt und sei­nen Mit­men­schen zu. Nicht sel­ten blei­ben Wikings Erzäh­lun­gen und Anek­do­ten vor allem im Gedächt­nis, weil sie mit beson­de­ren Details und mensch­li­cher Wär­me ange­rei­chert sind.

Die Kunst der guten Erin­ne­rung‹ ist ein Plä­doy­er für das Erzäh­len, das gemein­sa­me Erin­nern und das Beson­de­re im All­täg­li­chen. In klei­ne Geschich­ten und Abschnit­te auf­ge­teilt, mit vie­len Bil­dern und Gra­fi­ken ange­rei­chert, wer­den sogar Tabel­len und Gra­fi­ken zu Hinguckern.

Zugleich ist Wikings neu­es Buch eine Ein­la­dung sich dar­auf ein­zu­las­sen, sich stär­ker mit den eige­nen Erin­ne­run­gen aus­ein­an­der­zu­set­zen und die­se zu bewah­ren. Vie­le sei­ner Tipps, Anlei­tun­gen und Gedan­ken sind gut in den All­tag zu inte­grie­ren, sodass sich der Leser oder die Lese­rin unwei­ger­lich fra­gen muss, war­um er oder sie nicht schon frü­her auf die­se Wei­se die eige­nen Erin­ne­run­gen ange­rei­chert hat.

»Unse­re Lebens­zu­frie­den­heit, unser Glück ist zum Teil davon abhän­gig, ob wir eine posi­ti­ve Geschich­te unse­res Lebens zu erzäh­len haben.«

Fazit zu ›Die Kunst der guten Erinnerung

Somit ist man nach dem Lesen von ›Die Kunst der guten Erin­ne­rung‹ zwar nicht schlag­ar­tig von allen schlech­ten Erin­ne­run­gen befreit und aus­nahms­los glück­lich, doch man fühlt sich mit eini­gen neu­en Werk­zeu­gen gerüs­tet, zukünf­ti­ge Erleb­nis­se bes­ser zu bewah­ren und somit das Glück, das sie in sich tra­gen, mit sich zu nehmen.

Buchinfo

Meik Wiking:
Die Kunst der Guten Erin­ne­rung
und wie sie uns dau­er­haft glück­li­cher macht
Bas­tei Lüb­be, Köln 2019
288 S., EUR (D) 20,- inkl. MwSt.
Life­style, Hard­co­ver
ISBN 978−3−7857−2663−1

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Anke Bär: Kirschendiebe oder als der Krieg vorbei war [Rezension]

Über Kindertage einer vergangenen Zeit. 

Kir­schen­die­be‹ der Autorin Anke Bär erzählt die Geschich­te der klei­nen Lot­te, die mit ihrer Fami­lie in einem Forst­haus lebt und ihre Kind­heit in der Nach­kriegs­zeit erlebt. 

Lot­te ist ein auf­ge­weck­tes, jun­ges Mäd­chen, das lie­ber Leder­ho­sen als Klei­der trägt, bes­ser wer­fen als nähen kann und lie­bend ger­ne Zeit mit den ande­ren Kin­dern verbringt. 

Gemein­sam erle­ben sie zahl­rei­che klei­ne All­tags­aben­teu­er in der Nähe des Forst­hau­ses. Sie gehen zur Schu­le, spie­len im Schnee und fei­ern Weih­nach­ten im Kreis der Fami­lie. Genau­so wie man sich das Leben eines jun­gen Mäd­chens vor­stellt. Nur eben ganz anders. Denn Lot­te kennt Hun­ger, muss sich mit Plumps­klos anfreun­den und kann nur dann lecke­re Kir­schen naschen, wenn sie die­se der Förs­ter­fa­mi­lie Greß­mann stibitzt. 

Die­se Ähn­lich­keit und zugleich Unter­schied­lich­keit zwi­schen Lot­te und einem klei­nen Mäd­chen der heu­ti­gen Zeit macht einen gro­ßen Reiz des Buches ›Kir­schen­die­be‹ aus. Es lädt die jun­gen Lesen­den ein, Lot­tes Leben mit ihrem eige­nen zu ver­glei­chen und Fra­gen zu stel­len: an Eltern, Groß­el­tern oder ande­re, die Erin­ne­run­gen an ihre Kind­heit tei­len wollen.

Anke Bärs Kir­schen­die­be punk­tet durch zahl­rei­che lie­be­vol­le Illus­tra­tio­nen, die so aus­se­hen, als wären sie direkt mit Blei­stift auf die Sei­ten gemalt wor­den. Zusätz­lich ver­fügt das Buch über einen span­nen­den Anhang, der neben einer Über­sicht mit Ereig­nis­sen der Nach­kriegs­zeit und einer Lis­te mit Muse­en auch zahl­rei­che Farb­ab­bil­dun­gen ent­hält. Neben Spiel­zeug und Büchern der Nach­kriegs­zeit fin­den sich dort auch Fotografien.

Der Schreib­stil von ›Kir­schen­die­be‹ ist klar und an die Gedan­ken­welt von Lot­te ange­passt. Das Buch besteht aus 36 knap­pen Kapi­teln, die sich zum Vor­le­sen eig­nen, da sie zumeist für sich ste­hen kön­nen. In die­sen gibt Kir­schen­die­be epi­so­den­haft Ein­blick in Ereig­nis­se aus Lot­tes All­tag und Leben.

Fazit zu ›Kirschendiebe

Doch so lie­be­voll das Buch illus­triert ist, fehlt es der Geschich­te an Span­nung. Die Kapi­tel sind für sich genom­men gut zu lesen, doch gibt es kei­nen Bogen, der dazu ver­lei­tet, direkt das nächs­te Kapi­tel lesen zu wollen.

Das Buch ›Kir­schen­die­be‹ ist durch die Illus­tra­tio­nen der Autorin wun­der­schön gestal­tet. Es han­delt sich nicht um eine Geschich­te, die durch Span­nung auf­fällt, son­dern um einen ruhi­ge­ren, zu Unter­hal­tun­gen anre­gen­den Erzählstil.

Buchinfo

Anke Bär:
Kir­schen­die­be oder als der Krieg vor­bei war
Gers­ten­berg, Hil­des­heim 2017
240 S., EUR (D) 18,- inkl. MwSt.
ISBN 978−3−8369−5997−1

Rezen­si­on zuerst erschie­nen auf: Liz­zy­Net

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 3 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]