Archiv der Kategorie: Titel: H

Ekstedt & Ennart: Happy Food [Rezension]

14 Kapitel voller Wissen und Rezepte. 

Dass Ernäh­rung wich­tig ist, ist bekannt. Eben­so, dass wir uns den­noch nicht unbe­dingt gesund ernäh­ren. Zugleich rei­hen sich in Buch­hand­lun­gen und Büche­rei­en Koch­bü­cher aneinander. 

Doch wenn sich ein Wis­sen­schafts­jour­na­list, der auf mehr als 15 Jah­re Erfah­rung zurück­bli­cken kann, und einer der füh­ren­den Ster­ne­kö­che Schwe­dens zusam­men­tun, kann ein Buch ent­ste­hen, das so wohl noch nicht in vie­len Rega­len steht. ›Hap­py Food‹ ist kein klas­si­sches Koch­buch. In 14 Kapi­teln ist es voll von aktu­el­len For­schungs­er­geb­nis­sen, Tipps, Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen und vie­len tol­len Rezepten.

Die Rezep­te ste­hen in ›Hap­py Food‹ nicht im Vor­der­grund. Den Haupt­teil des Buches neh­men aller­lei Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen zum The­ma Ernäh­rung und ihrer Aus­wir­kun­gen ein. Ver­ständ­lich und unter­halt­sam geschrie­ben, ohne den Lesen­den aus dem Blick zu verlieren.

»Immer mehr soli­de For­schungs­er­geb­nis­se legen nahe, dass das­sel­be zucker­las­ti­ge Indus­trie­es­sen, das glo­ba­le Epi­de­mien von Fett­lei­big­keit und Dia­be­tes ver­ur­sacht, Glu­ten­in­to­le­ranz begüns­tigt und die Zahl der Magen-Darm-Erkran­kun­gen auf nie dage­we­se­ne Höhen getrie­ben hat, auch zu der aktu­el­len Wel­le von psy­chi­schen Erkran­kun­gen beiträgt.«

Nütz­li­che Infor­ma­tio­nen und Zusam­men­hän­ge über Bauch und Hirn – von einem Crash­kurs zum The­ma Darm­bak­te­ri­en bis hin zu Stress, Ent­zün­dun­gen und Depres­sio­nen –, machen aus ›Hap­py Food‹ ein eben­so tol­les Buch wie des­sen anspre­chen­de Auf­ma­chung samt tol­ler Essensfotografien. 

Doch ›Hap­py Food‹ lässt es nicht dabei, über die The­men Gesund­heit und Ernäh­rung nur anschau­lich zu infor­mie­ren. Die­ses Buch will nicht nur Theo­rie ver­mit­teln, son­dern vor allem zu ihrer prak­ti­schen Umset­zung motivieren. 

»Wir kön­nen Darm­flo­ra wie­der­her­stel­len, solan­ge noch eini­ge Bak­te­ri­en übrig sind. Aller­dings könn­ten die nicht mehr vor­han­de­nen für immer ver­schwun­den sein, ganz egal, auf wie vie­len Faser­stof­fen wir herumkauen.«

Bei der Umset­zung, um aus jenen Lebens­mit­teln, die sich in der For­schung als gesund bewährt haben, umsetz­ba­re Rezep­te zu gestal­ten, kommt der schwe­di­sche Ster­ne­koch Niklas Eks­tedt ins Spiel.

Ob im Gan­zen geba­cke­ner Cur­ry-Blu­men­kohl mit gerös­te­ten Man­deln, Lein­sa­men­kek­se mit Roque­fort, Wal­nüs­sen und Honig oder ein Super­sa­lat mit Boh­nen, Gers­te, Topinam­bur und Äpfeln. Von schlicht bis hin zu beson­ders sind für vie­le Geschmä­cker pas­sen­de Rezep­te dabei.

»Die Revo­lu­ti­on hat bereits begon­nen! Die Ergeb­nis­se von mehr als der Hälf­te der jemals über die Darm­flo­ra unter­nom­me­nen For­schun­gen wur­den allein in den letz­ten zwei Jah­ren publi­ziert, und in zuneh­men­der Geschwin­dig­keit kom­men und qua­si stünd­lich neue Erkennt­nis­se hinzu.«

Reset your Body‹ hat mich auf den Geschmack gebracht, der Fra­ge nach­zu­ge­hen, wie wir durch Ernäh­rung unse­ren Kör­per und Geist am bes­ten dabei unter­stüt­zen, den unter­schied­lichs­ten Her­aus­for­de­run­gen gewach­sen zu sein. ›Darm mit Charme‹ hat mich mit Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen dar­über ver­sorgt, was der Darm so alles kann.

Fazit zu ›Happy Food

War­um zögern, wenn gesund so lecker sein kann? Eks­tedt und Ennart haben in ihrem Buch ›Hap­py Food‹ eine beson­de­re Mischung geschaf­fen: anschau­li­che Infor­ma­tio­nen, aktu­el­le For­schung und super­le­cke­re Rezep­te. Was will man mehr? Ich bin jeden­falls schon sehr gespannt auf ›Noch mehr Hap­py Food‹.

Buchinfo

Niklas Eks­tedt & Hen­rik Ennart:
Hap­py Food

War­um Man­gold vor Depres­sio­nen schützt und
Wal­nüs­se schlau machen
süd­west, Hürth 2018
240 S., EUR (D) 22,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
ISBN 978−3−517−09745−9

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4.5 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Marc Raabe: Die Hornisse [Rezension]

Geheimnisse einer vergangenen Zeit. 

Ein bru­ta­ler Mord im Gäs­te­haus der Poli­zei hält das Ermitt­lungs­team in ›Die Hor­nis­se‹ in Atem. Bei dem Opfer han­delt es sich um Brad Gal­lo­way, der von sei­nen zahl­rei­chen Fans ver­ehrt wird. 

Nie­mand weiß, wie das Opfer auf das Poli­zei­ge­län­de gekom­men ist. Auch die Bot­schaft, die auf Gal­lo­ways Brust geschrie­ben steht, lässt das Ermitt­lungs­team um Tom Baby­lon im Dun­keln tappen. 

Mit jeder gefun­de­nen Spur steigt die Hoff­nung, das Ver­bre­chen auf­zu­klä­ren. Doch umso mehr Spu­ren sie sam­meln, des­to deut­li­cher wird, dass alle in eine Rich­tung wei­sen. Und der Alb­traum beginnt.

»Gar nicht so lan­ge her, denkt er, da gab es auch in Deutsch­land noch Todes­ur­tei­le. Amt­lich, mit Stem­pel. Getippt im Zwei-Fin­ger-Such­sys­tem auf bucke­li­gen Schreib­ma­schi­nen mit Durch­schlag­pa­pier und aus­ge­führt im Ver­bor­ge­nen, von Sol­da­ten ohne Uniform.«

In ›Die Hor­nis­se‹ knüpft Raa­be geschickt zwei Zei­ten anein­an­der, das hier und jetzt und das Jahr 1989. Ist das Ver­schwin­den von Tom Baby­lons klei­ner Schwes­ter noch immer unge­klärt, führt das Jahr 1989 in eine Zeit zurück, in der sie noch ein Baby war. 

Auch Tom ist noch ein klei­ner Jun­ge, der noch nicht ahnen kann, wel­che Schre­cken die Zukunft für ihn bereit­hal­ten wird. Sei­ne Mut­ter will unbe­dingt die DDR ver­las­sen, um ihre Kin­der im Wes­ten auf­wach­sen zu sehen. Doch könn­te jemand ahnen, was sie vor­hat und hin­ter ihr Geheim­nis gekom­men sein? Hil­fe kann sie nur von einem erwarten.

»Ben­no hat­te zwei Sei­ten. Die, die sie magisch anzog, und die ande­re, manch­mal düs­te­re Sei­te, die sie nicht weni­ger anzie­hend fand. Es mach­te schließ­lich etwas mit einem, wenn man wie er stän­dig Zeit unter der Erde ver­brach­te und Tun­nel grub.«

In einem Wech­sel­spiel aus Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart grei­fen die­se inein­an­der über. Das Netz aus Geheim­nis­sen und Ver­stri­ckun­gen hat Raa­be in ›Die Hor­nis­se‹ fein gewebt. Gespannt kön­nen die Leser und Lese­rin­nen dabei zuse­hen, wie sich die Figu­ren im Thril­ler dar­in verfangen. 

»Inge stand im Bad, hielt sich mit bei­den Hän­den am Wasch­be­cken fest und starr­te ihr Spie­gel­bild an. Die Ver­zweif­lung stand ihr ins Gesicht geschrieben.«

Für das Ver­ständ­nis von ›Die Hor­nis­se‹ ist es nicht wich­tig, die ers­ten bei­den Bän­de der Tom Baby­lon-Serie – ›Schlüs­sel 17‹ und ›Zim­mer 19‹ – gele­sen zu haben, so war es bei mir. Doch wer viel­leicht die kom­plet­te Rei­he lesen will, soll­te auf jeden Fall mit Band 1 anfan­gen. In ›Die Hor­nis­se‹ wird sich auf Ele­men­te bezo­gen, die ver­mut­lich durch die Auf­lö­sung in Band 1 und 2 bekannt wer­den. Wer also der Rei­he nach liest, hat bei allen Bän­den den maxi­ma­len Lesegenuss. 

Fazit zu ›Die Hornisse

Die Hor­nis­se‹ ist nicht nur für ein­ge­fleisch­te Marc Raa­be- und Tom Baby­lon-Fans Span­nung pur. Doch mit jeder wei­te­ren Sei­te gera­ten Leser und Lese­rin tie­fer in die dich­te, atmo­sphä­ri­sche Welt die­ses Thril­lers. Neben Tom Baby­lon und Sita Johanns bie­tet ›Die Hor­nis­se‹ viel Raum für die heim­li­che­ren Hel­den, die die­sen Roman so beson­ders machen.

Buchinfo

Marc Raa­be:
Die Hor­nis­se

Tom Baby­lon-Serie 3
Thril­ler
ull­stein buch­ver­la­ge, Ber­lin 2020
544 S., EUR (D) 14,99 inkl. MwSt.
Paper­back
ISBN 978−3−86493−151−2

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4.5 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Eveline Helmink: Handbuch für miese Tage [Rezension]

Tipps und Tricks für den Umgang mit (vielleicht doch nicht immer ganz so) miesen Tagen. 

So schön der Umschlag des Buches ›Hand­buch für mie­se Tage‹ anmu­tet, so uner­freu­lich ist oft­mals des­sen The­ma. Manch­mal steht man nicht mit dem rich­ti­gen Bein auf. An ande­ren hin­ge­gen schon, aber irgend­je­mand tritt einem trotz­dem gegen das Schien­bein. Oder in die Knie­keh­le. Oder man steht mit dem rich­ti­gen Fuß auf, die Mit­men­schen sind einem wohl­ge­son­nen, und dann star­tet man vol­ler Eupho­rie und Ener­gie in den Tag und rammt den klei­nen Zeh Freu­de strah­lend gegen die Bett­kan­te. Und plötz­lich ist jede Ener­gie und gute Lau­ne fort. 

Und die­se den klei­nen Zeh hin­ter­häl­tig angrei­fen­den mie­sen Tage sol­len für etwas gut sein? Und was ist mit den Tagen, an denen man sich nicht nur wünscht, man wäre nicht auf­ge­stan­den, son­dern tat­säch­lich nicht aus dem Bett kommt? Gera­de noch die neue Blu­se ange­zo­gen und direkt brü­hend hei­ßen Kaf­fee dar­über gekippt?

Hel­minks ›Hand­buch für mie­se Tage‹ ist eine Lie­bes­er­klä­rung an sie, an die­se Tage, die weder zu einem Hoch­glanz-Leben pas­sen, noch im Lebens­lauf erwähnt wer­den, doch zu etwas zu gebrau­chen sind. Denn was macht man nun mit ihnen, wenn mie­se Tage wie­der unein­ge­la­den vor der Tür ste­hen und sich selbst hineinbitten? 

Das ›Hand­buch für mie­se Tage‹ hat hier­für mehr als nur die eine oder ande­re Idee: Zahl­reich sind die Short­cuts, die Hel­mink zusam­men­ge­stellt hat, um die mie­sen Tage etwas bes­ser zu über­ste­hen, und sie viel­leicht sogar zum Vor­teil zu nutzen.

»Ich bin weder Coach oder Psy­cho­lo­gin noch Dozen­tin – ich inter­es­sie­re mich schon seit jeher für mensch­li­che Ecken und Kan­ten, Unvoll­kom­men­heit und alles rund um die soge­nann­te Resi­li­enz, also das, was man see­li­sche Wider­stands­kraft bezeich­net. Des­halb sehe ich in mir selbst eine Art Cheer­lea­de­rin bei Rück­schlä­ge, Miss­mut und Ungemach.«

Die­se Short­cuts tref­fen vor allem einen Kern des Mensch­li­chen: Es muss nicht alles glän­zen, auch nicht per­fekt ist gut genug, und man ist nicht der ein­zi­ge Mensch auf der Welt, der hin und wie­der von sei­nen mie­sen Tagen erdrückt wird. 

»In einer Zeit, in der wir so ger­ne dar­über spre­chen oder in den sozia­len Netz­wer­ken tei­len, wie gut es uns geht, wie cool das Leben ist und wie bewusst wir das Bes­te aus Kör­per, Geist und See­le machen, scheint es nur wenig Raum für die­se unaus­weich­li­che Wahr­heit zu geben: Jedes mensch­li­che Leben beinhal­tet Tage, die ein­fach nur blöd sind.«

Mit einem Augen­zwin­kern und vie­len Ein­bli­cken in die Tief­punk­te ihres Lebens führt die Autorin durch das ›Hand­buch für mie­se Tage‹. Die­ses ist durch­zo­gen von ganz­sei­ti­gen Abbil­dun­gen mit inspi­rie­ren­den Sprü­chen, die auf den Punkt brin­gen, womit sich die Kapi­tel beschäftigen.

»Mist muss nicht unbe­dingt Sinn ergeben.«

Fazit zu ›Handbuch für miese Tage

So schön und detail­ver­liebt der Umschlag und das Lay­out des Buches ›Hand­buch für mie­se Tage‹ auch sind, so sehr hät­te ich mir gewünscht, dass die Sei­ten weni­ger text­las­tig sind. Durch das gro­ße Sei­ten­for­mat und das ein­spal­ti­ge Lay­out haben die Sei­ten mich manch­mal etwas erschla­gen. Aber das tut dem Inhalt des Buches natür­lich kei­nen Abbruch, der das hält, was bereits das Cover ver­spricht: Es zeigt Mög­lich­kei­ten auf, wie die eige­nen »ungla­mou­rö­sen Tage« betrach­tet wer­den kön­nen und wie auf ein »Ab« ein »Auf« fol­gen kann.

Hel­minks Vor­schlä­ge sind sehr per­sön­lich und von der Autorin bereits erprobt. Nicht jeder Short­cut muss für jeden Leser und jede Lese­rin der rich­ti­ge sein, doch ist bei der umfang­rei­chen Men­ge an Vor­schlä­gen sicher­lich für jeden etwas dabei, das zukünf­tig im Umgang mit den eige­nen mie­sen Tagen erprobt wer­den kann. 

Buchinfo

Eve­li­ne Hel­mink:
Hand­buch für mie­se Tage

Ohne Ab kein Auf: Wie uns die
ungla­mou­rö­sen Tage wei­ter­brin­gen
Über­setzt von Ingrid Oster­mann
Iri­sia­na, Mün­chen 2020
256 S., EUR (D) 22,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
ISBN 978−3−424−15383−5

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4 von 5.

Eine Haf­tung der Rezen­sen­tin für Personen‑, Sach- oder Ver­mö­gens­schä­den ist ausgeschlossen.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Laetitia Colombani: Das Haus der Frauen [Rezension]

Vom Traum einer Frau, die nicht bereit war, aufzugeben. 

Seit dem Tod ihres Kli­en­ten hat sich Solè­nes Leben in ›Das Haus der Frau­en‹ ver­än­dert. War sie in dem einen Moment noch eine Kar­rie­re­frau in teu­rer Klei­dung und als Anwäl­tin erfolg­reich, weiß sie nun nicht mehr recht, was sie tun soll. 

Sie hat sei­nen Tod nicht kom­men sehen. In all den Gesprä­chen, in all den vie­len Stun­den. Und dann geschieht es, an ihrer Sei­te und viel zu schnell.

Auch Solè­ne fällt, und sie fällt tief. Arbeit scheint ihr unmög­lich, das Haus ver­las­sen eben­so. Sie zieht sich zurück, nimmt Tablet­ten. Irgend­wann emp­fiehlt ihr Arzt ihr, sich eine ehren­amt­li­che Arbeit zu suchen. Solè­ne ist skep­tisch, doch als sie all die Ein­trä­ge auf einer Web­site durch­geht, sticht ihr einer ins Auge. »Öffent­li­che Schrei­be­rin«. Sie weiß zwar nicht, was sie sich unter die­sem Begriff vor­zu­stel­len hat, doch das Schrei­ben ist ihr aus frü­he­ren Zei­ten ver­traut. Und mit einem Mal kehrt eine Sache in Solè­nes Leben zurück, die sie lan­ge begra­ben hatte.

»Kind­heits­träu­me zu ver­ges­sen ist nicht schwer, man hört ein­fach auf, dar­an zu den­ken. Man bedeckt sie mit einem Schlei­er, so wie man Laken über Möbel­stü­cke wirft, wenn man ein Haus für län­ge­re Zeit verlässt.«

Solè­ne wird zur Öffent­li­chen Schrei­be­rin im Haus der Frau­en. Doch obwohl sie als Anwäl­tin oft die Schat­ten­sei­ten des Lebens zu sehen bekam, ist sie auf die­se Stel­le nicht vor­be­rei­tet. Vor ihr wer­den die Leben so vie­ler unter­schied­li­cher Frau­en sicht­bar, die ihr auch noch nach­ge­hen, wenn sie längst Fei­er­abend gemacht hat. 

Mehr als ein­mal muss sie sich den Fra­gen stel­len, ob sie für die­se Arbeit geeig­net ist und was sie tun kann, um den Frau­en zu hel­fen. Und wäh­rend Solé­ne ver­sucht, den Bewoh­ne­rin­nen des Hau­ses zu hel­fen, die im 21. Jahr­hun­dert leben, führt Colom­ba­ni mit ›Das Haus der Frau­en‹ auch in die Zeit zurück, bevor die Idee zu die­ser Ein­rich­tung über­haupt gebo­ren wur­de. Bis hin zu Blan­che, die rund ein Jahr­hun­dert zuvor leb­te, und die Armut und Not ihrer Pari­ser Mit­bür­ger und Mit­bür­ge­rin­nen nicht hin­neh­men wollte.

»Kei­ne ande­re Spe­zi­es lie­fert sich ein sol­ches Gemet­zel. Das Miss­han­deln von Weib­chen kommt in der Natur sonst nicht vor. War­um haben Men­schen die­ses Bedürf­nis, zu zer­stö­ren und zu vernichten?«

Wer ›Der Zopf‹ von Lae­ti­tia Colom­ba­ni gele­sen hat, weiß um das Talent der Autorin, meh­re­re Per­spek­ti­ven und Leben so zu ver­we­ben, dass ein gemein­sa­mes, facet­ten­rei­ches Bild ent­steht. Geschah dies in ›Der Zopf‹ durch drei Frau­en, die zur glei­chen Zeit in unter­schied­li­chen Län­dern leben, sind es in ›Das Haus der Frau­en‹ zwei Frau­en, die in Paris leben, durch ein Jahr­hun­dert getrennt.

Und das Leben der Frau­en im Haus geht unter die Haut, eben­so das von Blan­che. Sie träum­te von einem ›Haus der Frau­en‹ schon in einer Zeit, in der obdach­lo­se Kin­der noch auf den Fel­der erfro­ren, weil es kei­nen Platz für sie gab. Doch Blan­che träumt nicht nur, sie han­delt. Uner­müd­lich, über die Gren­ze jeg­li­cher Belastbarkeit.

»Hat Paris kein Herz?, ruft sie ohne Umschwei­fe ins Publi­kum. Im alten Frank­reich herrsch­te eine Hun­gers­not, heu­te ist es die Woh­nungs­not. Men­schen ster­ben, weil sie nicht wis­sen, wo sie schla­fen sollen.«

Fazit zu ›Das Haus der Frauen

Auf nicht ein­mal 300 Sei­ten gelingt es Colom­ba­ni in ›Das Haus der Frau­en‹, die Leben und die Zeit zwei­er Frau­en auf­er­ste­hen zu las­sen. Es schaut dort hin, wo oft weg­ge­se­hen wird. Zeigt das all­täg­li­che, trau­ri­ge und zugleich zum Teil hoff­nungs­vol­le Leben im Pari­ser Haus der Frau­en. Was für Solè­ne als Ehren­amt begann, nimmt bald schon grö­ße­re Dimen­sio­nen an. Ein­drück­lich, bewe­gend und zum Nach­den­ken anregend.

Buchinfo

Lae­ti­tia Colom­ba­ni:
Das Haus der Frau­en

Roman
Über­setzt von: Clau­dia Mar­quardt
Fischer Ver­lag, Frank­furt a. M. 2020
256 S., EUR (D) 20,- inkl. MwSt.
gebun­den mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−10−390003−3

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4.5 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Gianna Molinari: Hier ist noch alles möglich [Rezension]

Eine Fabrik, ein Wolf und andere Rätsel. 

Eine jun­ge Frau nimmt ›Hier ist noch alles mög­lich‹ einen Job in einer Ver­pa­ckungs­fa­brik an und zieht dafür in einen Raum auf dem Fabrik­ge­län­de. Wäh­rend die Tage der Fabrik bereits gezählt sind und das Gebäu­de immer ver­las­sen­der wird, ver­brei­tet sich ein Gerücht: Ein Wolf wur­de auf dem Gelän­de gesehen. 

Die jun­ge Frau, die für die Sicher­heit der Fabrik zustän­dig ist, ver­bringt Nacht für Nacht damit, auf den Moni­to­ren nach dem Tier Aus­schau zu hal­ten. Doch so sehr sie auch eine Spur des Wol­fes fin­den will, hält die­ser sich auf dem Bereich der Kame­ras fern. Nur eine Per­son in der Fabrik scheint den Wolf bis­lang über­haupt zu Gesicht bekom­men zu haben.

Doch obwohl die Fabrik bereits vor ihrer Schlie­ßung steht, will der Lei­ter kei­nen Zwi­schen­fall ris­kie­ren. Gru­ben wer­den auf dem Gelän­de aus­ge­ho­ben, die das Tier fan­gen sollen. 

»Der Wolf kam aus den Ber­gen, und mit ihm kamen ande­re Wöl­fe, kamen ins Flach­land. Dran­gen in Gebie­te vor, in denen man sie nie zuvor gese­hen hat­te.
Sie trieb der Hun­ger, das Wis­sen um Wel­pen, das Wis­sen um den Hun­ger der Welpen.«

Und obwohl der Gedan­ke an den Wolf die jun­ge Frau nicht mehr los­lässt, ist sei­ne Geschich­te nicht die ein­zi­ge, die man sich auf dem Fabrik­ge­län­de erzählt. 

Auch der M. d. v. H. f. – der Mann, der vom Him­mel fiel, – erhält einen Ein­trag im Uni­ver­sal-Gene­ral-Lexi­kon der jun­gen Frau. Nicht nur die Gerüch­te und Geschich­te um das Fabrik­ge­län­de sind beson­ders, eben­so der Blick der jun­gen Frau auf die Welt und ihre Art, die Din­ge zu ordnen.

»Es gibt eine Insel, auf der vor vie­len Jahr­hun­der­ten ein Hahn zum Tode ver­ur­teilt wur­de. Sein Ver­bre­chen bestand im Leben eines Eis. Das war gegen die Natur und dar­um gesetzeswidrig.«

Eine Fabrik, ein Wolf und eine jun­ge Frau: Aus die­sen Zuta­ten lässt Moli­na­ri in ›Hier ist noch alles mög­lich‹ eine Geschich­te ent­ste­hen, die von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te etwas Beson­de­res ist. 

Fazit zu ›Hier ist noch alles möglich

Die Angst vor dem Frem­den und Unbe­kann­ten, die Gefah­ren, die es mit sich brin­gen könn­te, auch wenn sie nur eine dunk­le Ahnung sind, durch Ver­mu­tun­gen geschürt. ›Hier ist noch alles mög­lich‹ ist eine Art Blau­pau­se, vor deren Hin­ter­grund The­men auf­schei­nen, weit näher als die Hal­len einer bald still­ge­leg­ten Fabrik. Moli­na­ris Debüt­ro­man ›Hier ist noch alles mög­lich‹ ist ori­gi­nell und regt viel­sei­tig zum Nach­den­ken an – wenn man bereit ist, sich auf den beson­de­ren Schreib­stil einzulassen.

Buchinfo

Gian­na Moli­na­ri:
Hier ist noch alles mög­lich

Roman
Auf­bau Ver­lag, Ber­lin 2018
192 S., EUR (D) 18,- inkl. MwSt.
Gebun­den mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−351−03739−0

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]