Archiv der Kategorie: Titel: G

Julian Auringer (Hrsg.): Rot wie Blut. Grausige Märchen und Sagen [Rezension]

Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage? 

Dass Mär­chen nicht in ers­ter Linie für Kin­der gesam­melt und geschrie­ben wor­den sind, zeigt sich in ›Rot wie Blut‹ sehr deut­lich. Eben­so, wie weit die ursprüng­li­che­ren Ver­sio­nen der Mär­chen und das, was heu­te noch von ihnen erin­nert wird, auseinanderliegen. 

Ob es das Mär­chen um König Dros­sel­bart ist, Dorn­rös­chen, Rapun­zel oder Rot­käpp­chen: Die Mär­chen und Sagen, die Juli­an Aurin­ger in ›Rot wie Blut‹ gesam­melt hat, machen dem Unter­ti­tel des Buches alle Ehre. Nicht nur blu­ti­ger und gro­tes­ker, auch sexua­li­sier­ter erschei­nen diese. 

In ›Rot wie Blut‹ hat Aurin­ger Mär­chen und Sagen nam­haf­ter Autoren und Autorin­nen bezie­hungs­wei­se Samm­lern und Samm­le­rin­nen zusam­men­ge­stellt. Von Giam­bat­tis­ta Basi­le, über Marie-Cathé­ri­ne d’Aulnoy, Charles Per­rault, Chris­ti­an August Vul­pi­us, Karo­li­ne Stahl, den Brü­dern Grimm, Karl Bartsch, Anton Bir­lin­ger, Carl und Theo­dor Cols­horn, Fried­rich Gott­schalck, Johann Hein­rich Leh­nert, Alex­an­der von Ungern-Stern­berg, Adal­bert Kuhn, Ernst Mei­er, Johan­nes Wil­helm Wolf, Karl Müllen­hoff, Ulrich Jahn, Karl Spie­gel bis hin zu Josef Müller.

»Als schon alles am Tische saß, trat plötz­lich noch eine alte Fee ein, die nicht ein­ge­la­den war und die man ver­ges­sen hat­te, weil man seit mehr als hun­dert Jah­ren nichts von ihr wuss­te und sie für tot oder ver­schol­len hielt.«

Das Dorn­rös­chen oder: Die schla­fen­de Schö­ne im Wald‹

So fin­den sich neben eini­gen der sicher­lich bekann­tes­ten Mär­chen und Sagen auch eini­ge, die im Ver­gleich weni­ger bekannt sind. Mehr­fach sind Illus­tra­tio­nen in die Erzäh­lun­gen eingefügt. 

Doch selbst wer ver­gleichs­wei­se mär­chen­fest zu sein glaubt, kann in ›Rot wie Blut‹ an der ein oder ande­ren Stel­le Neu­es erfah­ren. So wird sich zei­gen, was Dorn­rös­chen mit einer Oge­rin zu tun hat und wie Hän­sel und Gre­tel mit See­räu­bern in Ver­bin­dung stehen. 

»Es war ein­mal ein König, der hat­te drei Töch­ter, in sei­nem Hof aber stand ein Brun­nen mit schö­nem kla­rem Was­ser. An einem hei­ßen Som­mer­tag ging die ältes­te hin­un­ter und schöpf­te sich ein Glas voll her­aus, wie sie es aber so ansah und gegen die Son­ne hielt, sah sie, dass es trüb’ war.«

Der Frosch­prinz

Doch Aurin­gers aus­ge­wähl­te Mär­chen und Sagen sind nicht nur grau­sig und blu­tig. Sie sind magisch, bekannt und zugleich fremd. Ihnen haf­tet der Zau­ber einer ver­gan­ge­nen Zeit an, der auch durch Erzäh­len und Wie­der­erzäh­len noch im Gedächt­nis geblie­ben ist.

»Es saß ein­mal eine Köni­gin zur Win­ters­zeit, als drau­ßen Schnee lag, am Fens­ter, und stick­te an einem Tuche, das in einem Rah­men von schwar­zem Eben­holz gespannt war. Da stach sie sich mit der Näh­na­del in den Fin­ger, dass es blu­te­te, und mach­te das Fens­ter auf, und ließ das Blut auf den Schnee tropfen.«

Schnee­witt­chen
Fazit zu ›Rot wie Blut

Die von Juli­an Aurin­ger aus­ge­wähl­ten Mär­chen und Sagen in ›Rot wie Blut‹ hal­ten, was der Titel des Buches ver­spricht. Mehr als ein Dut­zend unter­schied­li­cher Autoren und Autorin­nen haben hier Ein­zug gefun­den und machen ›Rot wie Blut‹ zu einem teils span­nen­den, teils ver­trau­ten Lese­ver­gnü­gen. Wer Mär­chen und Sagen mag, dem könn­ten auch ›Die schöns­ten nor­we­gi­schen Mär­chen‹ und ›Nor­di­sche Mythen und Sagen‹ gefal­len.

Buchinfo

Juli­an Aurin­ger (Hrsg.):
Rot wie Blut

Grau­si­ge Mär­chen und Sagen
Mit Illus­tra­tio­nen aus den Bil­der­bo­gen
des 19. Jahr­hun­derts
Ana­con­da, Mün­chen 2020
256 S., EUR (D) 4,95 inkl. MwSt.
Hard­co­ver
ISBN 978−3−7306−0908−8

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Ilja Leonard Pfeijffer: Grand Hotel Europa [Rezension]

Ilja hat­te nicht geplant, spä­ter ein­mal nach Vene­dig zu zie­hen. Sein Leben in Genua war toll, vor allem als er die auf­re­gen­de und anzie­hen­de Clio ken­nen­lern­te. Und doch muss er nicht lan­ge dar­über nach­den­ken, als Clio sich über­legt, wegen eines Job­an­ge­bo­tes dort­hin zu ziehen. 

Vene­dig – eine Stadt, die berühmt ist für ihre Kunst und ihre Gon­deln. Wo es an jeder Stra­ßen­ecke vene­zia­ni­sche Mas­ken für Tou­ris­ten zu kau­fen gibt, aber kaum mehr fri­sches Obst oder Gemü­se für die Bewohner. 

Doch obwohl er sich sei­ner Ent­schei­dung sicher ist, wird nicht Vene­dig in sei­ner Erin­ne­rung die schöns­te Zeit wer­den, son­dern Genua. 

Als Ilja sich schließ­lich in das Grand Hotel Euro­pa begibt, um sei­ne Geschich­te auf­zu­schrei­ben, ist es mehr als eine Welt, die der Schrift­stel­ler zu Papier bringt. Zum einen ist es sei­ne per­sön­li­che Ver­gan­gen­heit, die er teilt. Vol­ler Kunst, Mar­ken­klei­dung und alten Fami­li­en. Zum ande­ren ist es die Welt des Tou­ris­mus, die jähr­lich in Vene­dig zu spü­ren ist. Außer­dem noch jene Welt Abduls, der sei­ne Hei­mat ver­las­sen muss­te und bei die­ser Rei­se alles ande­re als schö­ne Erin­ne­run­gen gesam­melt hat. 

»Das Zim­mer war ein­fach per­fekt, nicht etwa, weil es ein per­fek­tes Hotel­zim­mer gewe­sen wäre, son­dern gera­de weil es das nicht war. An die­ser Suite hat­te sich kein Inte­rior desi­gner unter Zuhil­fe­nah­me eines anony­men und zweck­mä­ßi­gen Ent­wurfs ver­küns­telt, son­dern hier hat­te ein Über­maß an Geschich­te despe­rat seuf­zen­de Spu­ren hinterlassen.«

Sie alle kom­men in Pfei­jf­fers Roman ›Grand Hotel Euro­pa‹ zusam­men und wol­len vom Ilja der Roman­welt auf­ge­schrie­ben werden. 

Der Leser oder die Lese­rin muss sich ein­las­sen kön­nen auf die­sen Schreib­stil, der anfangs üppig und beschrei­bend wirkt. Denn durch die­sen kön­nen die Kon­tras­te umso stär­ker wirken. 

»Die Stadt wird heu­te fast nur noch von Geis­tern aus der Ver­gan­gen­heit bewohnt, dafür aber jähr­lich von acht­zehn Mil­lio­nen Tou­ris­ten über­schwemmt. Das sind 50000 pro Tag, ähn­lich vie­le Besu­cher hat Dis­ney­land im kali­for­ni­schen Anaheim.«

Fazit zu ›Grand Hotel Europa

Man soll­te sich Zeit las­sen für die­ses Buch, das die­se braucht, um sich zu ent­fal­ten. Und obwohl man­ches zu üppig wir­ken, nicht nur Iljas und Cli­os orgas­ti­sches Sex­le­ben, ist die­ses Buch nicht nur für kunst­his­to­risch inter­es­sier­te Leser und Lese­rin­nen lesenswert.

Buchinfo

Ilja Leo­nard Pfei­jf­fer:
Grand Hotel Euro­pa

Roman
Über­setzt von: Ira Wil­helm
Piper, Mün­chen 2020
560 S., EUR (D) 25,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−492−07011−9

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Leigh Bardugo: Glory or Grave [Reihe]

Von Dieben, Wagemut und Freundschaften. 

Gri­sha füh­ren in ›Glo­ry or Gra­ve‹ kein ein­fa­ches Leben in Kerch. In Arbeits­ver­trä­ge gezwun­gen, für die ein Leben nicht reicht, um sie abzu­ar­bei­ten. Ent­führt und ver­kauft, ohne, dass jemand nach ihnen suchen wür­de. Vie­le sind nach dem Bür­ger­krieg aus Rav­ka dort­hin geflo­hen, doch die wenigs­ten nur konn­ten dort Sicher­heit finden. 

Doch nicht nur die Gri­sha sind in Kerch nicht sicher. Auch ande­re wer­den dort­hin ver­schleppt und als Skla­ven ver­kauft, vie­le an Freu­den­häu­ser, wie die jun­ge Akro­ba­tin Inej. Ande­re las­sen sich von den Ver­spre­chen des Glücks­spiels ein­lul­len, bis sie bei den Fal­schen Schul­den machen und Heim und Hof ver­lie­ren. Die wenigs­ten fin­den einen Weg hin­aus aus den uner­bitt­li­chen Teu­fels­krei­sen von Kerch, in denen ein Unglück das nächs­te jagt. 

Nicht ein­mal als Sohn eines wohl­ha­ben­den Krä­mers hat man in Kerch ein siche­res Leben, wie Wyl­an am eige­nen Leib erfah­ren muss. Doch die Fein­de lau­ern nicht immer nur in den Schat­ten und Gos­sen. Häu­fig genug sit­zen sie mit einem zum Abend­essen am Tisch.

»Kaz Brek­ker brauch­te kei­nen Grund für etwas. Die­se Wor­te waren es, die man sich auf den Stra­ßen von Ket­ter­dam zuflüs­ter­te, in den Taver­nen und Kaf­fee­häu­sern, in den dunk­len und ver­schwitz­ten Gas­sen des Ver­gnü­gungs­be­zirks, der als der Bar­rel bekannt war.«

Beginn des zwei­ten Kapi­tels von ›Das Lied der Krä­hen‹, Knaur 2017

Doch wen sonst, wür­de man fra­gen, um ver­mut­lich das gewag­tes­te Ver­bre­chen seit Jah­ren zu bege­hen, wenn nicht die Tunicht­gu­te von Kerch? In Kerch lebt das Ver­bre­chen, es bil­det sei­ne Kin­der aus und lässt nur die geschick­tes­ten am leben. 

Kaz Brek­ker kennt in ›Glo­ry or Gra­ve‹ die Abgrün­de von Kerch bes­ser als die meis­ten. Und er hat noch eini­ge offe­ne Rech­nun­gen zu beglei­chen, allen vor­an mit einem ande­ren Ban­den­boss aus dem Bar­rel. Und dafür kommt ihm das gebo­te­ne Geld genau recht. Die Gegen­leis­tung? Das Unmög­li­che mög­lich machen. Und lan­ge genug leben, um sich dar­an zu erfreuen.

»Was tue ich hier?
Die­ser Gedan­ke war Wyl­an min­des­tens sechs Mal am Tag durch den Kopf geschos­sen, seit er Kaz Brek­ker ken­nen­ge­lernt hat­te. Aber in einer Nacht wie die­ser, in einer Nacht, in der sie ›arbei­te­ten‹, sang er in sei­nem Kopf wie ein ner­vö­ser Tenor, der sei­ne Ton­lei­tern übte: Was­tu­eich­hier­was­tu­eich­hier­was­tu­eich­hier

Beginn des zwei­ten Kapi­tels von ›Das Gold der Krä­hen‹, Knaur 2018

Kei­ner der Sechs aus Kaz Brek­kers Trup­pe, die in das Eis­tri­bu­nal der Fje­r­dan ein­bre­chen sol­len, hat­te es in ›Glo­ry or Gra­ve‹ leicht. Wer sich in den dunk­len Gas­sen von Kerch her­um­treibt, hat zumeist kei­nen ande­ren Ort, an den er gehen kann. Oder eine Schuld abzu­be­zah­len. Und doch schaf­fen es die­se sechs in all ihrer Zer­rüt­tung und mit all ihren Pro­ble­men zu einer Mann­schaft zusam­men­zu­wach­sen, die sich sehen las­sen kann.

Ihre Metho­den sind alles ande­re als gewöhn­lich, ihre Umgangs­for­men oft­mals rau und abwei­send. Und doch hal­ten sie anein­an­der fest, geben sich nicht auf und glau­ben aneinander. 

Fazit zur ›Glory or Grave‹-Reihe

Leigh Bar­d­u­gos Krä­hen-Dilo­gie ›Glo­ry or Gra­ve‹ ist per­fekt für alle, die kan­ti­ge Cha­rak­te­re mögen, die sel­ten ein Blatt vor den Mund neh­men und immer wie­der über­ra­schen kön­nen. Ein­ge­bet­tet wer­den sie in eine span­nen­de Geschich­te, die immer wie­der ein Ass im Ärmel zu haben scheint. Wer also düs­te­re Figu­ren mit schwe­rer Ver­gan­gen­heit will, die zusam­men immer wie­der Momen­te der Inten­si­tät und der Leich­tig­keit erle­ben, der kann sich ger­ne in die Stra­ßen von Ket­ter­dam ent­füh­ren las­sen. Es lohnt sich.


Für Fans von …

  • Stran­ge the Drea­mer‹, Band 1 und 2 von Lai­ni Taylor
  • Muse of Night­ma­res‹, Band 1 und 2 Lai­ni Taylor
  • Kno­chen­die­bin‹ von Mar­ga­ret Owen
  • Die ›Legen­den der Gri­sha‹-Tri­lo­gie von Leigh Bardugo
  • Die ›Thron aus Gold und Asche‹-Duo­lo­gie von Leigh Bardugo

Bewertung

Bewer­tung: 4.5 von 5.

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
Das Lied der Krä­hen

Glo­ry or Gra­ve, Band 1
Über­setzt von Michel­le Gyo
Knaur HC, Mün­chen 2017
EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back, 592 S.,
ISBN 978−3−426−65443−9

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Leigh Bar­d­u­go:
Das Gold der Krä­hen

Glo­ry or Gra­ve, Band 2
Über­setzt von Michel­le Gyo
Knaur HC, Mün­chen 2018
EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back, 592 S.,
ISBN 978−3−426−44380−4

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Leigh Bardugo: Das Gold der Krähen [Rezension]

Wenn verratene Krähen sich rächen. 

Die Figu­ren in ›Das Gold der Krä­hen‹ könn­ten unter­schied­li­cher kaum sein: Kaz, Jesper, Wyl­an, Mat­thi­as, Inej und Nina. Die sechs­köp­fi­ge Trup­pe, der es im ers­ten Band der Glo­ry or Gra­ve‹-Dilo­gie, ›Das Lied der Krä­hen‹, gelang, in das Eis­tri­bu­nal ein­zu­bre­chen und eine Gri­sha zu befrei­en. Zuge­ge­ben: Sie haben nicht genau die Per­son befreit, die ihr Auf­trag vor­ge­se­hen hat, aber des­we­gen ist sie kaum weni­ger wert. 

Das Gold der Krä­hen‹ schließt rela­tiv naht­los an die Ereig­nis­se des ers­ten Ban­des an und treibt die Geschich­te in gro­ßen, span­nungs­ge­la­de­nen Schrit­ten dem Fina­le entgegen. 

Für Kaz’ Trup­pe geht es mitt­ler­wei­le um mehr als einen Auf­trag mit­samt sei­ner Beloh­nung: Es geht um ihr Leben und das ihrer Nächs­ten; um die Hoff­nung, ihre Zukunft frei wäh­len zu dür­fen, und um Rache.

»Sei­ne gan­ze Auf­merk­sam­keit galt dem Mann, der an der öst­li­chen Mau­er stand und zu den bun­ten Glas­fens­tern hin­auf­blick­te, einen zer­knit­ter­ten Hut in den Hän­den. Gewis­sens­bis­se durch­zuck­ten Jesper, als er merk­te, dass sein Vater sei­nen bes­ten Anzug trug und sich das rote Haar der Kae­lisch sorg­sam aus der Stirn gekämmt hat­te. Es war von grau­en Sträh­nen durch­zo­gen, die noch nicht da gewe­sen waren, als Jesper sein Zuhau­se ver­las­sen hatte.«

Es ist unglaub­lich fes­selnd zu sehen, wie sich aus den sechs unter­schied­li­chen Mit­glie­dern des Ein­bruch-Trupps Freund­schaf­ten ent­wi­ckeln. In all ihrer Unter­schied­lich­keit, obwohl sie die Lebens­wei­se des Bar­rels ver­in­ner­licht haben und obwohl jeder Ein­zel­ne an sei­ne Gren­zen getrie­ben wird. Dabei bleibt Bar­d­u­go ihren Cha­rak­te­ren treu. Die Gano­ven des Bar­rels ent­wi­ckeln sich nicht plötz­lich zu hel­den­haf­ten Sau­ber­män­nern, die nur von dem Drang, Gutes zu tun, ange­trie­ben werden.

Sie blei­ben geris­sen, ver­schla­gen und ihre Spiel­chen trei­bend, bis zuletzt. Doch Bar­d­u­gos Cha­rak­te­re wären nicht so wahn­sin­nig span­nend, wenn sie nur das wären. Unter all den Über­le­bens­in­stink­ten haben Kaz und sei­ne Trup­pe Zie­le, die sie antrei­ben. Sie geben sich Chan­cen und geben sich bis zuletzt gegen­sei­tig nicht auf. Ein tol­les Team!

»Lie­ber schreck­li­che Wahr­hei­ten als freund­li­che Lügen. Kaz hat­te ihr nie­mals Glück ange­bo­ten, und sie trau­te den Män­nern nicht, die es ihr jetzt auf­tisch­ten. Ihr Lei­den war nicht umsonst gewesen.«

Obwohl ›Das Gold der Krä­hen‹ nicht ins ver­trau­te Rav­ka zurück­kehrt, feh­len bekann­te Gesich­ter in die­sem Band nicht. Immer­hin war Nina frü­her ein­mal ein Mit­glied der Zwei­ten Armee, bevor sie von den Drüs­kel­le gefan­gen genom­men wurde. 

Fazit zu ›Das Gold der Krähen

Span­nend, vol­ler Über­ra­schun­gen und Team­geist. So schreibt Bar­d­u­go ein wei­te­res Stück der Geschich­te der Gri­scha, in einem Land, indem sie kei­nen Schutz genie­ßen. Ich hof­fe sehr, dass auch nach der Dilo­gie noch von Kaz und sei­ner Trup­pe zu lesen sein wird.

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
Das Gold der Krä­hen

Glo­ry or Gra­ve
Band 2
Über­setzt von: Michel­le Gyo
Knaur HC, Mün­chen 2018
592 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−44380−4

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J. K. Rowling: Phantastische Tierwesen. Grindelwalds Verbrechen [Rezension]

Die zwei mächtigsten Zauberer der Welt in ihren jüngeren Jahren. 

Grin­del­wald gehört zu den Namen, die bei mir noch immer aus den ›Har­ry Pot­ter‹-Büchern nach­hal­len. Obwohl oder viel­leicht auch da er als Figur vor ›Grin­del­walds Ver­bre­chen‹ kaum in Erschei­nung tritt, und somit vor allem als Name in Geschich­ten exis­tiert, Dum­ble­do­res Berühmt­heit grün­det unter ande­rem in die­sem Namen. 

Obwohl er in Albus Dum­ble­do­res Jugend eine bedeu­ten­de Rol­le spielt, weiß der Lesen­de aus den ›Har­ry Pot­ter‹-Büchern selbst ver­gleichs­wei­se wenig über Grin­del­wald. Doch eines kann man sich vor­stel­len: Wer oder wie Grin­del­wald auch immer da: Die Welt, in der er gelebt hat und die er hin­ter­las­sen hat, ist jene, in der Tom Ridd­le und vie­le sei­ner Anhän­ger auf­wuch­sen. Und eini­ge der Über­zeu­gun­gen Grin­del­walds erin­nern stark an den Dunk­len Lord.

»G R I N D E L W A L D
Der Moment ist gekom­men,
euch allen mei­ne Visi­on der
Zukunft zu zei­gen, die uns
erwar­tet, wenn wir nicht
auf­be­geh­ren und unse­ren
recht­mä­ßi­gen Platz in der Welt
ein­neh­men.«

Grin­del­walds Ver­bre­chen‹, der Nach­fol­ge­band zu ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen und wo sie zu fin­den sind. Ori­gi­nal­dreh­buch‹, ist wesent­lich düs­te­rer als die­ser. Zwar spie­len Newt Sca­man­ders Tier­we­sen noch immer eine Rol­le, doch haben sie nicht mehr viel Gele­gen­heit, sich von ihrer amü­san­ten und hel­len Sei­te zu zei­gen. Ande­re Tier­we­sen zei­gen sich: ein Male­dic­tus, ein Obscurus.

Bild: Die Autorin J. K. Row­ling (Quel­le: Carl­sen)
© Debra Hur­ford Brown

Viel­mehr scheint es hin­ge­gen, als wür­den Dun­kel­heit und Schre­cken in ›Grin­del­walds Ver­bre­chen‹ erst Tor und Tür geöff­net werden. 

Oft schwingt in ›Grin­del­walds Ver­bre­chen‹ der Gedan­ke mit, dass, was auch immer pas­siert und den Per­so­nen wider­fährt, es zum Teil ihre Nach­fah­ren sein wer­den, die in den ›Har­ry Pot­ter‹-Bän­den auf der Sei­te von Dum­ble­do­re oder Vol­de­mort ste­hen wer­den und dass der Grund­stein dafür nun hier gelegt wird.

Fazit zu ›Grindelwalds Verbrechen

Grin­del­walds Ver­bre­chen‹ ist es gelun­gen, mich in sei­nen Bann zu zie­hen. Die im ers­ten Band auf­ge­bau­ten Geschich­ten ver­dich­ten sich, Geheim­nis­se for­dern ihre Auf­lö­sung. Doch obwohl ich die­ses Ori­gi­nal­dreh­buch wirk­lich sehr ger­ne gele­sen habe und die bei Carl­sen erschie­ne­ne Hard­co­ver-Aus­ga­be unglaub­lich schön ist, fin­de ich es ein wenig trau­rig, dass es eben nur das ist: ein Dreh­buch, und kein Roman. So vie­le inter­es­san­te Beweg­grün­de der Figu­ren kön­nen kaum so beleuch­tet wer­den, wie es in einem Roman mög­lich wäre, und so fehl­te es mir gegen Ende des Buches bei man­chen Figu­ren, dass ich die Moti­va­ti­on für oder gegen man­che Hand­lun­gen nicht immer nach­voll­zie­hen konn­te und sie mit­un­ter abrupt und zu schnell schie­nen. Doch kann dies dem Dreh­buch, solan­ge es als sol­ches betrach­tet wird, kei­nen Abbruch tun. Defi­ni­tiv lesens­wert für alte oder neue Fans von ›Har­ry Pot­ter‹.

»D U M B L E D O R E
[…]
Sie fra­gen sich nur, ob etwas
rich­tig ist oder und getan wer­den
muss. Und dann tun Sie es,
kos­te es, was es wolle.«

Buchinfo

J. K. Row­ling:
Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen:
Grin­del­walds Ver­bre­chen

Das Ori­gi­nal­dreh­buch
Aus dem Eng­li­schen von Anja Han­sen-Schmidt
Carl­sen Ver­lag, Ham­burg 2018
304 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Hard­co­ver, gebun­den mit Schutz­um­schlag
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−55709−4

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Jan-Philipp Sendker: Das Gedächtnis des Herzens [Rezension]

Der Versuch, zu lieben. 

Ein zwölf­jäh­ri­ger Jun­ge wächst in ›Das Gedächt­nis des Her­zens‹ allein bei sei­nem Onkel auf. Ein­mal im Jahr kommt sein Vater ihn für weni­ge Wochen besu­chen. Mehr Zeit kann Ko Bo Bo nicht mit sei­ner Fami­lie verbringen. 

War­um das so ist, weiß der Jun­ge nicht. Er weiß nur, dass er sei­nen Vater ger­ne häu­fi­ger sehen wür­de und, dass er eine gro­ße Nar­be im Gesicht hat. War­um sei­ne Mut­ter ihn nie besucht und was mit ihr sein könn­te, liest Bo Bo nur zwi­schen den Zeilen.

Obwohl sein Onkel U Ba ihn sehr liebt, sehnt sich der Jun­ge nach sei­ner Fami­lie, an die er nur vage Erin­ne­run­gen hat. Jedes Wort und jede Erzäh­lung über sie lässt ihn sofort aufhorchen.

»Es gibt ver­schie­de­ne Grün­de zu schwei­gen, habe ich von U Ba gelernt.
Einer kann Angst sein.«

Und wäh­rend sowohl der Lesen­de als auch Bo Bo in ›Das Gedächt­nis des Her­zens‹ wis­sen, dass die Geschich­te um sei­ne Fami­lie und sei­ne Nar­be kei­ne ein­fa­che wer­den kann, fühlt es sich erleich­ternd an, als sein Onkel end­lich die Geschich­te von Bo Bos Mut­ter und Vater erzählt.

Das Gedächt­nis des Her­zens‹ wird von einer Stim­mung getra­gen, die zugleich fremd, exo­tisch und doch eben­so ver­traut und bewe­gend ist.

Obwohl die­ses Buch der drit­te Teil einer Serie ist, lässt es sich pro­blem­los eigen­stän­dig lesen. Ich habe die­sen Roman geschenkt bekom­men und hat­te Band 1 und 2 der Bur­ma-Serie zuvor nicht gele­sen. Trotz­dem hat­te ich kei­ne Schwie­rig­kei­ten, den Roman ver­ste­hen und genie­ßen zu kön­nen. Natür­lich wer­den Lesen­de, die Band 1 und 2 gele­sen haben, in man­chen Sze­nen sicher­lich mehr sehen kön­nen als ande­re Leser, aber ein Muss ist es kei­nes­falls. Da mir der drit­te Band aber so gut gefal­len hat, wer­de ich die ers­ten bei­den bestimmt nachholen.

Jan-Phil­ipp Send­ker gelingt es, uns in sei­nem Roman ›Das Gedächt­nis des Her­zens‹ bereits nach weni­gen Sei­ten zu Ver­trau­ten des jun­gen Bo Bos und sei­ner Welt zu machen. Er ist eine jener Figu­ren, die man mögen muss, weil sie das Herz am rech­ten Fleck haben und mit sich und der eige­nen Geschich­te zu kämp­fen hat.

»Wer wirk­lich liebt, hat kei­ne Angst, wer Angst hat, kann nicht lie­ben.
Nur klam­mern.«

Er ist auf der Suche nach einem Ort, an den er hin­ge­hö­ren darf und an dem er ange­nom­men wird. Ein Ort, den sein Onkel ihm zwar zu geben ver­sucht, der aber den Wunsch nach Vater und Mut­ter nie ganz erset­zen kann. Es ist auch die­se Suche, die Ko Bo Bos Mut­ter in der Erzäh­lung des Onkels anzu­trei­ben scheint und Kin­der mit Behin­de­run­gen in das Klos­ter führ­te, in dem Bo Bos Vater einst leb­te. Ein Ort und ein Mensch, bei dem sie sich ange­nom­men, geschätzt und sicher füh­len durf­ten, bis die Ereig­nis­se in Bur­ma über ihnen hereinbrachen.

Fazit zu ›Das Gedächtnis des Herzens

Mit Gefühl und doch ohne Kitsch erzählt Send­ker die Geschich­te eines Jun­gen, der sich sei­ne Fami­lie wünscht, und zugleich die Geschich­te einer Fami­lie, die im Schat­ten der eige­nen Ver­gan­gen­heit erst zu gedei­hen ler­nen muss.

Buchinfo

Jan-Phil­ipp Send­ker:
Das Gedächt­nis des Her­zens

Die Bur­ma-Serie, 3
Bles­sing, Mün­chen 2019
336 S., EUR (D) 22,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver mit SU, Roman
ISBN 978−3−89667−502−6

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4 von 5.


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