Archiv der Kategorie: Titel: C

H. P. Lovecraft: Cthulhus Ruf [Rezension]

H. P. Lovecraft: Cthulhus Ruf [Rezension]

Von einem uralten Wesen in den Tiefen dieser Welt, das ruht und wartet. 

Die Ahnung von etwas Uralten, Mons­trö­sen erfüllt die Geschich­te ›Cthul­hus Ruf‹. Ist es zu Beginn noch der plötz­li­che Tod des Onkels des Icher­zäh­lers, der Rät­sel auf­gibt, ver­dich­tet sich das düs­te­re Netz aus Geheim­nis­sen und Vor­ah­nun­gen bald. 

Im Nach­lass des Onkels, einem ange­se­he­nen Pro­fes­sor, stößt der Icher­zäh­ler auf Auf­zeich­nun­gen und Unter­la­gen, die Zwei­fel am natür­li­chen Tod sei­nes Onkels auf­kom­men las­sen. Doch was war es, dem der Pro­fes­sor noch bis kurz vor sei­nem Able­ben auf der Spur war? Und war­um hat er davon nichts gewusst?

Der Icher­zäh­ler von ›Cthul­hus Ruf‹ kämpft mit sich und sei­ner Wahr­neh­mung der Welt. Er will ratio­na­le Erklä­run­gen fin­den, die Geheim­nis­se sei­nes Onkels auf Betrug ande­rer zurück­füh­ren, doch je tie­fer er sich in sei­ne Nach­for­schun­gen begibt, des­to stär­ker wird das Gefühl des lau­ern­den Grau­en­haf­ten. Uralte Ritua­le und mons­trö­se Anru­fun­gen, nicht nur in der Fer­ne, son­dern Tief im Her­zen des mensch­li­chen Bewusstseins.

»Ein Fall, dem sich die Anmer­kun­gen mit Nach­druck wid­me­ten, war tra­gisch.
Die betref­fen­de Per­son, ein sehr bekann­ter Archi­tekt mit Inter­es­se an Theo­so­phie und Okkul­tis­mus, wur­de am glei­chen Tag wie Wil­cox von hef­ti­gem Wahn­sinn befal­len und starb eini­ge Mona­te spä­ter nach end­lo­sem Schrei­en, jemand möge ihn doch vor den aus­ge­bro­che­nen Bewoh­nern der Höl­le retten.«

Mehr und mehr dunk­le Geheim­nis­se kreu­zen sei­ne Nach­for­schun­gen. In den unter­schied­lichs­ten Tei­len der Welt stößt er auf wei­te­re Puz­zle­tei­le. Und doch ist kaum jemand übrig, den er direkt befra­gen könn­te. Mys­te­riö­se Todes­fäl­le und Ver­schwin­den säu­men den Weg. Und wie berich­tet man etwas, das nie­mand zu glau­ben bereit ist? Love­craft zieht Leser und Lese­rin­nen sub­til und unter­schwel­lig in die Abgrün­de sei­ner Geschich­te. Sei­te für Sei­te ver­dich­tet sich eine Geschich­te, die unter die Haut geht.

»Es war ein Poli­zist aus New Orleans namens John Ray­mond Legras­se.
Er brach­te den Gegen­stand mit, um des­sent­wil­len er gekom­men war – eine gro­tes­ke, unge­heu­er­lich absto­ßen­de und augen­schein­lich sehr alte Stein­sta­tu­et­te, deren Ursprung er nicht zu bestim­men vermochte.«

Cthul­hus Ruf‹ ist mit Abstand die berühm­tes­te Erzäh­lung H. P. Love­crafts, die natür­lich auch in ›Die bes­ten Geschich­ten‹ von H. P. Love­craft nicht fehlt. Zum Teil jedoch auch in der Zeit des Autors ver­haf­tet ist.

Doch die Abbil­dun­gen von Fran­çois Bar­an­ger machen die­se Aus­ga­be von ›Cthul­hus Ruf‹ nicht nur zu etwas Beson­de­rem, son­dern zu einem Schatz in Buch­ge­stalt. Dun­kel, düs­ter und atmo­sphä­risch fan­gen sie das Unbe­ha­gen und die Ahnun­gen ein, die zwi­schen Love­crafts Zei­len lau­ern. Jede Dop­pel­sei­te ist ein Kunst­werk für sich, die Love­crafts Welt ernst nimmt. 

Fazit zu ›Cthulhus Ruf

Love­crafts ›Cthul­hus Ruf‹ ist düs­ter, atmo­sphä­risch und unglaub­lich span­nend. Der Icher­zäh­ler ist greif­bar, ver­sucht dem Unfass­ba­ren mit Ratio­na­li­tät und Fas­sung zu begeg­nen und erbaut dadurch eine Brü­cke für den Leser in die Welt von ›Cthul­hus Ruf‹.

Die­se Aus­ga­be der berühm­ten Erzäh­lung ›Cthul­hus Ruf‹ ist nicht nur für Love­craft-Ken­ner eine Emp­feh­lung – Fran­çois Bar­an­gers Abbil­dun­gen soll­ten sie sich nicht ent­ge­hen las­sen. Auch für den Love­craft-Neu­ling ist die­se schau­rig-schö­ne und biblio­phi­le Aus­ga­be eine wun­der­ba­re Ein­la­dung in die Welt von Love­craft und Cthulhu. 

»›In sei­nem Haus in R’lyeh
war­tet träu­mend der tote Cthulhu.‹«

Buchinfo

H. P. Love­craft:
Cthul­hus Ruf

Hey­ne, Mün­chen 2020
64 S., EUR (D) 25,- inkl. MwSt.
Mit 64 far­bi­gen Abbil­dun­gen von Fran­çois Bar­an­ger
Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−453−53498−8

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 5 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Marie Graßhoff: Beta Hearts [Rezension]

Vergessene Sünden, verlorene Erinnerungen. 

Die Welt, die sie kann­ten, gibt es nicht mehr. KAMI hat die Sperr­zo­nen ver­las­sen. Immer mehr Bezir­ke fal­len in ›Beta Hearts‹ dem von Men­schen geschaf­fe­nen Virus zum Opfer, der sei­nen Wir­ten jeg­li­che Emo­tio­nen raubt. 

Denn KAMI lernt, es ent­wi­ckelt sich und ist den Men­schen längst ent­wach­sen. Und in ihm wächst ein Drang her­an, stär­ker noch als der Wunsch, alle Men­schen zu assi­mi­lie­ren: Es will sie ver­ste­hen. Es will wis­sen, war­um sie so han­deln, wie sie han­deln. Es will Emo­tio­nen ver­ste­hen ler­nen. Und es will, dass die Welt in all ihren Far­ben und For­men end­lich nicht mehr unter den Men­schen zu lei­den hat.

»Danach erin­ne­re ich mich nur an Cha­os. An Schreie, Schüs­se, Rauch, Angst und Dun­kel­heit. So viel Dun­kel­heit in so vie­len Gedanken.« 

Was ist das für eine Welt, die Marie Graß­hoff in ihrer ›Neon Birds‹-Tri­lo­gie beschreibt und die ein Kind braucht, das sich Stück für Stück zu einer Maschi­ne machen lässt? Wie viel bleibt von die­sem Kind übrig, das zwar mit den Jah­ren zu einem jun­gen Erwach­se­nen her­an­wächst, doch des­sen Kör­per bis dahin zu mehr als 70 Pro­zent nicht mehr mensch­lich ist?

Und wie kann die­ses Kind, das nie etwas ande­res gekannt hat, als das Kämp­fen, damit auf­hö­ren? Erst nach und nach wird in ›Neon Birds‹, ›Cyber Trips‹ und ›Beta Hearts‹ klar, wie kaputt die­se Welt ist, in der Oki­jen, Andra, Flover, Luke und Byth ver­su­chen, zu über­le­ben. Was auf den ers­ten Blick fort­schritt­lich, erstre­bens­wert und makel­los erscheint, bekommt Ris­se. Geheim­nis­se schei­nen durch, Leer­stel­len bil­den sich. Und immer grö­ßer wird der Wunsch, zu wis­sen, wie die­se Welt der ›Neon Birds‹-Tri­lo­gie ent­stan­den ist. Und vor allem, was aus ihr wer­den soll.

»Die Men­schen gaben mir die Macht zu ler­nen. Und ich lern­te, mich zu erin­nern. An die­se Wesen, die an ihren Besitz­tü­mern hän­gen wie an Ankern.«

Denn wäh­rend alle ihre Kräf­te bün­deln und ver­ei­nen in dem Wunsch, KAMI end­gül­tig aus­zu­lö­schen, wächst in Andra ein ande­res Ziel her­an. Ist der Mensch über­haupt dazu in der Lage, KAMI in einem Kampf zu schla­gen? Wenn nicht, was bleibt dann noch?

Andras Pfad ist ein­sam. Wen ist sie bereit, zurück­zu­las­sen, und wer ist bereit, sie zu ver­ra­ten? In ›Beta Hearts‹ schließt sich die Schlin­ge um die Häl­se der viel zu jun­gen Kämpfer.

»Gab es über­haupt noch Men­schen auf die­ser Welt außer ihnen? Gab es Städ­te und Dör­fer und Sied­lun­gen, in denen Men­schen leb­ten, die kei­ne Moja waren? Wo wären sie sicher?«

Graß­hoffs Sci­ence Fic­tion-Tri­lo­gie ist von der ers­ten bis zu letz­ten Sei­te span­nend. Die Fra­gen, die zwi­schen den Zei­len schlum­mern, rüh­ren tief an den Kern des Mensch­seins her­an. Die Geschich­te der Mensch­heit ist von Kämp­fen durch­zo­gen, wie soll­te es in der Zukunft anders sein? Sind Oki­jen und die ande­ren bereit, die­se Welt von den Genera­tio­nen vor ihnen zu übernehmen?

Fazit zu ›Beta Hearts

Bereits in den ers­ten bei­den Bän­den der ›Neon Birds‹-Tri­lo­gie ›Neon Birds‹ und ›Cyber Trips‹ hat Graß­hoff bewie­sen, dass sie schrei­ben kann und das Fina­le ›Beta Hearts‹ steht hier­bei in nichts nach. Es ist eine die­ser Rei­hen, über die man stun­den­lang spre­chen könn­te, weil so vie­le essen­zi­el­le Fra­gen dar­in schlummern.

Zugleich bleibt auch in ›Beta Hearts‹ noch vie­les unbe­ant­wor­tet. Zum Teil auch Fra­gen, um die sich die drei Bän­de stark gedreht haben. So bleibt zu hof­fen, dass ›Beta Hearts‹ zwar das Fina­le der Tri­lo­gie ist, das ›Neon Birds‹-Uni­ver­sum jedoch noch fort­ge­setzt wird. Ich bin gespannt! 

Buchinfo

Marie Graß­hoff:
Beta Hearts

Sci­ence Fic­tion, Roman
Band 3
Alters­emp­feh­lung: ab 16 Jah­ren
Bas­tei Lüb­be, Köln 2020
511 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Paper­back
ISBN 978−3−404−20968−2

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

John Strelecky: Das Café am Rande der Welt [Rezension]

Von Staus, fehlender Orientierung und anderen Chancen im Leben. 

John braucht in ›Das Café am Ran­de der Welt‹ eine Pau­se. Nach der gan­zen Arbeit muss er ein­fach mal wie­der Urlaub machen, raus­kom­men und abschalten. 

Scha­de nur, dass sich sein Weg in den Urlaub als eben­so stres­sig ent­puppt wie sei­ne Arbeit selbst. Auf dem High­way bewe­gen sich die Autos kei­nen Meter mehr nach vorn, tan­ken könn­te er auch mal wie­der und was zu essen wür­de sicher­lich auch nicht schaden. 

Mehr vor Wut und Anpas­sung als nach reif­li­cher Über­le­gung ver­lässt John den High­way. Nur um sich zur Krö­nung sei­nes Urlaubs­be­ginns hoff­nungs­los zu ver­fah­ren. Zumin­dest so lan­ge, bis er im schein­ba­ren Nir­gend­wo ein Café fin­det. Ein Café, das ihn bald nicht nur froh dar­über sein lässt, dass er sich ver­fah­ren hat, son­dern auch vie­le ande­re Über­ra­schun­gen für ihn bereithält.

»Die­ser Tag über­traf lang­sam bei wei­tem alles, womit ich gerech­net hat­te. Erst eine stun­den­lan­ge Fahrt durch das Nichts, dann ein Café am Ran­de der Welt und jetzt eine Bedie­nung mit einem spitz­bü­bi­schen Lächeln.«

Streleckys Erzäh­lun­gen und Rat­ge­ber über den Sinn des Lebens haben für mich stets zwei Sei­ten. Zum einen die Art und Wei­se, wie er sei­ne Über­le­gun­gen ver­packt und beschreibt. Sei­ne Spra­che ist klar. Kom­ple­xe­re Gedan­ken­gän­ge stellt er mit­hil­fe mög­lichst ein­fa­cher und doch ein­gän­gi­ger Ver­glei­che und Geschich­ten dar. Doch obwohl ›Das Café am Ran­de der Welt‹ in Erzähl­form geschrie­ben ist, wirkt die Geschich­te selbst kon­stru­iert. Nicht alle sei­ner Figu­ren kön­nen Sym­pa­thie­punk­te ergat­tern. Die Bedie­nung Casey scheint all­zeit spitz­bü­bisch und schel­misch zu lächeln und es auch immer noch mal bes­ser zu wissen. 

Anne und Mike hin­ge­gen füh­len sich run­der und mensch­li­cher an. Sie laden dazu ein, im Café zu ver­wei­len und sich mit den Fra­gen der Erzäh­lung auseinanderzusetzen.

© Bogen­ber­ger Autoren­fo­tos, hono­rar­frei, Stand: Dezem­ber 2017

Die zwei­te Sei­te hin­ge­gen ist das, wor­über Strelecky schreibt. Die Fra­gen, mit denen sich der Prot­ago­nist John aus­ein­an­der­set­zen muss, sind exis­ten­zi­ell. Sie füh­ren ihn – und mit ihm die Lesen­den – nah an das eige­ne Selbst her­an. Die­se Fra­ge über den Sinn des Lebens haben Gewicht, sie ver­än­dern und sind zugleich so uni­ver­sell, dass sie wohl vie­len Erwach­se­nen bereits begeg­net sind.

»Sobald ein Mensch weiß, war­um er hier ist, warm er exis­tiert, wel­chen Grund es dafür gibt, dass er am Leben ist, wird er den Wunsch haben, dem Sinn und Zweck sei­ner Exis­tenz gerecht zu wer­den. Es ist so, als erken­ne man auf einer Kar­te, wo ein Schatz ver­steckt ist. Sobald man die Mar­kie­rung ent­deckt hat, fällt es schwer, sie zu igno­rie­ren und nicht nach dem Schatz zu suchen.«

Fazit zu ›Das Café am Rande der Welt

Wer bereit ist, sich auf die zu Anfang viel­leicht etwas kon­stru­iert wir­ken­de Erzäh­lung ›Das Café am Ran­de der Welt‹ ein­zu­las­sen, kann sicher­lich eini­ge Über­le­gun­gen und Erkennt­nis­se aus die­sem Buch mit­neh­men. Viel­leicht auch mit einem Stück saf­ti­gen Rha­bar­ber-Kuchen. Mehr von Strelecky gibt es bei­spiels­wei­se in ›Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt‹ zu lesen.

Buchinfo

John Strelecky:
Das Café am Ran­de der Welt
Eine Erzäh­lung über den Sinn des Lebens
Mit Illus­tra­tio­nen von Root Leeb
Über­setzt von Bet­ti­na Lem­ke
dtv, Mün­chen 2007
128 S., EUR (D) 8,95 inkl. MwSt.
Soft­co­ver
ISBN 978−3−423−20969−4

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 3.5 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 2 Average: 3.5]

Tomi Adeyemi: Children of Virtue and Vengeance [Rezension]

Von alten und neuen Wunden. 

Obwohl die Magie in ›Child­ren of Vir­tue and Ven­ge­an­ce‹ nach Orï­sha zurück­ge­kehrt ist, fin­den Zélie und Ama­ri kei­ne Ruhe. Die Magie ist nicht mehr so, wie sie vor der Blut­nacht gewe­sen war, an der sie ihnen genom­men wur­de. Sie ist unbe­re­chen­bar und nicht nur in den Hän­den von Zélies Geg­nern eine gefähr­li­che Waffe. 

Um sie zurück­zu­ho­len, muss­te vie­les geop­fert wer­den: Fami­li­en, Hei­mat, Lie­be. Wäh­rend die Magie sich im Land aus­brei­tet, sit­zen Schmerz und Miss­trau­en in Orï­sha noch immer tief. Kaum jemand scheint durch die Schre­cken der Mon­ar­chie oder des Miss­brauchs von Magie ver­schont geblie­ben zu sein.

Neben dem Gefühl von Schuld pla­gen Zwei­fel Zélie. Zwei­fel an sich, und an ihrer Magie. Zu vie­le sind bereits ver­lo­ren, die sie durch die Magie beschüt­zen wollte. 

»›Wenn du dei­ne Magie nicht mehr willst, was willst du dann?‹
Sei­ne Fra­ge lässt mich inne­hal­ten. Ich will die Men­schen zurück, die ich ver­lo­ren habe, mehr nicht.«

Im zwei­ten Band der Rei­he ›Child­ren of Blood and Bone‹ wer­den Zélie und ihre Ver­bün­de­te ans Äußers­te getrie­ben. Eben­so span­nend, wie der ers­te Band, ›Gol­de­ner Zorn‹, ende­te, geht es im zwei­ten Band wei­ter. Hass und Kampf herr­schen in Orï­sha schon so lan­ge, dass sich kaum noch jemand zu erin­nern scheint, wie es anfing. Zu ver­floch­ten sind ihre Leben und zu ver­win­kelt ihre Entscheidungen.

Adey­e­mi gelingt es, mit ›Child­ren of Vir­tue and Ven­ge­an­ce‹ einen Roman zu schrei­ben, der jun­ge Men­schen zeigt, die von Her­zen ver­su­chen, das Rich­ti­ge zu tun und doch immer wie­der an Wän­de und Wun­den sto­ßen, die ihnen alles abver­lan­gen. Die Welt von Zélie und ihren Freun­den und Fein­den ist kei­ne ein­fa­che – und auch Adey­e­mi macht es sich beim Erzäh­len die­ser Geschich­te nicht ein­fach: Sie zeigt bei­de Per­spek­ti­ven, jene der Mon­ar­chie und jene der Maji, und ver­steht es, die Kom­ple­xi­tät abzu­bil­den, die in einem Leid wie dem von Orï­sha liegt. Eine ein­zel­ne Tat kann nicht alles wie­der gut wer­den las­sen, zu tief sit­zen Miss­trau­en, Schmerz und Hass, zu ver­wo­ben sind die Geschich­ten der Figuren. 

»Die Göt­ter haben mit mir gespielt wie mit einer Pup­pe und mich bei­sei­te­ge­wor­fen, als die Magie zurück­kam. Ich ver­traue ihnen nicht mehr. Sie haben mir nichts als Schmerz gebracht.«

Doch obwohl Zélie in ›Child­ren of Vir­tue and Ven­ge­an­ce‹ am liebs­ten davon­lau­fen und Orï­sha hin­ter sich las­sen wür­de, bleibt sie, um für eine bes­se­re Zukunft zu kämp­fen. Und mit ihr ande­re jun­ge Men­schen, oft noch Kin­der, die sich an die Welt ihrer Eltern kaum noch erin­nern kön­nen. In der vagen Hoff­nung, dass ein bes­se­res Orï­sha mög­lich ist, für alle. 

Fazit zu ›Children of Virtue and Vengeance

Und wäh­rend ›Child­ren of Vir­tue and Ven­ge­an­ce‹ eine Geschich­te erzählt, die berührt und den Atem raubt, lässt sie Raum, um auf­zu­at­men. An einem klei­nen Häus­chen, von Was­ser umge­ben, bei einer Samm­lung von Brie­fen oder in den Armen eines char­man­ten Söld­ners. Es bleibt span­nend, wohin die Rei­se von Zélie und ihren Freun­den füh­ren wird – auf jeden Fall wird sie magisch. 

Buchinfo

Tomi Adey­e­mi:
Child­ren of Vir­tue and Ven­ge­an­ce

Child­ren of Blood and Bone, Band 2
Flam­men­de Schat­ten
Über­setzt von: Andrea Fischer
FISCHER FJB, Frank­furt a. M. 2020
496 S., EUR (D) 18,99 inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver
ISBN 978−3−8414−4030−3

Rezen­si­on erst­mals erschie­nen auf: Liz­zy­Net

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone – Goldener Zorn [Rezension]

Die Schrecken von Mensch und Magie. 

Die Zeit, in der die Macht der Maji die Welt beherrsch­te, ist in ›Gol­de­ner Zorn‹ vor­über. Und mit ihr ist die Magie ver­schwun­den. Doch obwohl die Gefahr durch den Miss­brauch von Magie gebannt ist, müs­sen all jene ster­ben, die in der Lage waren, sie auszuführen. 

Wäh­rend mit der Magie die Maji ver­schwin­den, ver­lie­ren vie­le Freun­de, Geschwis­ter, Eltern. Nur wer zu jung ist, um Magie ein­ge­setzt zu haben, darf überleben. 

Doch das Leben jener, die durch das wei­ße Haar noch immer davon zeu­gen, dass es die Maji ein­mal gege­ben hat, ist hart: Sie wer­den grund­los ernied­rigt, gequält oder getö­tet. Wer ihnen hilft, muss mit Pro­ble­men rechnen. 

Doch der Geist der Divî­nés, die in der Zeit der Magie zu Majis gewor­den wären, ist nicht erlo­schen. Im Gehei­men trai­nie­ren eini­ge von ihnen. Dür­fen sie auch kei­ne Waf­fen tra­gen, schu­len sie den­noch ihre Fähig­kei­ten, als spür­ten sie, dass der Tag kom­men wür­de. Und der Tag kommt.

»Die Göt­ter haben bereits ein­ge­grif­fen. Nach so lan­ger Zeit schen­ken sie uns unse­re Gaben erneut. Ihr müsst dar­auf ver­trau­en, dass sie nicht mit dem Schick­sal der Maji spie­len würden.«

Zélie war noch ein Kind, als ihre Mut­ter vor ihren Augen ver­schleppt wur­de. Als sie sie das nächs­te Mal sieht, ist sie bereits tot. Der Geist des Vaters gebro­chen. Der Bru­der selbst noch ein Kind. Und Zélie weiß, dass ihre Mut­ter noch leben wür­de, wenn man ihr zuvor nicht die Magie genom­men hätte.

Doch jetzt, nach vie­len Jah­ren, geschieht etwas, das die Welt wie­der ver­än­dern könn­te: Ist es mög­lich, die Magie zurückzubringen? 

Zélie hofft es, denn so kann es für die Divî­nés nicht wei­ter­ge­hen. Fern ab von dem Dorf, in dem sie auf­wuchs, will sie die­se Hoff­nung wahr machen – und das nicht allein. Doch wäh­rend sie Hil­fe von uner­war­te­ten Ver­bün­de­ten erhält, wächst die Zahl ihrer Fein­de schnell. In einem Land, das von Raub­tie­ren bevöl­kert ist, in dem die Toten von ihren Trau­ma­ta im Dies­seits gehal­ten wer­den und das Leben einer Divî­né nichts wert ist.

»Töte das Mäd­chen.
Ver­nich­te die Magie.
Das ist mein ein­zi­ger Plan.«

Adey­e­mis Figu­ren in ›Gol­de­ner Zorn‹ haben vor allem eines: Mut. Sie las­sen alles hin­ter sich, was sie gekannt haben. Obwohl sie sich noch an die Grau­en der Blut­nacht, die Zélies Mut­ter das Leben gekos­tet hat, erin­nern. Die Regeln die­ser Welt sind grau­sam für jene wie Zélie, die mit wei­ßen Haa­ren gebo­ren sind. Leben ist kaum mehr als Über­le­ben – und auch das nur, falls sie Glück haben.

Doch trotz der Schre­cken, die sie erlebt haben, sprü­hen Adey­e­mis Figu­ren in ›Gol­de­ner Zorn‹ vor Ener­gie. Sie sind nicht auf den Mund gefal­len, kön­nen ihr Tem­pe­ra­ment nicht immer zügeln und hal­ten an den Din­gen fest, an die sie glauben.

Fazit zu ›Goldener Zorn‹

Gol­de­ner Zorn‹ ist ein star­ker Anfang einer Rei­he, der ledig­lich etwas ver­liert, da die klei­nen Span­nungs­bö­gen oft­mals zu früh auf­ge­löst wer­den. Doch wer will schon über man­che der klei­nen Span­nungs­bö­gen kla­gen, wenn der Haupt­span­nungs­bo­gen so über­zeu­gen kann? Der zwei­te Teil ›Child­ren of Vir­tue and Ven­ge­an­ce‹ ver­spricht span­nend zu werden.

Buchinfo

Tomi Adey­e­mi:
Child­ren of Blood and Bone

Band 1
Gol­de­ner Zorn
Über­setzt von: Andrea Fischer
FISCHER FJB, Frank­furt a. M. 2018
624 S., EUR (D) 18,99 inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver
ISBN 978−3−8414−4029−7

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Marie Graßhoff: Cyber Trips [Rezension]

Vom Zerfall einer Welt und einem Huhn. 

Die Ord­nung ihrer Welt ist im Zer­fall begrif­fen. Nur mit müde sind Sperr­zo­nen errich­tet und ver­tei­digt wor­den, Unzäh­li­ge sind in die­sen Kämp­fen ums Leben gekommen. 

Doch die Moja – men­schen­ähn­li­che Wesen, die nicht über Gefüh­le ver­fü­gen – haben dazu gelernt. Erst lern­ten sie, Kugeln und ande­ren Waf­fen der Men­schen zu trot­zen, nun lern­ten sie, die Mau­ern der Sperr­zo­nen zu zer­stö­ren, als wären sie aus Sand. Beson­ders ein Moja, der Ers­te der Stu­fe 4, hält Oki­jen, Flover, Andra, Byth und Luka in ›Cyber Trips‹ in Atem. 

Was will die­ses Wesen, das aus­ge­bil­de­te und erfah­re­ne Ein­hei­ten aus­löscht, als wären sie Spiel­zeug­sol­da­ten, sogar Bom­ben­an­grif­fen trotzt?

»Das Beben der Geschos­se hallt noch nach, als der Staub sich fast sorg­sam um den Baum gesam­melt und ihn in ein wei­ches Lager aus Erin­ne­run­gen gebet­tet hat. Die Trüm­mer der Mau­er, wie zufäl­lig um die Wur­zeln ver­teilt, wir­ken wie die Grab­stei­ne des alten Riesen.« 

Nach­dem der ers­te Teil der ›Neon Birds‹-Tri­lo­gie mit dem gleich­lau­ten­den Namen ›Neon Birds‹ die Lesen­den an einem Punkt zurück­ge­las­sen hat­te, der nach ›Wei­ter­le­sen‹ geschrie­ben hat, beginnt ›Cyber Trips‹ nicht weni­ger spannend. 

Zwei jun­ge Män­ner flie­hen gemein­sam mit einem Huhn in einem Zug. Flovers und Lukes letz­te Hoff­nung liegt in Flovers Mut­ter Liza, die sich in der Ver­gan­gen­heit nicht durch müt­ter­li­che Qua­li­tä­ten bewie­sen hat. 

Wäh­rend Andra in ›Cyber Trips‹ hin­ge­gen hofft, mit KAMI, dem Moja Stu­fe 4, spre­chen zu kön­nen, scheint Byth etwas vor ihnen zu ver­ber­gen. Eine der weni­gen Aus­weg­mög­lich­kei­ten, der Oki­jen, Byth und Andra bleibt, ruht in Andras Ver­gan­gen­heit. Was hat es mit den Pfei­len auf sich, die durch die Alte in Andras zer­stör­tem Dorf geseg­net wor­den sind?

»Sie hat­te vor dem Dorf gestan­den und gekämpft, war sich so sicher gewe­sen, alle zu beschüt­zen.
Aber sie hat­te sich nicht umge­dreht. Hät­te sie es getan, hät­te sie gese­hen, dass die Moja auch aus ande­ren Rich­tun­gen gekom­men waren.«

Wäh­rend immer mehr Gebie­te der Welt von den Moja über­nom­men und dadurch für Men­schen unbe­wohn­bar wer­den, setzt der Welt­rat alles dar­an, um dies zu ver­hin­dern. Doch wäh­rend die Ord­nung der alten Welt zer­bricht, bleibt auch der Welt­rat von ihrem Ver­fall nicht verschont. 

In ›Cyber Trips‹ beginnt die Auf­lö­sung und Ver­wi­schung des Bekann­ten. Denn wäh­rend KAMI nicht nur lernt, zu über­le­ben und zu kämp­fen, scheint es auch immer mehr über das Wesen des Men­schen zu ler­nen. Schrit­te in die Ver­gan­gen­heit wer­den nötig, alte Wun­den wie­der auf­ge­ris­sen. Wie­so ist Oki­jen van Dire in sei­nen jun­gen Jah­ren bereits so müde, wei­ter­zu­kämp­fen? Und wel­ches Leben haben die drei Per­so­nen geführt, die sich der Welt­rat nen­nen, schon vie­le Jah­re alt sind und so jung aus­se­hen, als wären sie kei­ne drei­ßig? Wie war die­se Welt, bevor die Mojas kamen, und wel­che Opfer muss­ten Liza, Mar­shall und Alas­ka brin­gen, um in der neu­en Welt als Welt­rat hervorzugehen?

»›Es wäre mir eine Ehre, wenn Sie auf mein Huhn auf­pas­sen wür­den, Gene­ral Moo­re‹, rief Luke, wäh­rend er Flover aus dem Raum zerr­te. ›Ihr Name ist Gerta.‹«

Fazit zu ›Cyber Trips

Cyber Trips‹, der zwei­te Band die­ser span­nungs­ge­la­de­nen Tri­lo­gie, soll­te defi­ni­tiv erst gele­sen wer­den, wenn auch der ers­te Band ›Neon Birds‹ gele­sen wur­de. Das fei­ne Netz an Zusam­men­hän­gen, dass Marie Graß­hoff über Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart und Zukunft der Cha­rak­te­re ist zu kom­plex und zu viel­ver­spre­chend, um einen Teil davon ver­pas­sen zu wollen.

Graß­hoffs Schreib­stil in ›Cyber Trips‹ ist klar und frisch, mit einem Hauch von Poe­sie. Und so wird es sicher­lich auch im drit­ten Teil, ›Beta Hearts‹ span­nend wei­ter­ge­hen. Denn zwei Fra­gen beschäf­ti­gen ver­mut­lich jeden Leser und jede Lese­rin der ers­ten bei­den Bän­de: Wel­che Zukunft kann es für eine sol­che Welt geben und was schlum­mert in ihrer Vergangenheit?

Buchinfo

Marie Graß­hoff:
Cyber Trips

Sci­ence Fic­tion, Roman
Band 2
Alters­emp­feh­lung: ab 16 Jah­ren
Bas­tei Lüb­be, Köln 2020
445 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Paper­back
ISBN 978−3−404−20967−5

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Edgar Allan Poe: The complete poetry [Rezension]

Von Raben und Verlusten. 

In dem Jahr, in dem Edgar All­an Poe gebo­ren wur­de, erblick­ten auch Charles Dar­win, Abra­ham Lin­coln und Felix Men­dels­sohn Bar­thol­dy das Licht der Welt und bis heu­te sind sie in ihren Berei­chen nicht vergessen. 

Auch Edgar All­an Poes Bekannt­heit ende­te nicht 1849, als er mit kaum 40 Jah­ren ver­starb. Es gibt zahl­rei­che Ver­fil­mun­gen und Thea­ter-Adap­tio­nen sei­ner Wer­ke, eben­so wis­sen­schaft­li­che Stu­di­en, Bio­gra­fien und auch in Tex­te und Musik­stü­cke ande­rer Künst­ler haben er und sei­ne Wer­ke Ein­zug gehalten.

Wäh­rend Roma­ne, Novel­len und Erzäh­lun­gen zumeist Zeit haben, um beim Leser einen Ein­druck zu hin­ter­las­sen, haben Gedich­te dazu nur sehr begrenzt die Gele­gen­heit. Umso ein­drucks­vol­ler schei­nen meist jene Gedich­te im Gedächt­nis zu blei­ben, denen dies trotz oder viel­leicht auch wegen ihrer Kür­ze gelun­gen ist.

Von denen in die­ser Aus­ga­be abge­druck­ten 48 Gedich­ten Edgar All­an Poes, die zwi­schen 1827 und 1849 ent­stan­den sind, haben dies bei mir unter ande­rem auf jeden Fall ›The Raven‹ (1845) und ›Anna­bel Lee‹ (1849) geschafft.

»But the Raven, sit­ting lonely on the pla­cid bust,
spo­ke only
That one word, as if his soul in that one word
he did outpour.«

The Raven‹ (1845)

Edgar All­an Poe gelingt es, in sei­nen Gedich­ten in ›The com­ple­te poe­try of Edgar All­an Poe‹ Geschich­ten zu erzäh­len, atmo­sphä­risch, düs­ter und beson­ders. Und zugleich bleibt der Leser mit dem Ein­druck zurück, das das Gedicht nur der Anfang war, dass die ange­sto­ße­nen Vor­stel­lun­gen und Bil­der noch eine Wei­le wir­ken würden.

»That the wind came out of the cloud by night,
Chil­ling and kil­ling my Anna­bel Lee.«

Anna­bel Lee‹ (1849)
Fazit zu ›The complete poetry of Edgar Allan Poe

Wer bis­lang nur Poes Pro­sa kennt, dem kann ich ›The com­ple­te poe­try of Edgar All­an Poe‹ auf jeden Fall ans Herz legen. Aber auch für Poe-Uner­fah­re­ne sind sei­ne Gedich­te ein super Ein­stieg, da sich in jedem Poes Stil und beson­de­re Atmo­sphä­re fin­den lassen.

Edgar All­an Poe:
The com­ple­te poe­try of Edgar All­an Poe (2008)
Signet Clas­sics, Eng­lisch
139 S., EUR (D) ca. 6,- inkl. MwSt.
Lyrik, Taschen­buch
ISBN 978−0−451−53105−6

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 6 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]