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Isayama Attack on Titan

Hajime Isayama: Attack on Titan Deluxe Edition Band 8 [Rezension]

Die Geheimnisse der Verstorbenen. 

Dem Auf­klä­rungs­trupp ist es in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ end­lich gelun­gen, in Dok­tor Jägers Kel­ler zu gelan­gen. Nach­dem sie sich immer mehr Rät­seln und Geheim­nis­sen um das Wesen der Tita­nen gegen­über sahen, haben sie nun end­lich eine Chan­ce, Ant­wor­ten zu bekommen. 

Doch der Zugang zum Kel­ler ist in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ durch einen hohen Preis ermög­licht wor­den. Nicht alle, die ihr Leben der Auf­klä­rung der Geheim­nis­se der Tita­nen und der Mau­ern gewid­met haben, kön­nen den Moment noch mit­er­le­ben. Erens Vater hat im Kel­ler all sein Wis­sen über die Tita­nen ver­wahrt. Doch es sind nicht nur Erkennt­nis­se über die­se, die der Auf­klä­rungs­trupp dort fin­det, es ist auch die Geschich­te von Erens Vater. Und die Geschich­te des­sen, wie Eren zu sei­nem Namen gekom­men ist.

»Was war es nun, was wir in die­sem Kel­ler­raum … gefun­den hat­ten? War es … Hoff­nung? Oder war es … Verzweiflung?«

Neben Ant­wor­ten hat der Auf­klä­rungs­trupp in Dok­tor Jägers Kel­ler auch wei­te­re Fra­gen gefun­den. Wann auch immer in ›Attack on Titan‹ ein Rät­sel gelöst wird, wird nur deut­lich, dass dies eigent­lich nur ein klei­nes Stück eines viel grö­ße­ren Rät­sels ist, das hin­ter all dem liegt. 

Die Men­schen inner­halb der Mau­ern müs­sen sich von ihrer Vor­stel­lung ver­ab­schie­den, wie ihre Welt aus­sieht. Sicher­heit ist seit de Fall der Mau­er eine Illu­si­on gewor­den, eine Zukunft eine Fra­ge mit offe­nem Ausgang. 

»Ich weiß, ich bin nur ein klei­ner Fisch … Und mein ein­zi­ger Nut­zen besteht wahr­schein­lich dar­in, als Tita­nen­fut­ter zu die­nen, aber … selbst klei­ne Fische wie ich … haben ein Recht dar­auf zu erfah­ren, wor­auf sie sich einlassen!!«

Anfangs zeich­ne­te sich ›Attack on Titan‹ vor allem durch Action, klu­ge Gefech­te und Grau­en aus. Spä­tes­tens in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ ist klar, dass noch viel mehr hin­ter den Tita­nen steckt. Spä­tes­tens mit der Auf­lö­sung des Geheim­nis­ses um die Iden­ti­tä­ten des weib­li­chen, des gepan­zer­ten und des kolos­sa­len Tita­nen ist die Fra­ge nach den Beweg­grün­den der Gegen­sei­te für mich eine der span­nends­ten Fragen. 

Eine Fra­ge, die in ›Attack on Titan‹ von Anfang an ange­legt war. War­um wur­de die Mau­er zer­stört und die Men­schen im Innern von den Tita­nen ange­grif­fen? War­um aus­ge­rech­net von ihnen? Wie hängt all dies zusam­men? Wel­che Rol­le kom­men Ymir und dem Biest zu? 

Nach­dem der Beginn von ›Attack on Titan‹ klar der Per­spek­ti­ve von Eren und sei­nen Freun­den sowie dem Auf­klä­rungs­trupp folg­te, geschieht in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ nun etwas Span­nen­des. Die Per­spek­ti­ve ändert sich. Der Lesen­de erlebt nicht mehr die Ereig­nis­se inner­halb der Mau­ern mit. Der Man­ga führt ihn nun an einen ande­ren Ort, an dem eine ande­re Grup­pe von Kin­dern zu über­le­ben ver­sucht, die sich von etwas ande­rem bedroht sehen. 

»Auf der Welt gibt es offen­bar Men­schen, die mit Stei­nen bewor­fen wer­den, nur weil sie exis­tie­ren. Und ich wur­de als Sym­bol für die­se Men­schen so lan­ge bewor­fen, bis ich am gan­zen Kör­per blutete.«

Fazit zu ›Attack on Titan Deluxe Edition Band 8

Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ schafft es genau­so wie die vor­he­ri­gen Bän­de, mich wirk­lich zu über­ra­schen. Ich habe sel­ten eine so klu­ge und prä­zi­se geplan­te Geschich­te erlebt, die so über­ra­schen konn­te, wäh­rend doch alle Über­ra­schun­gen stim­mig erschie­nen. ›Attack on Titan‹ schafft es immer wie­der, mich zum nach­den­ken anzu­re­gen. Vor allem in die­sem Band, der spür­bar macht, wie sehr Gut und Böse eine Fra­ge der Per­spek­ti­ve sind. 

Ich weiß nicht, wohin sich die­se Geschich­te ent­wi­ckeln wird. Ich weiß nur, dass ich Haji­me Isaya­ma auf jeden Fall ger­ne wei­ter in die Tie­fen der Welt von Eren und sei­nen Freun­den fol­gen wer­de. ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 9‹ kann also ger­ne kommen. 

Buchinfo

Haji­me Isaya­ma:
Attack on Titan Delu­xe 8

beinhal­tet die Bän­de 22–24
über­setzt von Clau­dia Peter
Carl­sen, Ham­burg 2021
576 S., EUR (D) 25,00 inkl. MwSt.
Hard­co­ver, Man­ga
Ab 16 Jah­ren
ISBN 978−3−551−74110−3

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 5 von 5.


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Hajime Isayama: Attack on Titan Deluxe Edition Band 1 [Rezension]

Der Tag, an dem die Mauer zerstört wurde. 

Von einem Tag auf den ande­ren endet das Leben, das Eren Jäger in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 1‹ kennt. Die hohe Mau­er, die seit Jahr­zehn­ten vor den Tita­nen geschützt hat, ist zer­stört worden. 

Doch mit dem Fall der Mau­er hat Eren nicht nur sein Eltern­haus und sei­ne Hei­mat ver­lo­ren. Als die men­schen­fres­sen­den Tita­nen in Shi­ganshi­na ein­fal­len, ver­lie­ren Hun­der­te Men­schen ihr Leben. Seit Jahr­zehn­ten war die Mau­er nicht über­wun­den wor­den und die Men­schen in ihrem Innern nicht dar­auf vor­be­rei­tet, sich zu verteidigen. 

Und wie soll­te man sich auch gegen etwas ver­tei­di­gen, das grö­ßer ist als die meis­ten Men­schen, Ver­let­zun­gen groß­teils bin­nen Sekun­den heilt und kein ande­res Ziel kennt, als Men­schen zu jagen und zu ver­spei­sen? Die Men­schen, die sich ret­ten konn­ten, flie­hen in das Inne­re der wei­te­ren Mau­er­rin­ge, doch das Grau­en beglei­tet sie.

»An jenem Tag erin­ner­te die Mensch­heit sich wie­der an das Grau­en von ihnen beherrscht zu wer­den und an die Demü­ti­gung wie in einem Vogel­kä­fig zu leben …«

Was macht es mit einem Men­schen, so etwas mit­zu­er­le­ben? Unfä­hig zu sein, die­je­ni­gen, die man liebt zu ret­ten und zu sehen, wie sie gefres­sen wer­den? Die Furcht vor den Tita­nen ist wie­der Wirk­lich­keit gewor­den. Fühl­te man sich doch seit Jahr­zehn­ten hin­ter den Mau­ern sicher und leb­te sein Leben, wird nun deut­lich, wie trü­ge­risch die­se Sicher­heit war.

Furcht ist es, was die meis­ten Men­schen nach dem Angriff der Tita­nen emp­fin­den und sie ver­su­chen, so weit ins siche­re­re Inne­re zu gelan­gen wie mög­lich. Nicht so Eren. Er schwört Rache für alles, was er ver­lo­ren hat und schwört, nicht auf­zu­hö­ren, bevor er nicht auch den letz­ten Tita­nen getö­tet hat. Eren will sich nicht vor den Tita­nen ver­ste­cken, er will die Mau­ern ver­las­sen und sie bekämp­fen. Mit ihm kämp­fen auch sei­ne Kind­heits­freun­de Armin und Mika­sa dafür, dem Auf­klä­rungs­trupp bei­tre­ten zu dür­fen. Ein enges Band ver­bin­det die drei.

»In dem Moment erin­ner­te ich mich, dass ich sol­che Sze­nen schon öfter gese­hen hat­te, wie­der und wie­der. Die­se Welt ist grau­sam. Dass ich noch leb­te, kam mir wie ein Wun­der vor … und in die­sem Augen­blick hör­te mein Kör­per auf zu zittern.«

Attack on Titan ist eine Geschich­te, wie ich sie bis­her noch nicht ken­nen­ge­lernt habe. Wie die Men­schen von meh­re­ren Mau­er­schich­ten umge­ben ist, scheint auch der Kern der Geschich­te von vie­len Geheim­nis­schich­ten umge­ben zu sein. Die Ent­wick­lun­gen sind über­ra­schend, schwer vor­her­zu­se­hen und zugleich pas­send. Die Cha­rak­te­re sind lie­be­voll aus­ge­ar­bei­tet und gestal­tet. In der Geschich­te gibt es unglaub­lich viel zu ent­de­cken, wenn man ihr etwas Zeit gibt. 

Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 1‹ ist ein wun­der­ba­rer Auf­takt in eine grau­sa­me Welt, die um ihr Über­le­ben und ihre Mensch­lich­keit kämpft. Freund­schaft, Mensch­lich­keit und ethi­sche Fra­gen fin­den in all dem Anklang. 

Ich bin ein gro­ßer Fan des Artstyles und mag die Anmu­tung der edlen Delu­xe Edi­ti­on super ger­ne, die die Bän­der auch zu einem Hin­gu­cker im Regal macht und sie auch bei viel­fa­chem Lesen schützt.

»Denn die Sze­ne wirk­te, als hät­te die geball­te Wut der Mensch­heit Gestalt angenommen.«

Wer den Ani­me mag, soll­te defi­ni­tiv auch dem Man­ga eine Chan­ce geben. Obwohl sich vie­les über­ra­schend gleicht, gibt es doch auch Sze­nen­un­ter­schie­de und es bleibt mehr Zeit, um sich auf ein­zel­ne Momen­te ein­zu­las­sen, da die Serie doch in einem schnel­len Tem­po voranschreitet. 

Fazit zu ›Attack on Titan Deluxe Edition Band 1

Bei ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 1‹ soll­te defi­ni­tiv vor­her nicht zu viel ver­ra­ten wer­den, da Man­ga und Ani­me sehr von unter­schied­li­chen Geheim­nis­sen leben, deren Ent­hül­lung prä­zi­se plat­ziert ist. Je tie­fer man in die Geschich­te ein­dringt, des­to mehr regt sie zum Den­ken an. ›Attack on Titan‹ ist auf jeden Fall super schnell zu einem mei­ner Lieb­lin­ge gewor­den, den ich super ger­ne emp­feh­le. Wer auf den Geschmack von ›Attack on Titan‹ gekom­men ist, kann sich noch über vie­le wei­te­re Bän­de in der Delu­xe Edi­ti­on freu­en, wie Band 6 und Band 7.

Buchinfo

Haji­me Isaya­ma:
Attack on Titan Delu­xe 1

beinhal­tet die Bän­de 1–3
über­setzt von Clau­dia Peter
Carl­sen, Ham­burg 2018
576 S., EUR (D) 25,00 inkl. MwSt.
Hard­co­ver, Man­ga
Ab 16 Jah­ren
ISBN 978−3−551−74103−5

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


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Kei Ohkubo: Arte 3 [Rezension]

Von Kunst und der ersten Prügelei. 

Die jun­ge Ade­li­ge und Maler­schü­le­rin Arte hat es auch in ›Arte 3‹ nicht leicht. Sie lebt in einer von Män­nern domi­nier­ten Welt und arbei­tet in einem von Män­nern domi­nier­ten Beruf. Die wenigs­ten trau­en ihr mehr zu, als hübsch auszusehen. 

Doch wer glaubt, dass Arte sich davon unter­krie­gen oder abschre­cken las­sen wür­de, hat sich geschnit­ten. Sie scheut kei­ne Arbeit, ist sie auch noch so hart. Doch obwohl sie über jede Men­ge Wil­lens­kraft und Mut ver­fügt, muss auch sie sich Auf­ga­ben stel­len, für die sie über sich hin­aus­wach­sen muss. Und Arte wäre nicht Arte, wenn sie sich vor die­sen Auf­ga­ben drü­cken würde. 

»Dann neh­me ich die Her­aus­for­de­rung an. Ich wer­de eine Male­rin, die mit ihren Wer­ken auch Kun­den wie Sie über­zeu­gen kann.«

Ohku­bos ›Arte 3‹ ist ein Lie­bes­lied auf die Eigen­stän­dig­keit und Kraft der Frau, ohne Män­nern dadurch posi­ti­ve Eigen­schaf­ten abzu­spre­chen. Mag die jun­ge Frau auf den ers­ten Blick auch etwas naiv erschei­nen, hat sie das Herz und den Ver­stand doch am rech­ten Fleck. Und so fin­det Arte Freun­de und Unter­stüt­zer – jedoch nicht ohne einer hand­fes­ten Aus­ein­an­der­set­zung –, die von ihrer Arbeits­wei­se und ihrer Art begeis­tert sind.

»Ich fand dich schon beim letz­ten Mal viel­ver­spre­chend, aber noch jung und unsi­cher. Leo hat sich einen sehr kampf­be­rei­ten und lus­ti­gen Lehr­ling ins Haus geholt.«

Wäh­rend Arte selbst von Fröh­lich­keit und Leich­tig­keit beschwingt scheint, erlau­ben die Neben­fi­gu­ren des Man­gas einen kla­re­ren Blick auf das Flo­renz des 16. Jahrhunderts. 

In der Welt der Male­rei war­ten auf Arte weder Luxus, Bequem­lich­keit noch reich­lich gedeck­te Tische. Und doch erkauft sie sich Ein­tritt in die­sel­be und bezahlt dafür mit ihrem lan­gen Haar und dem Leben, wie sie es gewohnt war. Doch trotz die­ses Prei­ses ist nur ein Maler­meis­ter bereit, sie in sei­nen Dienst zu nehmen. 

»[Leo] hat­te tat­säch­lich vie­le unkind­li­che Sei­ten. Er war dreist und vor­laut. Schon bei unse­rer ers­ten Begeg­nung war er unausstehlich.«

Fazit zu ›Arte 3‹

Arte 3‹ ist – wie auch ›Arte 1‹ und ›Arte 2‹ – die Geschich­te einer jun­gen Frau, die sich nicht unter­krie­gen lässt und bereit ist, für ihre Träu­me jeden Kampf aus­zu­tra­gen. Wun­der­voll gezeich­net, mit zahl­rei­chen lie­be­vol­len Details lädt Kei Ohku­bos Man­ga die Leser und Lese­rin­nen dazu ein, Arte auf ihrem Weg zu beglei­ten. Ein Man­ga mit Wohlfühlfaktor. 

Buchinfo

Kei Ohku­bo:
Arte

Band 3
über­setzt von: Yuki Kow­alsky
Carl­sen, Ham­burg 2020
194 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Man­ga, Soft­co­ver
Alter: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−79863−3

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Anne Weber: Annette ein Heldinnenepos [Rezension]

Die Geschichte einer Frau, die viele Namen hatte. 

Es gibt Geschich­ten, die man nicht mehr ver­ges­sen wird. Anne Weber ist es gelun­gen, mir mit ›Annet­te ein Hel­din­nen­epos‹ eine sol­che zu erzählen. 

Von klein auf strebt Annet­te nach Ver­än­de­rung. Sie kann die Unge­rech­tig­keit nicht hin­neh­men, die sie sieht. Weder die, die ihr und ihren Liebs­ten zuteil wird noch die der anderen. 

Sie weiß, dass es gefähr­lich ist, die­ses Bestre­ben in Taten umzu­set­zen. Sie könn­te alles ver­lie­ren: ihre Gesund­heit, ihr Leben, ihre Liebsten.

Doch Weber erzählt die Lebens­ge­schich­te einer Frau, die den gefähr­li­chen Weg gewählt hat. Mehr­fach. In der tie­fen Über­zeu­gung, dass es der not­wen­di­ge Weg ist. Doch noch bevor Leser und Lese­rin­nen an ihrem Kampf gegen die Unge­rech­tig­keit teil­ha­ben, erzählt Weber in ›Annet­te ein Hel­din­nen­epos‹ die Geschich­te von Annet­tes Familie. 

»Die Unter­kunft ist küm­mer­lich, und dem­entspre­chend nied­rig ist die Mie­te, doch das Gerin­ge ist noch viel für sie, die früh ver­wit­wet ihre Kin­der mit dem Ertrag der pêche à pied oder des Fischens ohne Boot her­an­ge­zo­gen hat: Tag für Tag macht sie sich bei Ebbe auf den Weg und stö­bert aus­dau­ernd im nas­sen Sand aller­lei Mee­res­ge­tier auf«

Die­se Aus­dau­er und das vie­le, vie­le Lau­fen wer­den auch Annet­tes Leben aus­zeich­nen. Doch neben dem Lau­fen auch das vie­le War­ten, Unge­wiss­hei­ten, Risi­ken. Annet­te wird sich an vie­le Namen gewöh­nen und von die­sen wie­der entwöhnen. 

Sie macht ihre Arbeit gut, wenn sie nicht auf­fällt und sich an die Regeln hält. Meis­tens gelingt ihr das. Nicht auf­zu­fal­len gelingt ihr schein­bar leicht, sich immer an die Regeln zu hal­ten manch­mal nicht. Denn wozu sind Regeln da, wenn sie zu bre­chen, Leben ret­ten kann? Zugleich jedoch wer­den durch das Bre­chen der Regeln Leben gefähr­det. Annet­te muss vie­le Ent­schei­dun­gen tref­fen, ein­fach sind die wenigsten.

»Das Mäd­chen wirkt erfreu­lich harm­los, tau­send­mal harm­lo­ser ver­mut­lich, als es ist. Da hat er recht.«

Annet­te ein Hel­din­nen­epos‹ ist in vie­ler­lei Hin­sicht etwas Beson­de­res. Webers Spra­che ist aus­drucks­stark und berüh­rend. Die Leben, die sie schil­dert, sind oft­mals kaum bekannt oder lan­ge ver­ges­sen. Doch in Dru­cker­schwär­ze macht Weber für sie Platz, erin­nert, lässt begrei­fen. Wie vie­le, unzähl­ba­re sterb­li­che Schick­sa­le in die gro­ßen Momen­te der Geschich­te ver­wi­ckelt waren. 

Annet­te ist mutig, weit mehr als das. Sie lebt den Wider­stand gegen die Unge­rech­tig­keit und zahlt dafür mehr­mals einen hohen Preis.

»Denn wie das meis­te ist auch das Wider­ste­hen anders, als man es sich denkt, näm­lich kein ein­ma­li­ger Ent­schluss, kein kla­rer, son­dern ein unmerk­lich lang­sa­mes Hin­ein­ge­ra­ten in etwas, wovon man kei­ne Ahnung hat. Das Ers­te, dems zu wider­ste­hen gilt, das ist man selbst. Der eige­nen Angst.«

Fazit zu ›Annette ein Heldinnenepos

Annet­te ein Hel­din­nen­epos‹ ist kei­nes der Bücher, das ich neben­bei in der Strand­lie­ge lesen könn­te. Die­ses Buch lädt nicht nur dazu ein, es zu lesen, son­dern mit­zu­füh­len – nicht im all­tags­sprach­li­chen Sin­ne. Stau­nend lässt es einen über eine Frau zurück, die so viel Mut und Aus­dau­er gezeigt hat. Inspi­rie­rend, berüh­rend und nachgehend.

Buchinfo

Anne Weber:
Annet­te, ein Hel­din­nen-Epos

Mat­thes & Seitz, Ber­lin 2020
208 S., EUR (D) 22,- inkl. MwSt.
Gebun­den mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−95757−845−7

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Hajime Isayama: Attack on Titan Deluxe Edition Band 7 [Rezension]

Die Geheimnisse der Verstorbenen. 

Weni­ge Jah­re sind ver­gan­gen seit der Bezirk Shi­ganshi­na an die Tita­nen gefal­len ist. Hun­der­te star­ben, mehr noch durch die Hun­gers­nö­te, die auf­ka­men, weil sich immer mehr Men­schen hin­ter die inners­ten Mau­ern dräng­ten. Eren, Mika­sa und Armin haben an die­sem Tag fast alles ver­lo­ren. Nur ein­an­der haben sie in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ noch.

Und nun sol­len die drei end­lich dort­hin zurück­keh­ren, wo sie einst als Kin­der zusam­men leb­ten. Die Häu­ser sind Rui­nen, die Men­schen nur noch Erin­ne­rung. Pas­send scheint es, dass sie dort aus­ge­rech­net den bei­den Tita­nen gegen­über­ste­hen sol­len, die einst die Mau­er durch­bra­chen und damit das Leben in Shi­ganshi­na auslöschten. 

Die letz­te Hoff­nung des Auf­klä­rungs­trupps und der Men­schen liegt in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ in dem, was sie im Kel­ler­raum von Erens Vater zu fin­den hof­fen. Hat sich die Geschich­te in ›Attack on Titan‹ bis­her aus ein­zel­nen Puz­zle­tei­len bil­den müs­sen, wird sie nun zu einer voll­stän­di­gen Geschichte.

»Und doch fla­ckert in mei­nem Kopf immer wie­der der Gedan­ke an die­sen Kel­ler­raum auf. Selbst wenn die Mis­si­on fehl­schlägt, könn­te ich es vor mei­nem Tod noch dahin schaf­fen. In den Kel­ler­raum, den Gri­sha Jäger hin­ter­las­sen hat, die Wahr­heit über die­se Welt.«

Sie suchen nach der Wahr­heit über eine Welt, die sich durch ihre Grau­sam­keit aus­zeich­net. Eine Welt, in der Men­schen zu Nah­rung gewor­den sind. ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ knüpft direkt an die Gescheh­nis­se aus ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 6‹ an. Die Men­schen hin­ter den Mau­ern ste­hen mit dem Rücken an der Wand und wis­sen noch immer nicht warum.

Isaya­ma gelingt es, mit dem Man­ga und Ani­me ›Attack on Titan‹ eine Geschich­te zu erschaf­fen, deren Geheim­nis­se von eben­so vie­len Schich­ten umschlos­sen sind, wie die Men­schen in ihren Mau­ern. Mitt­ler­wei­le ist zwar die Iden­ti­tät des kolos­sa­len und des gepan­zer­ten Tita­nen gelüf­tet, auch über die Wand­ler­ti­ta­nen ist mehr bekannt, doch gibt es auch in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ noch tie­fer lie­gen­de Geheim­nis­se zu entdecken.

Wer glaubt, was der Auf­klä­rungs­trupp im Kel­ler von Erens Vater fin­det, ist die Ant­wort auf alles, täuscht sich: Es ist ein Anfang. Eine Schicht des Geheim­nis­ses wird durch­sto­ßen, der Leser dringt tie­fer zum Kern vor, doch noch immer blei­ben Fra­gen offen.

Isaya­ma gelingt es, die zu ent­de­cken­den Geheim­nis­se so mit der Geschich­te und den Hand­lun­gen zu ver­we­ben, dass alles, was ent­deckt wird, über­ra­schend ist und zugleich Sinn ergibt. Die Geheim­nis­se sind in der Geschich­te tief ver­an­kert, ihre auf­ge­scho­be­ne Auf­lö­sung ist kei­ne blo­ße Hin­hal­te­tak­tik, son­dern der Kern. So ahnungs­los wie Eren und sei­ne Kame­ra­den sind, so ist es auch der Leser.

»Kannst du sie auch sehen … all unse­re Kame­ra­den … ? Unse­re Kame­ra­den sehen uns an. Sie wol­len end­lich wis­sen, wofür sie gestor­ben sind. «

Fazit zu ›Attack on Titan Deluxe Edition Band 7

Und die Ant­wor­ten, die in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ gefun­den wer­den, sind nie ein­fach. Die anfäng­li­che Schwarz-Weiß-Zeich­nung der Men­schen gegen die Tita­nen wird auf­ge­löst und ver­wischt. Wer glaubt, gezeich­ne­te Geschich­ten sind für Kin­der, der hat ›Attack on Titan‹ noch nicht gele­sen. Die­ser Man­ga geht unter die Haut, sprüht vor Span­nung und Abgründen. 

Doch trotz der her­ben Rück­schlä­ge, die Eren und sei­ne Freun­de erfah­ren haben, hören sie nicht auf. Sie alle haben schon zu viel ver­lo­ren, um auf­zu­hö­ren. Selbst hin­ter den Mau­ern sind sie nicht mehr sicher, was Jahr­zehn­te­lang galt, ist nich­tig gewor­den. ›Attack on Titan‹ bie­tet eine jener Geschich­ten, über die gespro­chen wer­den muss. Ich bin schon sehr gespannt auf ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ und auf alle wei­te­ren Bände.

Buchinfo

Haji­me Isaya­ma:
Attack on Titan Delu­xe 7
beinhal­tet die Bän­de 19–21
über­setzt von Clau­dia Peter
Carl­sen, Ham­burg 2020
568 S., EUR (D) 25,00 inkl. MwSt.
Hard­co­ver, Man­ga
Ab 16 Jah­ren
ISBN 978−3−551−74109−7

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 5 von 5.


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Kei Ohkubo: Arte 2 [Rezension]

Der Traum einer jungen Frau und Schwielen an den Händen. 

›Arte 2‹ führt ins Flo­renz des 16. Jahr­hun­derts. Arte hat es nicht leicht. Zwar hat sie es geschafft, in einer klei­nen Maler­werk­statt eine Aus­bil­dungs­stel­le zu ergat­tern, doch begeis­tert sind davon nicht alle. 

Der Zugang zu ande­ren Werk­stät­ten wird ihr ver­wehrt. Auf­trag­ge­ber neh­men sie nicht ernst, ande­re Maler­ge­sel­len eben­so wenig. Um über­haupt beach­tet zu wer­den, muss die jun­ge Frau nicht 100 Pro­zent geben, son­dern 200.

Doch obwohl sich die Stei­ne in ihrem Weg tür­men und sie so man­ches Mal dar­über stol­pert, hält Arte an ihrem Traum fest: ein selbst­be­stimm­tes Leben als Male­rin führen.

»Wenn du dei­nen Traum ver­wirk­li­chen willst, ruh dich nicht dar­auf aus, dass du eine Frau bist. Und lass dich nicht durch die Lie­be vom Weg abbrin­gen. Die­se Welt ist gna­den­los zu uns Frauen.«

Noch nicht nur Pro­ble­me beglei­ten ihren Weg: Als ein­zi­ger weib­li­cher Maler­lehr­ling ist Arte schnell bekannt. Und obwohl nicht alle ihre Zie­le gut­hei­ßen, dient sie man­chen auch als Bei­spiel. Arte ist auf­rich­tig, direkt und vol­ler Ener­gie. Was die jun­ge Frau anpackt, das schafft sie auch – wenn auch nicht unbe­dingt beim ers­ten Versuch.

»Der Beruf tut nichts zur Sache! Ich … Ich habe Respekt vor sei­nen Anstren­gun­gen und Mühen!«

Der Man­ga ›Arte 2‹ ist eben­so lie­bens­wert gezeich­net wie der ers­te Band. Stück für Stück wird auch der Hin­ter­grund der Neben­cha­rak­te­re her­aus­ge­ar­bei­tet, ihre Pro­ble­me und Wün­sche gezeigt.

Nicht alles ist glanz­voll in der Welt der Male­rei. Vie­les ist har­te Arbeit, Pla­cke­rei und Durchhaltevermögen. 

»Meis­ter Leo ist streng zu mir, weil er mich nicht als Frau, son­dern als sei­nen Lehr­ling sieht. Ich möch­te nicht rück­sichts­voll behan­delt wer­den, son­dern streng. Dann lohnt sich mei­ne Mühe umso mehr.«

Fazit zu ›Arte 2‹

Arte 2‹ ist stim­mig und kann noch stär­ker über­zeu­gen als der ers­te Band. Es ist kei­ne ein­fa­che Zeit für Frau­en, vor allem für jene, die nicht auf den ein­ge­tre­te­nen Pfa­den wei­ter­lau­fen möchten. 

Die Gedan­ken im Man­ga schei­nen zum Teil modern, zugleich beschäf­ti­gen sie sich mit über­zeit­li­chen The­men. Was ist man bereit, für sei­ne Wün­sche und Träu­me zu tun? Wie viel Wider­stand ist man bereit aus­zu­hal­ten? Ist man bereit, ande­re zu ent­täu­schen, um den eige­nen Weg zu gehen? Arte will ein selbst­be­stimm­tes Leben als Frau füh­ren, doch ihre Metho­den sind nicht ihre Ellen­bo­gen, son­dern ihr Herz, ihre Auf­rich­tig­keit und ihre gro­ße Lie­be zur Kunst. 

Buchinfo

Kei Ohku­bo:
Arte

Band 2
über­setzt von: Yuki Kow­alsky
Carl­sen, Ham­burg 2020
194 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Man­ga, Soft­co­ver
Alter: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−79862−6

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Kei Ohkubo: Arte 1 [Rezension]

Eine junge Frau mit Herz und Mut mischt ordentlich die Geschlechterrollen auf. 

Arte 1‹ führt uns nach Flo­renz im 16. Jahr­hun­dert. Das Ziel einer jeden Frau von Adel ist es, zu hei­ra­ten und eine Fami­lie zu grün­den – oder? Nicht, wenn es nach Arte geht. 

Denn viel wei­ter oben in der Lis­te ihrer Wün­sche steht die Kunst. Und die jun­ge Frau ist bereit, viel dafür auf­zu­ge­ben, um ihr Leben der Kunst wid­men zu dür­fen und sich nicht davon abhän­gig zu machen, ob ein poten­zi­el­ler Ehe­mann sie malen las­sen wür­de: ihr Heim, ihre Annehm­lich­kei­ten und ihr lan­ges Haar.

Nach dem Tod ihres Vaters ver­sucht ihre Mut­ter, Arte mög­lichst schnell zu ver­hei­ra­ten. Eben­so schnell ver­sucht Arte, als Lehr­ling in einer Kunst­werk­statt ange­nom­men zu wer­den. Doch Arte erhält eine Absa­ge nach der ande­ren – ihre Bil­der wer­den nicht eines Bli­ckes gewür­digt. Denn eine Frau als Lehr­ling wäre nicht nur unty­pisch, son­dern hat in der Ansicht der Meis­ter in einer Werk­statt auch nichts zu suchen. Somit muss sich Arte nicht nur vor ihrer Mut­ter bewei­sen, son­dern auch einen Meis­ter der Maler­zunft von sich überzeugen. 

»Ich wür­de es mit Sicher­heit genau­so bereu­en, wenn ich hei­ra­te. Wenn ich schon bereu­en muss, dann lie­ber etwas, das ich aus eige­nem Wil­len getan habe.«

Arte weiß in ›Arte 1‹ was sie will und vor allem, was sie nicht will. Sie will nicht, auf ihre Rol­le als Frau redu­ziert wer­den, ein Leben ohne die Kunst füh­ren, in dem sie nur dafür da ist, Kin­der zu gebä­ren und groß­zu­zie­hen. Denn obwohl die Male­rei in ›Arte 1‹ Artes Lei­den­schaft ist, trei­ben sie noch ganz ande­re Gefüh­le an, nicht das von ihrer Mut­ter gewünsch­te Leben füh­ren zu wollen.

»Mich hat etwas ande­res bewegt. Nicht die­ses Gefühl. Heu­te wie damals war etwas ande­res in mei­nem Her­zen: Wut.«

Arte lässt sich nicht unter­krie­gen, ist vol­ler Ener­gie, sym­pa­thisch und lebens­froh. Mit allen ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln ver­sucht sie, sich einen Platz im Leben zu erkämp­fen, an dem sie atmen kann. Und wächst dabei jedes Mal ein Stück wei­ter über sich hinaus.

Der Man­ga ›Arte 1‹ ist lie­be­voll gezeich­net und mir gefal­len die Zeich­nun­gen im Innen­teil viel bes­ser als das Cover. Das Flo­renz des 16. Jahr­hun­derts ist detail­ver­liebt und leben­dig ein­ge­fan­gen. Ger­ne folgt man der jun­gen Ade­li­gen Arte auf ihrem Weg durch das Leben als Malerlehrling.

»Ich bestim­me selbst, wie ich lebe. Ihr habt kein Recht fest­zu­le­gen, wo mei­ne Gren­zen sind.«

Fazit zu ›Arte 1

Dabei wir­ken ihre Ideen und Gedan­ken oft modern und ihrer Zeit ent­rückt. Auch heu­te berührt Artes Ener­gie, die sich nicht in ein enges Kor­sett pres­sen las­sen will. Der ers­te Band der Man­ga-Serie liest sich wie eine Lie­bes­er­klä­rung an die Kraft und den Mut von Frau­en: Ich bin gespannt, wie es im zwei­ten Band weitergeht.

Buchinfo

Kei Ohku­bo:
Arte

Band 1
über­setzt von: Yuki Kow­alsky
Carl­sen, Ham­burg 2020
194 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Man­ga, Soft­co­ver
Alter: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−79861−9

Rezen­si­on zuerst erschie­nen auf: Liz­zy­Net

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Hajime Isayama: Attack on Titan Deluxe Edition Band 6 [Rezension]

Die Hoffnung der Menschheit? 

Wenn die bekann­te Welt nur aus dem besteht, was sich inner­halb drei­er, rie­sen­haf­ter Mau­ern befin­det, ist jedes Stück davon kost­bar. Nur weni­ge trau­en sich in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 6‹, die Mau­ern zu ver­las­sen. Und von die­sen kom­men oft nur weni­ge zurück. 

Als die Men­schen des Bezirks Shi­ganshi­na mit­er­le­ben müs­sen, wie ein Wesen, grö­ßer als alles, was sie bis­her gese­hen haben, ein Loch in die äußers­te Mau­er tritt, endet die­se bekann­te Welt. Durch das Loch strö­men Tita­nen hin­ein. Rie­si­ge, men­schen­ähn­li­che Krea­tu­ren, die schein­bar nur ein Ziel ken­nen: zu fressen.

»Da wur­de mir zum ers­ten Mal klar, dass ich nicht frei war. Ich erkann­te, dass ich die gan­ze Zeit in einem Vogel­kä­fig gelebt hatte.«

Der jun­ge Eren muss mit­an­se­hen, wie sei­ne Mut­ter vor sei­nen Augen gefres­sen wird, wäh­rend er nichts tun kann, um ihr zu hel­fen. Nur der Wunsch, jeden ein­zel­nen Tita­nen zu ver­nich­ten, treibt ihn an, wei­ter­zu­le­ben. Der Bezirk inner­halb der äußers­ten Mau­er ist ver­lo­ren. Um Shi­ganshi­na zurück­zu­ge­win­nen, tre­ten Eren und sei­ne bei­den Kind­heits­freun­de dem Auf­klä­rungs­trupp bei: die Grup­pe all jener, die es noch wagen, die Mau­ern zu ver­las­sen und gegen die Tita­nen zu kämpfen.

Mit der Delu­xe-Edi­ti­on legt ›Carl­sen‹ nun eine Ver­si­on des Man­gas vor, die dem biblio­phi­len Leser gefal­len wird: Das Hard­co­ver mit gera­dem Rücken und Faden­hef­tung macht auch nach mehr­fa­chem Lesen noch einen tol­len Ein­druck. Damit der Leser jedoch zugleich nicht auf die Man­gaco­ver der im Hard­co­ver zusam­men­ge­fass­ten Bän­de ver­zich­ten muss, sind auch die­se far­big illus­triert in den Band mit auf­ge­nom­men. Somit kann nicht nur der Innen­teil des Man­ga- und Ani­me-Hits über­zeu­gen: Die Delu­xe-Edi­ti­on von ›Attack on Titan‹ ver­eint mei­ner Mei­nung nach das Bes­te aus den Ein­zel­bän­den mit den Vor­zü­gen eines hoch­wer­ti­gen Sammelbandes.

›Attack on Titan‹ besticht durch unvor­her­ge­se­he­ne Wen­dun­gen, die zugleich fest mit der Geschich­te ver­wo­ben sind. Durch­dach­te Kampf­me­tho­den kom­bi­niert mit über­zeu­gen­den mensch­li­chen Schick­sa­len, die unter die Haut gehen. ›Attack on Titan‹ hält vie­le ›Oha‹- und ›Wow‹-Momente bereit, die nicht nur für den klas­si­schen Ani­me- und Man­ga-Fan span­nend sind. Die aus­ge­klü­gel­te Geschich­te um Eren und sei­ne Freun­de wird von Band zu Band span­nen­der und in dem vor­lie­gen­den ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 6‹ darf mit eini­gen lang ersehn­ten Ereig­nis­sen und zugleich neu­en Rät­seln gerech­net werden.

Wer bis­lang nur den Ani­me kennt, dem kann ich den Man­ga nur ans Herz legen. Zwar ist die Hand­lung stark auf­ein­an­der bezo­gen, doch die ein oder ande­re Hin­ter­grund­in­for­ma­ti­on, oder Din­ge, die auf­fal­len kön­nen, da der Man­ga stär­ker eine eige­ne Lese­ge­schwin­dig­keit ermög­licht als der Ani­me eine Schau­ge­schwin­dig­keit, sind es wert.

»Wegen der neu­es­ten Gescheh­nis­se ist das völ­lig in den Hin­ter­grund gerückt, aber wer ist die­ser Feind eigent­lich, gegen den wir da kämpfen?«

Fazit zu ›Attack on Titan Deluxe Edition Band 6

Wer die Bän­de 1–15 schon kennt, bereits im Ani­me weit genug ist, oder kei­ne Angst vor Spoi­lern hat, kann ger­ne am Ende der Rezen­si­on auch eine nicht spoi­ler­freie inhalt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 6‹ fin­den. Aber: Wer ›Attack on Titan‹ noch nicht kennt, dem sei auf jeden Fall emp­foh­len, mit dem ers­ten Band zu begin­nen. Ent­we­der in Form des Man­gas – durch den 1. Band der Delu­xe-Edi­ti­on oder den Ein­zel­bän­den – oder in Form des Animes.

Buchinfo

Haji­me Isaya­ma:
Attack on Titan Delu­xe 6

beinhal­tet die Bän­de 16–18
Carl­sen, Ham­burg 2020
564 S., EUR (D) 25,00 inkl. MwSt.
Hard­co­ver, Man­ga
Ab 16 Jah­ren
ISBN 978−3−551−74108−0

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Achtung: Spoiler!

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Dörte Hansen: Altes Land [Rezension]

Ein Haus, das seine Bewohner überleben wird. 

Altes Land‹ erzählt von einem alten Haus, bewohnt von einem Kriegs­ver­sehr­ten und Geflüch­te­ten, über Genera­tio­nen und Fami­li­en. Ein Haus, in dem gelebt und gestor­ben wird. Man­che ver­las­sen es mit dem fes­ten Vor­ha­ben, nie­mals wie­der zurück­zu­kom­men. Ande­re keh­ren immer wie­der zurück und wol­len doch nie ganz blei­ben und wie­der ande­re, die es nicht ver­las­sen wollen. 

Doch das Haus im Alten Land fügt sich kei­nem ihrer Wün­sche. Vier Genera­tio­nen bewoh­nen es, mal zwei zur glei­chen Zeit, mal abwech­selnd. Doch wäh­rend sich die Bewoh­ner ändern, scheint das Haus lang­sa­mer zu veralten. 

»Die Inschrift am Gie­bel war ver­wit­tert, aber Vera wuss­te, was da stand: Dit Huus is mien un doch nich mien, de no mi kummt, nennt’t ook noch sien.«

Doch nicht nur das Haus und sei­ne Bewoh­ner sind im Wan­del, auch das Alte Land selbst, wie es die älte­ren Anwoh­ner in Dör­te Han­sens Roman noch kann­ten, scheint im Ver­fall. Die Kin­der wol­len oder kön­nen den Hof nicht mehr wei­ter­füh­ren und so wird ein eins­ti­ges Fami­li­en­heim, bald nur noch von Wit­wen und Grei­sen bewohnt.

Dör­te Han­sens Roman ›Altes Land‹ erzählt die Geschich­te von zwei Frau­en, die bei­de aus ihrem alten Leben fort müs­sen. Vera Eck­hoff, die noch Eck­hoff hei­ßend, als Flücht­ling mit ihrer Mut­ter in das Alte Land kommt und durch die Hei­rat ihrer Mut­ter dort in einem Haus woh­nen blei­ben kann. 

Und sie erzählt die Geschich­te der jun­gen Mut­ter Anne, die nach der Tren­nung von ihrem Lebens­ge­fähr­ten mit dem gemein­sa­men Sohn aus Ham­burg fort­zog und bei Vera Eck­hoff Unter­schlupf fin­det. Annes Mut­ter ist Veras jün­ge­re Halbschwester.

Dör­te Han­sens Roman ›Altes Land‹ erzählt von den gro­ßen The­men des Lebens, dem Ver­lo­rensein, den Fol­gen von Krieg und Ent­wur­ze­lung, dem Ver­ge­hen von Tra­di­tio­nen, und doch bleibt ihre Spra­che klar und unverstellt. 

»Vera Eck­hoff wuss­te nicht viel von ihrer Nich­te, aber sie erkann­te einen Flücht­ling, wenn sie einen sah.«

Fazit zu ›Altes Land

Wer zuvor kei­ne Vor­stel­lung vom Alten Land gehabt hat, wird sie nach dem Lesen die­ses Romans sicher­lich haben. Han­sens Schil­de­run­gen füh­ren nicht nur in die alte Welt der Bau­ern auf dem Land, mit sei­nen Tra­di­tio­nen, son­dern auch in die Gedan­ken­welt unter­schied­lichs­ter Frau­en, die den­noch im Alten Land zusam­men­fin­den. So kann ›Altes Land‹ nicht nur Freun­den der Land­wirt­schaft emp­foh­len wer­den, son­dern ist sicher­lich auch für ande­re Leser und Lese­rin­nen lesens­wert. Ich freue mich schon auf ihr Buch ›Mit­tags­stun­de‹.

Buchinfo

Dör­te Han­sen:
Altes Land
Knaus, Mün­chen 2015
288 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Roman
Hard­co­ver
ISBN 978−3−8135−0647−1

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John Strelecky: Auszeit im Café am Rande der Welt [Rezension]

Von Unwettern und anderen nützlichen Begebenheiten. 

Ein stür­mi­scher Tag, zwei geplatz­te Rei­fen und eine Unter­füh­rung genü­gen in ›Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt‹, um die Wege zwei­er Men­schen ein­an­der kreu­zen zu las­sen. So begeg­net der Icher­zäh­ler John nach der Beer­di­gung sei­nes Paten­on­kels der jun­gen Hannah. 

Der Sturm treibt die bei­den in die glei­che Unter­füh­rung – er mit einem geplatz­ten Auto­rei­fen und auf der Suche nach Schrau­ben, sie mit einem plat­ten Fahr­rad­rei­fen. Die jun­ge Han­nah ist miss­trau­isch gegen­über dem Frem­den, der ihr anbie­tet, sie nach dem Rei­fen­wech­sel nach Hau­se zu fahren.

»Das Mäd­chen zöger­te. Offen­bar ver­such­te es zu beur­tei­len, ob es sicher war oder nicht.«

Als sie sich schluss­end­lich doch dar­auf ein­lässt, suchen sie gemein­sam in der Dun­kel­heit des Stur­mes nach einer ver­trau­ten Stra­ße oder Ecke und fin­den statt­des­sen etwas, das in John Erin­ne­run­gen weckt: das »Café der Fra­gen«. Doch wäh­rend er sich dar­über freu­en kann – das letz­te Mal hat er das Café vor über zehn Jah­ren auf Hawaii betre­ten –, wird Han­nahs Miss­trau­en – durch sei­ne plötz­li­che Ver­traut­heit mit dem Ort und den Per­so­nen dar­in – wie­der wach.

So plötz­lich sich Han­nah und John über den Weg gelau­fen waren, so schnell sind sie auch wie­der von­ein­an­der getrennt. Han­nah ver­lässt das Café, bleibt drau­ßen ste­hen und hadert mit sich, ob sie wie­der in das war­me Inne­re gehen oder ver­schwin­den soll. John hin­ge­gen trifft in ›Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt‹ sowohl bekann­te als auch neue Gesich­ter im Innern des Cafés und macht sich bereit auf eine Aus­ein­an­der­set­zung mit sich selbst.

© Bogen­ber­ger Autoren­fo­tos, hono­rar­frei, Stand: Dezem­ber 2017

Wäh­rend John ver­traut ist mit den Eigen­hei­ten des Cafés und den Fra­gen sowie Ant­wor­ten, die dort gefun­den wer­den kön­nen, weiß Han­nah nicht, ob sie sich auf den Ort und sei­ne Besu­cher ein­las­sen soll. Ähn­lich geht es dem Leser bis­wei­len mit ›Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt‹. Man muss sich ein­las­sen auf die Fra­gen, die John Streleckys Buch auf­wirft, auf die Wege, zu Ant­wor­ten zu kom­men, die ange­bo­ten werden.

Obwohl die­ser Besuch im Café der Fra­gen an man­chen Stel­len kon­stru­iert wirkt, vor allem in Bezug auf ein paar weni­ge Figu­ren – ein Effekt der durch die Mischung aus Unwirk­lich­keit und Wirk­lich­keit auch gewollt sein kann –, und bereits der Umschlag kaum eine Chan­ce aus­lässt, den Leser dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es sich um einen erneu­ten Besuch im Café han­delt, kön­nen sich auch Strelecky-Neu­le­ser, die ›Das Café am Ran­de der Welt‹ noch nicht gele­sen haben, an die­sen Band wagen.

Denn die Geschich­ten, die dar­in erzählt wer­den, las­sen auch den im Café noch Uner­fah­re­nen an sich teil­ha­ben, sodass der Leser Sei­te um Sei­te mit Gedan­ken ver­traut wird, die noch über das Buch hin­aus zum Nach­den­ken anregen.

»Ich war wie­der da. Aber warum?«

Fazit zu ›Auszeit im Café am Rande der Welt

Wer also sei­nen inne­ren Skep­ti­ker bei offen zu Gedan­ken anre­gen­den Tex­ten im Zaum hal­ten kann, dem kann ich John Streleckys ›Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt‹ mit gutem Gewis­sen empfehlen.

Wer dar­über hin­aus durch ein Buch nicht nur von sich selbst abge­lenkt wer­den will, son­dern wäh­rend des Lesens sich selbst zuge­wandt sein will, der wird an die­ser »Aus­zeit« Gefal­len fin­den. Und ganz neben­bei erfah­ren, was ein Stück Iso­lier­band mit dem eige­nen Leben zu tun hat. 

Buchinfo

John Strelecky:
Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt
Eine Wie­der­be­geg­nung mit dem eige­nen Selbst
dtv, Mün­chen 2019
160 S., Soft­co­ver, EUR (D) 9,90 inkl. MwSt.
ISBN 978−3−423−34964−2

Rezen­si­on zuerst erschie­nen auf: Liz­zy­Net

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