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John Strelecky: Das Café am Rande der Welt [Rezension]

Von Staus, fehlender Orientierung und anderen Chancen im Leben. 

John braucht in ›Das Café am Ran­de der Welt‹ eine Pau­se. Nach der gan­zen Arbeit muss er ein­fach mal wie­der Urlaub machen, raus­kom­men und abschalten. 

Scha­de nur, dass sich sein Weg in den Urlaub als eben­so stres­sig ent­puppt wie sei­ne Arbeit selbst. Auf dem High­way bewe­gen sich die Autos kei­nen Meter mehr nach vorn, tan­ken könn­te er auch mal wie­der und was zu essen wür­de sicher­lich auch nicht schaden. 

Mehr vor Wut und Anpas­sung als nach reif­li­cher Über­le­gung ver­lässt John den High­way. Nur um sich zur Krö­nung sei­nes Urlaubs­be­ginns hoff­nungs­los zu ver­fah­ren. Zumin­dest so lan­ge, bis er im schein­ba­ren Nir­gend­wo ein Café fin­det. Ein Café, das ihn bald nicht nur froh dar­über sein lässt, dass er sich ver­fah­ren hat, son­dern auch vie­le ande­re Über­ra­schun­gen für ihn bereithält.

»Die­ser Tag über­traf lang­sam bei wei­tem alles, womit ich gerech­net hat­te. Erst eine stun­den­lan­ge Fahrt durch das Nichts, dann ein Café am Ran­de der Welt und jetzt eine Bedie­nung mit einem spitz­bü­bi­schen Lächeln.«

Streleckys Erzäh­lun­gen und Rat­ge­ber über den Sinn des Lebens haben für mich stets zwei Sei­ten. Zum einen die Art und Wei­se, wie er sei­ne Über­le­gun­gen ver­packt und beschreibt. Sei­ne Spra­che ist klar. Kom­ple­xe­re Gedan­ken­gän­ge stellt er mit­hil­fe mög­lichst ein­fa­cher und doch ein­gän­gi­ger Ver­glei­che und Geschich­ten dar. Doch obwohl ›Das Café am Ran­de der Welt‹ in Erzähl­form geschrie­ben ist, wirkt die Geschich­te selbst kon­stru­iert. Nicht alle sei­ner Figu­ren kön­nen Sym­pa­thie­punk­te ergat­tern. Die Bedie­nung Casey scheint all­zeit spitz­bü­bisch und schel­misch zu lächeln und es auch immer noch mal bes­ser zu wissen. 

Anne und Mike hin­ge­gen füh­len sich run­der und mensch­li­cher an. Sie laden dazu ein, im Café zu ver­wei­len und sich mit den Fra­gen der Erzäh­lung auseinanderzusetzen.

© Bogen­ber­ger Autoren­fo­tos, hono­rar­frei, Stand: Dezem­ber 2017

Die zwei­te Sei­te hin­ge­gen ist das, wor­über Strelecky schreibt. Die Fra­gen, mit denen sich der Prot­ago­nist John aus­ein­an­der­set­zen muss, sind exis­ten­zi­ell. Sie füh­ren ihn – und mit ihm die Lesen­den – nah an das eige­ne Selbst her­an. Die­se Fra­ge über den Sinn des Lebens haben Gewicht, sie ver­än­dern und sind zugleich so uni­ver­sell, dass sie wohl vie­len Erwach­se­nen bereits begeg­net sind.

»Sobald ein Mensch weiß, war­um er hier ist, warm er exis­tiert, wel­chen Grund es dafür gibt, dass er am Leben ist, wird er den Wunsch haben, dem Sinn und Zweck sei­ner Exis­tenz gerecht zu wer­den. Es ist so, als erken­ne man auf einer Kar­te, wo ein Schatz ver­steckt ist. Sobald man die Mar­kie­rung ent­deckt hat, fällt es schwer, sie zu igno­rie­ren und nicht nach dem Schatz zu suchen.«

Fazit zu ›Das Café am Rande der Welt

Wer bereit ist, sich auf die zu Anfang viel­leicht etwas kon­stru­iert wir­ken­de Erzäh­lung ›Das Café am Ran­de der Welt‹ ein­zu­las­sen, kann sicher­lich eini­ge Über­le­gun­gen und Erkennt­nis­se aus die­sem Buch mit­neh­men. Viel­leicht auch mit einem Stück saf­ti­gen Rha­bar­ber-Kuchen. Mehr von Strelecky gibt es bei­spiels­wei­se in ›Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt‹ zu lesen.

Buchinfo

John Strelecky:
Das Café am Ran­de der Welt
Eine Erzäh­lung über den Sinn des Lebens
Mit Illus­tra­tio­nen von Root Leeb
Über­setzt von Bet­ti­na Lem­ke
dtv, Mün­chen 2007
128 S., EUR (D) 8,95 inkl. MwSt.
Soft­co­ver
ISBN 978−3−423−20969−4

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


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John Strelecky: Auszeit im Café am Rande der Welt [Rezension]

Von Unwettern und anderen nützlichen Begebenheiten. 

Ein stür­mi­scher Tag, zwei geplatz­te Rei­fen und eine Unter­füh­rung genü­gen in ›Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt‹, um die Wege zwei­er Men­schen ein­an­der kreu­zen zu las­sen. So begeg­net der Icher­zäh­ler John nach der Beer­di­gung sei­nes Paten­on­kels der jun­gen Hannah. 

Der Sturm treibt die bei­den in die glei­che Unter­füh­rung – er mit einem geplatz­ten Auto­rei­fen und auf der Suche nach Schrau­ben, sie mit einem plat­ten Fahr­rad­rei­fen. Die jun­ge Han­nah ist miss­trau­isch gegen­über dem Frem­den, der ihr anbie­tet, sie nach dem Rei­fen­wech­sel nach Hau­se zu fahren.

»Das Mäd­chen zöger­te. Offen­bar ver­such­te es zu beur­tei­len, ob es sicher war oder nicht.«

Als sie sich schluss­end­lich doch dar­auf ein­lässt, suchen sie gemein­sam in der Dun­kel­heit des Stur­mes nach einer ver­trau­ten Stra­ße oder Ecke und fin­den statt­des­sen etwas, das in John Erin­ne­run­gen weckt: das »Café der Fra­gen«. Doch wäh­rend er sich dar­über freu­en kann – das letz­te Mal hat er das Café vor über zehn Jah­ren auf Hawaii betre­ten –, wird Han­nahs Miss­trau­en – durch sei­ne plötz­li­che Ver­traut­heit mit dem Ort und den Per­so­nen dar­in – wie­der wach.

So plötz­lich sich Han­nah und John über den Weg gelau­fen waren, so schnell sind sie auch wie­der von­ein­an­der getrennt. Han­nah ver­lässt das Café, bleibt drau­ßen ste­hen und hadert mit sich, ob sie wie­der in das war­me Inne­re gehen oder ver­schwin­den soll. John hin­ge­gen trifft in ›Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt‹ sowohl bekann­te als auch neue Gesich­ter im Innern des Cafés und macht sich bereit auf eine Aus­ein­an­der­set­zung mit sich selbst.

© Bogen­ber­ger Autoren­fo­tos, hono­rar­frei, Stand: Dezem­ber 2017

Wäh­rend John ver­traut ist mit den Eigen­hei­ten des Cafés und den Fra­gen sowie Ant­wor­ten, die dort gefun­den wer­den kön­nen, weiß Han­nah nicht, ob sie sich auf den Ort und sei­ne Besu­cher ein­las­sen soll. Ähn­lich geht es dem Leser bis­wei­len mit ›Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt‹. Man muss sich ein­las­sen auf die Fra­gen, die John Streleckys Buch auf­wirft, auf die Wege, zu Ant­wor­ten zu kom­men, die ange­bo­ten werden.

Obwohl die­ser Besuch im Café der Fra­gen an man­chen Stel­len kon­stru­iert wirkt, vor allem in Bezug auf ein paar weni­ge Figu­ren – ein Effekt der durch die Mischung aus Unwirk­lich­keit und Wirk­lich­keit auch gewollt sein kann –, und bereits der Umschlag kaum eine Chan­ce aus­lässt, den Leser dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es sich um einen erneu­ten Besuch im Café han­delt, kön­nen sich auch Strelecky-Neu­le­ser, die ›Das Café am Ran­de der Welt‹ noch nicht gele­sen haben, an die­sen Band wagen.

Denn die Geschich­ten, die dar­in erzählt wer­den, las­sen auch den im Café noch Uner­fah­re­nen an sich teil­ha­ben, sodass der Leser Sei­te um Sei­te mit Gedan­ken ver­traut wird, die noch über das Buch hin­aus zum Nach­den­ken anregen.

»Ich war wie­der da. Aber warum?«

Fazit zu ›Auszeit im Café am Rande der Welt

Wer also sei­nen inne­ren Skep­ti­ker bei offen zu Gedan­ken anre­gen­den Tex­ten im Zaum hal­ten kann, dem kann ich John Streleckys ›Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt‹ mit gutem Gewis­sen empfehlen.

Wer dar­über hin­aus durch ein Buch nicht nur von sich selbst abge­lenkt wer­den will, son­dern wäh­rend des Lesens sich selbst zuge­wandt sein will, der wird an die­ser »Aus­zeit« Gefal­len fin­den. Und ganz neben­bei erfah­ren, was ein Stück Iso­lier­band mit dem eige­nen Leben zu tun hat. 

Buchinfo

John Strelecky:
Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt
Eine Wie­der­be­geg­nung mit dem eige­nen Selbst
dtv, Mün­chen 2019
160 S., Soft­co­ver, EUR (D) 9,90 inkl. MwSt.
ISBN 978−3−423−34964−2

Rezen­si­on zuerst erschie­nen auf: Liz­zy­Net

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 3.5 von 5.


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