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V. E. Schwab: Das unsichtbare Leben der Addie LaRue [Rezension]

V. E. Schwab: Das unsichtbare Leben der Addie LaRue [Rezension]

Von einer Frau, die zu grausamen Göttern sprach. 

Addie weiß, wie ihr Leben nicht aus­se­hen soll. Hei­rat, Kin­der, für immer am glei­chen Ort gefan­gen sein. Das Leben, das ihre Zeit für eine Frau vor sieht, will sie in ›Das unsicht­ba­re Leben der Addie LaRue‹ auf kei­nen Fall. 

Wie weit sie jedoch bereit ist zu gehen, um die­sem Leben zu ent­kom­men, war ihr nicht klar. Sie weiß, dass sie nicht zu allen Göt­tern beten darf, nicht zu jenen, die nur in der Nacht ant­wor­ten. Göt­ter, die bei den meis­ten bereits in Ver­ges­sen­heit gera­ten sind, doch die ihr näher sind als anderen. 

Doch obwohl sie weiß, dass sie nicht zu die­sen Göt­tern beten darf, sind es die ein­zi­gen, die ihr im Jah­re 1714 noch hel­fen kön­nen, der Ehe und dem damit ver­bun­de­nen Leben zu ent­kom­men. Dafür muss sie sich jedoch auf nichts gerin­ge­res ein­las­sen als auf einen Teu­fels­pakt. Und jeder weiß, dass ein sol­cher Pakt immer sei­nen Preis hat.

»Die alten Göt­ter mögen groß sein, aber sie sind weder freund­lich noch barm­her­zig, son­dern lau­nisch und unbe­stän­dig wie Mond­licht auf Was­ser oder wie Schat­ten in einem Sturm. Wenn du sie anru­fen willst, gib acht: Über­le­ge genau, wor­um du bit­test, und sei bereit, den Preis zu zah­len. Und ganz gleich, wie ver­zwei­felt du bist, bete nie­mals zu den Göt­tern, die nach Ein­bruch der Nacht antworten.«

Ein Preis, der sie zu einer Frau macht, an die sich nie­mand erin­nern kann. Ganz gleich, was sie auch tut, gelingt es den Men­schen nicht, sich an sie zu erin­nern. Am nächs­ten Tag ist es stets, als stün­den sie einer Frem­den gegen­über. 300 Jah­re durch­lebt sie in die­sem Zustand. 

Doch sind es nicht nur die Nach­tei­le des Ver­ges­sens, die sie ertra­gen in ›Das unsicht­ba­re Leben der Addie LaRue‹ muss und die ihr Bin­dun­gen und Zuge­hö­rig­keit ver­wehrt. Im Lau­fe der Zeit hat sie auch gelernt, die Vor­tei­le des Ver­ges­sens für sich zu nut­zen. Denn kaum betritt sie eine Umklei­de­ka­bi­ne, haben die Verkäufer:innen bereits wie­der ver­ges­sen, dass sie sich im Laden befun­den hat. Ein Umstand, der ihr regel­mä­ßig zu neu­er Klei­dung ver­hilft, ohne, dass sie arbei­ten muss. Doch was geschieht, wenn Addie nach all die­sen Jahr­hun­der­ten plötz­lich auf einen Mann trifft, der sich an sie erin­nern kann?

»Ein Mäd­chen rennt um ihr Leben.
Die Som­mer­luft brennt auf ihrem Rücken, aber da sind kei­ne Fackeln, kei­ne wüten­de Meu­te, nur die fer­nen Later­nen der Hoch­zeits­fei­er, das röt­li­che Glü­hen der Son­ne, die gegen den Hori­zont stößt, auf­bricht und sich über die Hügel ergießt. Das Mäd­chen rennt und ihre Röcke ver­fan­gen sich im Gras, wäh­rend sie auf den Wald zustürmt, im Wett­lauf mit dem ster­ben­den Licht.«

Das unsicht­ba­re Leben der Addie LaRue‹ erzählt die Geschich­te einer Frau, die für ein selbst­be­stimm­tes Leben bereit ist, zum äußers­ten zu gehen. Doch der Preis für die­se Selbst­be­stim­mung ist ein ande­rer als der, den sie sich vor­ge­stellt hatte.

Wäh­rend Addie kei­ne Erin­ne­rung sein kann, wird sie zu Inspi­ra­ti­on. Sie geht in Gedich­te, Musik­stü­cke, Bil­der und ande­re Kunst­wer­ke ein, ohne dass sich die Künstler:innen dar­an erin­nern kön­nen, sie je gese­hen zu haben. Und doch gelingt es ihr so, Spu­ren zu hin­ter­las­sen auf die­ser Welt und in den Jahr­zehn­ten, in denen sie gelebt hat. 

So durch­lebt sie die Jah­re und gewöhnt sich an die Regeln, an die ihr Pakt sie bin­det. Bis zu dem Tag, an dem sie einem jun­gen Mann begeg­net, der die Regeln ihres Pak­tes voll­stän­dig auf den Kopf stellt.

»Die Markt­stän­de kau­ern wie eine Grup­pe alter Wei­ber am Rand des Parks.
Vom Win­ter lan­ge Zeit aus­ge­dünnt, nimmt die Zahl der wei­ßen Pla­nen end­lich wie­der zu, Farb­tup­fer spren­keln den Platz, wo neue Waren zwi­schen dem Wur­zel­ge­mü­se, dem Fleisch und dem Brot auf­ge­taucht sind.«

Fazit zu ›Das unsichtbare Leben der Addie LaRue‹

Kunst­voll ver­webt V. E. Schwab in ›Das unsicht­ba­re Leben der Addie LaRue‹ meh­re­re Zeit­ebe­nen mit­ein­an­der. Sie ent­führt uns in Addie Kind­heit und Jugend im Jah­re 1714 und lässt die Lesen­den sie bis hin­ein in die Gegen­wart beglei­ten. Eine Tra­gik beglei­tet Addies Schick­sal, sie sich vor einer Hoch­zeit zu ret­ten ver­sucht und damit Ereig­nis­se in Gang setzt, die außer­halb ihrer Vor­stel­lungs­kraft lie­gen. Poe­tisch, gefühl­voll und mit­rei­ßend. Wer das poe­tisch-traum­haf­te in ›Das unsicht­ba­re Leben der Addie LaRue‹ moch­te, soll­te viel­leicht mal einen Blick auf ›Stran­ge the Drea­mer‹ von Lai­ni Tay­lor werfen.

Buchinfo

V. E. Schwab:
Das unsicht­ba­re Leben der Addie LaRue

Roman, Paper­back
Über­setzt von: Petra HuberSara Rif­fel
FISCHER Tor, Frank­furt a. M. 2021
592 S., EUR (D) 18,- inkl. MwSt.
ISBN 978−3−596−70581−8

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John Strelecky: Das Café am Rande der Welt [Rezension]

Von Staus, fehlender Orientierung und anderen Chancen im Leben. 

John braucht in ›Das Café am Ran­de der Welt‹ eine Pau­se. Nach der gan­zen Arbeit muss er ein­fach mal wie­der Urlaub machen, raus­kom­men und abschalten. 

Scha­de nur, dass sich sein Weg in den Urlaub als eben­so stres­sig ent­puppt wie sei­ne Arbeit selbst. Auf dem High­way bewe­gen sich die Autos kei­nen Meter mehr nach vorn, tan­ken könn­te er auch mal wie­der und was zu essen wür­de sicher­lich auch nicht schaden. 

Mehr vor Wut und Anpas­sung als nach reif­li­cher Über­le­gung ver­lässt John den High­way. Nur um sich zur Krö­nung sei­nes Urlaubs­be­ginns hoff­nungs­los zu ver­fah­ren. Zumin­dest so lan­ge, bis er im schein­ba­ren Nir­gend­wo ein Café fin­det. Ein Café, das ihn bald nicht nur froh dar­über sein lässt, dass er sich ver­fah­ren hat, son­dern auch vie­le ande­re Über­ra­schun­gen für ihn bereithält.

»Die­ser Tag über­traf lang­sam bei wei­tem alles, womit ich gerech­net hat­te. Erst eine stun­den­lan­ge Fahrt durch das Nichts, dann ein Café am Ran­de der Welt und jetzt eine Bedie­nung mit einem spitz­bü­bi­schen Lächeln.«

Streleckys Erzäh­lun­gen und Rat­ge­ber über den Sinn des Lebens haben für mich stets zwei Sei­ten. Zum einen die Art und Wei­se, wie er sei­ne Über­le­gun­gen ver­packt und beschreibt. Sei­ne Spra­che ist klar. Kom­ple­xe­re Gedan­ken­gän­ge stellt er mit­hil­fe mög­lichst ein­fa­cher und doch ein­gän­gi­ger Ver­glei­che und Geschich­ten dar. Doch obwohl ›Das Café am Ran­de der Welt‹ in Erzähl­form geschrie­ben ist, wirkt die Geschich­te selbst kon­stru­iert. Nicht alle sei­ner Figu­ren kön­nen Sym­pa­thie­punk­te ergat­tern. Die Bedie­nung Casey scheint all­zeit spitz­bü­bisch und schel­misch zu lächeln und es auch immer noch mal bes­ser zu wissen. 

Anne und Mike hin­ge­gen füh­len sich run­der und mensch­li­cher an. Sie laden dazu ein, im Café zu ver­wei­len und sich mit den Fra­gen der Erzäh­lung auseinanderzusetzen.

© Bogen­ber­ger Autoren­fo­tos, hono­rar­frei, Stand: Dezem­ber 2017

Die zwei­te Sei­te hin­ge­gen ist das, wor­über Strelecky schreibt. Die Fra­gen, mit denen sich der Prot­ago­nist John aus­ein­an­der­set­zen muss, sind exis­ten­zi­ell. Sie füh­ren ihn – und mit ihm die Lesen­den – nah an das eige­ne Selbst her­an. Die­se Fra­ge über den Sinn des Lebens haben Gewicht, sie ver­än­dern und sind zugleich so uni­ver­sell, dass sie wohl vie­len Erwach­se­nen bereits begeg­net sind.

»Sobald ein Mensch weiß, war­um er hier ist, warm er exis­tiert, wel­chen Grund es dafür gibt, dass er am Leben ist, wird er den Wunsch haben, dem Sinn und Zweck sei­ner Exis­tenz gerecht zu wer­den. Es ist so, als erken­ne man auf einer Kar­te, wo ein Schatz ver­steckt ist. Sobald man die Mar­kie­rung ent­deckt hat, fällt es schwer, sie zu igno­rie­ren und nicht nach dem Schatz zu suchen.«

Fazit zu ›Das Café am Rande der Welt

Wer bereit ist, sich auf die zu Anfang viel­leicht etwas kon­stru­iert wir­ken­de Erzäh­lung ›Das Café am Ran­de der Welt‹ ein­zu­las­sen, kann sicher­lich eini­ge Über­le­gun­gen und Erkennt­nis­se aus die­sem Buch mit­neh­men. Viel­leicht auch mit einem Stück saf­ti­gen Rha­bar­ber-Kuchen. Mehr von Strelecky gibt es bei­spiels­wei­se in ›Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt‹ zu lesen.

Buchinfo

John Strelecky:
Das Café am Ran­de der Welt
Eine Erzäh­lung über den Sinn des Lebens
Mit Illus­tra­tio­nen von Root Leeb
Über­setzt von Bet­ti­na Lem­ke
dtv, Mün­chen 2007
128 S., EUR (D) 8,95 inkl. MwSt.
Soft­co­ver
ISBN 978−3−423−20969−4

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