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Victoria Mas: Die Tanzenden [Rezension]

Von Frauen und Freiheit. 

Ende des 19. Jahr­hun­derts wird wohl jede Frau in Paris den Namen einer bestimm­ten Ein­rich­tung gekannt haben. Das ›Hôpi­tal de la Sal­pê­triè­re‹ von ›Die Tan­zen­den‹ war eine Ner­ven­heil­an­stalt, in die man über Jah­re nicht nur jene Frau­en brach­te, die eine Behand­lung benötigten. 

Zumeist von ihren Vätern, Ehe­müt­tern oder Brü­dern dort hin­ge­brach­te, ging die Ein­wei­sung nicht sel­ten mit einem Aus­schluss aus der Fami­lie ein­her. Häu­fig genug, ohne das die Frau­en das selbst wollten.

Die unter­schied­lichs­ten Frau­en leben in ›Die Tan­zen­den‹ im ›Hôpi­tal de la Sal­pê­triè­re‹, ehe­ma­li­ge Pro­sti­tu­ier­te, Hys­te­ri­ke­rin­nen, Melan­cho­li­ke­rin­nen oder Frau­en, die nicht bereit sind, die ihnen zuge­dach­te Rol­le im Leben ein­zu­neh­men. Frau­en, die von sich selbst sagen, Geis­ter sehen zu kön­nen, und sol­che, die ihnen zu nah sind. 

In einer Zeit, in der Män­ner Fami­li­en­ober­häup­ter oder Ärz­te sind, wäh­rend Frau­en als Kran­ken­schwes­ter arbei­ten, sich unter­ord­nen und über sich bestim­men las­sen müssen. 

»War­um Göt­ter ver­eh­ren, wenn es Män­ner wie Char­cot gibt? Nein, das stimmt nicht ganz: Kein Mann kann es mit Char­cot auf­neh­men. Sie ist stolz, ja, stolz auf das Vor­recht, seit fast zwan­zig Jah­ren ihren Bei­trag zur Arbeit und zu den Fort­schrit­ten des berühm­tes­ten Ner­ven­arz­tes von Paris leis­ten zu dürfen.«

Und wäh­rend in ›Die Tan­zen­den‹ für vie­le Frau­en, der Gedan­ke erschre­ckend ist, im ›Hôpi­tal de la Sal­pê­triè­re‹ zu laden, gibt es ande­re, für die der Gedan­ke nicht ertrag­bar ist, dort jemals wie­der hin­aus zu müs­sen. Was ist das für eine Welt, der Frau­en die Ner­ven­heil­an­stalt vorziehen?

Vic­to­ria Mas gelingt es in ihrem Debüt­ro­man ›Die Tan­zen­den‹ einen span­nen­den Blick auf jene Frau­en zu geben, so unter­schied­lich und facet­ten­reich sie sind, und eine Ahnung des Schre­ckens zu ver­mit­teln, der der ›Sal­pê­triè­re‹ ange­haf­tet hat.

Das ›Hôpi­tal de la Sal­pê­triè­re‹ ver­kör­pert die Wün­sche vie­ler Frau­en zugleich: den Wunsch nach Sicher­heit, den Wunsch gese­hen zu wer­den und den Wunsch, mög­lichst schnell wie­der wegzukommen.

»Wer zum Aber­glau­ben neigt, könn­te mei­nen, das Mäd­chen sei von Dämo­nen beses­sen, und eini­ge im Publi­kum bekreu­zen sich tat­säch­lich verstohlen …«

Das High­light des Jah­res ist für die meis­ten Pati­en­tin­nen – und nicht nur für die­se – der Ball an Mitt­fas­ten. Die Ein­la­dun­gen für Außen­ste­hen­de sind begehrt und das, was es zu sehen gibt, ist sonst hin­ter den Mau­ern der Ein­rich­tung ver­bor­gen: die Pati­en­tin­nen, auf der einen Sei­te über­ra­schend nor­mal, auf der ande­ren Sei­te auf­re­gend anders.

Fazit zu ›Die Tanzenden

Mas macht die Frau­en der ›Sal­pê­triè­re‹ sicht­bar, ohne sie auf Schau­ob­jek­te zu redu­zie­ren, span­nend, bewe­gend und erschre­ckend zugleich. 

Buchinfo

Vic­to­ria Mas:
Die Tan­zen­den

Über­setzt von: Julia Scho­ch
Piper, Mün­chen 2020
240 S., EUR (D) 20,- inkl. MwSt.
Roman
Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−492−07014−0

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Genki Kawamura: Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden [Rezension]

Katzen, der Teufel und die Erinnerung. 

Ein Mann, der sich eigent­lich noch viel zu jung glaubt, um sich mit sol­chen The­men zu beschäf­ti­gen, erfährt in ›Wenn alle Kat­zen von der Welt ver­schwän­den‹, dass er ster­ben muss. In weni­gen Tagen. Doch noch ehe er dazu kommt, dar­an zu ver­zwei­feln, erscheint ihm der Teu­fel. Und macht ihm ein Ange­bot, das er kaum abschla­gen kann. 

Für jede Sache, die er bereit ist, von der Welt ver­schwin­den zu las­sen, darf er einen Tag län­ger leben. Doch unter die­sen Sachen stellt sich der Teu­fel kei­nes­wegs Din­ge vor wie ein­zel­ne Socken, Papier­müll oder aus­ge­lei­er­te Haar­gum­mis. Son­dern um Sachen wie bei­spiels­wei­se Scho­ko­la­de, Tele­fo­ne, Fil­me oder Uhren.

Doch mit jeder Sache, die der Icher­zäh­ler in ›Wenn alle Kat­zen von der Welt ver­schwän­den‹ bereit ist, von die­ser Welt ver­schwin­den zu las­sen, muss die­ser sich nicht nur damit aus­ein­an­der­set­zen, wie die Welt ohne die­se Sache aus­sä­he. Son­dern, wel­che Bedeu­tung sie in sei­nem Leben bis­her gehabt hat. An die Per­so­nen, die er damit verbindet.

»[…] den­noch hat­te ich das Gefühl, dass mir noch eini­ges zu tun blieb. Auf­ga­ben, die nur ich auf die­ser Welt erfül­len konn­te. Die muss­te es doch geben.«

Ob der Teu­fel im Hawaii­hemd dem Icher­zäh­ler in ›Wenn alle Kat­zen von der Welt ver­schwän­den‹ nun wirk­lich begeg­net oder eine Aus­ge­burt sei­ner fort­schrei­ten­den Erkran­kung ist, bleibt unbe­dacht. Denn die Din­ge, die der bald Ster­ben­de an sei­nen erkauf­ten Tagen tun will, sind nicht die, die er schon immer mal tun woll­te. Kei­ne Extre­me wie Sprün­ge aus einem Flug­zeug oder den Mount Ever­est bestei­gen. Es sind jede, die er schon längst hät­te tun wol­len oder sollen.

Mit einer bedrü­cken­den Leich­tig­keit, die an vie­len Stel­len weh­tun kann, führt Kawa­mu­ra in ›Wenn alle Kat­zen von der Welt ver­schwän­den‹ durch die letz­ten Tage des Icher­zäh­lers. In ein Gedan­ken­cha­os, in dem sich täg­lich die Fra­ge stellt, was man bereit wäre, auf­zu­ge­ben, um noch etwas län­ger an sich selbst fest­hal­ten zu können. 

»War­um erwar­ten wir immer von ande­ren, was wir selbst nicht kön­nen? War­um ver­lang­te ich das von ihr? War­um woll­te ich, dass sie erschrak und weinte?«

Gen­ki Kawa­mu­ra gelingt es, in sei­nem Roman ›Wenn alle Kat­zen von der Welt ver­schwän­den‹ die Schwe­re des eige­nen Todes und jener, die man liebt, mit The­men zu ver­we­ben, die im All­tag als selbst­ver­ständ­lich erschei­nen. Wie wäre es, wenn all­täg­li­che Din­ge, wie Tele­fo­ne, Uhren oder Kat­zen nicht mehr da wären? Wie wäre das eige­ne Leben dann ver­lau­fen? Was für Momen­te wur­den dadurch ermög­licht, die das Leben ausmachen? 

Fazit zu ›Wenn alle Katzen von der Welt verschwänden

Beglei­tet von der Fra­ge, wo die Gren­ze liegt. Wann wäre man bereit, Din­ge, die auf den ers­ten Blick viel­leicht neben­säch­lich erschei­nen, nicht mehr gegen das eige­ne Wei­ter­le­ben ein­zu­tau­schen? Eine Rei­se in die letz­ten Lebens­ta­ge eines Ster­ben­den, die trotz oder viel­leicht auch wegen ihrer All­tags­mo­ti­vik berührt. Ein Buch zum Nachdenken.

Buchinfo

Gen­ki Kawa­mu­ra:
Wenn alle Kat­zen von der Welt ver­schwän­den

Roman
Über­setzt von: Ursu­la Grä­fe
C. Ber­tels­mann, Mün­chen 2018
192 S., EUR (D) 18,50 inkl. MwSt.
Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−570−10335−7

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Leigh Bardugo: Lodernde Schwingen [Rezension]

Von einem Jungen ohne Namen. 

Es gibt Bücher, die gewin­nen mich schon nach der ers­ten Sei­te für sich. So ging es mir mit ›Gol­de­ne Flam­men‹ von Leigh Bar­d­u­go, das ich in kür­zes­ter Zeit ver­schlun­gen habe. Auch ›Eisi­ge Wel­len‹ habe ich wirk­lich ger­ne gele­sen, doch hat mich der 2. Band der Rei­he ›Legen­den der Gri­sha‹ nicht dar­auf vor­be­rei­tet, wie sehr ich den 3. Band ›Lodern­de Schwin­gen‹ mögen wür­de. Hat­te ich schon nach dem 1. Band kei­ne Zwei­fel mehr dar­an, dass Leigh Bar­d­u­go eine begna­de­te Schrift­stel­le­rin ist, wür­de ich mitt­ler­wei­le jedes Buch von ihr ohne zu zögern lesen. 

Bar­d­u­gos Bücher sind düs­ter, ihre Wel­ten vol­ler Gefah­ren, Geheim­nis­se und Abgrün­de. Und in die­sem düs­te­ren Set­ting kön­nen nicht nur char­man­te Neben­cha­rak­te­re strahlen. 

Nach dem 2. Band ›Eisi­ge Wel­len‹ liegt die Welt der Gri­sha, wie die Lesen­den sie kann­ten, in Trüm­mern. Sowohl der Dunk­le als auch Ali­na sind nur knapp ihrem Tod ent­ron­nen. Vie­le ande­re hat­ten die­ses Glück nicht. Doch wäh­rend der Dunk­le die Zeit danach genutzt hat, um den Thron des Zaren für sich zu bean­spru­chen, lebt Ali­na tief unter der Erde, weg­ge­sperrt vom Son­nen­licht. Doch Ali­na hat etwas in ›Lodern­de Schwin­gen‹, das der Dunk­le nicht hat: Freun­de, die ihr hel­fen wol­len, sich zu befreien.

»Das Unge­heu­er heißt Izum­rud, und man­che sag­ten, es habe die Gän­ge unter­halb von Rav­ka geschaf­fen. Von einem uner­sätt­li­chen Hun­ger getrie­ben, habe die­ser gewal­ti­ge Wurm Schlick und Gestein ver­schlun­gen, sich immer tie­fer gebohrt, bis er zu weit vor­ge­drun­gen sei und sich am Ende in der Fins­ter­nis ver­irrt habe.«

Dabei ist Ali­na Star­kov in ›Lodern­de Schwin­gen‹ im Besitz zwei­er Kräf­te­meh­rer. Obwohl die jun­ge Frau spürt, dass die­se sie ver­än­dern und ihr Wunsch, den drit­ten Kräf­te­meh­rer an sich zu brin­gen, nicht nur posi­ti­ven Ursprungs ist, kann sie die Suche nicht auf­ge­ben. Auch der Dunk­le lässt ihr kei­ne Ruhe, ihr bleibt kaum genug Zeit, ihre Ver­bün­de­ten um sich zu sammeln. 

Doch spä­tes­tens nach dem 1. Band ist klar, dass Freun­de und Ver­bün­de­te oft nur schwer von Fein­den und Ver­rä­tern zu tren­nen sind. Es gibt weni­ge in ›Lodern­de Schwin­gen‹, auf die sich Ali­na glaubt, ver­las­sen zu kön­nen, doch die­se weni­gen haben es in sich. Und hin­ter den Gescheh­nis­sen um Ali­na wird eine wei­te­re Geschich­te in ihren Ansät­zen frei­ge­legt: die Geschich­te einer Fami­lie, aus der ein Mann wie der Dunk­le her­vor­ge­hen konnte.

»Er hat­te um die­sen Thron gekämpft, hat­te Hun­der­te von Jah­ren gefoch­ten und gedient, um ihn end­lich für sich bean­spru­chen zu kön­nen. Ich muss­te zuge­ben, dass er wie geschaf­fen dafür war.«

Fazit zu ›Lodernde Schwingen

Wer also wis­sen will, wie es im Kampf um Rav­ka wei­ter­geht, wie der rich­ti­ge Name des Dunk­len lau­tet und wie ein Prinz, der sein Leben lang kei­ne Not kann­te, doch noch ler­nen muss, was Hun­ger ist, der soll­te den fina­len Band der Tri­lo­gie der ›Legen­den der Gri­sha‹ unbe­dingt lesen. Es wird spannend!

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
Lodern­de Schwin­gen

Roman
Legen­den der Gri­sha, Band 3
Über­setzt von: Hen­ning Ahrens
Knaur, Mün­chen 2020
432 S., EUR (D) 12,99 inkl. MwSt.
Taschen­buch
ISBN 978−3−426−52446−6

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Victor Hugo: Les Misérables [Rezension]

Von Verbrechen, Gesetzen und Menschen. 

Ein Mann wird zu einer Stra­fe von vier Jah­ren ver­ur­teilt, weil er Brot geklaut hat und dabei eine Schei­be ein­ge­schla­gen hat. Das Leben als Galee­ren­sträf­ling ist hart – mehr­mals ver­sucht der Mann namens Jean Val­jean in ›Les Misé­ra­bles‹ zu flie­hen und wird erwischt. Aus den vier Jah­ren wird eine Haft­stra­fe von ins­ge­samt 19 Jahren. 

Doch auch nach­dem Val­jean sei­ne Stra­fe ver­büßt hat, ist er kein frei­er Mann. Er muss sich an jedem Ort mel­den, an den er kommt. Sei­ne Papie­re brand­mar­ken ihn als gefähr­li­chen Ex-Sträf­ling. Trotz des Gel­des, das er müh­sam auf den Galee­ren gespart hat, fin­det er kei­ne Unter­kunft und nie­mand, der ihm etwas zu Essen ver­kau­fen möch­te. Erst als er an das Haus des Bischofs Myri­el von Digne gelangt, den Val­jean durch sei­ne spar­sa­me Lebens­wei­se nicht als sol­chen erkennt, bekommt er Essen und einen Schlaf­platz. Doch Jean Val­jean weiß, dass er wie­der in die Welt hin­aus muss und beschließt, das weni­ge Sil­ber im Haus des Bischofs zu stehlen.

Val­jean, der sein Glück mitt­ler­wei­le ken­nen müss­te, wenn er ver­such­te, eine Straf­tat zu bege­hen, wird erwischt und wie­der in das Haus des Bischofs gebracht. Doch Myri­el von Digne reagiert auf Val­jeans Dieb­stahl auf eine Art, die Val­jeans gesam­tes Leben ver­än­dern wird.

»Gegen die Frau­en und gegen die Armen, auf denen das Unrecht der Gesell­schaft am schwers­ten las­te­te, war er stets nach­sich­tig. ›Die Sün­den der Frau­en, der Kin­der, der Bedien­ten, der Schwa­chen, der Elen­den und der Unwis­sen­den‹, sag­te er, ›sind immer die Schuld der Män­ner, der Eltern, der Brot­ge­ber, der Star­ken, Rei­chen und Wissenden.‹«

Jean Val­jean ist einer von jenen, nach denen die­ser Roman benannt ist: ›Les Misé­ra­bles‹ – ›Die Elen­den‹. Men­schen, die nicht das Glück haben, in ein wohl­ha­ben­des Haus gebo­ren zu sein, son­dern mit den erdenk­lich schlech­tes­ten Start­be­din­gun­gen auf die­se Welt kom­men, die kei­ne siche­re ist. Jean Val­jean ist in die­sem Stru­del, der ihn wei­ter hin­ab reißt. Er stahl Brot, wur­de zum Sträf­ling und damit zu einem von der Gesell­schaft aus­ge­schlos­se­nen. Als ein sol­cher stiehlt er nicht mehr nur Brot, son­dern Silber.

»Wenn die See­le in Dun­kel­heit schmach­tet, ist sie der Sün­de zugäng­lich. Nicht der ist schul­dig, der die Sün­de begeht, son­dern der die Fins­ter­nis erzeugt hat.«

Ähn­lich ergeht es den ande­ren Figu­ren in Vic­tor Hugos Roman ›Les Misé­ra­bles‹. Der jun­gen und schö­nen Fan­ti­ne, der fre­chen und muti­gen Epo­ni­ne, dem klei­nen Gav­ro­che. Vic­tor Hugo gelingt es, eine Welt um die­se zu erschaf­fen, die berührt und in der ›die Elen­den‹ in all ihrer Mensch­lich­keit sicht­bar wer­den. Er zeigt sie ver­strickt in ihre sozia­len Umstän­de, die sie ein­engen und denen sie immer wie­der bereit sind, etwas Leben abzutrotzen.

Die Zeit, in der der Roman ›Les Misé­ra­bles‹ ist eine, in der sich ein Umbruch ankün­di­gen will. 1815 set­zen die Gescheh­nis­se ein und beglei­ten die Figu­ren bis 1832.

»Es war schwer, sich einen her­ab­ge­kom­me­ne­ren Men­schen als die­sen vor­zu­stel­len. Er war von mitt­le­rem Wuch­se, stäm­mig, und bei Kräf­ten. Sein Alter hät­te man mit sechs­und­vier­zig oder acht­und­vier­zig Jah­ren ange­ben können.«

Fazit zu ›Les Misérables

Obwohl mehr als ein­ein­halb Jahr­hun­der­te ver­gan­gen sind, seit­dem Hugo die­sen Roman ver­öf­fent­licht hat, sind die Kämp­fe der Prot­ago­nis­ten nicht ver­staubt. Er lädt den Leser ein, die­se ›Elen­den‹ bei dem Ver­such zu beglei­ten, über sich hin­aus­zu­wach­sen, in einer Zeit, die von Hun­ger und Armut geprägt war. Eine defi­ni­ti­ve Lese­emp­feh­lung! Mehr zu Klas­si­kern fin­det sich in mei­nem Post ›Klas­si­ker, die mich wirk­lich über­rascht haben‹.

Buchinfo

Vic­tor Hugo:
Les Misé­ra­bles / Die Elen­den
(1862)
Übersetzer/in Edmund Th. Kaur
Auf­bau Taschen­buch, Ber­lin 2000
608 S., EUR (D) 14,00 inkl. MwSt.
Roman, Bro­schur
ISBN 978−3−7466−1700−8

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Leigh Bardugo: Goldene Flammen [Rezension]

Von Wünschen, Freundschaft und Entscheidungen. 

Von klein auf haben die Wai­sen­kin­der Ali­na und Mal einen Wunsch: bei­ein­an­der zu sein. Sie leben in einer Welt, in der Krieg und Magie herr­schen und die zum Teil durch eine rie­si­ge Schat­ten­flur über­zo­gen ist. Und die Freund­schaft der bei­den wird in ›Gol­de­ne Flam­men‹ auf die Pro­be gestellt. 

Wai­se, Kar­ten­zeich­ne­rin und meis­tens fehl am Platz: Ali­na Star­kov fühlt sich sel­ten wohl in ihrer Haut. Auch unter Men­schen scheint sie sel­ten dazu­zu­ge­hö­ren – nur bei ihrem bes­ten Freund Mal kennt sie die­ses Gefühl.

Doch als die bei­den älter wer­den und Mal sich zu einem attrak­ti­ven jun­gen Mann ent­wi­ckelt, hat er nur Augen für ande­re Frau­en. Ali­na, auch »Besen­stiel« genannt, kann in ›Gol­de­ne Flam­men‹ dabei nur zusehen.

»Die Die­ner nann­ten sie Malench­ki, Geis­ter­chen, denn die Kleins­ten und Jüngs­ten such­ten das Haus des Her­zogs heim wie kichern­de Phan­to­me, rann­ten durch die Zim­mer, ver­steck­ten sich in Schrän­ken, um zu lau­schen, und stah­len die letz­ten Pfir­si­che des Som­mers aus der Küche.«

Als die bei­den Kind­heits­freu­de im Zuge ihrer Aus­bil­dun­gen zur Kar­ten­zeich­ne­rin und zum Fähr­ten­le­ser die von Vol­kra bewohn­te Schat­ten­flur durch­que­ren müs­sen, ver­än­dern sich die Leben der bei­den grund­le­gend: Ali­na schützt ihren Freund Mal durch Kräf­te, die sie bis­lang nicht ein­mal erahnt hat. Sie ver­las­sen die Schat­ten­flur wie­der und Ali­na Star­kov wird einem Mann über­ge­ben, der sich »Der Dunk­le« nennt. Er ist der Anfüh­rer der Gri­sha und zählt zu den mäch­tigs­ten Män­nern im Reich.

»Die Vol­kra waren blind, weil sie seit Genera­tio­nen auf der Schat­ten­flur leb­ten und jag­ten, aber sie konn­ten Men­schen­blut angeb­lich schon aus wei­ter Fer­ne wittern.«

Und aus­ge­rech­net die als mager und häss­lich ver­lach­te Ali­na, mit ihren dunk­len Augen­rin­gen und den hage­ren Ärm­chen soll Kräf­te besit­zen, für die sich ein sol­cher Mann inter­es­siert? Nicht, wenn man Ali­nas Ein­schät­zung ihrer selbst glau­ben darf. 

Doch der Dunk­le macht sich in ›Gol­de­ne Flam­men‹ ein eige­nes Bild von ihr und wird zu ihrem Men­tor. Sie rei­sen zum Hof des Zaren und Ali­na wird in die Rei­hen der Gri­sha auf­ge­nom­men: wun­der­schö­ne Frau­en und Män­ner, die der Magie mäch­tig sind. Ein Blick in den Spie­gel genügt für sie, um das Gefühl zu haben, dass sie wie­der nicht hin­ein­passt. Bis zu dem Tag, als ihre Kräf­te wie­der aus ihr hervorbrechen.

»Die­ser Dunk­le hat­te die Gri­sha schon vor mei­ner Geburt befeh­ligt, und trotz­dem wirk­te der Mann, der vor mir auf dem Podest thron­te, nicht viel älter als ich. Sein Gesicht war schön und mar­kant, er hat­te vol­les schwar­zes Haar und kla­re graue, wie Quarz glän­zen­de Augen. Es hieß, die mäch­tigs­ten Gri­sha leb­ten sehr lan­ge, und der Dunk­le war der mäch­tigs­te von allen.«

Mit ›Gol­de­ne Flam­men‹ schafft Leigh Bar­d­u­go den Auf­takt zu einer Fan­ta­sy-Rei­he um die ›Legen­den der Gri­sha‹, der von der ers­ten Sei­te an mit­reißt und den Figu­ren Leben ein­haucht. Dabei ist die fan­tas­ti­sche Welt, die sie schafft, erfri­schend kli­schee­frei. Was zu Beginn schwarz und weiß scheint, ver­liert bald an Klar­heit. Die Zie­le und Plä­ne der Figu­ren über­schnei­den und ver­wi­schen sich.

Fazit zu ›Goldene Flammen

Bar­d­u­go macht es ihren Figu­ren nicht leicht, sie treibt sie wie­der­holt zum Äußers­ten und lässt nicht für einen Moment Lang­wei­le auf­kom­men. Und doch über­schla­gen sich die Ereig­nis­se mit­un­ter so schnell, dass auch der Leser her­um­ge­wir­belt wird, bis nur noch Eines klar ist: Die nächs­ten Bän­de ›Eisi­ge Wel­len‹ und ›Lodern­de Schwin­gen‹ müs­sen so schnell wie mög­lich erscheinen.

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
Gol­de­ne Flam­men

Legen­den der Gri­sha, Band 1
Roman
Über­setzt von: Hen­ning Ahrens
Knaur TB Ver­lag, Mün­chen 2020
352 S., EUR (D) 12,99 inkl. MwSt.
Taschen­buch
ISBN 978−3−426−52444−2

Rezen­si­on erst­mals erschie­nen auf: Liz­zy­Net

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Robert Galbraith: Der Ruf des Kuckucks [Rezension]

Von einem taumelnden Detektiv. 

250 Sei­ten hat es gedau­ert, bis ich mit ›Der Ruf des Kuckucks‹ warm gewor­den bin. Zuge­ge­ben, wenn das Buch von einer ande­ren Autorin oder einem ande­ren Autor geschrie­ben wor­den wäre, hät­te ich ihm ver­mut­lich nicht so viel Zeit gege­ben. Ich habe es immer wie­der zurück auf mei­nen Lese­sta­pel gelegt, um es dann irgend­wann wie­der hervorzuholen. 

Aber ich den­ke, dass mein Pro­blem mit dem Anfang des Buches vor allem durch eines kam: Ich hat­te es nicht aus­ge­sucht, weil ich den Klap­pen­text viel­ver­spre­chend fand, son­dern nur, weil ich die Autorin so sehr mag. Nor­ma­ler­wei­se hät­te mich das Set­ting des Romans nicht sehr inter­es­siert, da es mir nicht atmo­sphä­risch genug erschie­nen wäre.

Somit sagen mei­ne Pro­ble­me mit dem Anfang des Roma­nes wohl nicht unbe­dingt etwas über die Qua­li­tät des­sel­ben aus, son­dern vor allem dar­über, dass ich ihn mir nicht aus den rich­ti­gen Grün­den gekauft hat­te. Aber den­noch: Nach­dem ich mit dem Set­ting warm­ge­wor­den war und end­lich einen Durch­blick über all die unter­schied­li­chen Figu­ren bekom­men hat­te, war das Buch sehr schnell ver­schlun­gen. Für die ers­ten 250 Sei­ten brauch­te ich fast zwei Jah­re, für die rest­li­chen knapp 400 Sei­ten kei­ne 24 Stunden.

»… durch sei­ne Grö­ße und beträcht­li­che Kör­per­be­haa­rung, gepaart mit einem deut­li­chen Bauch­an­satz, erin­ner­te sei­ne Erschei­nung an einen Grizz­ly. Er hat­te ein ange­schwol­le­nes blau­es Auge; unter der Augen­braue befand sich ein Schnitt.«

Das ange­sag­te Top­mo­del Lula Landry stirbt bei einem Sturz von ihrem Bal­kon. Was zuerst nach Selbst­mord aus­sieht, wird bald von eini­gen ihrer Ange­hö­ri­gen infra­ge gestellt. Die Gerüch­te häu­fen sich. Hat­te Lula vor ihrem Tod Streit mit ihrem eben­falls berühm­ten Freund? Haben ihre leib­li­chen Eltern etwas mit ihrem Tod zu tun, oder war gar ihre Adop­tiv­fa­mi­lie dar­in ver­wi­ckelt? Mit ihrem Tod hin­ter­lässt das Model meh­re­re Mil­lio­nen und eine Men­ge unge­klär­ter Fragen.

Auch das Leben, wie es sich der Detek­tiv Cormo­ran Strike vor­ge­stellt hat­te, ist vor­bei: Die Tren­nung von sei­ner Ver­lob­ten, die Ampu­ta­ti­on sei­nes Bei­nes nach sei­ner Zeit beim Mili­tär, die finan­zi­el­len Schwie­rig­kei­ten, die ihn auf einer Cam­pin­glie­ge in sei­nem Büro schla­fen lassen. 

Als ihn John Bris­tow, der Adop­tiv­bru­der des ver­stor­be­nen Models Lula Landry, auf­sucht, strahlt Cormo­ran Strikes hells­ter Stern nicht. Doch der Vor­schuss für die Über­nah­me der Ermitt­lun­gen ist groß und ein Kind­heits­freund, eben­falls ein Adop­tiv­bru­der von John Bris­tow, ver­bin­det die Män­ner mit­ein­an­der. Zu sei­nem neu­en Fall bekommt Cormo­ran auch eine neue Sekre­tä­rin ins Haus, die sich schon bald als über­aus flei­ßig und begabt entpuppt.

»Obwohl Robin Ella­cotts fünf­und­zwan­zig­jäh­ri­ges Leben nicht frei von auf­re­gen­den und dra­ma­ti­schen Ereig­nis­sen gewe­sen war, so hat­te sie doch nie zuvor das Bett in der fes­ten Gewiss­heit ver­las­sen, dass sie den anbre­chen­den Tag für den Rest ihres Lebens im Gedächt­nis behal­ten würde.«

Und so begibt sich Cormo­ran Strike in ›Der Ruf des Kuckucks‹ für sei­ne Ermitt­lun­gen in die Welt des Blitz­licht­ge­wit­ters und die vie­len, mit­ein­an­der ver­wo­be­nen Schich­ten des Romans fal­ten sich vor dem Leser oder der Lese­rin auf.

Der Ruf des Kuckucks‹ war das ers­te Buch, das ich von J. K. Row­ling gele­sen habe – die hier unter dem Pseud­onym Robert Gal­braith schreibt –, das nicht zum ›Har­ry Pot­ter‹-Uni­ver­sum zählt. Und ich habe lan­ge gebraucht, um zu ver­dau­en, dass in ›Der Ruf des Kuckucks‹ nie­mand mit Zau­ber­stä­ben auf­ein­an­der los­geht. Natür­lich weiß ich, dass Schrift­stel­ler unter­schied­li­che Wel­ten erschaf­fen kön­nen: Doch J. K. Row­ling war durch mei­ne Kind­heit hin­durch so stark mit ›Har­ry Pot­ter‹ ver­knüpft, dass ich es für die­sen Roman wie­der neu ler­nen musste.

»Strike hat­te ein­mal ver­sucht, die Schu­len zu zäh­len, die er in sei­ner Jugend besucht hat­te, und war auf sieb­zehn gekom­men, wobei er jedoch den Ver­dacht heg­te, ein paar ver­ges­sen zu haben. Nicht mit ein­ge­rech­net hat­te er die kur­ze Zeit, in der er angeb­lich Pri­vat­un­ter­richt erhal­ten hat­te: als er mit sei­ner Mut­ter und sei­ner Halb­schwes­ter in einem besetz­ten Haus in der Atlan­tic Road in Brixton wohnte.«

Eines der gro­ßen Talen­te von Robert Gal­braith und J. K. Row­ling (›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen‹ & ›Grin­del­walds Ver­bre­chen‹) ist ihr Gespür für Men­schen, die Wir­ren ihrer Bezie­hun­gen und die Glaub­wür­dig­keit ihrer Emo­tio­nen. ›Der Ruf des Kuckucks‹ ent­wi­ckelt sich nach und nach zu einem Kri­mi­nal­ro­man, in dem die Taten und Wün­sche der ver­schie­de­nen Figu­ren so fein mit­ein­an­der ver­wo­ben sind, dass der Roman ein stim­mi­ges Gesamt­bild ergibt.

Fazit zu ›Der Ruf des Kuckucks

Nun, viel­leicht habe ich ›Der Ruf des Kuckucks‹ aus den fal­schen Grün­den ange­fan­gen zu lesen, aber sicher­lich habe ich ihn aus den rich­ti­gen Grün­den zu Ende gele­sen: Die Ver­stri­ckun­gen und die orga­ni­sche Ent­wick­lung der unter­schied­li­chen Figu­ren in ihren Bezie­hun­gen zuein­an­der hat mir kei­ne ande­re Wahl gelas­sen. So hat sich für mich auch das Ende über­aus stim­mig ange­fühlt und mir gro­ße Lust gemacht, die­se Rei­he trotz mei­ner Start­schwie­rig­kei­ten weiterzulesen.

Buchinfo

Robert Gal­braith:
Der Ruf des Kuckucks

Ein Fall für Cormo­ran Strike
Die Cormo­ran-Strike-Rei­he, Band 1
Aus dem Eng­li­schen von Wulf Berg­ner,
Chris­toph Göh­ler, Kris­tof Kurz
Roman, Kri­mi
Blan­va­let, Mün­chen 2014
656 S., EUR (D) 10,99 inkl. MwSt.
Taschen­buch, Klap­pen­bro­schur
ISBN 978−3−442−38321−4

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Jan-Philipp Sendker: Das Gedächtnis des Herzens [Rezension]

Der Versuch, zu lieben. 

Ein zwölf­jäh­ri­ger Jun­ge wächst in ›Das Gedächt­nis des Her­zens‹ allein bei sei­nem Onkel auf. Ein­mal im Jahr kommt sein Vater ihn für weni­ge Wochen besu­chen. Mehr Zeit kann Ko Bo Bo nicht mit sei­ner Fami­lie verbringen. 

War­um das so ist, weiß der Jun­ge nicht. Er weiß nur, dass er sei­nen Vater ger­ne häu­fi­ger sehen wür­de und, dass er eine gro­ße Nar­be im Gesicht hat. War­um sei­ne Mut­ter ihn nie besucht und was mit ihr sein könn­te, liest Bo Bo nur zwi­schen den Zeilen.

Obwohl sein Onkel U Ba ihn sehr liebt, sehnt sich der Jun­ge nach sei­ner Fami­lie, an die er nur vage Erin­ne­run­gen hat. Jedes Wort und jede Erzäh­lung über sie lässt ihn sofort aufhorchen.

»Es gibt ver­schie­de­ne Grün­de zu schwei­gen, habe ich von U Ba gelernt.
Einer kann Angst sein.«

Und wäh­rend sowohl der Lesen­de als auch Bo Bo in ›Das Gedächt­nis des Her­zens‹ wis­sen, dass die Geschich­te um sei­ne Fami­lie und sei­ne Nar­be kei­ne ein­fa­che wer­den kann, fühlt es sich erleich­ternd an, als sein Onkel end­lich die Geschich­te von Bo Bos Mut­ter und Vater erzählt.

Das Gedächt­nis des Her­zens‹ wird von einer Stim­mung getra­gen, die zugleich fremd, exo­tisch und doch eben­so ver­traut und bewe­gend ist.

Obwohl die­ses Buch der drit­te Teil einer Serie ist, lässt es sich pro­blem­los eigen­stän­dig lesen. Ich habe die­sen Roman geschenkt bekom­men und hat­te Band 1 und 2 der Bur­ma-Serie zuvor nicht gele­sen. Trotz­dem hat­te ich kei­ne Schwie­rig­kei­ten, den Roman ver­ste­hen und genie­ßen zu kön­nen. Natür­lich wer­den Lesen­de, die Band 1 und 2 gele­sen haben, in man­chen Sze­nen sicher­lich mehr sehen kön­nen als ande­re Leser, aber ein Muss ist es kei­nes­falls. Da mir der drit­te Band aber so gut gefal­len hat, wer­de ich die ers­ten bei­den bestimmt nachholen.

Jan-Phil­ipp Send­ker gelingt es, uns in sei­nem Roman ›Das Gedächt­nis des Her­zens‹ bereits nach weni­gen Sei­ten zu Ver­trau­ten des jun­gen Bo Bos und sei­ner Welt zu machen. Er ist eine jener Figu­ren, die man mögen muss, weil sie das Herz am rech­ten Fleck haben und mit sich und der eige­nen Geschich­te zu kämp­fen hat.

»Wer wirk­lich liebt, hat kei­ne Angst, wer Angst hat, kann nicht lie­ben.
Nur klam­mern.«

Er ist auf der Suche nach einem Ort, an den er hin­ge­hö­ren darf und an dem er ange­nom­men wird. Ein Ort, den sein Onkel ihm zwar zu geben ver­sucht, der aber den Wunsch nach Vater und Mut­ter nie ganz erset­zen kann. Es ist auch die­se Suche, die Ko Bo Bos Mut­ter in der Erzäh­lung des Onkels anzu­trei­ben scheint und Kin­der mit Behin­de­run­gen in das Klos­ter führ­te, in dem Bo Bos Vater einst leb­te. Ein Ort und ein Mensch, bei dem sie sich ange­nom­men, geschätzt und sicher füh­len durf­ten, bis die Ereig­nis­se in Bur­ma über ihnen hereinbrachen.

Fazit zu ›Das Gedächtnis des Herzens

Mit Gefühl und doch ohne Kitsch erzählt Send­ker die Geschich­te eines Jun­gen, der sich sei­ne Fami­lie wünscht, und zugleich die Geschich­te einer Fami­lie, die im Schat­ten der eige­nen Ver­gan­gen­heit erst zu gedei­hen ler­nen muss.

Buchinfo

Jan-Phil­ipp Send­ker:
Das Gedächt­nis des Her­zens

Die Bur­ma-Serie, 3
Bles­sing, Mün­chen 2019
336 S., EUR (D) 22,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver mit SU, Roman
ISBN 978−3−89667−502−6

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Diana Wynne Jones: Das wandelnde Schloss [Rezension]

Von einem Mädchen, das an sein Unglück glaubte. 

Als Dia­na Wyn­ne Jones (1934–2011) im Jah­re 1986 den ers­ten Band der ›Howl-Saga‹ ›Das wan­deln­de Schloss‹ ver­öf­fent­lich­te, war sie im Lite­ra­tur­be­trieb längst kei­ne Unbe­kann­te mehr. Neben eigen­stän­di­gen Wer­ken der Kinder‑, Jugend- und Erwach­se­nen­li­te­ra­tur hat­te sie bereits die ers­ten Bän­de ihrer ›Chres­to­man­ci‹- und ihrer ›Dale­mark‹-Serie ver­öf­fent­licht.

Das wan­deln­de Schloss‹ erzählt die Geschich­te der jun­gen Sophie Hat­ter, die in einem Hut­la­den arbei­tet und beson­de­re Hüte schnei­dert, bis sie eines Tages von einem bösen Fluch in eine alte Frau ver­wan­delt wird. Sophie, die über­zeugt davon ist, das nur das Unglück auf sie war­te, weil sie die ältes­te von drei Schwes­tern ist, kann sich nie­man­dem in ihrem Hei­mat­ort anvertrauen. 

Sie geht fort und ent­schließt sich, als ihr die Stra­pa­zen ihres neu­en Alters bewusst wer­den, zum Schloss des Zau­be­rers Howl zu gehen, von dem behaup­tet wird, dass er jun­ge Mäd­chen ent­füh­re und auffresse. 

Doch statt auf einen men­schen­fres­sen­den Zau­be­rer zu tref­fen, wird sie Teil der selt­sams­ten und lie­bens­wür­digs­ten Wohn­ge­mein­schaft, die man sich vor­stel­len kann. 

»Was mich her­ge­führt hat, jun­ger Mann?«, frag­te sie. Das lag doch auf der Hand, jetzt, wo sie das Schloss gese­hen hat­te. »Ich bin her­ge­kom­men, weil ich dei­ne neue Putz­frau bin, ist doch klar.«

Mit einer wohl plat­zier­ten und dosier­ten Por­ti­on Humor räumt Sophie Hat­ter in vie­ler­lei Hin­sicht in die­ser neu­en Welt der Zau­be­rei auf. Umge­ben von dem sich stets bekla­gen­den Ofen­feu­er, dem ver­lieb­ten Lehr­ling des Zau­be­rers, ver­folgt von einer flot­ten Vogel­scheu­che und stets bereit, eine neue Sei­te an Howl ken­nen­zu­ler­nen, fin­det sie weit mehr als das Unglück, das sie in ihrem Leben erwar­tet hatte. 

Klas­si­sche Ele­men­te der Fan­tas­tik wie die Sie­ben­mei­len­stie­fel, ver­zau­ber­te Gegen­stän­de und Tie­re, wer­den gemischt mit ori­gi­nel­len Figu­ren und einer zau­ber­haf­ten Schreib­wei­se und machen so ›Das wan­deln­de Schloss‹ zu einem gro­ßen Ver­gnü­gen – und dies nicht nur für jene, die bereits den gleich­na­mi­gen Film von ›Stu­dio Ghi­b­li‹ mochten. 

»Die­ser Mann und die­ses rie­si­ge, wich­ti­ge Ding, sein König­tum eben, kamen ihr in ihrem ver­wirr­ten Zustand vor wie zwei unter­schied­li­che Wesen, die nur durch Zufall den­sel­ben Ses­sel besetz­ten. Und ihr ging auf, dass sie jedes Wort der von Howl sorg­sam aus­ge­tüf­tel­ten Rede ver­ges­sen hatte.«

Der ers­te Band der ›Howl-Saga‹ lebt von dem Unaus­ge­spro­che­nem. Die Per­so­nen haben Geheim­nis­se vor­ein­an­der, nicht alles ist leicht aus­zu­spre­chen, ob durch Angst oder einen Fluch. Und obwohl die Kapi­tel­über­schrif­ten bereits einen Vor­aus­blick zulas­sen, um zu wis­sen, was das Kapi­tel brin­gen wird, trägt das Unaus­ge­spro­che­ne als Grund­span­nung über den Roman hinweg. 

Fazit zu ›Das wandelnde Schloss

Das wan­deln­de Schloss‹ ist eine Lie­bes­er­klä­rung an die Fan­tas­tik, an lie­be­voll ent­wor­fe­ne Figu­ren mit Kan­ten und an klei­ne Hel­den und Hel­din­nen, die zusam­men Gro­ßes bewir­ken kön­nen. Ich freue mich auf ein Wie­der­se­hen mit Howl und Sophie in ›Der Palast im Him­mel‹.

Buchinfo

Dia­na Wyn­ne Jones:
Das wan­deln­de Schloss

Die Howl-Saga, Band 1
Über­setzt von Dr. Gabrie­le Haefs
Droemer Knaur, Mün­chen 2019
304 S., EUR (D) 12,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−52538−8

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Neuerscheinungen 2020

2019 ist zu Ende gegan­gen und 2020 hat begon­nen. Die Ver­lags­vor­schau­en für (Frühjahr/Sommer) 2020 lie­gen bei vie­len Ver­la­gen vor und ver­spre­chen ein span­nen­des neu­es Lese­jahr in vie­len Gen­res. Bücher, die mir bereits jetzt ins Auge gesprun­gen sind und auf deren Erschei­nen ich mich schon sehr freue, stel­le ich Euch ger­ne vor. Ver­mut­lich wer­den über das Jahr noch eini­ge Bücher dazu­kom­men, aber die­se Neu­erschei­nun­gen 2020 haben bereits mei­ne Vor­freu­de ent­facht und ich hof­fe, sie rezen­sie­ren zu können. 

Navi­ga­ti­on
1. Gegen­warts­li­te­ra­tur
2. Klas­si­ker
3. Phan­tas­tik
4. Sach­bü­cher
5. Über­blicks­lis­te

Gegenwartsliteratur

Bei Suhr­kamp wird Ben­ja­min Maacks neu­es Buch Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein erschei­nen, das sich mit dem Leben mit Depres­sio­nen beschäf­tigt und auf das ich mich sehr freue. Ich habe bereits sei­nen Erzähl­band Mons­ter gele­sen, der mir unheim­lich nah gegan­gen ist und bin sehr gespannt, womit der Autor uns die­ses Jahr über­ra­schen wird. Maack ver­bin­de ich mit unge­wöhn­li­cher, authen­ti­scher und auf­rich­ti­ger Lite­ra­tur, die ich nur schwer aus der Hand legen kann.

Ben­ja­min Maack: Wenn das noch geht, kann es nicht so schlimm sein,
333 S., ISBN: 978−3−518−47073−2, Suhr­kamp, erschie­nen am 09.03.2020


Maxim Bil­ler gehört zu mei­nen abso­lu­ten Lieb­lin­gen der deutsch­spra­chi­gen Gegen­warts­li­te­ra­tur und so lan­den sei­ne Bücher auto­ma­tisch auf mei­ner Lese­lis­te. 2020 wird bei KiWi Sie­ben Ver­su­che zu lie­ben erschei­nen, das ich sicher­lich lesen wer­de. Dar­in ent­hal­ten sind gesam­mel­te Fami­li­en­ge­schich­ten von Maxim Bil­ler und weil mir sei­ne Bücher immer einen neu­en Blick auf die Din­ge geschenkt haben, bin ich schon sehr gespannt, wie die­ser neue Blick bei Fami­li­en­ge­schich­ten aus­se­hen wird.

Maxim Bil­ler: Sie­ben Ver­su­che zu lie­ben. Fami­li­en­ge­schich­ten,
368 S., ISBN: 978−3−462−05437−8, Kiepenheuer&Witsch, erschie­nen am 13.02.2020


Seit ich vor vie­len Jah­ren das Buch 19 Minu­ten von Jodi Picoult gele­sen habe, über das ich bereits vie­le span­nen­de Gesprä­che geführt habe, habe ich immer wie­der zu Roma­nen der Schrift­stel­le­rin gegrif­fen und wur­de bis­lang nicht ent­täuscht. Ich mag die kom­ple­xen, emo­tio­na­len und viel­schich­ti­gen The­men, die sie in ihren Roma­nen behan­delt. Auch in Der Fun­ke des Lebens hat sie sich einem sol­chen – eine Gei­sel­na­me in einer Frau­en­kli­nik – angenommen.

Jodi Picoult: Der Fun­ke des Lebens, Roman,
448 S., ISBN: 978−3−570−10400−2, Ber­tels­mann, erschie­nen am 27.04.2020

Klassiker

Bei Suhr­kamp wird eine Gra­phic Novel von Nico­las Mah­ler zu Ulys­ses von James Joy­ce erschei­nen. Ich bin ein gro­ßer Fan von Klas­si­kern im neu­en Gewand und von krea­ti­ven Mög­lich­kei­ten, Lesern Klas­si­ker näher­zu­brin­gen. Dar­um bin ich auch sehr gespannt, wie Ulys­ses in die­ser Gra­phic Novel umge­setzt wurde.

Nico­las Mah­ler: Ulys­ses von James Joy­ce, Gra­phic Novel,
ca. 288 S., ISBN: 978−3−518−47006−0, Suhr­kamp, erscheint vor­aus­sicht­lich am 17.08.2020


Von allen Klas­si­kern sind mir vor allem auch die Roma­ne der Schwes­tern Bron­të ans Herz gewach­sen, egal ob in Buch­form oder als Ver­fil­mung. Umso glückli­cker bin ich, dass bei Reclam 2020 ein wirk­lich sehr hüb­scher Schu­ber erschei­nen wird, in dem Jane Eyre, Sturm­hö­he und Agnes Grey ent­hal­ten sein wer­den. Ich bin ein gro­ßer Fan der Schu­ber, die bei Reclam erschei­nen, wie der bezau­bern­de Schu­ber zu Grimms Mär­chen. Am meis­ten freue ich mich, Agnes Grey zu lesen, da ich mit die­sem Roman bis­lang am wenigs­ten zu tun hat­te. Es wird spannend.

Anne/Charlotte/Emily Bron­të: Jane Eyre/Sturm­hö­he/Agnes Grey,
insg. 1434 S., ISBN: 978−3−15−030066−4, Reclam, erschie­nen Febru­ar 2020 


Auch Rowohlt hat ab 2020 zwei Klas­si­ker im Pro­gramm, auf die ich mein Auge gewor­fen habe. Dabei han­delt es sich um Die Sturm­flu­ten des Früh­lings und Die fünf­te Kolon­ne von Heming­way. Da ich bis­lang noch sehr Heming­way-unbe­le­sen bin, freue ich mich schon sehr auf die­se bei­den Bücher, um mei­ne Kennt­nis­se auszuweiten.

Ernest Heming­way: Die Sturm­flu­ten des Früh­lings und Die fünf­te Kolon­ne,
ca. 96 & 128 S., ISBN: 978−3−499−00368−4 & 978−3−499−00369−1, Rowohlt, erschei­nen vor­aus­sicht­lich am 15.09.2020

Phantastik

Nach­dem Band 1 und Band 2 (vor allem Band 2) von Stran­ge the Drea­mer 2019 bereits eine wun­der­ba­re Über­ra­schung waren, die ich wirk­lich sehr ger­ne gele­sen habe, bin ich umso glück­li­cher, dass 2020 bereits Band 3 und Band 4 – jedoch Muse of Night­ma­res Band 1 und Band 2 genannt – erschei­nen wer­den. Eine gelun­ge­ne Mischung aus Phan­tas­tik, Span­nung und ori­gi­nel­len Ideen.

Lai­ni Tay­lor: Muse of Night­ma­res, Band 1 und 2,
ISBN: 978−3−8466−0100−6 & 978−3−8466−0101−3, Bas­tei Lüb­be, One, erschie­nen am 29.06. & erscheint vor­aus­sicht­lich am 28.08.2020


Leigh Bar­d­u­gos Gri­sha-Tri­lo­gieGol­de­ne Flam­men, Eisi­ge Wel­len, Lodern­de Schwin­gen – wird bei Knaur in neu­er Aus­stat­tung erschei­nen und ich freue mich rie­sig, die­se Roma­ne ken­nen­zu­ler­nen, nach­dem ich die Lese­pro­ben dazu bereits sehr moch­te. Die Autorin ist von die­sen abge­se­hen jedoch ein voll­kom­men unbe­schrie­be­nes Blatt für mich und ich bin sehr gespannt, nach­dem ich so viel Gutes über ihre Roma­ne gehört habe.

Leigh Bar­d­u­go: Gol­de­ne Flam­men/Eisi­ge Wel­len/Lodern­de Schwingen,
352÷448÷432 S., ISBN: 978−3−426−52444−2÷978−3−426−52445−9÷978−3−426−52446−6, Droemer Knaur,
erschie­nen am 02.03./01.04./04.05.2020


Mit der Howl-Saga habe ich begon­nen, da ich den Film Das wan­deln­de Schloss von Stu­dio Ghi­b­li sehr moch­te. Band 1 habe ich wirk­lich sehr ger­ne gele­sen und jetzt bin ich gespannt wie es in Band 2 Der Palast im Him­mel wei­ter­ge­hen wird. Das Cover ist jeden­falls wunderschön.

Dia­na Wyn­ne Jones: Der Palast im Him­mel, Howl-Saga Band 2,
272 S., ISBN 978−3−426−52539−5 , Knaur, erscheint vor­aus­sicht­lich am 03.08.2020


Die Tri­bu­te von Panem gehö­ren zu den Fan­ta­sy-Rei­hen, die mich nach dem Lesen bzw. Hören noch lan­ge beschäf­tigt haben. Umso mehr freue ich mich, dass ein Pre­quel die­ser tol­len Serie in die­sem Jahr her­aus­kommt und ich fin­de die Wahl des Prot­ago­nis­ten wirk­lich unglaub­lich span­nend!
Das Lied von Vogel und Schlan­ge wer­de ich mir auf kei­nen Fall ent­ge­hen lassen.

Suzan­ne Col­lins: Die Tri­bu­te von Panem. Das Lied von Vogel und Schlan­ge,
608 S., ISBN 978−3−7891−2002−2 , Oetin­ger, erschie­nen am 19.05.2020

Sachbücher

Ich glau­be, Marie Kon­dos Kon­Ma­ri-Metho­de muss man pro­biert haben, um zu ver­ste­hen, was es damit auf sich hat und, ob es was für einen ist. Seit ich ihr Buch Magic Clea­ning gele­sen (und das vor­ge­schla­ge­ne Prin­zip beher­zigt) habe, bin ich (nicht immer ohne Kampf mit mir selbst) eine Men­ge Din­ge los­ge­wor­den und füh­le mich wirk­lich woh­ler in mei­ner häus­li­chen Umge­bung. Da man bekannt­lich in der Regel eini­ge Stun­den sei­nes Lebens bei der Arbeit ver­bringt, bin ich sehr gespannt, ob Joy at Work von Marie Kon­do und Scott Sonen­s­hein einen ähn­lich posi­ti­ven Effekt auf mein Arbeits­le­ben haben wird. Pro­bie­ren wer­de ich es auf jeden Fall.

Marie Kon­do und Scott Sonen­s­hein: Joy at Work,
224 S., ISBN 978−3−8052−0056−1, Wun­der­lich Ver­lag, erschie­nen am 28.04.2020


Als stu­dier­te Psy­cho­lo­gin und Lite­ra­tur­wis­sen­schaft­le­rin bin ich immer sehr gespannt auf Bücher, die ver­su­chen, Psy­cho­lo­gie und Lite­ra­tur oder das Schrei­ben mit­ein­an­der zu ver­bin­den und für den Leser nutz­bar zu machen. Des­we­gen hal­te ich immer wie­der Aus­schau nach Büchern, die einen sol­chen Ansatz ver­fol­gen. Die­ses Jahr wird von der aus­ge­bil­de­ten Poe­sie­t­he­ra­peu­tin Sil­ke Hei­mes, die Medi­zin und Ger­ma­nis­tik stu­diert hat, das Buch Ich schrei­be mich gesund erschei­nen. Ich bin schon sehr gespannt auf ihren Ansatz und wer­de sicher­lich berichten.

Sil­ke Hei­mes: Ich schrei­be mich gesund,
240 S., ISBN 978−3−423−28222−2, dtv, erschie­nen am 21.02.2020


Wie ihr seht, wird 2020 sicher­lich ein viel­sei­ti­ges Lese­jahr. Ich bin sicher, es wer­den noch eini­ge Neu­erschei­nun­gen 2020 dazu­kom­men, die von Inter­es­se sind und die ich hier bespre­chen wer­de. Bleibt natür­lich abzu­war­ten, was in die­sem Jahr alles auf mei­nem Lese­sta­pel lan­den wird, das kei­ne Neu­erschei­nung mehr ist, aber sicher­lich eben­so span­nend zu lesen.

Ich wün­sche ein span­nen­des Lese­jahr 2020 und wenn ihr mir Bücher emp­feh­len wollt, auf die ich defi­ni­tiv einen Blick wer­fen soll­te, dann lasst doch ein­fach einen Kom­men­tar da, ich wür­de mich freuen. 🙂

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Laini Taylor: Strange the Dreamer 1 [Rezension]

Lazlo Stran­ge fehlt es in ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ an vie­lem. Einer Fami­lie, einer Her­kunft, Wohl­stand und Schön­heit. Sei­nen Nach­na­men teilt er mit ande­ren Fin­del­kin­dern, sei­nen Vor­na­men mit einem stum­men Mann, den er nie ken­nen­ge­lernt hat. Doch bei all den Din­gen, bei denen Lazlo leer aus­ge­gan­gen ist, ist er mit einem geseg­net: sei­ner Fantasie. 

Lazlo hängt an den alten Geschich­ten, die er in der Biblio­thek, in der er arbei­tet, auf­stö­bert und nie­der­schreibt. Er hängt sogar so sehr an ihnen, dass er nicht zögert, sich Eril-Fane anzu­schlie­ßen, als die­ser in sei­nem Ort nach Gelehr­ten sucht.

Eril-Fane stammt aus der Stadt Weep, die nicht nur ihren rich­ti­gen Namen ver­lo­ren hat, son­dern die sich wei­te­ren Mys­te­ri­en aus­ge­setzt sieht. Die glei­chen Mys­te­ri­en, die Sarai und die ande­ren Kin­der, die zur Hälf­te von Göt­tern und zur Hälf­te von Men­schen abstam­men, umgeben.

»Namen kön­nen ver­lo­ren gehen oder in Ver­ges­sen­heit gera­ten. Das wuss­te nie­mand bes­ser als Lazlo Strange.«

Sowohl die Kin­der der alten Göt­ter, von deren Exis­tenz die Men­schen von Weep nichts ahnen, als auch die Men­schen von Weep selbst, die unter den alten Göt­tern lit­ten, ver­su­chen zu über­le­ben und zurück zu ihrem alten, siche­ren Leben zu kom­men. Und Lazlo ist mittendrin.

Lazlo und Sarai sind in ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ jun­ge Erwach­se­ne, die noch zu jung sind, um sich an die alten Göt­ter zu erin­nern. Was sie wis­sen, stammt aus der Erin­ne­rung ande­rer und dem, was sie erzählen.

Doch sie unter­schei­den sich von ande­ren jun­gen Erwach­se­nen, wie auch vie­le Bewoh­ner von Weep sich von ande­ren Men­schen unter­schei­den: Sie sind die Ver­sehr­ten und Trau­ma­ti­sier­ten. Ent­we­der lit­ten sie durch die alten Göt­ter, die Men­schen nah­men, wie es ihnen pass­te, und auch nur dann zurück­ga­ben, wenn sie es woll­ten. Oder sie lit­ten unter dem Mas­sa­ker, bei dem die alten Göt­ter und so vie­le ande­re ums Leben kamen.

Es ist ihre Geschich­te, die ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ erzählt. Die Geschich­te jener, die über­leb­ten, und sich mit dem was war und sei­nen Fol­gen für Gegen­wart und Zukunft aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Dabei hat ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ bei­des: star­ke Män­ner und star­ke Frau­en, die sich in der fan­tas­ti­schen Welt von Lai­ni Tay­lor mit Schre­cken und Ängs­ten kon­fron­tiert sehen, die auch Men­schen jen­seits jeg­li­cher Fan­tas­tik ken­nen. Die Angst, jene zu ver­lie­ren und nicht beschüt­zen zu kön­nen, die man liebt. Die Furcht, dass man selbst oder ande­re ihrer kör­per­li­chen und see­li­schen Unver­sehrt­heit beraubt werden.

»Der Name des Mons­ters war Isa­gol gewe­sen, Göt­tin der Ver­zweif­lung. Ihre Mut­ter. Seit fünf­zehn Jah­ren tot.«

Fazit zu ›Strange the Dreamer 1

Dabei schafft es Lai­ni Tay­lor in ›Stran­ge the Drea­mer 1‹, dass Lazlo und der Leser nach und nach von den Schre­cken und den damit ver­bun­de­nen Wün­schen erfah­ren, und in die­se hin­ein­wach­sen müs­sen. Sti­lis­tisch könn­te man sich an man­chen Stel­len mehr ›Show, don’t tell‹ wün­schen, um der fan­tas­ti­schen Welt des Träu­mers Lazlo näher­zu­kom­men. Doch dies kann die Geschich­te um Lazlo und Sarai kaum weni­ger mys­tisch und span­nend wer­den las­sen. Denn eines ist sicher, sobald man sich auf die Geheim­nis­se der Roman­welt ein­ge­las­sen hat: Man wird sie nicht mehr so schnell los­be­kom­men: In Band 2 geht es weiter.

Buchinfo

Lai­ni Tay­lor:
Stran­ge the Drea­mer
Der Jun­ge, der träum­te, Buch 1
Über­setzt von Ulri­ke Rai­mer-Nol­te
One, Köln 2019
343 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver
Erzäh­len­des für jun­ge Erwach­se­ne
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−8466−0085−6

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