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Leigh Bardugo: Rule of Wolves [Rezension]

Leigh Bardugo: Rule of Wolves [Rezension]

Düsterer Charme und mächtige Frauen. 

Vor bald zehn Jah­ren nun ist 2012 mit ›Gol­de­ne Flam­men‹ der ers­te Band der Gri­sha-Tri­lo­gie von Leigh Bar­d­u­go erschie­nen. Weni­ge Jah­re spä­ter ist dann die Glo­ry or Gra­ve‹-Dilo­gie erschie­nen, die im glei­chen Uni­ver­sum ange­sie­delt ist und 2019 erschien der ers­te Band der ›King of Scars‹-Dilo­gie. Nun ist mit ›Rule of Wol­ves‹ end­lich der zwei­te Band erschie­nen und die Geschich­te von Niko­lai, Nina und Zoya geht weiter.

Nina Zenik hat es geschafft, unter ande­rem Namen in das Haus ihres größ­ten Fein­des ein­ge­las­sen zu wer­den. Jarl Brums, der Anfüh­rer der gefürch­te­ten Gri­sha-Jäger. In Fje­r­da wer­den Gri­sha gejagt und dem Eis­tri­bu­nal über­ge­ben – ein Schick­sal, das mit dem Tod ende­te, wenn sie nicht als For­schungs­ob­jek­te benutzt wur­den. Ein gro­ßer Teil von Ninas See­le will Rache, Rache für das, was mit Mat­thi­as. Ein wei­te­rer Teil will, dass der Hass der Fje­r­da gegen die Gri­sha ein Ende hat. Ein Hass, der schon seit so vie­len Jah­ren in den Men­schen gesät wird und wächst. Doch wer wäre eine bes­se­re Hil­fe für ein sol­ches Vor­ha­ben, als Jarl Brums Toch­ter, die wie Nina eben­falls eine Gri­sha ist.

Doch Nina ist nicht die ein­zi­ge, die für das Über­le­ben der Gri­sha kämpft und sich vor dem Hass der Fje­r­dan hüten muss. Auch Niko­lai und Zoya kämp­fen gegen alte und mäch­ti­ge Gegner.

»Sag mir, dass es mehr ist als Krieg und Sor­ge, die dich die­se Wor­te spre­chen las­sen. Sag mir, was sie bedeu­ten wür­den, wenn du kein Zar wärst und ich kei­ne Soldatin.«

Wäh­rend der Angriff der Fje­r­da aus dem Nor­den droht, in West-Rav­ka von Unru­hen berich­tet wird, berei­ten auch die Shu Han Niko­lai Sor­gen. Nicht nur, weil sich die Vor­be­rei­tun­gen sei­ner Hoch­zeit als schwie­rig gestal­ten, son­dern auch, weil die Geg­ner immer näher kommen.

Niko­lai hat alle Hän­de voll zu tun: Rav­ka wird an allen Gren­zen bedroht, in sei­nem Innern wütet ein mäch­ti­ger Dämon und unter sei­nen Gefan­ge­nen ist ein Mann, der bedroh­li­cher ist, als alle ande­ren Gefah­ren zusam­men. Ein Gefan­ge­ner, der den Lesern der Gri­sha-Tri­lo­gie nur zu ver­traut sein dürf­te. Zum Glück ver­fügt Niko­lai nicht nur über jede Men­ge Charme und Manie­ren, sein Ver­stand und sein Erfin­dungs­reich­tum sind messerscharf.

»Die Kerch konn­ten das Meer haben. Die Zement Namen den Him­mel. Rav­ka hat­te sein Wort gehal­ten und genau das gelie­fert, was die Kerch woll­ten, aber nicht das, was sie brauchten.«

Doch Niko­lais Gefan­ge­ner ist nicht das ein­zi­ge bekann­te Gesich­te, dass in der ›King of Scars‹-Dilo­gie wie­der­kehrt. Denn wer wäre bes­ser geeig­net, um bei einem schwe­ren Dieb­stahl zu häl­fen als gewis­se Her­ren aus Ket­ter­dam, die den Glo­ry or Gra­ve-Lesern noch gut in Erin­ne­rung sein sollten. 

»Die Dro­ge hat­te alles ver­än­dert, hat­te die Gri­sha auf eine Wei­se angreif­bar gemacht, wie sie es zuvor nie waren, aber sie wei­ger­ten sich, die­se Mas­ken als ein Sym­bol von Schwä­che oder Unsi­cher­heit zu tra­gen. Sie hat­ten sie mit Fang­zäh­nen und gewun­de­nen Zun­gen, mit klaf­fen­den Mäu­lern bemalt. Sie sahen aus wie Gar­go­yles, die in Kampf­kef­tas über das Feld kamen.«

Doch das Wie­der­se­hen von ver­trau­ten Gesich­tern ist nicht nur eine Stär­ke von ›Rule of Wol­ves‹. Wäh­rend das Wie­der­se­hen mit den Krä­hen von Ket­ter­dam gelingt und zu den Cha­rak­te­ren passt, ist dies mei­ner Mei­nung nach nicht für alle Cha­rak­te­re der Fall, die bereits in der Gri­sha-Tri­lo­gie auf­ge­taucht sind. Zum einen ist dort ein wür­di­ges Ende für einen Cha­rak­ter gefun­den wor­den, der nun wie­der auf­ge­taucht ist und nicht rich­tig zur Gel­tung kommt. Zum ande­ren hat ein ande­rer Cha­rak­ter in der Gri­sha-Tri­lo­gie ein pas­sen­des Hap­py-End in Aus­sicht gestellt bekom­men, dass nun auf­ge­löst wurde. 

Obwohl Niko­lai Lant­sov in der Gri­sha-Tri­lo­gie einer mei­ner Lieb­lin­ge war, hat er mir als Neben­cha­rak­ter bes­ser gefal­len als jetzt, da er zu einem der Prot­ago­nis­ten beför­dert wur­de, ähn­lich geht es mir mir Zoya. Der Hand­lungs­strang von Nina Zenik hin­ge­gen, berührt und inter­es­siert mich sehr. Vor allem im ers­ten Band der ›King of Scars‹-Dilo­gie moch­te ich ihren Kampf, um mit Mat­thi­as Schick­sal umzu­ge­hen, ihre ver­düs­ter­te Art.

Fazit zu ›Rule of Wolves

Ich habe es kaum erwar­ten kön­nen, ›Rule of Wol­ves‹ end­lich in die Fin­ger zu bekom­men. Obwohl mich nicht alle Hand­lungs­strän­ge des Romans begeis­tern, kann ich ein­fach nicht genug aus dem Gris­ha­ver­se bekom­men. Nina Zenik ist mein abso­lu­ter Lieb­ling. Ich hof­fe sehr, dass es noch wei­te­re Spin-Offs und Sequels aus die­sem wun­der­ba­ren Uni­ver­sum geben wird.

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
Rule of Wol­ves

Thron aus Nacht und Sil­ber
Die King-of-Scars-Dilo­gie, Band 2
Über­setzt von: Michel­le Gyo
Knaur HC, Mün­chen 2021
576 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−22701−5

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4 von 5.


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Leigh Bardugo: King of Scars [Rezension]

Geheimnisse, älter als die Schattenflur. 

Kaum drei Jah­re sind ver­gan­gen, seit der Kampf auf der Schat­ten­flur Rav­ka ver­än­dert hat. Doch wäh­rend eine Bedro­hung abge­wehrt scheint, tre­ten die Pro­ble­me, die der Dunk­le been­den woll­te, in ›King of Scars‹ wie­der deut­lich hervor. 

Rav­ka befin­det sich schon viel zu lan­ge im Krieg. Von allen Sei­ten ist das Land von Fein­den umge­ben, doch auch im Innern wol­len die Unru­hen nicht enden. Vor allem für den König des Lan­des, in des­sen Innern noch immer etwas schlum­mert, das sich nicht kon­trol­lie­ren lässt.

Niko­lai Lant­sov hat vie­le Namen gehabt und eben­so vie­le Leben gelebt. In der Infan­te­rie und auf dem Meer gefürch­tet und geehrt, im eige­nen Land hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand als Bas­tard oder Wel­pe beschimpft. Doch wer glaubt, das hät­te Niko­lai zu einem mür­ri­schen und grau­sa­men Mann her­an­wach­sen las­sen, der irrt.

Wer die ›Gri­sha-Tri­lo­gie‹ (›Gol­de­ne Flam­men‹, ›Eisi­ge Wel­len‹ und ›Lodern­de Schwin­gen‹) bereits gele­sen hat, was drin­gend vor dem Lesen von ›King of Scars‹ emp­foh­len sein will, wird sich sicher­lich an den gut aus­se­hen­den, ein­falls­rei­chen und char­man­ten Prin­zen erin­nern, der nie um eine Ant­wort ver­le­gen ist.

Wäh­rend die Wun­den des letz­ten Kamp­fes kaum ver­heilt sind, ver­än­dert sich Rav­ka. Wun­der­sa­me Ereig­nis­se gesche­hen über­all im Land, die alle­samt in eine Rich­tung zu wei­sen schei­nen: zur Schat­ten­flur. Und mit ihnen wird das Mons­ter in Niko­lais Innern stär­ker: die Dun­kel­heit, die in der schein­bar unbe­küm­mer­tes­ten Figur lauert.

»Der Dämon war damit nicht ein­ver­stan­den. Der Dämon hat­te kein Inter­es­se am Lösen von Pro­ble­men oder an der Staats­kunst oder der Zukunft. Ihn trieb nur der Hun­ger, die Gier des Augen­blicks, Töten und Verschlingen.«

Doch nicht nur in Rav­ka herr­schen Unru­hen und Pro­ble­me. Auch in Fje­r­da sind die Geg­ner der Gri­sha nicht taten­los. Wäh­rend somit die Pro­ble­me noch da sind, die der Schaf­fer der Schat­ten­flur mit ihr lösen woll­te, haben Niko­lai und sei­ne Freun­de und Fein­de alle Hän­de voll zu tun: Ein Mons­ter will besiegt wer­den, eine Hoch­zeit geplant und ein altes Geheim­nis gelöst.

King of Scars‹ ver­eint neue Erzähl­per­spek­ti­ven mit der ver­trau­ten Magie der Gri­sha und lässt neben neu­en Schre­cken, vie­len alten Bekann­ten aus dem Gris­ha­ver­se begegnen.

»Einen Moment stand Nina allein mit dem Tod auf den Docks, zwei müde Rei­sen­de, lang­jäh­ri­ge Gefähr­ten. Aber jetzt sah sie die Art, wie die ande­ren sie beob­ach­te­ten – die Gri­sha-Flücht­lin­ge, Adrik und Leo­ni, sogar der Kapi­tän des Schiffs und sei­ne Mann­schaft, die sich über die Reling beugten.«

Fazit zu ›King of Scars

Bar­d­u­go gelingt es mit ›King of Scars‹ erneut, zu begeis­tern: Sie ver­webt eine fan­tas­ti­sche Geschich­te, mit span­nen­den Cha­rak­te­ren, alten Rät­seln und einer ordent­li­chen Por­ti­on Dun­kel­heit und Humor. Es bleibt span­nend, wohin die Autorin ihre Leser im zwei­ten Band ›Rule of Wol­ves noch füh­ren wird. 

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
King of Scars

Thron aus Gold und Asche
Band 1
Über­setzt von: Michel­le Gyo
Knaur HC, Mün­chen 2019
512 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−22700−8

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


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Leigh Bardugo: Lodernde Schwingen [Rezension]

Von einem Jungen ohne Namen. 

Es gibt Bücher, die gewin­nen mich schon nach der ers­ten Sei­te für sich. So ging es mir mit ›Gol­de­ne Flam­men‹ von Leigh Bar­d­u­go, das ich in kür­zes­ter Zeit ver­schlun­gen habe. Auch ›Eisi­ge Wel­len‹ habe ich wirk­lich ger­ne gele­sen, doch hat mich der 2. Band der Rei­he ›Legen­den der Gri­sha‹ nicht dar­auf vor­be­rei­tet, wie sehr ich den 3. Band ›Lodern­de Schwin­gen‹ mögen wür­de. Hat­te ich schon nach dem 1. Band kei­ne Zwei­fel mehr dar­an, dass Leigh Bar­d­u­go eine begna­de­te Schrift­stel­le­rin ist, wür­de ich mitt­ler­wei­le jedes Buch von ihr ohne zu zögern lesen. 

Bar­d­u­gos Bücher sind düs­ter, ihre Wel­ten vol­ler Gefah­ren, Geheim­nis­se und Abgrün­de. Und in die­sem düs­te­ren Set­ting kön­nen nicht nur char­man­te Neben­cha­rak­te­re strahlen. 

Nach dem 2. Band ›Eisi­ge Wel­len‹ liegt die Welt der Gri­sha, wie die Lesen­den sie kann­ten, in Trüm­mern. Sowohl der Dunk­le als auch Ali­na sind nur knapp ihrem Tod ent­ron­nen. Vie­le ande­re hat­ten die­ses Glück nicht. Doch wäh­rend der Dunk­le die Zeit danach genutzt hat, um den Thron des Zaren für sich zu bean­spru­chen, lebt Ali­na tief unter der Erde, weg­ge­sperrt vom Son­nen­licht. Doch Ali­na hat etwas in ›Lodern­de Schwin­gen‹, das der Dunk­le nicht hat: Freun­de, die ihr hel­fen wol­len, sich zu befreien.

»Das Unge­heu­er heißt Izum­rud, und man­che sag­ten, es habe die Gän­ge unter­halb von Rav­ka geschaf­fen. Von einem uner­sätt­li­chen Hun­ger getrie­ben, habe die­ser gewal­ti­ge Wurm Schlick und Gestein ver­schlun­gen, sich immer tie­fer gebohrt, bis er zu weit vor­ge­drun­gen sei und sich am Ende in der Fins­ter­nis ver­irrt habe.«

Dabei ist Ali­na Star­kov in ›Lodern­de Schwin­gen‹ im Besitz zwei­er Kräf­te­meh­rer. Obwohl die jun­ge Frau spürt, dass die­se sie ver­än­dern und ihr Wunsch, den drit­ten Kräf­te­meh­rer an sich zu brin­gen, nicht nur posi­ti­ven Ursprungs ist, kann sie die Suche nicht auf­ge­ben. Auch der Dunk­le lässt ihr kei­ne Ruhe, ihr bleibt kaum genug Zeit, ihre Ver­bün­de­ten um sich zu sammeln. 

Doch spä­tes­tens nach dem 1. Band ist klar, dass Freun­de und Ver­bün­de­te oft nur schwer von Fein­den und Ver­rä­tern zu tren­nen sind. Es gibt weni­ge in ›Lodern­de Schwin­gen‹, auf die sich Ali­na glaubt, ver­las­sen zu kön­nen, doch die­se weni­gen haben es in sich. Und hin­ter den Gescheh­nis­sen um Ali­na wird eine wei­te­re Geschich­te in ihren Ansät­zen frei­ge­legt: die Geschich­te einer Fami­lie, aus der ein Mann wie der Dunk­le her­vor­ge­hen konnte.

»Er hat­te um die­sen Thron gekämpft, hat­te Hun­der­te von Jah­ren gefoch­ten und gedient, um ihn end­lich für sich bean­spru­chen zu kön­nen. Ich muss­te zuge­ben, dass er wie geschaf­fen dafür war.«

Fazit zu ›Lodernde Schwingen

Wer also wis­sen will, wie es im Kampf um Rav­ka wei­ter­geht, wie der rich­ti­ge Name des Dunk­len lau­tet und wie ein Prinz, der sein Leben lang kei­ne Not kann­te, doch noch ler­nen muss, was Hun­ger ist, der soll­te den fina­len Band der Tri­lo­gie der ›Legen­den der Gri­sha‹ unbe­dingt lesen. Es wird spannend!

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
Lodern­de Schwin­gen

Roman
Legen­den der Gri­sha, Band 3
Über­setzt von: Hen­ning Ahrens
Knaur, Mün­chen 2020
432 S., EUR (D) 12,99 inkl. MwSt.
Taschen­buch
ISBN 978−3−426−52446−6

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Bewer­tung: 5 von 5.


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