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Katherine Arden: Das Mädchen und der Winterkönig [Rezension]

Eine Reisende im Land des Schnees. 

Was­ja sieht Wesen, die für ande­re in ›Das Mäd­chen und der Win­ter­kö­nig‹ nur noch in alten Geschich­ten exis­tie­ren. Mär­chen- und Sagen­ge­stal­ten, die ihr Leben zahl­rei­cher bevöl­kern als Men­schen. Nur weni­ge ver­ir­ren sich in ihren Hei­mat­ort in Rus und nicht alle mei­nen es gut. 

Die Ereig­nis­se des ers­ten Ban­des der Win­ter­nacht-Tri­lo­gie von Kathe­ri­ne Arden – ›Der Bär und die Nach­ti­gall‹ – haben Was­ja viel gekos­tet. Doch wem kann sie von einer Gefahr erzäh­len, die für die meis­ten nicht sicht­bar ist? Und wenn sie nicht auf die Hil­fe ihrer Liebs­ten hof­fen kann, kann sie dann dem Win­ter­kö­nig trauen?

Das Fina­le des ers­ten Ban­des der Tri­lo­gie hat Was­jas Leben für immer ver­än­dert. Die Welt, die sie kann­te, exis­tiert nicht mehr. Doch ist sie mutig genug, in den Win­ter hin­aus­zu­zie­hen, um eine neue Welt kennenzulernen?

»›Sie sah Din­ge, die nicht da waren‹, flüs­ter­te er. ›Sie ging in den Wald und kann­te kei­ne Angst. Über­all im Dorf spra­chen die Leu­te davon. Die freund­li­chen sag­ten, sie sei ver­rückt. Aber die ande­ren spra­chen von Hexerei.‹«

Was­jas Geschwis­ter, die im ers­ten Band zum Teil in die Welt hin­aus­ge­zo­gen sind, fin­den nun wie­der Platz in ihrer Geschich­te. Doch nicht nur freund­li­che Gesich­ter kreu­zen Was­jas Weg wie­der. Auch ein Mann, der ihr bereits im ers­ten Band Schwie­rig­kei­ten berei­te­te, ist in ›Das Mäd­chen und der Win­ter­kö­nig‹ wie­der mit von der Partie.

Zahl­rei­cher als die Mythen- und Sagen­ge­stal­ten in der Win­ter­nacht-Tri­lo­gie sind nur die Gefah­ren. Der unnach­gie­bi­ge, ewi­ge Schnee. Der Groll vie­ler Men­schen. Die Ent­füh­rung vie­ler jun­ger Mäd­chen. Und Was­jas will sich die­ser Welt stel­len, allein, und ohne je von zu Hau­se fort gewe­sen zu sein. 

»›Mei­ne Klei­ne ist kei­ne Schön­heit, aber sie zieht den Blick auf sich. Genau wie ihre Groß­mutter.‹ Die alte Frau bekreu­zig­te sich jedes Mal, wenn sie das sag­te, denn Was­jas Groß­mutter war nicht glück­lich gewe­sen, als sie starb.«

Mit Was­ja ist Kathe­ri­ne Arden eine Prot­ago­nis­tin gelun­gen, die über­zeu­gen kann. Was­ja ist stark, ent­schlos­sen und warm­her­zig. Regeln und Enge bekom­men ihr nicht. Auch in vie­len Wün­schen und Träu­men ihrer Zeit­ge­nos­sen kann sie sich nicht erkennen. 

»Der Haus­herr sah aus wie ein Mensch, doch sei­ne Augen ver­rie­ten ihn. Als er erst­mals in die­sen Wäl­dern gese­hen wor­den war, hat­ten die Mäd­chen noch in einer ande­ren Spra­che zu ihm gesprochen.«

Fazit zu ›Das Mädchen und der Winterkönig

Das Mäd­chen und der Win­ter­kö­nig‹ kann mit dem ers­ten Band der Tri­lo­gie zwar nicht mit­hal­ten, doch bleibt die Geschich­te um Was­ja und den geheim­nis­vol­len Win­ter­kö­nig span­nend. Und so, wie sie die Ereig­nis­se im zwei­ten Band ent­wi­ckelt haben, bleibt nur gespannt auf den drit­ten und letz­ten Band der Rei­he zu warten.

Buchinfo

Kathe­ri­ne Arden:
Das Mäd­chen und der Win­ter­kö­nig

Win­ter­nacht-Tri­lo­gie, Band 2
Über­setzt von Micha­el Pfingstl
Roman
Hey­ne, Mün­chen 2020
480 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Paper­back
ISBN 978−3−453−32083−3

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Julian Auringer (Hrsg.): Rot wie Blut. Grausige Märchen und Sagen [Rezension]

Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage? 

Dass Mär­chen nicht in ers­ter Linie für Kin­der gesam­melt und geschrie­ben wor­den sind, zeigt sich in ›Rot wie Blut‹ sehr deut­lich. Eben­so, wie weit die ursprüng­li­che­ren Ver­sio­nen der Mär­chen und das, was heu­te noch von ihnen erin­nert wird, auseinanderliegen. 

Ob es das Mär­chen um König Dros­sel­bart ist, Dorn­rös­chen, Rapun­zel oder Rot­käpp­chen: Die Mär­chen und Sagen, die Juli­an Aurin­ger in ›Rot wie Blut‹ gesam­melt hat, machen dem Unter­ti­tel des Buches alle Ehre. Nicht nur blu­ti­ger und gro­tes­ker, auch sexua­li­sier­ter erschei­nen diese. 

In ›Rot wie Blut‹ hat Aurin­ger Mär­chen und Sagen nam­haf­ter Autoren und Autorin­nen bezie­hungs­wei­se Samm­lern und Samm­le­rin­nen zusam­men­ge­stellt. Von Giam­bat­tis­ta Basi­le, über Marie-Cathé­ri­ne d’Aulnoy, Charles Per­rault, Chris­ti­an August Vul­pi­us, Karo­li­ne Stahl, den Brü­dern Grimm, Karl Bartsch, Anton Bir­lin­ger, Carl und Theo­dor Cols­horn, Fried­rich Gott­schalck, Johann Hein­rich Leh­nert, Alex­an­der von Ungern-Stern­berg, Adal­bert Kuhn, Ernst Mei­er, Johan­nes Wil­helm Wolf, Karl Müllen­hoff, Ulrich Jahn, Karl Spie­gel bis hin zu Josef Müller.

»Als schon alles am Tische saß, trat plötz­lich noch eine alte Fee ein, die nicht ein­ge­la­den war und die man ver­ges­sen hat­te, weil man seit mehr als hun­dert Jah­ren nichts von ihr wuss­te und sie für tot oder ver­schol­len hielt.«

Das Dorn­rös­chen oder: Die schla­fen­de Schö­ne im Wald‹

So fin­den sich neben eini­gen der sicher­lich bekann­tes­ten Mär­chen und Sagen auch eini­ge, die im Ver­gleich weni­ger bekannt sind. Mehr­fach sind Illus­tra­tio­nen in die Erzäh­lun­gen eingefügt. 

Doch selbst wer ver­gleichs­wei­se mär­chen­fest zu sein glaubt, kann in ›Rot wie Blut‹ an der ein oder ande­ren Stel­le Neu­es erfah­ren. So wird sich zei­gen, was Dorn­rös­chen mit einer Oge­rin zu tun hat und wie Hän­sel und Gre­tel mit See­räu­bern in Ver­bin­dung stehen. 

»Es war ein­mal ein König, der hat­te drei Töch­ter, in sei­nem Hof aber stand ein Brun­nen mit schö­nem kla­rem Was­ser. An einem hei­ßen Som­mer­tag ging die ältes­te hin­un­ter und schöpf­te sich ein Glas voll her­aus, wie sie es aber so ansah und gegen die Son­ne hielt, sah sie, dass es trüb’ war.«

Der Frosch­prinz

Doch Aurin­gers aus­ge­wähl­te Mär­chen und Sagen sind nicht nur grau­sig und blu­tig. Sie sind magisch, bekannt und zugleich fremd. Ihnen haf­tet der Zau­ber einer ver­gan­ge­nen Zeit an, der auch durch Erzäh­len und Wie­der­erzäh­len noch im Gedächt­nis geblie­ben ist.

»Es saß ein­mal eine Köni­gin zur Win­ters­zeit, als drau­ßen Schnee lag, am Fens­ter, und stick­te an einem Tuche, das in einem Rah­men von schwar­zem Eben­holz gespannt war. Da stach sie sich mit der Näh­na­del in den Fin­ger, dass es blu­te­te, und mach­te das Fens­ter auf, und ließ das Blut auf den Schnee tropfen.«

Schnee­witt­chen
Fazit zu ›Rot wie Blut

Die von Juli­an Aurin­ger aus­ge­wähl­ten Mär­chen und Sagen in ›Rot wie Blut‹ hal­ten, was der Titel des Buches ver­spricht. Mehr als ein Dut­zend unter­schied­li­cher Autoren und Autorin­nen haben hier Ein­zug gefun­den und machen ›Rot wie Blut‹ zu einem teils span­nen­den, teils ver­trau­ten Lese­ver­gnü­gen. Wer Mär­chen und Sagen mag, dem könn­ten auch ›Die schöns­ten nor­we­gi­schen Mär­chen‹ und ›Nor­di­sche Mythen und Sagen‹ gefal­len.

Buchinfo

Juli­an Aurin­ger (Hrsg.):
Rot wie Blut

Grau­si­ge Mär­chen und Sagen
Mit Illus­tra­tio­nen aus den Bil­der­bo­gen
des 19. Jahr­hun­derts
Ana­con­da, Mün­chen 2020
256 S., EUR (D) 4,95 inkl. MwSt.
Hard­co­ver
ISBN 978−3−7306−0908−8

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Katharina Seck: Die Silberne Königin [Rezension]

Silberminen, Schokolade und ein König ohne Herz. 

Ein Land aus Eis und Schnee. Jeder Schritt fern­ab der Wege kann in ›Die Sil­ber­ne Köni­gin‹ den Tod bedeu­ten, denn ein Sturz genügt, um zu erfrie­ren. Es wird von einem König regiert, den kaum jemand je zu Gesicht bekommt, doch des­sen Herz eben­so kalt sein soll wie sein Land. 

Wie die meis­ten Bewoh­ner der Stadt hält sich Emma vom Schloss fern. Selbst wenn sie es woll­te, hät­te sie kaum die Zeit, so weit von ihrem gewohn­ten Weg abzu­kom­men. Denn Emma arbei­tet in den Sil­ber­mi­nen, in denen sie sich zwar nie sicher gefühlt hat, aber auch nicht so sehr in Gefahr, wie an dem Tag, als einer der Stol­len wäh­rend ihrer Schicht ein­stürzt. Emma will nie wie­der zurück in die Minen. Und Arbeit ist im Land eben­so sel­ten wie Son­nen­stun­den. Doch Emma braucht Arbeit. Nicht nur für sich, son­dern auch für ihren Vater, der seit dem Tod ihrer Mut­ter kaum mehr das Haus ver­lässt, nicht arbei­tet und zu viel trinkt. 

»Am nächs­ten Mor­gen war der Berg wie­der zu Ruhe gekom­men, aber in Emmas Träu­men groll­te er noch immer.«

Doch alles ändert sich, als es Emma wie durch ein Wun­der gelingt, einen Job in der Cho­co­la­te­rie zu fin­den. Denn dort fin­det Emma nicht nur Arbeit, son­dern auch ech­te Freun­de und lernt den Zau­ber von Geschich­ten ken­nen. Geschich­ten, die mehr Wahr­heit in sich tra­gen, als sie je geahnt hätte.

Auch die Arbeit in der Cho­co­la­te­rie ist es, die Emma das ers­te Mal über die Schwel­le des Schlos­ses führt. Denn der König ist einer der Weni­gen, der sich den Luxus von Scho­ko­la­de noch erlau­ben kann. Nur das Schloss ist noch käl­ter als das es umge­ben­de Land aus Eis und Schnee. Und als die zen­tra­le Han­dels­stra­ße durch den Schnee unpas­sier­bar wird, wis­sen die Bewoh­ner der Stadt, dass nun ein Wett­lauf gegen das Ver­hun­gern begon­nen hat.

»Casper neig­te den Kopf. Das amü­sier­te Lächeln auf sei­nen Lip­pen hät­te char­mant wir­ken kön­nen, wenn die­ses Blit­zen in sei­nen Augen nicht wäre. Es war der Aus­druck eines Raub­tiers, das mit sei­ner Beu­te spielte.«

Fast 150 Sei­ten dau­er­te es, bis ich mit die­sem Buch wirk­lich warm gewor­den bin. Erst als der König in Erschei­nung tritt, hat sich die Geschich­te so ver­dich­tet, dass sie ihre Sog­wir­kung ent­fal­tet hat. Mit dem König Casper ist Seck ein wun­der­bar fas­zi­nie­ren­der Cha­rak­ter gelun­gen. Ein Herz aus Eis, den Men­schen fern, und nur durch das Erzäh­len eines Mär­chens dazu zu bewe­gen, sei­ne dunk­len Vor­ha­ben auf­zu­schie­ben. Ein wenig wie ›Tau­send­und­ei­ne Nacht‹, nur viel käl­ter. Und doch eine Lie­bes­er­klä­rung an die Kraft und den Zau­ber von Mär­chen und Geschichten.

Fazit zu ›Die Silberne Königin

Wäh­rend sich die Ereig­nis­se für mich anfangs zu lang­sam ent­fal­te­ten, ging mir bei der Pro­blem­lö­sung dann alles etwas zu schnell, um es spoi­ler­frei zu for­mu­lie­ren. In ›Die Sil­ber­ne Köni­gin‹ ste­cken vie­le, wun­der­schö­ne Ele­men­te, mit­ein­an­der ver­wo­ben durch eine mär­chen­haf­te, das Beson­de­re fin­den­de Spra­che. Nur bei der Aus­ar­bei­tung hät­te ich mir mehr gewünscht. Den­noch, wer Mär­chen und Fan­ta­sy liebt, kann die­sem Buch ger­ne eine Chan­ce geben. Sobald man sich warm gele­sen hat, lohnt es sich, die Geschich­te um Casper zu erfahren. 

Wer ›Die Sil­ber­ne Köni­gin‹ mag, dem könn­te auch ›Der Dieb ohne Herz‹ gefal­len.

Buchinfo

Katha­ri­na Seck:
Die Sil­ber­ne Köni­gin

Roman
Bas­tei Lüb­be, Köln 2016
366 S., EUR (D) 12,- inkl. MwSt.
Paper­back
Alters­emp­feh­lung: ab 16 Jah­ren
ISBN 978−3−404−20862−3

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Walter Moers: Ensel und Krete [Rezension]

Von Hexen, Birken und dem Unheimlichen. 

Ich kann nicht genau sagen, war­um, aber bei den Büchern von Wal­ter Moers habe ich auf den ers­ten ca. 100 Sei­ten oft das Gefühl, dass die­ses Buch dies­mal nichts für mich ist. So ging es mir bei ›Ensel und Kre­te‹, aber auch bei den gro­ßen ›Zamo­nien‹-Roma­nen. Zwar mag ich in die­sen Momen­ten die beson­de­re Welt und die Figu­ren, die er erschaf­fen hat, aber irgend­wie kön­nen mich sei­ne Bücher auf den ers­ten Sei­ten nicht für sich gewinnen. 

Und dann lese ich wei­ter, anfangs wegen Emp­feh­lun­gen, mitt­ler­wei­le weil ich die Erfah­rung schon ken­ne, und bin super froh dar­über. In Wal­ter Moers Roma­nen gibt es für mich immer die­sen einen Punkt, bei dem plötz­lich alles inein­an­der greift: die Beschrei­bun­gen nicht mehr für sich ste­hen, die Figu­ren Eigen­le­ben ent­wi­ckeln und das Kon­zept der Geschich­te auf­geht. Und dann hat Moers mich kom­plett in sei­nem Bann. 

Bei ›Ensel und Kre­te‹ wur­de mein anfäng­li­cher Ein­druck, dass die­ses Buch von Moers die­ses Mal nichts für mich sei, durch die Beson­der­hei­ten des Tex­tes, wie erklä­ren­de Fuß­no­ten und Ein­schü­be einer Autor­fik­ti­on, noch ver­stärkt. Doch auch die­ses Mal füg­te sich für mich alles wie­der zu einer tol­len und ein­zig­ar­ti­gen Geschich­te, Fuß­no­ten und Ein­schü­be inbegriffen.

»Wenn man in Zamo­nien das Bedürf­nis nach voll­kom­me­ner Har­mo­nie hat­te, dann mach­te man Feri­en im Gro­ßen Wald.«

Ein Geschwis­ter­paar ent­schei­det sich bei ihrem Urlaub in Bau­ming, einer lie­be­voll beschrie­be­nen Lebens­welt der Bunt­bä­ren, von den zuge­las­se­nen Wegen abzu­ge­hen und fin­det den Weg nicht mehr zurück. Was bekannt klingt, formt Moers zu einem völ­lig neu­en Abenteuer.

»Der Natur sind die Tra­gö­di­en, die sich in ihr abspie­len, egal. Noch kein Gal­gen­baum hat sich dar­über auf­ge­regt, daß Unschul­di­ge an ihm auf­ge­knüpft wur­den. Kein Gras­halm eines Schlacht­fel­des trau­ert den Gefal­le­nen nach.«

Und somit ist ›Ensel und Kre­te‹ nicht nur ein span­nen­des Spiel mit bekann­ten und neu ange­wand­ten Mär­chen­ele­men­ten – was durch den Buch­ti­tel sicher­lich nicht über­rascht –, son­dern eines mit Inter­tex­tua­li­tät und Autor­fik­ti­on. Denn der ›Autor‹ Hil­de­gunst von Mythen­metz unter­bricht den Text nicht nur mit für das unmit­tel­ba­re Ver­ständ­nis wich­ti­gen Ein­schü­ben, son­dern auch mit Sei­ten­hie­ben auf sei­ne zamo­ni­schen Kritiker.

Fazit zu ›Ensel und Krete

Ensel und Kre­te‹ hat mich dar­an erin­nert, wie wich­tig es oft ist, der Geschich­te eines Buches sei­ne Zeit zu geben, um sich zu ent­fal­ten. Denn die Geduld ist in die­sem Fall defi­ni­tiv belohnt worden.

Buchinfo

Wal­ter Moers:
Ensel und Kre­te

Ein Mär­chen aus Zamo­nien
Gold­mann, Mün­chen 2002
256 S., EUR (D) 9,95 inkl. MwSt.
Taschen­buch
ISBN 978−3−442−45017−6

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Hube (Hrsg.): Die schönsten norwegischen Märchen [Rezension]

Von vielköpfigen Trollen und weißen Bären. 

Auf über 200 Sei­ten hat Hans-Jür­gen Hube sie gesam­melt: ›Die schöns­ten nor­we­gi­schen Mär­chen‹. Sie sind voll von muti­gen Prin­zen, ent­führ­ten Prin­zes­sin­nen, lie­bens­wer­ten Hel­fern und rol­len­den Troll­köp­fen. Miss­güns­ti­ge Brü­der, die den jüngs­ten nicht mit­neh­men wol­len und sich über ihn lus­tig machen, fin­den eben­so Ein­zug in die Geschich­ten wie Stief­müt­ter, die sich der ver­hass­ten Stief­söh­ne ent­le­di­gen wollen. 

Ein­ge­lei­tet wer­den die ein­zel­nen Geschich­ten von der ver­trau­ten Mär­chen-For­mel »Es war ein­mal«, doch geschlos­sen nur sel­ten von der alt­be­kann­ten »Und wenn sie nicht gestor­ben sind«-Formel.

Neben bekann­ten Mär­chen-Ele­men­ten, wie dem Raub der schö­nen Prin­zes­sin, fin­den sich vie­le, den nor­we­gi­schen Mär­chen eige­ne Ele­men­te, wie die viel­köp­fi­gen Trol­le und den bös­ar­ti­gen Trollhexen.

»Als Lil­le­kort ein Weil­chen gewan­dert war, traf er ein altes, krum­mes buck­li­ges Weib, das nur ein Auge hatte.«

Zudem vari­ie­ren die ein­zel­nen Mär­chen erheb­lich in ihrer Län­ge. Wäh­rend man­che Geschich­ten kaum eine Sei­te lang sind, erstre­cken sich wie­der ande­re auf ein hal­bes Dut­zend Sei­ten. Unter den Ele­men­ten, von denen sich eini­ge immer­fort zu wie­der­ho­len schei­nen, fal­len doch jene Geschich­ten beson­ders auf, die eige­ne­re Inhal­te erzählen. 

Unter mei­nen liebs­ten nor­we­gi­schen Mär­chen dür­fen sowohl der ›Weiß­bär König Vale­mon‹, ›Die Müh­le auf dem Mee­res­grun­de‹, ›Lil­le­kort‹ als auch ›All­schwarz und All­weiß‹ nicht fehlen. 

Auf jeden Fall zäh­le ich ›Die schöns­ten nor­we­gi­schen Mär­chen‹ schon jetzt zu den Büchern, die ich in die­sem Jahr gele­sen habe und deren Cover mir mit am meis­ten gefal­len hat.

Ich fin­de, dass das Cover die Stim­mung der Geschich­ten in ›Die schöns­ten nor­we­gi­schen Mär­chen‹ wun­der­bar ein­fängt und gro­ße Lust macht, das hüb­sche und hand­li­che Büch­lein wie­der und wie­der in die Hand zu nehmen.

»Es waren ein­mal zwei Brü­der, der eine hieß Treu, der ande­re Unge­treu; und Treu war stets gut und auf­rich­tig, Unge­treu aber böse und vol­ler Lügen; nie­mand konn­te sich auf ihn ver­las­sen. Ihre Mut­ter war eine arme Wit­we, die nur wenig zum Leben hatte …«

Fazit zu ›Die schönsten norwegischen Märchen

Wer sich für Mär­chen inter­es­siert, soll­te, obwohl auch ein paar der Mär­chen durch die sich wie­der­ho­len­den, jedoch mär­chen­ty­pi­schen Ele­men­te ein­tö­nig wir­ken kön­nen, doch auch ein­mal einen Blick auf nor­we­gi­sche Mär­chen wer­fen, unter denen sicher­lich der eine oder ande­re Lieb­ling gewon­nen wer­den kann.

Buchinfo

Hans-Jür­gen Hube (Hrsg.):
Die schöns­ten nor­we­gi­schen Mär­chen

Über­setzt v. F. Bre­se­mann & H.-J. Hube
insel taschen­buch, Ber­lin 2019
231 S., EUR (D) 11,- inkl. MwSt.
Taschen­buch
ISBN 978−3−458−36400−9

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Katherine Arden: Der Bär und die Nachtigall [Rezension]

Die Kälte und ihre Kinder. 

Immer wie­der erzählt die alte Dun­ja Mär­chen über Rus und sei­ne Sagen­ge­stal­ten. Pjo­trs Kin­dern und sei­ner Frau sind sie ver­traut, und doch lau­schen sie der alten Frau stets aufs Neue, beson­ders wenn dicke Schnee­de­cken über dem Land lie­gen und die Fami­lie vor der Wär­me des Ofens näher zusammenrückt.

Obwohl Pjo­trs Frau, Mari­na, bereits drei Söh­ne und eine Toch­ter hat und aus­ge­zehrt ist vom Win­ter, will sie, als sie wie­der schwan­ger wird, das Kind auf jeden Fall behal­ten. Denn sie hat zwar eine Toch­ter, aber die­se erin­nert wenig an Mari­nas eige­ne Mut­ter, die Geheim­nis­se und Geschich­ten umranken.

So bringt sie die klei­ne Was­ja zur Welt, doch sie über­lebt nicht, um das jun­ge Mäd­chen auf­wach­sen zu sehen.

Die klei­ne Was­ja wächst in ›Der Bär und die Nach­ti­gall‹ ohne ihre Mut­ter auf, doch umge­ben von ihren Geschwis­tern, Dun­ja, ihrem Vater und Gestal­ten, die nur sie sehen kann. »Ver­giß uns nicht«, flüs­tern die Rusal­ka und der Domo­woi, alte Sagen­we­sen, für die meis­ten Men­schen nur noch in Mär­chen existent.

Und wäh­rend die­se Was­ja anfle­hen, sie nicht zu ver­ges­sen, ist auch ›Der Bär und die Nach­ti­gall‹ gefüllt von die­sem Wunsch. Lie­be­voll erzählt steckt in den Sei­ten des Buches der Zau­ber alter Erzäh­lun­gen, von Volks­glau­ben und von Beson­der­hei­ten der rus­si­schen Erzähltradition.

Erfri­schend echt sind auch die Figu­ren, die Kathe­ri­ne Arden in ihrem Roman schafft: Frau­en, die sich selbst zu hel­fen wis­sen in einer Zeit, in denen ihnen nur die Ehe oder das Klos­ter offen­stand; Män­ner, die mehr sind als Mus­keln, coo­le Sprü­che und Lovein­te­rests. Die Figu­ren in ›Der Bär und die Nach­ti­gall‹ sind mit Lie­be fürs Detail geschnitzt und laden dazu ein, das Rus aus Kathe­ri­ne Ardens Roman­welt mit ihnen kennenzulernen.

Fazit zu ›Der Bär und die Nachtigall

Wer also beson­de­re Figu­ren mag, ger­ne in Mär­chen oder Sagen­wel­ten ein­taucht, oder sich für his­to­ri­sche Phan­tas­tik inter­es­siert, kann das gelun­ge­ne Debüt ›Der Bär und die Nach­ti­gall‹ auf jeden Fall lesen und sich mit mir dar­über freu­en, dass noch wei­te­re Nach­fol­ge­bän­de kom­men wer­den. Band 2 der Rei­he trägt den viel­ver­spre­chen­den Titel ›Das Mäd­chen und der Win­ter­kö­nig‹.

Buchinfo

Kathe­ri­ne Arden:
Der Bär und die Na
chti­gall
Win­ter­nacht-Tri­lo­gie, Band 1
Über­setzt von Micha­el Pfingstl
Roman
Hey­ne, Mün­chen 2019
432 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Paper­back
ISBN 978−3−453−32003−1

Rezen­si­on erst­mals erschie­nen auf Liz­zy­Net

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