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Preis der Leipziger Buchmesse

Preis der Leipziger Buchmesse | Belletristik

Seit 2005 wird der Preis der Leip­zi­ger Buch­mes­se in drei ver­schie­de­nen Kate­go­rien ver­lie­hen. Für mich am span­nends­ten ist natür­lich die Kate­go­rie ›Bel­le­tris­tik‹, aber auch die Kate­go­rien ›Sachbuch/Essayistik‹ und ›Über­set­zung‹ sind einen Blick wert.

Auch hier ist es ähn­lich wie beim Deut­schen Buch­preis mein Ziel, in alle Sieger:innen zumin­dest rein­zu­le­sen. Über die Jah­re sind so eini­ge span­nen­de Bücher und Tex­te zusammengekommen. 

Inhalt

Preis der Leip­zi­ger Buch­mes­se seit 2020
Preis der Leip­zi­ger Buch­mes­se 2015–2019
Preis der Leip­zi­ger Buch­mes­se 2010–2014
Preis der Leip­zi­ger Buch­mes­se 2005–2009

Preis der Leipziger Buchmesse seit 2020

Siegerin 2021

Iris Hanika:
Echos Kam­mern
(Lite­ra­tur­ver­lag Droschl)

Shortlist 2021
  • Judith Her­mann: Daheim (S. Fischer)
  • Chris­ti­an Kracht: Euro­trash (Kie­pen­heu­er & Witsch)
  • Frie­de­ri­ke May­rö­cker: da ich mor­gens und moos­grün. Ans Fens­ter tre­te (Suhr­kamp)
  • Hel­ga Schu­bert: Vom Auf­ste­hen: Ein Leben in Geschich­ten (dtv)

Sieger 2020

Lutz Sei­ler:
Stern 111
(Suhr­kamp)

Shortlist 2020
  • Vere­na Günt­ner: Power (DuMont)
  • Maren Kames: Luna Luna (Seces­si­on)
  • Leif Randt: Alle­gro Pas­tell (Kie­pen­heu­er & Witsch)
  • Ingo Schul­ze: Die recht­schaf­fe­nen Mör­der (S. Fischer)

Preis der Leipziger Buchmesse 2015–2019

Siegerin 2019

Anke Stel­ling:
Schäf­chen im Tro­cke­nen
(Ver­bre­cher Verlag)

Shortlist 2019
  • Kenah Cusa­nit: Babel (Han­ser)
  • Mat­thi­as Nawrat: Der trau­ri­ge Gast (Rowohlt)
  • Jaros­lav Rudiš: Win­ter­bergs letz­te Rei­se (Luch­ter­hand)
  • Fer­i­dun Zai­mo­g­lu: Die Geschich­te der Frau (Kie­pen­heu­er & Witsch)

Siegerin 2018

Esther Kin­sky:
Hain: Gelän­de­ro­man
(Suhr­kamp)

Shortlist 2018
  • Isa­bel Far­go Cole: Die grü­ne Gren­ze (Edi­ti­on Nautilus)
  • Anja Kamp­mann: Wie hoch die Was­ser stei­gen (Han­ser)
  • Georg Klein: Mia­kro (Rowohlt)
  • Mat­thi­as Sen­kel: Dunk­le Zah­len (Mat­thes & Seitz)

Siegerin 2017

Nata­scha Wodin:
Sie kam aus Mariu­pol
(Rowohlt)

Shortlist 2017
  • Lukas Bär­fuss: Hagard (Wall­stein)
  • Bri­git­te Kro­nau­er: Der Scheik von Aachen (Klett-Cot­ta)
  • Stef­fen Popp: 118 (Kook­books)
  • Anne Weber: Kirio (S. Fischer)

Sieger 2016

Gun­tram Ves­per: Froh­burg (Schöff­ling & Co.)

Shortlist 2016
  • Mari­on Posch­mann: Gelie­he­ne Land­schaf­ten. Lehr­ge­dich­te und Ele­gi­en (Suhr­kamp)
  • Roland Schim­mel­pfen­nig: An einem kla­ren, eis­kal­ten Janu­ar­mor­gen zu Beginn des 21. Jahr­hun­derts (S. Fischer)
  • Nis-Mom­me Stock­mann: Der Fuchs (Rowohlt)
  • Heinz Strunk: Der gol­de­ne Hand­schuh (Rowohlt)

Sieger 2015

Jan Wag­ner: Regen­ton­nen­va­ria­tio­nen. Gedich­te (Han­ser)

Shortlist 2015
  • Ursu­la Ack­rill: Zei­den, im Janu­ar (Wagen­bach)
  • Tere­sa Präau­er: John­ny und Jean (Wall­stein)
  • Nor­bert Scheu­er: Die Spra­che der Vögel (C.H. Beck)
  • Micha­el Wil­den­hain: Das Lächeln der Alli­ga­to­ren (Klett-Cot­ta)

Preis der Leipziger Buchmesse 2010–2014

Sieger 2014

Saša Sta­nišić:
Vor dem Fest
(Luch­ter­hand)

Shortlist 2014
  • Fabi­an Hisch­mann: Am Ende schmeis­sen wir mit Gold (Ber­lin Verlag)
  • Per Leo: Flut und Boden: Roman einer Fami­lie (Klett-Cot­ta)
  • Mar­tin Mose­bach: Das Blut­bu­chen­fest (Han­ser)
  • Kat­ja Petrow­ska­ja: Viel­leicht Esther (Suhr­kamp)

Sieger 2013

David Wag­ner:
Leben
(Rowohlt)

Shortlist 2013
  • Ralph Dohr­mann: Kron­hardt (Ull­stein)
  • Lisa Kränz­ler: Nach­hin­ein (Ver­bre­cher Verlag)
  • Birk Mein­hardt: Brü­der und Schwes­tern (Han­ser)
  • Anna Wei­den­hol­zer: Der Win­ter tut den Fischen gut (Resi­denz Verlag)

Sieger 2012

Wolf­gang Herrn­dorf:
Sand
(Rowohlt)

Shortlist 2012
  • Anna Katha­ri­na Hahn: Am Schwar­zen Berg (Suhr­kamp)
  • Tho­mas von Steinaecker: Das Jahr, in dem ich auf­hör­te, mir Sor­gen zu machen, und anfing zu träu­men (S. Fischer)
  • Sher­ko Fatah: Ein wei­ßes Land (Luch­ter­hand)
  • Jens Spar­schuh: Im Kas­ten (Kie­pen­heu­er & Witsch)

Sieger 2011

Cle­mens J. Setz:
Die Lie­be zur Zeit des Mahlstäd­ter Kin­des
(Suhr­kamp)

Shortlist 2011
  • Anna Katha­ri­na Fröh­lich: Kream Kor­ner (Ber­lin Verlag)
  • Arno Gei­ger: Der alte König in sei­nem Exil (Han­ser)
  • Wolf­gang Herrn­dorf: Tschick (Rowohlt)
  • Peter Stamm: See­rü­cken (S. Fischer)

Sieger 2010

Georg Klein:
Roman unse­rer Kind­heit
(Rowohlt)

Shortlist 2010
  • Jan Fak­tor: Georgs Sor­gen um die Ver­gan­gen­heit oder Im Reich des hei­li­gen Hoden­sack-Bim­bams von Prag (Kie­pen­heu­er & Witsch)
  • Hele­ne Hege­mann: Axolo­tl Road­kill (Ull­stein)
  • Lutz Sei­ler: Die Zeit­waa­ge (Suhr­kamp)
  • Anne Weber: Luft und Lie­be (S. Fischer)

Preis der Leipziger Buchmesse 2005–2009

Siegerin 2009

Sibyl­le Lewit­schar­off:
Apos­to­loff
(Suhr­kamp)

Shortlist 2009
  • Wil­helm Gen­azi­no: Das Glück in glücks­fer­nen Zei­ten (Han­ser)
  • Rein­hard Jirgl: Die Stil­le (Han­ser)
  • Dani­el Kehl­mann: Ruhm. Ein Roman in neun Geschich­ten (Rowohlt)
  • Andre­as Mai­er: Sans­sou­ci (Suhr­kamp)
  • Julia Scho­ch: Mit der Geschwin­dig­keit des Som­mers (Piper)

Sieger 2008

Cle­mens Mey­er:
Die Nacht, die Lich­ter
(S. Fischer)

Shortlist 2008
  • Jen­ny Erpen­beck: Heim­su­chung (Eich­born)
  • Sher­ko Fatah: Das dunk­le Schiff (Jung und Jung)
  • Ulrich Pelt­zer: Teil der Lösung (Ammann)
  • Fer­i­dun Zai­mo­g­lu: Lie­bes­brand (Kie­pen­heu­er & Witsch)

Sieger 2007

Ingo Schul­ze:
Han­dy. Drei­zehn Geschich­ten in alter Manier
(Ber­lin Verlag)

Shortlist 2007
  • Wer­ner Bräu­nig (pos­tum): Rum­mel­platz (Auf­bau)
  • Wil­helm Gen­azi­no: Mit­tel­mä­ßi­ges Heim­weh (Han­ser)
  • Wolf­gang Schlü­ter: Anmut und Gna­de (Eich­born / Die ande­re Bibliothek)
  • Ant­je Rávic Stru­bel: Käl­te­re Schich­ten der Luft (S. Fischer)

Sieger 2006

Ili­ja Tro­ja­now:
Der Wel­ten­samm­ler
(Han­ser)

Shortlist 2006
  • Judith Kuck­art: Kai­ser­stra­ße (DuMont)
  • Tho­mas Lang: Am Seil (C.H. Beck)
  • Paul Ingen­da­ay: War­um du mich ver­las­sen hast (Schir­m­er­Graf)
  • Cle­mens Mey­er: Als wir träum­ten (S. Fischer)

Siegerin 2005

Teré­zia Mora:
Alle Tage
(Luch­ter­hand)

Shortlist 2005
  • Chris­toph Hein: In sei­ner frü­hen Kind­heit ein Gar­ten (Suhr­kamp)
  • Eva Men­as­se: Vien­na! (Kie­pen­heu­er & Witsch)
  • Karl-Heinz Ott: End­lich Stil­le (Hoff­mann und Campe)
  • Uwe Tell­kamp: Der Eis­vo­gel (Rowohlt)


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Doris Dörrie: Leben schreiben atmen [Rezension]

Von der Kunst, sich Zeit zu nehmen. 

Hast du als Kind gelo­gen? Hast du schon­mal etwas ver­lo­ren, oder jeman­den? Schrei­be über dein Eltern­haus, was ist noch da? So oder so ähn­lich lau­ten eini­ge der Fra­gen und Anre­gun­gen, die Doris Dör­rie in ihrem neu­en Buch ›Leben schrei­ben atmen‹ für den Leser bereithält. 

In 50 Kapi­teln, die zumeist nur weni­ge Sei­ten lang sind, begeg­nen ihnen die Lesen­den und mit ihnen der »Ein­la­dung zum Schrei­ben«. Dör­rie löst die­ses Ver­spre­chen ein, das der Unter­ti­tel des Buches gibt: Kaum hat man das Buch auf­ge­schla­gen, begeg­net man der ers­ten die­ser Fra­gen und Anre­gun­gen, die zum Schrei­ben inspirieren.

Doch Leben schrei­ben atmen ist kein Fron­tal­un­ter­richt, bei dem Dör­rie die Fra­gen dik­tiert und die Ler­nen­den brav eine Ant­wort geben sol­len. Viel­mehr erin­nert das Buch an einen Dia­log, denn noch bevor die Lesen­den die Fra­ge ken­nen­ler­nen, gibt die Autorin kur­ze Erzähl­pas­sa­gen von sich preis, die sich um die kom­men­de Fra­ge drehen.

»Mei­ne Erin­ne­run­gen ver­mi­schen sich mit dei­nen Erin­ne­run­gen.
Wenn ich über Ver­lo­re­nes schrei­be, erin­nerst du dich an Ver­lo­re­nes. Wenn ich über Gewon­ne­nes schrei­be, erin­nerst du dich an Gewon­ne­nes.
«

Leben schrei­ben atmen ist ein Ken­nen­ler­nen durch Schrei­ben und Geschrie­be­nes. Wäh­rend das Bild der Erzäh­le­rin durch ihre Erzähl­tex­te Kon­tur annimmt, wer­den die Lesen­den auch auf ihre eige­nen Kon­tu­ren sto­ßen und die­se neu abzu­tas­ten versuchen.

Doris Dör­rie gelingt es, ihren Lesern – wenn die­se sich auf ihre Ein­la­dung ein­las­sen und zu Schrei­ben­den wer­den –, mit einem uner­schöpf­li­chen Vor­rat an Geschich­ten ver­traut zu machen: Jene Geschich­ten, die der Mensch durch sei­ne Erleb­nis­se und Erin­ne­run­gen in sich trägt. Fra­gen, die zunächst leicht beant­wort­bar erschei­nen, ent­pup­pen sich als Gold­gru­ben. Denn Dör­ries Prin­zip, min­des­tens zehn Minu­ten am Stück zu schrei­ben, führt dazu, dass es bei der schnel­len Ant­wort auf eine Fra­ge nicht blei­ben kann, Asso­zia­tio­nen wer­den geweckt, der Lesen­de gräbt tie­fer nach einer Ant­wort und noch ehe er sich ver­sieht, ist die Ant­wort auf die Fra­ge weit grö­ßer gewor­den, als sie je aus­ge­se­hen hat. Und grö­ßer, als dass sie in zehn Minu­ten nie­der­zu­schrei­ben wäre.

»Erin­ne­run­gen auf­schrei­ben ist wie Per­len auf eine Ket­te auf­zie­hen. Eine nach der ande­ren. Nichts ist verloren.«

Einladung statt Anleitung

Wer sich auf Dör­ries Ein­la­dung zum Schrei­ben ein­lässt, lernt schnell, den eige­nen Kopf beim Schrei­ben nicht mehr als Geg­ner oder Blo­cka­de wahr­zu­neh­men, son­dern ihn zur Quel­le des­sen zu machen.

»Wenn wir dar­über nach­den­ken, was wir so den­ken, schä­men wir uns schnell. Und wenn wir uns schä­men, kön­nen wir schlecht schrei­ben. Wofür schä­men wir uns?«

Leben schrei­ben atmen ver­sucht nicht, letzt­gül­ti­ge Regeln dar­über fest­zu­le­gen, wie geschrie­ben wer­den soll. Es belehrt nicht und kann den­noch eine gro­ße Wir­kung auf sei­ne Leser und Lese­rin­nen ent­fal­ten: Dör­ries Fra­gen inspi­rie­ren, sie regen an und hel­fen, sich selbst zum Schrei­ben zu verhelfen.

Doris Dör­ries neu­es Werk ist kein Buch, das am Stück gele­sen wer­den soll, um dann in den Untie­fen des Bücher­re­gals neben dicken Wör­ter­bü­chern zu ver­schwin­den. Viel­mehr kann es immer wie­der her­vor­ge­zo­gen wer­den, um erneut zum Schrei­ben einzuladen.

Fazit zu ›Leben schreiben atmen

Wer nach kla­ren Vor­ga­ben sucht, wie geschrie­ben wer­den soll, wird bei Dör­rie nicht fün­dig. Doch was sich durch das Buch zieht, ist die Auf­for­de­rung, das geschrie­ben wer­den soll, am bes­ten täg­lich, min­des­tens zehn Minu­ten. Wer ler­nen will, im eige­nen Kopf einen Weg zu pflas­tern, der zu einem Quell an Inspi­ra­ti­on führt, soll­te Leben schrei­ben atmen in sei­nen Werk­zeug­kas­ten packen, denn man­che Ein­la­dun­gen soll­te man nicht ausschlagen.

Buchinfo

Doris Dör­rie:
Leben, schrei­ben, atmen

Eine Ein­la­dung zum Schrei­ben
Dio­ge­nes, Zürich 2019
288 S., EUR (D) 18,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver, Lei­nen, im Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−257−07069−9

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4.5 von 5.


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