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Margaret Owen: Die Kasten von Sabor 1: Knochendiebin [Rezension]

Margaret Owen: Knochendiebin [Rezension]

Die Krähen und ihre toten Götter. 

Namen wie ›Scheu­sal‹, ›Gal­gen­strick‹ oder ›Stur‹ sind es, die die Ange­hö­ri­gen der Krä­hen-Kas­te in ›Kno­chen­die­bin‹ tra­gen. Der ein­zi­gen, der zwölf Kas­ten von Sabor, der kein Geburts­recht zusteht. Sie sind Geäch­te­te und Vogel­freie, denen man jedes erdenk­li­che Leid zufü­gen kann, ohne sich dafür ver­ant­wor­ten zu müssen. 

Doch zugleich sind sie in die­sem Land, in dem seit Genera­tio­nen eine Seu­che wütet, die ein­zi­gen, die sich um die Bestat­tung der von die­ser Befal­le­nen küm­mern kön­nen. Fast jede Krä­he in Sabor hat durch die ande­ren Kas­ten Ange­hö­ri­ge oder Freun­de ver­lo­ren, nur weni­ge Krä­hen wer­den alt.

Doch wäh­rend die Aus­gren­zung der Krä­hen in ›Kno­chen­die­bin‹ eben­so fest zu Sabors Gesell­schaft gehö­ren wie die Sün­den­seu­che selbst, für die vie­le die Krä­hen ver­ant­wort­lich machen, hal­ten die Krä­hen fest zusam­men. ›Beschüt­ze die Dei­nen!‹ ist die Regel, nach der sie leben.

»Stur hat­te wäh­rend ihrer sech­zehn Lebens­jah­re vie­le Lek­tio­nen gelernt, meist auf die har­te Art: immer die Men­ge im Blick behal­ten; immer einen Flucht­weg parat haben; kei­ne Stadt allein betre­ten.
Und in den Näch­ten, in denen sie Sün­der ver­brann­ten, in den San­da­len schlafen.«

Die jun­ge Hexe und zukünf­ti­ge Flü­gel­her­rin Stur ist alles ande­re, als auf den Mund gefal­len. Weder wenn es dar­um geht, um Zäh­ne zu feil­schen, noch in Bezug auf die Män­ner ihrer Rot­te. Doch plötz­lich mit einem Phö­nix-Prin­zen und sei­nem Habicht-Leib­wäch­ter durch das Land zu rei­sen, um den Prin­zen zu schüt­zen, ist selbst für die auf­ge­weck­te Stur Neuland.

Denn wäh­rend sie sich in ›Kno­chen­die­bin‹ mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen muss, ob sie Mit­glie­dern der Phö­nix- oder der Habicht-Kas­te trau­en kann, die sie und die ihren stets wie Dreck behan­delt haben, müs­sen Prinz und Leib­wäch­ter eben­falls neue Erfah­run­gen machen. In das Gewand der Krä­hen gehüllt, spü­ren sie zum ers­ten Mal die Aus­gren­zung und den Hass der ande­ren. Müs­sen mit der Angst leben, die dies erzeugt, und der Ungerechtigkeit.

»Sie konn­te nicht spre­chen, nick­te aber. Habich­te baten nicht. Stur wuss­te nicht, wie sie mit einem umge­hen soll­te, der es trotz­dem tat.«

Wäh­rend es für den Prin­zen Jasi­mir und sei­nen Leib­wäch­ter Tavin ums Über­le­ben geht, steht für Stur die Zukunft ihrer Kas­te auf dem Spiel. Wenn es ihnen gelingt, den Prin­zen lebend zu sei­nen Ver­bün­de­ten zu brin­gen, müs­sen die Habich­te zukünf­tig die Krä­hen schützen. 

Doch die­se Abma­chung ist alles ande­re als ein­fach zu erfül­len. Schie­nen die Krä­hen doch bis­lang vom Glück und den tau­send toten Göt­tern ver­las­sen zu sein.

»Eine Krä­he hät­te gewusst, wie man sich ver­hielt. Man ließ die Leu­te höh­nen. Man ließ die Leu­te flu­chen und pöbeln und ging wei­ter, denn wenn man sich wehr­te, muss­ten auch ande­re dafür büßen.«

Mar­ga­ret Owen gelingt es, in ihrem Debüt ›Kno­chen­die­bin‹ eine Welt zu erschaf­fen, die von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te zwingt, den Atem anzu­hal­ten. Das Leben, das die Krä­hen füh­ren müs­sen, ist düs­ter und vol­ler Not. Und doch gelingt es den Krä­hen durch ihren Zusam­men­halt unter­ein­an­der inner­halb die­ser Düs­ter­nis ein Leben zu füh­ren, das mit­reißt. Owens Schreib­stil ist ein­dring­lich und lässt nicht nur beim Mam­mon-Tanz die Nacken­haa­re zu Ber­ge stehen.

Foto: pri­vat.

Die Sün­den­seu­che ist ein für die Krä­hen all­ge­gen­wär­ti­ges Grau­en in Sabor und es bleibt span­nend, im zwei­ten Band der Rei­he ›Die zwölf Kas­ten von Sabor‹ hof­fent­lich zu erfah­ren, wie die­se einst ihren Anfang nahm.

Fazit zu ›Knochendiebin

Kno­chen­die­bin‹ gehört zu jenen Büchern, die nicht nur für Jugend­li­che geschrie­ben sind, son­dern auch Erwach­se­ne fes­seln kön­nen. Eine star­ke, berüh­ren­de Prot­ago­nis­tin, wit­zi­ge und klu­ge Dia­lo­ge und eine düs­te­re Welt vol­ler Geheim­nis­se machen Owens Debüt ›Kno­chen­die­bin‹ mehr als lesens­wert. Gespannt darf auch nach dem zwei­ten Band der Dilo­gie – ›Krä­hen­zau­ber‹ – gegrif­fen werden.

Buchinfo

Mar­ga­ret Owen:
Kno­chen­die­bin

Roman
Die zwölf Kas­ten von Sabor, Band 1
Über­setzt von: Hen­ning Ahrens
Carl­sen, Ham­burg 2019
416 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−58405−2

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Leigh Bardugo: Goldene Flammen [Rezension]

Von Wünschen, Freundschaft und Entscheidungen. 

Von klein auf haben die Wai­sen­kin­der Ali­na und Mal einen Wunsch: bei­ein­an­der zu sein. Sie leben in einer Welt, in der Krieg und Magie herr­schen und die zum Teil durch eine rie­si­ge Schat­ten­flur über­zo­gen ist. Und die Freund­schaft der bei­den wird in ›Gol­de­ne Flam­men‹ auf die Pro­be gestellt. 

Wai­se, Kar­ten­zeich­ne­rin und meis­tens fehl am Platz: Ali­na Star­kov fühlt sich sel­ten wohl in ihrer Haut. Auch unter Men­schen scheint sie sel­ten dazu­zu­ge­hö­ren – nur bei ihrem bes­ten Freund Mal kennt sie die­ses Gefühl.

Doch als die bei­den älter wer­den und Mal sich zu einem attrak­ti­ven jun­gen Mann ent­wi­ckelt, hat er nur Augen für ande­re Frau­en. Ali­na, auch »Besen­stiel« genannt, kann in ›Gol­de­ne Flam­men‹ dabei nur zusehen.

»Die Die­ner nann­ten sie Malench­ki, Geis­ter­chen, denn die Kleins­ten und Jüngs­ten such­ten das Haus des Her­zogs heim wie kichern­de Phan­to­me, rann­ten durch die Zim­mer, ver­steck­ten sich in Schrän­ken, um zu lau­schen, und stah­len die letz­ten Pfir­si­che des Som­mers aus der Küche.«

Als die bei­den Kind­heits­freu­de im Zuge ihrer Aus­bil­dun­gen zur Kar­ten­zeich­ne­rin und zum Fähr­ten­le­ser die von Vol­kra bewohn­te Schat­ten­flur durch­que­ren müs­sen, ver­än­dern sich die Leben der bei­den grund­le­gend: Ali­na schützt ihren Freund Mal durch Kräf­te, die sie bis­lang nicht ein­mal erahnt hat. Sie ver­las­sen die Schat­ten­flur wie­der und Ali­na Star­kov wird einem Mann über­ge­ben, der sich »Der Dunk­le« nennt. Er ist der Anfüh­rer der Gri­sha und zählt zu den mäch­tigs­ten Män­nern im Reich.

»Die Vol­kra waren blind, weil sie seit Genera­tio­nen auf der Schat­ten­flur leb­ten und jag­ten, aber sie konn­ten Men­schen­blut angeb­lich schon aus wei­ter Fer­ne wittern.«

Und aus­ge­rech­net die als mager und häss­lich ver­lach­te Ali­na, mit ihren dunk­len Augen­rin­gen und den hage­ren Ärm­chen soll Kräf­te besit­zen, für die sich ein sol­cher Mann inter­es­siert? Nicht, wenn man Ali­nas Ein­schät­zung ihrer selbst glau­ben darf. 

Doch der Dunk­le macht sich in ›Gol­de­ne Flam­men‹ ein eige­nes Bild von ihr und wird zu ihrem Men­tor. Sie rei­sen zum Hof des Zaren und Ali­na wird in die Rei­hen der Gri­sha auf­ge­nom­men: wun­der­schö­ne Frau­en und Män­ner, die der Magie mäch­tig sind. Ein Blick in den Spie­gel genügt für sie, um das Gefühl zu haben, dass sie wie­der nicht hin­ein­passt. Bis zu dem Tag, als ihre Kräf­te wie­der aus ihr hervorbrechen.

»Die­ser Dunk­le hat­te die Gri­sha schon vor mei­ner Geburt befeh­ligt, und trotz­dem wirk­te der Mann, der vor mir auf dem Podest thron­te, nicht viel älter als ich. Sein Gesicht war schön und mar­kant, er hat­te vol­les schwar­zes Haar und kla­re graue, wie Quarz glän­zen­de Augen. Es hieß, die mäch­tigs­ten Gri­sha leb­ten sehr lan­ge, und der Dunk­le war der mäch­tigs­te von allen.«

Mit ›Gol­de­ne Flam­men‹ schafft Leigh Bar­d­u­go den Auf­takt zu einer Fan­ta­sy-Rei­he um die ›Legen­den der Gri­sha‹, der von der ers­ten Sei­te an mit­reißt und den Figu­ren Leben ein­haucht. Dabei ist die fan­tas­ti­sche Welt, die sie schafft, erfri­schend kli­schee­frei. Was zu Beginn schwarz und weiß scheint, ver­liert bald an Klar­heit. Die Zie­le und Plä­ne der Figu­ren über­schnei­den und ver­wi­schen sich.

Fazit zu ›Goldene Flammen

Bar­d­u­go macht es ihren Figu­ren nicht leicht, sie treibt sie wie­der­holt zum Äußers­ten und lässt nicht für einen Moment Lang­wei­le auf­kom­men. Und doch über­schla­gen sich die Ereig­nis­se mit­un­ter so schnell, dass auch der Leser her­um­ge­wir­belt wird, bis nur noch Eines klar ist: Die nächs­ten Bän­de ›Eisi­ge Wel­len‹ und ›Lodern­de Schwin­gen‹ müs­sen so schnell wie mög­lich erscheinen.

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
Gol­de­ne Flam­men

Legen­den der Gri­sha, Band 1
Roman
Über­setzt von: Hen­ning Ahrens
Knaur TB Ver­lag, Mün­chen 2020
352 S., EUR (D) 12,99 inkl. MwSt.
Taschen­buch
ISBN 978−3−426−52444−2

Rezen­si­on erst­mals erschie­nen auf: Liz­zy­Net

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