Schlagwort-Archive: Goldmann

Julia Engelmann: Keine Ahnung was für immer ist [Rezension]

Julia Engelmann: Keine Ahnung was für immer ist [Rezension]

Schwerelos, verträumt und voller Energie. 

Lie­ber wach sein als zu schla­fen, um nichts zu ver­pas­sen, das Gefühl noch ein biss­chen län­ger zu genie­ßen. Allein tan­zen, lan­ge reden, ein­fach nur im Hier und Jetzt sein. Zwei­feln, und trotz­dem weitermachen. 

Engel­manns Gedich­te sind voll der Leich­tig­keit und Schwe­re eines nie enden wol­len­den Seins. Ihre Gedich­te in ›Kei­ne Ahnung was für immer ist‹ tra­gen kei­ne Kämp­fe der Ver­gan­gen­heit aus, sie wid­men sich der Gegen­wart mit ihren fast end­lo­sen Mög­lich­kei­ten. Vol­ler Bil­der und Momen­te, die das Leben brin­gen kann, wenn man jung ist oder bleibt, frei leben möch­te, alles in vol­len Zügen erfahren. 

»Und wenn ich mei­ne Arme hebe,
komm ich fast an bei­de Wän­de.
Drei Bett­kan­ten berühr­ten fast den Rand.
Manch­mal weht ein biss­chen Staub wie Laub
her­ab in mei­ne Hän­de.
Mit Fan­ta­sie wird jeder Raum ein Land.«

Julia Engel­mann
Aus ihrem Gedicht ›Mein Para­dies‹ in ›Kei­ne Ahnung was für immer ist

Ihre Gedich­te sind ver­spielt und den­noch unkom­pli­ziert. Die Poe­sie ihrer Spra­che braucht kei­ne hoch­tra­ben­den Wör­ter oder kom­ple­xe Ver­schach­te­lun­gen, um zu berüh­ren. Manch­mal, schei­nen ihre Gedich­te in ›Kei­ne Ahnung was für immer ist‹ Flü­gel zu haben, so schwe­re­los muten sie an.

Ob das Gefühl, in der Men­ge allein zu sein; unter vie­len die oder der zu sein, die nicht dazu pas­sen oder die Lie­be. Engel­manns Gedich­te lei­ten zum Wei­ter­ma­chen an, auch wenn Zwei­fel und Hür­den zu über­win­den sind. Lie­be­voll illus­triert von der Autorin selbst sind ihre Gedich­te, die auch jenen zu emp­feh­len sind, die bis­lang kaum Erfah­run­gen mit Gedich­ten haben. 

Fazit zu ›Keine Ahnung was für immer ist

Julia Engel­manns Gedicht­band ›Kei­ne Ahnung was für immer ist‹ ist eine Lie­bes­er­klä­rung an die Gegen­wart und das Unge­wis­se in der Zukunft. Schwe­re­los, ver­träumt und vol­ler Energie. 

Buchinfo

Julia Engel­mann:
Kei­ne Ahnung was für immer ist
Gold­mann, Mün­chen 2020
128 S., EUR (D) 9,- inkl. MwSt.
Taschen­buch, Klap­pen­bro­schur
ISBN 978−3−442−49133−9

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4.5 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Heiko Kienbaum: Was Paare glücklich macht [Rezension]

Zum Nachdenken, Ausprobieren und Weiterempfehlen. 

Wie oft liest man einen guten Tipp in der Zei­tung, in einem Buch oder im Inter­net, hält ihn für plau­si­bel und hat ihn im nächs­ten Moment schon wie­der ver­ges­sen? ›Was Paa­re glück­lich macht‹ will die­ses Pro­blem umgehen.

Denn wie vie­le Ideen und Vor­ha­ben blei­ben in der Theo­rie ste­cken, weil sie nicht in die Pra­xis umge­setzt wer­den, obwohl man weiß, dass es gut wäre? 

Hei­ko Kien­baum möch­te, dass genau das mit ›Was Paa­re glück­lich macht‹ nicht pas­siert. Denn sei­ne Geheim­nis­se und Tipps für eine glück­li­che­re Bezie­hung müs­sen vor allem eins: gelebt werden. 

Damit dies gelingt, sind für jedes der zehn Geheim­nis­se in ›Was Paa­re glück­lich macht‹ unter­schied­li­che Übun­gen beschrie­ben, die dabei hel­fen, sie zu ver­in­ner­li­chen. Dabei greift der Autor auf sei­ne Erfah­rung zurück, die er zum einen dabei gesam­melt hat, Paa­re auf die Ehe vor­zu­be­rei­ten. Zum ande­ren hat Kien­baum selbst Höhen und Tie­fen erlebt – er war Ver­mö­gens­mil­lio­när, bis er alles ver­lor –, und dabei ler­nen müs­sen, was wirk­lich im Leben zählt. 

»Jede groß­ar­ti­ge Bezie­hung, die du bei Men­schen in dei­nem Umfeld siehst oder bei Pro­mi­nen­ten im Fern­se­hen, hat irgend­wo klein ange­fan­gen. Aber davor ver­schlie­ßen wir gern die Augen. Wir haben kei­nen Respekt mehr vor den klei­nen Anfän­gen, sie erschei­nen uns nicht so interessant.«

Sein Schreib­stil ist klar, direkt und ein­la­dend. Sei­ne Bei­spie­le sind aus dem Leben gegrif­fen, die Übun­gen gut ver­ständ­lich und pas­send für den All­tag. Kien­baum ver­spricht sei­nen Lesern nicht das Blaue vom Him­mel, er behaup­tet nicht, dass es immer leicht sein wird, in eine glück­li­che Bezie­hung zu inves­tie­ren. Nur, dass es sich lohnt.

Was Paa­re glück­lich macht‹ fühlt sich eher wie ein Gespräch an als wie ein Buch. Sei­te für Sei­te regt Kien­baum zum Nach­den­ken an, nicht nur über die Bezie­hung, son­dern vor allem auch über sich selbst. Vie­le Din­ge, die im All­tag auto­ma­ti­siert sind und selbst­ver­ständ­lich erschei­nen, nimmt er in den Fokus und rückt sie in ein ande­res Licht, zumeist in ein wärmeres.

»Wenn wir im Leben und in der Part­ner­schaft wie­der zufrie­den sein wol­len, geht es nur über Ermu­ti­gung. Und Ermu­ti­gung ist Liebe.«

Fazit zu ›Was Paare glücklich macht

Um von ›Was Paa­re glück­lich macht‹ zu pro­fi­tie­ren, muss man weder beson­ders lang noch beson­ders frisch in einer Bezie­hung sein. Im Prin­zip muss man nicht ein­mal in einer Paar­be­zie­hung sein, denn die Prin­zi­pi­en sei­ner Tipps und Geheim­nis­se fin­den sich auch in vie­len ande­ren Bezie­hun­gen wie­der, aus denen der mensch­li­che All­tag besteht: die Bezie­hung zur Fami­lie, zu Freun­den, Kol­le­gen oder sich selbst. Auf jeden Fall sehr lesenswert.

Buchinfo

Hei­ko Kien­baum:
Was Paa­re glück­lich macht

Die 10 Geheim­nis­se der Lie­be vom Pastor2Go
In Zusam­men­ar­beit mit Lars Chris­ti­an­sen
Gold­mann, Mün­chen 2020
304 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Taschen­buch, Bro­schur
ISBN 978−3−442−17840−7

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4.5 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Harlan Coben: Ich vermisse dich [Rezension]

Was ihr Ex ihr verschwieg. 

Kat Dono­van, Detec­ti­ve bei der Kri­mi­nal­po­li­zei, gehört zu jenen Frau­en, die nicht auf den Mund gefal­len sind. Schon ihr Vater war bei der Poli­zei, der vor fast zwan­zig Jah­ren ermor­det wurde. 

Und mit dem Tod ihres Vaters hat sich auch ihr dama­li­ger Ver­lob­ter von ihr ent­frem­det und sie ver­las­sen. Seit­dem klafft ein Loch in Kats Leben, das durch die Arbeit nicht gefüllt wer­den kann. 

Der Mann, der für den Mord an ihrem Vater hin­ter Git­tern sitzt, liegt im Ster­ben. Ein letz­tes Mal ver­sucht Kat von ihm zu erfah­ren, wer den Mord an ihrem Vater in Auf­trag gab und war­um. Zur glei­chen Zeit hat ihre Freun­din Sta­cy die Idee, Kat Dono­van bei einer Online-Sin­gle­bör­se anzumelden.

»Man erfährt viel über Bezie­hun­gen, wenn der eige­ne Job gewis­ser­ma­ßen dar­in besteht, sie zu zer­stö­ren. Die Wahr­heit ist aber, dass es in fast jeder Bezie­hung Bruch­stel­len gibt. Jede Bezie­hung hat Ris­se und Sprünge.«

Doch was, wenn die Sin­gle­bör­se dir nicht hilft, auf ande­re Gedan­ken zu kom­men, son­dern dir das Bild dei­nes Ex-Ver­lob­ten vorschlägt? 

Und wäh­rend Kat in ›Ich ver­mis­se dich‹ dar­an zu kau­en hat, dass ihr Ex-Ver­lob­ter plötz­lich wie­der in Reich­wei­te scheint und der ver­ur­teil­te Mör­der ihres Vaters ster­ben könn­te, ohne ihr ihre letz­ten Fra­gen beant­wor­tet zu haben, braucht ein Jun­ge Kats Hilfe.

Men­schen ver­schwin­den, wäh­rend die noch unge­lös­ten Fra­gen in Kats Ver­gan­gen­heit wie­der in die Gegen­wart rei­chen. Wäh­rend sich alles mehr und mehr zu ver­mi­schen und zu ver­wi­schen scheint, stellt sich bald die Fra­ge, wem Kat noch ver­trau­en und glau­ben kann. Und vor allem – kann sie ihrem eige­nen Urteil noch trauen?

»Meis­tens emp­fand sie nur glü­hen­den Hass für ihn, manch­mal wur­de ihr jedoch klar, dass es war, als wür­de sie eine Pis­to­le has­sen. Er war die Waf­fe, mehr nicht.«

Fazit zu ›Ich vermisse dich

Coben ver­steht es, in ›Ich ver­mis­se dich‹ eine span­nen­de und erschre­cken­de Hand­lung mit den Geschich­ten der Figu­ren zu ver­we­ben. Ein Sog ent­steht, der durch über­ra­schen­de Wen­dun­gen, klu­ge Dia­lo­ge und glaub­haf­te Cha­rak­te­re durch das Buch treibt. Ein Thril­ler, der in Atem hält.

Buchinfo

Har­lan Coben:
Ich ver­mis­se dich

Thril­ler
Aus dem Ame­ri­ka­ni­schen von Gun­nar Kwisin­ski
Gold­mann, Mün­chen 2016
512 S., EUR (D) 9,99 inkl. MwSt.
Roman, Taschen­buch, Klap­pen­bro­schur
ISBN 978−3−442−48435−5

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Walter Moers: Ensel und Krete [Rezension]

Von Hexen, Birken und dem Unheimlichen. 

Ich kann nicht genau sagen, war­um, aber bei den Büchern von Wal­ter Moers habe ich auf den ers­ten ca. 100 Sei­ten oft das Gefühl, dass die­ses Buch dies­mal nichts für mich ist. So ging es mir bei ›Ensel und Kre­te‹, aber auch bei den gro­ßen ›Zamo­nien‹-Roma­nen. Zwar mag ich in die­sen Momen­ten die beson­de­re Welt und die Figu­ren, die er erschaf­fen hat, aber irgend­wie kön­nen mich sei­ne Bücher auf den ers­ten Sei­ten nicht für sich gewinnen. 

Und dann lese ich wei­ter, anfangs wegen Emp­feh­lun­gen, mitt­ler­wei­le weil ich die Erfah­rung schon ken­ne, und bin super froh dar­über. In Wal­ter Moers Roma­nen gibt es für mich immer die­sen einen Punkt, bei dem plötz­lich alles inein­an­der greift: die Beschrei­bun­gen nicht mehr für sich ste­hen, die Figu­ren Eigen­le­ben ent­wi­ckeln und das Kon­zept der Geschich­te auf­geht. Und dann hat Moers mich kom­plett in sei­nem Bann. 

Bei ›Ensel und Kre­te‹ wur­de mein anfäng­li­cher Ein­druck, dass die­ses Buch von Moers die­ses Mal nichts für mich sei, durch die Beson­der­hei­ten des Tex­tes, wie erklä­ren­de Fuß­no­ten und Ein­schü­be einer Autor­fik­ti­on, noch ver­stärkt. Doch auch die­ses Mal füg­te sich für mich alles wie­der zu einer tol­len und ein­zig­ar­ti­gen Geschich­te, Fuß­no­ten und Ein­schü­be inbegriffen.

»Wenn man in Zamo­nien das Bedürf­nis nach voll­kom­me­ner Har­mo­nie hat­te, dann mach­te man Feri­en im Gro­ßen Wald.«

Ein Geschwis­ter­paar ent­schei­det sich bei ihrem Urlaub in Bau­ming, einer lie­be­voll beschrie­be­nen Lebens­welt der Bunt­bä­ren, von den zuge­las­se­nen Wegen abzu­ge­hen und fin­det den Weg nicht mehr zurück. Was bekannt klingt, formt Moers zu einem völ­lig neu­en Abenteuer.

»Der Natur sind die Tra­gö­di­en, die sich in ihr abspie­len, egal. Noch kein Gal­gen­baum hat sich dar­über auf­ge­regt, daß Unschul­di­ge an ihm auf­ge­knüpft wur­den. Kein Gras­halm eines Schlacht­fel­des trau­ert den Gefal­le­nen nach.«

Und somit ist ›Ensel und Kre­te‹ nicht nur ein span­nen­des Spiel mit bekann­ten und neu ange­wand­ten Mär­chen­ele­men­ten – was durch den Buch­ti­tel sicher­lich nicht über­rascht –, son­dern eines mit Inter­tex­tua­li­tät und Autor­fik­ti­on. Denn der ›Autor‹ Hil­de­gunst von Mythen­metz unter­bricht den Text nicht nur mit für das unmit­tel­ba­re Ver­ständ­nis wich­ti­gen Ein­schü­ben, son­dern auch mit Sei­ten­hie­ben auf sei­ne zamo­ni­schen Kritiker.

Fazit zu ›Ensel und Krete

Ensel und Kre­te‹ hat mich dar­an erin­nert, wie wich­tig es oft ist, der Geschich­te eines Buches sei­ne Zeit zu geben, um sich zu ent­fal­ten. Denn die Geduld ist in die­sem Fall defi­ni­tiv belohnt worden.

Buchinfo

Wal­ter Moers:
Ensel und Kre­te

Ein Mär­chen aus Zamo­nien
Gold­mann, Mün­chen 2002
256 S., EUR (D) 9,95 inkl. MwSt.
Taschen­buch
ISBN 978−3−442−45017−6

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 3.5 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]