Schlagwort-Archive: Ein Traum von Liebe

Laini Taylor: Muse of Nightmares 2 (Strange the Dreamer 4) [Rezension]

Was von den Göttern übrig blieb. 

Die Göt­ter haben mit den Figu­ren von ›Muse of Night­ma­res 2‹ gespielt. Mit den Frau­en von Weep, die sie hol­ten. Mit ihren Män­nern, die sie meis­tens zurück­lie­ßen. Eril-Fane hat­ten die Göt­ter nicht in der Stadt zurück­ge­las­sen, um wie alle ande­ren dar­auf zu war­ten und zu hof­fen, dass die Ent­führ­ten wie­der zurück­ge­bracht wer­den würden. 

Ska­this, der Gott der Bes­ti­en, nahm ihn mit und schenk­te ihn der Göt­tin der Ver­zweif­lung als Spiel­zeug. Eril-Fanes jun­ge Frau war es, die in Weep zurück­blieb und war­ten muss­te. Die Jah­re ver­gin­gen, doch ihr Mann kehr­te nicht zurück. Bis Ska­this auch vor ihrer Tür auf­tauch­te, um sie zur Zita­del­le mit­zu­neh­men. Und die jun­ge Frau war bereit –, glaub­te sie zumindest. 

Inzwi­schen sind in ›Muse of Night­ma­res 2‹ die grau­sa­men Göt­ter längst fort. Doch ihre Spu­ren haben sie nicht nur an den Gebäu­den und Orten, son­dern auch an und in den Men­schen hin­ter­las­sen. In der schwe­ben­den Zita­del­le ver­su­chen die letz­ten der Göt­ter­brut – Kin­der gezeugt von Göt­tern und Men­schen – am Leben zu blei­ben. Und mit dem Grau­en des Tages zu leben, als ein Mensch im Säug­lings­trakt all die ande­ren Kin­der der Göt­ter abschlach­te­te, um die Men­schen von den Göt­tern zu befrei­en. Doch auch im Schat­ten der Zita­del­le leben noch immer Men­schen, die die Schre­cken der Göt­ter nicht ver­ges­sen kön­nen, die zu lan­ge ihr Leben bestimmt haben. 

»Die Frau­en von Weep teil­ten ein selt­sa­mes Gefühl mit­ein­an­der, gegen das sie ihr gan­zes Leben lang zu kämp­fen hat­ten, näm­lich, dass sie nur halb exis­tie­ren. Sie waren Rest­stü­cke, übrig geblie­be­ne Kru­men vom Fest­schmaus der Götter.«

Wie lebt man mit einer Ver­gan­gen­heit, die so vol­ler Grau­en und Ver­zweif­lung ist? Wie lebt man damit, die Schuld auf sich gela­den zu haben, die Göt­ter und ihre Babys zu töten? Wie lebt man mit der Erin­ne­rung, als Klein­kind nur in der Lage gewe­sen zu sein, vier der Babys zu ret­ten, weil man nicht mehr tra­gen konnte?

»Doch Sarai wuss­te, was nur sie allein wis­sen konn­te, näm­lich dass Eril-Fane jeden Tag die größ­te Mut­pro­be ableg­te, die sie je gese­hen hat­te: Um ande­ren zu hel­fen, leb­te er wei­ter, obwohl es viel ein­fa­cher gewe­sen wäre, ein­fach damit aufzuhören.«

Stran­ge the Drea­mer‹, Band 1 und Band 2, sowie ›Muse of Night­ma­res 1‹ und Band 2, von Lai­ni Tay­lor stel­len die­se Fra­gen. Die Fan­ta­sy-Roma­ne zei­gen das Leben jener, die übrig geblie­ben sind: Ihre Ver­su­che, einen Weg hin­aus aus Hass, Wut und Ver­zweif­lung zu fin­den, die nicht immer gelin­gen können. 

Doch obwohl das Grund­the­ma der Bän­de düs­ter und kom­plex ist, gelingt es Tay­lor, eine Roman­welt zu erschaf­fen, die von der Suche nach Hoff­nung, Lie­be und Ver­ge­bung erfüllt sind. Vie­le der Über­le­ben­den in ›Muse of Night­ma­res 2‹ sind Kin­der, die nichts für die Ver­bre­chen ihrer Eltern kön­nen, sich nicht ein­mal an sie erin­nern, doch deren blo­ße Exis­tenz genügt, um an die­se zu erin­nern. Dabei ist Tay­lors Spra­che ein­fach, klar und zugleich poetisch. 

Fazit zu ›Muse of Nightmares 2

Ein biss­chen scha­de ist es, dass meh­re­re Auf­lö­sun­gen von Rät­seln und Geheim­nis­sen in ›Muse of Night­ma­res 2‹ über geraff­te Erzäh­ler­mo­no­lo­ge gesche­hen und nicht wie bis­her an das Erle­ben und Erin­nern der Figu­ren gebun­den sind. Auch die Lie­bes­ge­schich­te zwi­schen Lazlo und Sarai hat mich nie ganz über­zeu­gen kön­nen, doch im Ver­gleich zu der unglaub­lich tie­fen und geheim­nis­vol­len Geschich­te, die Tay­lors Roman­welt zu bie­ten hat, ver­liert sie dadurch nur wenig.

Wer die Bän­de ›Stran­ge the Drea­mer‹ und ›Muse of Night­ma­res 1‹ noch nicht kennt, aber eine Schwä­che für Geheim­nis­se, Trau­ma­ta und Göt­ter hat, dem sind sie wärms­tens zu empfehlen.

Buchinfo

Lai­ni Tay­lor:
Muse of Night­ma­res

Das Erwa­chen der Träu­me­rin
Band 2 (Stran­ge the Drea­mer Band 4)
Roman
Über­setzt von: Ulri­ke Rai­mer-Nol­te
One, Köln 2020
368 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
ISBN 978−3−8466−0101−3

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]

Laini Taylor: Strange the Dreamer 2 [Rezension]

Von Traumata und Träumen. 

Das Leben, das Sarai und die ande­ren vier über­le­ben­den Kin­der der toten Göt­ter in der Zita­del­le füh­ren, befin­det sich in ›Stran­ge the Drea­mer 2‹ in Auflösung. 

Wäh­rend sich Lazlo Stran­ge noch im ers­ten Band von ›Stran­ge the Drea­mer‹ nichts sehn­li­cher wünscht, als end­lich nach Weep zu gelan­gen und die Mys­te­ri­en der Stadt zu ergrün­den, wer­den die­se bald zu sei­ner Welt. Denn wäh­rend Lazlo nach Weep gelan­gen möch­te, müs­sen die fünf über­le­ben­den Göt­ter­kin­der, die in der Zita­del­le über der Stadt leben, befürch­ten, ent­deckt und umge­bracht zu werden.

In Lazlos Träu­men kom­men die Muse der Alb­träu­me, Sarai, und der Träu­mer sich bald näher. Doch wäh­rend sie bei Lazlo auf Offen­heit, Ver­ständ­nis und Wohl­wol­len trifft, zei­gen sich nicht alle Men­schen so freund­lich. Auch die Empa­thie und das Ver­ständ­nis, die Sarai den Men­schen ent­ge­gen­brin­gen kann, wird nicht von allen Kin­dern der Göt­ter geteilt.

Und so fin­den sich Sarai und Lazlo in ›Stran­ge the Drea­mer 2‹ bald in einem Stru­del aus Ereig­nis­sen wie­der, in dem es um mehr geht, als Aben­teu­er­ge­schich­ten und Wun­der­glau­ben. Die Men­schen von Weep, die die Göt­ter­herr­schaft über­leb­ten, sind eben­so tief trau­ma­ti­siert wie die Kin­der der Göt­ter, die das Mas­sa­ker über­leb­ten, das ihre Eltern tötete.

»Noch immer hör­te sie die Schreie, die auf ent­setz­li­che, blu­ti­ge Art nach­ein­an­der ver­stumm­ten. Sie wür­de immer dort sein, und ihre Arme wür­den für die Kin­der nie aus­rei­chen, genau wie an jenem Tag.«

Dabei schafft es Lai­ni Tay­lor ein Span­nungs­feld zu erschaf­fen, das sie zwi­schen die bei­den Gräu­eln spannt, jenen der Göt­ter und jenen der Men­schen. Gräu­el, mit deren Nach­wir­kun­gen noch immer eine gan­ze Stadt zu kämp­fen hat, in der die Erin­ne­rung, der Hass und der Schmerz tief sitzen. 

Die Men­schen und Göt­ter­kin­der in ›Stran­ge the Drea­mer 2‹ sind Über­le­ben­de, sie waren bis auf weni­ge Aus­nah­men, nicht an den Taten gegen die jeweils ande­ren betei­ligt. Die Men­schen lit­ten lan­ge unter der Göt­ter­herr­schaft und waren tag­täg­lich ihrer Gewalt aus­ge­setzt. Die fünf über­le­ben­den Göt­ter­kin­der lit­ten ent­we­der direkt unter dem Mas­sa­ker, das die Göt­ter­herr­schaft been­de­te, oder unter sei­nen Nach­wir­kun­gen, da sie allein und mit vie­len Ent­beh­run­gen auf­wach­sen mussten.

»Doch es gab kein Ent­kom­men vor den Taten der Ver­gan­gen­heit. Weder vor den Gräu­eln der Göt­ter, noch denen der Menschen.«

Die Wun­den auf bei­den Sei­ten sit­zen tief und sind alt. Und inmit­ten die­ser Trau­ma­ta, Ängs­te und Nöte ver­su­chen der unbe­darf­te Biblio­the­kar Lazlo und die Muse der Alb­träu­me Sarai eine Ant­wort auf das Gesche­hen zu fin­den, die nicht noch mehr Hass, Tod und neue Trau­ma­ta bringt. 

Damit greift Lai­ni Tay­lor im Gewand eines Jugend­bu­ches und der Fan­tas­tik exis­ten­ti­el­le The­men des Mensch­seins auf, balan­ciert fein zwi­schen abso­lu­ten Gut- oder Böse-Kate­go­ri­sie­run­gen und erschafft vor den Schre­cken der Ver­gan­gen­heit mit Lazlo und Sarai einen Hel­den und eine Hel­din, die ans Herz gehen.

Fazit zu ›Strange the Dreamer 2‹

Lan­ge­wei­le kommt beim Lesen von ›Stran­ge the Drea­mer 2‹ nicht auf: Offe­ne Fra­gen, unter­schied­lichs­te Cha­rak­te­re und eine beson­de­re Erzähl­tie­fe erfül­len den Roman. So gelingt es ›Stran­ge the Drea­mer 2‹ nicht nur, an die Qua­li­tät des Vor­gän­ger­ban­des ›Stran­ge the Drea­mer‹ 1 anzu­knüp­fen, son­dern, sie sogar noch zu über­tref­fen. Die bei­den Fol­ge­bän­de ›Muse of Night­ma­resBand 1 und Band 2 wer­den also auf jeden Fall auf mei­nem Lese­sta­pel landen.

Buchinfo

Lai­ni Tay­lor:
Stran­ge the Drea­mer

Ein Traum von Lie­be
Buch 2
Über­setzt von Ulri­ke Rai­mer-Nol­te
One, Köln 2019
382 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver
Erzäh­len­des für jun­ge Erwach­se­ne
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−8466−0086−3

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4.5 von 5.


Bewer­te die­sen Post ♥
[Total: 1 Average: 5]