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Margaret Owen: Die Kasten von Sabor 2: Krähenzauber [Rezension]

Margaret Owen: Krähenzauber [Rezension]

Von alten Sünden und vergangenen Königen. 

Der jun­gen Flü­gel­her­rin Stur ist im ers­ten Band der ›Die zwölf Kas­ten von Sabor‹-Dilo­gie ›Kno­chen­die­bin‹ etwas gelun­gen, das viel­leicht noch kei­ner Krä­he vor ihr geglückt ist. Einen Habicht und einen Phö­nix für den Schutz der Krä­hen-Kas­te zu gewinnen.

Doch dabei han­delt es sich nicht um irgend­ei­nen Habicht und irgend­ei­nen Phö­nix, son­dern um den Thron­fol­ger Jasi­mir und des­sen Leib­wäch­ter Tavin, die natür­lich auch in ›Krä­hen­zau­ber‹ zen­tral sind. Da Jasi­mir nur mit Mühe meh­re­re Gift­an­schlä­ge durch die neue Frau sei­nes Vaters über­lebt hat, täuscht er sei­nen eige­nen Tod durch die Sün­den­seu­che vor, um aus dem Palast zu ent­kom­men. Ein aus der Not gebo­re­ner Bahn, der die bei­den hoch­ge­bo­re­nen jun­gen Män­ner für eine Zeit auf den Wegen der Krä­hen wan­deln lässt und sie denn Hass und die Ver­zweif­lung am eige­nen Leib spü­ren lässt, denen die Krä­hen jeden Tag aus­ge­setzt sind.

Ein Eid zwi­schen ihrem Pah und dem Thron­fol­ger besie­gelt das Schick­sal der Krä­hen: Wenn Pah und Stur Jasi­mir hel­fen, wer­den die Krä­hen zukünf­tig unter dem Schutz der Habich­te ste­hen. Doch die Vor­ur­tei­le gegen die Krä­hen sit­zen tief, noch immer beherrscht die Sün­den­seu­che das Land. Und der Eid wäre wohl unter einem schlech­te­ren Stern gestan­den, wenn es Stur nicht gelun­gen wäre, an Phö­ni­x­zäh­ne zu gelan­gen. Ein Werk­zeug, das ihr die Macht über das Feu­er ver­leiht. Und zugleich ein Werk­zeug, das sie brau­chen wird, um ihre Rot­te gegen Hautghu­le, Haut­he­xen und Ole­an­der-Jun­ker zu beschüt­zen und den Eid zu wahren.

»Dann blick­te sie Stur in die Augen, plötz­lich bit­ter­ernst. ›Ich kann dir dei­ne Geschich­te nicht erzäh­len, klei­ne Göt­tin. Ein Leben ums ande­re hast du ver­sagt, und es war stets am schlimms­ten, wenn ich dir gesagt habe, wonach du suchen sollst.‹«

Doch auch als Stur im ers­ten Band das Unmög­li­che gelun­gen scheint, sind die Krä­hen noch nicht geret­tet. Denn nach­dem Stur ihren Teil der Ver­ein­ba­rung ein­ge­hal­ten hat, kann sie in ›Krä­hen­zau­ber‹ nur hof­fen, dass Jasi­mir und Tavin sich auch an ihren Teil der Abma­chung hal­ten. Doch der eng­li­sche Ori­gi­nal­ti­tel des zwei­ten Ban­des – ›The Faith­less Hawk‹ – lässt bereits erah­nen, dass dies nicht so leicht wer­den wird.

Sabor ist ein Reich, in dem eine Gesell­schaft herrscht, die so lan­ge davon gelebt haben, die Krä­hen zu unter­drü­cken und zu ver­ach­ten, dass es Teil ihrer Grund­fes­ten gewor­den ist. Und nur weni­ge Nicht-Krä­hen wol­len, dass sich dar­an etwas ändert. Doch auch von Sturs wirk­li­chen Ver­bün­de­ten, kön­nen man­che nicht an ihrer Sei­te bleiben.

»Die Hai­ne erkann­ten Pah, sogar in die­sem Leben. Und sie hie­ßen ihn will­kom­men.
Dies war sein Zuhau­se, und schreck­li­cher­wei­se nur seins.«

Ein Ver­rat lässt die unheil­vol­len Gescheh­nis­se in ›Krä­hen­zau­ber‹ ihren Lauf neh­men. Nur knapp ent­kommt Stur mit ihrem Leben, da sie Rhu­sa­na mehr als nur ein Dorn im Auge ist. 

Zugleich kämp­fen bald uner­war­te­te Ver­bün­de­te an Sturs Sei­te, die zum Teil aus dem ers­ten Band noch gut bekannt sind. Mit ihrer Hil­fe gelingt es Stur zwar in den Königs­pa­last zu kom­men, doch ist dies sicher­lich nicht der sichers­te Ort für eine ein­zel­ne Krä­he – vor allem einer, die sich bei der Köni­gin bereits unbe­liebt gemacht hat. 

Doch nicht nur für Stur und ihre Rot­te bre­chen dunk­le Zei­ten an. Auch Sabor ver­sinkt mehr und mehr in der Sün­den­seu­che. Städ­te und Dör­fer wol­len die Krä­hen nicht mehr hin­ein­las­sen, um sich um die Infi­zier­ten zu küm­mern. Unge­bremst brei­tet sich die Seu­che somit wei­ter aus und ver­schlingt bald gan­ze Orte, bis kei­ne Mög­lich­keit mehr bleibt, als den gan­zen Ort niederzubrennen. 

Foto: pri­vat.

»›Ich hät­te vor­aus­den­ken kön­nen, ich hät­te mich opfern kön­nen, um [dei­ne Mut­ter] zu ret­ten, aber es waren die Ole­an­der-Jun­ker, die beschlos­sen haben, Jagd auf uns zu machen. Mei­ne Sün­den waren die eines neu­en Flü­gel­herrn. Also war­um kannst du mir ver­ge­ben und dir selbst nicht?‹«

Fazit zu ›Krähenzauber

Krä­hen­zau­ber‹ nimmt schnell an Fahrt auf und geht genau­so span­nend wei­ter, wie ›Kno­chen­die­bin‹ geen­det hat. Mit Stur ist Mar­ga­ret Owen eine wun­der­ba­re, star­ke und klu­ge Prot­ago­nis­tin gelun­gen. Auch Sturs Rot­te wächst von Sei­te zu Sei­te mehr ans Herz. 

Die Atmo­sphä­re ist geheim­nis­voll-düs­ter, der Schreib­stil dicht und packend. Wäh­rend Owen mit Stur, Pah, Tavin und Jasi­mir wun­der­bar facet­ten­rei­che Cha­rak­te­re gelin­gen, bleibt die Gegen­sei­te lei­der etwas blass, deren Han­deln vor allem durch einen Wunsch nach Macht moti­viert scheint. ›Krä­hen­zau­ber‹ ist span­nend und schlüs­sig, doch kann er lei­der nicht ganz mit dem ers­ten Band mit­hal­ten. Den­noch ist die Dilo­gie ›Die zwölf Kas­ten von Sabor‹ defi­ni­tiv mehr als lesenswert!

Buchinfo

Mar­ga­ret Owen:
Krä­hen­zau­ber

Die zwölf Kas­ten von Sabor, Band 2
Über­setzt von: Bir­git Maria Pfaf­fin­ger & Ulri­ke Brauns
Carl­sen, Ham­burg 2020
416 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−58406−9

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Bewer­tung: 4 von 5.


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Kei Ohkubo: Arte 3 [Rezension]

Von Kunst und der ersten Prügelei. 

Die jun­ge Ade­li­ge und Maler­schü­le­rin Arte hat es auch in ›Arte 3‹ nicht leicht. Sie lebt in einer von Män­nern domi­nier­ten Welt und arbei­tet in einem von Män­nern domi­nier­ten Beruf. Die wenigs­ten trau­en ihr mehr zu, als hübsch auszusehen. 

Doch wer glaubt, dass Arte sich davon unter­krie­gen oder abschre­cken las­sen wür­de, hat sich geschnit­ten. Sie scheut kei­ne Arbeit, ist sie auch noch so hart. Doch obwohl sie über jede Men­ge Wil­lens­kraft und Mut ver­fügt, muss auch sie sich Auf­ga­ben stel­len, für die sie über sich hin­aus­wach­sen muss. Und Arte wäre nicht Arte, wenn sie sich vor die­sen Auf­ga­ben drü­cken würde. 

»Dann neh­me ich die Her­aus­for­de­rung an. Ich wer­de eine Male­rin, die mit ihren Wer­ken auch Kun­den wie Sie über­zeu­gen kann.«

Ohku­bos ›Arte 3‹ ist ein Lie­bes­lied auf die Eigen­stän­dig­keit und Kraft der Frau, ohne Män­nern dadurch posi­ti­ve Eigen­schaf­ten abzu­spre­chen. Mag die jun­ge Frau auf den ers­ten Blick auch etwas naiv erschei­nen, hat sie das Herz und den Ver­stand doch am rech­ten Fleck. Und so fin­det Arte Freun­de und Unter­stüt­zer – jedoch nicht ohne einer hand­fes­ten Aus­ein­an­der­set­zung –, die von ihrer Arbeits­wei­se und ihrer Art begeis­tert sind.

»Ich fand dich schon beim letz­ten Mal viel­ver­spre­chend, aber noch jung und unsi­cher. Leo hat sich einen sehr kampf­be­rei­ten und lus­ti­gen Lehr­ling ins Haus geholt.«

Wäh­rend Arte selbst von Fröh­lich­keit und Leich­tig­keit beschwingt scheint, erlau­ben die Neben­fi­gu­ren des Man­gas einen kla­re­ren Blick auf das Flo­renz des 16. Jahrhunderts. 

In der Welt der Male­rei war­ten auf Arte weder Luxus, Bequem­lich­keit noch reich­lich gedeck­te Tische. Und doch erkauft sie sich Ein­tritt in die­sel­be und bezahlt dafür mit ihrem lan­gen Haar und dem Leben, wie sie es gewohnt war. Doch trotz die­ses Prei­ses ist nur ein Maler­meis­ter bereit, sie in sei­nen Dienst zu nehmen. 

»[Leo] hat­te tat­säch­lich vie­le unkind­li­che Sei­ten. Er war dreist und vor­laut. Schon bei unse­rer ers­ten Begeg­nung war er unausstehlich.«

Fazit zu ›Arte 3‹

Arte 3‹ ist – wie auch ›Arte 1‹ und ›Arte 2‹ – die Geschich­te einer jun­gen Frau, die sich nicht unter­krie­gen lässt und bereit ist, für ihre Träu­me jeden Kampf aus­zu­tra­gen. Wun­der­voll gezeich­net, mit zahl­rei­chen lie­be­vol­len Details lädt Kei Ohku­bos Man­ga die Leser und Lese­rin­nen dazu ein, Arte auf ihrem Weg zu beglei­ten. Ein Man­ga mit Wohlfühlfaktor. 

Buchinfo

Kei Ohku­bo:
Arte

Band 3
über­setzt von: Yuki Kow­alsky
Carl­sen, Ham­burg 2020
194 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Man­ga, Soft­co­ver
Alter: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−79863−3

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Bewer­tung: 4.5 von 5.


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Hajime Isayama: Attack on Titan Deluxe Edition Band 7 [Rezension]

Die Geheimnisse der Verstorbenen. 

Weni­ge Jah­re sind ver­gan­gen seit der Bezirk Shi­ganshi­na an die Tita­nen gefal­len ist. Hun­der­te star­ben, mehr noch durch die Hun­gers­nö­te, die auf­ka­men, weil sich immer mehr Men­schen hin­ter die inners­ten Mau­ern dräng­ten. Eren, Mika­sa und Armin haben an die­sem Tag fast alles ver­lo­ren. Nur ein­an­der haben sie in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ noch.

Und nun sol­len die drei end­lich dort­hin zurück­keh­ren, wo sie einst als Kin­der zusam­men leb­ten. Die Häu­ser sind Rui­nen, die Men­schen nur noch Erin­ne­rung. Pas­send scheint es, dass sie dort aus­ge­rech­net den bei­den Tita­nen gegen­über­ste­hen sol­len, die einst die Mau­er durch­bra­chen und damit das Leben in Shi­ganshi­na auslöschten. 

Die letz­te Hoff­nung des Auf­klä­rungs­trupps und der Men­schen liegt in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ in dem, was sie im Kel­ler­raum von Erens Vater zu fin­den hof­fen. Hat sich die Geschich­te in ›Attack on Titan‹ bis­her aus ein­zel­nen Puz­zle­tei­len bil­den müs­sen, wird sie nun zu einer voll­stän­di­gen Geschichte.

»Und doch fla­ckert in mei­nem Kopf immer wie­der der Gedan­ke an die­sen Kel­ler­raum auf. Selbst wenn die Mis­si­on fehl­schlägt, könn­te ich es vor mei­nem Tod noch dahin schaf­fen. In den Kel­ler­raum, den Gri­sha Jäger hin­ter­las­sen hat, die Wahr­heit über die­se Welt.«

Sie suchen nach der Wahr­heit über eine Welt, die sich durch ihre Grau­sam­keit aus­zeich­net. Eine Welt, in der Men­schen zu Nah­rung gewor­den sind. ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ knüpft direkt an die Gescheh­nis­se aus ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 6‹ an. Die Men­schen hin­ter den Mau­ern ste­hen mit dem Rücken an der Wand und wis­sen noch immer nicht warum.

Isaya­ma gelingt es, mit dem Man­ga und Ani­me ›Attack on Titan‹ eine Geschich­te zu erschaf­fen, deren Geheim­nis­se von eben­so vie­len Schich­ten umschlos­sen sind, wie die Men­schen in ihren Mau­ern. Mitt­ler­wei­le ist zwar die Iden­ti­tät des kolos­sa­len und des gepan­zer­ten Tita­nen gelüf­tet, auch über die Wand­ler­ti­ta­nen ist mehr bekannt, doch gibt es auch in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ noch tie­fer lie­gen­de Geheim­nis­se zu entdecken.

Wer glaubt, was der Auf­klä­rungs­trupp im Kel­ler von Erens Vater fin­det, ist die Ant­wort auf alles, täuscht sich: Es ist ein Anfang. Eine Schicht des Geheim­nis­ses wird durch­sto­ßen, der Leser dringt tie­fer zum Kern vor, doch noch immer blei­ben Fra­gen offen.

Isaya­ma gelingt es, die zu ent­de­cken­den Geheim­nis­se so mit der Geschich­te und den Hand­lun­gen zu ver­we­ben, dass alles, was ent­deckt wird, über­ra­schend ist und zugleich Sinn ergibt. Die Geheim­nis­se sind in der Geschich­te tief ver­an­kert, ihre auf­ge­scho­be­ne Auf­lö­sung ist kei­ne blo­ße Hin­hal­te­tak­tik, son­dern der Kern. So ahnungs­los wie Eren und sei­ne Kame­ra­den sind, so ist es auch der Leser.

»Kannst du sie auch sehen … all unse­re Kame­ra­den … ? Unse­re Kame­ra­den sehen uns an. Sie wol­len end­lich wis­sen, wofür sie gestor­ben sind. «

Fazit zu ›Attack on Titan Deluxe Edition Band 7

Und die Ant­wor­ten, die in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ gefun­den wer­den, sind nie ein­fach. Die anfäng­li­che Schwarz-Weiß-Zeich­nung der Men­schen gegen die Tita­nen wird auf­ge­löst und ver­wischt. Wer glaubt, gezeich­ne­te Geschich­ten sind für Kin­der, der hat ›Attack on Titan‹ noch nicht gele­sen. Die­ser Man­ga geht unter die Haut, sprüht vor Span­nung und Abgründen. 

Doch trotz der her­ben Rück­schlä­ge, die Eren und sei­ne Freun­de erfah­ren haben, hören sie nicht auf. Sie alle haben schon zu viel ver­lo­ren, um auf­zu­hö­ren. Selbst hin­ter den Mau­ern sind sie nicht mehr sicher, was Jahr­zehn­te­lang galt, ist nich­tig gewor­den. ›Attack on Titan‹ bie­tet eine jener Geschich­ten, über die gespro­chen wer­den muss. Ich bin schon sehr gespannt auf ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ und auf alle wei­te­ren Bände.

Buchinfo

Haji­me Isaya­ma:
Attack on Titan Delu­xe 7
beinhal­tet die Bän­de 19–21
über­setzt von Clau­dia Peter
Carl­sen, Ham­burg 2020
568 S., EUR (D) 25,00 inkl. MwSt.
Hard­co­ver, Man­ga
Ab 16 Jah­ren
ISBN 978−3−551−74109−7

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Stephenie Meyer: Biss zur Mitternachtssonne [Rezension]

Man kann Edward in ›Biss zur Mit­ter­nachts­son­ne‹ nicht vor­wer­fen, dass er nicht aus­führ­lich über die Ange­le­gen­heit mit Bel­la nach­ge­dacht hät­te. Doch sind es nicht nur sei­ne Gedan­ken, die ihm zu schaf­fen machen. Auch die Gedan­ken sei­ner Mit­men­schen strö­men pau­sen­los auf ihn ein. Er ist mitt­ler­wei­le gut dar­in, frem­de Gedan­ken aus­zu­blen­den. Sei es aus Anstand wie bei sei­ner Fami­lie oder aus Lan­ge­wei­le, wie bei den meis­ten anderen. 

Wer ›Bis(s) zum Mor­gen­grau­en‹ gele­sen hat, den dürf­ten die Sze­nen zwi­schen Bel­la und Edward – zumin­dest in Bezug auf die Hand­lung – nicht über­ra­schen. Nie­mand in Forks ahnt, dass eine Vam­pir­fa­mi­lie im Ort lebt. Dabei leben sie mit­ten unter den Men­schen: Arbei­ten im Kran­ken­haus oder gehen zur Schu­le. Zwi­schen den Men­schen und den Vam­pi­ren kommt es aber sel­ten zu mehr Kon­takt als nötig. Zumin­dest bis zu dem Tag, an dem Bel­la Swan auf­taucht. Denn zum ers­ten Mal in sei­nem Leben begeg­net Edward einem Men­schen, des­sen Gedan­ken er nicht lesen kann. Und der neben­bei noch so unver­schämt gut riecht, dass das mit dem sich fern­hal­ten kaum funk­tio­nie­ren will.

»Ich woll­te mich nicht wei­ter ver­geb­lich mühen – ich war es nicht gewohnt, etwas nicht zu kön­nen, es ärger­te mich. Ich woll­te nicht anfan­gen, mich für ihre ver­bor­ge­nen Gedan­ken zu inter­es­sie­ren, nur weil sie mir ver­bor­gen blie­ben. Zwei­fel­los wür­den sich ihre Gedan­ken, wenn ich sie erst ein­mal ent­schlüs­selt hat­te – und das wür­de mir gewiss noch gelin­gen –, als eben­so banal erwei­sen wie die aller ande­ren Menschen.«

Etwas Neu­es zu erfah­ren, gibt es vor allem in den Sze­nen, in denen Bel­la nicht mit Edward zusam­men ist. Denn wäh­rend ›Bis(s) zum Mor­gen­grau­en‹ die Hand­lung aus Bel­las Sicht erzähl­te, zeigt ›Biss zur Mit­ter­nachts­son­ne‹ nun Edwards Sicht. Dadurch erhält der Leser oder die Lese­rin erst­mals einen Ein­blick in die Sze­nen, in denen Bel­la und Edward nicht bei­ein­an­der waren. 

Der Vor­teil: Auch Edwards Fami­lie bekommt Gele­gen­heit, ande­re Sei­ten von sich zu prä­sen­tie­ren. Sei es nun Jas­pers Kampf gegen den ewi­gen Hun­ger oder Ali­ce’ beson­de­re Fähig­kei­ten. Durch Edwards Fähig­keit, Gedan­ken zu lesen, kön­nen Geschich­ten der ande­ren Vam­pi­re nun haut­nah aus ihrer Erin­ne­rung erlebt werden.

Obwohl ›Biss zur Mit­ter­nachts­son­ne‹ mit neu­en Ein­bli­cken in Edwards Leben über­ra­schen kann, bleibt er hin­ter ›Bis(s) zum Mor­gen­grau­en‹ zurück. Vor allem der Anfang ist durch Edwards Fähig­keit, Gedan­ken zu lesen, mit­un­ter sehr hand­lungs­arm und sehr gedan­ken­reich. Dadurch ver­liert Ste­phe­nie Mey­ers Schreib­stil zum Teil an der Leich­tig­keit, die man gewohnt war. Und dies kratzt auch an dem char­man­ten Vam­pir, der noch in ›Bis(s) zum Mor­gen­grau­en‹ zu sehen war und nun sehr von sich selbst über­zeugt wirkt. Zuge­ge­ben, da ›Bis(s) zum Mor­gen­grau­en‹ aus Bel­las Sicht erzählt war, blieb viel Raum, um Edward zu idea­li­sie­ren. ›Biss zur Mit­ter­nachts­son­ne‹ zeigt eher einen weni­ger idea­li­sier­ten, dafür all­täg­li­che­ren Edward. Bel­la hin­ge­gen ver­liert etwas von dem Mäd­chen, mit dem man sich noch gut iden­ti­fi­zie­ren konn­te, da wir sie nun durch Edwards Blick erleben. 

»Ihre Anzie­hungs­kraft hat­te kein biss­chen nach­ge­las­sen. Wann immer sie in mei­ner Nähe war, wur­den mei­ne nie­ders­ten und drän­gends­ten Instink­te geweckt. Gift schoss mir in den Mund, und mein Kör­per woll­te sie packen – woll­te sie in die Arme rei­ßen und mei­ne Zäh­ne in ihre Keh­le schlagen.«

Fazit zu ›Biss zur Mitternachtssonne

Leser und Lese­rin­nen soll­ten am bes­ten die ursprüng­li­che Rei­hen­fol­ge bei­be­hal­ten und zuerst ›Bis(s) zum Mor­gen­grau­en‹ lesen. Für den ein­ge­fleisch­ten Fan bie­tet sich ›Biss zur Mit­ter­nachts­son­ne‹ vor allem dafür an, um noch mehr über die viel­fäl­ti­gen Cha­rak­te­re und Hin­ter­grün­de zu erfah­ren, die das Gesche­hen in ›Bis(s) zum Mor­gen­grau­en‹ mit­be­stimmt haben. 

Buchinfo

Ste­phe­nie Mey­er:
Biss zur Mit­ter­nachts­son­ne
Bel­la und Edward 5
Über­setzt von Syl­ke Hach­meis­terAnnet­te von der Wep­penHen­ning Ahrens und wei­te­ren
Carl­sen, Ham­burg 2020
848 S., EUR (D) 28,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
Ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−58446−5

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Kei Ohkubo: Arte 2 [Rezension]

Der Traum einer jungen Frau und Schwielen an den Händen. 

›Arte 2‹ führt ins Flo­renz des 16. Jahr­hun­derts. Arte hat es nicht leicht. Zwar hat sie es geschafft, in einer klei­nen Maler­werk­statt eine Aus­bil­dungs­stel­le zu ergat­tern, doch begeis­tert sind davon nicht alle. 

Der Zugang zu ande­ren Werk­stät­ten wird ihr ver­wehrt. Auf­trag­ge­ber neh­men sie nicht ernst, ande­re Maler­ge­sel­len eben­so wenig. Um über­haupt beach­tet zu wer­den, muss die jun­ge Frau nicht 100 Pro­zent geben, son­dern 200.

Doch obwohl sich die Stei­ne in ihrem Weg tür­men und sie so man­ches Mal dar­über stol­pert, hält Arte an ihrem Traum fest: ein selbst­be­stimm­tes Leben als Male­rin führen.

»Wenn du dei­nen Traum ver­wirk­li­chen willst, ruh dich nicht dar­auf aus, dass du eine Frau bist. Und lass dich nicht durch die Lie­be vom Weg abbrin­gen. Die­se Welt ist gna­den­los zu uns Frauen.«

Noch nicht nur Pro­ble­me beglei­ten ihren Weg: Als ein­zi­ger weib­li­cher Maler­lehr­ling ist Arte schnell bekannt. Und obwohl nicht alle ihre Zie­le gut­hei­ßen, dient sie man­chen auch als Bei­spiel. Arte ist auf­rich­tig, direkt und vol­ler Ener­gie. Was die jun­ge Frau anpackt, das schafft sie auch – wenn auch nicht unbe­dingt beim ers­ten Versuch.

»Der Beruf tut nichts zur Sache! Ich … Ich habe Respekt vor sei­nen Anstren­gun­gen und Mühen!«

Der Man­ga ›Arte 2‹ ist eben­so lie­bens­wert gezeich­net wie der ers­te Band. Stück für Stück wird auch der Hin­ter­grund der Neben­cha­rak­te­re her­aus­ge­ar­bei­tet, ihre Pro­ble­me und Wün­sche gezeigt.

Nicht alles ist glanz­voll in der Welt der Male­rei. Vie­les ist har­te Arbeit, Pla­cke­rei und Durchhaltevermögen. 

»Meis­ter Leo ist streng zu mir, weil er mich nicht als Frau, son­dern als sei­nen Lehr­ling sieht. Ich möch­te nicht rück­sichts­voll behan­delt wer­den, son­dern streng. Dann lohnt sich mei­ne Mühe umso mehr.«

Fazit zu ›Arte 2‹

Arte 2‹ ist stim­mig und kann noch stär­ker über­zeu­gen als der ers­te Band. Es ist kei­ne ein­fa­che Zeit für Frau­en, vor allem für jene, die nicht auf den ein­ge­tre­te­nen Pfa­den wei­ter­lau­fen möchten. 

Die Gedan­ken im Man­ga schei­nen zum Teil modern, zugleich beschäf­ti­gen sie sich mit über­zeit­li­chen The­men. Was ist man bereit, für sei­ne Wün­sche und Träu­me zu tun? Wie viel Wider­stand ist man bereit aus­zu­hal­ten? Ist man bereit, ande­re zu ent­täu­schen, um den eige­nen Weg zu gehen? Arte will ein selbst­be­stimm­tes Leben als Frau füh­ren, doch ihre Metho­den sind nicht ihre Ellen­bo­gen, son­dern ihr Herz, ihre Auf­rich­tig­keit und ihre gro­ße Lie­be zur Kunst. 

Buchinfo

Kei Ohku­bo:
Arte

Band 2
über­setzt von: Yuki Kow­alsky
Carl­sen, Ham­burg 2020
194 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Man­ga, Soft­co­ver
Alter: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−79862−6

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4.5 von 5.


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Kei Ohkubo: Arte 1 [Rezension]

Eine junge Frau mit Herz und Mut mischt ordentlich die Geschlechterrollen auf. 

Arte 1‹ führt uns nach Flo­renz im 16. Jahr­hun­dert. Das Ziel einer jeden Frau von Adel ist es, zu hei­ra­ten und eine Fami­lie zu grün­den – oder? Nicht, wenn es nach Arte geht. 

Denn viel wei­ter oben in der Lis­te ihrer Wün­sche steht die Kunst. Und die jun­ge Frau ist bereit, viel dafür auf­zu­ge­ben, um ihr Leben der Kunst wid­men zu dür­fen und sich nicht davon abhän­gig zu machen, ob ein poten­zi­el­ler Ehe­mann sie malen las­sen wür­de: ihr Heim, ihre Annehm­lich­kei­ten und ihr lan­ges Haar.

Nach dem Tod ihres Vaters ver­sucht ihre Mut­ter, Arte mög­lichst schnell zu ver­hei­ra­ten. Eben­so schnell ver­sucht Arte, als Lehr­ling in einer Kunst­werk­statt ange­nom­men zu wer­den. Doch Arte erhält eine Absa­ge nach der ande­ren – ihre Bil­der wer­den nicht eines Bli­ckes gewür­digt. Denn eine Frau als Lehr­ling wäre nicht nur unty­pisch, son­dern hat in der Ansicht der Meis­ter in einer Werk­statt auch nichts zu suchen. Somit muss sich Arte nicht nur vor ihrer Mut­ter bewei­sen, son­dern auch einen Meis­ter der Maler­zunft von sich überzeugen. 

»Ich wür­de es mit Sicher­heit genau­so bereu­en, wenn ich hei­ra­te. Wenn ich schon bereu­en muss, dann lie­ber etwas, das ich aus eige­nem Wil­len getan habe.«

Arte weiß in ›Arte 1‹ was sie will und vor allem, was sie nicht will. Sie will nicht, auf ihre Rol­le als Frau redu­ziert wer­den, ein Leben ohne die Kunst füh­ren, in dem sie nur dafür da ist, Kin­der zu gebä­ren und groß­zu­zie­hen. Denn obwohl die Male­rei in ›Arte 1‹ Artes Lei­den­schaft ist, trei­ben sie noch ganz ande­re Gefüh­le an, nicht das von ihrer Mut­ter gewünsch­te Leben füh­ren zu wollen.

»Mich hat etwas ande­res bewegt. Nicht die­ses Gefühl. Heu­te wie damals war etwas ande­res in mei­nem Her­zen: Wut.«

Arte lässt sich nicht unter­krie­gen, ist vol­ler Ener­gie, sym­pa­thisch und lebens­froh. Mit allen ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln ver­sucht sie, sich einen Platz im Leben zu erkämp­fen, an dem sie atmen kann. Und wächst dabei jedes Mal ein Stück wei­ter über sich hinaus.

Der Man­ga ›Arte 1‹ ist lie­be­voll gezeich­net und mir gefal­len die Zeich­nun­gen im Innen­teil viel bes­ser als das Cover. Das Flo­renz des 16. Jahr­hun­derts ist detail­ver­liebt und leben­dig ein­ge­fan­gen. Ger­ne folgt man der jun­gen Ade­li­gen Arte auf ihrem Weg durch das Leben als Malerlehrling.

»Ich bestim­me selbst, wie ich lebe. Ihr habt kein Recht fest­zu­le­gen, wo mei­ne Gren­zen sind.«

Fazit zu ›Arte 1

Dabei wir­ken ihre Ideen und Gedan­ken oft modern und ihrer Zeit ent­rückt. Auch heu­te berührt Artes Ener­gie, die sich nicht in ein enges Kor­sett pres­sen las­sen will. Der ers­te Band der Man­ga-Serie liest sich wie eine Lie­bes­er­klä­rung an die Kraft und den Mut von Frau­en: Ich bin gespannt, wie es im zwei­ten Band weitergeht.

Buchinfo

Kei Ohku­bo:
Arte

Band 1
über­setzt von: Yuki Kow­alsky
Carl­sen, Ham­burg 2020
194 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Man­ga, Soft­co­ver
Alter: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−79861−9

Rezen­si­on zuerst erschie­nen auf: Liz­zy­Net

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Margaret Owen: Knochendiebin [Rezension]

Die Krähen und ihre toten Götter. 

Namen wie ›Scheu­sal‹, ›Gal­gen­strick‹ oder ›Stur‹ sind es, die die Ange­hö­ri­gen der Krä­hen-Kas­te in ›Kno­chen­die­bin‹ tra­gen. Der ein­zi­gen, der zwölf Kas­ten von Sabor, der kein Geburts­recht zusteht. Sie sind Geäch­te­te und Vogel­freie, denen man jedes erdenk­li­che Leid zufü­gen kann, ohne sich dafür ver­ant­wor­ten zu müssen. 

Doch zugleich sind sie in die­sem Land, in dem seit Genera­tio­nen eine Seu­che wütet, die ein­zi­gen, die sich um die Bestat­tung der von die­ser Befal­le­nen küm­mern kön­nen. Fast jede Krä­he in Sabor hat durch die ande­ren Kas­ten Ange­hö­ri­ge oder Freun­de ver­lo­ren, nur weni­ge Krä­hen wer­den alt.

Doch wäh­rend die Aus­gren­zung der Krä­hen in ›Kno­chen­die­bin‹ eben­so fest zu Sabors Gesell­schaft gehö­ren wie die Sün­den­seu­che selbst, für die vie­le die Krä­hen ver­ant­wort­lich machen, hal­ten die Krä­hen fest zusam­men. ›Beschüt­ze die Dei­nen!‹ ist die Regel, nach der sie leben.

»Stur hat­te wäh­rend ihrer sech­zehn Lebens­jah­re vie­le Lek­tio­nen gelernt, meist auf die har­te Art: immer die Men­ge im Blick behal­ten; immer einen Flucht­weg parat haben; kei­ne Stadt allein betre­ten.
Und in den Näch­ten, in denen sie Sün­der ver­brann­ten, in den San­da­len schlafen.«

Die jun­ge Hexe und zukünf­ti­ge Flü­gel­her­rin Stur ist alles ande­re, als auf den Mund gefal­len. Weder wenn es dar­um geht, um Zäh­ne zu feil­schen, noch in Bezug auf die Män­ner ihrer Rot­te. Doch plötz­lich mit einem Phö­nix-Prin­zen und sei­nem Habicht-Leib­wäch­ter durch das Land zu rei­sen, um den Prin­zen zu schüt­zen, ist selbst für die auf­ge­weck­te Stur Neuland.

Denn wäh­rend sie sich in ›Kno­chen­die­bin‹ mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen muss, ob sie Mit­glie­dern der Phö­nix- oder der Habicht-Kas­te trau­en kann, die sie und die ihren stets wie Dreck behan­delt haben, müs­sen Prinz und Leib­wäch­ter eben­falls neue Erfah­run­gen machen. In das Gewand der Krä­hen gehüllt, spü­ren sie zum ers­ten Mal die Aus­gren­zung und den Hass der ande­ren. Müs­sen mit der Angst leben, die dies erzeugt, und der Ungerechtigkeit.

»Sie konn­te nicht spre­chen, nick­te aber. Habich­te baten nicht. Stur wuss­te nicht, wie sie mit einem umge­hen soll­te, der es trotz­dem tat.«

Wäh­rend es für den Prin­zen Jasi­mir und sei­nen Leib­wäch­ter Tavin ums Über­le­ben geht, steht für Stur die Zukunft ihrer Kas­te auf dem Spiel. Wenn es ihnen gelingt, den Prin­zen lebend zu sei­nen Ver­bün­de­ten zu brin­gen, müs­sen die Habich­te zukünf­tig die Krä­hen schützen. 

Doch die­se Abma­chung ist alles ande­re als ein­fach zu erfül­len. Schie­nen die Krä­hen doch bis­lang vom Glück und den tau­send toten Göt­tern ver­las­sen zu sein.

»Eine Krä­he hät­te gewusst, wie man sich ver­hielt. Man ließ die Leu­te höh­nen. Man ließ die Leu­te flu­chen und pöbeln und ging wei­ter, denn wenn man sich wehr­te, muss­ten auch ande­re dafür büßen.«

Mar­ga­ret Owen gelingt es, in ihrem Debüt ›Kno­chen­die­bin‹ eine Welt zu erschaf­fen, die von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te zwingt, den Atem anzu­hal­ten. Das Leben, das die Krä­hen füh­ren müs­sen, ist düs­ter und vol­ler Not. Und doch gelingt es den Krä­hen durch ihren Zusam­men­halt unter­ein­an­der inner­halb die­ser Düs­ter­nis ein Leben zu füh­ren, das mit­reißt. Owens Schreib­stil ist ein­dring­lich und lässt nicht nur beim Mam­mon-Tanz die Nacken­haa­re zu Ber­ge stehen.

Foto: pri­vat.

Die Sün­den­seu­che ist ein für die Krä­hen all­ge­gen­wär­ti­ges Grau­en in Sabor und es bleibt span­nend, im zwei­ten Band der Rei­he ›Die zwölf Kas­ten von Sabor‹ hof­fent­lich zu erfah­ren, wie die­se einst ihren Anfang nahm.

Fazit zu ›Knochendiebin

Kno­chen­die­bin‹ gehört zu jenen Büchern, die nicht nur für Jugend­li­che geschrie­ben sind, son­dern auch Erwach­se­ne fes­seln kön­nen. Eine star­ke, berüh­ren­de Prot­ago­nis­tin, wit­zi­ge und klu­ge Dia­lo­ge und eine düs­te­re Welt vol­ler Geheim­nis­se machen Owens Debüt ›Kno­chen­die­bin‹ mehr als lesens­wert. Gespannt darf auch nach dem zwei­ten Band der Dilo­gie – ›Krä­hen­zau­ber‹ – gegrif­fen werden.

Buchinfo

Mar­ga­ret Owen:
Kno­chen­die­bin

Roman
Die zwölf Kas­ten von Sabor, Band 1
Über­setzt von: Hen­ning Ahrens
Carl­sen, Ham­burg 2019
416 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−58405−2

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Hajime Isayama: Attack on Titan Deluxe Edition Band 6 [Rezension]

Die Hoffnung der Menschheit? 

Wenn die bekann­te Welt nur aus dem besteht, was sich inner­halb drei­er, rie­sen­haf­ter Mau­ern befin­det, ist jedes Stück davon kost­bar. Nur weni­ge trau­en sich in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 6‹, die Mau­ern zu ver­las­sen. Und von die­sen kom­men oft nur weni­ge zurück. 

Als die Men­schen des Bezirks Shi­ganshi­na mit­er­le­ben müs­sen, wie ein Wesen, grö­ßer als alles, was sie bis­her gese­hen haben, ein Loch in die äußers­te Mau­er tritt, endet die­se bekann­te Welt. Durch das Loch strö­men Tita­nen hin­ein. Rie­si­ge, men­schen­ähn­li­che Krea­tu­ren, die schein­bar nur ein Ziel ken­nen: zu fressen.

»Da wur­de mir zum ers­ten Mal klar, dass ich nicht frei war. Ich erkann­te, dass ich die gan­ze Zeit in einem Vogel­kä­fig gelebt hatte.«

Der jun­ge Eren muss mit­an­se­hen, wie sei­ne Mut­ter vor sei­nen Augen gefres­sen wird, wäh­rend er nichts tun kann, um ihr zu hel­fen. Nur der Wunsch, jeden ein­zel­nen Tita­nen zu ver­nich­ten, treibt ihn an, wei­ter­zu­le­ben. Der Bezirk inner­halb der äußers­ten Mau­er ist ver­lo­ren. Um Shi­ganshi­na zurück­zu­ge­win­nen, tre­ten Eren und sei­ne bei­den Kind­heits­freun­de dem Auf­klä­rungs­trupp bei: die Grup­pe all jener, die es noch wagen, die Mau­ern zu ver­las­sen und gegen die Tita­nen zu kämpfen.

Mit der Delu­xe-Edi­ti­on legt ›Carl­sen‹ nun eine Ver­si­on des Man­gas vor, die dem biblio­phi­len Leser gefal­len wird: Das Hard­co­ver mit gera­dem Rücken und Faden­hef­tung macht auch nach mehr­fa­chem Lesen noch einen tol­len Ein­druck. Damit der Leser jedoch zugleich nicht auf die Man­gaco­ver der im Hard­co­ver zusam­men­ge­fass­ten Bän­de ver­zich­ten muss, sind auch die­se far­big illus­triert in den Band mit auf­ge­nom­men. Somit kann nicht nur der Innen­teil des Man­ga- und Ani­me-Hits über­zeu­gen: Die Delu­xe-Edi­ti­on von ›Attack on Titan‹ ver­eint mei­ner Mei­nung nach das Bes­te aus den Ein­zel­bän­den mit den Vor­zü­gen eines hoch­wer­ti­gen Sammelbandes.

›Attack on Titan‹ besticht durch unvor­her­ge­se­he­ne Wen­dun­gen, die zugleich fest mit der Geschich­te ver­wo­ben sind. Durch­dach­te Kampf­me­tho­den kom­bi­niert mit über­zeu­gen­den mensch­li­chen Schick­sa­len, die unter die Haut gehen. ›Attack on Titan‹ hält vie­le ›Oha‹- und ›Wow‹-Momente bereit, die nicht nur für den klas­si­schen Ani­me- und Man­ga-Fan span­nend sind. Die aus­ge­klü­gel­te Geschich­te um Eren und sei­ne Freun­de wird von Band zu Band span­nen­der und in dem vor­lie­gen­den ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 6‹ darf mit eini­gen lang ersehn­ten Ereig­nis­sen und zugleich neu­en Rät­seln gerech­net werden.

Wer bis­lang nur den Ani­me kennt, dem kann ich den Man­ga nur ans Herz legen. Zwar ist die Hand­lung stark auf­ein­an­der bezo­gen, doch die ein oder ande­re Hin­ter­grund­in­for­ma­ti­on, oder Din­ge, die auf­fal­len kön­nen, da der Man­ga stär­ker eine eige­ne Lese­ge­schwin­dig­keit ermög­licht als der Ani­me eine Schau­ge­schwin­dig­keit, sind es wert.

»Wegen der neu­es­ten Gescheh­nis­se ist das völ­lig in den Hin­ter­grund gerückt, aber wer ist die­ser Feind eigent­lich, gegen den wir da kämpfen?«

Fazit zu ›Attack on Titan Deluxe Edition Band 6

Wer die Bän­de 1–15 schon kennt, bereits im Ani­me weit genug ist, oder kei­ne Angst vor Spoi­lern hat, kann ger­ne am Ende der Rezen­si­on auch eine nicht spoi­ler­freie inhalt­li­che Aus­ein­an­der­set­zung mit ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 6‹ fin­den. Aber: Wer ›Attack on Titan‹ noch nicht kennt, dem sei auf jeden Fall emp­foh­len, mit dem ers­ten Band zu begin­nen. Ent­we­der in Form des Man­gas – durch den 1. Band der Delu­xe-Edi­ti­on oder den Ein­zel­bän­den – oder in Form des Animes.

Buchinfo

Haji­me Isaya­ma:
Attack on Titan Delu­xe 6

beinhal­tet die Bän­de 16–18
Carl­sen, Ham­burg 2020
564 S., EUR (D) 25,00 inkl. MwSt.
Hard­co­ver, Man­ga
Ab 16 Jah­ren
ISBN 978−3−551−74108−0

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J. K. Rowling: Phantastische Tierwesen. Grindelwalds Verbrechen [Rezension]

Die zwei mächtigsten Zauberer der Welt in ihren jüngeren Jahren. 

Grin­del­wald gehört zu den Namen, die bei mir noch immer aus den ›Har­ry Pot­ter‹-Büchern nach­hal­len. Obwohl oder viel­leicht auch da er als Figur vor ›Grin­del­walds Ver­bre­chen‹ kaum in Erschei­nung tritt, und somit vor allem als Name in Geschich­ten exis­tiert, Dum­ble­do­res Berühmt­heit grün­det unter ande­rem in die­sem Namen. 

Obwohl er in Albus Dum­ble­do­res Jugend eine bedeu­ten­de Rol­le spielt, weiß der Lesen­de aus den ›Har­ry Pot­ter‹-Büchern selbst ver­gleichs­wei­se wenig über Grin­del­wald. Doch eines kann man sich vor­stel­len: Wer oder wie Grin­del­wald auch immer da: Die Welt, in der er gelebt hat und die er hin­ter­las­sen hat, ist jene, in der Tom Ridd­le und vie­le sei­ner Anhän­ger auf­wuch­sen. Und eini­ge der Über­zeu­gun­gen Grin­del­walds erin­nern stark an den Dunk­len Lord.

»G R I N D E L W A L D
Der Moment ist gekom­men,
euch allen mei­ne Visi­on der
Zukunft zu zei­gen, die uns
erwar­tet, wenn wir nicht
auf­be­geh­ren und unse­ren
recht­mä­ßi­gen Platz in der Welt
ein­neh­men.«

Grin­del­walds Ver­bre­chen‹, der Nach­fol­ge­band zu ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen und wo sie zu fin­den sind. Ori­gi­nal­dreh­buch‹, ist wesent­lich düs­te­rer als die­ser. Zwar spie­len Newt Sca­man­ders Tier­we­sen noch immer eine Rol­le, doch haben sie nicht mehr viel Gele­gen­heit, sich von ihrer amü­san­ten und hel­len Sei­te zu zei­gen. Ande­re Tier­we­sen zei­gen sich: ein Male­dic­tus, ein Obscurus.

Bild: Die Autorin J. K. Row­ling (Quel­le: Carl­sen)
© Debra Hur­ford Brown

Viel­mehr scheint es hin­ge­gen, als wür­den Dun­kel­heit und Schre­cken in ›Grin­del­walds Ver­bre­chen‹ erst Tor und Tür geöff­net werden. 

Oft schwingt in ›Grin­del­walds Ver­bre­chen‹ der Gedan­ke mit, dass, was auch immer pas­siert und den Per­so­nen wider­fährt, es zum Teil ihre Nach­fah­ren sein wer­den, die in den ›Har­ry Pot­ter‹-Bän­den auf der Sei­te von Dum­ble­do­re oder Vol­de­mort ste­hen wer­den und dass der Grund­stein dafür nun hier gelegt wird.

Fazit zu ›Grindelwalds Verbrechen

Grin­del­walds Ver­bre­chen‹ ist es gelun­gen, mich in sei­nen Bann zu zie­hen. Die im ers­ten Band auf­ge­bau­ten Geschich­ten ver­dich­ten sich, Geheim­nis­se for­dern ihre Auf­lö­sung. Doch obwohl ich die­ses Ori­gi­nal­dreh­buch wirk­lich sehr ger­ne gele­sen habe und die bei Carl­sen erschie­ne­ne Hard­co­ver-Aus­ga­be unglaub­lich schön ist, fin­de ich es ein wenig trau­rig, dass es eben nur das ist: ein Dreh­buch, und kein Roman. So vie­le inter­es­san­te Beweg­grün­de der Figu­ren kön­nen kaum so beleuch­tet wer­den, wie es in einem Roman mög­lich wäre, und so fehl­te es mir gegen Ende des Buches bei man­chen Figu­ren, dass ich die Moti­va­ti­on für oder gegen man­che Hand­lun­gen nicht immer nach­voll­zie­hen konn­te und sie mit­un­ter abrupt und zu schnell schie­nen. Doch kann dies dem Dreh­buch, solan­ge es als sol­ches betrach­tet wird, kei­nen Abbruch tun. Defi­ni­tiv lesens­wert für alte oder neue Fans von ›Har­ry Pot­ter‹.

»D U M B L E D O R E
[…]
Sie fra­gen sich nur, ob etwas
rich­tig ist oder und getan wer­den
muss. Und dann tun Sie es,
kos­te es, was es wolle.«

Buchinfo

J. K. Row­ling:
Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen:
Grin­del­walds Ver­bre­chen

Das Ori­gi­nal­dreh­buch
Aus dem Eng­li­schen von Anja Han­sen-Schmidt
Carl­sen Ver­lag, Ham­burg 2018
304 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Hard­co­ver, gebun­den mit Schutz­um­schlag
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−55709−4

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J. K. Rowling: Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind. Das Originaldrehbuch [Rezension]

Von der Liebe zu Tierwesen. 

Wie vie­le, vie­le ande­re in mei­ner Genera­ti­on (und nicht nur die­ser) bin ich schon vor ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen und wo sie zu fin­den sind. Das Ori­gi­nal­dreh­buch‹ ein rie­si­ger Fan von ›Har­ry Pot­ter‹ und alles, was J. K. Row­ling zum ›Har­ry Pot­ter‹-Uni­ver­sum schreibt, lan­det frü­her oder spä­ter auf mei­nem Lesestapel. 

Ihre Geschich­ten um den jun­gen Har­ry Pot­ter und sei­ne Freun­de haben mei­ne Welt ein gro­ßes Stück magi­scher und wär­mer gemacht. 

Es über­rascht somit nicht, dass ich auch ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen und wo sie zu fin­den sind. Das Ori­gi­nal­dreh­buch‹ gele­sen habe. Was mich hin­ge­gen über­rascht hat, war, dass ich es erst die­ses Jahr getan habe. Als der Film Ende 2016 in die deut­schen Kinos kam, muss­te ich unbe­dingt rein. Nor­ma­ler­wei­se hät­te ich zuerst das Buch gele­sen, aber irgend­wie hat­te es sich in die­sem Jahr anders ergeben.

»Mr Gra­ves, Sir, das ist Mr Sca­man­der.
Er hat ein när­ri­sches Geschöpf in
sei­nem Kof­fer, das in einer Bank
ent­flo­hen war und für Auf­re­gung
gesorgt hat.«

Ich weiß nicht, was ich von dem Film erwar­tet habe, aber es war von Anfang an klar, dass er nur schwer wür­de an mei­ne Lie­be zu den ›Har­ry Pot­ter‹-Büchern anknüp­fen kön­nen. An sich gese­hen ist der Film schön: Die Tier­we­sen sind lie­be­voll aus­ge­ar­bei­tet auf die Lein­wand gezau­bert wor­den, eini­ge der Schau­spie­ler wie Eddie Red­may­ne gehör­ten bereits vor dem Film zu mei­nen Lieblingen.

Bild: Die Autorin J. K. Row­ling (Quel­le: Carl­sen)
© Debra Hur­ford Brown

Trotz­dem konn­te der Film mich nicht ganz über­zeu­gen. Ver­mut­lich, weil die ›Har­ry Pot­ter‹-Bücher mit jedem wei­te­ren Band an unglaub­li­cher Inten­si­tät zuge­nom­men hat­ten und mit ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen und wo sie zu fin­den sind. Das Ori­gi­nal­dreh­buch‹ erst wie­der etwas Neu­es begin­nen muss­te, das Zeit brau­chen wür­de, eine ähn­li­che Inten­si­tät zu ent­wi­ckeln. Als ich 2019 dann tat­säch­lich das Ori­gi­nal­dreh­buch zum Film las, hat sich die­ses Gefühl bestä­tigt. Der alt­ein­ge­ses­se­ne Fan in mir muss­te erst ler­nen, dass sie zwar ein Stück weit zusam­men­ge­hör­ten, ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen‹ jedoch erst ein­mal sei­ne eige­ne Geschich­te erzäh­len musste. 

Die Geschich­te des Tier­we­sen­lieb­ha­bers Newt Sca­man­der, der Auro­rin Tina und ihren Freun­den und Ver­bün­de­ten. Doch sind bereits in ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen und wo sie zu fin­den sind. Das Ori­gi­nal­dreh­buch‹ eini­ge Hin­wei­se ver­steckt, die die Ver­bun­den­heit zu den ›Har­ry Pot­ter‹-Bän­den, die chro­no­lo­gisch nach ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen und wo sie zu fin­den sind. Das Ori­gi­nal­dreh­buch‹ ange­sie­delt sind, erah­nen lassen.

Fazit zu ›Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind. Das Originaldrehbuch

Zum Ende hin ver­dich­tet sich die Geschich­te um Newt und Tina und macht gro­ße Lust, den nächs­ten Band von ›Phan­tas­ti­sche Tier­we­senGrin­del­walds Ver­bre­chen‹ – in die Hän­de zu bekom­men. Die deutsch­spra­chi­ge Aus­ga­be, die bei Carl­sen erschie­nen ist, macht das Buch auf jeden Fall auch zu einem opti­schen Hin­gu­cker, dem ver­mut­lich kein Niff­ler wider­ste­hen könnte.

»Es gesche­hen selt­sa­me Din­ge über­all
in der Stadt. Dahin­ter ste­cken Leu­te,
die nicht so sind wie wir. Das ist
Hexe­rei, siehst du das nicht?«

Buchinfo

J. K. Row­ling:
Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen
und wo sie zu fin­den sind

Das Ori­gi­nal­dreh­buch
Aus dem Eng­li­schen von Anja Han­sen-Schmidt
Carl­sen Ver­lag, Ham­burg 2017
304 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Hard­co­ver, gebun­den mit Schutz­um­schlag
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−55694−3

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 3.5 von 5.


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