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Laini Taylor: Muse of Nightmares 1 (Strange the Dreamer 3) [Rezension]

Was von den Göttern geblieben ist. 

Und dann war ein Mäd­chen in ›Muse of Night­ma­res 1‹ vom Him­mel gefal­len. Blau und wun­der­schön. Nur in ein Nacht­hemd aus Sei­de gehüllt, das Genick gebrochen. 

Das ers­te Mal, dass Lazlo Stran­ge die Frau, die er liebt, in sei­ne Arme neh­men kann, ist sie bereits tot. Doch die Bewoh­ner von Weep, der Stadt, in der sie stirbt, sind in ›Muse of Night­ma­res 1‹ nicht wegen ihres Todes von Grau­en erfüllt. Son­dern wegen ihrer blau­en Haut. 

Die Schre­cken, die die blau­häu­ti­gen Mes­art­him über die Bewoh­ner von Weep brach­ten, lie­gen nicht lan­ge zurück. Vie­le erin­nern sich noch an die Zeit, in der Mäd­chen und Jun­gen fürch­ten muss­ten, von ihnen geholt zu wer­den. Vie­le waren selbst dar­un­ter und ein Jahr spä­ter ohne Erin­ne­rung zurück­ge­bracht worden. 

Doch nicht nur die Bewoh­ner von Weep lei­den unter den Schre­cken der Ver­gan­gen­heit, von denen sie sich nur befrei­en konn­ten, da Eril-Fane alle Mes­art­him erschlug. Vier Babys und Klein­kin­der über­leb­ten den Tag, an dem sich Weep von den Göt­tern befrei­te. Vier von drei­ßig. Die ande­ren Babys wur­den an jenem Tag wie die ande­ren Mes­art­him ersto­chen. Zu groß war die Furcht davor, wozu sie her­an­wach­sen und wel­che Gaben in ihnen schlum­mern könnten. 

»In sei­nen Her­zen hat­te [Lazlo] Krieg statt Frie­den gewählt, Krieg gegen die­ses erbar­mungs­lo­se, dunk­le Kind. Aber Lazlo war nicht für den Kampf geschaf­fen, und sei­ne Her­zen besa­ßen wenig Talent zum Has­sen. Wäh­rend er Minya gehen sah, so schmäch­tig und allein, über­kam ihn ein erschüt­tern­der Moment der Klarheit.«

Vie­le Fra­gen sind in ›Muse of Night­ma­res 1‹ unge­klärt. Was geschah mit den Kin­dern, die die Göt­ter mit den ent­führ­ten Men­schen zeug­ten? Wer hat­te die Mes­art­him gesandt und waren mit ihnen die letz­ten erwach­se­nen Mes­art­him aus­ge­stor­ben, die sich noch an eine ande­re Welt erinnerten?

Der Schmerz und die Angst sit­zen tief in ›Muse of Night­ma­res 1‹ in den Bewoh­nern von Weep und den letz­ten Über­le­ben­den der Göt­ter. Schicht für Schicht haben die ers­ten bei­den Bän­de der Rei­he ›Stran­ge the Drea­mer 1 und 2‹ die Geschich­te um Weep und die Mes­art­him auf­ge­baut. Sie haben die Trau­ma­ta sicht­bar gemacht, die noch immer nicht enden wol­len. Eril-Fane, der jun­ge Mann, der die Göt­ter und ihre Kin­der erschlug, nach­dem er meh­re­re Jah­re als Skla­ve bei den Mes­art­him leben muss­te und zuvor bereits die Angst und Schre­cken mit den Bewoh­nern von Weep geteilt hat­te. Minya, das blau­häu­ti­ge Mäd­chen, das sich als ein­zi­ge an die Schre­cken auf dem Säug­lings­trakt erin­nert, als Eril-Fane kam, und die noch immer nicht ver­ges­sen kann, dass sie damals nur drei der drei­ßig Babys ret­ten konn­te. Mehr hat­te sie nicht tra­gen können.

»Oh, Minya kann­te den Tod. Schließ­lich hat­te er sie zu dem gemacht, was sie war: ein ewi­ges Kind, das nie­mals erwach­sen wur­de, nie­mals ver­gaß und nie­mals vergab.«

Was für eine Hoff­nung gibt es in ›Muse of Night­ma­res 1‹ für Eril-Fane und Minya, für die Kin­der der Göt­ter und die Bewoh­ner von Weep? Kön­nen ein so tief sit­zen­der Schmerz und eine so lan­ge andau­ern­de Qual ertrag­bar werden?

Fazit zu ›Muse of Nightmares 1

Mit ›Muse of Night­ma­res 1‹ ist Tay­lor eine Fort­set­zung gelun­gen, die eben­so span­nend wei­ter­geht, wie ›Stran­ge the Drea­mer‹ geen­det hat­te. Stück für Stück ent­fal­ten sich die Per­spek­ti­ven wei­ter, zei­gen sich mehr der Schre­cken und Ängs­te von Weep und den Kin­dern der Göt­ter. Vie­le der Cha­rak­te­re ste­hen zwi­schen gut und böse. Sie sind von den Gedan­ken geprägt, wie es hät­te sein kön­nen und wie es nie mehr sein wird. Ein fan­tas­ti­scher Roman über die tiefs­ten Schre­cken und den Ver­such, mit ihnen zu leben. Noch eini­ge letz­te Geheim­nis­se las­sen gespannt auf das Fina­le in ›Muse of Night­ma­res 2‹ warten.

Buchinfo

Lai­ni Tay­lor:
Muse of Night­ma­res

Das Geheim­nis des Träu­mers
Buch 1 (Stran­ge the Drea­mer 3)
Roman
Über­setzt von: Ulri­ke Rai­mer-Nol­te
One, Köln 2020
351 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
Erzäh­len­des für jun­ge Erwach­se­ne
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−8466−0100−6

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4 von 5.


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Diana Wynne Jones: Das wandelnde Schloss [Rezension]

Von einem Mädchen, das an sein Unglück glaubte. 

Als Dia­na Wyn­ne Jones (1934–2011) im Jah­re 1986 den ers­ten Band der ›Howl-Saga‹ ›Das wan­deln­de Schloss‹ ver­öf­fent­lich­te, war sie im Lite­ra­tur­be­trieb längst kei­ne Unbe­kann­te mehr. Neben eigen­stän­di­gen Wer­ken der Kinder‑, Jugend- und Erwach­se­nen­li­te­ra­tur hat­te sie bereits die ers­ten Bän­de ihrer ›Chres­to­man­ci‹- und ihrer ›Dale­mark‹-Serie ver­öf­fent­licht.

Das wan­deln­de Schloss‹ erzählt die Geschich­te der jun­gen Sophie Hat­ter, die in einem Hut­la­den arbei­tet und beson­de­re Hüte schnei­dert, bis sie eines Tages von einem bösen Fluch in eine alte Frau ver­wan­delt wird. Sophie, die über­zeugt davon ist, das nur das Unglück auf sie war­te, weil sie die ältes­te von drei Schwes­tern ist, kann sich nie­man­dem in ihrem Hei­mat­ort anvertrauen. 

Sie geht fort und ent­schließt sich, als ihr die Stra­pa­zen ihres neu­en Alters bewusst wer­den, zum Schloss des Zau­be­rers Howl zu gehen, von dem behaup­tet wird, dass er jun­ge Mäd­chen ent­füh­re und auffresse. 

Doch statt auf einen men­schen­fres­sen­den Zau­be­rer zu tref­fen, wird sie Teil der selt­sams­ten und lie­bens­wür­digs­ten Wohn­ge­mein­schaft, die man sich vor­stel­len kann. 

»Was mich her­ge­führt hat, jun­ger Mann?«, frag­te sie. Das lag doch auf der Hand, jetzt, wo sie das Schloss gese­hen hat­te. »Ich bin her­ge­kom­men, weil ich dei­ne neue Putz­frau bin, ist doch klar.«

Mit einer wohl plat­zier­ten und dosier­ten Por­ti­on Humor räumt Sophie Hat­ter in vie­ler­lei Hin­sicht in die­ser neu­en Welt der Zau­be­rei auf. Umge­ben von dem sich stets bekla­gen­den Ofen­feu­er, dem ver­lieb­ten Lehr­ling des Zau­be­rers, ver­folgt von einer flot­ten Vogel­scheu­che und stets bereit, eine neue Sei­te an Howl ken­nen­zu­ler­nen, fin­det sie weit mehr als das Unglück, das sie in ihrem Leben erwar­tet hatte. 

Klas­si­sche Ele­men­te der Fan­tas­tik wie die Sie­ben­mei­len­stie­fel, ver­zau­ber­te Gegen­stän­de und Tie­re, wer­den gemischt mit ori­gi­nel­len Figu­ren und einer zau­ber­haf­ten Schreib­wei­se und machen so ›Das wan­deln­de Schloss‹ zu einem gro­ßen Ver­gnü­gen – und dies nicht nur für jene, die bereits den gleich­na­mi­gen Film von ›Stu­dio Ghi­b­li‹ mochten. 

»Die­ser Mann und die­ses rie­si­ge, wich­ti­ge Ding, sein König­tum eben, kamen ihr in ihrem ver­wirr­ten Zustand vor wie zwei unter­schied­li­che Wesen, die nur durch Zufall den­sel­ben Ses­sel besetz­ten. Und ihr ging auf, dass sie jedes Wort der von Howl sorg­sam aus­ge­tüf­tel­ten Rede ver­ges­sen hatte.«

Der ers­te Band der ›Howl-Saga‹ lebt von dem Unaus­ge­spro­che­nem. Die Per­so­nen haben Geheim­nis­se vor­ein­an­der, nicht alles ist leicht aus­zu­spre­chen, ob durch Angst oder einen Fluch. Und obwohl die Kapi­tel­über­schrif­ten bereits einen Vor­aus­blick zulas­sen, um zu wis­sen, was das Kapi­tel brin­gen wird, trägt das Unaus­ge­spro­che­ne als Grund­span­nung über den Roman hinweg. 

Fazit zu ›Das wandelnde Schloss

Das wan­deln­de Schloss‹ ist eine Lie­bes­er­klä­rung an die Fan­tas­tik, an lie­be­voll ent­wor­fe­ne Figu­ren mit Kan­ten und an klei­ne Hel­den und Hel­din­nen, die zusam­men Gro­ßes bewir­ken kön­nen. Ich freue mich auf ein Wie­der­se­hen mit Howl und Sophie in ›Der Palast im Him­mel‹.

Buchinfo

Dia­na Wyn­ne Jones:
Das wan­deln­de Schloss

Die Howl-Saga, Band 1
Über­setzt von Dr. Gabrie­le Haefs
Droemer Knaur, Mün­chen 2019
304 S., EUR (D) 12,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−52538−8

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


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Laini Taylor: Strange the Dreamer 1 [Rezension]

Lazlo Stran­ge fehlt es in ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ an vie­lem. Einer Fami­lie, einer Her­kunft, Wohl­stand und Schön­heit. Sei­nen Nach­na­men teilt er mit ande­ren Fin­del­kin­dern, sei­nen Vor­na­men mit einem stum­men Mann, den er nie ken­nen­ge­lernt hat. Doch bei all den Din­gen, bei denen Lazlo leer aus­ge­gan­gen ist, ist er mit einem geseg­net: sei­ner Fantasie. 

Lazlo hängt an den alten Geschich­ten, die er in der Biblio­thek, in der er arbei­tet, auf­stö­bert und nie­der­schreibt. Er hängt sogar so sehr an ihnen, dass er nicht zögert, sich Eril-Fane anzu­schlie­ßen, als die­ser in sei­nem Ort nach Gelehr­ten sucht.

Eril-Fane stammt aus der Stadt Weep, die nicht nur ihren rich­ti­gen Namen ver­lo­ren hat, son­dern die sich wei­te­ren Mys­te­ri­en aus­ge­setzt sieht. Die glei­chen Mys­te­ri­en, die Sarai und die ande­ren Kin­der, die zur Hälf­te von Göt­tern und zur Hälf­te von Men­schen abstam­men, umgeben.

»Namen kön­nen ver­lo­ren gehen oder in Ver­ges­sen­heit gera­ten. Das wuss­te nie­mand bes­ser als Lazlo Strange.«

Sowohl die Kin­der der alten Göt­ter, von deren Exis­tenz die Men­schen von Weep nichts ahnen, als auch die Men­schen von Weep selbst, die unter den alten Göt­tern lit­ten, ver­su­chen zu über­le­ben und zurück zu ihrem alten, siche­ren Leben zu kom­men. Und Lazlo ist mittendrin.

Lazlo und Sarai sind in ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ jun­ge Erwach­se­ne, die noch zu jung sind, um sich an die alten Göt­ter zu erin­nern. Was sie wis­sen, stammt aus der Erin­ne­rung ande­rer und dem, was sie erzählen.

Doch sie unter­schei­den sich von ande­ren jun­gen Erwach­se­nen, wie auch vie­le Bewoh­ner von Weep sich von ande­ren Men­schen unter­schei­den: Sie sind die Ver­sehr­ten und Trau­ma­ti­sier­ten. Ent­we­der lit­ten sie durch die alten Göt­ter, die Men­schen nah­men, wie es ihnen pass­te, und auch nur dann zurück­ga­ben, wenn sie es woll­ten. Oder sie lit­ten unter dem Mas­sa­ker, bei dem die alten Göt­ter und so vie­le ande­re ums Leben kamen.

Es ist ihre Geschich­te, die ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ erzählt. Die Geschich­te jener, die über­leb­ten, und sich mit dem was war und sei­nen Fol­gen für Gegen­wart und Zukunft aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Dabei hat ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ bei­des: star­ke Män­ner und star­ke Frau­en, die sich in der fan­tas­ti­schen Welt von Lai­ni Tay­lor mit Schre­cken und Ängs­ten kon­fron­tiert sehen, die auch Men­schen jen­seits jeg­li­cher Fan­tas­tik ken­nen. Die Angst, jene zu ver­lie­ren und nicht beschüt­zen zu kön­nen, die man liebt. Die Furcht, dass man selbst oder ande­re ihrer kör­per­li­chen und see­li­schen Unver­sehrt­heit beraubt werden.

»Der Name des Mons­ters war Isa­gol gewe­sen, Göt­tin der Ver­zweif­lung. Ihre Mut­ter. Seit fünf­zehn Jah­ren tot.«

Fazit zu ›Strange the Dreamer 1

Dabei schafft es Lai­ni Tay­lor in ›Stran­ge the Drea­mer 1‹, dass Lazlo und der Leser nach und nach von den Schre­cken und den damit ver­bun­de­nen Wün­schen erfah­ren, und in die­se hin­ein­wach­sen müs­sen. Sti­lis­tisch könn­te man sich an man­chen Stel­len mehr ›Show, don’t tell‹ wün­schen, um der fan­tas­ti­schen Welt des Träu­mers Lazlo näher­zu­kom­men. Doch dies kann die Geschich­te um Lazlo und Sarai kaum weni­ger mys­tisch und span­nend wer­den las­sen. Denn eines ist sicher, sobald man sich auf die Geheim­nis­se der Roman­welt ein­ge­las­sen hat: Man wird sie nicht mehr so schnell los­be­kom­men: In Band 2 geht es weiter.

Buchinfo

Lai­ni Tay­lor:
Stran­ge the Drea­mer
Der Jun­ge, der träum­te, Buch 1
Über­setzt von Ulri­ke Rai­mer-Nol­te
One, Köln 2019
343 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver
Erzäh­len­des für jun­ge Erwach­se­ne
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−8466−0085−6

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


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