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Kei Ohkubo: Arte 1 [Rezension]

Eine junge Frau mit Herz und Mut mischt ordentlich die Geschlechterrollen auf. 

Arte 1‹ führt uns nach Flo­renz im 16. Jahr­hun­dert. Das Ziel einer jeden Frau von Adel ist es, zu hei­ra­ten und eine Fami­lie zu grün­den – oder? Nicht, wenn es nach Arte geht. 

Denn viel wei­ter oben in der Lis­te ihrer Wün­sche steht die Kunst. Und die jun­ge Frau ist bereit, viel dafür auf­zu­ge­ben, um ihr Leben der Kunst wid­men zu dür­fen und sich nicht davon abhän­gig zu machen, ob ein poten­zi­el­ler Ehe­mann sie malen las­sen wür­de: ihr Heim, ihre Annehm­lich­kei­ten und ihr lan­ges Haar.

Nach dem Tod ihres Vaters ver­sucht ihre Mut­ter, Arte mög­lichst schnell zu ver­hei­ra­ten. Eben­so schnell ver­sucht Arte, als Lehr­ling in einer Kunst­werk­statt ange­nom­men zu wer­den. Doch Arte erhält eine Absa­ge nach der ande­ren – ihre Bil­der wer­den nicht eines Bli­ckes gewür­digt. Denn eine Frau als Lehr­ling wäre nicht nur unty­pisch, son­dern hat in der Ansicht der Meis­ter in einer Werk­statt auch nichts zu suchen. Somit muss sich Arte nicht nur vor ihrer Mut­ter bewei­sen, son­dern auch einen Meis­ter der Maler­zunft von sich überzeugen. 

»Ich wür­de es mit Sicher­heit genau­so bereu­en, wenn ich hei­ra­te. Wenn ich schon bereu­en muss, dann lie­ber etwas, das ich aus eige­nem Wil­len getan habe.«

Arte weiß in ›Arte 1‹ was sie will und vor allem, was sie nicht will. Sie will nicht, auf ihre Rol­le als Frau redu­ziert wer­den, ein Leben ohne die Kunst füh­ren, in dem sie nur dafür da ist, Kin­der zu gebä­ren und groß­zu­zie­hen. Denn obwohl die Male­rei in ›Arte 1‹ Artes Lei­den­schaft ist, trei­ben sie noch ganz ande­re Gefüh­le an, nicht das von ihrer Mut­ter gewünsch­te Leben füh­ren zu wollen.

»Mich hat etwas ande­res bewegt. Nicht die­ses Gefühl. Heu­te wie damals war etwas ande­res in mei­nem Her­zen: Wut.«

Arte lässt sich nicht unter­krie­gen, ist vol­ler Ener­gie, sym­pa­thisch und lebens­froh. Mit allen ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln ver­sucht sie, sich einen Platz im Leben zu erkämp­fen, an dem sie atmen kann. Und wächst dabei jedes Mal ein Stück wei­ter über sich hinaus.

Der Man­ga ›Arte 1‹ ist lie­be­voll gezeich­net und mir gefal­len die Zeich­nun­gen im Innen­teil viel bes­ser als das Cover. Das Flo­renz des 16. Jahr­hun­derts ist detail­ver­liebt und leben­dig ein­ge­fan­gen. Ger­ne folgt man der jun­gen Ade­li­gen Arte auf ihrem Weg durch das Leben als Malerlehrling.

»Ich bestim­me selbst, wie ich lebe. Ihr habt kein Recht fest­zu­le­gen, wo mei­ne Gren­zen sind.«

Fazit zu ›Arte 1

Dabei wir­ken ihre Ideen und Gedan­ken oft modern und ihrer Zeit ent­rückt. Auch heu­te berührt Artes Ener­gie, die sich nicht in ein enges Kor­sett pres­sen las­sen will. Der ers­te Band der Man­ga-Serie liest sich wie eine Lie­bes­er­klä­rung an die Kraft und den Mut von Frau­en: Ich bin gespannt, wie es im zwei­ten Band weitergeht.

Buchinfo

Kei Ohku­bo:
Arte

Band 1
über­setzt von: Yuki Kow­alsky
Carl­sen, Ham­burg 2020
194 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Man­ga, Soft­co­ver
Alter: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−79861−9

Rezen­si­on zuerst erschie­nen auf: Liz­zy­Net

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Leigh Bardugo: Das Lied der Krähen [Rezension]

Von sechs jungen Menschen, die das Unmögliche wagen. 

Die Figu­ren in ›Das Lied der Krä­hen‹ sind Abschaum. Der Dreck auf den Stra­ßen, lie­gen­ge­blie­ben und fest­ge­tre­ten durch die Ver­bre­chen jener, die vor ihnen kamen. 

Das Bar­rel hat sie Leben gelehrt, in sei­nen Freu­den­häu­sern, Stra­ßen­kämp­fen und Kasi­nos, in denen Men­schen­le­ben oft nur eine Ware sind. Sie wis­sen, dass die ver­lie­ren, die Schwä­che zei­gen. Also ver­su­chen sie, sie zu ver­ber­gen: die Her­kunft des einen, die Glücks­spiel­sucht oder die Lie­be des anderen.

Man soll­te anneh­men, dass es Din­ge gibt, die sogar zu ver­rückt und abwe­gig für jene sind, die in Ket­ter­dams dunk­len Gas­sen groß gewor­den sind: Ein Ein­bruch ins Eis­tri­bu­nal der Fje­r­dan, das unzäh­li­ge Gri­sha zum Tode ver­ur­teilt hat, um einen Gefan­ge­nen zu befrei­en, der bes­ser bewacht wird, als jeder sonst im Tribunal.

Eine unmög­li­che, im bes­ten Fall lebens­mü­de Auf­ga­be. Die wenigs­ten wäre so ver­rückt, sich auf solch einen Auf­trag ein­zu­las­sen, selbst wenn eine saf­ti­ge Beloh­nung winkt. Doch die wenigs­ten sind wie Kaz Brek­ker – geris­sen, gefürch­tet und talen­tiert – und sei­ne Dregs. Mit nur fünf Ver­bün­de­ten wagt er sich ins Eis­tri­bu­nal, um eine Per­son zu befrei­en, deren Schick­sal das Leben der Gri­sha für immer ver­än­dern könn­te. Und genau­so unge­wöhn­lich wie sei­ne Metho­den ist die Wahl sei­nes Teams in ›Das Lied der Krä­hen‹.

»Mat­thi­as Hel­var war ein Drüs­kel­le, einer der Hexen­jä­ger aus Fje­r­da, deren Auf­trag es war, Gri­scha zu jagen, um sie dem Gericht und ihrer Exe­ku­ti­on zu über­ant­wor­ten. Doch für sie hat­te er schon immer einem Krie­ger­hei­li­gen geäh­nelt, von gol­de­nem Licht umkränzt.«

Leigh Bar­d­u­gos Glo­ry or Gra­ve‹-Dilo­gie bringt die Leser und Lese­rin­nen zwar nicht zurück in das aus der Tri­lo­gie ›Legen­den der Gri­sha‹ bekann­te Raw­ka, doch zurück in das Gris­ha­ver­se. Weni­ge Jah­re nach den Ereig­nis­sen der Tri­lo­gie und zeit­lich vor der ›Thron aus Asche und Gold‹-Dilogie (›King of Scars‹) sind ›Das Lied der Krä­hen‹ und ›Das Gold der Krä­hen‹ ange­sie­delt. Ich wür­de emp­feh­len, die Krä­hen-Dilo­gie am bes­ten erst nach der Gri­sha-Tri­lo­gie zu lesen. Zwar lässt sie sich auch eigen­stän­dig lesen, doch hat man so den größ­ten Lesegenuss.

In den Stra­ßen Kerchs, in denen Kaz Brek­ker und sei­ne Dregs, zu Hau­se sind, ist es für Gri­sha nicht sicher. Sie wer­den ent­führt, ver­kauft und in Arbeits­ver­trä­ge gezwängt, die nie­mals abge­ar­bei­tet wer­den kön­nen – im bes­ten Fall. Somit kann Kaz für sei­nen Ein­bruch ins Eis­tri­bu­nal nicht auf ein gut aus­ge­bil­de­tes Gri­sha-Team zurück­grei­fen: Kaz’ Ver­stand und Ideen­reich­tum wer­den mehr­fach auf die Pro­be gestellt.

»Kaz zupf­te an den Ärmeln sei­ner Uni­form. ›Nina, die Men­schen lie­ben es, die Auto­ri­tät an gut geklei­de­te Män­ner abzu­ge­ben. Ich besit­ze Uni­for­men von der Stadt­wacht, der Hafen­po­li­zei und die Tracht eines jeden Krä­mer­hau­ses an der Geldstraat.‹«

Das Lied der Krä­hen‹ ist auf eine ande­re Art span­nend und fes­selnd, als es die Gri­sha-Tri­lo­gie war. 

Unge­wöhn­li­che Magie ist zwar nicht ganz aus der Welt, doch neh­men Tak­tik und Ideen­reich­tum eine weit­aus grö­ße­re Bedeu­tung ein. 

Fazit zu ›Das Lied der Krähen

Die Sol­da­ten der Ers­ten und Zwei­ten Armee machen Platz für die Gano­ven des Bar­rels. Obwohl ich anfangs die Wär­me ver­misst habe, die ich mit der Gri­sha-Tri­lo­gie ver­bin­de, kön­nen Kaz Brek­ker und sei­ne Trup­pe über­zeu­gen: in ihrer Unter­schied­lich­keit und, weil sie sich nicht unter­krie­gen las­sen, obwohl manch­mal alles gegen sie ver­schwo­ren scheint. Düs­ter, span­nend und Lust auf Mehr machen. Der zwei­te Band, ›Das Gold der Krä­hen‹, wird nicht lan­ge auf mich war­ten müssen.

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
Das Lied der Krä­hen

Glo­ry or Gra­ve
Band 1
Über­setzt von: Michel­le Gyo
Knaur HC, Mün­chen 2017
592 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−65443−9

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Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone – Goldener Zorn [Rezension]

Die Schrecken von Mensch und Magie. 

Die Zeit, in der die Macht der Maji die Welt beherrsch­te, ist in ›Gol­de­ner Zorn‹ vor­über. Und mit ihr ist die Magie ver­schwun­den. Doch obwohl die Gefahr durch den Miss­brauch von Magie gebannt ist, müs­sen all jene ster­ben, die in der Lage waren, sie auszuführen. 

Wäh­rend mit der Magie die Maji ver­schwin­den, ver­lie­ren vie­le Freun­de, Geschwis­ter, Eltern. Nur wer zu jung ist, um Magie ein­ge­setzt zu haben, darf überleben. 

Doch das Leben jener, die durch das wei­ße Haar noch immer davon zeu­gen, dass es die Maji ein­mal gege­ben hat, ist hart: Sie wer­den grund­los ernied­rigt, gequält oder getö­tet. Wer ihnen hilft, muss mit Pro­ble­men rechnen. 

Doch der Geist der Divî­nés, die in der Zeit der Magie zu Majis gewor­den wären, ist nicht erlo­schen. Im Gehei­men trai­nie­ren eini­ge von ihnen. Dür­fen sie auch kei­ne Waf­fen tra­gen, schu­len sie den­noch ihre Fähig­kei­ten, als spür­ten sie, dass der Tag kom­men wür­de. Und der Tag kommt.

»Die Göt­ter haben bereits ein­ge­grif­fen. Nach so lan­ger Zeit schen­ken sie uns unse­re Gaben erneut. Ihr müsst dar­auf ver­trau­en, dass sie nicht mit dem Schick­sal der Maji spie­len würden.«

Zélie war noch ein Kind, als ihre Mut­ter vor ihren Augen ver­schleppt wur­de. Als sie sie das nächs­te Mal sieht, ist sie bereits tot. Der Geist des Vaters gebro­chen. Der Bru­der selbst noch ein Kind. Und Zélie weiß, dass ihre Mut­ter noch leben wür­de, wenn man ihr zuvor nicht die Magie genom­men hätte.

Doch jetzt, nach vie­len Jah­ren, geschieht etwas, das die Welt wie­der ver­än­dern könn­te: Ist es mög­lich, die Magie zurückzubringen? 

Zélie hofft es, denn so kann es für die Divî­nés nicht wei­ter­ge­hen. Fern ab von dem Dorf, in dem sie auf­wuchs, will sie die­se Hoff­nung wahr machen – und das nicht allein. Doch wäh­rend sie Hil­fe von uner­war­te­ten Ver­bün­de­ten erhält, wächst die Zahl ihrer Fein­de schnell. In einem Land, das von Raub­tie­ren bevöl­kert ist, in dem die Toten von ihren Trau­ma­ta im Dies­seits gehal­ten wer­den und das Leben einer Divî­né nichts wert ist.

»Töte das Mäd­chen.
Ver­nich­te die Magie.
Das ist mein ein­zi­ger Plan.«

Adey­e­mis Figu­ren in ›Gol­de­ner Zorn‹ haben vor allem eines: Mut. Sie las­sen alles hin­ter sich, was sie gekannt haben. Obwohl sie sich noch an die Grau­en der Blut­nacht, die Zélies Mut­ter das Leben gekos­tet hat, erin­nern. Die Regeln die­ser Welt sind grau­sam für jene wie Zélie, die mit wei­ßen Haa­ren gebo­ren sind. Leben ist kaum mehr als Über­le­ben – und auch das nur, falls sie Glück haben.

Doch trotz der Schre­cken, die sie erlebt haben, sprü­hen Adey­e­mis Figu­ren in ›Gol­de­ner Zorn‹ vor Ener­gie. Sie sind nicht auf den Mund gefal­len, kön­nen ihr Tem­pe­ra­ment nicht immer zügeln und hal­ten an den Din­gen fest, an die sie glauben.

Fazit zu ›Goldener Zorn‹

Gol­de­ner Zorn‹ ist ein star­ker Anfang einer Rei­he, der ledig­lich etwas ver­liert, da die klei­nen Span­nungs­bö­gen oft­mals zu früh auf­ge­löst wer­den. Doch wer will schon über man­che der klei­nen Span­nungs­bö­gen kla­gen, wenn der Haupt­span­nungs­bo­gen so über­zeu­gen kann? Der zwei­te Teil ›Child­ren of Vir­tue and Ven­ge­an­ce‹ ver­spricht span­nend zu werden.

Buchinfo

Tomi Adey­e­mi:
Child­ren of Blood and Bone

Band 1
Gol­de­ner Zorn
Über­setzt von: Andrea Fischer
FISCHER FJB, Frank­furt a. M. 2018
624 S., EUR (D) 18,99 inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver
ISBN 978−3−8414−4029−7

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Margaret Owen: Knochendiebin [Rezension]

Die Krähen und ihre toten Götter. 

Namen wie ›Scheu­sal‹, ›Gal­gen­strick‹ oder ›Stur‹ sind es, die die Ange­hö­ri­gen der Krä­hen-Kas­te in ›Kno­chen­die­bin‹ tra­gen. Der ein­zi­gen, der zwölf Kas­ten von Sabor, der kein Geburts­recht zusteht. Sie sind Geäch­te­te und Vogel­freie, denen man jedes erdenk­li­che Leid zufü­gen kann, ohne sich dafür ver­ant­wor­ten zu müssen. 

Doch zugleich sind sie in die­sem Land, in dem seit Genera­tio­nen eine Seu­che wütet, die ein­zi­gen, die sich um die Bestat­tung der von die­ser Befal­le­nen küm­mern kön­nen. Fast jede Krä­he in Sabor hat durch die ande­ren Kas­ten Ange­hö­ri­ge oder Freun­de ver­lo­ren, nur weni­ge Krä­hen wer­den alt.

Doch wäh­rend die Aus­gren­zung der Krä­hen in ›Kno­chen­die­bin‹ eben­so fest zu Sabors Gesell­schaft gehö­ren wie die Sün­den­seu­che selbst, für die vie­le die Krä­hen ver­ant­wort­lich machen, hal­ten die Krä­hen fest zusam­men. ›Beschüt­ze die Dei­nen!‹ ist die Regel, nach der sie leben.

»Stur hat­te wäh­rend ihrer sech­zehn Lebens­jah­re vie­le Lek­tio­nen gelernt, meist auf die har­te Art: immer die Men­ge im Blick behal­ten; immer einen Flucht­weg parat haben; kei­ne Stadt allein betre­ten.
Und in den Näch­ten, in denen sie Sün­der ver­brann­ten, in den San­da­len schlafen.«

Die jun­ge Hexe und zukünf­ti­ge Flü­gel­her­rin Stur ist alles ande­re, als auf den Mund gefal­len. Weder wenn es dar­um geht, um Zäh­ne zu feil­schen, noch in Bezug auf die Män­ner ihrer Rot­te. Doch plötz­lich mit einem Phö­nix-Prin­zen und sei­nem Habicht-Leib­wäch­ter durch das Land zu rei­sen, um den Prin­zen zu schüt­zen, ist selbst für die auf­ge­weck­te Stur Neuland.

Denn wäh­rend sie sich in ›Kno­chen­die­bin‹ mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen muss, ob sie Mit­glie­dern der Phö­nix- oder der Habicht-Kas­te trau­en kann, die sie und die ihren stets wie Dreck behan­delt haben, müs­sen Prinz und Leib­wäch­ter eben­falls neue Erfah­run­gen machen. In das Gewand der Krä­hen gehüllt, spü­ren sie zum ers­ten Mal die Aus­gren­zung und den Hass der ande­ren. Müs­sen mit der Angst leben, die dies erzeugt, und der Ungerechtigkeit.

»Sie konn­te nicht spre­chen, nick­te aber. Habich­te baten nicht. Stur wuss­te nicht, wie sie mit einem umge­hen soll­te, der es trotz­dem tat.«

Wäh­rend es für den Prin­zen Jasi­mir und sei­nen Leib­wäch­ter Tavin ums Über­le­ben geht, steht für Stur die Zukunft ihrer Kas­te auf dem Spiel. Wenn es ihnen gelingt, den Prin­zen lebend zu sei­nen Ver­bün­de­ten zu brin­gen, müs­sen die Habich­te zukünf­tig die Krä­hen schützen. 

Doch die­se Abma­chung ist alles ande­re als ein­fach zu erfül­len. Schie­nen die Krä­hen doch bis­lang vom Glück und den tau­send toten Göt­tern ver­las­sen zu sein.

»Eine Krä­he hät­te gewusst, wie man sich ver­hielt. Man ließ die Leu­te höh­nen. Man ließ die Leu­te flu­chen und pöbeln und ging wei­ter, denn wenn man sich wehr­te, muss­ten auch ande­re dafür büßen.«

Mar­ga­ret Owen gelingt es, in ihrem Debüt ›Kno­chen­die­bin‹ eine Welt zu erschaf­fen, die von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te zwingt, den Atem anzu­hal­ten. Das Leben, das die Krä­hen füh­ren müs­sen, ist düs­ter und vol­ler Not. Und doch gelingt es den Krä­hen durch ihren Zusam­men­halt unter­ein­an­der inner­halb die­ser Düs­ter­nis ein Leben zu füh­ren, das mit­reißt. Owens Schreib­stil ist ein­dring­lich und lässt nicht nur beim Mam­mon-Tanz die Nacken­haa­re zu Ber­ge stehen.

Foto: pri­vat.

Die Sün­den­seu­che ist ein für die Krä­hen all­ge­gen­wär­ti­ges Grau­en in Sabor und es bleibt span­nend, im zwei­ten Band der Rei­he ›Die zwölf Kas­ten von Sabor‹ hof­fent­lich zu erfah­ren, wie die­se einst ihren Anfang nahm.

Fazit zu ›Knochendiebin

Kno­chen­die­bin‹ gehört zu jenen Büchern, die nicht nur für Jugend­li­che geschrie­ben sind, son­dern auch Erwach­se­ne fes­seln kön­nen. Eine star­ke, berüh­ren­de Prot­ago­nis­tin, wit­zi­ge und klu­ge Dia­lo­ge und eine düs­te­re Welt vol­ler Geheim­nis­se machen Owens Debüt ›Kno­chen­die­bin‹ mehr als lesens­wert. Gespannt darf auch nach dem zwei­ten Band der Dilo­gie – ›Krä­hen­zau­ber‹ – gegrif­fen werden.

Buchinfo

Mar­ga­ret Owen:
Kno­chen­die­bin

Roman
Die zwölf Kas­ten von Sabor, Band 1
Über­setzt von: Hen­ning Ahrens
Carl­sen, Ham­burg 2019
416 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−58405−2

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Diana Wynne Jones: Das wandelnde Schloss [Rezension]

Von einem Mädchen, das an sein Unglück glaubte. 

Als Dia­na Wyn­ne Jones (1934–2011) im Jah­re 1986 den ers­ten Band der ›Howl-Saga‹ ›Das wan­deln­de Schloss‹ ver­öf­fent­lich­te, war sie im Lite­ra­tur­be­trieb längst kei­ne Unbe­kann­te mehr. Neben eigen­stän­di­gen Wer­ken der Kinder‑, Jugend- und Erwach­se­nen­li­te­ra­tur hat­te sie bereits die ers­ten Bän­de ihrer ›Chres­to­man­ci‹- und ihrer ›Dale­mark‹-Serie ver­öf­fent­licht.

Das wan­deln­de Schloss‹ erzählt die Geschich­te der jun­gen Sophie Hat­ter, die in einem Hut­la­den arbei­tet und beson­de­re Hüte schnei­dert, bis sie eines Tages von einem bösen Fluch in eine alte Frau ver­wan­delt wird. Sophie, die über­zeugt davon ist, das nur das Unglück auf sie war­te, weil sie die ältes­te von drei Schwes­tern ist, kann sich nie­man­dem in ihrem Hei­mat­ort anvertrauen. 

Sie geht fort und ent­schließt sich, als ihr die Stra­pa­zen ihres neu­en Alters bewusst wer­den, zum Schloss des Zau­be­rers Howl zu gehen, von dem behaup­tet wird, dass er jun­ge Mäd­chen ent­füh­re und auffresse. 

Doch statt auf einen men­schen­fres­sen­den Zau­be­rer zu tref­fen, wird sie Teil der selt­sams­ten und lie­bens­wür­digs­ten Wohn­ge­mein­schaft, die man sich vor­stel­len kann. 

»Was mich her­ge­führt hat, jun­ger Mann?«, frag­te sie. Das lag doch auf der Hand, jetzt, wo sie das Schloss gese­hen hat­te. »Ich bin her­ge­kom­men, weil ich dei­ne neue Putz­frau bin, ist doch klar.«

Mit einer wohl plat­zier­ten und dosier­ten Por­ti­on Humor räumt Sophie Hat­ter in vie­ler­lei Hin­sicht in die­ser neu­en Welt der Zau­be­rei auf. Umge­ben von dem sich stets bekla­gen­den Ofen­feu­er, dem ver­lieb­ten Lehr­ling des Zau­be­rers, ver­folgt von einer flot­ten Vogel­scheu­che und stets bereit, eine neue Sei­te an Howl ken­nen­zu­ler­nen, fin­det sie weit mehr als das Unglück, das sie in ihrem Leben erwar­tet hatte. 

Klas­si­sche Ele­men­te der Fan­tas­tik wie die Sie­ben­mei­len­stie­fel, ver­zau­ber­te Gegen­stän­de und Tie­re, wer­den gemischt mit ori­gi­nel­len Figu­ren und einer zau­ber­haf­ten Schreib­wei­se und machen so ›Das wan­deln­de Schloss‹ zu einem gro­ßen Ver­gnü­gen – und dies nicht nur für jene, die bereits den gleich­na­mi­gen Film von ›Stu­dio Ghi­b­li‹ mochten. 

»Die­ser Mann und die­ses rie­si­ge, wich­ti­ge Ding, sein König­tum eben, kamen ihr in ihrem ver­wirr­ten Zustand vor wie zwei unter­schied­li­che Wesen, die nur durch Zufall den­sel­ben Ses­sel besetz­ten. Und ihr ging auf, dass sie jedes Wort der von Howl sorg­sam aus­ge­tüf­tel­ten Rede ver­ges­sen hatte.«

Der ers­te Band der ›Howl-Saga‹ lebt von dem Unaus­ge­spro­che­nem. Die Per­so­nen haben Geheim­nis­se vor­ein­an­der, nicht alles ist leicht aus­zu­spre­chen, ob durch Angst oder einen Fluch. Und obwohl die Kapi­tel­über­schrif­ten bereits einen Vor­aus­blick zulas­sen, um zu wis­sen, was das Kapi­tel brin­gen wird, trägt das Unaus­ge­spro­che­ne als Grund­span­nung über den Roman hinweg. 

Fazit zu ›Das wandelnde Schloss

Das wan­deln­de Schloss‹ ist eine Lie­bes­er­klä­rung an die Fan­tas­tik, an lie­be­voll ent­wor­fe­ne Figu­ren mit Kan­ten und an klei­ne Hel­den und Hel­din­nen, die zusam­men Gro­ßes bewir­ken kön­nen. Ich freue mich auf ein Wie­der­se­hen mit Howl und Sophie in ›Der Palast im Him­mel‹.

Buchinfo

Dia­na Wyn­ne Jones:
Das wan­deln­de Schloss

Die Howl-Saga, Band 1
Über­setzt von Dr. Gabrie­le Haefs
Droemer Knaur, Mün­chen 2019
304 S., EUR (D) 12,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−52538−8

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Laini Taylor: Strange the Dreamer 1 [Rezension]

Lazlo Stran­ge fehlt es in ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ an vie­lem. Einer Fami­lie, einer Her­kunft, Wohl­stand und Schön­heit. Sei­nen Nach­na­men teilt er mit ande­ren Fin­del­kin­dern, sei­nen Vor­na­men mit einem stum­men Mann, den er nie ken­nen­ge­lernt hat. Doch bei all den Din­gen, bei denen Lazlo leer aus­ge­gan­gen ist, ist er mit einem geseg­net: sei­ner Fantasie. 

Lazlo hängt an den alten Geschich­ten, die er in der Biblio­thek, in der er arbei­tet, auf­stö­bert und nie­der­schreibt. Er hängt sogar so sehr an ihnen, dass er nicht zögert, sich Eril-Fane anzu­schlie­ßen, als die­ser in sei­nem Ort nach Gelehr­ten sucht.

Eril-Fane stammt aus der Stadt Weep, die nicht nur ihren rich­ti­gen Namen ver­lo­ren hat, son­dern die sich wei­te­ren Mys­te­ri­en aus­ge­setzt sieht. Die glei­chen Mys­te­ri­en, die Sarai und die ande­ren Kin­der, die zur Hälf­te von Göt­tern und zur Hälf­te von Men­schen abstam­men, umgeben.

»Namen kön­nen ver­lo­ren gehen oder in Ver­ges­sen­heit gera­ten. Das wuss­te nie­mand bes­ser als Lazlo Strange.«

Sowohl die Kin­der der alten Göt­ter, von deren Exis­tenz die Men­schen von Weep nichts ahnen, als auch die Men­schen von Weep selbst, die unter den alten Göt­tern lit­ten, ver­su­chen zu über­le­ben und zurück zu ihrem alten, siche­ren Leben zu kom­men. Und Lazlo ist mittendrin.

Lazlo und Sarai sind in ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ jun­ge Erwach­se­ne, die noch zu jung sind, um sich an die alten Göt­ter zu erin­nern. Was sie wis­sen, stammt aus der Erin­ne­rung ande­rer und dem, was sie erzählen.

Doch sie unter­schei­den sich von ande­ren jun­gen Erwach­se­nen, wie auch vie­le Bewoh­ner von Weep sich von ande­ren Men­schen unter­schei­den: Sie sind die Ver­sehr­ten und Trau­ma­ti­sier­ten. Ent­we­der lit­ten sie durch die alten Göt­ter, die Men­schen nah­men, wie es ihnen pass­te, und auch nur dann zurück­ga­ben, wenn sie es woll­ten. Oder sie lit­ten unter dem Mas­sa­ker, bei dem die alten Göt­ter und so vie­le ande­re ums Leben kamen.

Es ist ihre Geschich­te, die ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ erzählt. Die Geschich­te jener, die über­leb­ten, und sich mit dem was war und sei­nen Fol­gen für Gegen­wart und Zukunft aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Dabei hat ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ bei­des: star­ke Män­ner und star­ke Frau­en, die sich in der fan­tas­ti­schen Welt von Lai­ni Tay­lor mit Schre­cken und Ängs­ten kon­fron­tiert sehen, die auch Men­schen jen­seits jeg­li­cher Fan­tas­tik ken­nen. Die Angst, jene zu ver­lie­ren und nicht beschüt­zen zu kön­nen, die man liebt. Die Furcht, dass man selbst oder ande­re ihrer kör­per­li­chen und see­li­schen Unver­sehrt­heit beraubt werden.

»Der Name des Mons­ters war Isa­gol gewe­sen, Göt­tin der Ver­zweif­lung. Ihre Mut­ter. Seit fünf­zehn Jah­ren tot.«

Fazit zu ›Strange the Dreamer 1

Dabei schafft es Lai­ni Tay­lor in ›Stran­ge the Drea­mer 1‹, dass Lazlo und der Leser nach und nach von den Schre­cken und den damit ver­bun­de­nen Wün­schen erfah­ren, und in die­se hin­ein­wach­sen müs­sen. Sti­lis­tisch könn­te man sich an man­chen Stel­len mehr ›Show, don’t tell‹ wün­schen, um der fan­tas­ti­schen Welt des Träu­mers Lazlo näher­zu­kom­men. Doch dies kann die Geschich­te um Lazlo und Sarai kaum weni­ger mys­tisch und span­nend wer­den las­sen. Denn eines ist sicher, sobald man sich auf die Geheim­nis­se der Roman­welt ein­ge­las­sen hat: Man wird sie nicht mehr so schnell los­be­kom­men: In Band 2 geht es weiter.

Buchinfo

Lai­ni Tay­lor:
Stran­ge the Drea­mer
Der Jun­ge, der träum­te, Buch 1
Über­setzt von Ulri­ke Rai­mer-Nol­te
One, Köln 2019
343 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver
Erzäh­len­des für jun­ge Erwach­se­ne
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−8466−0085−6

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


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Katherine Arden: Der Bär und die Nachtigall [Rezension]

Die Kälte und ihre Kinder. 

Immer wie­der erzählt die alte Dun­ja Mär­chen über Rus und sei­ne Sagen­ge­stal­ten. Pjo­trs Kin­dern und sei­ner Frau sind sie ver­traut, und doch lau­schen sie der alten Frau stets aufs Neue, beson­ders wenn dicke Schnee­de­cken über dem Land lie­gen und die Fami­lie vor der Wär­me des Ofens näher zusammenrückt.

Obwohl Pjo­trs Frau, Mari­na, bereits drei Söh­ne und eine Toch­ter hat und aus­ge­zehrt ist vom Win­ter, will sie, als sie wie­der schwan­ger wird, das Kind auf jeden Fall behal­ten. Denn sie hat zwar eine Toch­ter, aber die­se erin­nert wenig an Mari­nas eige­ne Mut­ter, die Geheim­nis­se und Geschich­ten umranken.

So bringt sie die klei­ne Was­ja zur Welt, doch sie über­lebt nicht, um das jun­ge Mäd­chen auf­wach­sen zu sehen.

Die klei­ne Was­ja wächst in ›Der Bär und die Nach­ti­gall‹ ohne ihre Mut­ter auf, doch umge­ben von ihren Geschwis­tern, Dun­ja, ihrem Vater und Gestal­ten, die nur sie sehen kann. »Ver­giß uns nicht«, flüs­tern die Rusal­ka und der Domo­woi, alte Sagen­we­sen, für die meis­ten Men­schen nur noch in Mär­chen existent.

Und wäh­rend die­se Was­ja anfle­hen, sie nicht zu ver­ges­sen, ist auch ›Der Bär und die Nach­ti­gall‹ gefüllt von die­sem Wunsch. Lie­be­voll erzählt steckt in den Sei­ten des Buches der Zau­ber alter Erzäh­lun­gen, von Volks­glau­ben und von Beson­der­hei­ten der rus­si­schen Erzähltradition.

Erfri­schend echt sind auch die Figu­ren, die Kathe­ri­ne Arden in ihrem Roman schafft: Frau­en, die sich selbst zu hel­fen wis­sen in einer Zeit, in denen ihnen nur die Ehe oder das Klos­ter offen­stand; Män­ner, die mehr sind als Mus­keln, coo­le Sprü­che und Lovein­te­rests. Die Figu­ren in ›Der Bär und die Nach­ti­gall‹ sind mit Lie­be fürs Detail geschnitzt und laden dazu ein, das Rus aus Kathe­ri­ne Ardens Roman­welt mit ihnen kennenzulernen.

Fazit zu ›Der Bär und die Nachtigall

Wer also beson­de­re Figu­ren mag, ger­ne in Mär­chen oder Sagen­wel­ten ein­taucht, oder sich für his­to­ri­sche Phan­tas­tik inter­es­siert, kann das gelun­ge­ne Debüt ›Der Bär und die Nach­ti­gall‹ auf jeden Fall lesen und sich mit mir dar­über freu­en, dass noch wei­te­re Nach­fol­ge­bän­de kom­men wer­den. Band 2 der Rei­he trägt den viel­ver­spre­chen­den Titel ›Das Mäd­chen und der Win­ter­kö­nig‹.

Buchinfo

Kathe­ri­ne Arden:
Der Bär und die Na
chti­gall
Win­ter­nacht-Tri­lo­gie, Band 1
Über­setzt von Micha­el Pfingstl
Roman
Hey­ne, Mün­chen 2019
432 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Paper­back
ISBN 978−3−453−32003−1

Rezen­si­on erst­mals erschie­nen auf Liz­zy­Net

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