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Neil Gaiman: Der Ozean am Ende der Straße [Rezension]

Neil Gaiman: Der Ozean am Ende der Straße [Rezension]

Von einem Jungen und einem Mädchen, die an das Wundersame glaubten. 

Für eine Beer­di­gung kehrt ein Mann in ›Der Oze­an am Ende der Stra­ße‹ an den Ort sei­ner Kind­heit zurück. Nicht nur mit sei­nem Eltern­haus ver­bin­det er vie­le Erin­ne­run­gen, auch mit der Farm, auf der Let­tie Hempstock leb­te und dem Teich – der für sie ein Oze­an war.

Doch die Erleb­nis­se in sei­ner Kind­heit sind nur auf den ers­ten Blick jene, die vie­le Kin­der tei­len. Aben­teu­er im Wald, Geheim­nis­se mit neu­en Freun­den, Streit mit Eltern und Gehor­sam. Ängs­te, Unge­hor­sam und der Wunsch, von den Eltern geliebt und beschützt zu werden.

Einen Toten in einem Auto zu ent­de­cken ist hin­ge­gen ein Erleb­nis, das zum Glück nicht alle Kin­der tei­len. Eben­so wenig das Geschöpf, das sie im Wald erwar­tet und so sei­nen Weg in das Zuhau­se des Man­nes fin­det, denn kurz danach wird eine attrak­ti­ve Frau als Kin­der­mäd­chen für den Jun­gen und sei­ne Schwes­ter ein­ge­stellt. Doch bald schon ist sie mehr als nur ein Kindermädchen. 

»Hier war ich doch schon ein­mal gewe­sen, oder, vor lan­ger Zeit? Eigent­lich war ich mir sicher. Kind­heits­er­in­ne­run­gen lie­gen manch­mal unter den Din­gen ver­bor­gen, die spä­ter pas­siert sind, wie Spiel­zeug, das ver­ges­sen auf dem Boden eines Klei­der­schranks liegt, aber nie ganz ver­lo­ren ist.«

Sein Vater beginnt mit ihr eine Affä­re. Nur der Jun­ge scheint wahr­zu­neh­men, dass etwas mit der attrak­ti­ven Frau nicht stimmt, die ihn davon abhal­ten will, das Haus zu ver­las­sen. Auch, wenn sie sei­nem Vater dafür Lügen erzäh­len muss. Der Jun­ge will nichts mehr, als die Frau los­wer­den und mit Let­tie spre­chen, die ihm als ein­zi­ge hel­fen kann.

»Ich frag­te mich, war­um sie alle Hempstock hie­ßen, die­se Frau­en, aber ich frag­te nicht danach, eben­so wenig wie ich mich getrau­te zu fra­gen, woher sie wuss­ten, was in dem Abschieds­brief stand oder was der Opal­schürfer gedacht hat­te, als er gestor­ben war. Sie rede­ten dar­über, als wäre das alles völ­lig normal.«

Die magi­sche und phan­tas­ti­sche Wahr­neh­mung des Jun­gen ver­mischt sich mit den Erleb­nis­sen sei­ner Kind­heit. Wäh­rend in sei­nem Eltern­haus nie­mand wahr­zu­neh­men scheint, was im Ort geschieht, weiß Let­ties Fami­lie mehr. Magie scheint in dem Haus zu pul­sie­ren. Der Glau­be an Din­ge, die für ande­re nur Aber­glau­be oder unvor­stell­bar sind.

Doch wie soll es einem Kind gelin­gen, das Geschöpf aus sei­nem Haus zu ver­trei­ben und sei­ne Fami­lie vor ihm zu beschüt­zen? Und wel­che Ängs­te ist im Stan­de, dafür auszustehen? 

»Wäh­rend wir altern, wer­den wir zu unse­ren Eltern; wenn man lan­ge genug lebt, sieht man die Gesich­ter sei­ner Jugend wie­der. Ich erin­ner­te mich an Mrs. Hempstock, Let­ties Mut­ter, als eine stäm­mi­ge Frau. Die­se Frau war dürr und zierlich.«

Neil Gai­man gelingt es in ›Der Oze­an am Ende der Stra­ße‹ eine Geschich­te zu schrei­ben, die sowohl den Zau­ber des Kind­seins ein­fängt als auch dem Wun­der­ba­ren und Magi­schen einen fes­ten Platz ein­räumt. Das Buch ist wun­der­voll von Eli­se Hurst illus­triert, sodass die Buch­sei­ten auf meh­re­re Arten zugleich zum Leben erwachen.

Zugleich wird das Kind­sein ernst­ge­nom­men wie sel­ten in einer Geschich­te. Und wäh­rend der Jun­ge mit all den Ein­schrän­kun­gen sei­ner Kind­heit kämp­fen muss, ist er in ande­ren Berei­chen doch viel frei­er als es zum Bei­spiel sein Vater zu sein scheint. Wem ›Der Oze­an am Ende der Stra­ße‹ gefal­len hat, soll­te einen Blick auf Gai­m­ans ande­re Wer­ke wer­fen wie ›Nor­di­sche Mythen und Sagen‹.

Fazit zu ›Der Ozean am Ende der Straße‹

Der Oze­an am Ende der Stra­ße‹ ist ein wun­der­schö­nes, teils düs­te­res Buch über das Kind­sein, das Wun­der­sa­me, Fami­lie und dem Kampf, die eige­nen Ängs­te zu über­win­den. Als gro­ßer Neil Gai­man-Fan muss­te ich das Buch natür­lich lesen und die wun­der­schön illus­trier­te Aus­ga­be hat mich defi­ni­tiv von sich überzeugt.

Buchinfo

Neil Gai­man:
Der Oze­an am Ende der Stra­ße

illus­triert von Eli­se Hurst
aus dem Eng­li­schen von Han­nes Rif­fel
Eich­born, Köln 2021
336 S., EUR (D) 24,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−8479−0071−9

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Leigh Bardugo: Rule of Wolves [Rezension]

Düsterer Charme und mächtige Frauen. 

Vor bald zehn Jah­ren nun ist 2012 mit ›Gol­de­ne Flam­men‹ der ers­te Band der Gri­sha-Tri­lo­gie von Leigh Bar­d­u­go erschie­nen. Weni­ge Jah­re spä­ter ist dann die Glo­ry or Gra­ve‹-Dilo­gie erschie­nen, die im glei­chen Uni­ver­sum ange­sie­delt ist und 2019 erschien der ers­te Band der ›King of Scars‹-Dilo­gie. Nun ist mit ›Rule of Wol­ves‹ end­lich der zwei­te Band erschie­nen und die Geschich­te von Niko­lai, Nina und Zoya geht weiter.

Nina Zenik hat es geschafft, unter ande­rem Namen in das Haus ihres größ­ten Fein­des ein­ge­las­sen zu wer­den. Jarl Brums, der Anfüh­rer der gefürch­te­ten Gri­sha-Jäger. In Fje­r­da wer­den Gri­sha gejagt und dem Eis­tri­bu­nal über­ge­ben – ein Schick­sal, das mit dem Tod ende­te, wenn sie nicht als For­schungs­ob­jek­te benutzt wur­den. Ein gro­ßer Teil von Ninas See­le will Rache, Rache für das, was mit Mat­thi­as. Ein wei­te­rer Teil will, dass der Hass der Fje­r­da gegen die Gri­sha ein Ende hat. Ein Hass, der schon seit so vie­len Jah­ren in den Men­schen gesät wird und wächst. Doch wer wäre eine bes­se­re Hil­fe für ein sol­ches Vor­ha­ben, als Jarl Brums Toch­ter, die wie Nina eben­falls eine Gri­sha ist.

Doch Nina ist nicht die ein­zi­ge, die für das Über­le­ben der Gri­sha kämpft und sich vor dem Hass der Fje­r­dan hüten muss. Auch Niko­lai und Zoya kämp­fen gegen alte und mäch­ti­ge Gegner.

»Sag mir, dass es mehr ist als Krieg und Sor­ge, die dich die­se Wor­te spre­chen las­sen. Sag mir, was sie bedeu­ten wür­den, wenn du kein Zar wärst und ich kei­ne Soldatin.«

Wäh­rend der Angriff der Fje­r­da aus dem Nor­den droht, in West-Rav­ka von Unru­hen berich­tet wird, berei­ten auch die Shu Han Niko­lai Sor­gen. Nicht nur, weil sich die Vor­be­rei­tun­gen sei­ner Hoch­zeit als schwie­rig gestal­ten, son­dern auch, weil die Geg­ner immer näher kommen.

Niko­lai hat alle Hän­de voll zu tun: Rav­ka wird an allen Gren­zen bedroht, in sei­nem Innern wütet ein mäch­ti­ger Dämon und unter sei­nen Gefan­ge­nen ist ein Mann, der bedroh­li­cher ist, als alle ande­ren Gefah­ren zusam­men. Ein Gefan­ge­ner, der den Lesern der Gri­sha-Tri­lo­gie nur zu ver­traut sein dürf­te. Zum Glück ver­fügt Niko­lai nicht nur über jede Men­ge Charme und Manie­ren, sein Ver­stand und sein Erfin­dungs­reich­tum sind messerscharf.

»Die Kerch konn­ten das Meer haben. Die Zement Namen den Him­mel. Rav­ka hat­te sein Wort gehal­ten und genau das gelie­fert, was die Kerch woll­ten, aber nicht das, was sie brauchten.«

Doch Niko­lais Gefan­ge­ner ist nicht das ein­zi­ge bekann­te Gesich­te, dass in der ›King of Scars‹-Dilo­gie wie­der­kehrt. Denn wer wäre bes­ser geeig­net, um bei einem schwe­ren Dieb­stahl zu häl­fen als gewis­se Her­ren aus Ket­ter­dam, die den Glo­ry or Gra­ve-Lesern noch gut in Erin­ne­rung sein sollten. 

»Die Dro­ge hat­te alles ver­än­dert, hat­te die Gri­sha auf eine Wei­se angreif­bar gemacht, wie sie es zuvor nie waren, aber sie wei­ger­ten sich, die­se Mas­ken als ein Sym­bol von Schwä­che oder Unsi­cher­heit zu tra­gen. Sie hat­ten sie mit Fang­zäh­nen und gewun­de­nen Zun­gen, mit klaf­fen­den Mäu­lern bemalt. Sie sahen aus wie Gar­go­yles, die in Kampf­kef­tas über das Feld kamen.«

Doch das Wie­der­se­hen von ver­trau­ten Gesich­tern ist nicht nur eine Stär­ke von ›Rule of Wol­ves‹. Wäh­rend das Wie­der­se­hen mit den Krä­hen von Ket­ter­dam gelingt und zu den Cha­rak­te­ren passt, ist dies mei­ner Mei­nung nach nicht für alle Cha­rak­te­re der Fall, die bereits in der Gri­sha-Tri­lo­gie auf­ge­taucht sind. Zum einen ist dort ein wür­di­ges Ende für einen Cha­rak­ter gefun­den wor­den, der nun wie­der auf­ge­taucht ist und nicht rich­tig zur Gel­tung kommt. Zum ande­ren hat ein ande­rer Cha­rak­ter in der Gri­sha-Tri­lo­gie ein pas­sen­des Hap­py-End in Aus­sicht gestellt bekom­men, dass nun auf­ge­löst wurde. 

Obwohl Niko­lai Lant­sov in der Gri­sha-Tri­lo­gie einer mei­ner Lieb­lin­ge war, hat er mir als Neben­cha­rak­ter bes­ser gefal­len als jetzt, da er zu einem der Prot­ago­nis­ten beför­dert wur­de, ähn­lich geht es mir mir Zoya. Der Hand­lungs­strang von Nina Zenik hin­ge­gen, berührt und inter­es­siert mich sehr. Vor allem im ers­ten Band der ›King of Scars‹-Dilo­gie moch­te ich ihren Kampf, um mit Mat­thi­as Schick­sal umzu­ge­hen, ihre ver­düs­ter­te Art.

Fazit zu ›Rule of Wolves

Ich habe es kaum erwar­ten kön­nen, ›Rule of Wol­ves‹ end­lich in die Fin­ger zu bekom­men. Obwohl mich nicht alle Hand­lungs­strän­ge des Romans begeis­tern, kann ich ein­fach nicht genug aus dem Gris­ha­ver­se bekom­men. Nina Zenik ist mein abso­lu­ter Lieb­ling. Ich hof­fe sehr, dass es noch wei­te­re Spin-Offs und Sequels aus die­sem wun­der­ba­ren Uni­ver­sum geben wird.

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
Rule of Wol­ves

Thron aus Nacht und Sil­ber
Die King-of-Scars-Dilo­gie, Band 2
Über­setzt von: Michel­le Gyo
Knaur HC, Mün­chen 2021
576 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−22701−5

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Hajime Isayama: Attack on Titan Deluxe Edition Band 8 [Rezension]

Die Geheimnisse der Verstorbenen. 

Dem Auf­klä­rungs­trupp ist es in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ end­lich gelun­gen, in Dok­tor Jägers Kel­ler zu gelan­gen. Nach­dem sie sich immer mehr Rät­seln und Geheim­nis­sen um das Wesen der Tita­nen gegen­über sahen, haben sie nun end­lich eine Chan­ce, Ant­wor­ten zu bekommen. 

Doch der Zugang zum Kel­ler ist in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ durch einen hohen Preis ermög­licht wor­den. Nicht alle, die ihr Leben der Auf­klä­rung der Geheim­nis­se der Tita­nen und der Mau­ern gewid­met haben, kön­nen den Moment noch mit­er­le­ben. Erens Vater hat im Kel­ler all sein Wis­sen über die Tita­nen ver­wahrt. Doch es sind nicht nur Erkennt­nis­se über die­se, die der Auf­klä­rungs­trupp dort fin­det, es ist auch die Geschich­te von Erens Vater. Und die Geschich­te des­sen, wie Eren zu sei­nem Namen gekom­men ist.

»Was war es nun, was wir in die­sem Kel­ler­raum … gefun­den hat­ten? War es … Hoff­nung? Oder war es … Verzweiflung?«

Neben Ant­wor­ten hat der Auf­klä­rungs­trupp in Dok­tor Jägers Kel­ler auch wei­te­re Fra­gen gefun­den. Wann auch immer in ›Attack on Titan‹ ein Rät­sel gelöst wird, wird nur deut­lich, dass dies eigent­lich nur ein klei­nes Stück eines viel grö­ße­ren Rät­sels ist, das hin­ter all dem liegt. 

Die Men­schen inner­halb der Mau­ern müs­sen sich von ihrer Vor­stel­lung ver­ab­schie­den, wie ihre Welt aus­sieht. Sicher­heit ist seit de Fall der Mau­er eine Illu­si­on gewor­den, eine Zukunft eine Fra­ge mit offe­nem Ausgang. 

»Ich weiß, ich bin nur ein klei­ner Fisch … Und mein ein­zi­ger Nut­zen besteht wahr­schein­lich dar­in, als Tita­nen­fut­ter zu die­nen, aber … selbst klei­ne Fische wie ich … haben ein Recht dar­auf zu erfah­ren, wor­auf sie sich einlassen!!«

Anfangs zeich­ne­te sich ›Attack on Titan‹ vor allem durch Action, klu­ge Gefech­te und Grau­en aus. Spä­tes­tens in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ ist klar, dass noch viel mehr hin­ter den Tita­nen steckt. Spä­tes­tens mit der Auf­lö­sung des Geheim­nis­ses um die Iden­ti­tä­ten des weib­li­chen, des gepan­zer­ten und des kolos­sa­len Tita­nen ist die Fra­ge nach den Beweg­grün­den der Gegen­sei­te für mich eine der span­nends­ten Fragen. 

Eine Fra­ge, die in ›Attack on Titan‹ von Anfang an ange­legt war. War­um wur­de die Mau­er zer­stört und die Men­schen im Innern von den Tita­nen ange­grif­fen? War­um aus­ge­rech­net von ihnen? Wie hängt all dies zusam­men? Wel­che Rol­le kom­men Ymir und dem Biest zu? 

Nach­dem der Beginn von ›Attack on Titan‹ klar der Per­spek­ti­ve von Eren und sei­nen Freun­den sowie dem Auf­klä­rungs­trupp folg­te, geschieht in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ nun etwas Span­nen­des. Die Per­spek­ti­ve ändert sich. Der Lesen­de erlebt nicht mehr die Ereig­nis­se inner­halb der Mau­ern mit. Der Man­ga führt ihn nun an einen ande­ren Ort, an dem eine ande­re Grup­pe von Kin­dern zu über­le­ben ver­sucht, die sich von etwas ande­rem bedroht sehen. 

»Auf der Welt gibt es offen­bar Men­schen, die mit Stei­nen bewor­fen wer­den, nur weil sie exis­tie­ren. Und ich wur­de als Sym­bol für die­se Men­schen so lan­ge bewor­fen, bis ich am gan­zen Kör­per blutete.«

Fazit zu ›Attack on Titan Deluxe Edition Band 8

Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ schafft es genau­so wie die vor­he­ri­gen Bän­de, mich wirk­lich zu über­ra­schen. Ich habe sel­ten eine so klu­ge und prä­zi­se geplan­te Geschich­te erlebt, die so über­ra­schen konn­te, wäh­rend doch alle Über­ra­schun­gen stim­mig erschie­nen. ›Attack on Titan‹ schafft es immer wie­der, mich zum nach­den­ken anzu­re­gen. Vor allem in die­sem Band, der spür­bar macht, wie sehr Gut und Böse eine Fra­ge der Per­spek­ti­ve sind. 

Ich weiß nicht, wohin sich die­se Geschich­te ent­wi­ckeln wird. Ich weiß nur, dass ich Haji­me Isaya­ma auf jeden Fall ger­ne wei­ter in die Tie­fen der Welt von Eren und sei­nen Freun­den fol­gen wer­de. ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 9‹ kann also ger­ne kommen. 

Buchinfo

Haji­me Isaya­ma:
Attack on Titan Delu­xe 8

beinhal­tet die Bän­de 22–24
über­setzt von Clau­dia Peter
Carl­sen, Ham­burg 2021
576 S., EUR (D) 25,00 inkl. MwSt.
Hard­co­ver, Man­ga
Ab 16 Jah­ren
ISBN 978−3−551−74110−3

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Simon Beckett: Die Verlorenen [Rezension]

Ein Grauen, das vor zehn Jahren begann.

Vor zehn Jah­ren hat sich Jonah Col­leys Leben in ›Die Ver­lo­re­nen‹ schlag­ar­tig ver­än­dert, an dem Tag, an dem sein Sohn ver­schwand. Sei­ne Ehe ist mitt­ler­wei­le geschie­den, Jonah und Gavin haben seit Jah­ren kei­nen Kon­takt mehr, obwohl sie frü­her die bes­ten Freun­de waren. 

Doch auch nach über zehn Jah­ren sind die Geis­ter der Ver­gan­gen­heit nicht zur Ruhe gekom­men. Beim Fund meh­re­rer Lei­chen in einem ver­las­se­nen Lager­haus ver­liert Jonah bei­na­he sein Leben. Doch je stär­ker er in die Auf­klä­rung der Gescheh­nis­se im Lager­haus hin­ein gerät, des­to stär­ker wird im klar, dass alles mit den Ereig­nis­sen vor zehn Jah­ren zusam­men­hän­gen könnte.

Doch Jonah ist nicht Teil des Ermitt­lungs­teams. Mehr noch steht er bald selbst als Ver­däch­ti­ger im Fokus der Ermitt­lung, da er vor den Ermitt­lern Din­ge zu ver­heim­li­chen scheint.

»Als Jonah das Blut roch, war ihm klar, dass er in Schwie­rig­kei­ten steck­te.
An dem alten Kai war es stock­fins­ter. Kei­ne ein­zi­ge Stra­ßen­la­ter­ne brann­te, die Lager­häu­ser lagen im Dun­keln, Relik­te einer ande­ren Zeit.«

Mit dem Fall bre­chen Jonahs alte Wun­den wie­der auf. Was war vor zehn Jah­ren gesche­hen, als sein damals vier­jäh­ri­ger Sohn ver­schwun­den ist? Wie­so kom­men zu Gavins Beer­di­gung, der frü­her beliebt und bekannt war, nur so wenig Leute?

Nie­mand weiß, wer die Lei­chen sind, die im Lager­haus gefun­den wor­den sind. Und nie­mand weiß, was aus dem Mann gewor­den ist, der Jonah im Lager­haus ange­grif­fen hat. Für Jonah sind die Ereig­nis­se genau­so rät­sel­haft wie die Gescheh­nis­se vor zehn Jahren. 

»Sie kann­ten sich seit Ewig­kei­ten. In der Schu­le bes­te Freun­de, dann zusam­men zur Poli­zei, die Pro­be­zeit bei der Met gemein­sam durch­lau­fen und schließ­lich im sel­ben Stadt­teil gear­bei­tet. Gavin war immer der Extra­ver­tier­te­re gewe­sen, aber hin­ter sei­ner Läs­sig­keit und Fröh­lich­keit ver­barg sich erbit­ter­ter Ehrgeiz.«

Doch plötz­lich begin­nen sich die Ereig­nis­se von vor zehn Jah­ren zu wie­der­ho­len. Kin­der ver­schwin­den und Jonah muss sich erneut der Fra­gen stel­len, ob er sie ret­ten kann. Getrie­ben von der vagen Hoff­nung, end­lich her­aus­zu­fin­den, was mit sei­nem Sohn gesche­hen ist, geht Jonah aufs Ganze.

»Das war Jah­re her. Ein ande­res Leben. Wie­so such­te Gavin jetzt aus dem Nichts auf und bat Jonah um Hilfe?«

Simon Beckett hat sein Talent für span­nen­de Thril­ler-Rei­hen bereits mit der David Hun­ter-Rei­he bewie­sen. Mit Jonah Col­ley hat Beckett jedoch einen Prot­ago­nis­ten für sei­ne neue Rei­he erfun­den, der als Poli­zist unmit­tel­bar an der Auf­klä­rung der Fäl­le als Ermitt­ler betei­ligt sein kann. Dabei ist Jonah kein Kli­schee-Poli­zist, son­dern facet­ten­reich und nahbar.

Fazit zu ›Die Verlorenen

Die Ver­lo­re­nen‹ ist von der ers­ten bis zur letz­ten Minu­te span­nend. Johan­nes Steck ist ein tol­ler Hör­buch­spre­cher, der die Stim­mung des Romans rich­tig gut rüber­bringt. Ver­gan­gen­heit und Gegen­wart sind in ›Die Ver­lo­re­nen‹ ein­falls­reich mit­ein­an­der ver­wo­ben und geben jede Men­ge Rät­sel auf. Ich bin gespannt, wie es mit Jonah Col­ley im zwei­ten Band der Rei­he wei­ter­ge­hen wird.

Buchinfo

Simon Beckett:
Die Ver­lo­re­nen

Jonah Col­ley-Rei­he, Band 1
Gele­sen von Johan­nes Steck
Aus dem Eng­li­schen von Karen Wit­t­huhn und Sabi­ne Längs­feld
Thril­ler, Hör­buch, unge­kürzt
argon hör­buch, Ber­lin 2021
Lauf­zeit 11 Stun­den 11 Minu­ten, EUR (D) 24,95 inkl. MwSt.
ISBN 978−3−7324−5537−9

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Doris Dörrie: Einladung zum Schreiben [Rezension]

50 Kapitel voller Schreibideen. 

Nicht nur für jene, die bereits Doris Dör­ries Buch ›Leben, Schrei­ben, Atmen‹ gele­sen haben, könn­te ihr neu­es Buch ›Ein­la­dung zum Schrei­ben‹ inter­es­sant sein. Auch für Dör­rie-Neu­lin­ge trifft dies zu.

Wäh­rend in ›Leben, Schrei­ben, Atmen‹ neben Ermun­te­run­gen zum Schrei­ben auch für das Erleb­te der Autorin Platz war, kon­zen­triert sich ›Ein­la­dung zum Schrei­ben‹ auf das eige­ne Schreiben.

In ihrem Buch lei­tet Dör­rie in 50 Kapi­teln mit den unter­schied­lichs­ten Schreib­im­pul­sen zum Schrei­ben an. Ob über Gum­mi­bär­chen, Löwen­zahn oder die Dun­kel­heit – bei der Viel­falt an Schrei­b­ideen ist sicher­lich für jeden etwas dabei. Dabei ist ›Ein­la­dung zum Schrei­ben‹ in ers­ter Linie kein Buch über das Schrei­ben, son­dern wie der Unter­ti­tel Schreib­jour­nal bereits ver­rät, ein Buch für das eige­ne Schrei­ben. Neben einer etwa halb­sei­ti­gen Ein­füh­rung sind in jedem Kapi­tel meh­re­re Sei­ten dafür vor­ge­se­hen, dass die Lesen­den die­se selbst fül­len können. 

»Ich schrei­be, um einen Sinn zu fin­den, obwohl es am Ende wahr­schein­lich kei­nen gibt. Schrei­bend erin­ne­re ich mich an mich selbst. Schrei­bend erfor­sche ich die Welt.«

Wer sich jede Woche ein ande­res Kapi­tel aus ›Ein­la­dung zum Schrei­ben‹ vor­nimmt, wird somit fast ein Jahr von Dör­ries Buch beglei­tet und zum Schrei­ben angeregt.

Dabei sind Dör­ries Regeln für das Schrei­ben, die sich an nicht mal zwei Hän­den abzäh­len las­sen, denk­bar leicht zu ver­ste­hen und dabei super effek­tiv. Allen vor­an die Auf­for­de­rung, eine bestimm­te Zeit am Stück zu schrei­ben und sich dabei weder zu unter­bre­chen noch zu bewerten.

»Wenn man schreibt, schreibt man immer über sich selbst. Schrei­bend hal­te ich mich am Leben und über­le­be. Jeden Tag wieder.«

Ein­la­dung zum Schrei­ben‹ ist eine Art geschütz­ter Raum für das eige­ne Schrei­ben. Auch vor der stän­di­gen Selbst­be­wer­tung und Selbst­ab­wer­tung will es durch sei­ne Regeln bewah­ren und somit dem Unge­schrie­be­nem die Chan­ce geben, end­lich geschrie­ben zu werden. 

»Und so ist dies also eine wei­te­re Ein­la­dung, die Schatz­kis­te der eige­nen Erin­ne­run­gen zu öff­nen und zu begrei­fen, dass nie­mand sonst auf der Welt genau die­sen Schatz besitzt, ihn her­vor­zu­ho­len, abzu­stau­ben und zu beschreiben.«

Obwohl ›Ein­la­dung zum Schrei­ben‹ nicht nur für Fans von Dör­ries Buch ›Leben, Schrei­ben, Atmen‹ zu emp­feh­len ist, kann die­ses ger­ne zusätz­lich gele­sen wer­den. Die­ses ist aus­führ­li­cher und kann dadurch einen zusätz­li­chen Moti­va­ti­ons­schub schenken.

Fazit zu ›Einladung zum Schreiben‹

Da ich bereits ›Leben, Schrei­ben, Atmen‹ super und sehr inspi­rie­rend und moti­vie­rend fand, wuss­te ich, dass ich ›Ein­la­dung zum Schrei­ben‹ unbe­dingt lesen muss. Ich mag Dör­ries ent­spann­ten und wert­neu­tra­len Ansatz, der ermun­tert und anregt. Beim Kauf von ›Ein­la­dung zum Schrei­ben‹ soll­te jedoch klar sein, dass es sich dabei nicht um ein Buch im klas­si­schen Sin­ne, son­dern um ein Schreib­jour­nal han­delt. Dies bedeu­tet, dass die frei­en Sei­ten zum Selbst­aus­fül­len im Buch die Mehr­zahl aus­ma­chen. Denn genau dar­um geht es dar­in: selbst ins Schrei­ben zu kommen.

Buchinfo

Doris Dör­rie:
Ein­la­dung zum Schrei­ben

Ein Schreib­jour­nal nach dem Best­sel­ler Leben, Schrei­ben, Atmen
Hard­co­ver Lei­nen
Dio­ge­nes, Zürich 2021
224 S., EUR (D) 16,- inkl. MwSt.
ISBN 978−3−257−07110−8

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Holly Black: Elfenkönig [Rezension]

Wie weit wür­de ein Mensch gehen, um nicht mehr in Angst und Ernied­ri­gung zu leben? Jude war bereit, eine Spio­nin des Prin­zen zu wer­den. Und sie war bereit, dafür zur Mör­de­rin zu wer­den. Was als Ver­tei­di­gung begann, ent­puppt sich bald als Talent – eines, das nur davon über­trof­fen wer­den kann, wie gut es ihr gelingt, das Volk der Elfen zur Weiß­glut zu treiben. 

Nicht nur die Adli­gen des Hofes haben Jude in ›Elfen­kro­ne‹ unter­schätzt – auch ihrem Zieh­va­ter Madoc ist es so ergan­gen. Nie­mand weiß, war­um der jun­ge, schö­ne König sie an sei­ner Sei­te hat und auf ihren Rat hört. Und nur die wenigs­ten wis­sen in ›Elfen­kö­nig‹, dass sie im Ver­bor­ge­nen die Fäden zieht.

Doch das Dasein als Schat­ten­re­gen­tin hat sei­nen Preis. Jude schläft und isst wenig. Mehr­mals begibt sie sich in ›Elfen­kö­nig‹ in Gefahr, ohne es zu ahnen. Denn trotz allem ist Jude kaum erst von der Schul­bank aufgestanden.

»Jude gefiel es eben­falls, wenn sie wütend war, denn Wut war bes­ser als Angst und bes­ser als die Erin­ne­rung dar­an, dass sie eine Sterb­li­che unter Unge­heu­ern war.«

Und wäh­rend sie alles dafür tut, dass Reich der Elfen vor einem Krieg zu bewah­ren, lau­fen die Vor­be­rei­tun­gen für eine Hoch­zeit. Ihre Zwil­lings­schwes­ter soll ihren Ex-Freund hei­ra­ten, der noch immer nicht genug davon hat, Unru­he zu stiften.

Doch zum Glück hat Jude Ver­bün­de­te, die mit allen Was­sern gewa­schen sind. Die Spio­ne des Hofs der Schat­ten, ihre älte­re Schwes­ter Vivi und ihre Dol­che. Doch wo sich Ver­bün­de­te auf­hal­ten, sind zumeist auch Fein­de und Ver­rä­ter nicht weit.

»›Macht‹, sag­te er. ›Macht ist die Gabe zu bekom­men, was man haben will. Macht ist die Gabe, eige­ne Ent­schei­dun­gen tref­fen zu kön­nen. Und wie kom­men wir an die­se Macht?‹«

Zahl­rei­cher als Ver­bün­de­te sind im Elfen­reich für einen Men­schen auf jeden Fall Fein­de. Selbst wenn man nicht den eige­nen Vater gegen sich auf­bringt, in dem man ihm die Kro­ne aus er Hand geris­sen hat, oder den Prin­zen Bale­kin, der sich eben­falls um die Kro­ne betro­gen fühlt. 

Jude ist stark. Und wütend. Wer Rei­bung und Aus­ein­an­der­set­zung will, kann dies bei ihr fin­den. Doch wenn man ein­mal die­sen Pfad ein­ge­schla­gen hat, ist es schwer, sich wie­der davon zu lösen. Denn ver­zei­hen kann Jude schlecht.

Fazit zu ›Elfenkönig

Elfen­kö­nig‹ ist fan­ta­sie­voll, span­nend und bewe­gend. Der zwei­te Band der Rei­he greift das schnel­le Tem­po auf, das das Ende des ers­ten Ban­des ›Elfen­kro­ne‹ geprägt hat. Span­nend wird, was im drit­ten und letz­ten Band der Rei­he ›Elfen­thron‹ noch alles gesche­hen kann. 

Hol­ly Black:
Elfen­kö­nig

Die Elfen­kro­ne-Rei­he, Band 2
Ab 14 Jah­ren
Über­setzt von: Anne Brau­ner
cbj HC, Mün­chen 2021
450 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Roman, Taschen­buch
ISBN 978−3−570−31399−2

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