Jan-Philipp Sendker: Das Gedächtnis des Herzens [Rezension]

Jan-Philipp Sendker: Das Gedächtnis des Herzens [Rezension]

Der Versuch, zu lieben. 

coverEin zwölf­jäh­ri­ger Jun­ge wächst in ›Das Gedächt­nis des Her­zens‹ allein bei sei­nem Onkel auf. Ein­mal im Jahr kommt sein Vater ihn für weni­ge Wochen besu­chen. Mehr Zeit kann Ko Bo Bo nicht mit sei­ner Fami­lie verbringen. 

War­um das so ist, weiß der Jun­ge nicht. Er weiß nur, dass er sei­nen Vater ger­ne häu­fi­ger sehen wür­de und, dass er eine gro­ße Nar­be im Gesicht hat. War­um sei­ne Mut­ter ihn nie besucht und was mit ihr sein könn­te, liest Bo Bo nur zwi­schen den Zeilen.

Obwohl sein Onkel U Ba ihn sehr liebt, sehnt sich der Jun­ge nach sei­ner Fami­lie, an die er nur vage Erin­ne­run­gen hat. Jedes Wort und jede Erzäh­lung über sie lässt ihn sofort aufhorchen.

»Es gibt ver­schie­de­ne Grün­de zu schwei­gen, habe ich von U Ba gelernt.
Einer kann Angst sein.«

Und wäh­rend sowohl der Lesen­de als auch Bo Bo in ›Das Gedächt­nis des Her­zens‹ wis­sen, dass die Geschich­te um sei­ne Fami­lie und sei­ne Nar­be kei­ne ein­fa­che wer­den kann, fühlt es sich erleich­ternd an, als sein Onkel end­lich die Geschich­te von Bo Bos Mut­ter und Vater erzählt.

coverDas Gedächt­nis des Her­zens‹ wird von einer Stim­mung getra­gen, die zugleich fremd, exo­tisch und doch eben­so ver­traut und bewe­gend ist.

Obwohl die­ses Buch der drit­te Teil einer Serie ist, lässt es sich pro­blem­los eigen­stän­dig lesen. Ich habe die­sen Roman geschenkt bekom­men und hat­te Band 1 und 2 der Bur­ma-Serie zuvor nicht gele­sen. Trotz­dem hat­te ich kei­ne Schwie­rig­kei­ten, den Roman ver­ste­hen und genie­ßen zu kön­nen. Natür­lich wer­den Lesen­de, die Band 1 und 2 gele­sen haben, in man­chen Sze­nen sicher­lich mehr sehen kön­nen als ande­re Leser, aber ein Muss ist es kei­nes­falls. Da mir der drit­te Band aber so gut gefal­len hat, wer­de ich die ers­ten bei­den bestimmt nachholen.

Jan-Phil­ipp Send­ker gelingt es, uns in sei­nem Roman ›Das Gedächt­nis des Her­zens‹ bereits nach weni­gen Sei­ten zu Ver­trau­ten des jun­gen Bo Bos und sei­ner Welt zu machen. Er ist eine jener Figu­ren, die man mögen muss, weil sie das Herz am rech­ten Fleck haben und mit sich und der eige­nen Geschich­te zu kämp­fen hat.

»Wer wirk­lich liebt, hat kei­ne Angst, wer Angst hat, kann nicht lie­ben.
Nur klam­mern.«

Er ist auf der Suche nach einem Ort, an den er hin­ge­hö­ren darf und an dem er ange­nom­men wird. Ein Ort, den sein Onkel ihm zwar zu geben ver­sucht, der aber den Wunsch nach Vater und Mut­ter nie ganz erset­zen kann. Es ist auch die­se Suche, die Ko Bo Bos Mut­ter in der Erzäh­lung des Onkels anzu­trei­ben scheint und Kin­der mit Behin­de­run­gen in das Klos­ter führ­te, in dem Bo Bos Vater einst leb­te. Ein Ort und ein Mensch, bei dem sie sich ange­nom­men, geschätzt und sicher füh­len durf­ten, bis die Ereig­nis­se in Bur­ma über ihnen hereinbrachen.

Fazit zu ›Das Gedächtnis des Herzens

Mit Gefühl und doch ohne Kitsch erzählt Send­ker die Geschich­te eines Jun­gen, der sich sei­ne Fami­lie wünscht, und zugleich die Geschich­te einer Fami­lie, die im Schat­ten der eige­nen Ver­gan­gen­heit erst zu gedei­hen ler­nen muss.

Buchinfo

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Jan-Phil­ipp Send­ker:
Das Gedächt­nis des Her­zens

Die Bur­ma-Serie, 3
Bles­sing, Mün­chen 2019
336 S., EUR (D) 22,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver mit SU, Roman
ISBN 978−3−89667−502−6

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4 von 5.


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