Archiv der Kategorie: Besonders

Kei Ohkubo: Arte 3 [Rezension]

Von Kunst und der ersten Prügelei. 

Die jun­ge Ade­li­ge und Maler­schü­le­rin Arte hat es auch in ›Arte 3‹ nicht leicht. Sie lebt in einer von Män­nern domi­nier­ten Welt und arbei­tet in einem von Män­nern domi­nier­ten Beruf. Die wenigs­ten trau­en ihr mehr zu, als hübsch auszusehen. 

Doch wer glaubt, dass Arte sich davon unter­krie­gen oder abschre­cken las­sen wür­de, hat sich geschnit­ten. Sie scheut kei­ne Arbeit, ist sie auch noch so hart. Doch obwohl sie über jede Men­ge Wil­lens­kraft und Mut ver­fügt, muss auch sie sich Auf­ga­ben stel­len, für die sie über sich hin­aus­wach­sen muss. Und Arte wäre nicht Arte, wenn sie sich vor die­sen Auf­ga­ben drü­cken würde. 

»Dann neh­me ich die Her­aus­for­de­rung an. Ich wer­de eine Male­rin, die mit ihren Wer­ken auch Kun­den wie Sie über­zeu­gen kann.«

Ohku­bos ›Arte 3‹ ist ein Lie­bes­lied auf die Eigen­stän­dig­keit und Kraft der Frau, ohne Män­nern dadurch posi­ti­ve Eigen­schaf­ten abzu­spre­chen. Mag die jun­ge Frau auf den ers­ten Blick auch etwas naiv erschei­nen, hat sie das Herz und den Ver­stand doch am rech­ten Fleck. Und so fin­det Arte Freun­de und Unter­stüt­zer – jedoch nicht ohne einer hand­fes­ten Aus­ein­an­der­set­zung –, die von ihrer Arbeits­wei­se und ihrer Art begeis­tert sind.

»Ich fand dich schon beim letz­ten Mal viel­ver­spre­chend, aber noch jung und unsi­cher. Leo hat sich einen sehr kampf­be­rei­ten und lus­ti­gen Lehr­ling ins Haus geholt.«

Wäh­rend Arte selbst von Fröh­lich­keit und Leich­tig­keit beschwingt scheint, erlau­ben die Neben­fi­gu­ren des Man­gas einen kla­re­ren Blick auf das Flo­renz des 16. Jahrhunderts. 

In der Welt der Male­rei war­ten auf Arte weder Luxus, Bequem­lich­keit noch reich­lich gedeck­te Tische. Und doch erkauft sie sich Ein­tritt in die­sel­be und bezahlt dafür mit ihrem lan­gen Haar und dem Leben, wie sie es gewohnt war. Doch trotz die­ses Prei­ses ist nur ein Maler­meis­ter bereit, sie in sei­nen Dienst zu nehmen. 

»[Leo] hat­te tat­säch­lich vie­le unkind­li­che Sei­ten. Er war dreist und vor­laut. Schon bei unse­rer ers­ten Begeg­nung war er unausstehlich.«

Fazit zu ›Arte 3‹

Arte 3‹ ist – wie auch ›Arte 1‹ und ›Arte 2‹ – die Geschich­te einer jun­gen Frau, die sich nicht unter­krie­gen lässt und bereit ist, für ihre Träu­me jeden Kampf aus­zu­tra­gen. Wun­der­voll gezeich­net, mit zahl­rei­chen lie­be­vol­len Details lädt Kei Ohku­bos Man­ga die Leser und Lese­rin­nen dazu ein, Arte auf ihrem Weg zu beglei­ten. Ein Man­ga mit Wohlfühlfaktor. 

Buchinfo

Kei Ohku­bo:
Arte

Band 3
über­setzt von: Yuki Kow­alsky
Carl­sen, Ham­burg 2020
194 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Man­ga, Soft­co­ver
Alter: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−79863−3

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Anne Weber: Annette ein Heldinnenepos [Rezension]

Die Geschichte einer Frau, die viele Namen hatte. 

Es gibt Geschich­ten, die man nicht mehr ver­ges­sen wird. Anne Weber ist es gelun­gen, mir mit ›Annet­te ein Hel­din­nen­epos‹ eine sol­che zu erzählen. 

Von klein auf strebt Annet­te nach Ver­än­de­rung. Sie kann die Unge­rech­tig­keit nicht hin­neh­men, die sie sieht. Weder die, die ihr und ihren Liebs­ten zuteil wird noch die der anderen. 

Sie weiß, dass es gefähr­lich ist, die­ses Bestre­ben in Taten umzu­set­zen. Sie könn­te alles ver­lie­ren: ihre Gesund­heit, ihr Leben, ihre Liebsten.

Doch Weber erzählt die Lebens­ge­schich­te einer Frau, die den gefähr­li­chen Weg gewählt hat. Mehr­fach. In der tie­fen Über­zeu­gung, dass es der not­wen­di­ge Weg ist. Doch noch bevor Leser und Lese­rin­nen an ihrem Kampf gegen die Unge­rech­tig­keit teil­ha­ben, erzählt Weber in ›Annet­te ein Hel­din­nen­epos‹ die Geschich­te von Annet­tes Familie. 

»Die Unter­kunft ist küm­mer­lich, und dem­entspre­chend nied­rig ist die Mie­te, doch das Gerin­ge ist noch viel für sie, die früh ver­wit­wet ihre Kin­der mit dem Ertrag der pêche à pied oder des Fischens ohne Boot her­an­ge­zo­gen hat: Tag für Tag macht sie sich bei Ebbe auf den Weg und stö­bert aus­dau­ernd im nas­sen Sand aller­lei Mee­res­ge­tier auf«

Die­se Aus­dau­er und das vie­le, vie­le Lau­fen wer­den auch Annet­tes Leben aus­zeich­nen. Doch neben dem Lau­fen auch das vie­le War­ten, Unge­wiss­hei­ten, Risi­ken. Annet­te wird sich an vie­le Namen gewöh­nen und von die­sen wie­der entwöhnen. 

Sie macht ihre Arbeit gut, wenn sie nicht auf­fällt und sich an die Regeln hält. Meis­tens gelingt ihr das. Nicht auf­zu­fal­len gelingt ihr schein­bar leicht, sich immer an die Regeln zu hal­ten manch­mal nicht. Denn wozu sind Regeln da, wenn sie zu bre­chen, Leben ret­ten kann? Zugleich jedoch wer­den durch das Bre­chen der Regeln Leben gefähr­det. Annet­te muss vie­le Ent­schei­dun­gen tref­fen, ein­fach sind die wenigsten.

»Das Mäd­chen wirkt erfreu­lich harm­los, tau­send­mal harm­lo­ser ver­mut­lich, als es ist. Da hat er recht.«

Annet­te ein Hel­din­nen­epos‹ ist in vie­ler­lei Hin­sicht etwas Beson­de­res. Webers Spra­che ist aus­drucks­stark und berüh­rend. Die Leben, die sie schil­dert, sind oft­mals kaum bekannt oder lan­ge ver­ges­sen. Doch in Dru­cker­schwär­ze macht Weber für sie Platz, erin­nert, lässt begrei­fen. Wie vie­le, unzähl­ba­re sterb­li­che Schick­sa­le in die gro­ßen Momen­te der Geschich­te ver­wi­ckelt waren. 

Annet­te ist mutig, weit mehr als das. Sie lebt den Wider­stand gegen die Unge­rech­tig­keit und zahlt dafür mehr­mals einen hohen Preis.

»Denn wie das meis­te ist auch das Wider­ste­hen anders, als man es sich denkt, näm­lich kein ein­ma­li­ger Ent­schluss, kein kla­rer, son­dern ein unmerk­lich lang­sa­mes Hin­ein­ge­ra­ten in etwas, wovon man kei­ne Ahnung hat. Das Ers­te, dems zu wider­ste­hen gilt, das ist man selbst. Der eige­nen Angst.«

Fazit zu ›Annette ein Heldinnenepos

Annet­te ein Hel­din­nen­epos‹ ist kei­nes der Bücher, das ich neben­bei in der Strand­lie­ge lesen könn­te. Die­ses Buch lädt nicht nur dazu ein, es zu lesen, son­dern mit­zu­füh­len – nicht im all­tags­sprach­li­chen Sin­ne. Stau­nend lässt es einen über eine Frau zurück, die so viel Mut und Aus­dau­er gezeigt hat. Inspi­rie­rend, berüh­rend und nachgehend.

Buchinfo

Anne Weber:
Annet­te, ein Hel­din­nen-Epos

Mat­thes & Seitz, Ber­lin 2020
208 S., EUR (D) 22,- inkl. MwSt.
Gebun­den mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−95757−845−7

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H. P. Lovecraft: Cthulhus Ruf [Rezension]

Von einem uralten Wesen in den Tiefen dieser Welt, das ruht und wartet. 

Die Ahnung von etwas Uralten, Mons­trö­sen erfüllt die Geschich­te ›Cthul­hus Ruf‹. Ist es zu Beginn noch der plötz­li­che Tod des Onkels des Icher­zäh­lers, der Rät­sel auf­gibt, ver­dich­tet sich das düs­te­re Netz aus Geheim­nis­sen und Vor­ah­nun­gen bald. 

Im Nach­lass des Onkels, einem ange­se­he­nen Pro­fes­sor, stößt der Icher­zäh­ler auf Auf­zeich­nun­gen und Unter­la­gen, die Zwei­fel am natür­li­chen Tod sei­nes Onkels auf­kom­men las­sen. Doch was war es, dem der Pro­fes­sor noch bis kurz vor sei­nem Able­ben auf der Spur war? Und war­um hat er davon nichts gewusst?

Der Icher­zäh­ler von ›Cthul­hus Ruf‹ kämpft mit sich und sei­ner Wahr­neh­mung der Welt. Er will ratio­na­le Erklä­run­gen fin­den, die Geheim­nis­se sei­nes Onkels auf Betrug ande­rer zurück­füh­ren, doch je tie­fer er sich in sei­ne Nach­for­schun­gen begibt, des­to stär­ker wird das Gefühl des lau­ern­den Grau­en­haf­ten. Uralte Ritua­le und mons­trö­se Anru­fun­gen, nicht nur in der Fer­ne, son­dern Tief im Her­zen des mensch­li­chen Bewusstseins.

»Ein Fall, dem sich die Anmer­kun­gen mit Nach­druck wid­me­ten, war tra­gisch.
Die betref­fen­de Per­son, ein sehr bekann­ter Archi­tekt mit Inter­es­se an Theo­so­phie und Okkul­tis­mus, wur­de am glei­chen Tag wie Wil­cox von hef­ti­gem Wahn­sinn befal­len und starb eini­ge Mona­te spä­ter nach end­lo­sem Schrei­en, jemand möge ihn doch vor den aus­ge­bro­che­nen Bewoh­nern der Höl­le retten.«

Mehr und mehr dunk­le Geheim­nis­se kreu­zen sei­ne Nach­for­schun­gen. In den unter­schied­lichs­ten Tei­len der Welt stößt er auf wei­te­re Puz­zle­tei­le. Und doch ist kaum jemand übrig, den er direkt befra­gen könn­te. Mys­te­riö­se Todes­fäl­le und Ver­schwin­den säu­men den Weg. Und wie berich­tet man etwas, das nie­mand zu glau­ben bereit ist? Love­craft zieht Leser und Lese­rin­nen sub­til und unter­schwel­lig in die Abgrün­de sei­ner Geschich­te. Sei­te für Sei­te ver­dich­tet sich eine Geschich­te, die unter die Haut geht.

»Es war ein Poli­zist aus New Orleans namens John Ray­mond Legras­se.
Er brach­te den Gegen­stand mit, um des­sent­wil­len er gekom­men war – eine gro­tes­ke, unge­heu­er­lich absto­ßen­de und augen­schein­lich sehr alte Stein­sta­tu­et­te, deren Ursprung er nicht zu bestim­men vermochte.«

Cthul­hus Ruf‹ ist mit Abstand die berühm­tes­te Erzäh­lung H. P. Love­crafts, die natür­lich auch in ›Die bes­ten Geschich­ten‹ von H. P. Love­craft nicht fehlt. Zum Teil jedoch auch in der Zeit des Autors ver­haf­tet ist.

Doch die Abbil­dun­gen von Fran­çois Bar­an­ger machen die­se Aus­ga­be von ›Cthul­hus Ruf‹ nicht nur zu etwas Beson­de­rem, son­dern zu einem Schatz in Buch­ge­stalt. Dun­kel, düs­ter und atmo­sphä­risch fan­gen sie das Unbe­ha­gen und die Ahnun­gen ein, die zwi­schen Love­crafts Zei­len lau­ern. Jede Dop­pel­sei­te ist ein Kunst­werk für sich, die Love­crafts Welt ernst nimmt. 

Fazit zu ›Cthulhus Ruf

Love­crafts ›Cthul­hus Ruf‹ ist düs­ter, atmo­sphä­risch und unglaub­lich span­nend. Der Icher­zäh­ler ist greif­bar, ver­sucht dem Unfass­ba­ren mit Ratio­na­li­tät und Fas­sung zu begeg­nen und erbaut dadurch eine Brü­cke für den Leser in die Welt von ›Cthul­hus Ruf‹.

Die­se Aus­ga­be der berühm­ten Erzäh­lung ›Cthul­hus Ruf‹ ist nicht nur für Love­craft-Ken­ner eine Emp­feh­lung – Fran­çois Bar­an­gers Abbil­dun­gen soll­ten sie sich nicht ent­ge­hen las­sen. Auch für den Love­craft-Neu­ling ist die­se schau­rig-schö­ne und biblio­phi­le Aus­ga­be eine wun­der­ba­re Ein­la­dung in die Welt von Love­craft und Cthulhu. 

»›In sei­nem Haus in R’lyeh
war­tet träu­mend der tote Cthulhu.‹«

Buchinfo

H. P. Love­craft:
Cthul­hus Ruf

Hey­ne, Mün­chen 2020
64 S., EUR (D) 25,- inkl. MwSt.
Mit 64 far­bi­gen Abbil­dun­gen von Fran­çois Bar­an­ger
Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−453−53498−8

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Hajime Isayama: Attack on Titan Deluxe Edition Band 7 [Rezension]

Die Geheimnisse der Verstorbenen. 

Weni­ge Jah­re sind ver­gan­gen seit der Bezirk Shi­ganshi­na an die Tita­nen gefal­len ist. Hun­der­te star­ben, mehr noch durch die Hun­gers­nö­te, die auf­ka­men, weil sich immer mehr Men­schen hin­ter die inners­ten Mau­ern dräng­ten. Eren, Mika­sa und Armin haben an die­sem Tag fast alles ver­lo­ren. Nur ein­an­der haben sie in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ noch.

Und nun sol­len die drei end­lich dort­hin zurück­keh­ren, wo sie einst als Kin­der zusam­men leb­ten. Die Häu­ser sind Rui­nen, die Men­schen nur noch Erin­ne­rung. Pas­send scheint es, dass sie dort aus­ge­rech­net den bei­den Tita­nen gegen­über­ste­hen sol­len, die einst die Mau­er durch­bra­chen und damit das Leben in Shi­ganshi­na auslöschten. 

Die letz­te Hoff­nung des Auf­klä­rungs­trupps und der Men­schen liegt in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ in dem, was sie im Kel­ler­raum von Erens Vater zu fin­den hof­fen. Hat sich die Geschich­te in ›Attack on Titan‹ bis­her aus ein­zel­nen Puz­zle­tei­len bil­den müs­sen, wird sie nun zu einer voll­stän­di­gen Geschichte.

»Und doch fla­ckert in mei­nem Kopf immer wie­der der Gedan­ke an die­sen Kel­ler­raum auf. Selbst wenn die Mis­si­on fehl­schlägt, könn­te ich es vor mei­nem Tod noch dahin schaf­fen. In den Kel­ler­raum, den Gri­sha Jäger hin­ter­las­sen hat, die Wahr­heit über die­se Welt.«

Sie suchen nach der Wahr­heit über eine Welt, die sich durch ihre Grau­sam­keit aus­zeich­net. Eine Welt, in der Men­schen zu Nah­rung gewor­den sind. ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ knüpft direkt an die Gescheh­nis­se aus ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 6‹ an. Die Men­schen hin­ter den Mau­ern ste­hen mit dem Rücken an der Wand und wis­sen noch immer nicht warum.

Isaya­ma gelingt es, mit dem Man­ga und Ani­me ›Attack on Titan‹ eine Geschich­te zu erschaf­fen, deren Geheim­nis­se von eben­so vie­len Schich­ten umschlos­sen sind, wie die Men­schen in ihren Mau­ern. Mitt­ler­wei­le ist zwar die Iden­ti­tät des kolos­sa­len und des gepan­zer­ten Tita­nen gelüf­tet, auch über die Wand­ler­ti­ta­nen ist mehr bekannt, doch gibt es auch in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ noch tie­fer lie­gen­de Geheim­nis­se zu entdecken.

Wer glaubt, was der Auf­klä­rungs­trupp im Kel­ler von Erens Vater fin­det, ist die Ant­wort auf alles, täuscht sich: Es ist ein Anfang. Eine Schicht des Geheim­nis­ses wird durch­sto­ßen, der Leser dringt tie­fer zum Kern vor, doch noch immer blei­ben Fra­gen offen.

Isaya­ma gelingt es, die zu ent­de­cken­den Geheim­nis­se so mit der Geschich­te und den Hand­lun­gen zu ver­we­ben, dass alles, was ent­deckt wird, über­ra­schend ist und zugleich Sinn ergibt. Die Geheim­nis­se sind in der Geschich­te tief ver­an­kert, ihre auf­ge­scho­be­ne Auf­lö­sung ist kei­ne blo­ße Hin­hal­te­tak­tik, son­dern der Kern. So ahnungs­los wie Eren und sei­ne Kame­ra­den sind, so ist es auch der Leser.

»Kannst du sie auch sehen … all unse­re Kame­ra­den … ? Unse­re Kame­ra­den sehen uns an. Sie wol­len end­lich wis­sen, wofür sie gestor­ben sind. «

Fazit zu ›Attack on Titan Deluxe Edition Band 7

Und die Ant­wor­ten, die in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ gefun­den wer­den, sind nie ein­fach. Die anfäng­li­che Schwarz-Weiß-Zeich­nung der Men­schen gegen die Tita­nen wird auf­ge­löst und ver­wischt. Wer glaubt, gezeich­ne­te Geschich­ten sind für Kin­der, der hat ›Attack on Titan‹ noch nicht gele­sen. Die­ser Man­ga geht unter die Haut, sprüht vor Span­nung und Abgründen. 

Doch trotz der her­ben Rück­schlä­ge, die Eren und sei­ne Freun­de erfah­ren haben, hören sie nicht auf. Sie alle haben schon zu viel ver­lo­ren, um auf­zu­hö­ren. Selbst hin­ter den Mau­ern sind sie nicht mehr sicher, was Jahr­zehn­te­lang galt, ist nich­tig gewor­den. ›Attack on Titan‹ bie­tet eine jener Geschich­ten, über die gespro­chen wer­den muss. Ich bin schon sehr gespannt auf ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ und auf alle wei­te­ren Bände.

Buchinfo

Haji­me Isaya­ma:
Attack on Titan Delu­xe 7
beinhal­tet die Bän­de 19–21
über­setzt von Clau­dia Peter
Carl­sen, Ham­burg 2020
568 S., EUR (D) 25,00 inkl. MwSt.
Hard­co­ver, Man­ga
Ab 16 Jah­ren
ISBN 978−3−551−74109−7

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Ilja Leonard Pfeijffer: Grand Hotel Europa [Rezension]

Ilja hat­te nicht geplant, spä­ter ein­mal nach Vene­dig zu zie­hen. Sein Leben in Genua war toll, vor allem als er die auf­re­gen­de und anzie­hen­de Clio ken­nen­lern­te. Und doch muss er nicht lan­ge dar­über nach­den­ken, als Clio sich über­legt, wegen eines Job­an­ge­bo­tes dort­hin zu ziehen. 

Vene­dig – eine Stadt, die berühmt ist für ihre Kunst und ihre Gon­deln. Wo es an jeder Stra­ßen­ecke vene­zia­ni­sche Mas­ken für Tou­ris­ten zu kau­fen gibt, aber kaum mehr fri­sches Obst oder Gemü­se für die Bewohner. 

Doch obwohl er sich sei­ner Ent­schei­dung sicher ist, wird nicht Vene­dig in sei­ner Erin­ne­rung die schöns­te Zeit wer­den, son­dern Genua. 

Als Ilja sich schließ­lich in das Grand Hotel Euro­pa begibt, um sei­ne Geschich­te auf­zu­schrei­ben, ist es mehr als eine Welt, die der Schrift­stel­ler zu Papier bringt. Zum einen ist es sei­ne per­sön­li­che Ver­gan­gen­heit, die er teilt. Vol­ler Kunst, Mar­ken­klei­dung und alten Fami­li­en. Zum ande­ren ist es die Welt des Tou­ris­mus, die jähr­lich in Vene­dig zu spü­ren ist. Außer­dem noch jene Welt Abduls, der sei­ne Hei­mat ver­las­sen muss­te und bei die­ser Rei­se alles ande­re als schö­ne Erin­ne­run­gen gesam­melt hat. 

»Das Zim­mer war ein­fach per­fekt, nicht etwa, weil es ein per­fek­tes Hotel­zim­mer gewe­sen wäre, son­dern gera­de weil es das nicht war. An die­ser Suite hat­te sich kein Inte­rior desi­gner unter Zuhil­fe­nah­me eines anony­men und zweck­mä­ßi­gen Ent­wurfs ver­küns­telt, son­dern hier hat­te ein Über­maß an Geschich­te despe­rat seuf­zen­de Spu­ren hinterlassen.«

Sie alle kom­men in Pfei­jf­fers Roman ›Grand Hotel Euro­pa‹ zusam­men und wol­len vom Ilja der Roman­welt auf­ge­schrie­ben werden. 

Der Leser oder die Lese­rin muss sich ein­las­sen kön­nen auf die­sen Schreib­stil, der anfangs üppig und beschrei­bend wirkt. Denn durch die­sen kön­nen die Kon­tras­te umso stär­ker wirken. 

»Die Stadt wird heu­te fast nur noch von Geis­tern aus der Ver­gan­gen­heit bewohnt, dafür aber jähr­lich von acht­zehn Mil­lio­nen Tou­ris­ten über­schwemmt. Das sind 50000 pro Tag, ähn­lich vie­le Besu­cher hat Dis­ney­land im kali­for­ni­schen Anaheim.«

Fazit zu ›Grand Hotel Europa

Man soll­te sich Zeit las­sen für die­ses Buch, das die­se braucht, um sich zu ent­fal­ten. Und obwohl man­ches zu üppig wir­ken, nicht nur Iljas und Cli­os orgas­ti­sches Sex­le­ben, ist die­ses Buch nicht nur für kunst­his­to­risch inter­es­sier­te Leser und Lese­rin­nen lesenswert.

Buchinfo

Ilja Leo­nard Pfei­jf­fer:
Grand Hotel Euro­pa

Roman
Über­setzt von: Ira Wil­helm
Piper, Mün­chen 2020
560 S., EUR (D) 25,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−492−07011−9

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Kei Ohkubo: Arte 2 [Rezension]

Der Traum einer jungen Frau und Schwielen an den Händen. 

›Arte 2‹ führt ins Flo­renz des 16. Jahr­hun­derts. Arte hat es nicht leicht. Zwar hat sie es geschafft, in einer klei­nen Maler­werk­statt eine Aus­bil­dungs­stel­le zu ergat­tern, doch begeis­tert sind davon nicht alle. 

Der Zugang zu ande­ren Werk­stät­ten wird ihr ver­wehrt. Auf­trag­ge­ber neh­men sie nicht ernst, ande­re Maler­ge­sel­len eben­so wenig. Um über­haupt beach­tet zu wer­den, muss die jun­ge Frau nicht 100 Pro­zent geben, son­dern 200.

Doch obwohl sich die Stei­ne in ihrem Weg tür­men und sie so man­ches Mal dar­über stol­pert, hält Arte an ihrem Traum fest: ein selbst­be­stimm­tes Leben als Male­rin führen.

»Wenn du dei­nen Traum ver­wirk­li­chen willst, ruh dich nicht dar­auf aus, dass du eine Frau bist. Und lass dich nicht durch die Lie­be vom Weg abbrin­gen. Die­se Welt ist gna­den­los zu uns Frauen.«

Noch nicht nur Pro­ble­me beglei­ten ihren Weg: Als ein­zi­ger weib­li­cher Maler­lehr­ling ist Arte schnell bekannt. Und obwohl nicht alle ihre Zie­le gut­hei­ßen, dient sie man­chen auch als Bei­spiel. Arte ist auf­rich­tig, direkt und vol­ler Ener­gie. Was die jun­ge Frau anpackt, das schafft sie auch – wenn auch nicht unbe­dingt beim ers­ten Versuch.

»Der Beruf tut nichts zur Sache! Ich … Ich habe Respekt vor sei­nen Anstren­gun­gen und Mühen!«

Der Man­ga ›Arte 2‹ ist eben­so lie­bens­wert gezeich­net wie der ers­te Band. Stück für Stück wird auch der Hin­ter­grund der Neben­cha­rak­te­re her­aus­ge­ar­bei­tet, ihre Pro­ble­me und Wün­sche gezeigt.

Nicht alles ist glanz­voll in der Welt der Male­rei. Vie­les ist har­te Arbeit, Pla­cke­rei und Durchhaltevermögen. 

»Meis­ter Leo ist streng zu mir, weil er mich nicht als Frau, son­dern als sei­nen Lehr­ling sieht. Ich möch­te nicht rück­sichts­voll behan­delt wer­den, son­dern streng. Dann lohnt sich mei­ne Mühe umso mehr.«

Fazit zu ›Arte 2‹

Arte 2‹ ist stim­mig und kann noch stär­ker über­zeu­gen als der ers­te Band. Es ist kei­ne ein­fa­che Zeit für Frau­en, vor allem für jene, die nicht auf den ein­ge­tre­te­nen Pfa­den wei­ter­lau­fen möchten. 

Die Gedan­ken im Man­ga schei­nen zum Teil modern, zugleich beschäf­ti­gen sie sich mit über­zeit­li­chen The­men. Was ist man bereit, für sei­ne Wün­sche und Träu­me zu tun? Wie viel Wider­stand ist man bereit aus­zu­hal­ten? Ist man bereit, ande­re zu ent­täu­schen, um den eige­nen Weg zu gehen? Arte will ein selbst­be­stimm­tes Leben als Frau füh­ren, doch ihre Metho­den sind nicht ihre Ellen­bo­gen, son­dern ihr Herz, ihre Auf­rich­tig­keit und ihre gro­ße Lie­be zur Kunst. 

Buchinfo

Kei Ohku­bo:
Arte

Band 2
über­setzt von: Yuki Kow­alsky
Carl­sen, Ham­burg 2020
194 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Man­ga, Soft­co­ver
Alter: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−79862−6

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4.5 von 5.


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James Gould-Bourn: Pandatage [Rezension]

Wie eine Stangentänzerin und ›Dirty Dancing‹ das Leben verändern können. 

Dass ein Unglück sel­ten allein kommt, weiß Dan­ny in ›Pan­da­ta­ge‹ ver­mut­lich bes­ser als die meis­ten. Seit sei­ne Frau Liz vor einem Jahr plötz­lich bei einem Auto­un­fall ver­starb, ist das Leben der klei­nen Fami­lie nicht mehr das gleiche. 

Sein Sohn Will spricht nicht mehr – weder mit ihm, noch mit ande­ren. War das Geld vor­her schon knapp, reicht es nun nicht ein­mal mehr für das Nötigs­te: Unbe­zahl­te Rech­nun­gen häu­fen sich und sein Ver­mie­ter gehört nicht zur gedul­di­gen Sor­te, dem Gewalt als Lösung fern läge. Als Dan­ny dann noch sei­nen Job als Bau­ar­bei­ter ver­liert, bringt ihn nur der Gedan­ke an sei­nen Sohn noch dazu, mor­gens das Haus zu verlassen. 

»›Ist eine lan­ge Geschich­te‹, sag­te er und schau­te auf sei­nen unbe­ring­ten Ring­fin­ger. Als Liz noch am Leben gewe­sen war, hat­te er sich nie Sor­gen um sei­nen Ehe­ring gemacht, aber nach ihrem Tod hat­te er mit einem Mal schreck­li­che Angst bekom­men, er kön­ne ihn ver­lie­ren, also hat­te er ihn in Wat­te gehüllt, in eine Streich­holz­schach­tel gesteckt und in der Schub­la­de sei­nes Nacht­tischs verborgen.«

Doch ganz gleich, wie sehr er sich auch bemüht, eine Anstel­lung ist für den unge­lern­ten Mann nicht zu fin­den. Hat man ihm bereits sein Leben lang gesagt, dass er zu nichts zu gebrau­chen sei, scheint es sich jetzt zu bewahrheiten. 

Aber Dan­ny wäre nicht Dan­ny, wenn er ein­fach auf­ge­ben wür­de. Das Pan­da­kos­tüm, das er in einem her­un­ter­ge­kom­me­nen Laden bekommt, ist weder schön noch sau­ber. Aber es ist güns­tig und erfüllt somit Dan­nys Haupt­vor­aus­set­zung. Doch schon bald muss Dan­ny fest­stel­len, dass es nicht genügt, sich mit einem Kos­tüm in einen Park zu stel­len. Um genug Geld zu bekom­men, um sei­ne Mie­te zu zah­len, muss er den Leu­ten etwas bieten. 

Dan­ny kann nicht tan­zen. Aber da er all die ande­ren Sachen, für die Leu­te einem Mann im Pan­da­kos­tüm Geld zah­len wür­den, noch schlech­ter kann, bleibt ihm nichts ande­res übrig. 

»Wäh­rend sei­ne ver­stor­be­ne Frau auf der Tanz­flä­che eine Art Natur­ta­lent gewe­sen war, war Dan­ny eher eine Natur­ka­ta­stro­phe. Sein Pro­blem war ganz ein­fach. Er hat­te kei­nen Rhythmus.«

Pan­da­ta­ge‹ ist ein Roman, der trotz sei­ner tra­gi­schen The­ma­tik immer wie­der zum Lachen bringt. Die trau­ri­gen Momen­te sind weder kit­schig noch pathe­tisch. Gould-Bourn gelingt es, auf eine sub­ti­le Art stark mit Dan­ny und Will mit­füh­len zu las­sen. Die lus­ti­gen Momen­te las­sen den Leser oder die Lese­rin laut auf­la­chen. An man­chen Stel­len kann die Komik zwar etwas zu auf­ge­setzt und kon­stru­iert wir­ken und dadurch dar­an erin­nern, was ›Pan­da­ta­ge‹ ist: ein Roman. Ein Roman, der die Kraft zeigt, über die man ver­fügt, wenn man sich nicht unter­krie­gen lässt. Und Freun­de hat, die einen unterstützen. 

Fazit zu ›Pandatage

Pan­da­ta­ge‹ ist kein Roman, der zeigt, dass alles wie­der gut wird, viel­leicht kann es das auch gar nicht. Und doch führt er vor Augen, dass es wie­der gut wird, dass es wei­ter­ge­hen kann, auch wenn es weh­tut und sicher­lich nicht leicht fällt. ›Pan­da­ta­ge‹ ist vol­ler Figu­ren, die man fast schon mögen muss, ob Dan­ny und Will, oder die Stan­gen­tän­ze­rin Krys­tal und den Ukrai­ner Ivan. Gould-Bourns Debüt ist defi­ni­tiv ein Lesevergnügen.

Buchinfo

James Gould-Bourn:
Pan­da­ta­ge

Roman
Über­setzt von: Ste­phan Klei­ner
Kiepenheuer&Witsch, Köln 2020
384 S., EUR (D) 20,- inkl. MwSt.
Gebun­de­ne Aus­ga­be
ISBN 978−3−462−05364−7

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Kei Ohkubo: Arte 1 [Rezension]

Eine junge Frau mit Herz und Mut mischt ordentlich die Geschlechterrollen auf. 

Arte 1‹ führt uns nach Flo­renz im 16. Jahr­hun­dert. Das Ziel einer jeden Frau von Adel ist es, zu hei­ra­ten und eine Fami­lie zu grün­den – oder? Nicht, wenn es nach Arte geht. 

Denn viel wei­ter oben in der Lis­te ihrer Wün­sche steht die Kunst. Und die jun­ge Frau ist bereit, viel dafür auf­zu­ge­ben, um ihr Leben der Kunst wid­men zu dür­fen und sich nicht davon abhän­gig zu machen, ob ein poten­zi­el­ler Ehe­mann sie malen las­sen wür­de: ihr Heim, ihre Annehm­lich­kei­ten und ihr lan­ges Haar.

Nach dem Tod ihres Vaters ver­sucht ihre Mut­ter, Arte mög­lichst schnell zu ver­hei­ra­ten. Eben­so schnell ver­sucht Arte, als Lehr­ling in einer Kunst­werk­statt ange­nom­men zu wer­den. Doch Arte erhält eine Absa­ge nach der ande­ren – ihre Bil­der wer­den nicht eines Bli­ckes gewür­digt. Denn eine Frau als Lehr­ling wäre nicht nur unty­pisch, son­dern hat in der Ansicht der Meis­ter in einer Werk­statt auch nichts zu suchen. Somit muss sich Arte nicht nur vor ihrer Mut­ter bewei­sen, son­dern auch einen Meis­ter der Maler­zunft von sich überzeugen. 

»Ich wür­de es mit Sicher­heit genau­so bereu­en, wenn ich hei­ra­te. Wenn ich schon bereu­en muss, dann lie­ber etwas, das ich aus eige­nem Wil­len getan habe.«

Arte weiß in ›Arte 1‹ was sie will und vor allem, was sie nicht will. Sie will nicht, auf ihre Rol­le als Frau redu­ziert wer­den, ein Leben ohne die Kunst füh­ren, in dem sie nur dafür da ist, Kin­der zu gebä­ren und groß­zu­zie­hen. Denn obwohl die Male­rei in ›Arte 1‹ Artes Lei­den­schaft ist, trei­ben sie noch ganz ande­re Gefüh­le an, nicht das von ihrer Mut­ter gewünsch­te Leben füh­ren zu wollen.

»Mich hat etwas ande­res bewegt. Nicht die­ses Gefühl. Heu­te wie damals war etwas ande­res in mei­nem Her­zen: Wut.«

Arte lässt sich nicht unter­krie­gen, ist vol­ler Ener­gie, sym­pa­thisch und lebens­froh. Mit allen ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln ver­sucht sie, sich einen Platz im Leben zu erkämp­fen, an dem sie atmen kann. Und wächst dabei jedes Mal ein Stück wei­ter über sich hinaus.

Der Man­ga ›Arte 1‹ ist lie­be­voll gezeich­net und mir gefal­len die Zeich­nun­gen im Innen­teil viel bes­ser als das Cover. Das Flo­renz des 16. Jahr­hun­derts ist detail­ver­liebt und leben­dig ein­ge­fan­gen. Ger­ne folgt man der jun­gen Ade­li­gen Arte auf ihrem Weg durch das Leben als Malerlehrling.

»Ich bestim­me selbst, wie ich lebe. Ihr habt kein Recht fest­zu­le­gen, wo mei­ne Gren­zen sind.«

Fazit zu ›Arte 1

Dabei wir­ken ihre Ideen und Gedan­ken oft modern und ihrer Zeit ent­rückt. Auch heu­te berührt Artes Ener­gie, die sich nicht in ein enges Kor­sett pres­sen las­sen will. Der ers­te Band der Man­ga-Serie liest sich wie eine Lie­bes­er­klä­rung an die Kraft und den Mut von Frau­en: Ich bin gespannt, wie es im zwei­ten Band weitergeht.

Buchinfo

Kei Ohku­bo:
Arte

Band 1
über­setzt von: Yuki Kow­alsky
Carl­sen, Ham­burg 2020
194 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Man­ga, Soft­co­ver
Alter: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−79861−9

Rezen­si­on zuerst erschie­nen auf: Liz­zy­Net

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Tomi Adeyemi: Children of Blood and Bone – Goldener Zorn [Rezension]

Die Schrecken von Mensch und Magie. 

Die Zeit, in der die Macht der Maji die Welt beherrsch­te, ist in ›Gol­de­ner Zorn‹ vor­über. Und mit ihr ist die Magie ver­schwun­den. Doch obwohl die Gefahr durch den Miss­brauch von Magie gebannt ist, müs­sen all jene ster­ben, die in der Lage waren, sie auszuführen. 

Wäh­rend mit der Magie die Maji ver­schwin­den, ver­lie­ren vie­le Freun­de, Geschwis­ter, Eltern. Nur wer zu jung ist, um Magie ein­ge­setzt zu haben, darf überleben. 

Doch das Leben jener, die durch das wei­ße Haar noch immer davon zeu­gen, dass es die Maji ein­mal gege­ben hat, ist hart: Sie wer­den grund­los ernied­rigt, gequält oder getö­tet. Wer ihnen hilft, muss mit Pro­ble­men rechnen. 

Doch der Geist der Divî­nés, die in der Zeit der Magie zu Majis gewor­den wären, ist nicht erlo­schen. Im Gehei­men trai­nie­ren eini­ge von ihnen. Dür­fen sie auch kei­ne Waf­fen tra­gen, schu­len sie den­noch ihre Fähig­kei­ten, als spür­ten sie, dass der Tag kom­men wür­de. Und der Tag kommt.

»Die Göt­ter haben bereits ein­ge­grif­fen. Nach so lan­ger Zeit schen­ken sie uns unse­re Gaben erneut. Ihr müsst dar­auf ver­trau­en, dass sie nicht mit dem Schick­sal der Maji spie­len würden.«

Zélie war noch ein Kind, als ihre Mut­ter vor ihren Augen ver­schleppt wur­de. Als sie sie das nächs­te Mal sieht, ist sie bereits tot. Der Geist des Vaters gebro­chen. Der Bru­der selbst noch ein Kind. Und Zélie weiß, dass ihre Mut­ter noch leben wür­de, wenn man ihr zuvor nicht die Magie genom­men hätte.

Doch jetzt, nach vie­len Jah­ren, geschieht etwas, das die Welt wie­der ver­än­dern könn­te: Ist es mög­lich, die Magie zurückzubringen? 

Zélie hofft es, denn so kann es für die Divî­nés nicht wei­ter­ge­hen. Fern ab von dem Dorf, in dem sie auf­wuchs, will sie die­se Hoff­nung wahr machen – und das nicht allein. Doch wäh­rend sie Hil­fe von uner­war­te­ten Ver­bün­de­ten erhält, wächst die Zahl ihrer Fein­de schnell. In einem Land, das von Raub­tie­ren bevöl­kert ist, in dem die Toten von ihren Trau­ma­ta im Dies­seits gehal­ten wer­den und das Leben einer Divî­né nichts wert ist.

»Töte das Mäd­chen.
Ver­nich­te die Magie.
Das ist mein ein­zi­ger Plan.«

Adey­e­mis Figu­ren in ›Gol­de­ner Zorn‹ haben vor allem eines: Mut. Sie las­sen alles hin­ter sich, was sie gekannt haben. Obwohl sie sich noch an die Grau­en der Blut­nacht, die Zélies Mut­ter das Leben gekos­tet hat, erin­nern. Die Regeln die­ser Welt sind grau­sam für jene wie Zélie, die mit wei­ßen Haa­ren gebo­ren sind. Leben ist kaum mehr als Über­le­ben – und auch das nur, falls sie Glück haben.

Doch trotz der Schre­cken, die sie erlebt haben, sprü­hen Adey­e­mis Figu­ren in ›Gol­de­ner Zorn‹ vor Ener­gie. Sie sind nicht auf den Mund gefal­len, kön­nen ihr Tem­pe­ra­ment nicht immer zügeln und hal­ten an den Din­gen fest, an die sie glauben.

Fazit zu ›Goldener Zorn‹

Gol­de­ner Zorn‹ ist ein star­ker Anfang einer Rei­he, der ledig­lich etwas ver­liert, da die klei­nen Span­nungs­bö­gen oft­mals zu früh auf­ge­löst wer­den. Doch wer will schon über man­che der klei­nen Span­nungs­bö­gen kla­gen, wenn der Haupt­span­nungs­bo­gen so über­zeu­gen kann? Der zwei­te Teil ›Child­ren of Vir­tue and Ven­ge­an­ce‹ ver­spricht span­nend zu werden.

Buchinfo

Tomi Adey­e­mi:
Child­ren of Blood and Bone

Band 1
Gol­de­ner Zorn
Über­setzt von: Andrea Fischer
FISCHER FJB, Frank­furt a. M. 2018
624 S., EUR (D) 18,99 inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver
ISBN 978−3−8414−4029−7

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Gianna Molinari: Hier ist noch alles möglich [Rezension]

Eine Fabrik, ein Wolf und andere Rätsel. 

Eine jun­ge Frau nimmt ›Hier ist noch alles mög­lich‹ einen Job in einer Ver­pa­ckungs­fa­brik an und zieht dafür in einen Raum auf dem Fabrik­ge­län­de. Wäh­rend die Tage der Fabrik bereits gezählt sind und das Gebäu­de immer ver­las­sen­der wird, ver­brei­tet sich ein Gerücht: Ein Wolf wur­de auf dem Gelän­de gesehen. 

Die jun­ge Frau, die für die Sicher­heit der Fabrik zustän­dig ist, ver­bringt Nacht für Nacht damit, auf den Moni­to­ren nach dem Tier Aus­schau zu hal­ten. Doch so sehr sie auch eine Spur des Wol­fes fin­den will, hält die­ser sich auf dem Bereich der Kame­ras fern. Nur eine Per­son in der Fabrik scheint den Wolf bis­lang über­haupt zu Gesicht bekom­men zu haben.

Doch obwohl die Fabrik bereits vor ihrer Schlie­ßung steht, will der Lei­ter kei­nen Zwi­schen­fall ris­kie­ren. Gru­ben wer­den auf dem Gelän­de aus­ge­ho­ben, die das Tier fan­gen sollen. 

»Der Wolf kam aus den Ber­gen, und mit ihm kamen ande­re Wöl­fe, kamen ins Flach­land. Dran­gen in Gebie­te vor, in denen man sie nie zuvor gese­hen hat­te.
Sie trieb der Hun­ger, das Wis­sen um Wel­pen, das Wis­sen um den Hun­ger der Welpen.«

Und obwohl der Gedan­ke an den Wolf die jun­ge Frau nicht mehr los­lässt, ist sei­ne Geschich­te nicht die ein­zi­ge, die man sich auf dem Fabrik­ge­län­de erzählt. 

Auch der M. d. v. H. f. – der Mann, der vom Him­mel fiel, – erhält einen Ein­trag im Uni­ver­sal-Gene­ral-Lexi­kon der jun­gen Frau. Nicht nur die Gerüch­te und Geschich­te um das Fabrik­ge­län­de sind beson­ders, eben­so der Blick der jun­gen Frau auf die Welt und ihre Art, die Din­ge zu ordnen.

»Es gibt eine Insel, auf der vor vie­len Jahr­hun­der­ten ein Hahn zum Tode ver­ur­teilt wur­de. Sein Ver­bre­chen bestand im Leben eines Eis. Das war gegen die Natur und dar­um gesetzeswidrig.«

Eine Fabrik, ein Wolf und eine jun­ge Frau: Aus die­sen Zuta­ten lässt Moli­na­ri in ›Hier ist noch alles mög­lich‹ eine Geschich­te ent­ste­hen, die von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te etwas Beson­de­res ist. 

Fazit zu ›Hier ist noch alles möglich

Die Angst vor dem Frem­den und Unbe­kann­ten, die Gefah­ren, die es mit sich brin­gen könn­te, auch wenn sie nur eine dunk­le Ahnung sind, durch Ver­mu­tun­gen geschürt. ›Hier ist noch alles mög­lich‹ ist eine Art Blau­pau­se, vor deren Hin­ter­grund The­men auf­schei­nen, weit näher als die Hal­len einer bald still­ge­leg­ten Fabrik. Moli­na­ris Debüt­ro­man ›Hier ist noch alles mög­lich‹ ist ori­gi­nell und regt viel­sei­tig zum Nach­den­ken an – wenn man bereit ist, sich auf den beson­de­ren Schreib­stil einzulassen.

Buchinfo

Gian­na Moli­na­ri:
Hier ist noch alles mög­lich

Roman
Auf­bau Ver­lag, Ber­lin 2018
192 S., EUR (D) 18,- inkl. MwSt.
Gebun­den mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−351−03739−0

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