Archiv der Kategorie: Kinder- und Jugendliteratur

Fee Krämer: Rille – Die Dschungelfreunde sind los! [Rezension]

Mit guten Freunden geht es für Rille auf ins Abenteuer. 

Ril­le hat sei­nen Aus­bruch aus dem Zoo in ›Ril­le – Die Dschun­gel­freun­de sind los!‹ nicht geplant. Genau genom­men ist Ril­le nicht ein­mal aus­ge­bro­chen: Er wur­de frei­ge­las­sen. Nun gut, viel­leicht waren es nicht sei­ne Wär­ter und Wär­te­rin­nen, die ihn frei­ge­las­sen haben, aber im Dschun­gel fin­det er sich trotz­dem wieder. 

Viel­leicht wäre so ein Dschun­gel auch ein wirk­lich Angst ein­flö­ßen­der Ort, vol­ler wil­der Tie­re, frem­der Pflan­zen und neu­ar­ti­gen Geräu­schen, wenn man sein gan­zes Leben in einem Zoo ver­bracht hat.

Zum Glück ist Ril­le im Dschun­gel in ›Ril­le Die Dschun­gel­freun­de sind los!‹ nicht allein, Mr. Gibbs und gute Freun­de ste­hen im schnell mit Rat und Tat zur Sei­te. Dabei schließt nicht nur Ril­le den Papa­gei Pepe, die Gür­tel­tier­da­me Tan­te Tatu, die Was­ser­schwei­ne und all die ande­ren Geschöp­fe des Dschun­gels ins Herz: Auch den Lesern und die Lese­rin­nen – und natür­lich auch Vor­le­sern und Vor­le­se­rin­nen – wird es ähn­lich gehen.

»Als die Tie­re Ril­le ent­de­cken, ver­stum­men sie plötz­lich. Man hört nur noch das Rau­schen des Was­ser­falls. Weil ihn alle angu­cken, hebt Ril­le eine Pran­ke und winkt zaghaft.«

Eins ist sicher: Bei Ril­les neu­em Leben im Dschun­gel trifft er auf vie­les Neu­es und Bekann­tes, das zum Stau­nen und Wohl­füh­len einlädt.

»›Das dürft ihr doch nicht weg­ma­chen!‹ Ril­le lässt sich aufs Moos fal­len. Es ist wei­cher als alles, was Ril­le jemals zuvor gespürt hat.«

Natür­lich muss Ril­le auch noch vie­les ler­nen. War es im Zoo doch immer ange­nehm, das Fut­ter von den Pfle­gern und Pfle­ge­rin­nen gebracht zu bekom­men, muss der klei­ne Goril­la nun auf ein­mal jagen! Und auch um sei­nen Schlaf­platz hat er sich bis­lang kaum Gedan­ken machen müs­sen, da im Zoo immer ein siche­rer Unter­schlupf bereit­stand. Wenigs­tens ärgern ihn hier die Pavia­ne aus dem Zoo nicht mehr.

»Ril­le hat bis jetzt noch nicht dar­über nach­ge­dacht, wo er woh­nen wird. Ob er über­haupt hier in die­sem Dschun­gel blei­ben soll. Er mag das vie­le Grün, das nir­gend­wo endet.«

Fee Krä­mers Vor­le­se­buch ›Ril­le Die Dschun­gel­freun­de sind los!‹ wird durch die lie­be­vol­len und wun­der­ba­ren Illus­tra­tio­nen von Niko­lai Ren­ger geschmückt. Jede Sei­te des wun­der­schö­nen Buches lädt zu neu­en Aben­teu­ern mit Ril­le und sei­nen Freun­den ein. Denn nicht nur das Fut­ter­sam­meln hat Ril­le nie gelernt – auch tei­len muss­te er bis­lang nie.

Fazit zu ›Rille Die Dschungelfreunde sind los!

Ril­le Die Dschun­gel­freun­de sind los!‹ lädt zu einer span­nen­den Rei­se ein, den klei­nen Goril­la bei sei­nen Her­aus­for­de­run­gen zu beglei­ten, sich sei­nen Ängs­ten zu stel­len und vie­le neue Freun­de ken­nen­zu­ler­nen. Warm­her­zig geschrie­ben sind Krä­mers Aben­teu­er des klei­nen Goril­las Ril­le unglaub­lich lesenswert.

Buchinfo

Fee Krä­mer:
Ril­le Die Dschun­gel­freun­de sind los!

Ein Vor­le­se­buch mit Bil­dern von Niko­lai Ren­ger
Thie­ne­mann-Ess­lin­ger, Stutt­gart 2020
112 S., EUR (D) 13,- inkl. MwSt.
Gebun­de­ne Aus­ga­be inkl. Anto­lin-Quiz
Ab 5 Jah­re
ISBN 978−3−480−23570−4

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Stephenie Meyer: Biss zur Mitternachtssonne [Rezension]

Man kann Edward in ›Biss zur Mit­ter­nachts­son­ne‹ nicht vor­wer­fen, dass er nicht aus­führ­lich über die Ange­le­gen­heit mit Bel­la nach­ge­dacht hät­te. Doch sind es nicht nur sei­ne Gedan­ken, die ihm zu schaf­fen machen. Auch die Gedan­ken sei­ner Mit­men­schen strö­men pau­sen­los auf ihn ein. Er ist mitt­ler­wei­le gut dar­in, frem­de Gedan­ken aus­zu­blen­den. Sei es aus Anstand wie bei sei­ner Fami­lie oder aus Lan­ge­wei­le, wie bei den meis­ten anderen. 

Wer ›Bis(s) zum Mor­gen­grau­en‹ gele­sen hat, den dürf­ten die Sze­nen zwi­schen Bel­la und Edward – zumin­dest in Bezug auf die Hand­lung – nicht über­ra­schen. Nie­mand in Forks ahnt, dass eine Vam­pir­fa­mi­lie im Ort lebt. Dabei leben sie mit­ten unter den Men­schen: Arbei­ten im Kran­ken­haus oder gehen zur Schu­le. Zwi­schen den Men­schen und den Vam­pi­ren kommt es aber sel­ten zu mehr Kon­takt als nötig. Zumin­dest bis zu dem Tag, an dem Bel­la Swan auf­taucht. Denn zum ers­ten Mal in sei­nem Leben begeg­net Edward einem Men­schen, des­sen Gedan­ken er nicht lesen kann. Und der neben­bei noch so unver­schämt gut riecht, dass das mit dem sich fern­hal­ten kaum funk­tio­nie­ren will.

»Ich woll­te mich nicht wei­ter ver­geb­lich mühen – ich war es nicht gewohnt, etwas nicht zu kön­nen, es ärger­te mich. Ich woll­te nicht anfan­gen, mich für ihre ver­bor­ge­nen Gedan­ken zu inter­es­sie­ren, nur weil sie mir ver­bor­gen blie­ben. Zwei­fel­los wür­den sich ihre Gedan­ken, wenn ich sie erst ein­mal ent­schlüs­selt hat­te – und das wür­de mir gewiss noch gelin­gen –, als eben­so banal erwei­sen wie die aller ande­ren Menschen.«

Etwas Neu­es zu erfah­ren, gibt es vor allem in den Sze­nen, in denen Bel­la nicht mit Edward zusam­men ist. Denn wäh­rend ›Bis(s) zum Mor­gen­grau­en‹ die Hand­lung aus Bel­las Sicht erzähl­te, zeigt ›Biss zur Mit­ter­nachts­son­ne‹ nun Edwards Sicht. Dadurch erhält der Leser oder die Lese­rin erst­mals einen Ein­blick in die Sze­nen, in denen Bel­la und Edward nicht bei­ein­an­der waren. 

Der Vor­teil: Auch Edwards Fami­lie bekommt Gele­gen­heit, ande­re Sei­ten von sich zu prä­sen­tie­ren. Sei es nun Jas­pers Kampf gegen den ewi­gen Hun­ger oder Ali­ce’ beson­de­re Fähig­kei­ten. Durch Edwards Fähig­keit, Gedan­ken zu lesen, kön­nen Geschich­ten der ande­ren Vam­pi­re nun haut­nah aus ihrer Erin­ne­rung erlebt werden.

Obwohl ›Biss zur Mit­ter­nachts­son­ne‹ mit neu­en Ein­bli­cken in Edwards Leben über­ra­schen kann, bleibt er hin­ter ›Bis(s) zum Mor­gen­grau­en‹ zurück. Vor allem der Anfang ist durch Edwards Fähig­keit, Gedan­ken zu lesen, mit­un­ter sehr hand­lungs­arm und sehr gedan­ken­reich. Dadurch ver­liert Ste­phe­nie Mey­ers Schreib­stil zum Teil an der Leich­tig­keit, die man gewohnt war. Und dies kratzt auch an dem char­man­ten Vam­pir, der noch in ›Bis(s) zum Mor­gen­grau­en‹ zu sehen war und nun sehr von sich selbst über­zeugt wirkt. Zuge­ge­ben, da ›Bis(s) zum Mor­gen­grau­en‹ aus Bel­las Sicht erzählt war, blieb viel Raum, um Edward zu idea­li­sie­ren. ›Biss zur Mit­ter­nachts­son­ne‹ zeigt eher einen weni­ger idea­li­sier­ten, dafür all­täg­li­che­ren Edward. Bel­la hin­ge­gen ver­liert etwas von dem Mäd­chen, mit dem man sich noch gut iden­ti­fi­zie­ren konn­te, da wir sie nun durch Edwards Blick erleben. 

»Ihre Anzie­hungs­kraft hat­te kein biss­chen nach­ge­las­sen. Wann immer sie in mei­ner Nähe war, wur­den mei­ne nie­ders­ten und drän­gends­ten Instink­te geweckt. Gift schoss mir in den Mund, und mein Kör­per woll­te sie packen – woll­te sie in die Arme rei­ßen und mei­ne Zäh­ne in ihre Keh­le schlagen.«

Fazit zu ›Biss zur Mitternachtssonne

Leser und Lese­rin­nen soll­ten am bes­ten die ursprüng­li­che Rei­hen­fol­ge bei­be­hal­ten und zuerst ›Bis(s) zum Mor­gen­grau­en‹ lesen. Für den ein­ge­fleisch­ten Fan bie­tet sich ›Biss zur Mit­ter­nachts­son­ne‹ vor allem dafür an, um noch mehr über die viel­fäl­ti­gen Cha­rak­te­re und Hin­ter­grün­de zu erfah­ren, die das Gesche­hen in ›Bis(s) zum Mor­gen­grau­en‹ mit­be­stimmt haben. 

Buchinfo

Ste­phe­nie Mey­er:
Biss zur Mit­ter­nachts­son­ne
Bel­la und Edward 5
Über­setzt von Syl­ke Hach­meis­terAnnet­te von der Wep­penHen­ning Ahrens und wei­te­ren
Carl­sen, Ham­burg 2020
848 S., EUR (D) 28,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
Ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−58446−5

Rezen­si­on erst­mals erschie­nen auf Liz­zy­Net

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Diana Wynne Jones: Der Palast im Himmel [Rezension]

Von einem Jungen, der eine Enttäuschung war. 

Nur weni­ge Jah­re nach dem ers­ten Band der ›Howl-Saga‹, ›Das wan­deln­de Schloss‹, erschien bereits der zwei­te Band der Rei­he: ›Der Palast im Him­mel‹.

Auf den ers­ten Blick schei­nen die bei­den Roma­ne die Geschich­ten von voll­kom­men unter­schied­li­chen Per­so­nen zu erzäh­len. Abdul­lah ist ein Tag­träu­mer. Wäh­rend er sich durch den Ver­kauf wert­vol­ler und nicht so wert­vol­ler Tep­pi­che über Was­ser hält, ver­bringt er all sei­ne Frei­zeit damit, sich sein Leben so aus­zu­ma­len, wie es sein könn­te. Was wäre, wenn Abdul­lah in Wahr­heit ein Prinz wäre, der noch als Baby ent­führt wor­den ist? 

So ver­bringt der jun­ge, attrak­ti­ve Mann sei­ne Tage, bis plötz­lich ein Frem­der in sei­nem Laden steht. Er will ihm in höchs­ter Not, wie er sagt, einen magi­schen, flie­gen­den Tep­pich ver­kau­fen. Und so neh­men die selt­sa­men Bege­ben­hei­ten ihren Anfang, die Abdul­lah dem Palast im Him­mel immer näher brin­gen sollen. 

»Unglück­li­cher­wei­se – und auch dar­in waren sich alle einig – hat­te Abdul­lah den Cha­rak­ter von sei­ner Mut­ter geerbt, der zwei­ten Frau sei­nes Vaters. Sie war eine träu­me­ri­sche und ängst­li­che Frau gewe­sen und für alle eine gro­ße Enttäuschung.«

Beim Lesen stellt sich lan­ge die Fra­ge, war­um die­ser Band als Teil 2 der ›Howl-Saga‹ bezeich­net wird. Bekann­te Namen und Gesich­ter las­sen lan­ge auf sich war­ten –, zumin­dest auf den ers­ten Blick. Denn wer ›Das wan­deln­de Schloss‹ gele­sen hat, weiß Jones’ Fähig­kei­ten, das Gesuch­te oder Ver­miss­te direkt vor der eige­nen Nase zu ver­ste­cken, zu schätzen. 

»Der Tep­pich gehorch­te, indem er sich wie eine Schlan­ge über die hohen Mau­ern wand. Danach glitt er über die Haus­dä­cher wie eine Flun­der über den Mee­res­bo­den. Abdul­lah, der Sol­dat und auch die Kat­zen blick­ten stau­nend nach unten.«

Der Palast im Him­mel‹ lebt von Fan­ta­sie und Magie. Lie­bens­wer­te, leicht schrä­ge und in jedem Fall beson­de­re Cha­rak­te­re stel­len sich einem Aben­teu­er, das aus Träu­men gebaut sein könn­te. Ein flie­gen­der Tep­pich mit einer Schwä­che für Schmei­che­lei­en, ein Sol­dat mit einer Vor­lie­be für Kat­zen und ein Dschinn, der bereit ist, alles zu tun, um sein Leben zurückzuerlangen. 

Fazit zu ›Der Palast im Himmel

Der zwei­te Band, ›Der Palast im Him­mel‹, kommt zwar nicht ganz an den ers­ten Teil her­an, ist jedoch eines der Bücher, das man auf jeden Fall zwei­mal lesen soll­te. Das ers­te Mal, um das Aben­teu­er Abdul­lahs zu erle­ben, das zwei­te Mal, um das Wie­der­se­hen mit den Cha­rak­te­ren aus ›Das wan­deln­de Schloss‹ in vol­len Zügen genie­ßen zu können.

Buchinfo

Dia­na Wyn­ne Jones:
Der Palast im Him­mel

Die Howl-Saga, Band 2
Über­setzt von Doro­thee Haent­jes-Hol­län­der
Droemer Knaur, Mün­chen 2020
272 S., EUR (D) 12,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−52539−5

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Laini Taylor: Muse of Nightmares 1 (Strange the Dreamer 3) [Rezension]

Was von den Göttern geblieben ist. 

Und dann war ein Mäd­chen in ›Muse of Night­ma­res 1‹ vom Him­mel gefal­len. Blau und wun­der­schön. Nur in ein Nacht­hemd aus Sei­de gehüllt, das Genick gebrochen. 

Das ers­te Mal, dass Lazlo Stran­ge die Frau, die er liebt, in sei­ne Arme neh­men kann, ist sie bereits tot. Doch die Bewoh­ner von Weep, der Stadt, in der sie stirbt, sind in ›Muse of Night­ma­res 1‹ nicht wegen ihres Todes von Grau­en erfüllt. Son­dern wegen ihrer blau­en Haut. 

Die Schre­cken, die die blau­häu­ti­gen Mes­art­him über die Bewoh­ner von Weep brach­ten, lie­gen nicht lan­ge zurück. Vie­le erin­nern sich noch an die Zeit, in der Mäd­chen und Jun­gen fürch­ten muss­ten, von ihnen geholt zu wer­den. Vie­le waren selbst dar­un­ter und ein Jahr spä­ter ohne Erin­ne­rung zurück­ge­bracht worden. 

Doch nicht nur die Bewoh­ner von Weep lei­den unter den Schre­cken der Ver­gan­gen­heit, von denen sie sich nur befrei­en konn­ten, da Eril-Fane alle Mes­art­him erschlug. Vier Babys und Klein­kin­der über­leb­ten den Tag, an dem sich Weep von den Göt­tern befrei­te. Vier von drei­ßig. Die ande­ren Babys wur­den an jenem Tag wie die ande­ren Mes­art­him ersto­chen. Zu groß war die Furcht davor, wozu sie her­an­wach­sen und wel­che Gaben in ihnen schlum­mern könnten. 

»In sei­nen Her­zen hat­te [Lazlo] Krieg statt Frie­den gewählt, Krieg gegen die­ses erbar­mungs­lo­se, dunk­le Kind. Aber Lazlo war nicht für den Kampf geschaf­fen, und sei­ne Her­zen besa­ßen wenig Talent zum Has­sen. Wäh­rend er Minya gehen sah, so schmäch­tig und allein, über­kam ihn ein erschüt­tern­der Moment der Klarheit.«

Vie­le Fra­gen sind in ›Muse of Night­ma­res 1‹ unge­klärt. Was geschah mit den Kin­dern, die die Göt­ter mit den ent­führ­ten Men­schen zeug­ten? Wer hat­te die Mes­art­him gesandt und waren mit ihnen die letz­ten erwach­se­nen Mes­art­him aus­ge­stor­ben, die sich noch an eine ande­re Welt erinnerten?

Der Schmerz und die Angst sit­zen tief in ›Muse of Night­ma­res 1‹ in den Bewoh­nern von Weep und den letz­ten Über­le­ben­den der Göt­ter. Schicht für Schicht haben die ers­ten bei­den Bän­de der Rei­he ›Stran­ge the Drea­mer 1 und 2‹ die Geschich­te um Weep und die Mes­art­him auf­ge­baut. Sie haben die Trau­ma­ta sicht­bar gemacht, die noch immer nicht enden wol­len. Eril-Fane, der jun­ge Mann, der die Göt­ter und ihre Kin­der erschlug, nach­dem er meh­re­re Jah­re als Skla­ve bei den Mes­art­him leben muss­te und zuvor bereits die Angst und Schre­cken mit den Bewoh­nern von Weep geteilt hat­te. Minya, das blau­häu­ti­ge Mäd­chen, das sich als ein­zi­ge an die Schre­cken auf dem Säug­lings­trakt erin­nert, als Eril-Fane kam, und die noch immer nicht ver­ges­sen kann, dass sie damals nur drei der drei­ßig Babys ret­ten konn­te. Mehr hat­te sie nicht tra­gen können.

»Oh, Minya kann­te den Tod. Schließ­lich hat­te er sie zu dem gemacht, was sie war: ein ewi­ges Kind, das nie­mals erwach­sen wur­de, nie­mals ver­gaß und nie­mals vergab.«

Was für eine Hoff­nung gibt es in ›Muse of Night­ma­res 1‹ für Eril-Fane und Minya, für die Kin­der der Göt­ter und die Bewoh­ner von Weep? Kön­nen ein so tief sit­zen­der Schmerz und eine so lan­ge andau­ern­de Qual ertrag­bar werden?

Fazit zu ›Muse of Nightmares 1

Mit ›Muse of Night­ma­res 1‹ ist Tay­lor eine Fort­set­zung gelun­gen, die eben­so span­nend wei­ter­geht, wie ›Stran­ge the Drea­mer‹ geen­det hat­te. Stück für Stück ent­fal­ten sich die Per­spek­ti­ven wei­ter, zei­gen sich mehr der Schre­cken und Ängs­te von Weep und den Kin­dern der Göt­ter. Vie­le der Cha­rak­te­re ste­hen zwi­schen gut und böse. Sie sind von den Gedan­ken geprägt, wie es hät­te sein kön­nen und wie es nie mehr sein wird. Ein fan­tas­ti­scher Roman über die tiefs­ten Schre­cken und den Ver­such, mit ihnen zu leben. Noch eini­ge letz­te Geheim­nis­se las­sen gespannt auf das Fina­le in ›Muse of Night­ma­res 2‹ warten.

Buchinfo

Lai­ni Tay­lor:
Muse of Night­ma­res

Das Geheim­nis des Träu­mers
Buch 1 (Stran­ge the Drea­mer 3)
Roman
Über­setzt von: Ulri­ke Rai­mer-Nol­te
One, Köln 2020
351 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
Erzäh­len­des für jun­ge Erwach­se­ne
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−8466−0100−6

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Holly Black: Die verlorenen Schwestern. Eine Elfenkrone-Novelle [Rezension]

Von Unterschieden und Entschuldigungen. 

Was wür­dest du tun, um geliebt zu wer­den? Wel­che Geheim­nis­se wür­dest du bewah­ren und wel­che Schwin­de­lei­en glau­ben? Taryn stellt sich mit ›Die ver­lo­re­nen Schwes­tern‹ sol­chen Fragen.

Vor allem, wenn du in einer Welt leben wür­dest, in dem sich grau­sam-schö­ne Unge­heu­er tum­meln? Elfen, die dich zu ihrem Ver­gnü­gen ver­zau­bern kön­nen. Wie groß die Unter­schie­de zwi­schen die­sen ele­gan­ten und durch­trie­be­nen Elfen und den Men­schen sind, spürst du jeden Tag.

Taryn ist dafür weit gegan­gen, viel­leicht zu weit. Sie hat sich auf den Han­del ein­ge­las­sen, den eine der Elfen ihr bot, obwohl sie wuss­te, dass an die­sen immer ein Haken ist. Sie hät­te sich jedoch nicht träu­men las­sen, dass ihre Zwil­lings­schwes­ter Jude den Preis für die­sen Han­del bezah­len muss. Was wür­dest du dei­ner Schwes­ter verzeihen?

»Es begann mit einem Zet­tel, den Locke in mei­nen Ruck­sack schmug­gel­te. Er hat es wohl auf dem Palast­ge­län­de getan, wo die Kin­der des Adels – und wir – in Geschich­te, Rät­sel­ra­ten, Wahr­sa­gen und all den ande­ren Fächern unter­rich­tet wur­den, die nütz­li­che Mit­glie­der der Elfen­ge­mein­schaft im Leben brauchten.«

Die ver­lo­re­nen Schwes­tern‹ greift die Erleb­nis­se des ers­ten Ban­des der ›Elfen­kro­ne-Rei­he‹ auf, die in der Tri­lo­gie aus Judes Sicht geschil­dert wer­den. Die­se Novel­le, die eher an einen Brief erin­nert, soll­te auch erst nach dem ers­ten Band gele­sen wer­den, um sich nicht zu spoi­lern. Sie erzählt die Ereig­nis­se, die zum Ver­rat an Jude und zu ihrer Demü­ti­gung führ­ten aus Sicht ihrer Zwil­lings­schwes­tern Taryn, die dar­in eine grö­ße­re Rol­le spiel­te, als ihr lieb gewe­sen ist.

»Aber was ist mit all die­sen Mäd­chen, die­sen gehor­sa­men Mäd­chen, die Ver­trau­en hat­ten, die lieb­ten, hei­ra­te­ten und star­ben? Waren sie denn nicht auch mutig?«

Blacks Novel­le ›Die ver­lo­re­nen Schwes­tern‹ macht greif­bar, was ›Elfen­kro­ne‹ bereits ver­mu­ten lässt. Wie groß Lockes Talent ist, sich sys­te­ma­tisch in das Leben ande­rer zu wüh­len, ihre tiefs­ten Sehn­süch­te zu nut­zen und sie so zu mani­pu­lie­ren, dass es den größt­mög­li­chen Effekt zeigt. Locke ist schön, char­mant und begabt. Er spürt Taryns Wun­sche zu gefal­len und dazu­zu­ge­hö­ren. Er schenkt ihr Näch­te, die so schön sind, wie sie sie kaum je zu erle­ben glaub­te, bevor ihr der Preis die­ser Näch­te klar wer­den kann. Und doch kann sie die Hoff­nung, dass die­se schö­nen Näch­te wie­der­kom­men könn­ten, nicht mehr loslassen.

Fazit zu ›Die verlorenen Schwestern

Die ver­lo­re­nen Schwes­tern‹ ist eine Ent­schul­di­gung von Taryn an ihre Schwes­ter Jude. Der Ver­such, sie ver­ste­hen zu las­sen, war­um sie bereit war, so viel für die Ehe mit Locke zu ertra­gen – und ihre Schwes­tern ertra­gen zu las­sen. Eine span­nen­de Ergän­zung, um die Hin­ter­grün­de des ers­ten Ban­des bes­ser zu ver­ste­hen und eine Außen­sicht auf Jude zu bekommen.

Buchinfo

Hol­ly Black:
Die ver­lo­re­nen Schwes­tern

Eine Elfen­kro­ne-Novel­le
Über­setzt von: Anne Brau­ner
cbj HC, Mün­chen 2019
ca. 70 S., EUR (D) 0,99 inkl. MwSt.
eBook
ISBN 978−3−641−24551−1

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Holly Black: Elfenkrone [Rezension]

Von einem Mädchen, das sich nicht unterkriegen lässt. 

Zwei Schwes­tern, die sich aufs Haar glei­chen, und doch unter­schied­li­cher nicht sein könn­ten. Nach­dem sie in ›Elfen­kro­ne‹ mit­an­se­hen müs­sen, wie ihre Eltern getö­tet wer­den, ändert sich ihr gan­zes Leben. Nicht nur in einer ande­ren Fami­lie müs­sen sie auf­wach­sen, son­dern in einer ande­ren Welt. Bei eben dem Mann, der ihre Eltern töte­te, als wäre das Töten mühelos. 

Doch ist, bei dem Mör­der ihrer Eltern auf­zu­wach­sen, nicht das Ein­zi­ge, womit die bei­den Zwil­lin­gen und ihre Schwes­ter Vivi zurecht­kom­men müs­sen. Kaum eine Elfe scheint ihnen in ›Elfen­kro­ne‹ freund­lich gesinnt. Vor allem nicht jene, die zum Adel gehö­ren, und zusam­men mit ihnen unter­rich­tet wer­den. Denn der Mör­der ihrer Eltern ist nicht irgend­je­mand, son­dern ein Gene­ral des Königs. 

Elfen kön­nen nicht lügen, doch Men­schen ver­flu­chen und mit Zau­bern bele­gen. Sie haben eine Schwä­che für Rät­sel und für ihres­glei­chen. Und vor allem der Elfen­prinz Car­dan scheint nichts unver­sucht zu las­sen, Jude, die wehr­haf­te­re der bei­den Zwil­lin­ge, zu demütigen.

»Doch eins ver­ste­hen sie nicht: Ja, sie machen mir Angst, aber ich ken­ne es nicht anders, denn so war es von Anfang an. Der Mann, der mei­ne Eltern ermor­det hat, zieht mich hier groß, in einem Land vol­ler Ungeheuer.«

Als wären sie Spiel­zeug, nur dafür gemacht, dass das Elfen­volk sich an ihnen belus­ti­gen kann. Ganz gleich, ob durch Ernied­ri­gung oder Schmerz. 

Doch auch wenn sie die Zwil­lin­ge nicht täg­lich dar­an erin­nern wür­den, wie stark sich die bei­den Völ­ker von­ein­an­der unter­schei­den, könn­ten sie es nicht ver­ges­sen. Es ist nicht nur die Form ihrer Ohren, die sie trennt: Auch die Kör­per sind anders, vol­ler Kur­ven und Run­dun­gen, die den schö­nen Elfen fehlen.

»Die gan­ze Nacht hat Prinz Car­dan mich nicht aus den Augen gelas­sen, wie ein Hai, der rast­los im Kreis schwimmt und auf den rich­ti­gen Zeit­punkt war­tet, um zuzu­bei­ßen. Ich sehe sei­ne raben­schwar­zen Augen immer noch vor mir. Und wenn ich, um ihn zu ärgern, immer noch lau­ter lach­te, strah­len­der lächel­te und Locke län­ger küss­te, ist das eine Tücke, die nicht ein­mal das klei­ne Volk verurteilt.«

Auch, dass sie die Zieh­töch­ter eines Gene­rals sind, kann sie immer weni­ger schüt­zen. Jude ist es genug. Sie will sich nicht mehr klein machen und wie Dreck behan­delt wer­den. Sie will sich weh­ren. Und wird dadurch Teil eines Spiels, von dem sie noch nicht wuss­te, dass es gespielt wird. 

Doch dafür muss Jude Ent­schei­dun­gen tref­fen. Obwohl sie weiß, dass danach nichts mehr so sein kann, wie es war.

Fazit zu ›Elfenkrone

Mit ›Elfen­kro­ne‹ ist Hol­ly Black ein fan­tas­ti­scher Ein­stieg in eine Tri­lo­gie gelun­gen, die sicher­lich noch vie­le Über­ra­schun­gen bereit­hal­ten wird. Obwohl es anfangs etwas dau­er­te, in der Welt wirk­lich anzu­kom­men, war danach kein Hal­ten mehr. Zu facet­ten­reich sind die Cha­rak­te­re, zu ver­wi­ckelt ihre Ver­gan­gen­heit und ihre Ent­schei­dun­gen. Die­se Welt, in der Jude gezwun­gen ist auf­zu­wach­sen, ist blu­tig und geheimnisvoll. 

Man wünscht den Mäd­chen eine Ver­schnauf­pau­se und Wär­me, doch mit jeder wei­te­ren Ent­schei­dung wird deut­lich, dass es das nicht so leicht geben wird. Und so bleibt es span­nend mit­zu­er­le­ben, ob Jude das Elfen­reich zu einem Ort machen kann, an dem auch Men­schen respek­tiert wer­den. Ich wer­de auf jeden Fall wei­ter­le­sen. Mehr von Jude und ihrer Schwes­ter gibt es in ›Die ver­lo­re­nen Schwes­tern‹, ›Elfen­kö­nig‹ und ›Elfen­thron.‹

Buchinfo

Hol­ly Black:
Elfen­kro­ne

Die Elfen­kro­ne-Rei­he, Band 1
Ab 14 Jah­ren
Über­setzt von: Anne Brau­ner
cbj HC, Mün­chen 2020
448 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Roman, Taschen­buch
ISBN 978−3−570−31358−9

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Margaret Owen: Knochendiebin [Rezension]

Die Krähen und ihre toten Götter. 

Namen wie ›Scheu­sal‹, ›Gal­gen­strick‹ oder ›Stur‹ sind es, die die Ange­hö­ri­gen der Krä­hen-Kas­te in ›Kno­chen­die­bin‹ tra­gen. Der ein­zi­gen, der zwölf Kas­ten von Sabor, der kein Geburts­recht zusteht. Sie sind Geäch­te­te und Vogel­freie, denen man jedes erdenk­li­che Leid zufü­gen kann, ohne sich dafür ver­ant­wor­ten zu müssen. 

Doch zugleich sind sie in die­sem Land, in dem seit Genera­tio­nen eine Seu­che wütet, die ein­zi­gen, die sich um die Bestat­tung der von die­ser Befal­le­nen küm­mern kön­nen. Fast jede Krä­he in Sabor hat durch die ande­ren Kas­ten Ange­hö­ri­ge oder Freun­de ver­lo­ren, nur weni­ge Krä­hen wer­den alt.

Doch wäh­rend die Aus­gren­zung der Krä­hen in ›Kno­chen­die­bin‹ eben­so fest zu Sabors Gesell­schaft gehö­ren wie die Sün­den­seu­che selbst, für die vie­le die Krä­hen ver­ant­wort­lich machen, hal­ten die Krä­hen fest zusam­men. ›Beschüt­ze die Dei­nen!‹ ist die Regel, nach der sie leben.

»Stur hat­te wäh­rend ihrer sech­zehn Lebens­jah­re vie­le Lek­tio­nen gelernt, meist auf die har­te Art: immer die Men­ge im Blick behal­ten; immer einen Flucht­weg parat haben; kei­ne Stadt allein betre­ten.
Und in den Näch­ten, in denen sie Sün­der ver­brann­ten, in den San­da­len schlafen.«

Die jun­ge Hexe und zukünf­ti­ge Flü­gel­her­rin Stur ist alles ande­re, als auf den Mund gefal­len. Weder wenn es dar­um geht, um Zäh­ne zu feil­schen, noch in Bezug auf die Män­ner ihrer Rot­te. Doch plötz­lich mit einem Phö­nix-Prin­zen und sei­nem Habicht-Leib­wäch­ter durch das Land zu rei­sen, um den Prin­zen zu schüt­zen, ist selbst für die auf­ge­weck­te Stur Neuland.

Denn wäh­rend sie sich in ›Kno­chen­die­bin‹ mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen muss, ob sie Mit­glie­dern der Phö­nix- oder der Habicht-Kas­te trau­en kann, die sie und die ihren stets wie Dreck behan­delt haben, müs­sen Prinz und Leib­wäch­ter eben­falls neue Erfah­run­gen machen. In das Gewand der Krä­hen gehüllt, spü­ren sie zum ers­ten Mal die Aus­gren­zung und den Hass der ande­ren. Müs­sen mit der Angst leben, die dies erzeugt, und der Ungerechtigkeit.

»Sie konn­te nicht spre­chen, nick­te aber. Habich­te baten nicht. Stur wuss­te nicht, wie sie mit einem umge­hen soll­te, der es trotz­dem tat.«

Wäh­rend es für den Prin­zen Jasi­mir und sei­nen Leib­wäch­ter Tavin ums Über­le­ben geht, steht für Stur die Zukunft ihrer Kas­te auf dem Spiel. Wenn es ihnen gelingt, den Prin­zen lebend zu sei­nen Ver­bün­de­ten zu brin­gen, müs­sen die Habich­te zukünf­tig die Krä­hen schützen. 

Doch die­se Abma­chung ist alles ande­re als ein­fach zu erfül­len. Schie­nen die Krä­hen doch bis­lang vom Glück und den tau­send toten Göt­tern ver­las­sen zu sein.

»Eine Krä­he hät­te gewusst, wie man sich ver­hielt. Man ließ die Leu­te höh­nen. Man ließ die Leu­te flu­chen und pöbeln und ging wei­ter, denn wenn man sich wehr­te, muss­ten auch ande­re dafür büßen.«

Mar­ga­ret Owen gelingt es, in ihrem Debüt ›Kno­chen­die­bin‹ eine Welt zu erschaf­fen, die von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te zwingt, den Atem anzu­hal­ten. Das Leben, das die Krä­hen füh­ren müs­sen, ist düs­ter und vol­ler Not. Und doch gelingt es den Krä­hen durch ihren Zusam­men­halt unter­ein­an­der inner­halb die­ser Düs­ter­nis ein Leben zu füh­ren, das mit­reißt. Owens Schreib­stil ist ein­dring­lich und lässt nicht nur beim Mam­mon-Tanz die Nacken­haa­re zu Ber­ge stehen.

Foto: pri­vat.

Die Sün­den­seu­che ist ein für die Krä­hen all­ge­gen­wär­ti­ges Grau­en in Sabor und es bleibt span­nend, im zwei­ten Band der Rei­he ›Die zwölf Kas­ten von Sabor‹ hof­fent­lich zu erfah­ren, wie die­se einst ihren Anfang nahm.

Fazit zu ›Knochendiebin

Kno­chen­die­bin‹ gehört zu jenen Büchern, die nicht nur für Jugend­li­che geschrie­ben sind, son­dern auch Erwach­se­ne fes­seln kön­nen. Eine star­ke, berüh­ren­de Prot­ago­nis­tin, wit­zi­ge und klu­ge Dia­lo­ge und eine düs­te­re Welt vol­ler Geheim­nis­se machen Owens Debüt ›Kno­chen­die­bin‹ mehr als lesenswert.

Buchinfo

Mar­ga­ret Owen:
Kno­chen­die­bin

Roman
Die zwölf Kas­ten von Sabor, Band 1
Über­setzt von: Hen­ning Ahrens
Carl­sen, Ham­burg 2019
416 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−58405−2

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Diana Wynne Jones: Das wandelnde Schloss [Rezension]

Von einem Mädchen, das an sein Unglück glaubte. 

Als Dia­na Wyn­ne Jones (1934–2011) im Jah­re 1986 den ers­ten Band der ›Howl-Saga‹ ›Das wan­deln­de Schloss‹ ver­öf­fent­lich­te, war sie im Lite­ra­tur­be­trieb längst kei­ne Unbe­kann­te mehr. Neben eigen­stän­di­gen Wer­ken der Kinder‑, Jugend- und Erwach­se­nen­li­te­ra­tur hat­te sie bereits die ers­ten Bän­de ihrer ›Chres­to­man­ci‹- und ihrer ›Dale­mark‹-Serie ver­öf­fent­licht.

Das wan­deln­de Schloss‹ erzählt die Geschich­te der jun­gen Sophie Hat­ter, die in einem Hut­la­den arbei­tet und beson­de­re Hüte schnei­dert, bis sie eines Tages von einem bösen Fluch in eine alte Frau ver­wan­delt wird. Sophie, die über­zeugt davon ist, das nur das Unglück auf sie war­te, weil sie die ältes­te von drei Schwes­tern ist, kann sich nie­man­dem in ihrem Hei­mat­ort anvertrauen. 

Sie geht fort und ent­schließt sich, als ihr die Stra­pa­zen ihres neu­en Alters bewusst wer­den, zum Schloss des Zau­be­rers Howl zu gehen, von dem behaup­tet wird, dass er jun­ge Mäd­chen ent­füh­re und auffresse. 

Doch statt auf einen men­schen­fres­sen­den Zau­be­rer zu tref­fen, wird sie Teil der selt­sams­ten und lie­bens­wür­digs­ten Wohn­ge­mein­schaft, die man sich vor­stel­len kann. 

»Was mich her­ge­führt hat, jun­ger Mann?«, frag­te sie. Das lag doch auf der Hand, jetzt, wo sie das Schloss gese­hen hat­te. »Ich bin her­ge­kom­men, weil ich dei­ne neue Putz­frau bin, ist doch klar.«

Mit einer wohl plat­zier­ten und dosier­ten Por­ti­on Humor räumt Sophie Hat­ter in vie­ler­lei Hin­sicht in die­ser neu­en Welt der Zau­be­rei auf. Umge­ben von dem sich stets bekla­gen­den Ofen­feu­er, dem ver­lieb­ten Lehr­ling des Zau­be­rers, ver­folgt von einer flot­ten Vogel­scheu­che und stets bereit, eine neue Sei­te an Howl ken­nen­zu­ler­nen, fin­det sie weit mehr als das Unglück, das sie in ihrem Leben erwar­tet hatte. 

Klas­si­sche Ele­men­te der Fan­tas­tik wie die Sie­ben­mei­len­stie­fel, ver­zau­ber­te Gegen­stän­de und Tie­re, wer­den gemischt mit ori­gi­nel­len Figu­ren und einer zau­ber­haf­ten Schreib­wei­se und machen so ›Das wan­deln­de Schloss‹ zu einem gro­ßen Ver­gnü­gen – und dies nicht nur für jene, die bereits den gleich­na­mi­gen Film von ›Stu­dio Ghi­b­li‹ mochten. 

»Die­ser Mann und die­ses rie­si­ge, wich­ti­ge Ding, sein König­tum eben, kamen ihr in ihrem ver­wirr­ten Zustand vor wie zwei unter­schied­li­che Wesen, die nur durch Zufall den­sel­ben Ses­sel besetz­ten. Und ihr ging auf, dass sie jedes Wort der von Howl sorg­sam aus­ge­tüf­tel­ten Rede ver­ges­sen hatte.«

Der ers­te Band der ›Howl-Saga‹ lebt von dem Unaus­ge­spro­che­nem. Die Per­so­nen haben Geheim­nis­se vor­ein­an­der, nicht alles ist leicht aus­zu­spre­chen, ob durch Angst oder einen Fluch. Und obwohl die Kapi­tel­über­schrif­ten bereits einen Vor­aus­blick zulas­sen, um zu wis­sen, was das Kapi­tel brin­gen wird, trägt das Unaus­ge­spro­che­ne als Grund­span­nung über den Roman hinweg. 

Fazit zu ›Das wandelnde Schloss

Das wan­deln­de Schloss‹ ist eine Lie­bes­er­klä­rung an die Fan­tas­tik, an lie­be­voll ent­wor­fe­ne Figu­ren mit Kan­ten und an klei­ne Hel­den und Hel­din­nen, die zusam­men Gro­ßes bewir­ken kön­nen. Ich freue mich auf ein Wie­der­se­hen mit Howl und Sophie in ›Der Palast im Him­mel‹.

Buchinfo

Dia­na Wyn­ne Jones:
Das wan­deln­de Schloss

Die Howl-Saga, Band 1
Über­setzt von Dr. Gabrie­le Haefs
Droemer Knaur, Mün­chen 2019
304 S., EUR (D) 12,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−52538−8

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Laini Taylor: Strange the Dreamer 2 [Rezension]

Von Traumata und Träumen. 

Das Leben, das Sarai und die ande­ren vier über­le­ben­den Kin­der der toten Göt­ter in der Zita­del­le füh­ren, befin­det sich in ›Stran­ge the Drea­mer 2‹ in Auflösung. 

Wäh­rend sich Lazlo Stran­ge noch im ers­ten Band von ›Stran­ge the Drea­mer‹ nichts sehn­li­cher wünscht, als end­lich nach Weep zu gelan­gen und die Mys­te­ri­en der Stadt zu ergrün­den, wer­den die­se bald zu sei­ner Welt. Denn wäh­rend Lazlo nach Weep gelan­gen möch­te, müs­sen die fünf über­le­ben­den Göt­ter­kin­der, die in der Zita­del­le über der Stadt leben, befürch­ten, ent­deckt und umge­bracht zu werden.

In Lazlos Träu­men kom­men die Muse der Alb­träu­me, Sarai, und der Träu­mer sich bald näher. Doch wäh­rend sie bei Lazlo auf Offen­heit, Ver­ständ­nis und Wohl­wol­len trifft, zei­gen sich nicht alle Men­schen so freund­lich. Auch die Empa­thie und das Ver­ständ­nis, die Sarai den Men­schen ent­ge­gen­brin­gen kann, wird nicht von allen Kin­dern der Göt­ter geteilt.

Und so fin­den sich Sarai und Lazlo in ›Stran­ge the Drea­mer 2‹ bald in einem Stru­del aus Ereig­nis­sen wie­der, in dem es um mehr geht, als Aben­teu­er­ge­schich­ten und Wun­der­glau­ben. Die Men­schen von Weep, die die Göt­ter­herr­schaft über­leb­ten, sind eben­so tief trau­ma­ti­siert wie die Kin­der der Göt­ter, die das Mas­sa­ker über­leb­ten, das ihre Eltern tötete.

»Noch immer hör­te sie die Schreie, die auf ent­setz­li­che, blu­ti­ge Art nach­ein­an­der ver­stumm­ten. Sie wür­de immer dort sein, und ihre Arme wür­den für die Kin­der nie aus­rei­chen, genau wie an jenem Tag.«

Dabei schafft es Lai­ni Tay­lor ein Span­nungs­feld zu erschaf­fen, das sie zwi­schen die bei­den Gräu­eln spannt, jenen der Göt­ter und jenen der Men­schen. Gräu­el, mit deren Nach­wir­kun­gen noch immer eine gan­ze Stadt zu kämp­fen hat, in der die Erin­ne­rung, der Hass und der Schmerz tief sitzen. 

Die Men­schen und Göt­ter­kin­der in ›Stran­ge the Drea­mer 2‹ sind Über­le­ben­de, sie waren bis auf weni­ge Aus­nah­men, nicht an den Taten gegen die jeweils ande­ren betei­ligt. Die Men­schen lit­ten lan­ge unter der Göt­ter­herr­schaft und waren tag­täg­lich ihrer Gewalt aus­ge­setzt. Die fünf über­le­ben­den Göt­ter­kin­der lit­ten ent­we­der direkt unter dem Mas­sa­ker, das die Göt­ter­herr­schaft been­de­te, oder unter sei­nen Nach­wir­kun­gen, da sie allein und mit vie­len Ent­beh­run­gen auf­wach­sen mussten.

»Doch es gab kein Ent­kom­men vor den Taten der Ver­gan­gen­heit. Weder vor den Gräu­eln der Göt­ter, noch denen der Menschen.«

Die Wun­den auf bei­den Sei­ten sit­zen tief und sind alt. Und inmit­ten die­ser Trau­ma­ta, Ängs­te und Nöte ver­su­chen der unbe­darf­te Biblio­the­kar Lazlo und die Muse der Alb­träu­me Sarai eine Ant­wort auf das Gesche­hen zu fin­den, die nicht noch mehr Hass, Tod und neue Trau­ma­ta bringt. 

Damit greift Lai­ni Tay­lor im Gewand eines Jugend­bu­ches und der Fan­tas­tik exis­ten­ti­el­le The­men des Mensch­seins auf, balan­ciert fein zwi­schen abso­lu­ten Gut- oder Böse-Kate­go­ri­sie­run­gen und erschafft vor den Schre­cken der Ver­gan­gen­heit mit Lazlo und Sarai einen Hel­den und eine Hel­din, die ans Herz gehen.

Fazit zu ›Strange the Dreamer 2‹

Lan­ge­wei­le kommt beim Lesen von ›Stran­ge the Drea­mer 2‹ nicht auf: Offe­ne Fra­gen, unter­schied­lichs­te Cha­rak­te­re und eine beson­de­re Erzähl­tie­fe erfül­len den Roman. So gelingt es ›Stran­ge the Drea­mer 2‹ nicht nur, an die Qua­li­tät des Vor­gän­ger­ban­des ›Stran­ge the Drea­mer‹ 1 anzu­knüp­fen, son­dern, sie sogar noch zu über­tref­fen. Die bei­den Fol­ge­bän­de ›Muse of Night­ma­resBand 1 und Band 2 wer­den also auf jeden Fall auf mei­nem Lese­sta­pel landen.

Buchinfo

Lai­ni Tay­lor:
Stran­ge the Drea­mer

Ein Traum von Lie­be
Buch 2
Über­setzt von Ulri­ke Rai­mer-Nol­te
One, Köln 2019
382 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver
Erzäh­len­des für jun­ge Erwach­se­ne
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−8466−0086−3

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Laini Taylor: Strange the Dreamer 1 [Rezension]

Lazlo Stran­ge fehlt es in ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ an vie­lem. Einer Fami­lie, einer Her­kunft, Wohl­stand und Schön­heit. Sei­nen Nach­na­men teilt er mit ande­ren Fin­del­kin­dern, sei­nen Vor­na­men mit einem stum­men Mann, den er nie ken­nen­ge­lernt hat. Doch bei all den Din­gen, bei denen Lazlo leer aus­ge­gan­gen ist, ist er mit einem geseg­net: sei­ner Fantasie. 

Lazlo hängt an den alten Geschich­ten, die er in der Biblio­thek, in der er arbei­tet, auf­stö­bert und nie­der­schreibt. Er hängt sogar so sehr an ihnen, dass er nicht zögert, sich Eril-Fane anzu­schlie­ßen, als die­ser in sei­nem Ort nach Gelehr­ten sucht.

Eril-Fane stammt aus der Stadt Weep, die nicht nur ihren rich­ti­gen Namen ver­lo­ren hat, son­dern die sich wei­te­ren Mys­te­ri­en aus­ge­setzt sieht. Die glei­chen Mys­te­ri­en, die Sarai und die ande­ren Kin­der, die zur Hälf­te von Göt­tern und zur Hälf­te von Men­schen abstam­men, umgeben.

»Namen kön­nen ver­lo­ren gehen oder in Ver­ges­sen­heit gera­ten. Das wuss­te nie­mand bes­ser als Lazlo Strange.«

Sowohl die Kin­der der alten Göt­ter, von deren Exis­tenz die Men­schen von Weep nichts ahnen, als auch die Men­schen von Weep selbst, die unter den alten Göt­tern lit­ten, ver­su­chen zu über­le­ben und zurück zu ihrem alten, siche­ren Leben zu kom­men. Und Lazlo ist mittendrin.

Lazlo und Sarai sind in ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ jun­ge Erwach­se­ne, die noch zu jung sind, um sich an die alten Göt­ter zu erin­nern. Was sie wis­sen, stammt aus der Erin­ne­rung ande­rer und dem, was sie erzählen.

Doch sie unter­schei­den sich von ande­ren jun­gen Erwach­se­nen, wie auch vie­le Bewoh­ner von Weep sich von ande­ren Men­schen unter­schei­den: Sie sind die Ver­sehr­ten und Trau­ma­ti­sier­ten. Ent­we­der lit­ten sie durch die alten Göt­ter, die Men­schen nah­men, wie es ihnen pass­te, und auch nur dann zurück­ga­ben, wenn sie es woll­ten. Oder sie lit­ten unter dem Mas­sa­ker, bei dem die alten Göt­ter und so vie­le ande­re ums Leben kamen.

Es ist ihre Geschich­te, die ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ erzählt. Die Geschich­te jener, die über­leb­ten, und sich mit dem was war und sei­nen Fol­gen für Gegen­wart und Zukunft aus­ein­an­der­set­zen müs­sen. Dabei hat ›Stran­ge the Drea­mer 1‹ bei­des: star­ke Män­ner und star­ke Frau­en, die sich in der fan­tas­ti­schen Welt von Lai­ni Tay­lor mit Schre­cken und Ängs­ten kon­fron­tiert sehen, die auch Men­schen jen­seits jeg­li­cher Fan­tas­tik ken­nen. Die Angst, jene zu ver­lie­ren und nicht beschüt­zen zu kön­nen, die man liebt. Die Furcht, dass man selbst oder ande­re ihrer kör­per­li­chen und see­li­schen Unver­sehrt­heit beraubt werden.

»Der Name des Mons­ters war Isa­gol gewe­sen, Göt­tin der Ver­zweif­lung. Ihre Mut­ter. Seit fünf­zehn Jah­ren tot.«

Fazit zu ›Strange the Dreamer 1

Dabei schafft es Lai­ni Tay­lor in ›Stran­ge the Drea­mer 1‹, dass Lazlo und der Leser nach und nach von den Schre­cken und den damit ver­bun­de­nen Wün­schen erfah­ren, und in die­se hin­ein­wach­sen müs­sen. Sti­lis­tisch könn­te man sich an man­chen Stel­len mehr ›Show, don’t tell‹ wün­schen, um der fan­tas­ti­schen Welt des Träu­mers Lazlo näher­zu­kom­men. Doch dies kann die Geschich­te um Lazlo und Sarai kaum weni­ger mys­tisch und span­nend wer­den las­sen. Denn eines ist sicher, sobald man sich auf die Geheim­nis­se der Roman­welt ein­ge­las­sen hat: Man wird sie nicht mehr so schnell los­be­kom­men: In Band 2 geht es weiter.

Buchinfo

Lai­ni Tay­lor:
Stran­ge the Drea­mer
Der Jun­ge, der träum­te, Buch 1
Über­setzt von Ulri­ke Rai­mer-Nol­te
One, Köln 2019
343 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver
Erzäh­len­des für jun­ge Erwach­se­ne
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−8466−0085−6

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


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