Neil Gaiman: Der Fluch der Spindel [Rezension]

Neil Gaiman: Der Fluch der Spindel. Illustriert von Chris Riddell [Rezension]

Von zwei Frauen, einem tiefen Schlaf und dem Warten auf Rettung. 

bookcoverEine jun­ge Prin­zes­sin sticht sich an einer Spin­del und fällt in einen lan­gen Schlaf. Auch ihr König­reich, das von hohen Dor­nen­he­cken bewacht wird, ereilt in ›Der Fluch der Spin­del‹ das glei­che Schick­sal. So weit, so bekannt? 

An einem ande­ren Ort lebt eine jun­ge, bild­schö­ne Frau mit schwar­zen Haa­ren, der Zwer­ge mit Rat und Tat zur Sei­te ste­hen. Eine Frau, die selbst ein­mal in einen tie­fen Schlaf gefal­len war und deren Hoch­zeit nun kurz bevor­steht. Klingt das eben­falls bekannt?

Wer nun glaubt, es ledig­lich mit einer Kom­bi­na­ti­on der Mär­chen Dorn­rös­chen und Schnee­witt­chen zu tun zu haben, der irrt sich. Als die jun­ge Frau mit dem schwar­zen Haar vor der Prin­zes­sin hört, die durch eine Spin­del in einen tie­fen Schlaf gefal­len ist, zieht sich die­se kur­zer­hand ihr Ket­ten­hemd an. Gehei­ra­tet wer­den kann spä­ter, eine Prin­zes­sin geret­tet wer­den jedoch nicht. Und war­um soll­te stets auf einen Mann gewar­tet wer­den, der den Kuss der Erlö­sung bringt?

»Eigent­lich war es das Nach­bar­reich der Köni­gin, aber die Ber­ge, die sich an der Gren­ze auf­türm­ten, waren so hoch, dass selbst die Vögel sie nicht über­wan­den, geschwei­ge denn Men­schen. Die Ber­ge gal­ten als unpassierbar.«

Selbst ist die Frau in ›Der Fluch der Spin­del‹, ohne Män­nern jedoch vor­teil­haf­te Eigen­schaf­ten abzu­spre­chen. Ver­ste­cken müs­sen sie sich hin­ter die­sen jedoch nicht. Doch nicht nur in der Kom­bi­na­ti­on der bei­den Mär­chen und in der Figur der Ret­te­rin unter­schei­det sich die­ses Buch von den Mär­chen­grund­la­gen. Um die in einen tie­fen Schlaf gefal­le­ne Prin­zes­sin ran­ken sich wei­te­re Geheimnisse. 

Obwohl ›Der Fluch der Spin­del‹ nur 72 Sei­ten lang ist, steckt in die­sen Sei­ten jede Men­ge Fan­ta­sie und Schön­heit. Eine fas­zi­nie­ren­de Prot­ago­nis­tin, zahl­rei­che atmo­sphä­ri­sche und wun­der­schö­ne Illus­tra­tio­nen und eine fes­seln­de Geschich­te, die trotz der ver­trau­ten zugrun­de­lie­gen­den Geschich­ten über­ra­schen kann. 

»An jenem Tag erwach­te die Köni­gin zur füh­ren Stun­de. ›Heu­te in einer Woche‹, sag­te sie laut zu sich selbst, ›heu­te in einer Woche bin ich verheiratet.‹«

bookDer Fluch der Spin­del‹ ist wun­der­schön und pas­send durch Chris Rid­dell illus­triert wor­den. So wird jede Sei­te in dop­pel­ter Hin­sicht zu einem wah­ren Schatz und zu einem Lese­ver­gnü­gen. Nicht nur das Cover ist ein Augen­schmaus, die zahl­rei­chen Illus­tra­tio­nen sind vol­ler Details und wun­der­bar ein­zig­ar­tig. Da lohnt sich doch ein Blick dar­auf, was Chris Rid­dell bis­lang noch so illus­triert hat, dar­un­ter wei­te­re Bücher von Neil Gai­man oder bei­spiels­wei­se von Ter­ry Pratchett. 

Dass Neil Gai­man ein Händ­chen für die Neu­er­zäh­lung von Mär­chen, Mythen oder Legen­den hat, konn­te der Autor bereits in ›Nor­di­sche Mythen und Sagen‹ zei­gen. Einen Hang zur Phan­tas­tik wird auch in sei­nen wei­te­ren Wer­ken sicht­bar, wie in ›Der Oze­an am Ende der Stra­ße‹. Ich bin jeden­falls gespannt, noch vie­le wei­te­re Wer­ke von die­sem wun­der­ba­ren Autor zu lesen und habe mir bereits eini­ge auf mei­ne Lese­lis­te gesetzt.

»Sie ließ sich ihr Schwert brin­gen.
Sie ließ die Taschen mit Pro­vi­ant fül­len und ihr Pferd sat­teln.
Und dann ritt sie aus dem Palast davon Rich­tung Osten.«

Fazit zu ›Der Fluch der Spindel‹

Der Fluch der Spin­del‹ ist ein wah­rer Bücher­schatz. Lei­der konn­te ich das Buch nur noch anti­qua­risch erhal­ten, es war es aber auf jeden Fall wert, danach zu suchen und zu war­ten. Ich wür­de mir jeden­falls wün­schen, dass es bald wie­der leich­ter zugäng­lich wird, damit es noch viel mehr Lesern und Lese­rin­nen bekannt wird. Es ist ein wun­der­ba­res Zusam­men­spiel aus bekann­ten Mär­chen­ele­men­ten, moder­nen Ideen und cha­rak­te­ris­ti­schen Illus­tra­tio­nen, das ich sehr emp­feh­len kann. Nicht nur für Lieb­ha­ber von Schnee­witt­chen und Dorn­rös­chen ist die­ses Buch defi­ni­tiv einen nähe­ren Blick wert.

Buchinfo

Gaiman Der Fluch der Spindel

Neil Gai­man:
Der Fluch der Spin­del

illus­triert von Chris Rid­dell
aus dem Eng­li­schen von Rein­hard Tif­fert
Kne­se­beck, Mün­chen 2015
72 S., EUR (D) 16,95 inkl. MwSt.
Gebun­den
ISBN 978−3−86873−872−8

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