Marie Kondo: Magic Cleaning [Rezension und Selbstversuch]

Marie Kondo: Magic Cleaning

Vom Danke sagen und klareren Blicken. 

coverIch habe nie ger­ne Din­ge weg­ge­wor­fen. Irgend­et­was schien stets an ihnen zu haf­ten, das mich sie behal­ten vor ›Magic Clea­ning‹ ließ. Man­che Din­ge hat­te ich geschenkt bekom­men und obwohl ich sie nicht ver­wen­de­te – und sie mir oft­mals nicht gefie­len –, behielt ich sie. Immer­hin waren es Geschen­ke und jemand hat­te sich Gedan­ken gemacht. 

Ande­re Din­ge schie­nen eine Erin­ne­rung zu tra­gen. Nicht unbe­dingt eine kon­kre­te, eher eine Zeit, für die sie stan­den. Da ich oft umge­zo­gen und auch früh von zu Hau­se aus­ge­zo­gen bin, wur­den die Gegen­stän­de, die ich mit­neh­men konn­te, ein Mit­neh­men der Orte, an denen sie vor mei­nem Umzug gewe­sen waren.

Und über die Zeit kamen so eini­ge Gegen­stän­de zusam­men. Vie­le tru­gen kei­ne kon­kre­te Erin­ne­rung (oder kei­ne bedeu­ten­de), son­dern eher die Angst, sie könn­ten etwas Wich­ti­ges tragen.

»Doch wie eig­net man sich die rich­ti­ge Ein­stel­lung an? Indem man die Fähig­keit zum Auf­räu­men ent­wi­ckelt und stärkt, denn die­se Fähig­keit haben wir alle in uns.«

Somit sam­mel­te ich nicht nur Gegen­stän­de, son­dern vor allem ›schwe­re‹ Gegen­stän­de an. Ich habe mich oft­mals gezwun­gen aus­zu­mis­ten, aber den durch­schla­gen­den, anhal­ten­den Erfolg konn­te ich nicht erzie­len. Trotz­dem spür­te ich, dass ich die­ses The­ma für mich noch lösen muss­te, weil ich nicht von immer mehr Din­gen auf enger wer­den­dem Raum umge­ben sein woll­te, und ver­such­te erfolg­los ver­schie­de­ne Methoden.

Bis ich auf Marie Kon­do und ›Magic Clea­ning‹ stieß.

Aus­mis­ten mit die­sem Prin­zip ist viel­leicht nicht für alle die ers­te Wahl, aber für jeman­den wie mich, die vor allem mit der Emo­ti­ons- und Bedeu­tungs­zu­ord­nung ihrer Gegen­stän­de klar­kom­men muss­te, war es befreiend.

»Oft sind hier bewuss­te oder unbe­wuss­te Blo­cka­den und Abwehr­me­cha­nis­men dem Auf­räu­men gegen­über am Werk. Also muss an der inne­ren Ein­stel­lung zur Ord­nung gear­bei­tet werden.«

In ihrem Buch ›Magic Clea­ning‹, in dem Marie Kon­do ihre Kon­Ma­ri-Metho­de vor­stellt, lernt der Lesen­de zuerst Marie und ihre per­sön­li­che Ent­wick­lung im Kampf gegen die Unord­nung ken­nen. Aus den Schwie­rig­kei­ten, die ihr über die Jah­re begeg­net sind – sel­ten lang anhal­ten­de Ergeb­nis­se und bald schon neu­es Ansam­meln von Din­gen –, schuf sie die­se Methode. 

Die Grund­prin­zi­pi­en von ›Magic Clea­ning‹ sind denk­bar ein­fach und doch ist es wich­tig, sich an die Metho­de zu hal­ten (zumin­dest habe ich dies getan). Zuerst Klei­dung, dann Bücher, dann Doku­men­te, jetzt alles ande­re und zuletzt Erinnerungsstücke.

Auch inner­halb die­ser Kate­go­rien ist das Vor­ge­hen in ›Magic Clea­ning‹ sim­pel struk­tu­riert, aber rigo­ros: alle Gegen­stän­de einer Kate­go­rie auf einen Berg. Alle Klei­der, die man besitzt, egal, ob auf dem Spei­cher, in Schrän­ken, Kis­ten oder ver­ges­se­nen Ecken. Alle Klei­der auf einen Berg und die Mas­se des­sen, was man besitzt, auf sich wirk­lich las­sen. Ich gehorch­te. Mein Schlaf­zim­mer wur­de zu einem rie­si­gen Berg aus Kleidung. 

»Nur durch das dras­ti­sche Auf­räu­men in einem Rutsch wird ein Bewusst­seins­wan­del ausgelöst.«

Aus Gehor­sam wur­de Über­for­de­rung und tie­fes Durch­at­men. Sehr tie­fes Durch­at­men. Wei­ter­ma­chen. Ein Klei­dungs­stück nach dem ande­ren, jedes ein­mal in den Hän­den gehabt und mich gefragt haben, ob es mich glück­lich macht und, ob es zu dem Leben gehört, das ich füh­ren will.

bookcoverDer Berg wur­de zuse­hends klei­ner und klei­ner, mein Selbst­ver­trau­en in mei­ne Auf­räums­kills wuchs und zugleich ein Gespür dafür, was ich wirk­lich behal­ten woll­te. Ich habe mich durch das Buch und zugleich durch mei­nen Besitz gear­bei­tet. Marie Kon­dos Schreib­stil ist schlicht, authen­tisch und ein­neh­mend. Ihre Beob­ach­tun­gen sind an vie­len Stel­len so tref­fend und ihre Erklä­run­gen motivierend. 

Fazit zu ›Magic Cleaning

Natür­lich habe ich nicht nur mei­ne Klei­der aus­sor­tiert, alle Kate­go­rien habe ich in Angriff genom­men, auch mei­ne Bücher. Mitt­ler­wei­le ist es über ein Jahr her, dass ich Marie Kon­do und ihre ›Magic Clea­ning‹-Metho­de ken­nen­ge­lernt und mit mei­nem Aus­mis­te­pro­jekt begon­nen hat­te. Und es hat funk­tio­niert. Ich habe mich von Schät­zungs­wei­se 70–80 % mei­ner Din­ge getrennt, und ver­mis­se nichts davon. Zugleich habe ich den frei wer­den­den Platz nicht mit neu­em Kram gefüllt. Zum einen durch den Schock über die Maße an Din­gen, die ich besaß, zum ande­ren, weil ich viel bes­ser weiß, was ich wirk­lich behal­ten will. Aus­mis­ten für einen freie­ren Blick auf die Din­ge, die einem wirk­lich am Her­zen liegen.

So ist ›Magic Clea­ning‹ ein kom­pak­ter, auf den Punkt gebrach­ter und erfri­schend geschrie­be­ner Rat­ge­ber, der defi­ni­tiv einen Ver­such wert ist. Auch zum The­ma Arbeit hat Marie Kon­do in ›Joy at Work‹ eini­ge Tricks auf Lager.

Buchinfo

kondo magic cleaning 1

Marie Kon­do:
Magic Clea­ning

Wie rich­ti­ges Auf­räu­men Ihr Leben ver­än­dert
über­setzt von Moni­ka Lubitz
Rowohlt Verlage/rororo, Ham­burg 2013
224 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Taschen­buch
ISBN 978−3−499−62481−0

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 6 von 5.


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2 Kommentare zu „Marie Kondo: Magic Cleaning [Rezension und Selbstversuch]

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