John Strelecky: Auszeit im Café am Rande der Welt [Rezension]

John Strelecky: Auszeit im Café am Rande der Welt [Rezension]

Von Unwettern und anderen nützlichen Begebenheiten. 

strelecky auszeit im cafc3a9 am ende der weltEin stür­mi­scher Tag, zwei geplatz­te Rei­fen und eine Unter­füh­rung genü­gen in ›Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt‹, um die Wege zwei­er Men­schen ein­an­der kreu­zen zu las­sen. So begeg­net der Icher­zäh­ler John nach der Beer­di­gung sei­nes Paten­on­kels der jun­gen Hannah. 

Der Sturm treibt die bei­den in die glei­che Unter­füh­rung – er mit einem geplatz­ten Auto­rei­fen und auf der Suche nach Schrau­ben, sie mit einem plat­ten Fahr­rad­rei­fen. Die jun­ge Han­nah ist miss­trau­isch gegen­über dem Frem­den, der ihr anbie­tet, sie nach dem Rei­fen­wech­sel nach Hau­se zu fahren.

»Das Mäd­chen zöger­te. Offen­bar ver­such­te es zu beur­tei­len, ob es sicher war oder nicht.«

Als sie sich schluss­end­lich doch dar­auf ein­lässt, suchen sie gemein­sam in der Dun­kel­heit des Stur­mes nach einer ver­trau­ten Stra­ße oder Ecke und fin­den statt­des­sen etwas, das in John Erin­ne­run­gen weckt: das »Café der Fra­gen«. Doch wäh­rend er sich dar­über freu­en kann – das letz­te Mal hat er das Café vor über zehn Jah­ren auf Hawaii betre­ten –, wird Han­nahs Miss­trau­en – durch sei­ne plötz­li­che Ver­traut­heit mit dem Ort und den Per­so­nen dar­in – wie­der wach.

So plötz­lich sich Han­nah und John über den Weg gelau­fen waren, so schnell sind sie auch wie­der von­ein­an­der getrennt. Han­nah ver­lässt das Café, bleibt drau­ßen ste­hen und hadert mit sich, ob sie wie­der in das war­me Inne­re gehen oder ver­schwin­den soll. John hin­ge­gen trifft in ›Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt‹ sowohl bekann­te als auch neue Gesich­ter im Innern des Cafés und macht sich bereit auf eine Aus­ein­an­der­set­zung mit sich selbst.

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© Bogen­ber­ger Autoren­fo­tos, hono­rar­frei, Stand: Dezem­ber 2017

Wäh­rend John ver­traut ist mit den Eigen­hei­ten des Cafés und den Fra­gen sowie Ant­wor­ten, die dort gefun­den wer­den kön­nen, weiß Han­nah nicht, ob sie sich auf den Ort und sei­ne Besu­cher ein­las­sen soll. Ähn­lich geht es dem Leser bis­wei­len mit ›Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt‹. Man muss sich ein­las­sen auf die Fra­gen, die John Streleckys Buch auf­wirft, auf die Wege, zu Ant­wor­ten zu kom­men, die ange­bo­ten werden.

strelecky auszeitObwohl die­ser Besuch im Café der Fra­gen an man­chen Stel­len kon­stru­iert wirkt, vor allem in Bezug auf ein paar weni­ge Figu­ren – ein Effekt der durch die Mischung aus Unwirk­lich­keit und Wirk­lich­keit auch gewollt sein kann –, und bereits der Umschlag kaum eine Chan­ce aus­lässt, den Leser dar­auf hin­zu­wei­sen, dass es sich um einen erneu­ten Besuch im Café han­delt, kön­nen sich auch Strelecky-Neu­le­ser, die ›Das Café am Ran­de der Welt‹ noch nicht gele­sen haben, an die­sen Band wagen.

Denn die Geschich­ten, die dar­in erzählt wer­den, las­sen auch den im Café noch Uner­fah­re­nen an sich teil­ha­ben, sodass der Leser Sei­te um Sei­te mit Gedan­ken ver­traut wird, die noch über das Buch hin­aus zum Nach­den­ken anregen.

»Ich war wie­der da. Aber warum?«

Fazit zu ›Auszeit im Café am Rande der Welt

Wer also sei­nen inne­ren Skep­ti­ker bei offen zu Gedan­ken anre­gen­den Tex­ten im Zaum hal­ten kann, dem kann ich John Streleckys ›Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt‹ mit gutem Gewis­sen empfehlen.

Wer dar­über hin­aus durch ein Buch nicht nur von sich selbst abge­lenkt wer­den will, son­dern wäh­rend des Lesens sich selbst zuge­wandt sein will, der wird an die­ser »Aus­zeit« Gefal­len fin­den. Und ganz neben­bei erfah­ren, was ein Stück Iso­lier­band mit dem eige­nen Leben zu tun hat. 

Buchinfo

strelecky auszeit im cafc3a9 am ende der welt

John Strelecky:
Aus­zeit im Café am Ran­de der Welt
Eine Wie­der­be­geg­nung mit dem eige­nen Selbst
dtv, Mün­chen 2019
160 S., Soft­co­ver, EUR (D) 9,90 inkl. MwSt.
ISBN 978−3−423−34964−2

Rezen­si­on zuerst erschie­nen auf: Liz­zy­Net

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


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