Daniel Kehlmann: ›F‹ [Rezension]

Daniel Kehlmann: ›F‹ [Rezension]

Vom Zufall und von Fügungen. 

RomancoverAls ein Vater in ›F‹ mit sei­nen drei Söh­nen von zwei ver­schie­de­nen Frau­en einen Aus­flug zum Hyp­no­ti­seur macht, ahnen die vier nicht, was die Fol­gen sein wer­den: Der Vater ver­lässt im Anschluss auch sei­ne zwei­te Lebens­ge­fähr­tin und mit ihr sei­ne drei jugend­li­chen Söhne. 

Als die drei Söh­ne erwach­sen wer­den, wäh­len sie die unter­schied­lichs­ten Beru­fe und Lebens­wei­sen. Der Ältes­te, Mar­tin, wird zu einem wohl beleib­ten Geist­li­chen, der den Glau­ben nicht so recht fin­den kann. Von den Zwil­lin­gen, schlägt Iwan den Pfad eines Künst­lers ein, ohne recht an sei­ne eige­ne Kunst glau­ben zu kön­nen, und Eric hei­ra­tet, bekommt eine Toch­ter und wird zu einem Geschäfts­mann, der an sei­ne Rea­li­tät und sei­nen Ver­stand nicht mehr so recht glau­ben kann. 

Unge­fähr in der Mit­te wird der Roman ›F‹ von einer Ahnen­schau durch­zo­gen. Lebens­läu­fe und Figu­ren, von denen eine inter­es­san­ter ist als die ande­re und sicher­lich einen eige­nen Roman fül­len könn­te – eine der Beschrei­bun­gen erin­nert an Claus Ulen­spie­gel aus ›Tyll‹ –, wer­den ausgebreitet. 

Man meint, die Ver­stor­be­nen wären irgend­wo auf­be­wahrt. Man meint, dem Uni­ver­sum blie­ben ihre Spu­ren eingeschrieben.

buchDoch Kehl­mann beschränkt sich nicht dar­auf, die Geschich­te die­ser drei Söh­ne und ihres Vaters zu erzäh­len. Was ihm in ›F‹ gelingt, ist ein Auf­rau­en der Wahr­neh­mung von Wirk­lich­keit. Er spielt mit dem mensch­li­chen Bemü­hen, (Lebens-)Geschichten eine Kau­sa­li­tät und Deter­mi­niert­heit abrin­gen zu wol­len, indem er die Momen­te auf­zeigt, in denen sei­ne Figu­ren Ent­schei­dun­gen tref­fen müs­sen. Sie bedie­nen sich Erklä­rungs­mo­del­len, nach denen die Din­ge wer­den, wie sie sein sol­len, ob durch gött­li­ches Ein­grei­fen, einen höhe­ren Plan oder Schick­sal. Dabei spielt es kei­ne Rol­le, ob sie ihr Glück in der Kunst, der Reli­gi­on oder der Wirt­schaft suchen.

Doch ›F‹ fällt kein end­gül­ti­ges Urteil dar­über, ob die Per­so­nen dem Zufall, Schick­sal oder etwas ande­rem unter­wor­fen sind, son­dern erwei­tert die­se Fra­ge um die Dimen­si­on, was pas­sie­ren wür­de, wenn das ›Schick­sal‹ selbst von Zufall oder Irr­tum beein­flusst wäre.

Doch malen in eines ande­ren Namen, das ist eine Mög­lich­keit, das funk­tio­niert. Und was mich jeden Tag von neu­em wun­dert: Ich bin glück­lich dabei.

Fazit zu ›F‹

›F‹ ist einer jener Roma­ne, die nicht ein­fach nur gele­sen wer­den kön­nen, son­dern vom Leser wie­der und wie­der durch­dacht und neu betrach­tet wer­den kön­nen und müs­sen. So fügt sich, was anfangs aus ver­schie­de­nen Leben zusam­men­ge­setzt scheint, zu einem Gan­zen zusam­men, das den Leser so schnell nicht los­lässt und bei dem die Gren­ze zwi­schen Rea­li­tät und Vor­stel­lung ver­schwun­den ist.

Buchinfo

kehlmann f

Dani­el Kehl­mann:
F

Rowohlt, Ham­burg 2013
384 S., EUR (D) 22,95 inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver
ISBN 978−3−498−03544−0

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