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Neil Gaiman: Der Ozean am Ende der Straße [Rezension]

Neil Gaiman: Der Ozean am Ende der Straße [Rezension]

Von einem Jungen und einem Mädchen, die an das Wundersame glaubten. 

Für eine Beer­di­gung kehrt ein Mann in ›Der Oze­an am Ende der Stra­ße‹ an den Ort sei­ner Kind­heit zurück. Nicht nur mit sei­nem Eltern­haus ver­bin­det er vie­le Erin­ne­run­gen, auch mit der Farm, auf der Let­tie Hempstock leb­te und dem Teich – der für sie ein Oze­an war.

Doch die Erleb­nis­se in sei­ner Kind­heit sind nur auf den ers­ten Blick jene, die vie­le Kin­der tei­len. Aben­teu­er im Wald, Geheim­nis­se mit neu­en Freun­den, Streit mit Eltern und Gehor­sam. Ängs­te, Unge­hor­sam und der Wunsch, von den Eltern geliebt und beschützt zu werden.

Einen Toten in einem Auto zu ent­de­cken ist hin­ge­gen ein Erleb­nis, das zum Glück nicht alle Kin­der tei­len. Eben­so wenig das Geschöpf, das sie im Wald erwar­tet und so sei­nen Weg in das Zuhau­se des Man­nes fin­det, denn kurz danach wird eine attrak­ti­ve Frau als Kin­der­mäd­chen für den Jun­gen und sei­ne Schwes­ter ein­ge­stellt. Doch bald schon ist sie mehr als nur ein Kindermädchen. 

»Hier war ich doch schon ein­mal gewe­sen, oder, vor lan­ger Zeit? Eigent­lich war ich mir sicher. Kind­heits­er­in­ne­run­gen lie­gen manch­mal unter den Din­gen ver­bor­gen, die spä­ter pas­siert sind, wie Spiel­zeug, das ver­ges­sen auf dem Boden eines Klei­der­schranks liegt, aber nie ganz ver­lo­ren ist.«

Sein Vater beginnt mit ihr eine Affä­re. Nur der Jun­ge scheint wahr­zu­neh­men, dass etwas mit der attrak­ti­ven Frau nicht stimmt, die ihn davon abhal­ten will, das Haus zu ver­las­sen. Auch, wenn sie sei­nem Vater dafür Lügen erzäh­len muss. Der Jun­ge will nichts mehr, als die Frau los­wer­den und mit Let­tie spre­chen, die ihm als ein­zi­ge hel­fen kann.

»Ich frag­te mich, war­um sie alle Hempstock hie­ßen, die­se Frau­en, aber ich frag­te nicht danach, eben­so wenig wie ich mich getrau­te zu fra­gen, woher sie wuss­ten, was in dem Abschieds­brief stand oder was der Opal­schürfer gedacht hat­te, als er gestor­ben war. Sie rede­ten dar­über, als wäre das alles völ­lig normal.«

Die magi­sche und phan­tas­ti­sche Wahr­neh­mung des Jun­gen ver­mischt sich mit den Erleb­nis­sen sei­ner Kind­heit. Wäh­rend in sei­nem Eltern­haus nie­mand wahr­zu­neh­men scheint, was im Ort geschieht, weiß Let­ties Fami­lie mehr. Magie scheint in dem Haus zu pul­sie­ren. Der Glau­be an Din­ge, die für ande­re nur Aber­glau­be oder unvor­stell­bar sind.

Doch wie soll es einem Kind gelin­gen, das Geschöpf aus sei­nem Haus zu ver­trei­ben und sei­ne Fami­lie vor ihm zu beschüt­zen? Und wel­che Ängs­te ist im Stan­de, dafür auszustehen? 

»Wäh­rend wir altern, wer­den wir zu unse­ren Eltern; wenn man lan­ge genug lebt, sieht man die Gesich­ter sei­ner Jugend wie­der. Ich erin­ner­te mich an Mrs. Hempstock, Let­ties Mut­ter, als eine stäm­mi­ge Frau. Die­se Frau war dürr und zierlich.«

Neil Gai­man gelingt es in ›Der Oze­an am Ende der Stra­ße‹ eine Geschich­te zu schrei­ben, die sowohl den Zau­ber des Kind­seins ein­fängt als auch dem Wun­der­ba­ren und Magi­schen einen fes­ten Platz ein­räumt. Das Buch ist wun­der­voll von Eli­se Hurst illus­triert, sodass die Buch­sei­ten auf meh­re­re Arten zugleich zum Leben erwachen.

Zugleich wird das Kind­sein ernst­ge­nom­men wie sel­ten in einer Geschich­te. Und wäh­rend der Jun­ge mit all den Ein­schrän­kun­gen sei­ner Kind­heit kämp­fen muss, ist er in ande­ren Berei­chen doch viel frei­er als es zum Bei­spiel sein Vater zu sein scheint. Wem ›Der Oze­an am Ende der Stra­ße‹ gefal­len hat, soll­te einen Blick auf Gai­m­ans ande­re Wer­ke wer­fen wie ›Nor­di­sche Mythen und Sagen‹.

Fazit zu ›Der Ozean am Ende der Straße‹

Der Oze­an am Ende der Stra­ße‹ ist ein wun­der­schö­nes, teils düs­te­res Buch über das Kind­sein, das Wun­der­sa­me, Fami­lie und dem Kampf, die eige­nen Ängs­te zu über­win­den. Als gro­ßer Neil Gai­man-Fan muss­te ich das Buch natür­lich lesen und die wun­der­schön illus­trier­te Aus­ga­be hat mich defi­ni­tiv von sich überzeugt.

Buchinfo

Neil Gai­man:
Der Oze­an am Ende der Stra­ße

illus­triert von Eli­se Hurst
aus dem Eng­li­schen von Han­nes Rif­fel
Eich­born, Köln 2021
336 S., EUR (D) 24,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−8479−0071−9

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Bewer­tung: 4.5 von 5.


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Hajime Isayama: Attack on Titan Deluxe Edition Band 8 [Rezension]

Die Geheimnisse der Verstorbenen. 

Dem Auf­klä­rungs­trupp ist es in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ end­lich gelun­gen, in Dok­tor Jägers Kel­ler zu gelan­gen. Nach­dem sie sich immer mehr Rät­seln und Geheim­nis­sen um das Wesen der Tita­nen gegen­über sahen, haben sie nun end­lich eine Chan­ce, Ant­wor­ten zu bekommen. 

Doch der Zugang zum Kel­ler ist in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ durch einen hohen Preis ermög­licht wor­den. Nicht alle, die ihr Leben der Auf­klä­rung der Geheim­nis­se der Tita­nen und der Mau­ern gewid­met haben, kön­nen den Moment noch mit­er­le­ben. Erens Vater hat im Kel­ler all sein Wis­sen über die Tita­nen ver­wahrt. Doch es sind nicht nur Erkennt­nis­se über die­se, die der Auf­klä­rungs­trupp dort fin­det, es ist auch die Geschich­te von Erens Vater. Und die Geschich­te des­sen, wie Eren zu sei­nem Namen gekom­men ist.

»Was war es nun, was wir in die­sem Kel­ler­raum … gefun­den hat­ten? War es … Hoff­nung? Oder war es … Verzweiflung?«

Neben Ant­wor­ten hat der Auf­klä­rungs­trupp in Dok­tor Jägers Kel­ler auch wei­te­re Fra­gen gefun­den. Wann auch immer in ›Attack on Titan‹ ein Rät­sel gelöst wird, wird nur deut­lich, dass dies eigent­lich nur ein klei­nes Stück eines viel grö­ße­ren Rät­sels ist, das hin­ter all dem liegt. 

Die Men­schen inner­halb der Mau­ern müs­sen sich von ihrer Vor­stel­lung ver­ab­schie­den, wie ihre Welt aus­sieht. Sicher­heit ist seit de Fall der Mau­er eine Illu­si­on gewor­den, eine Zukunft eine Fra­ge mit offe­nem Ausgang. 

»Ich weiß, ich bin nur ein klei­ner Fisch … Und mein ein­zi­ger Nut­zen besteht wahr­schein­lich dar­in, als Tita­nen­fut­ter zu die­nen, aber … selbst klei­ne Fische wie ich … haben ein Recht dar­auf zu erfah­ren, wor­auf sie sich einlassen!!«

Anfangs zeich­ne­te sich ›Attack on Titan‹ vor allem durch Action, klu­ge Gefech­te und Grau­en aus. Spä­tes­tens in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ ist klar, dass noch viel mehr hin­ter den Tita­nen steckt. Spä­tes­tens mit der Auf­lö­sung des Geheim­nis­ses um die Iden­ti­tä­ten des weib­li­chen, des gepan­zer­ten und des kolos­sa­len Tita­nen ist die Fra­ge nach den Beweg­grün­den der Gegen­sei­te für mich eine der span­nends­ten Fragen. 

Eine Fra­ge, die in ›Attack on Titan‹ von Anfang an ange­legt war. War­um wur­de die Mau­er zer­stört und die Men­schen im Innern von den Tita­nen ange­grif­fen? War­um aus­ge­rech­net von ihnen? Wie hängt all dies zusam­men? Wel­che Rol­le kom­men Ymir und dem Biest zu? 

Nach­dem der Beginn von ›Attack on Titan‹ klar der Per­spek­ti­ve von Eren und sei­nen Freun­den sowie dem Auf­klä­rungs­trupp folg­te, geschieht in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ nun etwas Span­nen­des. Die Per­spek­ti­ve ändert sich. Der Lesen­de erlebt nicht mehr die Ereig­nis­se inner­halb der Mau­ern mit. Der Man­ga führt ihn nun an einen ande­ren Ort, an dem eine ande­re Grup­pe von Kin­dern zu über­le­ben ver­sucht, die sich von etwas ande­rem bedroht sehen. 

»Auf der Welt gibt es offen­bar Men­schen, die mit Stei­nen bewor­fen wer­den, nur weil sie exis­tie­ren. Und ich wur­de als Sym­bol für die­se Men­schen so lan­ge bewor­fen, bis ich am gan­zen Kör­per blutete.«

Fazit zu ›Attack on Titan Deluxe Edition Band 8

Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ schafft es genau­so wie die vor­he­ri­gen Bän­de, mich wirk­lich zu über­ra­schen. Ich habe sel­ten eine so klu­ge und prä­zi­se geplan­te Geschich­te erlebt, die so über­ra­schen konn­te, wäh­rend doch alle Über­ra­schun­gen stim­mig erschie­nen. ›Attack on Titan‹ schafft es immer wie­der, mich zum nach­den­ken anzu­re­gen. Vor allem in die­sem Band, der spür­bar macht, wie sehr Gut und Böse eine Fra­ge der Per­spek­ti­ve sind. 

Ich weiß nicht, wohin sich die­se Geschich­te ent­wi­ckeln wird. Ich weiß nur, dass ich Haji­me Isaya­ma auf jeden Fall ger­ne wei­ter in die Tie­fen der Welt von Eren und sei­nen Freun­den fol­gen wer­de. ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 9‹ kann also ger­ne kommen. 

Buchinfo

Haji­me Isaya­ma:
Attack on Titan Delu­xe 8

beinhal­tet die Bän­de 22–24
über­setzt von Clau­dia Peter
Carl­sen, Ham­burg 2021
576 S., EUR (D) 25,00 inkl. MwSt.
Hard­co­ver, Man­ga
Ab 16 Jah­ren
ISBN 978−3−551−74110−3

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Bewer­tung: 5 von 5.


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Hajime Isayama: Attack on Titan Deluxe Edition Band 1 [Rezension]

Der Tag, an dem die Mauer zerstört wurde. 

Von einem Tag auf den ande­ren endet das Leben, das Eren Jäger in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 1‹ kennt. Die hohe Mau­er, die seit Jahr­zehn­ten vor den Tita­nen geschützt hat, ist zer­stört worden. 

Doch mit dem Fall der Mau­er hat Eren nicht nur sein Eltern­haus und sei­ne Hei­mat ver­lo­ren. Als die men­schen­fres­sen­den Tita­nen in Shi­ganshi­na ein­fal­len, ver­lie­ren Hun­der­te Men­schen ihr Leben. Seit Jahr­zehn­ten war die Mau­er nicht über­wun­den wor­den und die Men­schen in ihrem Innern nicht dar­auf vor­be­rei­tet, sich zu verteidigen. 

Und wie soll­te man sich auch gegen etwas ver­tei­di­gen, das grö­ßer ist als die meis­ten Men­schen, Ver­let­zun­gen groß­teils bin­nen Sekun­den heilt und kein ande­res Ziel kennt, als Men­schen zu jagen und zu ver­spei­sen? Die Men­schen, die sich ret­ten konn­ten, flie­hen in das Inne­re der wei­te­ren Mau­er­rin­ge, doch das Grau­en beglei­tet sie.

»An jenem Tag erin­ner­te die Mensch­heit sich wie­der an das Grau­en von ihnen beherrscht zu wer­den und an die Demü­ti­gung wie in einem Vogel­kä­fig zu leben …«

Was macht es mit einem Men­schen, so etwas mit­zu­er­le­ben? Unfä­hig zu sein, die­je­ni­gen, die man liebt zu ret­ten und zu sehen, wie sie gefres­sen wer­den? Die Furcht vor den Tita­nen ist wie­der Wirk­lich­keit gewor­den. Fühl­te man sich doch seit Jahr­zehn­ten hin­ter den Mau­ern sicher und leb­te sein Leben, wird nun deut­lich, wie trü­ge­risch die­se Sicher­heit war.

Furcht ist es, was die meis­ten Men­schen nach dem Angriff der Tita­nen emp­fin­den und sie ver­su­chen, so weit ins siche­re­re Inne­re zu gelan­gen wie mög­lich. Nicht so Eren. Er schwört Rache für alles, was er ver­lo­ren hat und schwört, nicht auf­zu­hö­ren, bevor er nicht auch den letz­ten Tita­nen getö­tet hat. Eren will sich nicht vor den Tita­nen ver­ste­cken, er will die Mau­ern ver­las­sen und sie bekämp­fen. Mit ihm kämp­fen auch sei­ne Kind­heits­freun­de Armin und Mika­sa dafür, dem Auf­klä­rungs­trupp bei­tre­ten zu dür­fen. Ein enges Band ver­bin­det die drei.

»In dem Moment erin­ner­te ich mich, dass ich sol­che Sze­nen schon öfter gese­hen hat­te, wie­der und wie­der. Die­se Welt ist grau­sam. Dass ich noch leb­te, kam mir wie ein Wun­der vor … und in die­sem Augen­blick hör­te mein Kör­per auf zu zittern.«

Attack on Titan ist eine Geschich­te, wie ich sie bis­her noch nicht ken­nen­ge­lernt habe. Wie die Men­schen von meh­re­ren Mau­er­schich­ten umge­ben ist, scheint auch der Kern der Geschich­te von vie­len Geheim­nis­schich­ten umge­ben zu sein. Die Ent­wick­lun­gen sind über­ra­schend, schwer vor­her­zu­se­hen und zugleich pas­send. Die Cha­rak­te­re sind lie­be­voll aus­ge­ar­bei­tet und gestal­tet. In der Geschich­te gibt es unglaub­lich viel zu ent­de­cken, wenn man ihr etwas Zeit gibt. 

Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 1‹ ist ein wun­der­ba­rer Auf­takt in eine grau­sa­me Welt, die um ihr Über­le­ben und ihre Mensch­lich­keit kämpft. Freund­schaft, Mensch­lich­keit und ethi­sche Fra­gen fin­den in all dem Anklang. 

Ich bin ein gro­ßer Fan des Artstyles und mag die Anmu­tung der edlen Delu­xe Edi­ti­on super ger­ne, die die Bän­der auch zu einem Hin­gu­cker im Regal macht und sie auch bei viel­fa­chem Lesen schützt.

»Denn die Sze­ne wirk­te, als hät­te die geball­te Wut der Mensch­heit Gestalt angenommen.«

Wer den Ani­me mag, soll­te defi­ni­tiv auch dem Man­ga eine Chan­ce geben. Obwohl sich vie­les über­ra­schend gleicht, gibt es doch auch Sze­nen­un­ter­schie­de und es bleibt mehr Zeit, um sich auf ein­zel­ne Momen­te ein­zu­las­sen, da die Serie doch in einem schnel­len Tem­po voranschreitet. 

Fazit zu ›Attack on Titan Deluxe Edition Band 1

Bei ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 1‹ soll­te defi­ni­tiv vor­her nicht zu viel ver­ra­ten wer­den, da Man­ga und Ani­me sehr von unter­schied­li­chen Geheim­nis­sen leben, deren Ent­hül­lung prä­zi­se plat­ziert ist. Je tie­fer man in die Geschich­te ein­dringt, des­to mehr regt sie zum Den­ken an. ›Attack on Titan‹ ist auf jeden Fall super schnell zu einem mei­ner Lieb­lin­ge gewor­den, den ich super ger­ne emp­feh­le. Wer auf den Geschmack von ›Attack on Titan‹ gekom­men ist, kann sich noch über vie­le wei­te­re Bän­de in der Delu­xe Edi­ti­on freu­en, wie Band 6 und Band 7.

Buchinfo

Haji­me Isaya­ma:
Attack on Titan Delu­xe 1

beinhal­tet die Bän­de 1–3
über­setzt von Clau­dia Peter
Carl­sen, Ham­burg 2018
576 S., EUR (D) 25,00 inkl. MwSt.
Hard­co­ver, Man­ga
Ab 16 Jah­ren
ISBN 978−3−551−74103−5

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Katherine Arden: Das Mädchen und der Winterkönig [Rezension]

Eine Reisende im Land des Schnees. 

Was­ja sieht Wesen, die für ande­re in ›Das Mäd­chen und der Win­ter­kö­nig‹ nur noch in alten Geschich­ten exis­tie­ren. Mär­chen- und Sagen­ge­stal­ten, die ihr Leben zahl­rei­cher bevöl­kern als Men­schen. Nur weni­ge ver­ir­ren sich in ihren Hei­mat­ort in Rus und nicht alle mei­nen es gut. 

Die Ereig­nis­se des ers­ten Ban­des der Win­ter­nacht-Tri­lo­gie von Kathe­ri­ne Arden – ›Der Bär und die Nach­ti­gall‹ – haben Was­ja viel gekos­tet. Doch wem kann sie von einer Gefahr erzäh­len, die für die meis­ten nicht sicht­bar ist? Und wenn sie nicht auf die Hil­fe ihrer Liebs­ten hof­fen kann, kann sie dann dem Win­ter­kö­nig trauen?

Das Fina­le des ers­ten Ban­des der Tri­lo­gie hat Was­jas Leben für immer ver­än­dert. Die Welt, die sie kann­te, exis­tiert nicht mehr. Doch ist sie mutig genug, in den Win­ter hin­aus­zu­zie­hen, um eine neue Welt kennenzulernen?

»›Sie sah Din­ge, die nicht da waren‹, flüs­ter­te er. ›Sie ging in den Wald und kann­te kei­ne Angst. Über­all im Dorf spra­chen die Leu­te davon. Die freund­li­chen sag­ten, sie sei ver­rückt. Aber die ande­ren spra­chen von Hexerei.‹«

Was­jas Geschwis­ter, die im ers­ten Band zum Teil in die Welt hin­aus­ge­zo­gen sind, fin­den nun wie­der Platz in ihrer Geschich­te. Doch nicht nur freund­li­che Gesich­ter kreu­zen Was­jas Weg wie­der. Auch ein Mann, der ihr bereits im ers­ten Band Schwie­rig­kei­ten berei­te­te, ist in ›Das Mäd­chen und der Win­ter­kö­nig‹ wie­der mit von der Partie.

Zahl­rei­cher als die Mythen- und Sagen­ge­stal­ten in der Win­ter­nacht-Tri­lo­gie sind nur die Gefah­ren. Der unnach­gie­bi­ge, ewi­ge Schnee. Der Groll vie­ler Men­schen. Die Ent­füh­rung vie­ler jun­ger Mäd­chen. Und Was­jas will sich die­ser Welt stel­len, allein, und ohne je von zu Hau­se fort gewe­sen zu sein. 

»›Mei­ne Klei­ne ist kei­ne Schön­heit, aber sie zieht den Blick auf sich. Genau wie ihre Groß­mutter.‹ Die alte Frau bekreu­zig­te sich jedes Mal, wenn sie das sag­te, denn Was­jas Groß­mutter war nicht glück­lich gewe­sen, als sie starb.«

Mit Was­ja ist Kathe­ri­ne Arden eine Prot­ago­nis­tin gelun­gen, die über­zeu­gen kann. Was­ja ist stark, ent­schlos­sen und warm­her­zig. Regeln und Enge bekom­men ihr nicht. Auch in vie­len Wün­schen und Träu­men ihrer Zeit­ge­nos­sen kann sie sich nicht erkennen. 

»Der Haus­herr sah aus wie ein Mensch, doch sei­ne Augen ver­rie­ten ihn. Als er erst­mals in die­sen Wäl­dern gese­hen wor­den war, hat­ten die Mäd­chen noch in einer ande­ren Spra­che zu ihm gesprochen.«

Fazit zu ›Das Mädchen und der Winterkönig

Das Mäd­chen und der Win­ter­kö­nig‹ kann mit dem ers­ten Band der Tri­lo­gie zwar nicht mit­hal­ten, doch bleibt die Geschich­te um Was­ja und den geheim­nis­vol­len Win­ter­kö­nig span­nend. Und so, wie sie die Ereig­nis­se im zwei­ten Band ent­wi­ckelt haben, bleibt nur gespannt auf den drit­ten und letz­ten Band der Rei­he zu warten.

Buchinfo

Kathe­ri­ne Arden:
Das Mäd­chen und der Win­ter­kö­nig

Win­ter­nacht-Tri­lo­gie, Band 2
Über­setzt von Micha­el Pfingstl
Roman
Hey­ne, Mün­chen 2020
480 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Paper­back
ISBN 978−3−453−32083−3

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4 von 5.


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Fee Krämer: Rille – Die Dschungelfreunde sind los! [Rezension]

Mit guten Freunden geht es für Rille auf ins Abenteuer. 

Ril­le hat sei­nen Aus­bruch aus dem Zoo in ›Ril­le – Die Dschun­gel­freun­de sind los!‹ nicht geplant. Genau genom­men ist Ril­le nicht ein­mal aus­ge­bro­chen: Er wur­de frei­ge­las­sen. Nun gut, viel­leicht waren es nicht sei­ne Wär­ter und Wär­te­rin­nen, die ihn frei­ge­las­sen haben, aber im Dschun­gel fin­det er sich trotz­dem wieder. 

Viel­leicht wäre so ein Dschun­gel auch ein wirk­lich Angst ein­flö­ßen­der Ort, vol­ler wil­der Tie­re, frem­der Pflan­zen und neu­ar­ti­gen Geräu­schen, wenn man sein gan­zes Leben in einem Zoo ver­bracht hat.

Zum Glück ist Ril­le im Dschun­gel in ›Ril­le Die Dschun­gel­freun­de sind los!‹ nicht allein, Mr. Gibbs und gute Freun­de ste­hen im schnell mit Rat und Tat zur Sei­te. Dabei schließt nicht nur Ril­le den Papa­gei Pepe, die Gür­tel­tier­da­me Tan­te Tatu, die Was­ser­schwei­ne und all die ande­ren Geschöp­fe des Dschun­gels ins Herz: Auch den Lesern und die Lese­rin­nen – und natür­lich auch Vor­le­sern und Vor­le­se­rin­nen – wird es ähn­lich gehen.

»Als die Tie­re Ril­le ent­de­cken, ver­stum­men sie plötz­lich. Man hört nur noch das Rau­schen des Was­ser­falls. Weil ihn alle angu­cken, hebt Ril­le eine Pran­ke und winkt zaghaft.«

Eins ist sicher: Bei Ril­les neu­em Leben im Dschun­gel trifft er auf vie­les Neu­es und Bekann­tes, das zum Stau­nen und Wohl­füh­len einlädt.

»›Das dürft ihr doch nicht weg­ma­chen!‹ Ril­le lässt sich aufs Moos fal­len. Es ist wei­cher als alles, was Ril­le jemals zuvor gespürt hat.«

Natür­lich muss Ril­le auch noch vie­les ler­nen. War es im Zoo doch immer ange­nehm, das Fut­ter von den Pfle­gern und Pfle­ge­rin­nen gebracht zu bekom­men, muss der klei­ne Goril­la nun auf ein­mal jagen! Und auch um sei­nen Schlaf­platz hat er sich bis­lang kaum Gedan­ken machen müs­sen, da im Zoo immer ein siche­rer Unter­schlupf bereit­stand. Wenigs­tens ärgern ihn hier die Pavia­ne aus dem Zoo nicht mehr.

»Ril­le hat bis jetzt noch nicht dar­über nach­ge­dacht, wo er woh­nen wird. Ob er über­haupt hier in die­sem Dschun­gel blei­ben soll. Er mag das vie­le Grün, das nir­gend­wo endet.«

Fee Krä­mers Vor­le­se­buch ›Ril­le Die Dschun­gel­freun­de sind los!‹ wird durch die lie­be­vol­len und wun­der­ba­ren Illus­tra­tio­nen von Niko­lai Ren­ger geschmückt. Jede Sei­te des wun­der­schö­nen Buches lädt zu neu­en Aben­teu­ern mit Ril­le und sei­nen Freun­den ein. Denn nicht nur das Fut­ter­sam­meln hat Ril­le nie gelernt – auch tei­len muss­te er bis­lang nie.

Fazit zu ›Rille Die Dschungelfreunde sind los!

Ril­le Die Dschun­gel­freun­de sind los!‹ lädt zu einer span­nen­den Rei­se ein, den klei­nen Goril­la bei sei­nen Her­aus­for­de­run­gen zu beglei­ten, sich sei­nen Ängs­ten zu stel­len und vie­le neue Freun­de ken­nen­zu­ler­nen. Warm­her­zig geschrie­ben sind Krä­mers Aben­teu­er des klei­nen Goril­las Ril­le unglaub­lich lesenswert.

Buchinfo

Fee Krä­mer:
Ril­le Die Dschun­gel­freun­de sind los!

Ein Vor­le­se­buch mit Bil­dern von Niko­lai Ren­ger
Thie­ne­mann-Ess­lin­ger, Stutt­gart 2020
112 S., EUR (D) 13,- inkl. MwSt.
Gebun­de­ne Aus­ga­be inkl. Anto­lin-Quiz
Ab 5 Jah­re
ISBN 978−3−480−23570−4

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 5 von 5.


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H. P. Lovecraft: Cthulhus Ruf [Rezension]

Von einem uralten Wesen in den Tiefen dieser Welt, das ruht und wartet. 

Die Ahnung von etwas Uralten, Mons­trö­sen erfüllt die Geschich­te ›Cthul­hus Ruf‹. Ist es zu Beginn noch der plötz­li­che Tod des Onkels des Icher­zäh­lers, der Rät­sel auf­gibt, ver­dich­tet sich das düs­te­re Netz aus Geheim­nis­sen und Vor­ah­nun­gen bald. 

Im Nach­lass des Onkels, einem ange­se­he­nen Pro­fes­sor, stößt der Icher­zäh­ler auf Auf­zeich­nun­gen und Unter­la­gen, die Zwei­fel am natür­li­chen Tod sei­nes Onkels auf­kom­men las­sen. Doch was war es, dem der Pro­fes­sor noch bis kurz vor sei­nem Able­ben auf der Spur war? Und war­um hat er davon nichts gewusst?

Der Icher­zäh­ler von ›Cthul­hus Ruf‹ kämpft mit sich und sei­ner Wahr­neh­mung der Welt. Er will ratio­na­le Erklä­run­gen fin­den, die Geheim­nis­se sei­nes Onkels auf Betrug ande­rer zurück­füh­ren, doch je tie­fer er sich in sei­ne Nach­for­schun­gen begibt, des­to stär­ker wird das Gefühl des lau­ern­den Grau­en­haf­ten. Uralte Ritua­le und mons­trö­se Anru­fun­gen, nicht nur in der Fer­ne, son­dern Tief im Her­zen des mensch­li­chen Bewusstseins.

»Ein Fall, dem sich die Anmer­kun­gen mit Nach­druck wid­me­ten, war tra­gisch.
Die betref­fen­de Per­son, ein sehr bekann­ter Archi­tekt mit Inter­es­se an Theo­so­phie und Okkul­tis­mus, wur­de am glei­chen Tag wie Wil­cox von hef­ti­gem Wahn­sinn befal­len und starb eini­ge Mona­te spä­ter nach end­lo­sem Schrei­en, jemand möge ihn doch vor den aus­ge­bro­che­nen Bewoh­nern der Höl­le retten.«

Mehr und mehr dunk­le Geheim­nis­se kreu­zen sei­ne Nach­for­schun­gen. In den unter­schied­lichs­ten Tei­len der Welt stößt er auf wei­te­re Puz­zle­tei­le. Und doch ist kaum jemand übrig, den er direkt befra­gen könn­te. Mys­te­riö­se Todes­fäl­le und Ver­schwin­den säu­men den Weg. Und wie berich­tet man etwas, das nie­mand zu glau­ben bereit ist? Love­craft zieht Leser und Lese­rin­nen sub­til und unter­schwel­lig in die Abgrün­de sei­ner Geschich­te. Sei­te für Sei­te ver­dich­tet sich eine Geschich­te, die unter die Haut geht.

»Es war ein Poli­zist aus New Orleans namens John Ray­mond Legras­se.
Er brach­te den Gegen­stand mit, um des­sent­wil­len er gekom­men war – eine gro­tes­ke, unge­heu­er­lich absto­ßen­de und augen­schein­lich sehr alte Stein­sta­tu­et­te, deren Ursprung er nicht zu bestim­men vermochte.«

Cthul­hus Ruf‹ ist mit Abstand die berühm­tes­te Erzäh­lung H. P. Love­crafts, die natür­lich auch in ›Die bes­ten Geschich­ten‹ von H. P. Love­craft nicht fehlt. Zum Teil jedoch auch in der Zeit des Autors ver­haf­tet ist.

Doch die Abbil­dun­gen von Fran­çois Bar­an­ger machen die­se Aus­ga­be von ›Cthul­hus Ruf‹ nicht nur zu etwas Beson­de­rem, son­dern zu einem Schatz in Buch­ge­stalt. Dun­kel, düs­ter und atmo­sphä­risch fan­gen sie das Unbe­ha­gen und die Ahnun­gen ein, die zwi­schen Love­crafts Zei­len lau­ern. Jede Dop­pel­sei­te ist ein Kunst­werk für sich, die Love­crafts Welt ernst nimmt. 

Fazit zu ›Cthulhus Ruf

Love­crafts ›Cthul­hus Ruf‹ ist düs­ter, atmo­sphä­risch und unglaub­lich span­nend. Der Icher­zäh­ler ist greif­bar, ver­sucht dem Unfass­ba­ren mit Ratio­na­li­tät und Fas­sung zu begeg­nen und erbaut dadurch eine Brü­cke für den Leser in die Welt von ›Cthul­hus Ruf‹.

Die­se Aus­ga­be der berühm­ten Erzäh­lung ›Cthul­hus Ruf‹ ist nicht nur für Love­craft-Ken­ner eine Emp­feh­lung – Fran­çois Bar­an­gers Abbil­dun­gen soll­ten sie sich nicht ent­ge­hen las­sen. Auch für den Love­craft-Neu­ling ist die­se schau­rig-schö­ne und biblio­phi­le Aus­ga­be eine wun­der­ba­re Ein­la­dung in die Welt von Love­craft und Cthulhu. 

»›In sei­nem Haus in R’lyeh
war­tet träu­mend der tote Cthulhu.‹«

Buchinfo

H. P. Love­craft:
Cthul­hus Ruf

Hey­ne, Mün­chen 2020
64 S., EUR (D) 25,- inkl. MwSt.
Mit 64 far­bi­gen Abbil­dun­gen von Fran­çois Bar­an­ger
Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−453−53498−8

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Hajime Isayama: Attack on Titan Deluxe Edition Band 7 [Rezension]

Die Geheimnisse der Verstorbenen. 

Weni­ge Jah­re sind ver­gan­gen seit der Bezirk Shi­ganshi­na an die Tita­nen gefal­len ist. Hun­der­te star­ben, mehr noch durch die Hun­gers­nö­te, die auf­ka­men, weil sich immer mehr Men­schen hin­ter die inners­ten Mau­ern dräng­ten. Eren, Mika­sa und Armin haben an die­sem Tag fast alles ver­lo­ren. Nur ein­an­der haben sie in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ noch.

Und nun sol­len die drei end­lich dort­hin zurück­keh­ren, wo sie einst als Kin­der zusam­men leb­ten. Die Häu­ser sind Rui­nen, die Men­schen nur noch Erin­ne­rung. Pas­send scheint es, dass sie dort aus­ge­rech­net den bei­den Tita­nen gegen­über­ste­hen sol­len, die einst die Mau­er durch­bra­chen und damit das Leben in Shi­ganshi­na auslöschten. 

Die letz­te Hoff­nung des Auf­klä­rungs­trupps und der Men­schen liegt in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ in dem, was sie im Kel­ler­raum von Erens Vater zu fin­den hof­fen. Hat sich die Geschich­te in ›Attack on Titan‹ bis­her aus ein­zel­nen Puz­zle­tei­len bil­den müs­sen, wird sie nun zu einer voll­stän­di­gen Geschichte.

»Und doch fla­ckert in mei­nem Kopf immer wie­der der Gedan­ke an die­sen Kel­ler­raum auf. Selbst wenn die Mis­si­on fehl­schlägt, könn­te ich es vor mei­nem Tod noch dahin schaf­fen. In den Kel­ler­raum, den Gri­sha Jäger hin­ter­las­sen hat, die Wahr­heit über die­se Welt.«

Sie suchen nach der Wahr­heit über eine Welt, die sich durch ihre Grau­sam­keit aus­zeich­net. Eine Welt, in der Men­schen zu Nah­rung gewor­den sind. ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ knüpft direkt an die Gescheh­nis­se aus ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 6‹ an. Die Men­schen hin­ter den Mau­ern ste­hen mit dem Rücken an der Wand und wis­sen noch immer nicht warum.

Isaya­ma gelingt es, mit dem Man­ga und Ani­me ›Attack on Titan‹ eine Geschich­te zu erschaf­fen, deren Geheim­nis­se von eben­so vie­len Schich­ten umschlos­sen sind, wie die Men­schen in ihren Mau­ern. Mitt­ler­wei­le ist zwar die Iden­ti­tät des kolos­sa­len und des gepan­zer­ten Tita­nen gelüf­tet, auch über die Wand­ler­ti­ta­nen ist mehr bekannt, doch gibt es auch in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ noch tie­fer lie­gen­de Geheim­nis­se zu entdecken.

Wer glaubt, was der Auf­klä­rungs­trupp im Kel­ler von Erens Vater fin­det, ist die Ant­wort auf alles, täuscht sich: Es ist ein Anfang. Eine Schicht des Geheim­nis­ses wird durch­sto­ßen, der Leser dringt tie­fer zum Kern vor, doch noch immer blei­ben Fra­gen offen.

Isaya­ma gelingt es, die zu ent­de­cken­den Geheim­nis­se so mit der Geschich­te und den Hand­lun­gen zu ver­we­ben, dass alles, was ent­deckt wird, über­ra­schend ist und zugleich Sinn ergibt. Die Geheim­nis­se sind in der Geschich­te tief ver­an­kert, ihre auf­ge­scho­be­ne Auf­lö­sung ist kei­ne blo­ße Hin­hal­te­tak­tik, son­dern der Kern. So ahnungs­los wie Eren und sei­ne Kame­ra­den sind, so ist es auch der Leser.

»Kannst du sie auch sehen … all unse­re Kame­ra­den … ? Unse­re Kame­ra­den sehen uns an. Sie wol­len end­lich wis­sen, wofür sie gestor­ben sind. «

Fazit zu ›Attack on Titan Deluxe Edition Band 7

Und die Ant­wor­ten, die in ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 7‹ gefun­den wer­den, sind nie ein­fach. Die anfäng­li­che Schwarz-Weiß-Zeich­nung der Men­schen gegen die Tita­nen wird auf­ge­löst und ver­wischt. Wer glaubt, gezeich­ne­te Geschich­ten sind für Kin­der, der hat ›Attack on Titan‹ noch nicht gele­sen. Die­ser Man­ga geht unter die Haut, sprüht vor Span­nung und Abgründen. 

Doch trotz der her­ben Rück­schlä­ge, die Eren und sei­ne Freun­de erfah­ren haben, hören sie nicht auf. Sie alle haben schon zu viel ver­lo­ren, um auf­zu­hö­ren. Selbst hin­ter den Mau­ern sind sie nicht mehr sicher, was Jahr­zehn­te­lang galt, ist nich­tig gewor­den. ›Attack on Titan‹ bie­tet eine jener Geschich­ten, über die gespro­chen wer­den muss. Ich bin schon sehr gespannt auf ›Attack on Titan Delu­xe Edi­ti­on Band 8‹ und auf alle wei­te­ren Bände.

Buchinfo

Haji­me Isaya­ma:
Attack on Titan Delu­xe 7
beinhal­tet die Bän­de 19–21
über­setzt von Clau­dia Peter
Carl­sen, Ham­burg 2020
568 S., EUR (D) 25,00 inkl. MwSt.
Hard­co­ver, Man­ga
Ab 16 Jah­ren
ISBN 978−3−551−74109−7

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Leigh Bardugo: Die Sprache der Dornen [Rezension]

Die Magie des Märchenerzählens. 

Ob Hexen, Bes­ti­en oder Meer­jung­frau­en: Auch die Mär­chen in ›Die Spra­che der Dor­nen‹ ken­nen die­se Geschöp­fe, die aus den Mär­chen der Kind­heit ver­traut aufblicken. 

Doch wer Leigh Bar­d­u­gos Roma­ne über ›Die Legen­den der Gri­sha‹, die Dilo­gien ›Glo­ry or Gra­ve‹ oder ›Thron aus Gold und Asche‹ kennt, ahnt, was sich hin­ter den Hexen und Magi­ern die­ses Buches ver­ber­gen könn­te. Doch auch ohne sie zu ken­nen – den sechs ver­schie­de­nen Mit­ter­nachts­ge­schich­ten haf­tet etwas so uner­klär­lich Magi­sches an, dass man stau­nen kann. Obwohl die Geschich­ten vol­ler Magie und unheim­li­cher Figu­ren sind, sind sie zugleich vol­ler Mensch­lich­keit und mensch­li­cher Abgründe. 

Wun­der­schö­ne Illus­tra­tio­nen schmü­cken nicht nur den Sei­ten­rand aller Geschich­ten. Am Ende jeder Erzäh­lung erwar­tet den Leser oder die Lese­rin eine dop­pel­sei­ti­ge Illus­tra­ti­on, die die Atmo­sphä­re der Geschich­ten per­fekt ein­zu­fan­gen weiß. 

Und wäh­rend in man­chen Geschich­ten unauf­fäl­lig Gestal­ten war­ten, die man aus Leigh Bar­d­u­gos Geschich­ten kennt, sind die Anspie­lun­gen an und Fort­füh­run­gen von klas­si­schen Erzäh­lun­gen und Mär­chen vielfältig. 

»In dem Jahr, in dem der Som­mer zu lan­ge blieb, lag die Hit­ze schwer wie ein Leich­nam auf der Prä­rie. Das hohe Gras ver­brann­te unter der unbarm­her­zi­gen Son­ne, und die Tie­re fie­len tot auf den aus­ge­dörr­ten Fel­dern um. In die­sem Jahr waren nur die Flie­gen glück­lich, und Sor­gen kamen über die Köni­gin des west­li­chen Tales.«

Bar­d­u­gos Mit­ter­nachts­ge­schich­ten in ›Die Spra­che der Dor­nen‹ sind ver­mut­lich nicht nur für Gri­sha-Fans ein Genuss. Wer eine Schwä­che für Erzäh­lun­gen mit mär­chen­haf­ten Ele­men­ten hat, kann ihren getrost eine Chan­ce geben. Die Spra­che der Autorin ist düs­ter und stim­mungs­voll. Ihre Figu­ren sind oft eben­so wun­der­schön wie abscheu­lich, wäh­rend die Prin­zes­sin­nen ihrer Geschich­ten sicher­lich nicht nur dar­auf war­ten, dass ein Prinz in glän­zen­der Rüs­tung sie rettet.

»Nie­mand in der Stadt konn­te bestrei­ten, dass Kimas Eltern geseg­net wor­den waren mit ihrer Geburt, denn sie war gewiss dazu bestimmt, einen rei­chen Mann zu hei­ra­ten – viel­leicht sogar einen Prin­zen – und ihnen so Glück zu brin­gen. Doch dann, kaum ein Jahr spä­ter, kam ihre zwei­te Toch­ter auf die Welt, und die Göt­ter lachten.«

Fazit zu ›Die Sprache der Dornen

Bar­d­u­gos Geschich­ten blei­ben im Gedächt­nis. Ihre Prot­ago­nis­ten und Prot­ago­nis­tin­nen sind las­sen sich nicht unter­krie­gen, ganz gleich, ob sie für oder gegen Fami­lie, Freun­de oder sich selbst kämp­fen. Wer also noch eine Geschich­te für Mit­ter­nacht braucht, könn­te hier fün­dig werden.

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
Die Spra­che der Dor­nen
Mit­ter­nachts­ge­schich­ten
Über­setzt von: Michel­le Gyo
Knaur, Mün­chen 2018
288 S., EUR (D) 16,- inkl. MwSt.
Gebun­den
ISBN 978−3−426−22679−7

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Marie Kondo/Scott Sonenshein: Joy at Work [Rezension]

Ein aufgeräumter Arbeitsplatz und andere Zaubertricks. 

Die ›Kon­Ma­ri-Metho­de‹ am Arbeits­platz – heißt das, man räumt mit ›Joy at Work‹ sei­nen Schreib­tisch auf und voilà? 

Spä­tes­tens wenn man an E‑Mails, Mee­tings oder Kon­tak­te denkt, ist klar, dass damit die Arbeit nicht getan ist: Den­noch, das Auf­räu­men der mate­ri­el­len Bestand­tei­le des Berufs bil­det einen per­fek­ten ers­ten Schritt auf dem Weg zu einem Arbeits­platz, an dem man sich wohl­füh­len kann.

Wer Marie Kon­dos ›Kon­Ma­ri-Metho­de‹ kennt, viel­leicht sogar ›Magic Clea­ning‹ gele­sen hat, den dürf­ten die Grund­la­gen des Auf­räu­mens am Arbeits­platz in ›Joy at Work‹ nicht über­ra­schen: nach Kate­go­rien getrennt, in einem Rutsch und an der Fra­ge ori­en­tiert, was Freu­de ent­facht. Zuge­ge­ben, am Arbeits­platz tum­meln sich zumeist sel­te­ner Ber­ge an Klei­dung oder Küchen­uten­si­li­en, dafür umso häu­fi­ger Doku­men­te, E‑Mails oder erschöp­fen­de Besprechungen.

»Das Ziel der in die­sem Buch vor­ge­stell­ten Metho­de besteht nicht nur dar­in, am Ende an einem hübsch auf­ge­räum­ten Schreib­tisch zu sit­zen, son­dern durch das Auf­räu­men mit sich selbst ins Gespräch zu kom­men – zu ent­de­cken, was Sie wert­schät­zen, indem Sie erfor­schen, war­um Sie eigent­lich arbei­ten und wel­che Art Arbeit Sie sich wünschen.«

Wie wun­der­bar sich Marie Kon­dos Auf­räum-Metho­de mit dem Arbeits­le­ben ver­bin­den lässt, zeigt ›Joy at Work‹. Für die­ses Buch haben sich die Auf­räumspe­zia­lis­tin Marie Kon­do und der Exper­te für Unter­neh­mens­or­ga­ni­sa­ti­on Scott Sonen­s­hein zusam­men getan. Und das Ergeb­nis kann sich sehen las­sen: Die Metho­den und Fähig­kei­ten des Autoren­du­os ergän­zen sich hervorragend.

Einen Werk­zeug­kof­fer vol­ler Tech­ni­ken haben Sonen­s­hein und Kon­do mit­ge­bracht: Ganz gleich, ob es sich um digi­ta­le Daten, Pro­ble­me mit der Ent­schei­dungs­fin­dung oder der Team­ar­beit geht. Mit Offen­heit und einer Men­ge Kar­tei­kar­ten kann es ans Werk gehen. Wie groß der Unter­schied sein kann, den ein Freu­de spen­den­der Arbeits­platz schafft, ist spä­tes­tens dann klar, wenn man dar­über nach­denkt, wie vie­le Stun­den man durch­schnitt­lich auf der Arbeit verbringt.

»Der Schlüs­sel zu mehr Freu­de bei der Arbeit liegt dar­in, mehr Zeit in Tätig­kei­ten zu inves­tie­ren, die Spaß machen, und weni­ger in sol­che, die es nicht tun.«

Fazit zu ›Joy at Work

Und wenn man bedenkt, wie oft man nach einem bestimm­ten Doku­ment sucht, das man doch letz­tens noch hat­te, was bei den wenigs­ten Hoch­ge­füh­le aus­löst, ist es viel­leicht einen Ver­such wert, dem Buch ›Joy at Work‹ eine Chan­ce geschrieben. 

Ein fri­scher Schreib­stil, wis­sen­schaft­li­che Quel­len und ein sym­pa­thi­sches Autoren­duo mit einer Men­ge Berufs­er­fah­rung laden dazu ein, zukünf­tig viel­leicht mehr Freu­de am Arbeits­platz zu fin­den: Einen Ver­such ist es alle­mal wert.

Buchinfo

Marie Kondo/Scott Sonen­s­hein:
Joy at Work

Auf­ge­räumt und erfolg­reich im
Arbeits­le­ben
Magic Clea­ning fürs Büro
über­setzt von: Antoi­net­te Git­tin­ger;
Ursu­la Pesch; Rita Gra­vert; Kat­ja Hald
Rowohlt, Ham­burg 2020
256 S., EUR (D) 14,99 inkl. MwSt.
Ebook
ISBN 978−3−644−00604−1

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Friedrich Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame [Rezension]

Die Sünden der Vergangenheit. 

Wer sich nicht unbe­dingt freut, dem Ex-Freund oder der Ex-Freun­din über den Weg zu lau­fen, der wird mit Alfred Ill in ›Der Besuch der alten Dame‹ mit­füh­len kön­nen. Vor allem, wenn der oder die Ex in der Zwi­schen­zeit stein­reich gewor­den ist und man selbst kei­nen so luxu­riö­sen Wer­de­gang vor­wei­sen kann. 

Der Ort Gül­len, in dem Alfred Ill lebt, ist wirt­schaft­lich am Ende. Doch die Bewoh­ner sind über­zeugt, dass finan­zi­el­le Hil­fe von Alfreds Ex-Freun­din, die in ihren jun­gen Jah­ren eben­falls im Ort gelebt hat, aus­rei­chen wür­de, um wie­der in Schwung zu kommen. 

Und klingt es dabei nicht nach einer guten Idee, dass Alfred sei­ne ehe­ma­li­ge Ver­bun­den­heit zu Clai­re nutzt – immer­hin ist die Tren­nung lan­ge her –, um die Mög­lich­keit auf das Geld zu steigern?

»Vom Städt­chen her der Bür­ger­meis­ter, der Leh­rer, der Pfar­rer und Ill, ein Mann von fast fünf­und­sech­zig Jah­ren, alle schä­big gekleidet.«

Bei ihren Plä­nen schei­nen die Damen und Her­ren von Gül­len jedoch nicht bedacht zu haben, dass die nun rei­che Clai­re Zachanas­si­an ihren Geburts­ort damals nicht ohne Grund ver­las­sen hat.

Und wäh­ren die Bewoh­ner von Gül­len sich durch Clai­re finan­zi­el­le Mit­tel erhof­fen, hat Clai­re eige­ne Vor­stel­lun­gen davon, wie der Ort wie­der blü­hen könn­te. Die Bewoh­ner von Gül­len müs­sen sich in ›Der Besuch der alten Dame‹ der Ent­schei­dung stel­len, wie weit sie bereit sind zu gehen.

»Du woll­test, daß die Zeit auf­ge­ho­ben wür­de, eben, im Wald unse­rer Jugend, voll von Ver­gäng­lich­keit. Nun habe ich sie auf­ge­ho­ben, und nun will ich Gerech­tig­keit, Gerech­tig­keit für eine Milliarde.«

Als Dür­ren­matt 1956 ›Der Besuch der alten Dame‹ ver­öf­fent­lich­te, selbst noch in sei­nen 30ern, war das Stück über­aus erfolg­reich. Mit dem Unter­ti­tel ›Tra­gi­sche Komö­die‹ ver­se­hen, ver­fügt es über bei­de Ele­men­te. Die Tra­gik, die sich in der Gestalt von Clai­res und Ills gemein­sa­mer Ver­gan­gen­heit über die Stadt legt, und nur für die bei­den wirk­lich begreif­bar scheint. Eine Komik, da die ande­ren Bewoh­ner Gül­lens, sich schon an den Gedan­ken einer Mil­li­ar­de zu gewöh­nen schei­nen, bevor die Vor­aus­set­zun­gen dafür geschaf­fen sind.

Wäh­rend die Lösung für Gül­len zu Beginn des Dra­mas ›Der Besuch der alten Dame‹ auf der Hand zu lie­gen scheint, wird bald deut­lich, dass der Ort nicht nur wirt­schaft­li­che Pro­ble­me hat. Dür­ren­matt denkt sei­ne Stü­cke und Geschich­ten strikt zu Ende. Die Wun­den und die Schuld sei­ner Cha­rak­te­re sit­zen tief.

Fazit zu ›Der Besuch der alten Dame

Dür­ren­matts Dra­men zeich­nen sich durch ori­gi­nel­le Ideen, Tie­fe und Kür­ze aus. Kaum ein Wort scheint belang­los, alles arbei­tet auf den Höhe­punkt zu. Auch 30 Jah­re nach dem Tod des Schrift­stel­lers über­zeu­gen sei­ne Stü­cke und soll­ten unbe­dingt gele­sen wer­den. Mehr zu Klas­si­kern fin­det sich in mei­nem Post ›Klas­si­ker, die mich wirk­lich über­rascht haben‹.

Buchinfo

Fried­rich Dür­ren­matt:
Der Besuch der alten Dame

Tra­gi­sche Komö­die
Dio­ge­nes, Zürich 1998 (1956)
160 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Taschen­buch
ISBN 978−3−257−23045−1

Lust bekom­men?

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