Archiv der Kategorie: 4 Sterne

Ekstedt & Ennart: Noch mehr Happy Food [Rezension]

14 neue Kapitel, 50 Rezepte und jede Menge Wissenswertes. 

Fast 40 Rezep­te gibt es in ›Hap­py Food‹ zu ent­de­cken, ›Noch mehr Hap­py Food‹ erfreut nun mit 50 wei­te­ren, neu­en und lecke­ren Rezep­ten. Ob Lin­sen-Wild­bret-Bolo­gne­se mit Weiß­kohl­nu­deln, Avo­cad­o­hälf­ten mit Lachs und Chi­li oder Man­gold mit Knob­lauch, But­ter und Hasel­nüs­sen – bei ›Noch mehr Hap­py Food‹ ist wohl für jeden Geschmack etwas dabei.

Und das bes­te? Die Rezep­te aus ›Hap­py Food‹ und ›Noch mehr Hap­py Food‹ sind nicht nur super lecker, sie sind auch super gesund. Und zwar nicht nur für den Kör­per, son­dern damit zusam­men­hän­gend auch für den Kopf. Um dies zu errei­chen haben sich der schwe­di­sche Ster­ne­koch Niklas Eks­tedt und der Jour­na­list und Autor Hen­rik Ennart zusam­men­ge­tan und das Ergeb­nis kann sich sehen lassen.

Noch mehr Hap­py Food‹ ist voll von tol­len Rezep­ten, Tipps, Hin­ter­grund­in­for­ma­tio­nen und tol­len Foto­gra­fien. Doch ›Hap­py Food‹ und ›Noch mehr Hap­py Food‹ ist kein gewöhn­li­ches Koch­buch. In ers­ter Linie ist es voll von Wis­sen, inter­es­san­ten Kapi­teln und der Aus­wer­tung aktu­el­ler For­schungs­er­geb­nis­se. Die Rezep­te sind dafür da, um die­ses Wis­sen mög­lichst ein­fach und effi­zi­ent in die Pra­xis umset­zen zu kön­nen. Rund­um gesun­des Essen hat sel­ten bes­ser ausgesehen. 

»Glück­li­cher­wei­se ist das Essen, das die See­le beru­higt, auch genau das, was sich für Umwelt und Kli­ma, die bio­lo­gi­sche Viel­falt, eine dau­er­haf­te Lebens­mit­tel­ver­sor­gung, das Tier­wohl und nicht zuletzt auch für unser Herz und den übri­gen Kör­per als das Bes­te erwie­sen hat. Eine klas­si­sche Win-win-Situa­ti­on also, die oben­drein noch rich­tig gut schmeckt.«

Wer ›Hap­py Food‹ und ›Noch mehr Hap­py Food‹ kennt, für den ist das The­ma Darm­flo­ra sicher­lich kein unbe­schrie­be­nes Blatt mehr. Denn was genau macht der Darm mit den Din­gen, die wir essen, und wie steht das in Ver­bin­dung mit unse­rem Gehirn? Wie kön­nen wir durch unse­re Ernäh­rung unse­ren Kör­per opti­mal dabei unter­stüt­zen, über­all genau die Nähr­stof­fe hin­zu­be­kom­men, die er braucht?

In den letz­ten Jah­ren war die For­schung rund um das The­ma Darm­flo­ra, Bak­te­ri­en und Ernäh­rung sehr flei­ßig. Sie hat vie­le neue Erkennt­nis­se zuta­ge geför­dert und altes Wis­sen aus der Ver­ges­sen­heit gezogen.

»Seit dem Erschei­nen unse­res vor­he­ri­gen Buchs Hap­py Food im Jahr 2017 sind mehr als 10000 neue For­schungs­stu­di­en dar­über ver­öf­fent­licht wor­den, wie unse­re Bak­te­ri­en uns in unse­ren tiefs­ten Tie­fen beeinflussen.«

Den Stein ins Rol­len gebracht hat für mich bei der Fra­ge, wie wir durch Ernäh­rung unse­ren Kör­per und Geist am bes­ten unter­stüt­zen, ›Reset your Body‹. Auch ›Darm mit Charme‹ habe ich sehr ger­ne gele­sen und war ver­blüfft, was der Darm so alles kann. Es über­rascht also nicht, dass ich auch ›Hap­py Food‹ und ›Noch mehr Hap­py Food‹ in die Hän­de bekom­men musste. 

Dass die Ernäh­rung sich auf die kör­per­li­che Gesund­heit aus­wirkt, dürf­te weni­ge über­ra­schen. Wie stark der Ein­fluss der Ernäh­rung laut ›Hap­py Food‹ und ›Noch mehr Hap­py Food‹ auf unse­re geis­ti­ge und psy­chi­sche Gesund­heit hin­ge­gen ist, wohl schon eher.

»Natür­lich ist die Ernäh­rung nicht der ein­zi­ge Fak­tor für eine gute Gesund­heit – ein sozia­les Netz, das Gefühl, etwas Sinn­vol­les zu tun, Sport und eine gesun­de Umwelt sind ande­re –, aber sie ist ein gro­ßes und wich­ti­ges Puz­zle­teil, das man lan­ge über­se­hen hat.«

Fazit zu ›Noch mehr Happy Food

Lecke­re und ansehn­li­che Rezep­te, die auf aktu­el­len wis­sen­schaft­li­chen Erkennt­nis­sen beru­hen und sowohl für den Men­schen als auch für die Umwelt gut sind. Das klingt doch so, als könn­te man es ein­fach mal aus­pro­bie­ren, oder?

Buchinfo

Niklas Eks­tedt & Hen­rik Ennart:
Noch mehr Hap­py Food

Glück­li­che Men­schen essen bunt
süd­west, Mün­chen 2019
256 S., EUR (D) 22,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
ISBN 978−3−517−09869−2

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Margaret Owen: Krähenzauber [Rezension]

Von alten Sünden und vergangenen Königen. 

Der jun­gen Flü­gel­her­rin Stur ist im ers­ten Band der ›Die zwölf Kas­ten von Sabor‹-Dilo­gie ›Kno­chen­die­bin‹ etwas gelun­gen, das viel­leicht noch kei­ner Krä­he vor ihr geglückt ist. Einen Habicht und einen Phö­nix für den Schutz der Krä­hen-Kas­te zu gewinnen.

Doch dabei han­delt es sich nicht um irgend­ei­nen Habicht und irgend­ei­nen Phö­nix, son­dern um den Thron­fol­ger Jasi­mir und des­sen Leib­wäch­ter Tavin, die natür­lich auch in ›Krä­hen­zau­ber‹ zen­tral sind. Da Jasi­mir nur mit Mühe meh­re­re Gift­an­schlä­ge durch die neue Frau sei­nes Vaters über­lebt hat, täuscht er sei­nen eige­nen Tod durch die Sün­den­seu­che vor, um aus dem Palast zu ent­kom­men. Ein aus der Not gebo­re­ner Bahn, der die bei­den hoch­ge­bo­re­nen jun­gen Män­ner für eine Zeit auf den Wegen der Krä­hen wan­deln lässt und sie denn Hass und die Ver­zweif­lung am eige­nen Leib spü­ren lässt, denen die Krä­hen jeden Tag aus­ge­setzt sind.

Ein Eid zwi­schen ihrem Pah und dem Thron­fol­ger besie­gelt das Schick­sal der Krä­hen: Wenn Pah und Stur Jasi­mir hel­fen, wer­den die Krä­hen zukünf­tig unter dem Schutz der Habich­te ste­hen. Doch die Vor­ur­tei­le gegen die Krä­hen sit­zen tief, noch immer beherrscht die Sün­den­seu­che das Land. Und der Eid wäre wohl unter einem schlech­te­ren Stern gestan­den, wenn es Stur nicht gelun­gen wäre, an Phö­ni­x­zäh­ne zu gelan­gen. Ein Werk­zeug, das ihr die Macht über das Feu­er ver­leiht. Und zugleich ein Werk­zeug, das sie brau­chen wird, um ihre Rot­te gegen Hautghu­le, Haut­he­xen und Ole­an­der-Jun­ker zu beschüt­zen und den Eid zu wahren.

»Dann blick­te sie Stur in die Augen, plötz­lich bit­ter­ernst. ›Ich kann dir dei­ne Geschich­te nicht erzäh­len, klei­ne Göt­tin. Ein Leben ums ande­re hast du ver­sagt, und es war stets am schlimms­ten, wenn ich dir gesagt habe, wonach du suchen sollst.‹«

Doch auch als Stur im ers­ten Band das Unmög­li­che gelun­gen scheint, sind die Krä­hen noch nicht geret­tet. Denn nach­dem Stur ihren Teil der Ver­ein­ba­rung ein­ge­hal­ten hat, kann sie in ›Krä­hen­zau­ber‹ nur hof­fen, dass Jasi­mir und Tavin sich auch an ihren Teil der Abma­chung hal­ten. Doch der eng­li­sche Ori­gi­nal­ti­tel des zwei­ten Ban­des – ›The Faith­less Hawk‹ – lässt bereits erah­nen, dass dies nicht so leicht wer­den wird.

Sabor ist ein Reich, in dem eine Gesell­schaft herrscht, die so lan­ge davon gelebt haben, die Krä­hen zu unter­drü­cken und zu ver­ach­ten, dass es Teil ihrer Grund­fes­ten gewor­den ist. Und nur weni­ge Nicht-Krä­hen wol­len, dass sich dar­an etwas ändert. Doch auch von Sturs wirk­li­chen Ver­bün­de­ten, kön­nen man­che nicht an ihrer Sei­te bleiben.

»Die Hai­ne erkann­ten Pah, sogar in die­sem Leben. Und sie hie­ßen ihn will­kom­men.
Dies war sein Zuhau­se, und schreck­li­cher­wei­se nur seins.«

Ein Ver­rat lässt die unheil­vol­len Gescheh­nis­se in ›Krä­hen­zau­ber‹ ihren Lauf neh­men. Nur knapp ent­kommt Stur mit ihrem Leben, da sie Rhu­sa­na mehr als nur ein Dorn im Auge ist. 

Zugleich kämp­fen bald uner­war­te­te Ver­bün­de­te an Sturs Sei­te, die zum Teil aus dem ers­ten Band noch gut bekannt sind. Mit ihrer Hil­fe gelingt es Stur zwar in den Königs­pa­last zu kom­men, doch ist dies sicher­lich nicht der sichers­te Ort für eine ein­zel­ne Krä­he – vor allem einer, die sich bei der Köni­gin bereits unbe­liebt gemacht hat. 

Doch nicht nur für Stur und ihre Rot­te bre­chen dunk­le Zei­ten an. Auch Sabor ver­sinkt mehr und mehr in der Sün­den­seu­che. Städ­te und Dör­fer wol­len die Krä­hen nicht mehr hin­ein­las­sen, um sich um die Infi­zier­ten zu küm­mern. Unge­bremst brei­tet sich die Seu­che somit wei­ter aus und ver­schlingt bald gan­ze Orte, bis kei­ne Mög­lich­keit mehr bleibt, als den gan­zen Ort niederzubrennen. 

Foto: pri­vat.

»›Ich hät­te vor­aus­den­ken kön­nen, ich hät­te mich opfern kön­nen, um [dei­ne Mut­ter] zu ret­ten, aber es waren die Ole­an­der-Jun­ker, die beschlos­sen haben, Jagd auf uns zu machen. Mei­ne Sün­den waren die eines neu­en Flü­gel­herrn. Also war­um kannst du mir ver­ge­ben und dir selbst nicht?‹«

Fazit zu ›Krähenzauber

Krä­hen­zau­ber‹ nimmt schnell an Fahrt auf und geht genau­so span­nend wei­ter, wie ›Kno­chen­die­bin‹ geen­det hat. Mit Stur ist Mar­ga­ret Owen eine wun­der­ba­re, star­ke und klu­ge Prot­ago­nis­tin gelun­gen. Auch Sturs Rot­te wächst von Sei­te zu Sei­te mehr ans Herz. 

Die Atmo­sphä­re ist geheim­nis­voll-düs­ter, der Schreib­stil dicht und packend. Wäh­rend Owen mit Stur, Pah, Tavin und Jasi­mir wun­der­bar facet­ten­rei­che Cha­rak­te­re gelin­gen, bleibt die Gegen­sei­te lei­der etwas blass, deren Han­deln vor allem durch einen Wunsch nach Macht moti­viert scheint. ›Krä­hen­zau­ber‹ ist span­nend und schlüs­sig, doch kann er lei­der nicht ganz mit dem ers­ten Band mit­hal­ten. Den­noch ist die Dilo­gie ›Die zwölf Kas­ten von Sabor‹ defi­ni­tiv mehr als lesenswert!

Buchinfo

Mar­ga­ret Owen:
Krä­hen­zau­ber

Die zwölf Kas­ten von Sabor, Band 2
Über­setzt von: Bir­git Maria Pfaf­fin­ger & Ulri­ke Brauns
Carl­sen, Ham­burg 2020
416 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−58406−9

Rezen­si­on erst­mals erschie­nen auf Liz­zy­Net

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Julian Auringer (Hrsg.): Rot wie Blut. Grausige Märchen und Sagen [Rezension]

Und sie lebten glücklich bis ans Ende ihrer Tage? 

Dass Mär­chen nicht in ers­ter Linie für Kin­der gesam­melt und geschrie­ben wor­den sind, zeigt sich in ›Rot wie Blut‹ sehr deut­lich. Eben­so, wie weit die ursprüng­li­che­ren Ver­sio­nen der Mär­chen und das, was heu­te noch von ihnen erin­nert wird, auseinanderliegen. 

Ob es das Mär­chen um König Dros­sel­bart ist, Dorn­rös­chen, Rapun­zel oder Rot­käpp­chen: Die Mär­chen und Sagen, die Juli­an Aurin­ger in ›Rot wie Blut‹ gesam­melt hat, machen dem Unter­ti­tel des Buches alle Ehre. Nicht nur blu­ti­ger und gro­tes­ker, auch sexua­li­sier­ter erschei­nen diese. 

In ›Rot wie Blut‹ hat Aurin­ger Mär­chen und Sagen nam­haf­ter Autoren und Autorin­nen bezie­hungs­wei­se Samm­lern und Samm­le­rin­nen zusam­men­ge­stellt. Von Giam­bat­tis­ta Basi­le, über Marie-Cathé­ri­ne d’Aulnoy, Charles Per­rault, Chris­ti­an August Vul­pi­us, Karo­li­ne Stahl, den Brü­dern Grimm, Karl Bartsch, Anton Bir­lin­ger, Carl und Theo­dor Cols­horn, Fried­rich Gott­schalck, Johann Hein­rich Leh­nert, Alex­an­der von Ungern-Stern­berg, Adal­bert Kuhn, Ernst Mei­er, Johan­nes Wil­helm Wolf, Karl Müllen­hoff, Ulrich Jahn, Karl Spie­gel bis hin zu Josef Müller.

»Als schon alles am Tische saß, trat plötz­lich noch eine alte Fee ein, die nicht ein­ge­la­den war und die man ver­ges­sen hat­te, weil man seit mehr als hun­dert Jah­ren nichts von ihr wuss­te und sie für tot oder ver­schol­len hielt.«

Das Dorn­rös­chen oder: Die schla­fen­de Schö­ne im Wald‹

So fin­den sich neben eini­gen der sicher­lich bekann­tes­ten Mär­chen und Sagen auch eini­ge, die im Ver­gleich weni­ger bekannt sind. Mehr­fach sind Illus­tra­tio­nen in die Erzäh­lun­gen eingefügt. 

Doch selbst wer ver­gleichs­wei­se mär­chen­fest zu sein glaubt, kann in ›Rot wie Blut‹ an der ein oder ande­ren Stel­le Neu­es erfah­ren. So wird sich zei­gen, was Dorn­rös­chen mit einer Oge­rin zu tun hat und wie Hän­sel und Gre­tel mit See­räu­bern in Ver­bin­dung stehen. 

»Es war ein­mal ein König, der hat­te drei Töch­ter, in sei­nem Hof aber stand ein Brun­nen mit schö­nem kla­rem Was­ser. An einem hei­ßen Som­mer­tag ging die ältes­te hin­un­ter und schöpf­te sich ein Glas voll her­aus, wie sie es aber so ansah und gegen die Son­ne hielt, sah sie, dass es trüb’ war.«

Der Frosch­prinz

Doch Aurin­gers aus­ge­wähl­te Mär­chen und Sagen sind nicht nur grau­sig und blu­tig. Sie sind magisch, bekannt und zugleich fremd. Ihnen haf­tet der Zau­ber einer ver­gan­ge­nen Zeit an, der auch durch Erzäh­len und Wie­der­erzäh­len noch im Gedächt­nis geblie­ben ist.

»Es saß ein­mal eine Köni­gin zur Win­ters­zeit, als drau­ßen Schnee lag, am Fens­ter, und stick­te an einem Tuche, das in einem Rah­men von schwar­zem Eben­holz gespannt war. Da stach sie sich mit der Näh­na­del in den Fin­ger, dass es blu­te­te, und mach­te das Fens­ter auf, und ließ das Blut auf den Schnee tropfen.«

Schnee­witt­chen
Fazit zu ›Rot wie Blut

Die von Juli­an Aurin­ger aus­ge­wähl­ten Mär­chen und Sagen in ›Rot wie Blut‹ hal­ten, was der Titel des Buches ver­spricht. Mehr als ein Dut­zend unter­schied­li­cher Autoren und Autorin­nen haben hier Ein­zug gefun­den und machen ›Rot wie Blut‹ zu einem teils span­nen­den, teils ver­trau­ten Lese­ver­gnü­gen. Wer Mär­chen und Sagen mag, dem könn­ten auch ›Die schöns­ten nor­we­gi­schen Mär­chen‹ und ›Nor­di­sche Mythen und Sagen‹ gefal­len.

Buchinfo

Juli­an Aurin­ger (Hrsg.):
Rot wie Blut

Grau­si­ge Mär­chen und Sagen
Mit Illus­tra­tio­nen aus den Bil­der­bo­gen
des 19. Jahr­hun­derts
Ana­con­da, Mün­chen 2020
256 S., EUR (D) 4,95 inkl. MwSt.
Hard­co­ver
ISBN 978−3−7306−0908−8

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Eveline Helmink: Handbuch für miese Tage [Rezension]

Tipps und Tricks für den Umgang mit (vielleicht doch nicht immer ganz so) miesen Tagen. 

So schön der Umschlag des Buches ›Hand­buch für mie­se Tage‹ anmu­tet, so uner­freu­lich ist oft­mals des­sen The­ma. Manch­mal steht man nicht mit dem rich­ti­gen Bein auf. An ande­ren hin­ge­gen schon, aber irgend­je­mand tritt einem trotz­dem gegen das Schien­bein. Oder in die Knie­keh­le. Oder man steht mit dem rich­ti­gen Fuß auf, die Mit­men­schen sind einem wohl­ge­son­nen, und dann star­tet man vol­ler Eupho­rie und Ener­gie in den Tag und rammt den klei­nen Zeh Freu­de strah­lend gegen die Bett­kan­te. Und plötz­lich ist jede Ener­gie und gute Lau­ne fort. 

Und die­se den klei­nen Zeh hin­ter­häl­tig angrei­fen­den mie­sen Tage sol­len für etwas gut sein? Und was ist mit den Tagen, an denen man sich nicht nur wünscht, man wäre nicht auf­ge­stan­den, son­dern tat­säch­lich nicht aus dem Bett kommt? Gera­de noch die neue Blu­se ange­zo­gen und direkt brü­hend hei­ßen Kaf­fee dar­über gekippt?

Hel­minks ›Hand­buch für mie­se Tage‹ ist eine Lie­bes­er­klä­rung an sie, an die­se Tage, die weder zu einem Hoch­glanz-Leben pas­sen, noch im Lebens­lauf erwähnt wer­den, doch zu etwas zu gebrau­chen sind. Denn was macht man nun mit ihnen, wenn mie­se Tage wie­der unein­ge­la­den vor der Tür ste­hen und sich selbst hineinbitten? 

Das ›Hand­buch für mie­se Tage‹ hat hier­für mehr als nur die eine oder ande­re Idee: Zahl­reich sind die Short­cuts, die Hel­mink zusam­men­ge­stellt hat, um die mie­sen Tage etwas bes­ser zu über­ste­hen, und sie viel­leicht sogar zum Vor­teil zu nutzen.

»Ich bin weder Coach oder Psy­cho­lo­gin noch Dozen­tin – ich inter­es­sie­re mich schon seit jeher für mensch­li­che Ecken und Kan­ten, Unvoll­kom­men­heit und alles rund um die soge­nann­te Resi­li­enz, also das, was man see­li­sche Wider­stands­kraft bezeich­net. Des­halb sehe ich in mir selbst eine Art Cheer­lea­de­rin bei Rück­schlä­ge, Miss­mut und Ungemach.«

Die­se Short­cuts tref­fen vor allem einen Kern des Mensch­li­chen: Es muss nicht alles glän­zen, auch nicht per­fekt ist gut genug, und man ist nicht der ein­zi­ge Mensch auf der Welt, der hin und wie­der von sei­nen mie­sen Tagen erdrückt wird. 

»In einer Zeit, in der wir so ger­ne dar­über spre­chen oder in den sozia­len Netz­wer­ken tei­len, wie gut es uns geht, wie cool das Leben ist und wie bewusst wir das Bes­te aus Kör­per, Geist und See­le machen, scheint es nur wenig Raum für die­se unaus­weich­li­che Wahr­heit zu geben: Jedes mensch­li­che Leben beinhal­tet Tage, die ein­fach nur blöd sind.«

Mit einem Augen­zwin­kern und vie­len Ein­bli­cken in die Tief­punk­te ihres Lebens führt die Autorin durch das ›Hand­buch für mie­se Tage‹. Die­ses ist durch­zo­gen von ganz­sei­ti­gen Abbil­dun­gen mit inspi­rie­ren­den Sprü­chen, die auf den Punkt brin­gen, womit sich die Kapi­tel beschäftigen.

»Mist muss nicht unbe­dingt Sinn ergeben.«

Fazit zu ›Handbuch für miese Tage

So schön und detail­ver­liebt der Umschlag und das Lay­out des Buches ›Hand­buch für mie­se Tage‹ auch sind, so sehr hät­te ich mir gewünscht, dass die Sei­ten weni­ger text­las­tig sind. Durch das gro­ße Sei­ten­for­mat und das ein­spal­ti­ge Lay­out haben die Sei­ten mich manch­mal etwas erschla­gen. Aber das tut dem Inhalt des Buches natür­lich kei­nen Abbruch, der das hält, was bereits das Cover ver­spricht: Es zeigt Mög­lich­kei­ten auf, wie die eige­nen »ungla­mou­rö­sen Tage« betrach­tet wer­den kön­nen und wie auf ein »Ab« ein »Auf« fol­gen kann.

Hel­minks Vor­schlä­ge sind sehr per­sön­lich und von der Autorin bereits erprobt. Nicht jeder Short­cut muss für jeden Leser und jede Lese­rin der rich­ti­ge sein, doch ist bei der umfang­rei­chen Men­ge an Vor­schlä­gen sicher­lich für jeden etwas dabei, das zukünf­tig im Umgang mit den eige­nen mie­sen Tagen erprobt wer­den kann. 

Buchinfo

Eve­li­ne Hel­mink:
Hand­buch für mie­se Tage

Ohne Ab kein Auf: Wie uns die
ungla­mou­rö­sen Tage wei­ter­brin­gen
Über­setzt von Ingrid Oster­mann
Iri­sia­na, Mün­chen 2020
256 S., EUR (D) 22,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
ISBN 978−3−424−15383−5

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Eine Haf­tung der Rezen­sen­tin für Personen‑, Sach- oder Ver­mö­gens­schä­den ist ausgeschlossen.


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Marie Graßhoff: Beta Hearts [Rezension]

Vergessene Sünden, verlorene Erinnerungen. 

Die Welt, die sie kann­ten, gibt es nicht mehr. KAMI hat die Sperr­zo­nen ver­las­sen. Immer mehr Bezir­ke fal­len in ›Beta Hearts‹ dem von Men­schen geschaf­fe­nen Virus zum Opfer, der sei­nen Wir­ten jeg­li­che Emo­tio­nen raubt. 

Denn KAMI lernt, es ent­wi­ckelt sich und ist den Men­schen längst ent­wach­sen. Und in ihm wächst ein Drang her­an, stär­ker noch als der Wunsch, alle Men­schen zu assi­mi­lie­ren: Es will sie ver­ste­hen. Es will wis­sen, war­um sie so han­deln, wie sie han­deln. Es will Emo­tio­nen ver­ste­hen ler­nen. Und es will, dass die Welt in all ihren Far­ben und For­men end­lich nicht mehr unter den Men­schen zu lei­den hat.

»Danach erin­ne­re ich mich nur an Cha­os. An Schreie, Schüs­se, Rauch, Angst und Dun­kel­heit. So viel Dun­kel­heit in so vie­len Gedanken.« 

Was ist das für eine Welt, die Marie Graß­hoff in ihrer ›Neon Birds‹-Tri­lo­gie beschreibt und die ein Kind braucht, das sich Stück für Stück zu einer Maschi­ne machen lässt? Wie viel bleibt von die­sem Kind übrig, das zwar mit den Jah­ren zu einem jun­gen Erwach­se­nen her­an­wächst, doch des­sen Kör­per bis dahin zu mehr als 70 Pro­zent nicht mehr mensch­lich ist?

Und wie kann die­ses Kind, das nie etwas ande­res gekannt hat, als das Kämp­fen, damit auf­hö­ren? Erst nach und nach wird in ›Neon Birds‹, ›Cyber Trips‹ und ›Beta Hearts‹ klar, wie kaputt die­se Welt ist, in der Oki­jen, Andra, Flover, Luke und Byth ver­su­chen, zu über­le­ben. Was auf den ers­ten Blick fort­schritt­lich, erstre­bens­wert und makel­los erscheint, bekommt Ris­se. Geheim­nis­se schei­nen durch, Leer­stel­len bil­den sich. Und immer grö­ßer wird der Wunsch, zu wis­sen, wie die­se Welt der ›Neon Birds‹-Tri­lo­gie ent­stan­den ist. Und vor allem, was aus ihr wer­den soll.

»Die Men­schen gaben mir die Macht zu ler­nen. Und ich lern­te, mich zu erin­nern. An die­se Wesen, die an ihren Besitz­tü­mern hän­gen wie an Ankern.«

Denn wäh­rend alle ihre Kräf­te bün­deln und ver­ei­nen in dem Wunsch, KAMI end­gül­tig aus­zu­lö­schen, wächst in Andra ein ande­res Ziel her­an. Ist der Mensch über­haupt dazu in der Lage, KAMI in einem Kampf zu schla­gen? Wenn nicht, was bleibt dann noch?

Andras Pfad ist ein­sam. Wen ist sie bereit, zurück­zu­las­sen, und wer ist bereit, sie zu ver­ra­ten? In ›Beta Hearts‹ schließt sich die Schlin­ge um die Häl­se der viel zu jun­gen Kämpfer.

»Gab es über­haupt noch Men­schen auf die­ser Welt außer ihnen? Gab es Städ­te und Dör­fer und Sied­lun­gen, in denen Men­schen leb­ten, die kei­ne Moja waren? Wo wären sie sicher?«

Graß­hoffs Sci­ence Fic­tion-Tri­lo­gie ist von der ers­ten bis zu letz­ten Sei­te span­nend. Die Fra­gen, die zwi­schen den Zei­len schlum­mern, rüh­ren tief an den Kern des Mensch­seins her­an. Die Geschich­te der Mensch­heit ist von Kämp­fen durch­zo­gen, wie soll­te es in der Zukunft anders sein? Sind Oki­jen und die ande­ren bereit, die­se Welt von den Genera­tio­nen vor ihnen zu übernehmen?

Fazit zu ›Beta Hearts

Bereits in den ers­ten bei­den Bän­den der ›Neon Birds‹-Tri­lo­gie ›Neon Birds‹ und ›Cyber Trips‹ hat Graß­hoff bewie­sen, dass sie schrei­ben kann und das Fina­le ›Beta Hearts‹ steht hier­bei in nichts nach. Es ist eine die­ser Rei­hen, über die man stun­den­lang spre­chen könn­te, weil so vie­le essen­zi­el­le Fra­gen dar­in schlummern.

Zugleich bleibt auch in ›Beta Hearts‹ noch vie­les unbe­ant­wor­tet. Zum Teil auch Fra­gen, um die sich die drei Bän­de stark gedreht haben. So bleibt zu hof­fen, dass ›Beta Hearts‹ zwar das Fina­le der Tri­lo­gie ist, das ›Neon Birds‹-Uni­ver­sum jedoch noch fort­ge­setzt wird. Ich bin gespannt! 

Buchinfo

Marie Graß­hoff:
Beta Hearts

Sci­ence Fic­tion, Roman
Band 3
Alters­emp­feh­lung: ab 16 Jah­ren
Bas­tei Lüb­be, Köln 2020
511 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Paper­back
ISBN 978−3−404−20968−2

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Rupi Kaur: milch und honig [Rezension]

Intensiv, klar und aufwühlend. 

Wer nach klas­si­schen Vers­ma­ßen, fes­ten Reim­sche­ma­ta, Jam­ben, Tro­chä­en oder Alex­an­dri­nern sucht, wird in ›milch und honig‹ kein Glück haben. Doch das ist es auch nicht, was die vie­len, vie­len über­zeug­ten Leser und Lese­rin­nen an Rupi Kaurs Gedich­ten schät­zen. Es sind zumeist kur­ze Gedich­te in kla­rer Spra­che über das, was schmerzt. Über Lie­be, Hei­len, Zerbrechen. 

Kaur fin­det Wor­te für Gefüh­le und Erfah­run­gen, für die es sonst nur schwer Wor­te gibt. Sie erzeu­gen kei­ne Distanz zwi­schen der Autorin und ihren Lesern und Lese­rin­nen, son­dern über­brü­cken die­se. Jedes Gedicht zeugt von Mut, Refle­xi­on, Ver­letz­lich­keit und Stärke. 

»wenn ich wüss­te wor­an sich
gebor­gen­heit erken­nen lässt
wäre ich nicht schon so oft
in armen gelan­det
in denen ich sie nicht fand«

rupi kaur
Gedicht aus der Lese­pro­be der Münch­ner Ver­lags­grup­pe entnommen 

In Kaurs Gedich­ten geht es nicht dar­um, kom­pli­zier­te ver­bor­ge­ne Bedeu­tun­gen im Gedicht zu fin­den. Was mit den Gedich­ten aus­ge­drückt wer­den soll, ver­steckt sich nicht. Es ist deut­lich, für jeden sicht­bar, sub­jek­tiv erfahr­bar. Durch die­se Klar­heit des Aus­drucks und dem Ver­zicht auf unnö­ti­ge Schnör­kel besit­zen Kaurs Gedich­te eine spür­ba­re Inten­si­tät. Und trotz die­ser Klar­heit haben ihre Tex­te Klang. 

Die Emo­tio­nen, die Rupi Kaur in ihren Gedich­ten ver­ar­bei­tet, lösen Beklem­mung aus. Bereits mit weni­gen Wor­ten trifft sie wun­de Punk­te, berührt und über­zeugt. Und der Erfolg der Autorin zeigt, dass sie damit bei einer brei­ten Leser­schaft ins Schwar­ze trifft. 

Fazit zu ›milch und honig

Rupi Kaur schreibt Lyrik in einer Zeit, in der die bevor­zug­te Gat­tung der Roman ist. Neben all den Best­sel­lern der Roman- und Sach­buch­welt behaup­tet sich ›milch und honig‹. Nicht nur ein­ge­fleisch­ten Lyrik­fans sind Kaurs Gedich­te zu emp­feh­len. So bleibt zu wün­schen, dass in der Zukunft noch wei­te­re tol­le Gedicht­bän­de der Autorin zu lesen sein werden.

Buchinfo

Rupi Kaur:
milk and honey | milch und honig
Lago, Mün­chen 2017
208 S., EUR (D) 14,99 inkl. MwSt.
Hard­co­ver
Zur Lese­pro­be
ISBN 978−3−95761−173−4

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Ragnar Jónasson: Dunkel [Rezension]

Das letzte Aufbäumen einer abgeschriebenen Kommissarin. 

Seit Jahr­zehn­ten arbei­tet Hul­da Her­manns­dót­tir in ›Dun­kel‹ für die Poli­zei. Doch obwohl sie bes­ser ist als die meis­ten ihrer Kol­le­gen, ist sie nie über den Rang einer Kom­mis­sa­rin hin­aus­ge­kom­men. Wäh­rend Kol­le­gen, die weit weni­ger gründ­lich und sorg­sam arbei­te­ten, auf der Kar­rie­re­lei­ter an ihr vor­bei­zo­gen. Doch die­se hat­ten eines gemein­sam, dass Hul­da nie sein wür­de, sie waren Männer. 

Wie vie­le in ihrem Beruf erfüllt Hul­da der Gedan­ke an ihre Pen­si­on mit Unbe­ha­gen. Doch als ihr Chef ihr eines Mor­gens mit­teilt, dass sie nicht erst zum Ende des Jah­res in Pen­si­on gehen soll, son­dern in zwei Wochen, erwischt es Hul­da eis­kalt. Man bräuch­te ihr Büro. Man habe die Chan­ce, einen viel­ver­spre­chen­den Auf­stei­ger anzu­stel­len. Ihre Fäl­le sei­en bereits an die Kol­le­gen ver­teilt wor­den. Doch so ein­fach lässt sich die 64-jäh­ri­ge Kom­mis­sa­rin nicht in den Ruhe­stand schicken.

Für ihre letz­ten zwei Wochen darf Hul­da in ›Dun­kelCold Cases bear­bei­ten, auf die sie Lust hat. Und bald fin­det sie sich in einem Fall, der nicht nur jede Men­ge Feh­ler auf­weist, son­dern sie an ihre Gren­zen brin­gen wird.

»Man hat­te die Lei­che der jun­gen Frau an einem dunk­len Win­ter­mor­gen in einer fel­si­gen Bucht am Vatns­ley­sus­trönd gefun­den, einem dünn besie­del­ten Küs­ten­strei­fen im Nor­den der Halb­in­sel Reykja­nes etwa drei­ßig Kilo­me­ter süd­lich von Reykjavík.«

Hul­da hat sich bei der Poli­zei stets aus­ge­schlos­sen und auf sich allein gestellt gefühlt. Am Ende nun so grob und plötz­lich in den Ruhe­stand beför­dert zu wer­den, macht das nicht bes­ser. Viel­leicht fühlt sich die Kom­mis­sa­rin sich des­we­gen der toten jun­gen Frau schnell ver­bun­den: Wenn Hul­da nicht den Fall wie­der für sie auf­greift, wird es nie­mand tun. Ihre Kol­le­gen und auch die Öffent­lich­keit haben mit ihrem Fall bereits abge­schlos­sen, genau­so wie mit Hulda.

»Sie ver­miss­te ihr altes Leben, die gute alte Zeit, und obwohl sie mit Pétur einen neu­en Freund gefun­den hat­te, fühl­te sie sich allein auf die­ser Welt. Nie hat­te sie das stär­ker emp­fun­den als in die­sem Augenblick.«

Die ›Hul­da‹-Tri­lo­gie weist ein Merk­mal auf, das sie stark von ande­ren Tri­lo­gien unter­schei­det: Hul­das Geschich­te wird nicht chro­no­lo­gisch, son­dern achro­no­lo­gisch erzählt. In ›Dun­kel‹ erle­ben wir Hul­da in ihrem letz­ten Fall, bevor der Ruhe­stand ihre Kar­rie­re been­den soll. In den Fol­ge­bän­den ›Insel‹ und ›Nebel‹ hin­ge­gen erle­ben wir sie auf der Höhe ihrer Kar­rie­re in ihren pro­mi­nen­tes­ten Fällen.

Bereits der ers­te Band ›Dun­kel‹ macht deut­lich, dass Hul­da mehr ist als eine Kom­mis­sa­rin. Was sie vor ihrem Freund Pétur ver­birgt, weiß auch nie­mand sonst auf die­ser Welt. Nach und nach erzählt sie ihm von ihrer Kind­heit, ihrem schwie­ri­gen Ver­hält­nis zu ihrer Mut­ter und dem Tag, an dem sie ihre gan­ze Fami­lie verlor.

»Aber hier war sie nun, allein mit ihrem Kind, und konn­te nachts vor Sor­ge um die Zukunft kaum schlafen.«

Fazit zu ›Dunkel

Obwohl Hul­da kein strah­len­der Son­nen­schein ist, ist sie sym­pa­thisch, auf ihre eige­ne, in die Jah­re gekom­me­ne Art, die sich selbst treu bleibt. Die Atmo­sphä­re, die Jónas­son in ›Dun­kel‹ ver­dich­tet, ist auf jeder Sei­te spür­bar. Hul­das Island ist düs­ter, schön und geheimnisvoll. 

Auch das Ende des ers­ten Ban­des der Tri­lo­gie kann über­ra­schen, ob auf eine gute oder schlech­te Wei­se wird wohl jeder Leser und jede Lese­rin für sich selbst ent­schei­den müs­sen. Doch einst ist ›Dun­kel‹ auf jeden Fall: span­nend, auf eine düs­te­re, unauf­dring­li­che und ruhi­ge Art.

Buchinfo

Rag­nar Jónas­son:
Dun­kel

Die HUL­DA-Tri­lo­gie, Band 1
Thril­ler
Über­setzt von: Kris­ti­an Lut­ze
btb, Mün­chen 2020
384 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Paper­back
ISBN 978−3−442−75860−9

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Laini Taylor: Muse of Nightmares 2 (Strange the Dreamer 4) [Rezension]

Was von den Göttern übrig blieb. 

Die Göt­ter haben mit den Figu­ren von ›Muse of Night­ma­res 2‹ gespielt. Mit den Frau­en von Weep, die sie hol­ten. Mit ihren Män­nern, die sie meis­tens zurück­lie­ßen. Eril-Fane hat­ten die Göt­ter nicht in der Stadt zurück­ge­las­sen, um wie alle ande­ren dar­auf zu war­ten und zu hof­fen, dass die Ent­führ­ten wie­der zurück­ge­bracht wer­den würden. 

Ska­this, der Gott der Bes­ti­en, nahm ihn mit und schenk­te ihn der Göt­tin der Ver­zweif­lung als Spiel­zeug. Eril-Fanes jun­ge Frau war es, die in Weep zurück­blieb und war­ten muss­te. Die Jah­re ver­gin­gen, doch ihr Mann kehr­te nicht zurück. Bis Ska­this auch vor ihrer Tür auf­tauch­te, um sie zur Zita­del­le mit­zu­neh­men. Und die jun­ge Frau war bereit –, glaub­te sie zumindest. 

Inzwi­schen sind in ›Muse of Night­ma­res 2‹ die grau­sa­men Göt­ter längst fort. Doch ihre Spu­ren haben sie nicht nur an den Gebäu­den und Orten, son­dern auch an und in den Men­schen hin­ter­las­sen. In der schwe­ben­den Zita­del­le ver­su­chen die letz­ten der Göt­ter­brut – Kin­der gezeugt von Göt­tern und Men­schen – am Leben zu blei­ben. Und mit dem Grau­en des Tages zu leben, als ein Mensch im Säug­lings­trakt all die ande­ren Kin­der der Göt­ter abschlach­te­te, um die Men­schen von den Göt­tern zu befrei­en. Doch auch im Schat­ten der Zita­del­le leben noch immer Men­schen, die die Schre­cken der Göt­ter nicht ver­ges­sen kön­nen, die zu lan­ge ihr Leben bestimmt haben. 

»Die Frau­en von Weep teil­ten ein selt­sa­mes Gefühl mit­ein­an­der, gegen das sie ihr gan­zes Leben lang zu kämp­fen hat­ten, näm­lich, dass sie nur halb exis­tie­ren. Sie waren Rest­stü­cke, übrig geblie­be­ne Kru­men vom Fest­schmaus der Götter.«

Wie lebt man mit einer Ver­gan­gen­heit, die so vol­ler Grau­en und Ver­zweif­lung ist? Wie lebt man damit, die Schuld auf sich gela­den zu haben, die Göt­ter und ihre Babys zu töten? Wie lebt man mit der Erin­ne­rung, als Klein­kind nur in der Lage gewe­sen zu sein, vier der Babys zu ret­ten, weil man nicht mehr tra­gen konnte?

»Doch Sarai wuss­te, was nur sie allein wis­sen konn­te, näm­lich dass Eril-Fane jeden Tag die größ­te Mut­pro­be ableg­te, die sie je gese­hen hat­te: Um ande­ren zu hel­fen, leb­te er wei­ter, obwohl es viel ein­fa­cher gewe­sen wäre, ein­fach damit aufzuhören.«

Stran­ge the Drea­mer‹, Band 1 und Band 2, sowie ›Muse of Night­ma­res 1‹ und Band 2, von Lai­ni Tay­lor stel­len die­se Fra­gen. Die Fan­ta­sy-Roma­ne zei­gen das Leben jener, die übrig geblie­ben sind: Ihre Ver­su­che, einen Weg hin­aus aus Hass, Wut und Ver­zweif­lung zu fin­den, die nicht immer gelin­gen können. 

Doch obwohl das Grund­the­ma der Bän­de düs­ter und kom­plex ist, gelingt es Tay­lor, eine Roman­welt zu erschaf­fen, die von der Suche nach Hoff­nung, Lie­be und Ver­ge­bung erfüllt sind. Vie­le der Über­le­ben­den in ›Muse of Night­ma­res 2‹ sind Kin­der, die nichts für die Ver­bre­chen ihrer Eltern kön­nen, sich nicht ein­mal an sie erin­nern, doch deren blo­ße Exis­tenz genügt, um an die­se zu erin­nern. Dabei ist Tay­lors Spra­che ein­fach, klar und zugleich poetisch. 

Fazit zu ›Muse of Nightmares 2

Ein biss­chen scha­de ist es, dass meh­re­re Auf­lö­sun­gen von Rät­seln und Geheim­nis­sen in ›Muse of Night­ma­res 2‹ über geraff­te Erzäh­ler­mo­no­lo­ge gesche­hen und nicht wie bis­her an das Erle­ben und Erin­nern der Figu­ren gebun­den sind. Auch die Lie­bes­ge­schich­te zwi­schen Lazlo und Sarai hat mich nie ganz über­zeu­gen kön­nen, doch im Ver­gleich zu der unglaub­lich tie­fen und geheim­nis­vol­len Geschich­te, die Tay­lors Roman­welt zu bie­ten hat, ver­liert sie dadurch nur wenig.

Wer die Bän­de ›Stran­ge the Drea­mer‹ und ›Muse of Night­ma­res 1‹ noch nicht kennt, aber eine Schwä­che für Geheim­nis­se, Trau­ma­ta und Göt­ter hat, dem sind sie wärms­tens zu empfehlen.

Buchinfo

Lai­ni Tay­lor:
Muse of Night­ma­res

Das Erwa­chen der Träu­me­rin
Band 2 (Stran­ge the Drea­mer Band 4)
Roman
Über­setzt von: Ulri­ke Rai­mer-Nol­te
One, Köln 2020
368 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
ISBN 978−3−8466−0101−3

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Bram Stoker: Dracula [Rezension]

Als das Böse nach London kam. 

Der Graf, den Jona­than Har­ker in ›Dra­cu­la‹ in Trans­sil­va­ni­en ken­nen­lernt, ist höf­lich, gebil­det und wiss­be­gie­rig. Beson­ders, wenn es Eng­land betrifft – das Land, in dem der alte Mann in naher Zukunft woh­nen will. 

Doch bereits nach kur­zer Zeit merkt Jona­than, dass im Schloss des Gra­fen etwas selt­sam ist. Kei­ne ande­re Men­schen­see­le begeg­net ihm, vie­le Türen sind ver­schlos­sen und der Graf begeg­net ihm nur bei Nacht. 

Und je län­ger er beim Gra­fen bleibt, um mit ihm alle recht­li­chen Fra­gen bezüg­lich sei­nes Umzu­ges nach Eng­land zu klä­ren, ist er sich siche­rer, dass es sich dabei nicht um Zufäl­le han­deln kann.

Doch als Jona­than die Furcht beschleicht, er könn­te ihn an sei­ner Heim­rei­se hin­dern wol­len, kann er nicht mehr ruhig blei­ben. Er durch­sucht das Schloss, soweit er kommt, und über­tritt damit eine der Regeln des Gra­fen. Zum ers­ten Mal begeg­net er im Schloss jemand ande­rem als den Gra­fen, doch die­ses Tref­fen bringt alles ande­re als Erleichterung.

»Mit der schma­len Adler­na­se und den eigen­tüm­lich gebo­ge­nen Nasen­flü­geln, der hoch­ge­wölb­ten Stirn und dem an den Schlä­fen spär­li­chen, sonst recht üppi­gen Haar hat­te er etwas von einem Raub­vo­gel. Sei­ne mäch­ti­gen, buschig gekräu­sel­ten Augen­brau­en stie­ßen über der Nasen­wur­zel fast zusam­men. Der Mund, soweit ich ihn unter dem Schnurr­bart sehen konn­te, wirk­te ziem­lich hart und grausam.«

Und wäh­rend Jona­than nach Trans­sil­va­ni­en ver­reist ist, muss sich sei­ne Ver­lob­te Mina mit ganz ande­ren Din­gen aus­ein­an­der­set­zen. Die schö­ne jun­ge Lucy, mit der sie in Whit­by ein Zim­mer teilt, schlaf­wan­delt. Mit­ten in der Nacht zieht sie sich an und ver­sucht, das Haus zu ver­las­sen. Selbst als Mina das Zim­mer ver­schließt und den Schlüs­sel an ihr Hand­ge­lenk bin­det, fin­det sie sel­ten Ruhe. So auch in der Nacht, in der es Lucy schla­fend gelingt, das Haus zu ver­las­sen. Zu einer Zeit, in der auch Jona­thans Brie­fe immer befremd­li­cher wer­den und schließ­lich ganz auf­hö­ren zu kommen.

Dra­cu­la‹ ist einer jener Roma­ne, für die man Zeit und Ruhe braucht. Die Figu­ren sind anfangs manch­mal schwer aus­ein­an­der­zu­hal­ten, wer­den sie bei­spiels­wei­se an einer Stel­le nur mit Vor­na­men genannt, dann wie­der nur über den Nach­na­men. Er hat nicht die Form eines klas­si­schen Romans, son­dern ist viel mehr ein groß­teils chro­no­lo­gi­sches Sam­mel­su­ri­um aus Zei­tungs­aus­schnit­ten, Brie­fen, Tele­gram­men, Tage­bü­chern und ande­rem, die ver­schie­de­ne Per­spek­ti­ven wie­der­ge­ben. Doch was anfangs etwas ver­wir­ren mag, gewinnt bald an Reiz. Denn die­se zahl­rei­chen Per­spek­ti­ven las­sen die Geschich­te durch Per­so­nen unter­schied­li­cher Spe­zi­al­ge­bie­te betrach­ten, sei es der Arzt, der Psych­ia­ter, Mina, Lucy oder durch die Presse. 

»Zum Glück ist das Wet­ter so warm, dass sie sich nicht erkäl­ten kann, aber den­noch macht mir die Sor­ge und das stän­di­ge Geweckt­wer­den all­mäh­lich zu schaf­fen. Ich wer­de selbst ner­vös und fin­de immer weni­ger Schlaf.«

Vie­le bekann­ten Ele­men­te, die uns heu­te aus Vam­pir­ro­ma­nen, ‑fil­men und ‑seri­en so ver­traut sind, hat ›Dra­cu­la‹ vor über 120 Jah­ren gekannt. Sowohl Graf Dra­cu­la selbst als auch Abra­ham van Hel­sing sind nach wie vor bekannt, eben­so das Motiv der spit­zen Zäh­ne, des Pfäh­lens, der feh­len­den Spie­gel, des Knob­lauchs und der Nachtaktivität.

Auch nach so vie­len Jah­ren hat Bram Sto­kers ›Dra­cu­la‹ noch sei­nen Reiz. Eine Geschich­te, in der sich das Dunk­le und Unbe­kann­te in die schein­bar nor­ma­le und schö­ne Welt, vol­ler Geschlech­ter­rol­len­vor­stel­lun­gen, schleicht.

Fazit zu ›Dracula

Wer also auf eine Ent­de­ckungs­rei­se gehen will, was es mit dem heu­te all­seits bekann­ten Namen ›Dra­cu­la‹ auf sich hat, soll­te sich auf die­sen Klas­si­ker ein­las­sen und sich über­ra­schen las­sen, wie vie­le Moti­ve wie­der­erkennt wer­den können.

Buchinfo

Bram Sto­ker:
Dra­cu­la
(1897)
Roman
Neu über­setzt von Andre­as Nohl
dtv, Mün­chen 2014
592 S., EUR (D) 12,90 inkl. MwSt.
Taschen­buch
ISBN 978−3−423−14299−1

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James Gould-Bourn: Pandatage [Rezension]

Wie eine Stangentänzerin und ›Dirty Dancing‹ das Leben verändern können. 

Dass ein Unglück sel­ten allein kommt, weiß Dan­ny in ›Pan­da­ta­ge‹ ver­mut­lich bes­ser als die meis­ten. Seit sei­ne Frau Liz vor einem Jahr plötz­lich bei einem Auto­un­fall ver­starb, ist das Leben der klei­nen Fami­lie nicht mehr das gleiche. 

Sein Sohn Will spricht nicht mehr – weder mit ihm, noch mit ande­ren. War das Geld vor­her schon knapp, reicht es nun nicht ein­mal mehr für das Nötigs­te: Unbe­zahl­te Rech­nun­gen häu­fen sich und sein Ver­mie­ter gehört nicht zur gedul­di­gen Sor­te, dem Gewalt als Lösung fern läge. Als Dan­ny dann noch sei­nen Job als Bau­ar­bei­ter ver­liert, bringt ihn nur der Gedan­ke an sei­nen Sohn noch dazu, mor­gens das Haus zu verlassen. 

»›Ist eine lan­ge Geschich­te‹, sag­te er und schau­te auf sei­nen unbe­ring­ten Ring­fin­ger. Als Liz noch am Leben gewe­sen war, hat­te er sich nie Sor­gen um sei­nen Ehe­ring gemacht, aber nach ihrem Tod hat­te er mit einem Mal schreck­li­che Angst bekom­men, er kön­ne ihn ver­lie­ren, also hat­te er ihn in Wat­te gehüllt, in eine Streich­holz­schach­tel gesteckt und in der Schub­la­de sei­nes Nacht­tischs verborgen.«

Doch ganz gleich, wie sehr er sich auch bemüht, eine Anstel­lung ist für den unge­lern­ten Mann nicht zu fin­den. Hat man ihm bereits sein Leben lang gesagt, dass er zu nichts zu gebrau­chen sei, scheint es sich jetzt zu bewahrheiten. 

Aber Dan­ny wäre nicht Dan­ny, wenn er ein­fach auf­ge­ben wür­de. Das Pan­da­kos­tüm, das er in einem her­un­ter­ge­kom­me­nen Laden bekommt, ist weder schön noch sau­ber. Aber es ist güns­tig und erfüllt somit Dan­nys Haupt­vor­aus­set­zung. Doch schon bald muss Dan­ny fest­stel­len, dass es nicht genügt, sich mit einem Kos­tüm in einen Park zu stel­len. Um genug Geld zu bekom­men, um sei­ne Mie­te zu zah­len, muss er den Leu­ten etwas bieten. 

Dan­ny kann nicht tan­zen. Aber da er all die ande­ren Sachen, für die Leu­te einem Mann im Pan­da­kos­tüm Geld zah­len wür­den, noch schlech­ter kann, bleibt ihm nichts ande­res übrig. 

»Wäh­rend sei­ne ver­stor­be­ne Frau auf der Tanz­flä­che eine Art Natur­ta­lent gewe­sen war, war Dan­ny eher eine Natur­ka­ta­stro­phe. Sein Pro­blem war ganz ein­fach. Er hat­te kei­nen Rhythmus.«

Pan­da­ta­ge‹ ist ein Roman, der trotz sei­ner tra­gi­schen The­ma­tik immer wie­der zum Lachen bringt. Die trau­ri­gen Momen­te sind weder kit­schig noch pathe­tisch. Gould-Bourn gelingt es, auf eine sub­ti­le Art stark mit Dan­ny und Will mit­füh­len zu las­sen. Die lus­ti­gen Momen­te las­sen den Leser oder die Lese­rin laut auf­la­chen. An man­chen Stel­len kann die Komik zwar etwas zu auf­ge­setzt und kon­stru­iert wir­ken und dadurch dar­an erin­nern, was ›Pan­da­ta­ge‹ ist: ein Roman. Ein Roman, der die Kraft zeigt, über die man ver­fügt, wenn man sich nicht unter­krie­gen lässt. Und Freun­de hat, die einen unterstützen. 

Fazit zu ›Pandatage

Pan­da­ta­ge‹ ist kein Roman, der zeigt, dass alles wie­der gut wird, viel­leicht kann es das auch gar nicht. Und doch führt er vor Augen, dass es wie­der gut wird, dass es wei­ter­ge­hen kann, auch wenn es weh­tut und sicher­lich nicht leicht fällt. ›Pan­da­ta­ge‹ ist vol­ler Figu­ren, die man fast schon mögen muss, ob Dan­ny und Will, oder die Stan­gen­tän­ze­rin Krys­tal und den Ukrai­ner Ivan. Gould-Bourns Debüt ist defi­ni­tiv ein Lesevergnügen.

Buchinfo

James Gould-Bourn:
Pan­da­ta­ge

Roman
Über­setzt von: Ste­phan Klei­ner
Kiepenheuer&Witsch, Köln 2020
384 S., EUR (D) 20,- inkl. MwSt.
Gebun­de­ne Aus­ga­be
ISBN 978−3−462−05364−7

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


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