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Margaret Owen: Die Kasten von Sabor 2: Krähenzauber [Rezension]

Margaret Owen: Krähenzauber [Rezension]

Von alten Sünden und vergangenen Königen. 

Der jun­gen Flü­gel­her­rin Stur ist im ers­ten Band der ›Die zwölf Kas­ten von Sabor‹-Dilo­gie ›Kno­chen­die­bin‹ etwas gelun­gen, das viel­leicht noch kei­ner Krä­he vor ihr geglückt ist. Einen Habicht und einen Phö­nix für den Schutz der Krä­hen-Kas­te zu gewinnen.

Doch dabei han­delt es sich nicht um irgend­ei­nen Habicht und irgend­ei­nen Phö­nix, son­dern um den Thron­fol­ger Jasi­mir und des­sen Leib­wäch­ter Tavin, die natür­lich auch in ›Krä­hen­zau­ber‹ zen­tral sind. Da Jasi­mir nur mit Mühe meh­re­re Gift­an­schlä­ge durch die neue Frau sei­nes Vaters über­lebt hat, täuscht er sei­nen eige­nen Tod durch die Sün­den­seu­che vor, um aus dem Palast zu ent­kom­men. Ein aus der Not gebo­re­ner Bahn, der die bei­den hoch­ge­bo­re­nen jun­gen Män­ner für eine Zeit auf den Wegen der Krä­hen wan­deln lässt und sie denn Hass und die Ver­zweif­lung am eige­nen Leib spü­ren lässt, denen die Krä­hen jeden Tag aus­ge­setzt sind.

Ein Eid zwi­schen ihrem Pah und dem Thron­fol­ger besie­gelt das Schick­sal der Krä­hen: Wenn Pah und Stur Jasi­mir hel­fen, wer­den die Krä­hen zukünf­tig unter dem Schutz der Habich­te ste­hen. Doch die Vor­ur­tei­le gegen die Krä­hen sit­zen tief, noch immer beherrscht die Sün­den­seu­che das Land. Und der Eid wäre wohl unter einem schlech­te­ren Stern gestan­den, wenn es Stur nicht gelun­gen wäre, an Phö­ni­x­zäh­ne zu gelan­gen. Ein Werk­zeug, das ihr die Macht über das Feu­er ver­leiht. Und zugleich ein Werk­zeug, das sie brau­chen wird, um ihre Rot­te gegen Hautghu­le, Haut­he­xen und Ole­an­der-Jun­ker zu beschüt­zen und den Eid zu wahren.

»Dann blick­te sie Stur in die Augen, plötz­lich bit­ter­ernst. ›Ich kann dir dei­ne Geschich­te nicht erzäh­len, klei­ne Göt­tin. Ein Leben ums ande­re hast du ver­sagt, und es war stets am schlimms­ten, wenn ich dir gesagt habe, wonach du suchen sollst.‹«

Doch auch als Stur im ers­ten Band das Unmög­li­che gelun­gen scheint, sind die Krä­hen noch nicht geret­tet. Denn nach­dem Stur ihren Teil der Ver­ein­ba­rung ein­ge­hal­ten hat, kann sie in ›Krä­hen­zau­ber‹ nur hof­fen, dass Jasi­mir und Tavin sich auch an ihren Teil der Abma­chung hal­ten. Doch der eng­li­sche Ori­gi­nal­ti­tel des zwei­ten Ban­des – ›The Faith­less Hawk‹ – lässt bereits erah­nen, dass dies nicht so leicht wer­den wird.

Sabor ist ein Reich, in dem eine Gesell­schaft herrscht, die so lan­ge davon gelebt haben, die Krä­hen zu unter­drü­cken und zu ver­ach­ten, dass es Teil ihrer Grund­fes­ten gewor­den ist. Und nur weni­ge Nicht-Krä­hen wol­len, dass sich dar­an etwas ändert. Doch auch von Sturs wirk­li­chen Ver­bün­de­ten, kön­nen man­che nicht an ihrer Sei­te bleiben.

»Die Hai­ne erkann­ten Pah, sogar in die­sem Leben. Und sie hie­ßen ihn will­kom­men.
Dies war sein Zuhau­se, und schreck­li­cher­wei­se nur seins.«

Ein Ver­rat lässt die unheil­vol­len Gescheh­nis­se in ›Krä­hen­zau­ber‹ ihren Lauf neh­men. Nur knapp ent­kommt Stur mit ihrem Leben, da sie Rhu­sa­na mehr als nur ein Dorn im Auge ist. 

Zugleich kämp­fen bald uner­war­te­te Ver­bün­de­te an Sturs Sei­te, die zum Teil aus dem ers­ten Band noch gut bekannt sind. Mit ihrer Hil­fe gelingt es Stur zwar in den Königs­pa­last zu kom­men, doch ist dies sicher­lich nicht der sichers­te Ort für eine ein­zel­ne Krä­he – vor allem einer, die sich bei der Köni­gin bereits unbe­liebt gemacht hat. 

Doch nicht nur für Stur und ihre Rot­te bre­chen dunk­le Zei­ten an. Auch Sabor ver­sinkt mehr und mehr in der Sün­den­seu­che. Städ­te und Dör­fer wol­len die Krä­hen nicht mehr hin­ein­las­sen, um sich um die Infi­zier­ten zu küm­mern. Unge­bremst brei­tet sich die Seu­che somit wei­ter aus und ver­schlingt bald gan­ze Orte, bis kei­ne Mög­lich­keit mehr bleibt, als den gan­zen Ort niederzubrennen. 

Foto: pri­vat.

»›Ich hät­te vor­aus­den­ken kön­nen, ich hät­te mich opfern kön­nen, um [dei­ne Mut­ter] zu ret­ten, aber es waren die Ole­an­der-Jun­ker, die beschlos­sen haben, Jagd auf uns zu machen. Mei­ne Sün­den waren die eines neu­en Flü­gel­herrn. Also war­um kannst du mir ver­ge­ben und dir selbst nicht?‹«

Fazit zu ›Krähenzauber

Krä­hen­zau­ber‹ nimmt schnell an Fahrt auf und geht genau­so span­nend wei­ter, wie ›Kno­chen­die­bin‹ geen­det hat. Mit Stur ist Mar­ga­ret Owen eine wun­der­ba­re, star­ke und klu­ge Prot­ago­nis­tin gelun­gen. Auch Sturs Rot­te wächst von Sei­te zu Sei­te mehr ans Herz. 

Die Atmo­sphä­re ist geheim­nis­voll-düs­ter, der Schreib­stil dicht und packend. Wäh­rend Owen mit Stur, Pah, Tavin und Jasi­mir wun­der­bar facet­ten­rei­che Cha­rak­te­re gelin­gen, bleibt die Gegen­sei­te lei­der etwas blass, deren Han­deln vor allem durch einen Wunsch nach Macht moti­viert scheint. ›Krä­hen­zau­ber‹ ist span­nend und schlüs­sig, doch kann er lei­der nicht ganz mit dem ers­ten Band mit­hal­ten. Den­noch ist die Dilo­gie ›Die zwölf Kas­ten von Sabor‹ defi­ni­tiv mehr als lesenswert!

Buchinfo

Mar­ga­ret Owen:
Krä­hen­zau­ber

Die zwölf Kas­ten von Sabor, Band 2
Über­setzt von: Bir­git Maria Pfaf­fin­ger & Ulri­ke Brauns
Carl­sen, Ham­burg 2020
416 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−58406−9

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Kei Ohkubo: Arte 3 [Rezension]

Von Kunst und der ersten Prügelei. 

Die jun­ge Ade­li­ge und Maler­schü­le­rin Arte hat es auch in ›Arte 3‹ nicht leicht. Sie lebt in einer von Män­nern domi­nier­ten Welt und arbei­tet in einem von Män­nern domi­nier­ten Beruf. Die wenigs­ten trau­en ihr mehr zu, als hübsch auszusehen. 

Doch wer glaubt, dass Arte sich davon unter­krie­gen oder abschre­cken las­sen wür­de, hat sich geschnit­ten. Sie scheut kei­ne Arbeit, ist sie auch noch so hart. Doch obwohl sie über jede Men­ge Wil­lens­kraft und Mut ver­fügt, muss auch sie sich Auf­ga­ben stel­len, für die sie über sich hin­aus­wach­sen muss. Und Arte wäre nicht Arte, wenn sie sich vor die­sen Auf­ga­ben drü­cken würde. 

»Dann neh­me ich die Her­aus­for­de­rung an. Ich wer­de eine Male­rin, die mit ihren Wer­ken auch Kun­den wie Sie über­zeu­gen kann.«

Ohku­bos ›Arte 3‹ ist ein Lie­bes­lied auf die Eigen­stän­dig­keit und Kraft der Frau, ohne Män­nern dadurch posi­ti­ve Eigen­schaf­ten abzu­spre­chen. Mag die jun­ge Frau auf den ers­ten Blick auch etwas naiv erschei­nen, hat sie das Herz und den Ver­stand doch am rech­ten Fleck. Und so fin­det Arte Freun­de und Unter­stüt­zer – jedoch nicht ohne einer hand­fes­ten Aus­ein­an­der­set­zung –, die von ihrer Arbeits­wei­se und ihrer Art begeis­tert sind.

»Ich fand dich schon beim letz­ten Mal viel­ver­spre­chend, aber noch jung und unsi­cher. Leo hat sich einen sehr kampf­be­rei­ten und lus­ti­gen Lehr­ling ins Haus geholt.«

Wäh­rend Arte selbst von Fröh­lich­keit und Leich­tig­keit beschwingt scheint, erlau­ben die Neben­fi­gu­ren des Man­gas einen kla­re­ren Blick auf das Flo­renz des 16. Jahrhunderts. 

In der Welt der Male­rei war­ten auf Arte weder Luxus, Bequem­lich­keit noch reich­lich gedeck­te Tische. Und doch erkauft sie sich Ein­tritt in die­sel­be und bezahlt dafür mit ihrem lan­gen Haar und dem Leben, wie sie es gewohnt war. Doch trotz die­ses Prei­ses ist nur ein Maler­meis­ter bereit, sie in sei­nen Dienst zu nehmen. 

»[Leo] hat­te tat­säch­lich vie­le unkind­li­che Sei­ten. Er war dreist und vor­laut. Schon bei unse­rer ers­ten Begeg­nung war er unausstehlich.«

Fazit zu ›Arte 3‹

Arte 3‹ ist – wie auch ›Arte 1‹ und ›Arte 2‹ – die Geschich­te einer jun­gen Frau, die sich nicht unter­krie­gen lässt und bereit ist, für ihre Träu­me jeden Kampf aus­zu­tra­gen. Wun­der­voll gezeich­net, mit zahl­rei­chen lie­be­vol­len Details lädt Kei Ohku­bos Man­ga die Leser und Lese­rin­nen dazu ein, Arte auf ihrem Weg zu beglei­ten. Ein Man­ga mit Wohlfühlfaktor. 

Buchinfo

Kei Ohku­bo:
Arte

Band 3
über­setzt von: Yuki Kow­alsky
Carl­sen, Ham­burg 2020
194 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Man­ga, Soft­co­ver
Alter: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−79863−3

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Kei Ohkubo: Arte 2 [Rezension]

Der Traum einer jungen Frau und Schwielen an den Händen. 

›Arte 2‹ führt ins Flo­renz des 16. Jahr­hun­derts. Arte hat es nicht leicht. Zwar hat sie es geschafft, in einer klei­nen Maler­werk­statt eine Aus­bil­dungs­stel­le zu ergat­tern, doch begeis­tert sind davon nicht alle. 

Der Zugang zu ande­ren Werk­stät­ten wird ihr ver­wehrt. Auf­trag­ge­ber neh­men sie nicht ernst, ande­re Maler­ge­sel­len eben­so wenig. Um über­haupt beach­tet zu wer­den, muss die jun­ge Frau nicht 100 Pro­zent geben, son­dern 200.

Doch obwohl sich die Stei­ne in ihrem Weg tür­men und sie so man­ches Mal dar­über stol­pert, hält Arte an ihrem Traum fest: ein selbst­be­stimm­tes Leben als Male­rin führen.

»Wenn du dei­nen Traum ver­wirk­li­chen willst, ruh dich nicht dar­auf aus, dass du eine Frau bist. Und lass dich nicht durch die Lie­be vom Weg abbrin­gen. Die­se Welt ist gna­den­los zu uns Frauen.«

Noch nicht nur Pro­ble­me beglei­ten ihren Weg: Als ein­zi­ger weib­li­cher Maler­lehr­ling ist Arte schnell bekannt. Und obwohl nicht alle ihre Zie­le gut­hei­ßen, dient sie man­chen auch als Bei­spiel. Arte ist auf­rich­tig, direkt und vol­ler Ener­gie. Was die jun­ge Frau anpackt, das schafft sie auch – wenn auch nicht unbe­dingt beim ers­ten Versuch.

»Der Beruf tut nichts zur Sache! Ich … Ich habe Respekt vor sei­nen Anstren­gun­gen und Mühen!«

Der Man­ga ›Arte 2‹ ist eben­so lie­bens­wert gezeich­net wie der ers­te Band. Stück für Stück wird auch der Hin­ter­grund der Neben­cha­rak­te­re her­aus­ge­ar­bei­tet, ihre Pro­ble­me und Wün­sche gezeigt.

Nicht alles ist glanz­voll in der Welt der Male­rei. Vie­les ist har­te Arbeit, Pla­cke­rei und Durchhaltevermögen. 

»Meis­ter Leo ist streng zu mir, weil er mich nicht als Frau, son­dern als sei­nen Lehr­ling sieht. Ich möch­te nicht rück­sichts­voll behan­delt wer­den, son­dern streng. Dann lohnt sich mei­ne Mühe umso mehr.«

Fazit zu ›Arte 2‹

Arte 2‹ ist stim­mig und kann noch stär­ker über­zeu­gen als der ers­te Band. Es ist kei­ne ein­fa­che Zeit für Frau­en, vor allem für jene, die nicht auf den ein­ge­tre­te­nen Pfa­den wei­ter­lau­fen möchten. 

Die Gedan­ken im Man­ga schei­nen zum Teil modern, zugleich beschäf­ti­gen sie sich mit über­zeit­li­chen The­men. Was ist man bereit, für sei­ne Wün­sche und Träu­me zu tun? Wie viel Wider­stand ist man bereit aus­zu­hal­ten? Ist man bereit, ande­re zu ent­täu­schen, um den eige­nen Weg zu gehen? Arte will ein selbst­be­stimm­tes Leben als Frau füh­ren, doch ihre Metho­den sind nicht ihre Ellen­bo­gen, son­dern ihr Herz, ihre Auf­rich­tig­keit und ihre gro­ße Lie­be zur Kunst. 

Buchinfo

Kei Ohku­bo:
Arte

Band 2
über­setzt von: Yuki Kow­alsky
Carl­sen, Ham­burg 2020
194 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Man­ga, Soft­co­ver
Alter: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−79862−6

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Kei Ohkubo: Arte 1 [Rezension]

Eine junge Frau mit Herz und Mut mischt ordentlich die Geschlechterrollen auf. 

Arte 1‹ führt uns nach Flo­renz im 16. Jahr­hun­dert. Das Ziel einer jeden Frau von Adel ist es, zu hei­ra­ten und eine Fami­lie zu grün­den – oder? Nicht, wenn es nach Arte geht. 

Denn viel wei­ter oben in der Lis­te ihrer Wün­sche steht die Kunst. Und die jun­ge Frau ist bereit, viel dafür auf­zu­ge­ben, um ihr Leben der Kunst wid­men zu dür­fen und sich nicht davon abhän­gig zu machen, ob ein poten­zi­el­ler Ehe­mann sie malen las­sen wür­de: ihr Heim, ihre Annehm­lich­kei­ten und ihr lan­ges Haar.

Nach dem Tod ihres Vaters ver­sucht ihre Mut­ter, Arte mög­lichst schnell zu ver­hei­ra­ten. Eben­so schnell ver­sucht Arte, als Lehr­ling in einer Kunst­werk­statt ange­nom­men zu wer­den. Doch Arte erhält eine Absa­ge nach der ande­ren – ihre Bil­der wer­den nicht eines Bli­ckes gewür­digt. Denn eine Frau als Lehr­ling wäre nicht nur unty­pisch, son­dern hat in der Ansicht der Meis­ter in einer Werk­statt auch nichts zu suchen. Somit muss sich Arte nicht nur vor ihrer Mut­ter bewei­sen, son­dern auch einen Meis­ter der Maler­zunft von sich überzeugen. 

»Ich wür­de es mit Sicher­heit genau­so bereu­en, wenn ich hei­ra­te. Wenn ich schon bereu­en muss, dann lie­ber etwas, das ich aus eige­nem Wil­len getan habe.«

Arte weiß in ›Arte 1‹ was sie will und vor allem, was sie nicht will. Sie will nicht, auf ihre Rol­le als Frau redu­ziert wer­den, ein Leben ohne die Kunst füh­ren, in dem sie nur dafür da ist, Kin­der zu gebä­ren und groß­zu­zie­hen. Denn obwohl die Male­rei in ›Arte 1‹ Artes Lei­den­schaft ist, trei­ben sie noch ganz ande­re Gefüh­le an, nicht das von ihrer Mut­ter gewünsch­te Leben füh­ren zu wollen.

»Mich hat etwas ande­res bewegt. Nicht die­ses Gefühl. Heu­te wie damals war etwas ande­res in mei­nem Her­zen: Wut.«

Arte lässt sich nicht unter­krie­gen, ist vol­ler Ener­gie, sym­pa­thisch und lebens­froh. Mit allen ihr zur Ver­fü­gung ste­hen­den Mit­teln ver­sucht sie, sich einen Platz im Leben zu erkämp­fen, an dem sie atmen kann. Und wächst dabei jedes Mal ein Stück wei­ter über sich hinaus.

Der Man­ga ›Arte 1‹ ist lie­be­voll gezeich­net und mir gefal­len die Zeich­nun­gen im Innen­teil viel bes­ser als das Cover. Das Flo­renz des 16. Jahr­hun­derts ist detail­ver­liebt und leben­dig ein­ge­fan­gen. Ger­ne folgt man der jun­gen Ade­li­gen Arte auf ihrem Weg durch das Leben als Malerlehrling.

»Ich bestim­me selbst, wie ich lebe. Ihr habt kein Recht fest­zu­le­gen, wo mei­ne Gren­zen sind.«

Fazit zu ›Arte 1

Dabei wir­ken ihre Ideen und Gedan­ken oft modern und ihrer Zeit ent­rückt. Auch heu­te berührt Artes Ener­gie, die sich nicht in ein enges Kor­sett pres­sen las­sen will. Der ers­te Band der Man­ga-Serie liest sich wie eine Lie­bes­er­klä­rung an die Kraft und den Mut von Frau­en: Ich bin gespannt, wie es im zwei­ten Band weitergeht.

Buchinfo

Kei Ohku­bo:
Arte

Band 1
über­setzt von: Yuki Kow­alsky
Carl­sen, Ham­burg 2020
194 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Man­ga, Soft­co­ver
Alter: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−79861−9

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Margaret Owen: Knochendiebin [Rezension]

Die Krähen und ihre toten Götter. 

Namen wie ›Scheu­sal‹, ›Gal­gen­strick‹ oder ›Stur‹ sind es, die die Ange­hö­ri­gen der Krä­hen-Kas­te in ›Kno­chen­die­bin‹ tra­gen. Der ein­zi­gen, der zwölf Kas­ten von Sabor, der kein Geburts­recht zusteht. Sie sind Geäch­te­te und Vogel­freie, denen man jedes erdenk­li­che Leid zufü­gen kann, ohne sich dafür ver­ant­wor­ten zu müssen. 

Doch zugleich sind sie in die­sem Land, in dem seit Genera­tio­nen eine Seu­che wütet, die ein­zi­gen, die sich um die Bestat­tung der von die­ser Befal­le­nen küm­mern kön­nen. Fast jede Krä­he in Sabor hat durch die ande­ren Kas­ten Ange­hö­ri­ge oder Freun­de ver­lo­ren, nur weni­ge Krä­hen wer­den alt.

Doch wäh­rend die Aus­gren­zung der Krä­hen in ›Kno­chen­die­bin‹ eben­so fest zu Sabors Gesell­schaft gehö­ren wie die Sün­den­seu­che selbst, für die vie­le die Krä­hen ver­ant­wort­lich machen, hal­ten die Krä­hen fest zusam­men. ›Beschüt­ze die Dei­nen!‹ ist die Regel, nach der sie leben.

»Stur hat­te wäh­rend ihrer sech­zehn Lebens­jah­re vie­le Lek­tio­nen gelernt, meist auf die har­te Art: immer die Men­ge im Blick behal­ten; immer einen Flucht­weg parat haben; kei­ne Stadt allein betre­ten.
Und in den Näch­ten, in denen sie Sün­der ver­brann­ten, in den San­da­len schlafen.«

Die jun­ge Hexe und zukünf­ti­ge Flü­gel­her­rin Stur ist alles ande­re, als auf den Mund gefal­len. Weder wenn es dar­um geht, um Zäh­ne zu feil­schen, noch in Bezug auf die Män­ner ihrer Rot­te. Doch plötz­lich mit einem Phö­nix-Prin­zen und sei­nem Habicht-Leib­wäch­ter durch das Land zu rei­sen, um den Prin­zen zu schüt­zen, ist selbst für die auf­ge­weck­te Stur Neuland.

Denn wäh­rend sie sich in ›Kno­chen­die­bin‹ mit der Fra­ge aus­ein­an­der­set­zen muss, ob sie Mit­glie­dern der Phö­nix- oder der Habicht-Kas­te trau­en kann, die sie und die ihren stets wie Dreck behan­delt haben, müs­sen Prinz und Leib­wäch­ter eben­falls neue Erfah­run­gen machen. In das Gewand der Krä­hen gehüllt, spü­ren sie zum ers­ten Mal die Aus­gren­zung und den Hass der ande­ren. Müs­sen mit der Angst leben, die dies erzeugt, und der Ungerechtigkeit.

»Sie konn­te nicht spre­chen, nick­te aber. Habich­te baten nicht. Stur wuss­te nicht, wie sie mit einem umge­hen soll­te, der es trotz­dem tat.«

Wäh­rend es für den Prin­zen Jasi­mir und sei­nen Leib­wäch­ter Tavin ums Über­le­ben geht, steht für Stur die Zukunft ihrer Kas­te auf dem Spiel. Wenn es ihnen gelingt, den Prin­zen lebend zu sei­nen Ver­bün­de­ten zu brin­gen, müs­sen die Habich­te zukünf­tig die Krä­hen schützen. 

Doch die­se Abma­chung ist alles ande­re als ein­fach zu erfül­len. Schie­nen die Krä­hen doch bis­lang vom Glück und den tau­send toten Göt­tern ver­las­sen zu sein.

»Eine Krä­he hät­te gewusst, wie man sich ver­hielt. Man ließ die Leu­te höh­nen. Man ließ die Leu­te flu­chen und pöbeln und ging wei­ter, denn wenn man sich wehr­te, muss­ten auch ande­re dafür büßen.«

Mar­ga­ret Owen gelingt es, in ihrem Debüt ›Kno­chen­die­bin‹ eine Welt zu erschaf­fen, die von der ers­ten bis zur letz­ten Sei­te zwingt, den Atem anzu­hal­ten. Das Leben, das die Krä­hen füh­ren müs­sen, ist düs­ter und vol­ler Not. Und doch gelingt es den Krä­hen durch ihren Zusam­men­halt unter­ein­an­der inner­halb die­ser Düs­ter­nis ein Leben zu füh­ren, das mit­reißt. Owens Schreib­stil ist ein­dring­lich und lässt nicht nur beim Mam­mon-Tanz die Nacken­haa­re zu Ber­ge stehen.

Foto: pri­vat.

Die Sün­den­seu­che ist ein für die Krä­hen all­ge­gen­wär­ti­ges Grau­en in Sabor und es bleibt span­nend, im zwei­ten Band der Rei­he ›Die zwölf Kas­ten von Sabor‹ hof­fent­lich zu erfah­ren, wie die­se einst ihren Anfang nahm.

Fazit zu ›Knochendiebin

Kno­chen­die­bin‹ gehört zu jenen Büchern, die nicht nur für Jugend­li­che geschrie­ben sind, son­dern auch Erwach­se­ne fes­seln kön­nen. Eine star­ke, berüh­ren­de Prot­ago­nis­tin, wit­zi­ge und klu­ge Dia­lo­ge und eine düs­te­re Welt vol­ler Geheim­nis­se machen Owens Debüt ›Kno­chen­die­bin‹ mehr als lesens­wert. Gespannt darf auch nach dem zwei­ten Band der Dilo­gie – ›Krä­hen­zau­ber‹ – gegrif­fen werden.

Buchinfo

Mar­ga­ret Owen:
Kno­chen­die­bin

Roman
Die zwölf Kas­ten von Sabor, Band 1
Über­setzt von: Hen­ning Ahrens
Carl­sen, Ham­burg 2019
416 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−551−58405−2

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