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Eveline Helmink: Handbuch für miese Tage [Rezension]

Eveline Helmink: Handbuch für miese Tage [Rezension]

Tipps und Tricks für den Umgang mit (vielleicht doch nicht immer ganz so) miesen Tagen. 

So schön der Umschlag des Buches ›Hand­buch für mie­se Tage‹ anmu­tet, so uner­freu­lich ist oft­mals des­sen The­ma. Manch­mal steht man nicht mit dem rich­ti­gen Bein auf. An ande­ren hin­ge­gen schon, aber irgend­je­mand tritt einem trotz­dem gegen das Schien­bein. Oder in die Knie­keh­le. Oder man steht mit dem rich­ti­gen Fuß auf, die Mit­men­schen sind einem wohl­ge­son­nen, und dann star­tet man vol­ler Eupho­rie und Ener­gie in den Tag und rammt den klei­nen Zeh Freu­de strah­lend gegen die Bett­kan­te. Und plötz­lich ist jede Ener­gie und gute Lau­ne fort. 

Und die­se den klei­nen Zeh hin­ter­häl­tig angrei­fen­den mie­sen Tage sol­len für etwas gut sein? Und was ist mit den Tagen, an denen man sich nicht nur wünscht, man wäre nicht auf­ge­stan­den, son­dern tat­säch­lich nicht aus dem Bett kommt? Gera­de noch die neue Blu­se ange­zo­gen und direkt brü­hend hei­ßen Kaf­fee dar­über gekippt?

Hel­minks ›Hand­buch für mie­se Tage‹ ist eine Lie­bes­er­klä­rung an sie, an die­se Tage, die weder zu einem Hoch­glanz-Leben pas­sen, noch im Lebens­lauf erwähnt wer­den, doch zu etwas zu gebrau­chen sind. Denn was macht man nun mit ihnen, wenn mie­se Tage wie­der unein­ge­la­den vor der Tür ste­hen und sich selbst hineinbitten? 

Das ›Hand­buch für mie­se Tage‹ hat hier­für mehr als nur die eine oder ande­re Idee: Zahl­reich sind die Short­cuts, die Hel­mink zusam­men­ge­stellt hat, um die mie­sen Tage etwas bes­ser zu über­ste­hen, und sie viel­leicht sogar zum Vor­teil zu nutzen.

»Ich bin weder Coach oder Psy­cho­lo­gin noch Dozen­tin – ich inter­es­sie­re mich schon seit jeher für mensch­li­che Ecken und Kan­ten, Unvoll­kom­men­heit und alles rund um die soge­nann­te Resi­li­enz, also das, was man see­li­sche Wider­stands­kraft bezeich­net. Des­halb sehe ich in mir selbst eine Art Cheer­lea­de­rin bei Rück­schlä­ge, Miss­mut und Ungemach.«

Die­se Short­cuts tref­fen vor allem einen Kern des Mensch­li­chen: Es muss nicht alles glän­zen, auch nicht per­fekt ist gut genug, und man ist nicht der ein­zi­ge Mensch auf der Welt, der hin und wie­der von sei­nen mie­sen Tagen erdrückt wird. 

»In einer Zeit, in der wir so ger­ne dar­über spre­chen oder in den sozia­len Netz­wer­ken tei­len, wie gut es uns geht, wie cool das Leben ist und wie bewusst wir das Bes­te aus Kör­per, Geist und See­le machen, scheint es nur wenig Raum für die­se unaus­weich­li­che Wahr­heit zu geben: Jedes mensch­li­che Leben beinhal­tet Tage, die ein­fach nur blöd sind.«

Mit einem Augen­zwin­kern und vie­len Ein­bli­cken in die Tief­punk­te ihres Lebens führt die Autorin durch das ›Hand­buch für mie­se Tage‹. Die­ses ist durch­zo­gen von ganz­sei­ti­gen Abbil­dun­gen mit inspi­rie­ren­den Sprü­chen, die auf den Punkt brin­gen, womit sich die Kapi­tel beschäftigen.

»Mist muss nicht unbe­dingt Sinn ergeben.«

Fazit zu ›Handbuch für miese Tage

So schön und detail­ver­liebt der Umschlag und das Lay­out des Buches ›Hand­buch für mie­se Tage‹ auch sind, so sehr hät­te ich mir gewünscht, dass die Sei­ten weni­ger text­las­tig sind. Durch das gro­ße Sei­ten­for­mat und das ein­spal­ti­ge Lay­out haben die Sei­ten mich manch­mal etwas erschla­gen. Aber das tut dem Inhalt des Buches natür­lich kei­nen Abbruch, der das hält, was bereits das Cover ver­spricht: Es zeigt Mög­lich­kei­ten auf, wie die eige­nen »ungla­mou­rö­sen Tage« betrach­tet wer­den kön­nen und wie auf ein »Ab« ein »Auf« fol­gen kann.

Hel­minks Vor­schlä­ge sind sehr per­sön­lich und von der Autorin bereits erprobt. Nicht jeder Short­cut muss für jeden Leser und jede Lese­rin der rich­ti­ge sein, doch ist bei der umfang­rei­chen Men­ge an Vor­schlä­gen sicher­lich für jeden etwas dabei, das zukünf­tig im Umgang mit den eige­nen mie­sen Tagen erprobt wer­den kann. 

Buchinfo

Eve­li­ne Hel­mink:
Hand­buch für mie­se Tage

Ohne Ab kein Auf: Wie uns die
ungla­mou­rö­sen Tage wei­ter­brin­gen
Über­setzt von Ingrid Oster­mann
Iri­sia­na, Mün­chen 2020
256 S., EUR (D) 22,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
ISBN 978−3−424−15383−5

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Bewer­tung: 4 von 5.

Eine Haf­tung der Rezen­sen­tin für Personen‑, Sach- oder Ver­mö­gens­schä­den ist ausgeschlossen.


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Victor Hugo: Les Misérables [Rezension]

Von Verbrechen, Gesetzen und Menschen. 

Ein Mann wird zu einer Stra­fe von vier Jah­ren ver­ur­teilt, weil er Brot geklaut hat und dabei eine Schei­be ein­ge­schla­gen hat. Das Leben als Galee­ren­sträf­ling ist hart – mehr­mals ver­sucht der Mann namens Jean Val­jean in ›Les Misé­ra­bles‹ zu flie­hen und wird erwischt. Aus den vier Jah­ren wird eine Haft­stra­fe von ins­ge­samt 19 Jahren. 

Doch auch nach­dem Val­jean sei­ne Stra­fe ver­büßt hat, ist er kein frei­er Mann. Er muss sich an jedem Ort mel­den, an den er kommt. Sei­ne Papie­re brand­mar­ken ihn als gefähr­li­chen Ex-Sträf­ling. Trotz des Gel­des, das er müh­sam auf den Galee­ren gespart hat, fin­det er kei­ne Unter­kunft und nie­mand, der ihm etwas zu Essen ver­kau­fen möch­te. Erst als er an das Haus des Bischofs Myri­el von Digne gelangt, den Val­jean durch sei­ne spar­sa­me Lebens­wei­se nicht als sol­chen erkennt, bekommt er Essen und einen Schlaf­platz. Doch Jean Val­jean weiß, dass er wie­der in die Welt hin­aus muss und beschließt, das weni­ge Sil­ber im Haus des Bischofs zu stehlen.

Val­jean, der sein Glück mitt­ler­wei­le ken­nen müss­te, wenn er ver­such­te, eine Straf­tat zu bege­hen, wird erwischt und wie­der in das Haus des Bischofs gebracht. Doch Myri­el von Digne reagiert auf Val­jeans Dieb­stahl auf eine Art, die Val­jeans gesam­tes Leben ver­än­dern wird.

»Gegen die Frau­en und gegen die Armen, auf denen das Unrecht der Gesell­schaft am schwers­ten las­te­te, war er stets nach­sich­tig. ›Die Sün­den der Frau­en, der Kin­der, der Bedien­ten, der Schwa­chen, der Elen­den und der Unwis­sen­den‹, sag­te er, ›sind immer die Schuld der Män­ner, der Eltern, der Brot­ge­ber, der Star­ken, Rei­chen und Wissenden.‹«

Jean Val­jean ist einer von jenen, nach denen die­ser Roman benannt ist: ›Les Misé­ra­bles‹ – ›Die Elen­den‹. Men­schen, die nicht das Glück haben, in ein wohl­ha­ben­des Haus gebo­ren zu sein, son­dern mit den erdenk­lich schlech­tes­ten Start­be­din­gun­gen auf die­se Welt kom­men, die kei­ne siche­re ist. Jean Val­jean ist in die­sem Stru­del, der ihn wei­ter hin­ab reißt. Er stahl Brot, wur­de zum Sträf­ling und damit zu einem von der Gesell­schaft aus­ge­schlos­se­nen. Als ein sol­cher stiehlt er nicht mehr nur Brot, son­dern Silber.

»Wenn die See­le in Dun­kel­heit schmach­tet, ist sie der Sün­de zugäng­lich. Nicht der ist schul­dig, der die Sün­de begeht, son­dern der die Fins­ter­nis erzeugt hat.«

Ähn­lich ergeht es den ande­ren Figu­ren in Vic­tor Hugos Roman ›Les Misé­ra­bles‹. Der jun­gen und schö­nen Fan­ti­ne, der fre­chen und muti­gen Epo­ni­ne, dem klei­nen Gav­ro­che. Vic­tor Hugo gelingt es, eine Welt um die­se zu erschaf­fen, die berührt und in der ›die Elen­den‹ in all ihrer Mensch­lich­keit sicht­bar wer­den. Er zeigt sie ver­strickt in ihre sozia­len Umstän­de, die sie ein­engen und denen sie immer wie­der bereit sind, etwas Leben abzutrotzen.

Die Zeit, in der der Roman ›Les Misé­ra­bles‹ ist eine, in der sich ein Umbruch ankün­di­gen will. 1815 set­zen die Gescheh­nis­se ein und beglei­ten die Figu­ren bis 1832.

»Es war schwer, sich einen her­ab­ge­kom­me­ne­ren Men­schen als die­sen vor­zu­stel­len. Er war von mitt­le­rem Wuch­se, stäm­mig, und bei Kräf­ten. Sein Alter hät­te man mit sechs­und­vier­zig oder acht­und­vier­zig Jah­ren ange­ben können.«

Fazit zu ›Les Misérables

Obwohl mehr als ein­ein­halb Jahr­hun­der­te ver­gan­gen sind, seit­dem Hugo die­sen Roman ver­öf­fent­licht hat, sind die Kämp­fe der Prot­ago­nis­ten nicht ver­staubt. Er lädt den Leser ein, die­se ›Elen­den‹ bei dem Ver­such zu beglei­ten, über sich hin­aus­zu­wach­sen, in einer Zeit, die von Hun­ger und Armut geprägt war. Eine defi­ni­ti­ve Lese­emp­feh­lung! Mehr zu Klas­si­kern fin­det sich in mei­nem Post ›Klas­si­ker, die mich wirk­lich über­rascht haben‹.

Buchinfo

Vic­tor Hugo:
Les Misé­ra­bles / Die Elen­den
(1862)
Übersetzer/in Edmund Th. Kaur
Auf­bau Taschen­buch, Ber­lin 2000
608 S., EUR (D) 14,00 inkl. MwSt.
Roman, Bro­schur
ISBN 978−3−7466−1700−8

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Hube (Hrsg.): Die schönsten norwegischen Märchen [Rezension]

Von vielköpfigen Trollen und weißen Bären. 

Auf über 200 Sei­ten hat Hans-Jür­gen Hube sie gesam­melt: ›Die schöns­ten nor­we­gi­schen Mär­chen‹. Sie sind voll von muti­gen Prin­zen, ent­führ­ten Prin­zes­sin­nen, lie­bens­wer­ten Hel­fern und rol­len­den Troll­köp­fen. Miss­güns­ti­ge Brü­der, die den jüngs­ten nicht mit­neh­men wol­len und sich über ihn lus­tig machen, fin­den eben­so Ein­zug in die Geschich­ten wie Stief­müt­ter, die sich der ver­hass­ten Stief­söh­ne ent­le­di­gen wollen. 

Ein­ge­lei­tet wer­den die ein­zel­nen Geschich­ten von der ver­trau­ten Mär­chen-For­mel »Es war ein­mal«, doch geschlos­sen nur sel­ten von der alt­be­kann­ten »Und wenn sie nicht gestor­ben sind«-Formel.

Neben bekann­ten Mär­chen-Ele­men­ten, wie dem Raub der schö­nen Prin­zes­sin, fin­den sich vie­le, den nor­we­gi­schen Mär­chen eige­ne Ele­men­te, wie die viel­köp­fi­gen Trol­le und den bös­ar­ti­gen Trollhexen.

»Als Lil­le­kort ein Weil­chen gewan­dert war, traf er ein altes, krum­mes buck­li­ges Weib, das nur ein Auge hatte.«

Zudem vari­ie­ren die ein­zel­nen Mär­chen erheb­lich in ihrer Län­ge. Wäh­rend man­che Geschich­ten kaum eine Sei­te lang sind, erstre­cken sich wie­der ande­re auf ein hal­bes Dut­zend Sei­ten. Unter den Ele­men­ten, von denen sich eini­ge immer­fort zu wie­der­ho­len schei­nen, fal­len doch jene Geschich­ten beson­ders auf, die eige­ne­re Inhal­te erzählen. 

Unter mei­nen liebs­ten nor­we­gi­schen Mär­chen dür­fen sowohl der ›Weiß­bär König Vale­mon‹, ›Die Müh­le auf dem Mee­res­grun­de‹, ›Lil­le­kort‹ als auch ›All­schwarz und All­weiß‹ nicht fehlen. 

Auf jeden Fall zäh­le ich ›Die schöns­ten nor­we­gi­schen Mär­chen‹ schon jetzt zu den Büchern, die ich in die­sem Jahr gele­sen habe und deren Cover mir mit am meis­ten gefal­len hat.

Ich fin­de, dass das Cover die Stim­mung der Geschich­ten in ›Die schöns­ten nor­we­gi­schen Mär­chen‹ wun­der­bar ein­fängt und gro­ße Lust macht, das hüb­sche und hand­li­che Büch­lein wie­der und wie­der in die Hand zu nehmen.

»Es waren ein­mal zwei Brü­der, der eine hieß Treu, der ande­re Unge­treu; und Treu war stets gut und auf­rich­tig, Unge­treu aber böse und vol­ler Lügen; nie­mand konn­te sich auf ihn ver­las­sen. Ihre Mut­ter war eine arme Wit­we, die nur wenig zum Leben hatte …«

Fazit zu ›Die schönsten norwegischen Märchen

Wer sich für Mär­chen inter­es­siert, soll­te, obwohl auch ein paar der Mär­chen durch die sich wie­der­ho­len­den, jedoch mär­chen­ty­pi­schen Ele­men­te ein­tö­nig wir­ken kön­nen, doch auch ein­mal einen Blick auf nor­we­gi­sche Mär­chen wer­fen, unter denen sicher­lich der eine oder ande­re Lieb­ling gewon­nen wer­den kann.

Buchinfo

Hans-Jür­gen Hube (Hrsg.):
Die schöns­ten nor­we­gi­schen Mär­chen

Über­setzt v. F. Bre­se­mann & H.-J. Hube
insel taschen­buch, Ber­lin 2019
231 S., EUR (D) 11,- inkl. MwSt.
Taschen­buch
ISBN 978−3−458−36400−9

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Dörte Hansen: Altes Land [Rezension]

Ein Haus, das seine Bewohner überleben wird. 

Altes Land‹ erzählt von einem alten Haus, bewohnt von einem Kriegs­ver­sehr­ten und Geflüch­te­ten, über Genera­tio­nen und Fami­li­en. Ein Haus, in dem gelebt und gestor­ben wird. Man­che ver­las­sen es mit dem fes­ten Vor­ha­ben, nie­mals wie­der zurück­zu­kom­men. Ande­re keh­ren immer wie­der zurück und wol­len doch nie ganz blei­ben und wie­der ande­re, die es nicht ver­las­sen wollen. 

Doch das Haus im Alten Land fügt sich kei­nem ihrer Wün­sche. Vier Genera­tio­nen bewoh­nen es, mal zwei zur glei­chen Zeit, mal abwech­selnd. Doch wäh­rend sich die Bewoh­ner ändern, scheint das Haus lang­sa­mer zu veralten. 

»Die Inschrift am Gie­bel war ver­wit­tert, aber Vera wuss­te, was da stand: Dit Huus is mien un doch nich mien, de no mi kummt, nennt’t ook noch sien.«

Doch nicht nur das Haus und sei­ne Bewoh­ner sind im Wan­del, auch das Alte Land selbst, wie es die älte­ren Anwoh­ner in Dör­te Han­sens Roman noch kann­ten, scheint im Ver­fall. Die Kin­der wol­len oder kön­nen den Hof nicht mehr wei­ter­füh­ren und so wird ein eins­ti­ges Fami­li­en­heim, bald nur noch von Wit­wen und Grei­sen bewohnt.

Dör­te Han­sens Roman ›Altes Land‹ erzählt die Geschich­te von zwei Frau­en, die bei­de aus ihrem alten Leben fort müs­sen. Vera Eck­hoff, die noch Eck­hoff hei­ßend, als Flücht­ling mit ihrer Mut­ter in das Alte Land kommt und durch die Hei­rat ihrer Mut­ter dort in einem Haus woh­nen blei­ben kann. 

Und sie erzählt die Geschich­te der jun­gen Mut­ter Anne, die nach der Tren­nung von ihrem Lebens­ge­fähr­ten mit dem gemein­sa­men Sohn aus Ham­burg fort­zog und bei Vera Eck­hoff Unter­schlupf fin­det. Annes Mut­ter ist Veras jün­ge­re Halbschwester.

Dör­te Han­sens Roman ›Altes Land‹ erzählt von den gro­ßen The­men des Lebens, dem Ver­lo­rensein, den Fol­gen von Krieg und Ent­wur­ze­lung, dem Ver­ge­hen von Tra­di­tio­nen, und doch bleibt ihre Spra­che klar und unverstellt. 

»Vera Eck­hoff wuss­te nicht viel von ihrer Nich­te, aber sie erkann­te einen Flücht­ling, wenn sie einen sah.«

Fazit zu ›Altes Land

Wer zuvor kei­ne Vor­stel­lung vom Alten Land gehabt hat, wird sie nach dem Lesen die­ses Romans sicher­lich haben. Han­sens Schil­de­run­gen füh­ren nicht nur in die alte Welt der Bau­ern auf dem Land, mit sei­nen Tra­di­tio­nen, son­dern auch in die Gedan­ken­welt unter­schied­lichs­ter Frau­en, die den­noch im Alten Land zusam­men­fin­den. So kann ›Altes Land‹ nicht nur Freun­den der Land­wirt­schaft emp­foh­len wer­den, son­dern ist sicher­lich auch für ande­re Leser und Lese­rin­nen lesens­wert. Ich freue mich schon auf ihr Buch ›Mit­tags­stun­de‹.

Buchinfo

Dör­te Han­sen:
Altes Land
Knaus, Mün­chen 2015
288 S., EUR (D) 19,99 inkl. MwSt.
Roman
Hard­co­ver
ISBN 978−3−8135−0647−1

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Katharina Hagena: Vom Schlafen und Verschwinden [Rezension]

Über Verborgenes und Erinnertes. 

Eine Frau, deren Leben mit drei Städ­ten ver­wo­ben ist: Dub­lin, Grund und Ham­burg. Ellen ist von Beruf Som­no­lo­gin, arbei­tet in einem Schlaf­la­bor und schreibt an einer Kul­tur­ge­schich­te des Schlafes. 

Katha­ri­na Hage­nas Roman ›Vom Schla­fen und Ver­schwin­den‹ gibt gefühl­voll Ein­blick in das Leben von drei Genera­tio­nen: Hei­drun, die im Koma lie­gend ver­hun­gert, wäh­rend ihre Toch­ter Ellen immer schlech­ter schläft und ihre Enke­lin Orla lie­ber nachts unter­wegs ist, als zu schla­fen. Doch nicht nur der Schlaf ver­webt die Geschich­ten der Cha­rak­te­re im Roman mit­ein­an­der: Auch das Ver­schwin­den zieht sich durch ihre Leben.

Wäh­rend Ellen mit Orla schwan­ger ist, ver­schwin­det ihr Freund Lutz. Auch die Stim­me ihres bes­ten Freun­des aus Kin­der­ta­gen ver­schwin­det, und Ben­no, der an sei­ner Dok­tor­ar­beit schreibt, sucht nach Spu­ren eines Sol­da­ten namens Hugo Schwindt.

Wäh­rend der Roman selt­sam schlaf­trun­ken und kon­tur­los beginnt, Figu­ren und Hand­lung eher sche­men­haft als klar umris­sen sind, ent­fal­tet sich die Geschich­te, nimmt fes­te Züge an und bie­tet am Ende Ant­wor­ten auf vie­les zunächst bewusst im Unkla­ren gehaltenes. 

Katha­ri­na Hage­na gelingt es auf fast 300 Sei­ten Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart und Zukunft der Figu­ren mit­ein­an­der zu ver­stri­cken. Auch die Erzähl­per­spek­ti­ve wech­selt: So wird der Lesen zum einen mit den Gedan­ken und Erin­ne­run­gen von Ellen ver­traut, zum ande­ren durch Ein­trä­ge in ein Chor­buch mit Mar­t­he, der Mut­ter von Lutz, des­sen Ver­schwin­den sie auch nach Jah­ren nicht los­lässt und sicht­ba­re Spu­ren auf ihr hin­ter­las­sen hat.

»Ich fra­ge mich, was gewe­sen wäre, wenn Lutz kein Kna­be gewe­sen wäre. Hät­te ich ihn dann noch? Töch­ter blei­ben näher an den Eltern.«

Die Atmo­sphä­re des Romans ist sehr dicht. Die Figu­ren ver­ber­gen spür­bar Geheim­nis­se, vor­ein­an­der und vor dem Leser. Ange­rei­chert mit unter­schied­li­chen Wis­sens­häpp­chen über das Schla­fen: von den Phi­lo­so­phen der Anti­ke bis hin zu den Annah­men der moder­nen Wissenschaft.

Katha­ri­nas Hage­nas Roman ›Vom Schla­fen und Ver­schwin­den‹ ist lei­se. Die dar­in erzähl­te Geschich­te drängt sich nicht auf, son­dern will nach und nach frei­ge­legt wer­den. Ein­ge­bet­tet in Beson­der­hei­ten des All­täg­li­chen und Gewöhnlichen.

»In dem Spät­som­mer, als Hei­drun ins Koma fiel, fuhr ich fast jeden Abend an den Hafen, wei­ter an den Bag­ger­see, ein­mal um den See her­um und durch die Mais­fel­der nach Hause.«

Fazit zu ›Vom Schlafen und Verschwinden

Vom Schla­fen und Ver­schwin­den‹ emp­fiehlt sich für all jene Leser, die ger­ne in Fami­li­en­ge­schich­ten stö­bern, die sich durch die Ver­flech­tung von Per­so­nen, Genera­tio­nen und Orten spin­nen und in kla­rer, doch poe­ti­scher Spra­che erzählt werden.

Buchinfo

Katha­ri­na Hage­na:
Vom Schla­fen und Ver­schwin­den
Kie­pen­heu­er & Witsch, Köln 2012
288 S., EUR (D) 18,99 inkl. Mwst.
Roman
gebun­den mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−462−04482−9

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