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Neil Gaiman: Der Ozean am Ende der Straße [Rezension]

Neil Gaiman: Der Ozean am Ende der Straße [Rezension]

Von einem Jungen und einem Mädchen, die an das Wundersame glaubten. 

Für eine Beer­di­gung kehrt ein Mann in ›Der Oze­an am Ende der Stra­ße‹ an den Ort sei­ner Kind­heit zurück. Nicht nur mit sei­nem Eltern­haus ver­bin­det er vie­le Erin­ne­run­gen, auch mit der Farm, auf der Let­tie Hempstock leb­te und dem Teich – der für sie ein Oze­an war.

Doch die Erleb­nis­se in sei­ner Kind­heit sind nur auf den ers­ten Blick jene, die vie­le Kin­der tei­len. Aben­teu­er im Wald, Geheim­nis­se mit neu­en Freun­den, Streit mit Eltern und Gehor­sam. Ängs­te, Unge­hor­sam und der Wunsch, von den Eltern geliebt und beschützt zu werden.

Einen Toten in einem Auto zu ent­de­cken ist hin­ge­gen ein Erleb­nis, das zum Glück nicht alle Kin­der tei­len. Eben­so wenig das Geschöpf, das sie im Wald erwar­tet und so sei­nen Weg in das Zuhau­se des Man­nes fin­det, denn kurz danach wird eine attrak­ti­ve Frau als Kin­der­mäd­chen für den Jun­gen und sei­ne Schwes­ter ein­ge­stellt. Doch bald schon ist sie mehr als nur ein Kindermädchen. 

»Hier war ich doch schon ein­mal gewe­sen, oder, vor lan­ger Zeit? Eigent­lich war ich mir sicher. Kind­heits­er­in­ne­run­gen lie­gen manch­mal unter den Din­gen ver­bor­gen, die spä­ter pas­siert sind, wie Spiel­zeug, das ver­ges­sen auf dem Boden eines Klei­der­schranks liegt, aber nie ganz ver­lo­ren ist.«

Sein Vater beginnt mit ihr eine Affä­re. Nur der Jun­ge scheint wahr­zu­neh­men, dass etwas mit der attrak­ti­ven Frau nicht stimmt, die ihn davon abhal­ten will, das Haus zu ver­las­sen. Auch, wenn sie sei­nem Vater dafür Lügen erzäh­len muss. Der Jun­ge will nichts mehr, als die Frau los­wer­den und mit Let­tie spre­chen, die ihm als ein­zi­ge hel­fen kann.

»Ich frag­te mich, war­um sie alle Hempstock hie­ßen, die­se Frau­en, aber ich frag­te nicht danach, eben­so wenig wie ich mich getrau­te zu fra­gen, woher sie wuss­ten, was in dem Abschieds­brief stand oder was der Opal­schürfer gedacht hat­te, als er gestor­ben war. Sie rede­ten dar­über, als wäre das alles völ­lig normal.«

Die magi­sche und phan­tas­ti­sche Wahr­neh­mung des Jun­gen ver­mischt sich mit den Erleb­nis­sen sei­ner Kind­heit. Wäh­rend in sei­nem Eltern­haus nie­mand wahr­zu­neh­men scheint, was im Ort geschieht, weiß Let­ties Fami­lie mehr. Magie scheint in dem Haus zu pul­sie­ren. Der Glau­be an Din­ge, die für ande­re nur Aber­glau­be oder unvor­stell­bar sind.

Doch wie soll es einem Kind gelin­gen, das Geschöpf aus sei­nem Haus zu ver­trei­ben und sei­ne Fami­lie vor ihm zu beschüt­zen? Und wel­che Ängs­te ist im Stan­de, dafür auszustehen? 

»Wäh­rend wir altern, wer­den wir zu unse­ren Eltern; wenn man lan­ge genug lebt, sieht man die Gesich­ter sei­ner Jugend wie­der. Ich erin­ner­te mich an Mrs. Hempstock, Let­ties Mut­ter, als eine stäm­mi­ge Frau. Die­se Frau war dürr und zierlich.«

Neil Gai­man gelingt es in ›Der Oze­an am Ende der Stra­ße‹ eine Geschich­te zu schrei­ben, die sowohl den Zau­ber des Kind­seins ein­fängt als auch dem Wun­der­ba­ren und Magi­schen einen fes­ten Platz ein­räumt. Das Buch ist wun­der­voll von Eli­se Hurst illus­triert, sodass die Buch­sei­ten auf meh­re­re Arten zugleich zum Leben erwachen.

Zugleich wird das Kind­sein ernst­ge­nom­men wie sel­ten in einer Geschich­te. Und wäh­rend der Jun­ge mit all den Ein­schrän­kun­gen sei­ner Kind­heit kämp­fen muss, ist er in ande­ren Berei­chen doch viel frei­er als es zum Bei­spiel sein Vater zu sein scheint. Wem ›Der Oze­an am Ende der Stra­ße‹ gefal­len hat, soll­te einen Blick auf Gai­m­ans ande­re Wer­ke wer­fen wie ›Nor­di­sche Mythen und Sagen‹.

Fazit zu ›Der Ozean am Ende der Straße‹

Der Oze­an am Ende der Stra­ße‹ ist ein wun­der­schö­nes, teils düs­te­res Buch über das Kind­sein, das Wun­der­sa­me, Fami­lie und dem Kampf, die eige­nen Ängs­te zu über­win­den. Als gro­ßer Neil Gai­man-Fan muss­te ich das Buch natür­lich lesen und die wun­der­schön illus­trier­te Aus­ga­be hat mich defi­ni­tiv von sich überzeugt.

Buchinfo

Neil Gai­man:
Der Oze­an am Ende der Stra­ße

illus­triert von Eli­se Hurst
aus dem Eng­li­schen von Han­nes Rif­fel
Eich­born, Köln 2021
336 S., EUR (D) 24,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
Alters­emp­feh­lung: ab 14 Jah­ren
ISBN 978−3−8479−0071−9

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Marie Graßhoff: Beta Hearts [Rezension]

Vergessene Sünden, verlorene Erinnerungen. 

Die Welt, die sie kann­ten, gibt es nicht mehr. KAMI hat die Sperr­zo­nen ver­las­sen. Immer mehr Bezir­ke fal­len in ›Beta Hearts‹ dem von Men­schen geschaf­fe­nen Virus zum Opfer, der sei­nen Wir­ten jeg­li­che Emo­tio­nen raubt. 

Denn KAMI lernt, es ent­wi­ckelt sich und ist den Men­schen längst ent­wach­sen. Und in ihm wächst ein Drang her­an, stär­ker noch als der Wunsch, alle Men­schen zu assi­mi­lie­ren: Es will sie ver­ste­hen. Es will wis­sen, war­um sie so han­deln, wie sie han­deln. Es will Emo­tio­nen ver­ste­hen ler­nen. Und es will, dass die Welt in all ihren Far­ben und For­men end­lich nicht mehr unter den Men­schen zu lei­den hat.

»Danach erin­ne­re ich mich nur an Cha­os. An Schreie, Schüs­se, Rauch, Angst und Dun­kel­heit. So viel Dun­kel­heit in so vie­len Gedanken.« 

Was ist das für eine Welt, die Marie Graß­hoff in ihrer ›Neon Birds‹-Tri­lo­gie beschreibt und die ein Kind braucht, das sich Stück für Stück zu einer Maschi­ne machen lässt? Wie viel bleibt von die­sem Kind übrig, das zwar mit den Jah­ren zu einem jun­gen Erwach­se­nen her­an­wächst, doch des­sen Kör­per bis dahin zu mehr als 70 Pro­zent nicht mehr mensch­lich ist?

Und wie kann die­ses Kind, das nie etwas ande­res gekannt hat, als das Kämp­fen, damit auf­hö­ren? Erst nach und nach wird in ›Neon Birds‹, ›Cyber Trips‹ und ›Beta Hearts‹ klar, wie kaputt die­se Welt ist, in der Oki­jen, Andra, Flover, Luke und Byth ver­su­chen, zu über­le­ben. Was auf den ers­ten Blick fort­schritt­lich, erstre­bens­wert und makel­los erscheint, bekommt Ris­se. Geheim­nis­se schei­nen durch, Leer­stel­len bil­den sich. Und immer grö­ßer wird der Wunsch, zu wis­sen, wie die­se Welt der ›Neon Birds‹-Tri­lo­gie ent­stan­den ist. Und vor allem, was aus ihr wer­den soll.

»Die Men­schen gaben mir die Macht zu ler­nen. Und ich lern­te, mich zu erin­nern. An die­se Wesen, die an ihren Besitz­tü­mern hän­gen wie an Ankern.«

Denn wäh­rend alle ihre Kräf­te bün­deln und ver­ei­nen in dem Wunsch, KAMI end­gül­tig aus­zu­lö­schen, wächst in Andra ein ande­res Ziel her­an. Ist der Mensch über­haupt dazu in der Lage, KAMI in einem Kampf zu schla­gen? Wenn nicht, was bleibt dann noch?

Andras Pfad ist ein­sam. Wen ist sie bereit, zurück­zu­las­sen, und wer ist bereit, sie zu ver­ra­ten? In ›Beta Hearts‹ schließt sich die Schlin­ge um die Häl­se der viel zu jun­gen Kämpfer.

»Gab es über­haupt noch Men­schen auf die­ser Welt außer ihnen? Gab es Städ­te und Dör­fer und Sied­lun­gen, in denen Men­schen leb­ten, die kei­ne Moja waren? Wo wären sie sicher?«

Graß­hoffs Sci­ence Fic­tion-Tri­lo­gie ist von der ers­ten bis zu letz­ten Sei­te span­nend. Die Fra­gen, die zwi­schen den Zei­len schlum­mern, rüh­ren tief an den Kern des Mensch­seins her­an. Die Geschich­te der Mensch­heit ist von Kämp­fen durch­zo­gen, wie soll­te es in der Zukunft anders sein? Sind Oki­jen und die ande­ren bereit, die­se Welt von den Genera­tio­nen vor ihnen zu übernehmen?

Fazit zu ›Beta Hearts

Bereits in den ers­ten bei­den Bän­den der ›Neon Birds‹-Tri­lo­gie ›Neon Birds‹ und ›Cyber Trips‹ hat Graß­hoff bewie­sen, dass sie schrei­ben kann und das Fina­le ›Beta Hearts‹ steht hier­bei in nichts nach. Es ist eine die­ser Rei­hen, über die man stun­den­lang spre­chen könn­te, weil so vie­le essen­zi­el­le Fra­gen dar­in schlummern.

Zugleich bleibt auch in ›Beta Hearts‹ noch vie­les unbe­ant­wor­tet. Zum Teil auch Fra­gen, um die sich die drei Bän­de stark gedreht haben. So bleibt zu hof­fen, dass ›Beta Hearts‹ zwar das Fina­le der Tri­lo­gie ist, das ›Neon Birds‹-Uni­ver­sum jedoch noch fort­ge­setzt wird. Ich bin gespannt! 

Buchinfo

Marie Graß­hoff:
Beta Hearts

Sci­ence Fic­tion, Roman
Band 3
Alters­emp­feh­lung: ab 16 Jah­ren
Bas­tei Lüb­be, Köln 2020
511 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Paper­back
ISBN 978−3−404−20968−2

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James Gould-Bourn: Pandatage [Rezension]

Wie eine Stangentänzerin und ›Dirty Dancing‹ das Leben verändern können. 

Dass ein Unglück sel­ten allein kommt, weiß Dan­ny in ›Pan­da­ta­ge‹ ver­mut­lich bes­ser als die meis­ten. Seit sei­ne Frau Liz vor einem Jahr plötz­lich bei einem Auto­un­fall ver­starb, ist das Leben der klei­nen Fami­lie nicht mehr das gleiche. 

Sein Sohn Will spricht nicht mehr – weder mit ihm, noch mit ande­ren. War das Geld vor­her schon knapp, reicht es nun nicht ein­mal mehr für das Nötigs­te: Unbe­zahl­te Rech­nun­gen häu­fen sich und sein Ver­mie­ter gehört nicht zur gedul­di­gen Sor­te, dem Gewalt als Lösung fern läge. Als Dan­ny dann noch sei­nen Job als Bau­ar­bei­ter ver­liert, bringt ihn nur der Gedan­ke an sei­nen Sohn noch dazu, mor­gens das Haus zu verlassen. 

»›Ist eine lan­ge Geschich­te‹, sag­te er und schau­te auf sei­nen unbe­ring­ten Ring­fin­ger. Als Liz noch am Leben gewe­sen war, hat­te er sich nie Sor­gen um sei­nen Ehe­ring gemacht, aber nach ihrem Tod hat­te er mit einem Mal schreck­li­che Angst bekom­men, er kön­ne ihn ver­lie­ren, also hat­te er ihn in Wat­te gehüllt, in eine Streich­holz­schach­tel gesteckt und in der Schub­la­de sei­nes Nacht­tischs verborgen.«

Doch ganz gleich, wie sehr er sich auch bemüht, eine Anstel­lung ist für den unge­lern­ten Mann nicht zu fin­den. Hat man ihm bereits sein Leben lang gesagt, dass er zu nichts zu gebrau­chen sei, scheint es sich jetzt zu bewahrheiten. 

Aber Dan­ny wäre nicht Dan­ny, wenn er ein­fach auf­ge­ben wür­de. Das Pan­da­kos­tüm, das er in einem her­un­ter­ge­kom­me­nen Laden bekommt, ist weder schön noch sau­ber. Aber es ist güns­tig und erfüllt somit Dan­nys Haupt­vor­aus­set­zung. Doch schon bald muss Dan­ny fest­stel­len, dass es nicht genügt, sich mit einem Kos­tüm in einen Park zu stel­len. Um genug Geld zu bekom­men, um sei­ne Mie­te zu zah­len, muss er den Leu­ten etwas bieten. 

Dan­ny kann nicht tan­zen. Aber da er all die ande­ren Sachen, für die Leu­te einem Mann im Pan­da­kos­tüm Geld zah­len wür­den, noch schlech­ter kann, bleibt ihm nichts ande­res übrig. 

»Wäh­rend sei­ne ver­stor­be­ne Frau auf der Tanz­flä­che eine Art Natur­ta­lent gewe­sen war, war Dan­ny eher eine Natur­ka­ta­stro­phe. Sein Pro­blem war ganz ein­fach. Er hat­te kei­nen Rhythmus.«

Pan­da­ta­ge‹ ist ein Roman, der trotz sei­ner tra­gi­schen The­ma­tik immer wie­der zum Lachen bringt. Die trau­ri­gen Momen­te sind weder kit­schig noch pathe­tisch. Gould-Bourn gelingt es, auf eine sub­ti­le Art stark mit Dan­ny und Will mit­füh­len zu las­sen. Die lus­ti­gen Momen­te las­sen den Leser oder die Lese­rin laut auf­la­chen. An man­chen Stel­len kann die Komik zwar etwas zu auf­ge­setzt und kon­stru­iert wir­ken und dadurch dar­an erin­nern, was ›Pan­da­ta­ge‹ ist: ein Roman. Ein Roman, der die Kraft zeigt, über die man ver­fügt, wenn man sich nicht unter­krie­gen lässt. Und Freun­de hat, die einen unterstützen. 

Fazit zu ›Pandatage

Pan­da­ta­ge‹ ist kein Roman, der zeigt, dass alles wie­der gut wird, viel­leicht kann es das auch gar nicht. Und doch führt er vor Augen, dass es wie­der gut wird, dass es wei­ter­ge­hen kann, auch wenn es weh­tut und sicher­lich nicht leicht fällt. ›Pan­da­ta­ge‹ ist vol­ler Figu­ren, die man fast schon mögen muss, ob Dan­ny und Will, oder die Stan­gen­tän­ze­rin Krys­tal und den Ukrai­ner Ivan. Gould-Bourns Debüt ist defi­ni­tiv ein Lesevergnügen.

Buchinfo

James Gould-Bourn:
Pan­da­ta­ge

Roman
Über­setzt von: Ste­phan Klei­ner
Kiepenheuer&Witsch, Köln 2020
384 S., EUR (D) 20,- inkl. MwSt.
Gebun­de­ne Aus­ga­be
ISBN 978−3−462−05364−7

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Marie Graßhoff: Cyber Trips [Rezension]

Vom Zerfall einer Welt und einem Huhn. 

Die Ord­nung ihrer Welt ist im Zer­fall begrif­fen. Nur mit müde sind Sperr­zo­nen errich­tet und ver­tei­digt wor­den, Unzäh­li­ge sind in die­sen Kämp­fen ums Leben gekommen. 

Doch die Moja – men­schen­ähn­li­che Wesen, die nicht über Gefüh­le ver­fü­gen – haben dazu gelernt. Erst lern­ten sie, Kugeln und ande­ren Waf­fen der Men­schen zu trot­zen, nun lern­ten sie, die Mau­ern der Sperr­zo­nen zu zer­stö­ren, als wären sie aus Sand. Beson­ders ein Moja, der Ers­te der Stu­fe 4, hält Oki­jen, Flover, Andra, Byth und Luka in ›Cyber Trips‹ in Atem. 

Was will die­ses Wesen, das aus­ge­bil­de­te und erfah­re­ne Ein­hei­ten aus­löscht, als wären sie Spiel­zeug­sol­da­ten, sogar Bom­ben­an­grif­fen trotzt?

»Das Beben der Geschos­se hallt noch nach, als der Staub sich fast sorg­sam um den Baum gesam­melt und ihn in ein wei­ches Lager aus Erin­ne­run­gen gebet­tet hat. Die Trüm­mer der Mau­er, wie zufäl­lig um die Wur­zeln ver­teilt, wir­ken wie die Grab­stei­ne des alten Riesen.« 

Nach­dem der ers­te Teil der ›Neon Birds‹-Tri­lo­gie mit dem gleich­lau­ten­den Namen ›Neon Birds‹ die Lesen­den an einem Punkt zurück­ge­las­sen hat­te, der nach ›Wei­ter­le­sen‹ geschrie­ben hat, beginnt ›Cyber Trips‹ nicht weni­ger spannend. 

Zwei jun­ge Män­ner flie­hen gemein­sam mit einem Huhn in einem Zug. Flovers und Lukes letz­te Hoff­nung liegt in Flovers Mut­ter Liza, die sich in der Ver­gan­gen­heit nicht durch müt­ter­li­che Qua­li­tä­ten bewie­sen hat. 

Wäh­rend Andra in ›Cyber Trips‹ hin­ge­gen hofft, mit KAMI, dem Moja Stu­fe 4, spre­chen zu kön­nen, scheint Byth etwas vor ihnen zu ver­ber­gen. Eine der weni­gen Aus­weg­mög­lich­kei­ten, der Oki­jen, Byth und Andra bleibt, ruht in Andras Ver­gan­gen­heit. Was hat es mit den Pfei­len auf sich, die durch die Alte in Andras zer­stör­tem Dorf geseg­net wor­den sind?

»Sie hat­te vor dem Dorf gestan­den und gekämpft, war sich so sicher gewe­sen, alle zu beschüt­zen.
Aber sie hat­te sich nicht umge­dreht. Hät­te sie es getan, hät­te sie gese­hen, dass die Moja auch aus ande­ren Rich­tun­gen gekom­men waren.«

Wäh­rend immer mehr Gebie­te der Welt von den Moja über­nom­men und dadurch für Men­schen unbe­wohn­bar wer­den, setzt der Welt­rat alles dar­an, um dies zu ver­hin­dern. Doch wäh­rend die Ord­nung der alten Welt zer­bricht, bleibt auch der Welt­rat von ihrem Ver­fall nicht verschont. 

In ›Cyber Trips‹ beginnt die Auf­lö­sung und Ver­wi­schung des Bekann­ten. Denn wäh­rend KAMI nicht nur lernt, zu über­le­ben und zu kämp­fen, scheint es auch immer mehr über das Wesen des Men­schen zu ler­nen. Schrit­te in die Ver­gan­gen­heit wer­den nötig, alte Wun­den wie­der auf­ge­ris­sen. Wie­so ist Oki­jen van Dire in sei­nen jun­gen Jah­ren bereits so müde, wei­ter­zu­kämp­fen? Und wel­ches Leben haben die drei Per­so­nen geführt, die sich der Welt­rat nen­nen, schon vie­le Jah­re alt sind und so jung aus­se­hen, als wären sie kei­ne drei­ßig? Wie war die­se Welt, bevor die Mojas kamen, und wel­che Opfer muss­ten Liza, Mar­shall und Alas­ka brin­gen, um in der neu­en Welt als Welt­rat hervorzugehen?

»›Es wäre mir eine Ehre, wenn Sie auf mein Huhn auf­pas­sen wür­den, Gene­ral Moo­re‹, rief Luke, wäh­rend er Flover aus dem Raum zerr­te. ›Ihr Name ist Gerta.‹«

Fazit zu ›Cyber Trips

Cyber Trips‹, der zwei­te Band die­ser span­nungs­ge­la­de­nen Tri­lo­gie, soll­te defi­ni­tiv erst gele­sen wer­den, wenn auch der ers­te Band ›Neon Birds‹ gele­sen wur­de. Das fei­ne Netz an Zusam­men­hän­gen, dass Marie Graß­hoff über Ver­gan­gen­heit, Gegen­wart und Zukunft der Cha­rak­te­re ist zu kom­plex und zu viel­ver­spre­chend, um einen Teil davon ver­pas­sen zu wollen.

Graß­hoffs Schreib­stil in ›Cyber Trips‹ ist klar und frisch, mit einem Hauch von Poe­sie. Und so wird es sicher­lich auch im drit­ten Teil, ›Beta Hearts‹ span­nend wei­ter­ge­hen. Denn zwei Fra­gen beschäf­ti­gen ver­mut­lich jeden Leser und jede Lese­rin der ers­ten bei­den Bän­de: Wel­che Zukunft kann es für eine sol­che Welt geben und was schlum­mert in ihrer Vergangenheit?

Buchinfo

Marie Graß­hoff:
Cyber Trips

Sci­ence Fic­tion, Roman
Band 2
Alters­emp­feh­lung: ab 16 Jah­ren
Bas­tei Lüb­be, Köln 2020
445 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Paper­back
ISBN 978−3−404−20967−5

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Robert Galbraith: Der Ruf des Kuckucks [Rezension]

Von einem taumelnden Detektiv. 

250 Sei­ten hat es gedau­ert, bis ich mit ›Der Ruf des Kuckucks‹ warm gewor­den bin. Zuge­ge­ben, wenn das Buch von einer ande­ren Autorin oder einem ande­ren Autor geschrie­ben wor­den wäre, hät­te ich ihm ver­mut­lich nicht so viel Zeit gege­ben. Ich habe es immer wie­der zurück auf mei­nen Lese­sta­pel gelegt, um es dann irgend­wann wie­der hervorzuholen. 

Aber ich den­ke, dass mein Pro­blem mit dem Anfang des Buches vor allem durch eines kam: Ich hat­te es nicht aus­ge­sucht, weil ich den Klap­pen­text viel­ver­spre­chend fand, son­dern nur, weil ich die Autorin so sehr mag. Nor­ma­ler­wei­se hät­te mich das Set­ting des Romans nicht sehr inter­es­siert, da es mir nicht atmo­sphä­risch genug erschie­nen wäre.

Somit sagen mei­ne Pro­ble­me mit dem Anfang des Roma­nes wohl nicht unbe­dingt etwas über die Qua­li­tät des­sel­ben aus, son­dern vor allem dar­über, dass ich ihn mir nicht aus den rich­ti­gen Grün­den gekauft hat­te. Aber den­noch: Nach­dem ich mit dem Set­ting warm­ge­wor­den war und end­lich einen Durch­blick über all die unter­schied­li­chen Figu­ren bekom­men hat­te, war das Buch sehr schnell ver­schlun­gen. Für die ers­ten 250 Sei­ten brauch­te ich fast zwei Jah­re, für die rest­li­chen knapp 400 Sei­ten kei­ne 24 Stunden.

»… durch sei­ne Grö­ße und beträcht­li­che Kör­per­be­haa­rung, gepaart mit einem deut­li­chen Bauch­an­satz, erin­ner­te sei­ne Erschei­nung an einen Grizz­ly. Er hat­te ein ange­schwol­le­nes blau­es Auge; unter der Augen­braue befand sich ein Schnitt.«

Das ange­sag­te Top­mo­del Lula Landry stirbt bei einem Sturz von ihrem Bal­kon. Was zuerst nach Selbst­mord aus­sieht, wird bald von eini­gen ihrer Ange­hö­ri­gen infra­ge gestellt. Die Gerüch­te häu­fen sich. Hat­te Lula vor ihrem Tod Streit mit ihrem eben­falls berühm­ten Freund? Haben ihre leib­li­chen Eltern etwas mit ihrem Tod zu tun, oder war gar ihre Adop­tiv­fa­mi­lie dar­in ver­wi­ckelt? Mit ihrem Tod hin­ter­lässt das Model meh­re­re Mil­lio­nen und eine Men­ge unge­klär­ter Fragen.

Auch das Leben, wie es sich der Detek­tiv Cormo­ran Strike vor­ge­stellt hat­te, ist vor­bei: Die Tren­nung von sei­ner Ver­lob­ten, die Ampu­ta­ti­on sei­nes Bei­nes nach sei­ner Zeit beim Mili­tär, die finan­zi­el­len Schwie­rig­kei­ten, die ihn auf einer Cam­pin­glie­ge in sei­nem Büro schla­fen lassen. 

Als ihn John Bris­tow, der Adop­tiv­bru­der des ver­stor­be­nen Models Lula Landry, auf­sucht, strahlt Cormo­ran Strikes hells­ter Stern nicht. Doch der Vor­schuss für die Über­nah­me der Ermitt­lun­gen ist groß und ein Kind­heits­freund, eben­falls ein Adop­tiv­bru­der von John Bris­tow, ver­bin­det die Män­ner mit­ein­an­der. Zu sei­nem neu­en Fall bekommt Cormo­ran auch eine neue Sekre­tä­rin ins Haus, die sich schon bald als über­aus flei­ßig und begabt entpuppt.

»Obwohl Robin Ella­cotts fünf­und­zwan­zig­jäh­ri­ges Leben nicht frei von auf­re­gen­den und dra­ma­ti­schen Ereig­nis­sen gewe­sen war, so hat­te sie doch nie zuvor das Bett in der fes­ten Gewiss­heit ver­las­sen, dass sie den anbre­chen­den Tag für den Rest ihres Lebens im Gedächt­nis behal­ten würde.«

Und so begibt sich Cormo­ran Strike in ›Der Ruf des Kuckucks‹ für sei­ne Ermitt­lun­gen in die Welt des Blitz­licht­ge­wit­ters und die vie­len, mit­ein­an­der ver­wo­be­nen Schich­ten des Romans fal­ten sich vor dem Leser oder der Lese­rin auf.

Der Ruf des Kuckucks‹ war das ers­te Buch, das ich von J. K. Row­ling gele­sen habe – die hier unter dem Pseud­onym Robert Gal­braith schreibt –, das nicht zum ›Har­ry Pot­ter‹-Uni­ver­sum zählt. Und ich habe lan­ge gebraucht, um zu ver­dau­en, dass in ›Der Ruf des Kuckucks‹ nie­mand mit Zau­ber­stä­ben auf­ein­an­der los­geht. Natür­lich weiß ich, dass Schrift­stel­ler unter­schied­li­che Wel­ten erschaf­fen kön­nen: Doch J. K. Row­ling war durch mei­ne Kind­heit hin­durch so stark mit ›Har­ry Pot­ter‹ ver­knüpft, dass ich es für die­sen Roman wie­der neu ler­nen musste.

»Strike hat­te ein­mal ver­sucht, die Schu­len zu zäh­len, die er in sei­ner Jugend besucht hat­te, und war auf sieb­zehn gekom­men, wobei er jedoch den Ver­dacht heg­te, ein paar ver­ges­sen zu haben. Nicht mit ein­ge­rech­net hat­te er die kur­ze Zeit, in der er angeb­lich Pri­vat­un­ter­richt erhal­ten hat­te: als er mit sei­ner Mut­ter und sei­ner Halb­schwes­ter in einem besetz­ten Haus in der Atlan­tic Road in Brixton wohnte.«

Eines der gro­ßen Talen­te von Robert Gal­braith und J. K. Row­ling (›Phan­tas­ti­sche Tier­we­sen‹ & ›Grin­del­walds Ver­bre­chen‹) ist ihr Gespür für Men­schen, die Wir­ren ihrer Bezie­hun­gen und die Glaub­wür­dig­keit ihrer Emo­tio­nen. ›Der Ruf des Kuckucks‹ ent­wi­ckelt sich nach und nach zu einem Kri­mi­nal­ro­man, in dem die Taten und Wün­sche der ver­schie­de­nen Figu­ren so fein mit­ein­an­der ver­wo­ben sind, dass der Roman ein stim­mi­ges Gesamt­bild ergibt.

Fazit zu ›Der Ruf des Kuckucks

Nun, viel­leicht habe ich ›Der Ruf des Kuckucks‹ aus den fal­schen Grün­den ange­fan­gen zu lesen, aber sicher­lich habe ich ihn aus den rich­ti­gen Grün­den zu Ende gele­sen: Die Ver­stri­ckun­gen und die orga­ni­sche Ent­wick­lung der unter­schied­li­chen Figu­ren in ihren Bezie­hun­gen zuein­an­der hat mir kei­ne ande­re Wahl gelas­sen. So hat sich für mich auch das Ende über­aus stim­mig ange­fühlt und mir gro­ße Lust gemacht, die­se Rei­he trotz mei­ner Start­schwie­rig­kei­ten weiterzulesen.

Buchinfo

Robert Gal­braith:
Der Ruf des Kuckucks

Ein Fall für Cormo­ran Strike
Die Cormo­ran-Strike-Rei­he, Band 1
Aus dem Eng­li­schen von Wulf Berg­ner,
Chris­toph Göh­ler, Kris­tof Kurz
Roman, Kri­mi
Blan­va­let, Mün­chen 2014
656 S., EUR (D) 10,99 inkl. MwSt.
Taschen­buch, Klap­pen­bro­schur
ISBN 978−3−442−38321−4

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 3.5 von 5.


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Marie Graßhoff: Neon Birds [Rezension]

Von Menschen, Mauern und Maschinen. 

Ihre Leben sind mit dem Tod ver­wo­ben. Flover Naka­mu­ra und Oki­jen Van Dire, weil sie in ihrem kur­zen Leben bereits zu viel töten muss­ten. Andra und Luke, weil sie alles und jeden, den sie in ihrem Leben kann­ten, ver­lie­ren mussten. 

KAMI, ein künst­lich erschaf­fe­ner, tech­ni­scher Virus, macht Men­schen und Tie­re, die sich mit ihm infi­zie­ren, in ›Neon Birds‹ zu Mojas: Cyborgs, die von KAMI gesteu­ert Men­schen angrei­fen. Weg­ge­sperrt in Sperr­zo­nen sind sie aus dem All­tag der Men­schen ver­schwun­den. Doch wäh­rend die Men­schen sich in den Gebie­ten ein­ge­rich­tet haben, die ihnen noch blei­ben, schläft KAMI nicht – es lernt.

»Die Ältes­te sag­te, dass das, was hin­ter den Mau­ern schlum­mer­te, das Kind und gleich­zei­tig der Unter­gang der Mensch­heit sei. Geschöp­fe, von ihnen selbst erschaf­fen, gekom­men, um über sie zu richten.«

Was sagt es über eine Welt, in der die gefei­erts­ten Sol­da­ten kaum zwan­zig Jah­re alt und doch schon müde sind? Mecha­ni­sche Tie­re tum­meln sich auf den Stra­ßen und in den Woh­nun­gen, die oft­mals über und über mit Pflan­zen deko­riert sind, um sich von ihnen zu ernähren. 

Sol­da­ten wer­den im Kampf gegen die Mojas aus­ge­bil­det, die mit jedem ver­strei­chen­den Jahr stär­ker und intel­li­gen­ter zu wer­den schei­nen. An den Mau­ern zu den Sperr­zo­nen woh­nen noch ver­ein­zelt Stäm­me, die ihren eige­nen Geset­zen fol­gen, oder Men­schen, die das Leben in den Zonen nicht hin­ter sich las­sen kön­nen. Sie war­ten und hof­fen, dass das, was hin­ter den Mau­ern exis­tiert, irgend­wann wie­der so sein wird, wie sie es kannten. 

»Die Tore der Zone waren das Größ­te, was sie jemals gese­hen hat­te. Die Gewalt, die allein von den Mau­ern aus­ging, war unfass­bar für sie gewe­sen. Wie mäch­tig muss­te dann erst das sein, was sie in sich bargen?«

Doch von jenen, die sich hin­ter die Mau­ern trau­en, kom­men nur die wenigs­ten zurück. Und wäh­rend KAMI in den Mau­ern gedeiht, wer­den außer­halb der Mau­ern Ent­schei­dun­gen getroffen. 

»Außer­halb der Mau­ern erzäh­len die Men­schen ein­an­der eine Geschich­te. Eine Geschich­te von Sicher­heit und davon, dass sie durch Aus­gren­zung erreicht wer­den könn­te. Sie nei­gen dazu, alles, was sie nicht ken­nen, von sich fern­zu­hal­ten, aus Angst, es könn­te ihnen schaden.«

Die Cha­rak­te­re von ›Neon Birds‹, dem Auf­takt­band zur Tri­lo­gie von Marie Graß­hoff, sind eben­so beson­ders, wie es die Welt ist, die Graß­hoff erschafft. Weder Flover noch Oki­jen ent­pup­pen sich als blo­ße Abzieh­bil­der eines Sol­da­ten, auch Andra ist kein hilf­lo­ses Mäd­chen, das stän­dig geret­tet wer­den muss. Männ­li­che wie weib­li­che Cha­rak­te­re neh­men die unter­schied­lichs­ten Posi­tio­nen in der Welt von ›Neon Birds‹ ein.

In die­ser Welt, die von Kyber­ne­tik, künst­li­cher Intel­li­genz und Fort­schritt geprägt ist, zeich­nen sich die Figu­ren vor allem durch eines aus: Menschlichkeit.

»Die Welt stand vor dem Ende. Er hat­te die­ses Gefühl gehabt, seit er den­ken konn­te. Das Gefühl, dass es endete.«

Fazit zu ›Neon Birds

Die­se beson­de­ren, ans Herz wach­sen­den Figu­ren machen es leicht, die Ein­la­dung in die Tri­lo­gie um ›Neon Birds‹ anzu­neh­men, obwohl der Sog der Gesam­terzäh­lung, der mich förm­lich zwang, das Buch bis zum Ende zu lesen, erst im spä­te­ren Ver­lauf des Romans ein­setz­te. Mit jedem wei­te­ren Kapi­tel wird bei ›Neon Birds‹ eines siche­rer: Man darf auf die bei­den Fol­ge­bän­de ›Cyber Trips‹ und ›Beta Hearts‹ der ›Neon Birds‹-Tri­lo­gie mehr als gespannt sein.

»Super­sol­da­ten kämp­fen gegen Zom­bie-Cyborgs«, lau­te­te Graß­hoffs Dank­sa­gung im Roman zufol­ge die ursprüng­li­che Plot­idee zu ›Neon Birds‹. Und es ist wirk­lich erstaun­lich, was die Autorin aus die­ser Idee erschaf­fen hat: Eine Emp­feh­lung, nicht nur für Science-Fiction-Fans.

Buchinfo

Marie Graß­hoff:
Neon Birds

Roman: Sci­ence Fic­tion
Bas­tei Lüb­be, Köln 2019
463 S., EUR (D) 15,- inkl. MwSt.
Paper­back
Alters­emp­feh­lung: ab 16 Jah­ren
ISBN 978−3−404−20000−9

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Neil Gaiman: Nordische Mythen und Sagen [Rezension]

Vom Ende und vom Anfang der Götter. 

Spä­tes­tens seit der Ver­fil­mung der Mar­vel-Comics sind Thor, Loki, Odin und wei­te­re Ver­tre­ter der nor­di­schen Göt­ter wie­der im Bewusst­sein von vie­len. ›Nor­di­sche Mythen und Sagen‹ erscheint somit zur pas­sen­den Zeit.

Doch schon mit der ›Edda‹ lie­gen lite­ra­ri­sche Wer­ke vor, die in alt­is­län­di­scher Spra­che über die Göt­ter und Hel­den erzäh­len: von Odin, Loki, Bal­der und vie­len wei­te­ren, zum Teil heu­te noch bekann­ten Figu­ren der Welt der nor­di­schen Mythen. 

Zwi­schen den Schrif­ten der ›Edda‹ und den Comics von Mar­vel lie­gen vie­le, vie­le Jahr­hun­der­te. Wie lan­ge die münd­li­che Über­lie­fe­rung der Geschich­ten der nor­di­schen Göt­ter zuvor bereits exis­tiert hat, weiß viel­leicht nur Odin selbst. Doch auch in den Jahr­hun­der­ten zwi­schen der Ver­schrift­li­chung der ›Edda‹ und der Wie­der­auf­er­ste­hung der nor­di­schen Göt­ter durch Tom Hidd­les­ton, Chris Hems­worth und Antho­ny Hop­kins war es um die Göt­ter nicht still.

Myths of the Nor­se­men: Retold from the Old Nor­se Poems and Tales‹ von Roger Lan­ce­lyn Green, erschie­nen im Jah­re 1960, und Wer­ke des 1941 gebo­re­nen Autors Kevin Cross­ley-Hol­land über die nor­di­sche Mytho­lo­gie haben nicht nur Neil Gai­man tief beeindruckt.

Es gibt sel­ten Bücher, bei denen ich mich bereits in die Ein­lei­tung ver­liebt habe. Neil Gai­man ist das mit ›Nor­di­sche Mythen und Sagen‹ gelun­gen. Eine Wir­kung, die auch im Ver­lauf des knapp 250 Sei­ten lan­gen Buches nicht nachließ.

»Odin und Vili und Ve töte­ten den Rie­sen Ymir. Es muss­te gesche­hen, denn es gab kei­ne ande­re Mög­lich­keit, die Wel­ten zu erschaf­fen. Dies war der Anfang von allem, der Tod, der alles Leben mög­lich machte.«

Neben der Wie­der­ga­be der alten, nor­di­schen Geschich­ten gelingt es Gai­man in ›Nor­di­sche Mythen und Sagen‹, weit mehr als den Inhalt der Geschich­ten wie­der­zu­ge­ben: Er gibt die Fas­zi­na­ti­on für sie wei­ter. Mög­lichst zugäng­lich, span­nend und greif­bar geschrie­ben, kön­nen die Geschich­ten der alten Göt­ter durch ihn Leser von heu­te ohne Vor­wis­sen und beson­de­re Sprach­kennt­nis­se errei­chen und abho­len in eine Welt, die noch ande­ren Geset­zen folgte.

»Thor sag­te nichts. Er dach­te an den ver­gan­ge­nen Abend, dar­an wie er mit dem hohen Alter gerun­gen und den Oze­an getrun­ken hat­te. Er dach­te an die Midgardschlange.«

Neil Gai­man legt mit ›Nor­di­sche Mythen und Sagen‹ kei­ne his­to­risch-kri­ti­sche Ver­si­on der ›Edda‹ vor, son­dern eine Nach­er­zäh­lung von Geschich­ten, die span­nend sein und unter­hal­ten will, und den­noch den alten Göt­tern der nor­di­schen Welt nah bleibt. Von Ymir bis zu Ragna­r­ök und über all die Gestal­ten, die ihre Welt bevölkern.

Eini­ge der 15 Geschich­ten des Buches zeich­nen sich durch Witz und Humor aus, wie die Geschich­ten, wie Sif ihr Haar ver­liert oder Thor sei­nen Ham­mer. Ande­re hin­ge­gen wer­den durch Span­nung und Tra­gik getra­gen, wie die Geschich­ten, wie Höd sei­nen Bru­der ver­liert oder Tyr sei­ne Hand.

»Die Tat­sa­che, dass die­se Welt und ihre Geschich­ten enden wür­den, und die Art, wie sie eines Tages enden und neu ent­ste­hen soll­ten, mach­te die Göt­ter und die Rie­sen und alle ande­ren Figu­ren zu tra­gi­schen Hel­den und zu tra­gi­schen Schurken.«

Fazit zu ›Nordische Mythen und Sagen

Doch eines eint die Geschich­ten von Neil Gai­man, obwohl ihnen allen eine Art Ende inne­wohnt: Sie sind vol­ler Leben und begeis­tern für ›Nor­di­sche Mythen und Sagen‹.

Buchinfo

Neil Gai­man:
Nor­di­sche Mythen und Sagen

Aus dem ame­ri­ka­ni­schen Eng­lisch über­setzt
von André Mum­ot
Eich­born Ver­lag, Köln 2019
253 S., EUR (D) 14,- inkl. MwSt.
Paper­back
Alters­emp­feh­lung: ab 16 Jah­ren
ISBN 978−3−8479−0667−4

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