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Hanno Rinke: Fast am Ziel [Rezension]

Hanno Rinke: Fast am Ziel [Rezension]

Von der Kunst, gutes Essen und immer einen Parkplatz zu finden. 

Regis­seur, Kom­po­nist und Schrift­stel­ler – Han­no Rin­ke ist vie­les, aber sicher­lich nicht lang­wei­lig. 1946 in Ber­lin gebo­ren kann er auf vie­le tur­bu­len­te Jahr­zehn­te zurück­bli­cken. In ›Fast am Ziel‹ lädt er dazu ein, ihn auf eine Rei­se von Ham­burg nach Slo­we­ni­en, Kroa­ti­en oder Apu­li­en zu begleiten. 

In 99 Umwe­gen schil­dert er nicht nur den Kampf um Park­plät­ze und gutes Essen, son­dern erzählt über sein Leben. Über die Orte und vor allem auch Men­schen, die es aus­ma­chen und aus­ge­macht haben. 

Han­nos Rei­se umfasst fast vier Mona­te – vom 23. Mai 2016 bis zum 15. Okto­ber 2016 – oder 428 Seiten. 

»Aber weil Schwei­gen mich zu sehr an Tot­sein erin­nert und ich die­sem Zustand ja mit unse­rer Rei­se ent­ge­gen­wir­ken will, schrei­be ich trotz­dem weiter.«

Fast am Ziel‹ ist weder eine klas­si­sche Bio­gra­fie noch ein typi­scher Rei­se­be­richt. Mit Witz und Charme ver­webt Rin­ke bei­des. Vie­le der Orte auf sei­ner Rei­se besuch­te Rin­ke bereits in der Ver­gan­gen­heit, zumeist in ande­rer Beglei­tung, sodass mit Bezug auf den Ort bei­des geschil­dert wer­den kann: das Ver­gan­ge­ne und das Gegen­wär­ti­ge. Auch die Zeit war eine andere. 

Seit sei­nem Schlag­an­fall kann Rin­ke die Welt nicht mehr erlau­fen, wie er es in frü­he­ren Tagen getan hät­te. Wenn mög­lich, brin­gen ein Roll­stuhl und die Fahr­küns­te sei­nes Beglei­ters Rafał an sein Ziel. Häu­fi­ger jedoch muss Rin­ke sich die Orte sei­ner Rei­se über sei­ne Erin­ne­rung erschlie­ßen. Die­se zeigt sich jedoch so leben­dig und ein­la­dend, wie es der Ort selbst kaum sein könn­te, bei lus­ti­gen und bedrü­cken­den Momenten.

»Glücks­mo­men­te habe ich nie durch den Glau­ben erlebt – wie auch? –, son­dern nur im Sex.«

Rin­kes Schreib­stil in ›Fast am Ziel‹ ist poin­tiert und höchst sub­jek­tiv. Sel­ten spre­chen die Sät­ze sei­nes Rei­se­be­richts voll­stän­dig für sich selbst, erst das Wei­ter­le­sen ermög­licht die Ein­ord­nung. Sein kör­per­li­ches Erle­ben ist ein ande­res geworden. 

Denn auch die Glücks­mo­men­te durch Sex schei­nen in die Ver­gan­gen­heit gerückt und nur noch durch sei­ne Erin­ne­rung zu grei­fen. Öff­ne­te er im vor­he­ri­gen Zitat noch eine Art Gegen­satz zwi­schen Glück und Glau­ben, spitzt sich die Pas­sa­ge in der Über­le­gung zu, dass er in Bezug auf sei­ne Glücks­mo­men­te sei­ner Erin­ne­rung ver­trau­en muss, an die­se glau­ben muss.

»Ich woll­te gewandt, durch­trai­niert, ein­fühl­sam und bedeu­tend wer­den. Und was bin ich gewor­den? Begü­tert – mate­ri­ell zumin­dest. Das fin­de ich, wenn die Träu­me nicht in Erfül­lung gehen, einen ange­mes­se­nen Schadenersatz.«

Erleb­tes, Genuss, Sex und Glau­be sind nur eini­ge der zahl­rei­chen The­men, denen sich Rin­ke auf sei­ner Rei­se widmet.

Ergänzt wird sein Rei­se­be­richt von zahl­rei­chen Fotos, Tage­buch­pas­sa­gen, Gedicht- oder Redeauszügen.

Fazit zu ›Fast am Ziel

Fast am Ziel‹ ist eines jener Bücher, das einem nicht stän­dig in die Hän­de fällt. Es gibt Ein­bli­cke in das Leben Han­no Rin­kes und in sei­nen Ver­such, sich mit dem Altern zu arran­gie­ren. Lus­tig, nost­al­gisch, mit­un­ter melan­cho­lisch und über­ra­schend liest sich sein Rei­se­jour­nal, das nicht nur für Rei­se­fans inter­es­sant sein könnte.

Buchinfo

Han­no Rin­ke:
Fast am Ziel
99 Umwe­ge
Rei­se­jour­nal, Flexo­co­ver
Mit­tel­deut­scher Ver­lag, Hal­le 2020
428 S., EUR (D) 20,- inkl. MwSt.
ISBN 978−3−96311−379−6

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Laetitia Colombani: Das Haus der Frauen [Rezension]

Vom Traum einer Frau, die nicht bereit war, aufzugeben. 

Seit dem Tod ihres Kli­en­ten hat sich Solè­nes Leben in ›Das Haus der Frau­en‹ ver­än­dert. War sie in dem einen Moment noch eine Kar­rie­re­frau in teu­rer Klei­dung und als Anwäl­tin erfolg­reich, weiß sie nun nicht mehr recht, was sie tun soll. 

Sie hat sei­nen Tod nicht kom­men sehen. In all den Gesprä­chen, in all den vie­len Stun­den. Und dann geschieht es, an ihrer Sei­te und viel zu schnell.

Auch Solè­ne fällt, und sie fällt tief. Arbeit scheint ihr unmög­lich, das Haus ver­las­sen eben­so. Sie zieht sich zurück, nimmt Tablet­ten. Irgend­wann emp­fiehlt ihr Arzt ihr, sich eine ehren­amt­li­che Arbeit zu suchen. Solè­ne ist skep­tisch, doch als sie all die Ein­trä­ge auf einer Web­site durch­geht, sticht ihr einer ins Auge. »Öffent­li­che Schrei­be­rin«. Sie weiß zwar nicht, was sie sich unter die­sem Begriff vor­zu­stel­len hat, doch das Schrei­ben ist ihr aus frü­he­ren Zei­ten ver­traut. Und mit einem Mal kehrt eine Sache in Solè­nes Leben zurück, die sie lan­ge begra­ben hatte.

»Kind­heits­träu­me zu ver­ges­sen ist nicht schwer, man hört ein­fach auf, dar­an zu den­ken. Man bedeckt sie mit einem Schlei­er, so wie man Laken über Möbel­stü­cke wirft, wenn man ein Haus für län­ge­re Zeit verlässt.«

Solè­ne wird zur Öffent­li­chen Schrei­be­rin im Haus der Frau­en. Doch obwohl sie als Anwäl­tin oft die Schat­ten­sei­ten des Lebens zu sehen bekam, ist sie auf die­se Stel­le nicht vor­be­rei­tet. Vor ihr wer­den die Leben so vie­ler unter­schied­li­cher Frau­en sicht­bar, die ihr auch noch nach­ge­hen, wenn sie längst Fei­er­abend gemacht hat. 

Mehr als ein­mal muss sie sich den Fra­gen stel­len, ob sie für die­se Arbeit geeig­net ist und was sie tun kann, um den Frau­en zu hel­fen. Und wäh­rend Solé­ne ver­sucht, den Bewoh­ne­rin­nen des Hau­ses zu hel­fen, die im 21. Jahr­hun­dert leben, führt Colom­ba­ni mit ›Das Haus der Frau­en‹ auch in die Zeit zurück, bevor die Idee zu die­ser Ein­rich­tung über­haupt gebo­ren wur­de. Bis hin zu Blan­che, die rund ein Jahr­hun­dert zuvor leb­te, und die Armut und Not ihrer Pari­ser Mit­bür­ger und Mit­bür­ge­rin­nen nicht hin­neh­men wollte.

»Kei­ne ande­re Spe­zi­es lie­fert sich ein sol­ches Gemet­zel. Das Miss­han­deln von Weib­chen kommt in der Natur sonst nicht vor. War­um haben Men­schen die­ses Bedürf­nis, zu zer­stö­ren und zu vernichten?«

Wer ›Der Zopf‹ von Lae­ti­tia Colom­ba­ni gele­sen hat, weiß um das Talent der Autorin, meh­re­re Per­spek­ti­ven und Leben so zu ver­we­ben, dass ein gemein­sa­mes, facet­ten­rei­ches Bild ent­steht. Geschah dies in ›Der Zopf‹ durch drei Frau­en, die zur glei­chen Zeit in unter­schied­li­chen Län­dern leben, sind es in ›Das Haus der Frau­en‹ zwei Frau­en, die in Paris leben, durch ein Jahr­hun­dert getrennt.

Und das Leben der Frau­en im Haus geht unter die Haut, eben­so das von Blan­che. Sie träum­te von einem ›Haus der Frau­en‹ schon in einer Zeit, in der obdach­lo­se Kin­der noch auf den Fel­der erfro­ren, weil es kei­nen Platz für sie gab. Doch Blan­che träumt nicht nur, sie han­delt. Uner­müd­lich, über die Gren­ze jeg­li­cher Belastbarkeit.

»Hat Paris kein Herz?, ruft sie ohne Umschwei­fe ins Publi­kum. Im alten Frank­reich herrsch­te eine Hun­gers­not, heu­te ist es die Woh­nungs­not. Men­schen ster­ben, weil sie nicht wis­sen, wo sie schla­fen sollen.«

Fazit zu ›Das Haus der Frauen

Auf nicht ein­mal 300 Sei­ten gelingt es Colom­ba­ni in ›Das Haus der Frau­en‹, die Leben und die Zeit zwei­er Frau­en auf­er­ste­hen zu las­sen. Es schaut dort hin, wo oft weg­ge­se­hen wird. Zeigt das all­täg­li­che, trau­ri­ge und zugleich zum Teil hoff­nungs­vol­le Leben im Pari­ser Haus der Frau­en. Was für Solè­ne als Ehren­amt begann, nimmt bald schon grö­ße­re Dimen­sio­nen an. Ein­drück­lich, bewe­gend und zum Nach­den­ken anregend.

Buchinfo

Lae­ti­tia Colom­ba­ni:
Das Haus der Frau­en

Roman
Über­setzt von: Clau­dia Mar­quardt
Fischer Ver­lag, Frank­furt a. M. 2020
256 S., EUR (D) 20,- inkl. MwSt.
gebun­den mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−10−390003−3

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Laetitia Colombani: Der Zopf [Rezension]

Drei Frauen, drei Kämpfe, ein Zopf. 

Für man­che Frau­en ist ihr Haar das wert­volls­te, das sie besit­zen. Für ande­re sind es in ›Der Zopf‹ die Tra­di­tio­nen des seit Genera­tio­nen bestehen­den Fami­li­en­be­triebs oder die eige­ne sprung­haf­te Karriere. 

Doch was pas­siert, wenn der Mensch im Begriff ist, sein Wert­volls­tes zu ver­lie­ren? Wenn es ihm genom­men wird und er es nicht hal­ten kann oder nur durch gro­ße Ver­än­de­run­gen? Und was, wenn er sogar frei­wil­lig bereit ist, es aufzugeben?

Smi­ta aus Bad­la­pur in Indi­en, Giu­lia aus Paler­mo in Sizi­li­en und Sarah aus Mont­re­al in Kana­da haben auf den ers­ten Blick wenig mit­ein­an­der gemein­sam. Smi­ta arbei­tet als Unbe­rühr­ba­re, wird gemie­den und lebt mit ihrer Fami­lie außer­halb der Gesell­schaft. Durch eisern erspar­tes Geld woll­ten sie und ihr Mann ihrer Toch­ter den Besuch einer Schu­le und somit ein bes­se­res Leben ermög­li­chen. Doch Smi­t­as Beruf wird von Genera­ti­on zu Genera­ti­on wei­ter­ge­ge­ben. Und das sozia­le Stig­ma und die damit ver­bun­de­nen Hür­den wol­len ihre Toch­ter nicht loslassen.

»Mit gesenk­tem Blick, das Gesicht hin­ter einem Tuch ver­bor­gen, hält sie sich am Stra­ßen­rand. In man­chen Dör­fern müs­sen sich Dalits eine Raben­fe­der anste­cken, damit man sie erkennt. In ande­ren ver­langt man, dass sie bar­fuß laufen.«

Giu­li­as Leben ist weit von Smi­t­as ent­fernt. Die jun­ge Frau ist bele­sen, gebil­det und nicht auf den Mund gefal­len. Sie liebt die Arbeit in der Fabrik ihres Vaters, die ihr längst ins Blut über­ge­gan­gen ist. Doch nach einem Unfall ihres Vaters steht nicht nur sein Leben auf dem Spiel, son­dern auch die Zukunft sei­ner Fami­lie und der Fabrik. 

»Seit fast einem Jahr­hun­dert lebt ihre Fami­lie von der Cas­ca­tu­ra, einem alten sizi­lia­ni­schen Brauch, der dar­in besteht, Haa­re, die aus­fal­len oder abge­schnit­ten wer­den, zu sam­meln, um spä­ter Tou­pets oder Perü­cken dar­aus zu machen. Giu­li­as Urgroß­va­ter grün­de­te die Lan­fre­di-Werk­statt im Jahr 1926, heu­te ist das Unter­neh­men eines der letz­ten sei­ner Art in Palermo.«

Sarahs Leben und Arbeit glei­chen weder Smi­t­as noch Giu­li­as. Sie ist eine Kar­rie­re­frau, hat es auch eige­ner Kraft in Rekord­zeit nach oben geschafft. Sie lebt für ihre Arbeit und hat ihr gesam­tes Leben danach aus­ge­rich­tet, in der Arbeit die bes­ten Leis­tun­gen brin­gen zu kön­nen. Sarah und ihre Fami­lie sind dabei für ihre Kol­le­gen kaum sicht­bar gewe­sen. Doch ein Besuch beim Arzt und eine Dia­gno­se ändern alles. Doch mehr noch als die Krank­heit selbst sind es ihre Kol­le­gen, die Sarah aus der Bahn werfen.

»Sarah kann­te ehr­gei­zi­ge Män­ner die­ses Schlags zur Genü­ge, Män­ner, die Frau­en hass­ten, weil sie sich von ihnen bedroht fühl­ten, sie umgab sich mit ihnen, aller­dings ohne gestei­ger­ten Wert dar­auf zu legen. Sie bahn­te sich ihren Weg und ließ sie am Stra­ßen­rand zurück.«

So unter­schied­lich die Geschich­ten der drei Frau­en in ›Der Zopf‹ auch sein mögen, haben sie doch vor allem eines gemein­sam: Sie haben sich nicht unter­krie­gen las­sen und gekämpft. Smi­ta für ihre Toch­ter, Giu­lia für die Fabrik der Fami­lie, Sarah für eine gerech­te­re Zukunftsaussicht. 

Colom­ba­ni gelingt es in ›Der Zopf‹, die Per­sön­lich­kei­ten der drei Frau­en bereits nach weni­gen Sei­ten zum Leben zu erwe­cken. In ihrer Beson­der­heit, in ihren Stär­ken und Schwä­chen, in ihren schwe­ren und star­ken Augen­bli­cken. Sie alle ver­su­chen, sich von den Gren­zen und Regeln der ihnen bekann­ten Welt und Gesell­schaft nicht nie­der­rin­gen zu las­sen. Sie for­dern einen Platz für sich und ihre Liebs­ten und sind bereit, sich den Hür­den zu stellen. 

Fazit zu ›Der Zopf

Drei Leben sind es, die Colom­ba­ni in ihrem Roman ›Der Zopf‹ mit­ein­an­der ver­bin­det. Auf eine Art, die nicht ein­mal die drei Prot­ago­nis­tin­nen so zu sehen bekom­men, wie es Colom­ba­ni ihren Lesern und Lese­rin­nen ermög­licht. ›Der Zopf‹ ist einer jener Roma­ne, über die man sich span­nend mit ande­ren aus­tau­schen kann. Auf Colom­ba­nis 2020 erschie­ne­nen Roman ›Das Haus der Frau­en‹ darf mit Span­nung geblickt werden.

Buchinfo

Lae­ti­tia Colom­ba­ni:
Der Zopf

Roman
Über­setzt von: Clau­dia Mar­quardt
Fischer Ver­lag, Frank­furt a. M. 2018
286 S., EUR (D) 20,- inkl. MwSt.
gebun­den mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−10−397351−8

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Agatha Christie: Das fehlende Glied in der Kette [Rezension]

Alte Bekannte, Poirot und ein Mord. 

Das Wie­der­se­hen mit einem alten Bekann­ten gestal­tet sich in ›Das feh­len­de Glied in der Ket­te‹ für Has­tings anders als erwar­tet: Auf Hei­mat­ur­laub trifft er auf John Caven­dish, der ihn zu sich nach Hau­se nach Styles ein­lädt, um dort den Rest sei­nes Urlaubs zu verbringen. 

Obwohl er John, des­sen Bru­der Law­rence und ihre schon betag­te Mut­ter seit Jah­ren nicht gese­hen hat, sind die Erin­ne­run­gen an Styles noch lebendig. 

Doch nicht alles ist so geblie­ben, wie es Has­tings aus sei­ner Jugend erin­nert: Trotz ihres hohen Alters hat Johns und Law­rence Mut­ter noch ein­mal gehei­ra­tet – und zwar einen Mann, der bei nie­man­dem Sym­pa­thien aus­zu­lö­sen scheint.

Zum ers­ten Bruch auf dem char­man­ten Anwe­sen Styles kommt es, als die reso­lu­te Evie es nach einem Streit verlässt.

»Ich spür­te, dass zusam­men mit Evie etwas Unde­fi­nier­ba­res aus der Atmo­sphä­re ver­schwun­den war. Ihre Anwe­sen­heit hat­te Sicher­heit bedeu­tet. Jetzt war die­se Sicher­heit ver­schwun­den und nun war die Luft vol­ler Verdächtigungen.«

Was in ›Das feh­len­de Glied in der Ket­te‹ als ver­gnüg­li­ches Wie­der­se­hen von alten Freun­den beginnt, wird schnell ernst. Noch wäh­rend Has­tings sei­nen Hei­mat­ur­laub in Styles genießt, ver­stirbt eine sei­ner Jugend­be­kannt­schaf­ten und es dau­ert nicht lan­ge, bis der Ver­dacht sich regt, dass dies kein natür­li­cher Tod war.

Doch zum Glück sind die auf Styles Leben­den nicht die ein­zi­gen alten Bekann­ten, die Has­tings auf sei­nem Hei­mat­ur­laub trifft: Auch Her­cu­le Poi­rot, ein ehe­ma­li­ger Mit­ar­bei­ter der bel­gi­schen Kri­mi­nal­po­li­zei, der für sein Kön­nen bekannt ist, läuft ihm wie­der über den Weg. 

Und was lie­ge da näher, als den etwas schrul­li­gen, jedoch dis­kre­ten und fähi­gen Poi­rot dar­um zu bit­ten, sich der Auf­klä­rung des Falls anzunehmen?

»Poi­rot war ein klei­ner Mann von unge­wöhn­li­chem Aus­se­hen. Er war knapp einen Meter sech­zig groß, aber sei­ne Hal­tung ver­riet Wür­de. Sein Kopf hat­te genau die Form eines Eies, und er neig­te ihn stets ein wenig zur Seite.«

Mit ›Das feh­len­de Glied in der Ket­te‹ – im Ori­gi­nal bekannt unter dem Titel ›The Mys­te­rious Affair at Styles‹ – beglei­ten die Leser und Lese­rin­nen Poi­rot bei der Auf­klä­rung sei­nes ers­ten Falls. Dut­zen­de Roma­ne über ihn waren in den fol­gen­den Jah­ren erschienen.

Wäh­rend Has­tings und Poi­rot nach und nach die Fra­ge nach dem ›Wie?‹ des Todes ent­schlüs­seln, hat der Leser oder die Lese­rin vom Anfang bis zum Ende die Gele­gen­heit, mit­zu­rät­seln und sich den Kopf über die Fra­ge nach dem ›Wer?‹ zu zer­bre­chen. Denn eines ist klar, ein Motiv wäre wohl bei jedem zu finden.

Fazit zu ›Das fehlende Glied in der Kette

So ver­fügt bereits die­ser ers­te Fall für Her­cu­le Poi­rot über vie­le der Ele­men­te, die an Aga­tha Chris­ties Kri­mi­nal­ro­ma­nen so geschätzt wer­den: Span­nung, Charme und eine ordent­li­che Por­ti­on Rätselvergnügen.

Buchinfo

Aga­tha Chris­tie:
Das feh­len­de Glied in der Ket­te

Poi­rots ers­ter Fall
Über­setzt von: Nina Schind­ler
Atlan­tik, Ham­burg 2020
224 S., EUR (D) 20,- inkl. MwSt.
Papp­band
ISBN 978−3−455−00883−8

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Harlan Coben: Ich vermisse dich [Rezension]

Was ihr Ex ihr verschwieg. 

Kat Dono­van, Detec­ti­ve bei der Kri­mi­nal­po­li­zei, gehört zu jenen Frau­en, die nicht auf den Mund gefal­len sind. Schon ihr Vater war bei der Poli­zei, der vor fast zwan­zig Jah­ren ermor­det wurde. 

Und mit dem Tod ihres Vaters hat sich auch ihr dama­li­ger Ver­lob­ter von ihr ent­frem­det und sie ver­las­sen. Seit­dem klafft ein Loch in Kats Leben, das durch die Arbeit nicht gefüllt wer­den kann. 

Der Mann, der für den Mord an ihrem Vater hin­ter Git­tern sitzt, liegt im Ster­ben. Ein letz­tes Mal ver­sucht Kat von ihm zu erfah­ren, wer den Mord an ihrem Vater in Auf­trag gab und war­um. Zur glei­chen Zeit hat ihre Freun­din Sta­cy die Idee, Kat Dono­van bei einer Online-Sin­gle­bör­se anzumelden.

»Man erfährt viel über Bezie­hun­gen, wenn der eige­ne Job gewis­ser­ma­ßen dar­in besteht, sie zu zer­stö­ren. Die Wahr­heit ist aber, dass es in fast jeder Bezie­hung Bruch­stel­len gibt. Jede Bezie­hung hat Ris­se und Sprünge.«

Doch was, wenn die Sin­gle­bör­se dir nicht hilft, auf ande­re Gedan­ken zu kom­men, son­dern dir das Bild dei­nes Ex-Ver­lob­ten vorschlägt? 

Und wäh­rend Kat in ›Ich ver­mis­se dich‹ dar­an zu kau­en hat, dass ihr Ex-Ver­lob­ter plötz­lich wie­der in Reich­wei­te scheint und der ver­ur­teil­te Mör­der ihres Vaters ster­ben könn­te, ohne ihr ihre letz­ten Fra­gen beant­wor­tet zu haben, braucht ein Jun­ge Kats Hilfe.

Men­schen ver­schwin­den, wäh­rend die noch unge­lös­ten Fra­gen in Kats Ver­gan­gen­heit wie­der in die Gegen­wart rei­chen. Wäh­rend sich alles mehr und mehr zu ver­mi­schen und zu ver­wi­schen scheint, stellt sich bald die Fra­ge, wem Kat noch ver­trau­en und glau­ben kann. Und vor allem – kann sie ihrem eige­nen Urteil noch trauen?

»Meis­tens emp­fand sie nur glü­hen­den Hass für ihn, manch­mal wur­de ihr jedoch klar, dass es war, als wür­de sie eine Pis­to­le has­sen. Er war die Waf­fe, mehr nicht.«

Fazit zu ›Ich vermisse dich

Coben ver­steht es, in ›Ich ver­mis­se dich‹ eine span­nen­de und erschre­cken­de Hand­lung mit den Geschich­ten der Figu­ren zu ver­we­ben. Ein Sog ent­steht, der durch über­ra­schen­de Wen­dun­gen, klu­ge Dia­lo­ge und glaub­haf­te Cha­rak­te­re durch das Buch treibt. Ein Thril­ler, der in Atem hält.

Buchinfo

Har­lan Coben:
Ich ver­mis­se dich

Thril­ler
Aus dem Ame­ri­ka­ni­schen von Gun­nar Kwisin­ski
Gold­mann, Mün­chen 2016
512 S., EUR (D) 9,99 inkl. MwSt.
Roman, Taschen­buch, Klap­pen­bro­schur
ISBN 978−3−442−48435−5

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Catana Chetwynd: Die kleinen Momente der Liebe [Rezension]

Der Alltag und seine Besonderheiten. 

Einen Dra­chen töten, eine sel­te­ne Blu­me am Fuße eines dunst­ver­han­ge­nen Ber­ges fin­den oder ein König­reich erobern? Die gro­ßen Momen­te der Lie­be fin­den sich in der Lite­ra­tur aller Zei­ten und Län­der. Hei­ra­ten, und dann den lie­ben lan­gen Tag damit zubrin­gen, ihn sich gegen­sei­tig zur Höl­le zu machen? Auch dafür kennt die Welt­li­te­ra­tur vie­ler­lei Beispiele. 

Blind ver­ste­hen, dass eine Piz­za gera­de das Bes­te auf der Welt wäre, kuscheln manch­mal die gan­ze Welt ein wenig bes­ser macht und man auch unge­schminkt und gam­me­lig abso­lut lie­bens­wert ist, zeich­net hin­ge­gen das Bild aus, das Chet­wynds lie­be­vol­le Comics von der Lie­be ent­wer­fen. Und das auf über 150 Sei­ten vol­ler Comic­zeich­nun­gen der bereits aus dem Inter­net bekann­ten Zeich­ne­rin Cata­na Chet­wynd, deren Stil auf dem Cover zuse­hen ist. Wer ger­ne eine kla­re­re Vor­stel­lung der Zeich­nun­gen bekom­men möch­te, wird auf der Web­site von Cata­na Comics oder der Ver­lags­home­page von dtv sicher­lich fündig.

Chet­wynds Comics in ›Die klei­nen Momen­te der Lie­be‹ sind schlicht, zei­gen oft­mals nicht mehr als die bei­den Figu­ren Cata­na und John in ihrem All­tag und sind damit auf das Wesent­li­che redu­ziert: Die klei­nen Momen­te der Lie­be sicht­bar zu machen. 

Die­se schö­ne Aus­ga­be von bold und dtv lädt dazu ein, allein oder mit dem Part­ner die Sei­ten zu durch­stö­bern und bekann­te Erfah­run­gen in vie­len der Comics zu fin­den: ob gemein­sa­me Aben­de daheim, zusam­men Aus­ge­hen oder Stun­den allein.

Es ist schwer, anders zu kön­nen, als die bei­den Comic­fi­gu­ren Cata­na und John in ›Die klei­nen Momen­te der Lie­be‹ zu mögen und sich in ihnen wie­der­zu­fin­den. Ähn­lich ist es mit dem Bild von Lie­be das Chet­wynd hier – im wahrs­ten Sin­ne des Wor­tes – zeich­net. Lie­be fern­ab der gro­ßen, hel­den­haf­ten Momen­te, für die der All­tag oft kaum Zeit lässt, und dafür spür­bar in der eige­nen Lebenswirklichkeit. 

© pri­vat, Stand: August 2019
Fazit zu ›Die kleinen Momente der Liebe

Die Lie­be in den schein­bar klei­nen, oft über­se­he­nen Din­gen ist es, die Chet­wynd in ihren Zeich­nun­gen ein­zu­fan­gen ver­steht: amü­sant und hin­rei­ßend ehrlich.

Buchinfo

Cata­na Chet­wynd:
Die klei­nen Momen­te der Lie­be

Aus dem Ame­ri­ka­ni­schen von
Knut Krü­ger
dtv, Mün­chen 2020
160 S., EUR (D) 12,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
ISBN 978−3−423−23013−1

Lust bekom­men?

Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


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