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Holly Black: Elfenthron [Rezension]

Holly Black: Elfenthron [Rezension]

Von einem Jungen, den man schwer zu lieben nannte, und einem Mädchen, das es dennoch wagte. 

Jude ist die Köni­gin des Elfen­reichs. Zum ers­ten Mal sitzt in ›Elfen­thron‹ ein Mensch auf dem Thron. Oder, wür­de auf dem Thron sit­zen. Denn kurz nach­dem Car­dan die Ehe mit Jude ein­ge­gan­gen ist, damit sie ihn von sei­ner Gehor­sam­s­pflicht frei­spricht, schickt er sie in die Verbannung.

Für einen Moment hat­te Jude geglaubt, dem schö­nen und grau­sa­men Elfen­prin­zen ver­trau­en zu kön­nen. Ihn viel­leicht sogar lie­ben zu kön­nen. Doch ein Wort von ihm hat genügt, um ihr alles zu neh­men, wofür sie im Elfen­reich gekämpft hat.

Ihr Auf­stieg war schnell. Von einer Schü­le­rin im Elfen­reich, zu einer Spio­nin des Prin­zen, bis hin zur Köni­gin des Elfen­reichs. Schnel­ler noch war nur ihr Fall.

Doch Jude wäre nicht Jude, wenn sie im Men­schen­reich nur rum­sit­zen und nicht hin und wie­der in Schwie­rig­kei­ten ver­wi­ckelt wer­den wür­de. An das Leben im Zwie­licht gewöhnt, nimmt sie dort Auf­trä­ge an, die zumeist Pro­ble­me betref­fen, die vom Klei­nen Volk ver­ur­sacht wer­den: Sie soll einem Wesen, das im Men­schen­reich Elfen jagt und frisst, das Ver­spre­chen abneh­men, damit auf­zu­hö­ren. Viel­leicht hät­te sie län­ger mit der Annah­me des Auf­trags gezö­gert, wenn sie gewusst hät­te, dass es sich bei dem Wesen um eine Rot­kap­pe han­del­te. Wie auch ihr Zieh­va­ter, der sie ins Elfen­reich ver­schlepp­te, nach­dem er ihre Eltern töte­te. Noch dazu nicht irgend­ei­ne Rot­kap­pe, son­dern die legen­dä­re Gri­ma Mog. 

»Ich seh­ne mich nach Magie, nichts ver­mis­se ich mehr. Mög­li­cher­wei­se ver­mis­se ich sogar mei­ne Ängs­te. Es fühlt sich an, als wür­de ich mei­ne Tage ver­träu­men, ruhe­los, ohne jemals rich­tig wach zu werden.«

Und plötz­lich über­schla­gen sich die Ereig­nis­se in›Elfen­thron‹. Sie hört von einem Atten­tat, das auf das Leben des Königs geplant ist: des Man­nes, den sie auf den Thron gesetzt und der sie im Gegen­zug in die Ver­ban­nung geschickt hat. Auch ihre Schwes­ter Taryn, die sie in den ers­ten bei­den Bän­den so man­ches Mal ver­ra­ten hat, braucht ihre Hilfe.

Ver­ban­nung hin oder her. Jude weiß, dass sie zurück ins Elfen­reich muss. Auch wenn ihr ihre Hin­rich­tung bevor­steht, wenn sie dabei geschnappt wer­den sollte.

»Hier sieht es aus wie in einem Mär­chen von der Sor­te, in der Lie­be etwas Schlich­tes ist und nie­mals ein Anlass für Qua­len.
Nachts sieht die Welt der Sterb­li­chen aus, als wäre sie vol­ler Stern­schnup­pen

Blacks ›Elfen­kro­ne‹-Rei­he ver­liert nicht an Tem­po. In den ers­ten bei­den Bän­den – ›Elfen­kro­ne‹ und ›Elfen­kö­nig‹ – sorg­sam auf­ge­bau­te Neben­cha­rak­te­re, Hand­lungs­strän­ge und Geheim­nis­se bekom­men im drit­ten und letz­ten Band der Tri­lo­gie ihren Auftritt. 

Fazit zu ›Elfenthron

Ganz gleich, ob man die Serie wegen der Hand­lung, der Lie­bes­ge­schich­te oder bei­dem folgt: Im drit­ten Band ›Elfen­thron‹ ist für bei­de gesorgt.

Wer auch nach dem drit­ten Band ›Elfen­thron‹ noch nicht genug von der Welt der ›Elfen­kro­ne‹-Rei­he bekom­men kann, der kann einen Blick in die Novel­le ›Die ver­lo­re­nen Schwes­tern‹ wer­fen. Dar­in schil­dert Taryn ihre Sicht auf die Ereig­nis­se des ers­ten Ban­des bezüg­lich Locke.

Buchinfo

Hol­ly Black:
Elfen­thron

Die Elfen­kro­ne-Rei­he, Band 3
Ab 14 Jah­ren
Über­setzt von: Anne Brau­ner
cbj HC, Mün­chen 2020
384 S., EUR (D) 18,- inkl. MwSt.
Roman, Hard­co­ver mit Schutz­um­schlag
ISBN 978−3−570−16529−4

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


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Holly Black: Elfenkönig [Rezension]

Wie weit wür­de ein Mensch gehen, um nicht mehr in Angst und Ernied­ri­gung zu leben? Jude war bereit, eine Spio­nin des Prin­zen zu wer­den. Und sie war bereit, dafür zur Mör­de­rin zu wer­den. Was als Ver­tei­di­gung begann, ent­puppt sich bald als Talent – eines, das nur davon über­trof­fen wer­den kann, wie gut es ihr gelingt, das Volk der Elfen zur Weiß­glut zu treiben. 

Nicht nur die Adli­gen des Hofes haben Jude in ›Elfen­kro­ne‹ unter­schätzt – auch ihrem Zieh­va­ter Madoc ist es so ergan­gen. Nie­mand weiß, war­um der jun­ge, schö­ne König sie an sei­ner Sei­te hat und auf ihren Rat hört. Und nur die wenigs­ten wis­sen in ›Elfen­kö­nig‹, dass sie im Ver­bor­ge­nen die Fäden zieht.

Doch das Dasein als Schat­ten­re­gen­tin hat sei­nen Preis. Jude schläft und isst wenig. Mehr­mals begibt sie sich in ›Elfen­kö­nig‹ in Gefahr, ohne es zu ahnen. Denn trotz allem ist Jude kaum erst von der Schul­bank aufgestanden.

»Jude gefiel es eben­falls, wenn sie wütend war, denn Wut war bes­ser als Angst und bes­ser als die Erin­ne­rung dar­an, dass sie eine Sterb­li­che unter Unge­heu­ern war.«

Und wäh­rend sie alles dafür tut, dass Reich der Elfen vor einem Krieg zu bewah­ren, lau­fen die Vor­be­rei­tun­gen für eine Hoch­zeit. Ihre Zwil­lings­schwes­ter soll ihren Ex-Freund hei­ra­ten, der noch immer nicht genug davon hat, Unru­he zu stiften.

Doch zum Glück hat Jude Ver­bün­de­te, die mit allen Was­sern gewa­schen sind. Die Spio­ne des Hofs der Schat­ten, ihre älte­re Schwes­ter Vivi und ihre Dol­che. Doch wo sich Ver­bün­de­te auf­hal­ten, sind zumeist auch Fein­de und Ver­rä­ter nicht weit.

»›Macht‹, sag­te er. ›Macht ist die Gabe zu bekom­men, was man haben will. Macht ist die Gabe, eige­ne Ent­schei­dun­gen tref­fen zu kön­nen. Und wie kom­men wir an die­se Macht?‹«

Zahl­rei­cher als Ver­bün­de­te sind im Elfen­reich für einen Men­schen auf jeden Fall Fein­de. Selbst wenn man nicht den eige­nen Vater gegen sich auf­bringt, in dem man ihm die Kro­ne aus er Hand geris­sen hat, oder den Prin­zen Bale­kin, der sich eben­falls um die Kro­ne betro­gen fühlt. 

Jude ist stark. Und wütend. Wer Rei­bung und Aus­ein­an­der­set­zung will, kann dies bei ihr fin­den. Doch wenn man ein­mal die­sen Pfad ein­ge­schla­gen hat, ist es schwer, sich wie­der davon zu lösen. Denn ver­zei­hen kann Jude schlecht.

Fazit zu ›Elfenkönig

Elfen­kö­nig‹ ist fan­ta­sie­voll, span­nend und bewe­gend. Der zwei­te Band der Rei­he greift das schnel­le Tem­po auf, das das Ende des ers­ten Ban­des ›Elfen­kro­ne‹ geprägt hat. Span­nend wird, was im drit­ten und letz­ten Band der Rei­he ›Elfen­thron‹ noch alles gesche­hen kann. 

Hol­ly Black:
Elfen­kö­nig

Die Elfen­kro­ne-Rei­he, Band 2
Ab 14 Jah­ren
Über­setzt von: Anne Brau­ner
cbj HC, Mün­chen 2021
450 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Roman, Taschen­buch
ISBN 978−3−570−31399−2

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Bewer­tung: 5 von 5.


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Edward Brooke-Hitching: Der goldene Atlas [Rezension]

Von Seefahrern, Forschern und Entdeckungen. 

Die Geschich­te von Kolum­bus, der Ame­ri­ka ent­deck­te und sich dabei in Indi­en wähn­te, kennt auch ohne ›Der gol­de­ne Atlas‹ heu­te jedes Kind. Weni­ger bekannt ist, dass Kolum­bus nicht der ers­te Euro­pä­er war, der sei­nen Fuß auf ame­ri­ka­ni­schen Boden setz­te. Auch nicht, wie Ame­ri­ka über­haupt zu sei­nem Namen kam. 

Die Geschich­te der Ent­de­ckun­gen ist eine Geschich­te vol­ler Aben­teu­er, hoff­nungs­vol­ler Erwar­tun­gen, küh­ner Auf­brü­che und tra­gi­scher Schick­sa­le. Die Stra­pa­zen und Risi­ken, die mit einer Rei­se ins Unge­wis­se ver­bun­den waren, sind heu­te kaum noch vor­stell­bar. Erst all­mäh­lich form­te sich aus den Erfah­run­gen unzäh­li­ger Expe­di­tio­nen und Rei­sen jene Gewiss­heit, die uns heu­te selbst­ver­ständ­lich ist. Wie ein gewal­ti­ges Puz­zle füg­te sich für die Mensch­heit über Jahr­tau­sen­de das Bild unse­rer Welt zusam­men. Zahl­lo­se Irr­tü­mer beglei­te­ten die­sen Weg.

Ist die Erde eine Schei­be? Der Indi­sche Oze­an in Wirk­lich­keit ein Bin­nen­meer? Liegt am Nord­pol ein gewal­ti­ger Magnet­berg, der Kom­pass­na­deln magisch anzieht? Und was steckt hin­ter der sagen­haf­ten Ter­ra Aus­tra­lis?

»Als die chi­ne­si­schen Kai­ser den Flot­ten­bau ein­stell­ten, begann in Euro­pa die Epo­che der gro­ßen Aben­teu­er zur See. Die Peri­ode zwi­schen dem 15. und 18. Jahr­hun­dert gilt als Zeit­al­ter der Ent­de­ckun­gen, das von euro­päi­scher Expan­si­on, Gier nach Gold und Erobe­run­gen geprägt war.«

Edward Broo­ke-Hit­ching
© Alex Anstey; Stand: April 2017

Wer sich für die Ent­de­ckung und Erfor­schung unse­rer Welt inter­es­siert, für den bie­tet ›Der gol­de­ne Atlas‹ einen idea­len Ein­stieg. In 39 kna­ckig kur­zen Kapi­teln ent­führt er Lese­rin­nen und Leser auf eine 4000-jäh­ri­ge Ent­de­ckungs­rei­se rund um die Welt. Dabei schlägt er einen Bogen von den alten Ägyp­tern und Grie­chen über die Rei­sen des Mar­co Polo hin­ein ins Zeit­al­ter der Ent­de­ckun­gen und schließ­lich der wis­sen­schaft­li­chen Erkun­dung der Welt im Zuge der Auf­klä­rung. Vor­ge­stellt wer­den auch Ent­de­ckun­gen isla­mi­scher Gelehr­ter und der chi­ne­si­schen Schatzflotte.

»Noch wich­ti­ger waren die Erkennt­nis­se der Expe­di­ti­on. Sie hat­te den Beweis erbracht, dass die Erde tat­säch­lich rund war und einen Umfang hat­te, der die bis­he­ri­gen Schät­zun­gen weit übertraf.«

Gar­niert ist das Gan­ze mit zahl­lo­sen Abbil­dun­gen his­to­ri­scher Kar­ten und Gemäl­de, die den Wis­sens­stand und die Vor­stel­lun­gen der jewei­li­gen Zeit greif­bar machen.

Wel­chen Wert sol­che Kar­ten und die dar­in ent­hal­te­ne Infor­ma­ti­on in ihrer Zeit besa­ßen, lässt ihre auf­wen­di­ge, kunst­vol­le und oft­mals präch­ti­ge Aus­ge­stal­tung erah­nen. Hier­in liegt der zwei­te Reiz die­ses Buches: Es ist ein Buch vol­ler groß­for­ma­ti­ger, manch­mal Sei­ten und Dop­pel­sei­ten fül­len­der Kunst­wer­ke der ver­schie­dens­ten Epo­chen und Kul­tu­ren. Lei­der las­sen sich klei­ne Details und Beschrif­tun­gen in vie­len Kar­ten nur mit Mühe oder gar nicht erken­nen, was in ers­ter Linie dem ver­gleichs­wei­se hand­li­chen For­mat des Buches (ca. 19 x 24,5 cm) geschul­det ist. Die wesent­li­chen Infor­ma­tio­nen und der Gesamt­ein­druck kom­men aber immer rüber.

Fazit zu ›Der goldene Atlas

Der gol­de­ne Atlas‹ bil­det eine kurz­wei­li­ge Lek­tü­re über einen fas­zi­nie­ren­den Aspekt der Mensch­heits­ge­schich­te. Durch sei­ne hoch­wer­ti­ge Ver­ar­bei­tung und die vie­len Abbil­dun­gen ist er auch optisch und hap­tisch ein Leckerbissen.

Buchinfo

Edward Broo­ke-Hit­ching:
Der gol­de­ne Atlas

Die aben­teu­er­li­chen Rei­sen der gro­ßen See­fah­rer, Ent­de­cker und For­scher
Über­setzt von Lutz‑W. Wolff
dtv, Mün­chen 2019
256 S., EUR (D) 30,- inkl. MwSt.
Hard­co­ver
ISBN 978−3−423−28207−9

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Bewer­tung: 4.5 von 5.

Leigh Bardugo: Glory or Grave [Reihe]

Von Dieben, Wagemut und Freundschaften. 

Gri­sha füh­ren in ›Glo­ry or Gra­ve‹ kein ein­fa­ches Leben in Kerch. In Arbeits­ver­trä­ge gezwun­gen, für die ein Leben nicht reicht, um sie abzu­ar­bei­ten. Ent­führt und ver­kauft, ohne, dass jemand nach ihnen suchen wür­de. Vie­le sind nach dem Bür­ger­krieg aus Rav­ka dort­hin geflo­hen, doch die wenigs­ten nur konn­ten dort Sicher­heit finden. 

Doch nicht nur die Gri­sha sind in Kerch nicht sicher. Auch ande­re wer­den dort­hin ver­schleppt und als Skla­ven ver­kauft, vie­le an Freu­den­häu­ser, wie die jun­ge Akro­ba­tin Inej. Ande­re las­sen sich von den Ver­spre­chen des Glücks­spiels ein­lul­len, bis sie bei den Fal­schen Schul­den machen und Heim und Hof ver­lie­ren. Die wenigs­ten fin­den einen Weg hin­aus aus den uner­bitt­li­chen Teu­fels­krei­sen von Kerch, in denen ein Unglück das nächs­te jagt. 

Nicht ein­mal als Sohn eines wohl­ha­ben­den Krä­mers hat man in Kerch ein siche­res Leben, wie Wyl­an am eige­nen Leib erfah­ren muss. Doch die Fein­de lau­ern nicht immer nur in den Schat­ten und Gos­sen. Häu­fig genug sit­zen sie mit einem zum Abend­essen am Tisch.

»Kaz Brek­ker brauch­te kei­nen Grund für etwas. Die­se Wor­te waren es, die man sich auf den Stra­ßen von Ket­ter­dam zuflüs­ter­te, in den Taver­nen und Kaf­fee­häu­sern, in den dunk­len und ver­schwitz­ten Gas­sen des Ver­gnü­gungs­be­zirks, der als der Bar­rel bekannt war.«

Beginn des zwei­ten Kapi­tels von ›Das Lied der Krä­hen‹, Knaur 2017

Doch wen sonst, wür­de man fra­gen, um ver­mut­lich das gewag­tes­te Ver­bre­chen seit Jah­ren zu bege­hen, wenn nicht die Tunicht­gu­te von Kerch? In Kerch lebt das Ver­bre­chen, es bil­det sei­ne Kin­der aus und lässt nur die geschick­tes­ten am leben. 

Kaz Brek­ker kennt in ›Glo­ry or Gra­ve‹ die Abgrün­de von Kerch bes­ser als die meis­ten. Und er hat noch eini­ge offe­ne Rech­nun­gen zu beglei­chen, allen vor­an mit einem ande­ren Ban­den­boss aus dem Bar­rel. Und dafür kommt ihm das gebo­te­ne Geld genau recht. Die Gegen­leis­tung? Das Unmög­li­che mög­lich machen. Und lan­ge genug leben, um sich dar­an zu erfreuen.

»Was tue ich hier?
Die­ser Gedan­ke war Wyl­an min­des­tens sechs Mal am Tag durch den Kopf geschos­sen, seit er Kaz Brek­ker ken­nen­ge­lernt hat­te. Aber in einer Nacht wie die­ser, in einer Nacht, in der sie ›arbei­te­ten‹, sang er in sei­nem Kopf wie ein ner­vö­ser Tenor, der sei­ne Ton­lei­tern übte: Was­tu­eich­hier­was­tu­eich­hier­was­tu­eich­hier

Beginn des zwei­ten Kapi­tels von ›Das Gold der Krä­hen‹, Knaur 2018

Kei­ner der Sechs aus Kaz Brek­kers Trup­pe, die in das Eis­tri­bu­nal der Fje­r­dan ein­bre­chen sol­len, hat­te es in ›Glo­ry or Gra­ve‹ leicht. Wer sich in den dunk­len Gas­sen von Kerch her­um­treibt, hat zumeist kei­nen ande­ren Ort, an den er gehen kann. Oder eine Schuld abzu­be­zah­len. Und doch schaf­fen es die­se sechs in all ihrer Zer­rüt­tung und mit all ihren Pro­ble­men zu einer Mann­schaft zusam­men­zu­wach­sen, die sich sehen las­sen kann.

Ihre Metho­den sind alles ande­re als gewöhn­lich, ihre Umgangs­for­men oft­mals rau und abwei­send. Und doch hal­ten sie anein­an­der fest, geben sich nicht auf und glau­ben aneinander. 

Fazit zur ›Glory or Grave‹-Reihe

Leigh Bar­d­u­gos Krä­hen-Dilo­gie ›Glo­ry or Gra­ve‹ ist per­fekt für alle, die kan­ti­ge Cha­rak­te­re mögen, die sel­ten ein Blatt vor den Mund neh­men und immer wie­der über­ra­schen kön­nen. Ein­ge­bet­tet wer­den sie in eine span­nen­de Geschich­te, die immer wie­der ein Ass im Ärmel zu haben scheint. Wer also düs­te­re Figu­ren mit schwe­rer Ver­gan­gen­heit will, die zusam­men immer wie­der Momen­te der Inten­si­tät und der Leich­tig­keit erle­ben, der kann sich ger­ne in die Stra­ßen von Ket­ter­dam ent­füh­ren las­sen. Es lohnt sich.


Für Fans von …

  • Stran­ge the Drea­mer‹, Band 1 und 2 von Lai­ni Taylor
  • Muse of Night­ma­res‹, Band 1 und 2 Lai­ni Taylor
  • Kno­chen­die­bin‹ von Mar­ga­ret Owen
  • Die ›Legen­den der Gri­sha‹-Tri­lo­gie von Leigh Bardugo
  • Die ›Thron aus Gold und Asche‹-Duo­lo­gie von Leigh Bardugo

Bewertung

Bewer­tung: 4.5 von 5.

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
Das Lied der Krä­hen

Glo­ry or Gra­ve, Band 1
Über­setzt von Michel­le Gyo
Knaur HC, Mün­chen 2017
EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back, 592 S.,
ISBN 978−3−426−65443−9

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Leigh Bar­d­u­go:
Das Gold der Krä­hen

Glo­ry or Gra­ve, Band 2
Über­setzt von Michel­le Gyo
Knaur HC, Mün­chen 2018
EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back, 592 S.,
ISBN 978−3−426−44380−4

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Leigh Bardugo: Das Gold der Krähen [Rezension]

Wenn verratene Krähen sich rächen. 

Die Figu­ren in ›Das Gold der Krä­hen‹ könn­ten unter­schied­li­cher kaum sein: Kaz, Jesper, Wyl­an, Mat­thi­as, Inej und Nina. Die sechs­köp­fi­ge Trup­pe, der es im ers­ten Band der Glo­ry or Gra­ve‹-Dilo­gie, ›Das Lied der Krä­hen‹, gelang, in das Eis­tri­bu­nal ein­zu­bre­chen und eine Gri­sha zu befrei­en. Zuge­ge­ben: Sie haben nicht genau die Per­son befreit, die ihr Auf­trag vor­ge­se­hen hat, aber des­we­gen ist sie kaum weni­ger wert. 

Das Gold der Krä­hen‹ schließt rela­tiv naht­los an die Ereig­nis­se des ers­ten Ban­des an und treibt die Geschich­te in gro­ßen, span­nungs­ge­la­de­nen Schrit­ten dem Fina­le entgegen. 

Für Kaz’ Trup­pe geht es mitt­ler­wei­le um mehr als einen Auf­trag mit­samt sei­ner Beloh­nung: Es geht um ihr Leben und das ihrer Nächs­ten; um die Hoff­nung, ihre Zukunft frei wäh­len zu dür­fen, und um Rache.

»Sei­ne gan­ze Auf­merk­sam­keit galt dem Mann, der an der öst­li­chen Mau­er stand und zu den bun­ten Glas­fens­tern hin­auf­blick­te, einen zer­knit­ter­ten Hut in den Hän­den. Gewis­sens­bis­se durch­zuck­ten Jesper, als er merk­te, dass sein Vater sei­nen bes­ten Anzug trug und sich das rote Haar der Kae­lisch sorg­sam aus der Stirn gekämmt hat­te. Es war von grau­en Sträh­nen durch­zo­gen, die noch nicht da gewe­sen waren, als Jesper sein Zuhau­se ver­las­sen hatte.«

Es ist unglaub­lich fes­selnd zu sehen, wie sich aus den sechs unter­schied­li­chen Mit­glie­dern des Ein­bruch-Trupps Freund­schaf­ten ent­wi­ckeln. In all ihrer Unter­schied­lich­keit, obwohl sie die Lebens­wei­se des Bar­rels ver­in­ner­licht haben und obwohl jeder Ein­zel­ne an sei­ne Gren­zen getrie­ben wird. Dabei bleibt Bar­d­u­go ihren Cha­rak­te­ren treu. Die Gano­ven des Bar­rels ent­wi­ckeln sich nicht plötz­lich zu hel­den­haf­ten Sau­ber­män­nern, die nur von dem Drang, Gutes zu tun, ange­trie­ben werden.

Sie blei­ben geris­sen, ver­schla­gen und ihre Spiel­chen trei­bend, bis zuletzt. Doch Bar­d­u­gos Cha­rak­te­re wären nicht so wahn­sin­nig span­nend, wenn sie nur das wären. Unter all den Über­le­bens­in­stink­ten haben Kaz und sei­ne Trup­pe Zie­le, die sie antrei­ben. Sie geben sich Chan­cen und geben sich bis zuletzt gegen­sei­tig nicht auf. Ein tol­les Team!

»Lie­ber schreck­li­che Wahr­hei­ten als freund­li­che Lügen. Kaz hat­te ihr nie­mals Glück ange­bo­ten, und sie trau­te den Män­nern nicht, die es ihr jetzt auf­tisch­ten. Ihr Lei­den war nicht umsonst gewesen.«

Obwohl ›Das Gold der Krä­hen‹ nicht ins ver­trau­te Rav­ka zurück­kehrt, feh­len bekann­te Gesich­ter in die­sem Band nicht. Immer­hin war Nina frü­her ein­mal ein Mit­glied der Zwei­ten Armee, bevor sie von den Drüs­kel­le gefan­gen genom­men wurde. 

Fazit zu ›Das Gold der Krähen

Span­nend, vol­ler Über­ra­schun­gen und Team­geist. So schreibt Bar­d­u­go ein wei­te­res Stück der Geschich­te der Gri­scha, in einem Land, indem sie kei­nen Schutz genie­ßen. Ich hof­fe sehr, dass auch nach der Dilo­gie noch von Kaz und sei­ner Trup­pe zu lesen sein wird.

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
Das Gold der Krä­hen

Glo­ry or Gra­ve
Band 2
Über­setzt von: Michel­le Gyo
Knaur HC, Mün­chen 2018
592 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−44380−4

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4.5 von 5.


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Leigh Bardugo: Das Lied der Krähen [Rezension]

Von sechs jungen Menschen, die das Unmögliche wagen. 

Die Figu­ren in ›Das Lied der Krä­hen‹ sind Abschaum. Der Dreck auf den Stra­ßen, lie­gen­ge­blie­ben und fest­ge­tre­ten durch die Ver­bre­chen jener, die vor ihnen kamen. 

Das Bar­rel hat sie Leben gelehrt, in sei­nen Freu­den­häu­sern, Stra­ßen­kämp­fen und Kasi­nos, in denen Men­schen­le­ben oft nur eine Ware sind. Sie wis­sen, dass die ver­lie­ren, die Schwä­che zei­gen. Also ver­su­chen sie, sie zu ver­ber­gen: die Her­kunft des einen, die Glücks­spiel­sucht oder die Lie­be des anderen.

Man soll­te anneh­men, dass es Din­ge gibt, die sogar zu ver­rückt und abwe­gig für jene sind, die in Ket­ter­dams dunk­len Gas­sen groß gewor­den sind: Ein Ein­bruch ins Eis­tri­bu­nal der Fje­r­dan, das unzäh­li­ge Gri­sha zum Tode ver­ur­teilt hat, um einen Gefan­ge­nen zu befrei­en, der bes­ser bewacht wird, als jeder sonst im Tribunal.

Eine unmög­li­che, im bes­ten Fall lebens­mü­de Auf­ga­be. Die wenigs­ten wäre so ver­rückt, sich auf solch einen Auf­trag ein­zu­las­sen, selbst wenn eine saf­ti­ge Beloh­nung winkt. Doch die wenigs­ten sind wie Kaz Brek­ker – geris­sen, gefürch­tet und talen­tiert – und sei­ne Dregs. Mit nur fünf Ver­bün­de­ten wagt er sich ins Eis­tri­bu­nal, um eine Per­son zu befrei­en, deren Schick­sal das Leben der Gri­sha für immer ver­än­dern könn­te. Und genau­so unge­wöhn­lich wie sei­ne Metho­den ist die Wahl sei­nes Teams in ›Das Lied der Krä­hen‹.

»Mat­thi­as Hel­var war ein Drüs­kel­le, einer der Hexen­jä­ger aus Fje­r­da, deren Auf­trag es war, Gri­scha zu jagen, um sie dem Gericht und ihrer Exe­ku­ti­on zu über­ant­wor­ten. Doch für sie hat­te er schon immer einem Krie­ger­hei­li­gen geäh­nelt, von gol­de­nem Licht umkränzt.«

Leigh Bar­d­u­gos Glo­ry or Gra­ve‹-Dilo­gie bringt die Leser und Lese­rin­nen zwar nicht zurück in das aus der Tri­lo­gie ›Legen­den der Gri­sha‹ bekann­te Raw­ka, doch zurück in das Gris­ha­ver­se. Weni­ge Jah­re nach den Ereig­nis­sen der Tri­lo­gie und zeit­lich vor der ›Thron aus Asche und Gold‹-Dilogie (›King of Scars‹) sind ›Das Lied der Krä­hen‹ und ›Das Gold der Krä­hen‹ ange­sie­delt. Ich wür­de emp­feh­len, die Krä­hen-Dilo­gie am bes­ten erst nach der Gri­sha-Tri­lo­gie zu lesen. Zwar lässt sie sich auch eigen­stän­dig lesen, doch hat man so den größ­ten Lesegenuss.

In den Stra­ßen Kerchs, in denen Kaz Brek­ker und sei­ne Dregs, zu Hau­se sind, ist es für Gri­sha nicht sicher. Sie wer­den ent­führt, ver­kauft und in Arbeits­ver­trä­ge gezwängt, die nie­mals abge­ar­bei­tet wer­den kön­nen – im bes­ten Fall. Somit kann Kaz für sei­nen Ein­bruch ins Eis­tri­bu­nal nicht auf ein gut aus­ge­bil­de­tes Gri­sha-Team zurück­grei­fen: Kaz’ Ver­stand und Ideen­reich­tum wer­den mehr­fach auf die Pro­be gestellt.

»Kaz zupf­te an den Ärmeln sei­ner Uni­form. ›Nina, die Men­schen lie­ben es, die Auto­ri­tät an gut geklei­de­te Män­ner abzu­ge­ben. Ich besit­ze Uni­for­men von der Stadt­wacht, der Hafen­po­li­zei und die Tracht eines jeden Krä­mer­hau­ses an der Geldstraat.‹«

Das Lied der Krä­hen‹ ist auf eine ande­re Art span­nend und fes­selnd, als es die Gri­sha-Tri­lo­gie war. 

Unge­wöhn­li­che Magie ist zwar nicht ganz aus der Welt, doch neh­men Tak­tik und Ideen­reich­tum eine weit­aus grö­ße­re Bedeu­tung ein. 

Fazit zu ›Das Lied der Krähen

Die Sol­da­ten der Ers­ten und Zwei­ten Armee machen Platz für die Gano­ven des Bar­rels. Obwohl ich anfangs die Wär­me ver­misst habe, die ich mit der Gri­sha-Tri­lo­gie ver­bin­de, kön­nen Kaz Brek­ker und sei­ne Trup­pe über­zeu­gen: in ihrer Unter­schied­lich­keit und, weil sie sich nicht unter­krie­gen las­sen, obwohl manch­mal alles gegen sie ver­schwo­ren scheint. Düs­ter, span­nend und Lust auf Mehr machen. Der zwei­te Band, ›Das Gold der Krä­hen‹, wird nicht lan­ge auf mich war­ten müssen.

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
Das Lied der Krä­hen

Glo­ry or Gra­ve
Band 1
Über­setzt von: Michel­le Gyo
Knaur HC, Mün­chen 2017
592 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−65443−9

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Leigh Bardugo: Die Sprache der Dornen [Rezension]

Die Magie des Märchenerzählens. 

Ob Hexen, Bes­ti­en oder Meer­jung­frau­en: Auch die Mär­chen in ›Die Spra­che der Dor­nen‹ ken­nen die­se Geschöp­fe, die aus den Mär­chen der Kind­heit ver­traut aufblicken. 

Doch wer Leigh Bar­d­u­gos Roma­ne über ›Die Legen­den der Gri­sha‹, die Dilo­gien ›Glo­ry or Gra­ve‹ oder ›Thron aus Gold und Asche‹ kennt, ahnt, was sich hin­ter den Hexen und Magi­ern die­ses Buches ver­ber­gen könn­te. Doch auch ohne sie zu ken­nen – den sechs ver­schie­de­nen Mit­ter­nachts­ge­schich­ten haf­tet etwas so uner­klär­lich Magi­sches an, dass man stau­nen kann. Obwohl die Geschich­ten vol­ler Magie und unheim­li­cher Figu­ren sind, sind sie zugleich vol­ler Mensch­lich­keit und mensch­li­cher Abgründe. 

Wun­der­schö­ne Illus­tra­tio­nen schmü­cken nicht nur den Sei­ten­rand aller Geschich­ten. Am Ende jeder Erzäh­lung erwar­tet den Leser oder die Lese­rin eine dop­pel­sei­ti­ge Illus­tra­ti­on, die die Atmo­sphä­re der Geschich­ten per­fekt ein­zu­fan­gen weiß. 

Und wäh­rend in man­chen Geschich­ten unauf­fäl­lig Gestal­ten war­ten, die man aus Leigh Bar­d­u­gos Geschich­ten kennt, sind die Anspie­lun­gen an und Fort­füh­run­gen von klas­si­schen Erzäh­lun­gen und Mär­chen vielfältig. 

»In dem Jahr, in dem der Som­mer zu lan­ge blieb, lag die Hit­ze schwer wie ein Leich­nam auf der Prä­rie. Das hohe Gras ver­brann­te unter der unbarm­her­zi­gen Son­ne, und die Tie­re fie­len tot auf den aus­ge­dörr­ten Fel­dern um. In die­sem Jahr waren nur die Flie­gen glück­lich, und Sor­gen kamen über die Köni­gin des west­li­chen Tales.«

Bar­d­u­gos Mit­ter­nachts­ge­schich­ten in ›Die Spra­che der Dor­nen‹ sind ver­mut­lich nicht nur für Gri­sha-Fans ein Genuss. Wer eine Schwä­che für Erzäh­lun­gen mit mär­chen­haf­ten Ele­men­ten hat, kann ihren getrost eine Chan­ce geben. Die Spra­che der Autorin ist düs­ter und stim­mungs­voll. Ihre Figu­ren sind oft eben­so wun­der­schön wie abscheu­lich, wäh­rend die Prin­zes­sin­nen ihrer Geschich­ten sicher­lich nicht nur dar­auf war­ten, dass ein Prinz in glän­zen­der Rüs­tung sie rettet.

»Nie­mand in der Stadt konn­te bestrei­ten, dass Kimas Eltern geseg­net wor­den waren mit ihrer Geburt, denn sie war gewiss dazu bestimmt, einen rei­chen Mann zu hei­ra­ten – viel­leicht sogar einen Prin­zen – und ihnen so Glück zu brin­gen. Doch dann, kaum ein Jahr spä­ter, kam ihre zwei­te Toch­ter auf die Welt, und die Göt­ter lachten.«

Fazit zu ›Die Sprache der Dornen

Bar­d­u­gos Geschich­ten blei­ben im Gedächt­nis. Ihre Prot­ago­nis­ten und Prot­ago­nis­tin­nen sind las­sen sich nicht unter­krie­gen, ganz gleich, ob sie für oder gegen Fami­lie, Freun­de oder sich selbst kämp­fen. Wer also noch eine Geschich­te für Mit­ter­nacht braucht, könn­te hier fün­dig werden.

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
Die Spra­che der Dor­nen
Mit­ter­nachts­ge­schich­ten
Über­setzt von: Michel­le Gyo
Knaur, Mün­chen 2018
288 S., EUR (D) 16,- inkl. MwSt.
Gebun­den
ISBN 978−3−426−22679−7

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Holly Black: Die verlorenen Schwestern. Eine Elfenkrone-Novelle [Rezension]

Von Unterschieden und Entschuldigungen. 

Was wür­dest du tun, um geliebt zu wer­den? Wel­che Geheim­nis­se wür­dest du bewah­ren und wel­che Schwin­de­lei­en glau­ben? Taryn stellt sich mit ›Die ver­lo­re­nen Schwes­tern‹ sol­chen Fragen.

Vor allem, wenn du in einer Welt leben wür­dest, in dem sich grau­sam-schö­ne Unge­heu­er tum­meln? Elfen, die dich zu ihrem Ver­gnü­gen ver­zau­bern kön­nen. Wie groß die Unter­schie­de zwi­schen die­sen ele­gan­ten und durch­trie­be­nen Elfen und den Men­schen sind, spürst du jeden Tag.

Taryn ist dafür weit gegan­gen, viel­leicht zu weit. Sie hat sich auf den Han­del ein­ge­las­sen, den eine der Elfen ihr bot, obwohl sie wuss­te, dass an die­sen immer ein Haken ist. Sie hät­te sich jedoch nicht träu­men las­sen, dass ihre Zwil­lings­schwes­ter Jude den Preis für die­sen Han­del bezah­len muss. Was wür­dest du dei­ner Schwes­ter verzeihen?

»Es begann mit einem Zet­tel, den Locke in mei­nen Ruck­sack schmug­gel­te. Er hat es wohl auf dem Palast­ge­län­de getan, wo die Kin­der des Adels – und wir – in Geschich­te, Rät­sel­ra­ten, Wahr­sa­gen und all den ande­ren Fächern unter­rich­tet wur­den, die nütz­li­che Mit­glie­der der Elfen­ge­mein­schaft im Leben brauchten.«

Die ver­lo­re­nen Schwes­tern‹ greift die Erleb­nis­se des ers­ten Ban­des der ›Elfen­kro­ne-Rei­he‹ auf, die in der Tri­lo­gie aus Judes Sicht geschil­dert wer­den. Die­se Novel­le, die eher an einen Brief erin­nert, soll­te auch erst nach dem ers­ten Band gele­sen wer­den, um sich nicht zu spoi­lern. Sie erzählt die Ereig­nis­se, die zum Ver­rat an Jude und zu ihrer Demü­ti­gung führ­ten aus Sicht ihrer Zwil­lings­schwes­tern Taryn, die dar­in eine grö­ße­re Rol­le spiel­te, als ihr lieb gewe­sen ist.

»Aber was ist mit all die­sen Mäd­chen, die­sen gehor­sa­men Mäd­chen, die Ver­trau­en hat­ten, die lieb­ten, hei­ra­te­ten und star­ben? Waren sie denn nicht auch mutig?«

Blacks Novel­le ›Die ver­lo­re­nen Schwes­tern‹ macht greif­bar, was ›Elfen­kro­ne‹ bereits ver­mu­ten lässt. Wie groß Lockes Talent ist, sich sys­te­ma­tisch in das Leben ande­rer zu wüh­len, ihre tiefs­ten Sehn­süch­te zu nut­zen und sie so zu mani­pu­lie­ren, dass es den größt­mög­li­chen Effekt zeigt. Locke ist schön, char­mant und begabt. Er spürt Taryns Wun­sche zu gefal­len und dazu­zu­ge­hö­ren. Er schenkt ihr Näch­te, die so schön sind, wie sie sie kaum je zu erle­ben glaub­te, bevor ihr der Preis die­ser Näch­te klar wer­den kann. Und doch kann sie die Hoff­nung, dass die­se schö­nen Näch­te wie­der­kom­men könn­ten, nicht mehr loslassen.

Fazit zu ›Die verlorenen Schwestern

Die ver­lo­re­nen Schwes­tern‹ ist eine Ent­schul­di­gung von Taryn an ihre Schwes­ter Jude. Der Ver­such, sie ver­ste­hen zu las­sen, war­um sie bereit war, so viel für die Ehe mit Locke zu ertra­gen – und ihre Schwes­tern ertra­gen zu las­sen. Eine span­nen­de Ergän­zung, um die Hin­ter­grün­de des ers­ten Ban­des bes­ser zu ver­ste­hen und eine Außen­sicht auf Jude zu bekommen.

Buchinfo

Hol­ly Black:
Die ver­lo­re­nen Schwes­tern

Eine Elfen­kro­ne-Novel­le
Über­setzt von: Anne Brau­ner
cbj HC, Mün­chen 2019
ca. 70 S., EUR (D) 0,99 inkl. MwSt.
eBook
ISBN 978−3−641−24551−1

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Holly Black: Elfenkrone [Rezension]

Von einem Mädchen, das sich nicht unterkriegen lässt. 

Zwei Schwes­tern, die sich aufs Haar glei­chen, und doch unter­schied­li­cher nicht sein könn­ten. Nach­dem sie in ›Elfen­kro­ne‹ mit­an­se­hen müs­sen, wie ihre Eltern getö­tet wer­den, ändert sich ihr gan­zes Leben. Nicht nur in einer ande­ren Fami­lie müs­sen sie auf­wach­sen, son­dern in einer ande­ren Welt. Bei eben dem Mann, der ihre Eltern töte­te, als wäre das Töten mühelos. 

Doch ist, bei dem Mör­der ihrer Eltern auf­zu­wach­sen, nicht das Ein­zi­ge, womit die bei­den Zwil­lin­gen und ihre Schwes­ter Vivi zurecht­kom­men müs­sen. Kaum eine Elfe scheint ihnen in ›Elfen­kro­ne‹ freund­lich gesinnt. Vor allem nicht jene, die zum Adel gehö­ren, und zusam­men mit ihnen unter­rich­tet wer­den. Denn der Mör­der ihrer Eltern ist nicht irgend­je­mand, son­dern ein Gene­ral des Königs. 

Elfen kön­nen nicht lügen, doch Men­schen ver­flu­chen und mit Zau­bern bele­gen. Sie haben eine Schwä­che für Rät­sel und für ihres­glei­chen. Und vor allem der Elfen­prinz Car­dan scheint nichts unver­sucht zu las­sen, Jude, die wehr­haf­te­re der bei­den Zwil­lin­ge, zu demütigen.

»Doch eins ver­ste­hen sie nicht: Ja, sie machen mir Angst, aber ich ken­ne es nicht anders, denn so war es von Anfang an. Der Mann, der mei­ne Eltern ermor­det hat, zieht mich hier groß, in einem Land vol­ler Ungeheuer.«

Als wären sie Spiel­zeug, nur dafür gemacht, dass das Elfen­volk sich an ihnen belus­ti­gen kann. Ganz gleich, ob durch Ernied­ri­gung oder Schmerz. 

Doch auch wenn sie die Zwil­lin­ge nicht täg­lich dar­an erin­nern wür­den, wie stark sich die bei­den Völ­ker von­ein­an­der unter­schei­den, könn­ten sie es nicht ver­ges­sen. Es ist nicht nur die Form ihrer Ohren, die sie trennt: Auch die Kör­per sind anders, vol­ler Kur­ven und Run­dun­gen, die den schö­nen Elfen fehlen.

»Die gan­ze Nacht hat Prinz Car­dan mich nicht aus den Augen gelas­sen, wie ein Hai, der rast­los im Kreis schwimmt und auf den rich­ti­gen Zeit­punkt war­tet, um zuzu­bei­ßen. Ich sehe sei­ne raben­schwar­zen Augen immer noch vor mir. Und wenn ich, um ihn zu ärgern, immer noch lau­ter lach­te, strah­len­der lächel­te und Locke län­ger küss­te, ist das eine Tücke, die nicht ein­mal das klei­ne Volk verurteilt.«

Auch, dass sie die Zieh­töch­ter eines Gene­rals sind, kann sie immer weni­ger schüt­zen. Jude ist es genug. Sie will sich nicht mehr klein machen und wie Dreck behan­delt wer­den. Sie will sich weh­ren. Und wird dadurch Teil eines Spiels, von dem sie noch nicht wuss­te, dass es gespielt wird. 

Doch dafür muss Jude Ent­schei­dun­gen tref­fen. Obwohl sie weiß, dass danach nichts mehr so sein kann, wie es war.

Fazit zu ›Elfenkrone

Mit ›Elfen­kro­ne‹ ist Hol­ly Black ein fan­tas­ti­scher Ein­stieg in eine Tri­lo­gie gelun­gen, die sicher­lich noch vie­le Über­ra­schun­gen bereit­hal­ten wird. Obwohl es anfangs etwas dau­er­te, in der Welt wirk­lich anzu­kom­men, war danach kein Hal­ten mehr. Zu facet­ten­reich sind die Cha­rak­te­re, zu ver­wi­ckelt ihre Ver­gan­gen­heit und ihre Ent­schei­dun­gen. Die­se Welt, in der Jude gezwun­gen ist auf­zu­wach­sen, ist blu­tig und geheimnisvoll. 

Man wünscht den Mäd­chen eine Ver­schnauf­pau­se und Wär­me, doch mit jeder wei­te­ren Ent­schei­dung wird deut­lich, dass es das nicht so leicht geben wird. Und so bleibt es span­nend mit­zu­er­le­ben, ob Jude das Elfen­reich zu einem Ort machen kann, an dem auch Men­schen respek­tiert wer­den. Ich wer­de auf jeden Fall wei­ter­le­sen. Mehr von Jude und ihrer Schwes­ter gibt es in ›Die ver­lo­re­nen Schwes­tern‹, ›Elfen­kö­nig‹ und ›Elfen­thron.‹

Buchinfo

Hol­ly Black:
Elfen­kro­ne

Die Elfen­kro­ne-Rei­he, Band 1
Ab 14 Jah­ren
Über­setzt von: Anne Brau­ner
cbj HC, Mün­chen 2020
448 S., EUR (D) 10,- inkl. MwSt.
Roman, Taschen­buch
ISBN 978−3−570−31358−9

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Leigh Bardugo: King of Scars [Rezension]

Geheimnisse, älter als die Schattenflur. 

Kaum drei Jah­re sind ver­gan­gen, seit der Kampf auf der Schat­ten­flur Rav­ka ver­än­dert hat. Doch wäh­rend eine Bedro­hung abge­wehrt scheint, tre­ten die Pro­ble­me, die der Dunk­le been­den woll­te, in ›King of Scars‹ wie­der deut­lich hervor. 

Rav­ka befin­det sich schon viel zu lan­ge im Krieg. Von allen Sei­ten ist das Land von Fein­den umge­ben, doch auch im Innern wol­len die Unru­hen nicht enden. Vor allem für den König des Lan­des, in des­sen Innern noch immer etwas schlum­mert, das sich nicht kon­trol­lie­ren lässt.

Niko­lai Lant­sov hat vie­le Namen gehabt und eben­so vie­le Leben gelebt. In der Infan­te­rie und auf dem Meer gefürch­tet und geehrt, im eige­nen Land hin­ter vor­ge­hal­te­ner Hand als Bas­tard oder Wel­pe beschimpft. Doch wer glaubt, das hät­te Niko­lai zu einem mür­ri­schen und grau­sa­men Mann her­an­wach­sen las­sen, der irrt.

Wer die ›Gri­sha-Tri­lo­gie‹ (›Gol­de­ne Flam­men‹, ›Eisi­ge Wel­len‹ und ›Lodern­de Schwin­gen‹) bereits gele­sen hat, was drin­gend vor dem Lesen von ›King of Scars‹ emp­foh­len sein will, wird sich sicher­lich an den gut aus­se­hen­den, ein­falls­rei­chen und char­man­ten Prin­zen erin­nern, der nie um eine Ant­wort ver­le­gen ist.

Wäh­rend die Wun­den des letz­ten Kamp­fes kaum ver­heilt sind, ver­än­dert sich Rav­ka. Wun­der­sa­me Ereig­nis­se gesche­hen über­all im Land, die alle­samt in eine Rich­tung zu wei­sen schei­nen: zur Schat­ten­flur. Und mit ihnen wird das Mons­ter in Niko­lais Innern stär­ker: die Dun­kel­heit, die in der schein­bar unbe­küm­mer­tes­ten Figur lauert.

»Der Dämon war damit nicht ein­ver­stan­den. Der Dämon hat­te kein Inter­es­se am Lösen von Pro­ble­men oder an der Staats­kunst oder der Zukunft. Ihn trieb nur der Hun­ger, die Gier des Augen­blicks, Töten und Verschlingen.«

Doch nicht nur in Rav­ka herr­schen Unru­hen und Pro­ble­me. Auch in Fje­r­da sind die Geg­ner der Gri­sha nicht taten­los. Wäh­rend somit die Pro­ble­me noch da sind, die der Schaf­fer der Schat­ten­flur mit ihr lösen woll­te, haben Niko­lai und sei­ne Freun­de und Fein­de alle Hän­de voll zu tun: Ein Mons­ter will besiegt wer­den, eine Hoch­zeit geplant und ein altes Geheim­nis gelöst.

King of Scars‹ ver­eint neue Erzähl­per­spek­ti­ven mit der ver­trau­ten Magie der Gri­sha und lässt neben neu­en Schre­cken, vie­len alten Bekann­ten aus dem Gris­ha­ver­se begegnen.

»Einen Moment stand Nina allein mit dem Tod auf den Docks, zwei müde Rei­sen­de, lang­jäh­ri­ge Gefähr­ten. Aber jetzt sah sie die Art, wie die ande­ren sie beob­ach­te­ten – die Gri­sha-Flücht­lin­ge, Adrik und Leo­ni, sogar der Kapi­tän des Schiffs und sei­ne Mann­schaft, die sich über die Reling beugten.«

Fazit zu ›King of Scars

Bar­d­u­go gelingt es mit ›King of Scars‹ erneut, zu begeis­tern: Sie ver­webt eine fan­tas­ti­sche Geschich­te, mit span­nen­den Cha­rak­te­ren, alten Rät­seln und einer ordent­li­chen Por­ti­on Dun­kel­heit und Humor. Es bleibt span­nend, wohin die Autorin ihre Leser im zwei­ten Band von ›Thron aus Gold und Asche‹ noch füh­ren wird. 

Buchinfo

Leigh Bar­d­u­go:
King of Scars

Thron aus Gold und Asche
Band 1
Über­setzt von: Michel­le Gyo
Knaur HC, Mün­chen 2019
512 S., EUR (D) 16,99 inkl. MwSt.
Roman, Paper­back
ISBN 978−3−426−22700−8

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Das hier dar­ge­stell­te Cover und die ange­ge­be­ne Aus­ga­be sowie die Anga­ben zum Buch kön­nen von den der­zeit erhält­li­chen Aus­ga­ben abweichen.


Bewer­tung: 4.5 von 5.


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