James Gould-Bourn: Pandatage [Rezension]

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Wie eine Stangentänzerin und ›Dirty Dancing‹ das Leben verändern können.

bookcoverDass ein Unglück sel­ten allein kommt, weiß Dan­ny ver­mut­lich bes­ser als die meis­ten. Seit sei­ne Frau Liz vor einem Jahr plötz­lich bei einem Auto­un­fall ver­starb, ist das Leben der klei­nen Fami­lie nicht mehr das glei­che.

Sein Sohn Will spricht nicht mehr – weder mit ihm, noch mit ande­ren. War das Geld vor­her schon knapp, reicht es nun nicht ein­mal mehr für das Nötigs­te: Unbe­zahl­te Rech­nun­gen häu­fen sich und sein Ver­mie­ter gehört nicht zur gedul­di­gen Sor­te, dem Gewalt als Lösung fern läge. Als Dan­ny dann noch sei­nen Job als Bau­ar­bei­ter ver­liert, bringt ihn nur der Gedan­ke an sei­nen Sohn noch dazu, mor­gens das Haus zu ver­las­sen.

»›Ist eine lan­ge Geschich­te‹, sag­te er und schau­te auf sei­nen unbe­ring­ten Ring­fin­ger. Als Liz noch am Leben gewe­sen war, hat­te er sich nie Sor­gen um sei­nen Ehe­ring gemacht, aber nach ihrem Tod hat­te er mit einem Mal schreck­li­che Angst bekom­men, er kön­ne ihn ver­lie­ren, also hat­te er ihn in Wat­te gehüllt, in eine Streich­holz­schach­tel gesteckt und in der Schub­la­de sei­nes Nacht­tischs ver­bor­gen.«

Doch ganz gleich, wie sehr er sich auch bemüht, eine Anstel­lung ist für den unge­lern­ten Mann nicht zu fin­den. Hat man ihm bereits sein Leben lang gesagt, dass er zu nichts zu gebrau­chen sei, scheint es sich jetzt zu bewahr­hei­ten.

Aber Dan­ny wäre nicht Dan­ny, wenn er ein­fach auf­ge­ben wür­de. Das Pan­da­kos­tüm, das er in einem her­un­ter­ge­kom­me­nen Laden bekommt, ist weder schön noch sau­ber. Aber es ist güns­tig und erfüllt somit Dan­nys Haupt­vor­aus­set­zung. Doch schon bald muss Dan­ny fest­stel­len, dass es nicht genügt, sich mit einem Kos­tüm in einen Park zu stel­len. Um genug Geld zu bekom­men, um sei­ne Mie­te zu zah­len, muss er den Leu­ten etwas bie­ten.

Dan­ny kann nicht tan­zen. Aber da er all die ande­ren Sachen, für die Leu­te einem Mann im Pan­da­kos­tüm Geld zah­len wür­den, noch schlech­ter kann, bleibt ihm nichts ande­res übrig.

»Wäh­rend sei­ne ver­stor­be­ne Frau auf der Tanz­flä­che eine Art Natur­ta­lent gewe­sen war, war Dan­ny eher eine Natur­ka­ta­stro­phe. Sein Pro­blem war ganz ein­fach. Er hat­te kei­nen Rhyth­mus.«

Pan­da­ta­ge‹ ist ein Roman, der trotz sei­ner tra­gi­schen The­ma­tik immer wie­der zum Lachen bringt. Die trau­ri­gen Momen­te sind weder kit­schig noch pathe­tisch. Gould-Bourn gelingt es, auf eine sub­ti­le Art stark mit Dan­ny und Will mit­füh­len zu las­sen. Die lus­ti­gen Momen­te las­sen den Leser oder die Lese­rin laut auf­la­chen. An man­chen Stel­len kann die Komik zwar etwas zu auf­ge­setzt und kon­stru­iert wir­ken und dadurch dar­an erin­nern, was ›Pan­da­ta­ge‹ ist: ein Roman. Ein Roman, der die Kraft zeigt, über die man ver­fügt, wenn man sich nicht unter­krie­gen lässt. Und Freun­de hat, die einen unter­stüt­zen.

bookcoverPan­da­ta­ge‹ ist kein Roman, der zeigt, dass alles wie­der gut wird, viel­leicht kann es das auch gar nicht. Und doch führt er vor Augen, dass es wie­der gut wird, dass es wei­ter­ge­hen kann, auch wenn es weh­tut und sicher­lich nicht leicht fällt. ›Pan­da­ta­ge‹ ist vol­ler Figu­ren, die man fast schon mögen muss, ob Dan­ny und Will, oder die Stan­gen­tän­ze­rin Krys­tal und den Ukrai­ner Ivan. Gould-Bourns Debüt ist defi­ni­tiv ein Lese­ver­gnü­gen.

Buchinfo

gould bourne pandatage

James Gould-Bourn:
Pan­da­ta­ge

Roman
Über­setzt von: Ste­phan Klei­ner
Kiepenheuer&Witsch, Köln 2020
384 S., EUR (D) 20,- inkl. MwSt.
Gebun­de­ne Aus­ga­be
ISBN 978−3−462−05364−7

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